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ALBANIEN,
ENVER HOXHA UND JOSEF STALIN
von
Alliance Marxist-Leninist, Kanada
Quelle:Red-Channel
Auf
Kommunisten-online am 16. Februar 2010
INHALT
Einleitung
1.
Vom antifaschistischen Krieg zur sozialistischen Revolution
2.
Albanien und Josef Stalin
a.
Über die imperialistischen Angriffe auf Albanien, die Rolle
Griechenlands
und Stalins Vorschlag
b.
Die konkrete Hilfe der Sowjetunion beim Aufbau des
Sozialismus
in Albanien
c.
Über die von Tito geführte Kommunistische Partei Jugos-
lawiens
(KPJ)
Schlussfolgerungen
Einleitung
Marxisten-Leninisten
sehen in der Haltung zu Stalin einen Prüfstein, um zu unterscheiden,
wer sich nur Marxist-Leninist nennt und wer wirklich ein
Marxist-Leninist ist. Nur Marxisten-Leninisten sind der Ansicht, dass
der Sozialismus in der Sowjetunion errichtet wurde und bis kurz nach
Stalins Tod erfolgreich funktionierte. Diese Herangehensweise erlaubt
uns angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Gruppen zwischen
denjenigen zu unterscheiden, die wahre Marxisten-Leninisten sind und
jenen, die dies nicht sind. Es wird sich mit der Zeit auch deutlich
zeigen, dass die Einstellung zu Enver Hoxha und zum sozialistischen
Aufbau in Albanien eine ähnliche Bedeutung gewinnen wird.
In
diesem Beitrag werden wir aufzeigen, dass Enver Hoxha Albanien über
einen nationalen Befreiungskrieg, der zwei Phasen durchlief, zum
Sozialismus führte. Nach der Sowjetunion war Albanien bis heute das
zweite Land der Erde, das den Sozialismus errichtete. Diese äußerst
wichtige Errungenschaft hat bis jetzt keine angemessene Würdigung
erfahren. Die Nichtbeachtung dieser Tatsache hat ihre Ursache in der
revisionistischen Desinformation und in unhaltbaren Behauptungen.
Gerade
heute gehen Marxisten-Leninsten daran, ihre Geschichte umfassend neu zu
bewerten. Sämtliche Behauptungen müssen einer sorgfältigen Überprüfung
unterzogen werden. Wir sagen, dass die Behauptung, der Sozialismus sei
auch in verschiedenen anderen Ländern errichtet worden, wie
beispielsweise in den ehemaligen Ländern des Warschauer Vertrages, in
Kuba, Vietnam oder Nordkorea, unhaltbar und unzutreffend ist. Wir meinen
auch, dass diese Behauptung dazu beiträgt, den Sozialismus abzuwerten
und zu diskreditieren.
Tatsächlich
verwischen diese unberechtigten revisionistischen Behauptungen den
Unterschied zwischen dem Sozialismus und einem nationalistischen
'Pseudo-Sozialismus', der in bestimmten Ländern existierte. In Wahrheit
haben die politischen Führer jener Länder nie die klaren Ratschläge
Lenins und Stalins beachtet. Lenin und Stalin warnten davor, den
revolutionären Prozess von der nationaldemokratischen Revolution hin
zur sozialistischen Revolution abzustoppen. Stalin wies mit dem Ausdruck
'Chinesische Mauer', der sich als hellsehrerisch erweisen sollte (da die
Kommunistische Partei Chinas gerade das tat, wovor er gewarnt hatte),
darauf hin, dass man keine unüberwindliche Barriere zwischen der
demokratischen und der sozialistischen Revolution errichten darf.
Es
mag natürlich sein, dass zu diesem Zeitpunkt so mancher ehrliche
Marxist-Leninist nicht davon überzeugt ist, dass Albanien tatsächlich
das einzige Land war, das dem Beispiel der Sowjetunion folgte. Wir
werden deshalb an dieser Stelle versuchen, zunächst die Entwicklung der
Albanischen Revolution zu umreißen. Wir werden dann anschließend auf
die Beziehungen zwischen Stalin und Hoxha, der die Albanische Partei
vertrat, eingehen und in diesem Zusammenhang auch die Haltung der
Tito-Revisionisten umreißen.
Damit
werden wir zeigen, dass noch zu Lebzeiten Stalins und mit seiner
direkten Unterstützung in Albanien das Fundament eines sozialistischen
Staates gelegt wurde.
Dieser
Überblick stellt die Entwicklung allerdings nur bis zu Stalins Tod im
Jahre 1953 dar. Selbstverständlich ist Albaniens spätere Geschichte
auch sehr wichtig für den Kampf gegen den Revisionismus.
Leider
können wir uns mit ihr in diesem Artikel nicht befassen. Die wichtige
Rolle, die Albanien zuerst bei der Entlarvung des
Chruschtschow-Revisionismus und später bei der des chinesischen
Revisionismus, des Maoismus, gespielt hat, wird später an anderer
Stelle zu schildern sein.
Hier
jedoch wollen wir uns nur kurz vergegenwärtigen, dass der Sozialismus
vom albanischen Staat umfassend aufgebaut und zu großen Höhen
entwickelt wurde, und zwar erstens nach wissenschaftlichen Maßstäben:
Die
gesamte private Industrie wurde enteignet, der Staat kontrollierte die
Schalthebel der Produktion und wurde selbst wiederum von der
Arbeiterklasse und der Bauernschaft geleitet, zweitens nach den Maßstäben
der einfachen Menschen: Im alltäglichen Leben wurde dieses Kriterium
umfassend verwirklicht.
Im
Jahre 1947 war Albanien jedoch ein Land, das vom Faschismus verwüstet
worden war. Es besaß weder ein Eisenbahnnetz noch eine nennenswerte
Industrie, dafür jedoch ein hohes Analphabetentum. Und dennoch besaß
Albanien 1989 einen höheren Lebensstandard als seine Nachbarn,
einschließlich Jugoslawien. Seine Menschen besaßen eine gute
Ausbildung und das Land und seine Menschen entwickelten sich, auch wenn
es die kapitalistische Propaganda nicht wahrhaben will. Albanien
exportierte eine breite Palette von Produkten ins benachbarte Ausland,
einschließlich Elektrizität, und was die Löhne anging, so unterlagen
alle Arbeiter einem 1:1,2 - Verhältnis zwischen den niedrigsten und den
höchsten Löhnen, wobei die Mitglieder der kommunistischen Partei die
niedrigsten Löhne erhielten. Krankheiten, die in Jugoslawien noch an
der Tagesordnung waren, waren in Albanien schon ausgerottet. Eine ganze
Reihe anderer Faktoren könnte hinzugefügt werden, um den Unterschied
im politischen, kulturellen und im sonstigen Lebensniveau zwischen
Albanien und dem in den pseudosozialistischen Staaten deutlich zu
machen.
Albanien
war für die Arbeiter und Bauern auf der ganzen Welt ein gutes
sozialistisches Vorbild. Dies war auch der Grund, weshalb die
internationale Bourgeoisie, angeführt von den USA und der Weltbank, so
hartnäckig den Putsch von 1990 unterstützte, der zur Folge hatte, dass
der Verräter Ramiz Alia an die Macht gelangen konnte. Aber dazu
bedurfte es der Initiative der Organisationen der internationalen
kapitalistischen Klasse.
Enver
Hoxhas Taten leben jedoch auch heute noch fort und sie werden auch
weiterhin wegweisend sein für die Arbeiter und Bauern Albaniens, die
nach wie vor Widerstand leisten.
Wie
aber schuf Enver Hoxha die Grundlagen dieses sozialistischen Staates und
auf welche Weise standen ihm Stalins Taten und Überlegungen zur Seite?
1.
Vom antifaschistischen Krieg zur sozialistischen Revolution
Marxisten-Leninisten
ist bekannt, dass an verschiedenen Knotenpunkten des Kampfes
verschiedene Gruppen von Menschen sich an den Kämpfen beteiligen. Vor
Einsetzen der sozialistischen Revolution gehören dazu auch Menschen,
die sozialistischen Parolen und Prinzipien durchaus fernstehen.
Auch
die Bolschewistische Revolution durchlief zwei Stadien: zuerst das der
national-demokratischen und erst danach das der sozialistischen
Revolution. Dazu Lenin:
"Wenn
man nicht verstehen will, dass eine bürgerlich-demokratische Republik
mit einer verfassungsgebenden Versammlung einen Fortschritt bedeutet
gegenüber derselben Republik ohne eine solche, und dass eine
Sowjetrepublik sogar zwei Schritte voraus bedeutet, dann verschließt
man die Augen vor dem Unterschied zwischen Bourgeoisie und
Proletariat."
(W.
I. Lenin, 'Gesammelte Werke', Moskau 1980, Bd. 29, S. 498).
In
seinen 'Aprilthesen', die er zur Zeit seiner Rückkehr aus dem Exil
verfasste, macht Lenin klare Aussagen über die beiden Stadien der
Bolschewistischen Revolution:
"Das
eigentliche Kennzeichen der gegenwärtigen Situation in Russland besteht
darin, dass das Land vom ersten Stadium der Revolution, welches wegen
des unzureichenden Klassenbewusstseins und der unzureichenden
Organisation des Proletariats die Macht in die Hände der Bourgeoisie
legte, zu seinem zweiten voranschreitet, das die Macht in die Hände des
Proletariats und der ärmsten Schichten der Bauernschaft legen
muss."
(W.
I. Lenin, ebd., Bd. 2, 'Aprilthesen', Bd. 2, Moskau 1977, S. 30).
Diese
besonderen Merkmale (also 'unzureichendes Klassenbewusstsein' und
'mangelnde Organisation des Proletariats'), trafen auch auf Albanien zu.
Wie Lenin erkannte, hatte die demokratische Revolution in Russland im
Monat April (1917 - Üb.) stattgefunden:
"Erstens:
Die alte zaristische Macht, die im Interesse einer Handvoll
feudalistischer Landbesitzer ausgeübt wurde, ist gestürzt und
beseitigt worden, aber nicht vollständig. Zweitens: Die staatliche
Macht ist in die Hände einer neuen Klasse übergegangen, in die der
Bourgeoisie und der verbürgerlichten Landbesitzer. Bis zu diesem
Zeitpunkt ist die bürgerlich-demokratische Revolution in Russland
vollendet."
(W.
I. Lenin, 'Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution', in:
'Gesammelte Werke', Band 2, S. 37).
Lenin
wies auch darauf hin, dass der in der 'Doppelherrschaft' bestehende
Spannungszustand sich durch den Sieg der einen oder der anderen Kraft
auflösen werde:
"Das
Hauptmerkmal unserer Revolution ..besteht in der Doppelherrschaft, die
in den allerersten Tagen nach dem Triumph der Revolution entstand. Diese
Doppelherrschaft zeigt sich in der Existenz von zwei Regierungen: Die
eine ist die tatsächliche, jetzige Bourgeoisie, vertreten durch die
'Provisorische Regierung' von Lwow & Co., die sämtliche Machtorgane
in den Händen hält und die andere ist die zusätzliche parallele
Regierung, die Regierung der 'Kontrolle' in Gestalt des Petrograder
Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, die keinerlei Macht in
den Händen hält, die sich aber auf eine eindeutige und unbezweifelbare
Mehrheit des Volkes, der bewaffneten Arbeiter und Soldaten stützen
kann."
(W.
I. Lenin, 'Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution', in:
'Gesammelte Werke', Band 2, S. 36f).
Lenin
und Stalin wiesen in der Praxis nach, dass die sozialistische Revolution
erst nach dem Sieg der national-demokratischen Revolution stattfinden
kann. Dieses Verständnis versetzte sie in die Lage, sich in den Stürmen
der kolonialen und halbkolonialen Welt zu orientieren, etwas, zu dem
Trotzki übrigens nie in der Lage war, der die sozialistische mit der
demokratischen Phase verwechselte. Es war dieses Verständnis, das
Stalin später auch in die Lage versetzte, die Albanische Revolution zu
entschlüsseln sowie Hoxhas Rolle darin.
So
wie die Bolschewiki der Sowjetunion den Kampf gegen die feudale,
zaristische Unterdrückung zu einer Abschussrampe für die erfolgreiche
sozialistische Revolution machten, genauso führte die Partei der Arbeit
Albaniens die Vereinigte Front im Kampf mit den faschistischen Invasoren
zur national-demokratischen Revolution und von dort aus zur
sozialistischen.
Zunächst
führte sie die Vereinigte Front gegen die italienschen Faschisten, dann
gegen die deutschen Nazis zur national-demokratischen Revolution und
danach gegen den inneren Klassengegner zur sozialistischen Revolution.
Albanien war übrigens während dieses heroischen Kampfes im Zweiten
Weltkrieg das einzige Land, das ohne die Hilfe der Sowjetunion auskommen
musste, aber dennoch in der Lage war, sich aus eigener Kraft aus der
faschistischen Umklammerung zu lösen.
Die
Kommunistische Partei Albaniens (KPA, später 'Partei der Arbeit
Albaniens - Üb.) bildete sich ursprünglich aus einer ganzen Reihe
kleinerer Gruppen, die während der italienischen Besatzung wesentlich
am Kampf beteiligt gewesen waren. Tatsächlich war es der
antifaschistische Kampf an der Basis gewesen, der zu mehr als nur einer
formalen Einheit unter den verschiedenen Gruppen geführt hatte.
"Während
sich die Verhandlungen unter den Führern der kommunistischen Gruppen über
Monate hinzogen, schwellte der antifaschistische Volkskampf im ganzen
Land immer mehr an. Ein radikaler Wandel war eingetreten: Die einfachen
Mitglieder der kommunistischen Gruppen wurden sich immer stärker
bewusst, dass Einigkeit nicht durch sterile Gespräche unter den Führer
hergestellt werden konnte, sondern nur durch den gemeinsamen Kampf gegen
die faschistischen Invasoren. ..Die Demonstrationen wurden beherrscht
von Parolen wie 'Lang lebe das freie Albanien!' oder 'Freiheit oder
Tod'."
('Geschichte
der Partei der Arbeit Albaniens', Band 1, Tirana 1971, S. 70).
Diese
Aktivitäten führten schließlich dazu, dass sich 1940 in Tirana eine
Untergruppe der Kommunistischen Partei bildete: die kommunistische
Gruppe von Korca, die von Enver Hoxha geführt wurde. Unter seiner
Anleitung wurden die sektiererischen und trotzkistischen Elemente der
'Jugendgruppe' entlarvt, die zum Beispiel falsche Parolen verbreiteten
wie:
"'Für
ein Sowjet-Albanien' noch in der Phase des antifaschistischen
Kampfes."
('Geschichte
der Partei der Arbeit Albaniens', Band 1, Tirana 1971, S. 79, im
Folgenden mit 'Geschichte' zitiert).
Die
Shkodra- und Korcagruppe rückten aufgrund der Notwendigkeit
koordinierter Aktionen gegen die italienischen Faschisten enger
zusammen. Schließlich kam es nach einem Treffen verschiedener Gruppen
am 8. November 1941 zur Gründung der Kommunistischen Partei Albaniens.
Die ideologischen und organisatorischen Fundamente der Partei
entsprachen dabei exakt den Ratschlägen Lenins und Stalins
('Geschichte', S. 89ff). Ausdrücklich wurden trotzkistische
Vorstellungen von dem 'reaktionären und konservativen Wesen der
Bauernschaft' und dem 'Fehlen eines Proletariats' zurückgewiesen und
als 'unheilvolle Wegbereiter für die Zerstörung der Hoffnungen auf
einen Sieg' gebrandmarkt (Ebd., S. 86).
Das
strategische Ziel der Partei bestand darin,
"Durch
den Kampf die nationale Unabhängigkeit des albanischen Volkes sowie
eine demokratische Volksregierung in einem Albanien ohne Faschismus zu
verwirklichen."
(Ebd.,
S. 92).
Dabei
wurde der Klassenkampf keineswegs außer Acht gelassen, jedoch wurde
festgestellt, dass
"
..der grundlegende Widerspruch, der in Albanien damals existierte, und
der einer raschen Lösung zugeführt werden musste, um den Weg für die
nationale, die sozialökonomische und kulturelle Entwicklung zu ebnen,
der zwischen dem Volk und den faschistischen Invasoren war."
(Ebd.,
S. 93).
Der
Hauptfeind waren
"
..die italienischen Faschisten ..sowie all jene, die sich an die Seite
der Invasoren gestellt und ihnen gedient hatten, um das albanische Volk
zu unterjochen."
(Ebd.).
Die
Hauptkräfte, die ihnen gegenüberstanden, bildeten
"
..die Arbeiter und Bauern, die die Hauptlast der faschistischen
Besatzung trugen und darangingen, militärische Formationen zu bilden..,
die unter den Arbeitern in den städtischen und ländlichen Regionen
immer zahlreicher wurden."
(Ebd.).
In
Übereinstimmung mit der Taktik der breitest möglichen Einheitsfront
mit all jenen, die ehrlich bereit waren, dem gemeinsamen Feind
entgegenzutreten, erließ die Kommunistische Partei Albaniens folgende
taktische Direktive:
"Die
nationalistisch gesinnten Teile der Bevölkerung waren jedoch gleichermaßen
an der Wiederherstellung der nationalen Unabhängigkeit interessiert.
Deshalb durfte die Partei diese Schichten nicht vernachlässigen und sie
verpflichtete deshalb ihre Mitglieder, nicht in dem Bemühen
nachzulassen, sie für die nationale Befreiungsbewegung zu gewinnen. ...
Vereinigt euch mit all jenen Nationalisten, die ehrlich für ein freies
Albanien eintreten, die gegen den Faschismus kämpfen wollen."
('Geschichte',
S. 94).
Nachdem
das Bündnis zwischen den Massen und den schwankenden, jedoch ehrlichen
Patrioten unter den albanischen Nationalisten hergestellt worden war,
ging die KPA dazu über, sich an die Spitze des Nationalen
Befreiungskampfes zu stellen:
"Im
Februar 1942 erließ das Zentralkomitee die ersten Direktiven zur
Bildung von Nationalen Befreiungsräten, die als Instrument zur
Organisierung und Mobilisierung des Volkes für den antifaschistischen
Krieg dienen und gleichzeitig 'Keimzellen einer künftigen Regierung'
bilden sollten. Die Räte sollten ein wichtiges Bindeglied zu den
Volksmassen darstellen und sie an die Nationale Befreiungsfront heranführen."
(Ebd.,
S. 107).
Die
Gründung der Nationalen Befreiungsfront auf der Konferenz von Pesa am
16. September 1942 war von ausschlaggebender Bedeutung für die
Mobilisierung der Energien der ehrlichen Antifaschisten.
In
der Praxis wusste man zu unterscheiden zwischen den ehrlichen, jedoch
nicht-kommunistischen Patrioten und den falschen 'Patrioten'. Diese von
Abas Kupi geführten Leute wagten es nicht, 'offen die führende Rolle
der KPA, die sie zu spielen begann, in Frage zu stellen'." (Vgl.
'Geschichte', S. 123).
Die
Räte gewannen dann zunehmend an Bedeutung:
"In
den befreiten Gebieten stellten die Räte Organe der Volksmacht dar. Sie
garantierten die Sicherheit und brachten die Wirtschaft wieder in Gang,
sie organsierten die Versorgung mit Lebensmitteln, den Handel, die
Aussaat, die Einbringung der Ernte; sie kümmerten sich um das
Erziehungswesen, um die Kultur und die Presse, schlichteten Blutfehden
und hielten die Wehrbereitschaft aufrecht. ..In allen Nationalen
Befreiungsräten funktionierte die Verwaltung und die Menschen wurden für
den Kampf und den Aufstand mobilisiert."
(Ebd.,
S. 125).
Die
KPA verfügte auch über die Erfahrung der Sowjets in der Sowjetunion.
Aber:
"Sie
übernahm nicht einfach schematisch diese Erfahrungen. Zu allererst ging
sie von den konkreten Umständen, unter denen sich die antifaschistische
Volkserhebung in Albanien entwickelte, aus. Die Zusammensetzung der
Organe dieses Aufstands stimmte mit ihrem nationalen Befreiungscharakter
überein. Nach Ansicht des ZK sollten in diesen Räten die aktivsten
Vertreter aller antifaschistischen Kräfte, unabhängig von ihrer
politischen Überzeugung und ihrer sozialen Herkunft, präsent
sein."
(Ebd.,
S. 126).
Auch
während des Befreiungskrieges unterließ es die KPA nicht, die
Machenschaften des 'Balli Kombetar' zu entlarven und zu vereiteln. Unter
der Führung von Pseudopatrioten wie Mithat Frascheri und Abaz Kupi
stehend, umfasste diese Organisation
"
..reaktionäre bürgerliche Intellektuelle, Großgrundbesitzer und
Kaufleute, reaktionäre Geistliche und andere.. Auch die trotzkistische
Gruppe 'Zjarri' schloss sich ihnen an. Der Balli Kombetar war eine
buntscheckige politische Union der unterschiedlichsten reaktionären Strömungen.
Ihre Organisation war durch und durch korrupt. Balli-Vertreter erklärten,
sie würden die Pesa-Konferenz nicht anerkennen; stattdessen zogen sie
es vor, mit den Invasoren zu kollaborieren."
(Ebd.,
S. 131ff).
Sektiererische
Elemente, die von den Jugoslawen angestachelt worden waren, propagierten
den 'offenen Kampf' gegen die Balli-Leute. Die KPA unter der Führung
von Enver Hoxha auf der anderen Seite drang darauf, zwischen den Anführern
des Balli und den einfachen Mitgliedern zu unterscheiden. Diese
Herangehensweise trug mit dazu bei, dass das albanische Volk zu der Überzeugung
gelangte, dass es nur eine Führung gab, die sich ehrlich für die
nationale Befreiung stark machte, nämlich die KPA.
Als
die Zweite Konferenz der Nationalen Befreiungsbewegung im September 1943
in Labinot stattfand, waren bereits Versuche von Seiten zurückweichlerischer
Elemente des ZK der KPA unter Führung von Imer Dischnica von Hoxha
vereitelt worden, die sich mit dem Balli Kombetar arrangierten wollten.
Es war zu diesem Zeitpunkt an der Zeit, dafür zu werben
"
..dass die Nationalen Befreiungsräte als die einzigen Volksvertretungen
in Albanien anerkannt wurden."
(Ebd.,
S. 170).
Schließlich
setzte sich der richtige Kurs durch und die Masse der Bevölkerung
konnte sich immer mehr davon überzeugen, dass die KPA entschlossen
diesen bewährten Kurs fortführte. Mit der Zeit mussten sogar die
objektiveren unter den britischen Militärbeobachtern in ihren
Geheimberichten feststellen, dass
"
.. es zunehmend schwieriger wird, den Partisanen (d.h. den Mitgliedern
der Befreiungsfront) klarzumachen, weshalb die Alliierten nicht nur
nicht die Kollaborateure verurteilen, sondern sie sogar versorgen und
fortfahren, militärische Kontakte zu ihnen zu pflegen. In den
vergangenen Monaten habe ich zusammen mit den Majoren Titman und Palmer
darum gebeten, diese Politik zu ändern, aber leider vergeblich. ..Ich
bin Berufssoldat und kein Politiker, aber nach dem zu urteilen, was ich
gesehen habe, muss ich sagen, dass die Nationale Befreiungsfront
hundertprozentig in der Lage ist, Albanien zur Zufriedenheit der Bevölkerung
zu regieren."
(Britische
Dokumente des Staatlichen Archivs von Kew, London, Nr. FO 371/43551/39/R
10429, zit.n. 'Ein wirres Knäuel. Geschichte der
angloamerikanisch-albanischen Beziehungen, 1912-1955', hg. v. W.B. Bland
und I. Price, London 1986, S. 99).
Die
italienischen Faschisten mussten am 8. September 1943 kapitulieren. Aber
danach kamen die deutschen Nazis und die bewaffneten
Auseinandersetzungen wurden noch heftiger. Dies führte dazu, dass auch
der Kampf gegen den inneren Feind an Schärfe zunahm, der Kampf gegen
den Balli Kombetar, der sich immer mehr zu einer Speerspitze der
Reaktion entwickelte. Dies geschah in einer Zeit, als Abas Kupi sich den
deutschen Statthaltern anschloss, mit der stillschweigenden Duldung der
Briten. Diese machten sich inzwischen zunehmend Sorgen über Enver Hoxha
und das revolutionäre Potenzial der KPA und wollten ihre künftigen
'Rechte' an der Ausbeutung Albaniens mit Hilfe der Marionette Kupi
sichern, und der britische Premierminister Winston Churchill führte
unterdessen Gespräche mit dem albanischen König Zog.
Unter
diesen Umständen drängte die KPA darauf, die staatliche Macht unter
den Arbeitern und Bauern fester zu verankern:
"Die
wichtigste Frage, mit der wir uns jetzt beschäftigen müssen, ist die
der Staatsmacht, ist die der Gründung von Räten der Nationalen
Befreiung an jedem Ort, ihre Stärkung sowie ihren Schutz vor allen
Versuchen auf Seiten des 'Balli Kombertar' oder von irgendeiner anderen
Seite, sie zu sabotieren oder ganz offen zu bekämpfen..Es darf außer
den Räten für die Nationale Befreiung keine anderen Machtorgane geben.
In dieser Frage darf es weder Kompromisse noch Zweideutigkeiten
geben."
(Ebd.,
S. 184).
Schon
im Mai 1944 erwiesen sich die von der KPA geführten Partisanen, trotz
heftiger deutscher Angriffe, als überlegen. Bis zu diesem Zeitpunkt war
die Nationale Befreiungsarmee auf bis zu 35.000 Mann angewachsen. In der
Zwischenzeit, seit Januar 1944, hatte auch die Rote Armee an der
Ostfront eine Offensive gestartet und war im April in Rumänien
eingedrungen. Ausgerechnet in dieser entscheidenden Phase kamen die
Anglo-Amerikaner den Kupi-Leuten sowie den Balli-Kollaborateuren zu
Hilfe. Aber im Unterschied zu Griechenland, wo Kommunisten
abgeschlachtet wurden, verfolgte die KPA durch Enver Hoxha eine richtige
Linie. Im April 1944 wurde in Permet der Erste Kongress der
Antifaschistischen Nationalen Befreiungsräte abgehalten. Auch die Frage
der Staatsmacht wurde auf der Konferenz besprochen. Die KPA legte größten
Wert auf die Behandlung dieser Frage. Nach den ersten demokratischen
Wahlen, die Albanien erlebte, wurde der Antifaschistische Nationale
Befreiungsrat als höchstes gesetzgebendes und ausführendes Organ gewählt,
als
"
..Repräsentant der Souveränität des Volkes und des albanischen
Staates. Der in Permet gewählte Antifaschistische Rat wurde das höchste
Volksvertretungsorgan Albaniens. Der Kongress beauftragte den
Antifaschistischen Rat mit der Bildung eines Antifaschistischen Komitees
der Nationalen Befreiung, der Bildung einer vorläufigen demokratischen
Volksregierung. Enver Hoxha wurde zum Vorsitzenden dieses
Antifaschistischen Komitees gewählt. Indem er die höchsten Volksorgane
schuf, beschloss der Kongress von Permet, dass das 'neue
volksdemokratische Albanien ausschließlich gemäß dem heute feierlich
durch den Antifaschistischen Nationalen Befreiungsrat zum Ausdruck
gebrachten Willen des Volkes entsteht'."
(Ebd.,
S. 208).
Danach
befreite sich Albanien ganz aus eigener Kraft vom Nazifaschismus.
Schließlich
beschloss das zweite Treffen des Antifaschistischen Nationalen
Befreiungsrates, das in Berat vom 20.-23. Oktober 1944 stattfand, das
Antifaschistische Komitee in 'Demokratische Regierung Albaniens'
umzubennen.
Diese
versprach, vollständig demokratische Wahlen für eine
Verfassungsgebende Versammlung nach der Befreiung abzuhalten. Allen Bürgern
wurde in der 'Erklärung der Bürgerrechte' Gleichheit vor dem Gesetz,
Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Presse-, Religions- und
Gewissensfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das
Wahlrecht usw. garantiert. Darüberhinaus wurden die ersten Schritte in
Richtung einer Landreform unternommen: Der gesamte Grundbesitz wurde
registriert, alle landlosen Bauern wurden gezählt und sämtliche Verträge,
die auf politischem, militärischem oder ökonomischem Gebiet durch den
ehemaligen König Zog mit dem Ausland abgeschlossen worden waren, wurden
für null und nichtig erklärt, falls sie unter Verletzung albanischer
Interessen eingegangen worden waren. Außerdem wurde eine enge Beziehung
und eine intensive Zusammenarbeit mit der Sowjetunion angestrebt (Vgl.
'Geschichte', S. 217ff).
Als
am 29. November 1944 die vollständige Befreiung erreicht war, wurde
deutlich, dass die Arbeiterklasse unter Führung der KPA die
entscheidende Rolle im Nationalen Befreiungsrat gespielt hatte und dies
trotz der Tatsache, dass
"
..der Anteil der Arbeiter in den führenden Organen der Nationalen
Befreiungsbewegung eher gering war. Das bedeutete jedoch nicht, dass die
Arbeiterklasse nicht imstande war, ihre führende Rolle in diesem Krieg
auszuüben."
(Ebd.,
S. 234).
Die
Bauernschaft war zur wichtigsten bewaffneten Kraft im Nationalen
Befreiungskrieg und zur 'zuverlässigsten Stütze der KPA' geworden. Es
traf zu, dass
"
..die albanische Bauernschaft die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung
ausmachte. Es traf auch zu, dass sie in ökonomischer und kultureller
Hinsicht sicherlich rückständig war, aber sie hatte sich ein großes
revolutionäres Potenzial gegen die Grundbesitzer und Wucherer, gegen
das ehemalige volksfeindliche Regime sowie gegen die ausländischen
Invasoren bewahrt. Die Bauernschaft befürwortete das Programm der KPA
und deren führende Rolle, während die wohlhabenden Bauern und der
Dorfadel dies nicht taten und sich mit den Balli-Leuten
zusammentaten."
(Ebd.,
S. 234ff).
Was
die anderen Klassen betraf, so schlossen sich die kleinere und mittlere
Bourgeoisie ebenfalls der von der KPA geführten Nationalen
Befreiungsfront an. Die überwiegende Mehrheit der Kleinbourgeoisie war
mit Begeisterung in ihr tätig. In der mittleren Bourgeoisie gab es
Schwankungen, jedoch beteiligte sich die Masse der Bevölkerung an den
Aktionen (Vgl. 'Geschichte', S. 236). Die Jugendlichen und die Frauen
gehörten dabei zu den aktivsten Kräften.
Bald
wurde eindeutig Kurs auf das zweite Stadium, den Sozialismus, genommen.
Zunächst
musste die Armee jedoch von einer Guerilla- und Partisanenarmee zu einer
regulären Armee umgestaltet werden. Wahlen zu den örtlichen
Machtorganen wurden abgehalten. Auf dem Ersten Kongress der Nationalen
Befreiungsfront im August 1944 wurde die Demokratische Front unter der
Parole der Nationalen Einheit gebildet. Der Kongress rief auch zur
Abhaltung von Wahlen für den 2. Dezember auf. Ausgeschlossen von den
Wahlen waren nur ehemalige Minister der Quisling-Regierung (gemeint die
Regierung der Nazi-Kollaborateure - Üb.), Kriegsverbrecher und jene,
die ihre Bürgerrechte eingebüßt hatten. In der Zeit vor den Wahlen
wurden jedoch bereits bestimmte fortschrittliche Maßnahmen eingeleitet:
1.
Das Bündnis und die Freundschaft mit der sozialistischen Sowjetunion;
2.
Der Wiederaufbau von Schulen, Fabriken, Elektrizitätswerken ...;
3.
Kaufleute und Kapitalisten wurden gezwungen, Steuern zu zahlen und zurückbehaltene
Waren herauszugeben.
Dazu
heißt es in der 'Geschichte':
"Im
Jahre 1945 machten die Einnahmen aus der außerordentlichen Besteuerung
von Kriegsprofiten mehr als die Hälfte der gesamten Steuereinnahmen
aus."
(Ebd.,
S. 261).
Mitten
in der Wahlkampagne erkannte die Sowjetunion die Demokratische Regierung
Albaniens an. Die Wahlen selbst waren außerordentlich wichtig:
"Es
beteiligten sich etwa 90% der Wahlberechtigten..und 93% davon gaben ihre
Stimme den Kandidaten der Demokratischen Front. Es waren die ersten
demokratischen Wahlen, die je in Albanien abgehalten worden waren..Am
11.Januar 1945 proklamierte die Verfassungsgebende Versammlung, die
eindeutig den Willen des Volkes repräsentierte, Albanien als
Volksrepublik und wählte eine neue Regierung mit Enver Hoxha als
Regierungschef."
(Ebd.,
S. 272f).
In
der neuen Verfassung hieß es, dass
"
..die wichtigsten Produktionsmittel fortan Eigentum des ganzen Volkes
sind und dass der private Sektor der staatlichen Kontrolle unterliegt.
Die Verfassung betrachtet Arbeit als Ehre und Pflicht für alle. Jeder Bürger
soll seiner geleisteten Arbeit und seinen Fähigkeiten entsprechend
entlohnt werden."
(Ebd.,
S. 274).
Den
Zynikern zufolge waren die Wahlen natürlich 'manipuliert' worden.
Jedoch kam der Offizier der US-Sondermission Joseph Jacobs 1945
interessanterweise zu folgender Einsicht:
"Die
albanischen Patrioten stellen eine Gruppe von aufrichtigen Patrioten
dar, mit denen so einfach nicht zurechtzukommen sein dürfte."
(W.
B. Bland und I. Price, 'Ein wirres Knäuel. Die Geschichte der
angloamerikanisch-albanischen Beziehungen, 1912-1955', London 1986,
ebd.).
"Das
Regime der Nationalen Befreiungsfront genießt eine größere Unterstützung
in der Bevölkerung als jede andere Oppositionsgruppe. Diese
oppositionellen Elemente sind schlecht organisiert und besitzen kein
konstruktives Programm. Die Nationale Befreiungsfront stellt die einzige
Bewegung dar, die den faschistischen Invasoren wirksam Widerstand
entgegengesetzt hat. Allgemein kann man sagen, dass die Führer der
Nationalen Befreiungsfront patriotisch eingestellt sind und gute
Absichten verfolgen. Ihnen ist das Wohl des Volkes wichtiger als jeder
anderen albanischen Vorgänger-Regierung. Dass sie bis jetzt so vieles
erreicht haben, trotz ihrer geringen Erfahrung, ist recht
bemerkenswert."
(Ebd.,
S. 140).
Die
Volksräte waren zum Fundament der Diktatur des Proletariats geworden.
Was war nun Stalins Haltung zu Enver Hoxha und zum im Werden begriffenen
sozialistischen albanischen Staat?
2.
Albanien und Josef W. Stalin
Unabhängig
davon, dass die bolschewistische Revolution von 1917 für die
Kommunisten Albaniens von überragender Bedeutung war, hatte die
Entwicklung in der Sowjetunion nach 1917 in Albanien starke Sympathien
hervorgerufen. Im Unterschied zu den Revisionisten in den sog.
Volksdemokratien waren die Albaner von Anfang an vom sowjetischen
Beispiel begeistert.
Auch
der antifaschistische Befreiungskrieg erhielt mächtigen Auftrieb durch
das sowjetische Beispiel. Dazu die 'Geschichte':
"Geführt
von Josef W. Stalin erhoben sich die sowjetischen Völker wie ein Mann
und begannen ihren Vaterländischen Krieg, um die Freiheit und Unabhängigkeit
ihrer sozialistischen Heimat zu verteidigen. Dieser gerechte Krieg eröffnete
eine neue Etappe im Zweiten Weltkrieg, stärkte den freiheitlichen,
antifaschistischen Charakter des Kampfes der Völker gegen den
faschistischen Block und legte das Fundament für die Vereinigung aller
antifaschistischen Kräfte der Welt in einer einheitlichen Front. ..Der
hinterhältige Angriff auf das sowjetische Volk und der Ausbruch des Großen
Vaterländischen Krieges hatte große Auswirkungen auf Albanien. Die
Mehrheit der albanischen Patrioten reagierte mit Entrüstung auf die
Hitleraggression.., denn es war nur die Sowjetunion gewesen, die die
Sache Albaniens unterstützt und die ihre Stimme gegen die vielen
Ungerechtigkeiten erhoben hatte, die gegen Albanien verübt worden
waren.. 'Unser Kampf', bemerkte Enver Hoxha, 'begann nicht erst nach dem
Eintritt der Sowjetunion in den Krieg, aber nach diesem Eintritt wussten
die Menschen in unserem Land, dass das von ihnen vergossene Blut nicht
umsonst vergossen war."!
('Geschichte',
S. 81f).
Das
Treffen, auf dem die kommunistischen Gruppen sich zur KPA
zusammengeschlossen hatten, setzte sich auch zur Aufgabe, die Sache der
Nationalen Befreiung Albaniens mit dem Großen Vaterländischen Krieg
der Sowjetunion zu verknüpfen. Dazu die 'Geschichte':
"Der
entscheidende äußere Faktor für den historischen Sieg des albanischen
Volkes war der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion und ihr großer
Sieg über den Faschismus. ..Unter der Führung Stalins trug die
Sowjetunion die Hauptlast des Zweiten Weltkriegs und sie spielte die
Hauptrolle bei der Zerschlagung des Faschismus."
(Ebd.,
S. 241).
Das
beste Zeugnis für die Absichten Stalins sind die Aufzeichnungen Enver
Hoxhas über seine fünf Begegnungen mit Stalin. Über diese Begegnungen
schreibt er in seinen Erinnerungen:
"Wir,
die albanischen Kommunisten, haben die Ratschläge Stalins in unserer
Praxis erfolgreich umgesetzt, um zunächst einmal eine starke, gestählte
Partei zu haben, die stets dem Marxismus-Leninismus gegenüber treu und
den Klassenfeinden gegenüber unnachgiebig ist."
(Enver
Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin', Tirana 1979, S. 39).
Diese
Erinnerungen legen auch Zeugnis ab von der herzlichen persönlichen
Beziehung zwischen diesen beiden großen Kämpfern für das Wohl der
Menschheit. Es ist an dieser Stelle nicht nötig, darauf näher
einzugehen, da das Buch für sich selbst spricht. Wir wollen aber
dennoch versuchen, kurz einige besondere Aspekte der Beziehung zwischen
Stalin und Hoxha herauszustellen.
a.
Über die imperialistischen Angriffe auf Albanien, die Rolle
Griechenlands und Stalins Vorschlag
Die
Großmächte (also gemeint die USA, Großbritannien, Frankreich,
Italien, Russland etc. -Üb) hatten sich stets in die inneren
Angelegenheiten Albaniens eingemischt und ihre eigenen Grenzen gezogen.
In dem Geheimvertrag von London, der am 26. April 1915 von Großbritannien,
Frankreich, Italien und dem zaristischen Russland unterzeichnet worden
war, wurde Albanien in drei Teile geteilt, von denen zwei direkt unter
italienische und ein Teil unter griechische Kontrolle gestellt wurde
(Vgl. W. Bland und I. Price, 'Ein wirres Knäuel', ebd., S. 6).
Dennoch
benutzten unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges die britischen
und amerikanischen Imperialisten die Griechen erneut als Werkzeug, um
Albanien auseinanderzubrechen. Also erneuerten die Griechen ihren
angeblichen Anspruch auf den südlichen Teil Albaniens, den sie den 'Nördlichen
Epirus' nannten. In einer Denkschrift des britischen Außenministeriums
heißt es dazu:
"Das
US-Außenministerium ..neigt dazu, einem begrenzten militärischen
Eingreifen von Seiten der griechischen Armee auf einen Teil des
albanischen Territoriums Berechtigung zuzuerkennen..Es gibt sehr vieles,
das dafür spricht, den griechischen Militärs unter der Hand zu
verstehen zu geben, dass einer begrenzten Aktion dieser Art nichts im
Wege steht."
(Ebd.,
S. 235f).
Hoxha
wies Stalin gegenüber darauf hin, dass sowohl die britischen als auch
die US-amerikanischen Imperialisten genauso wie vor dem Krieg weiterhin
darauf bedacht seien, Albanien zu schlucken. Darüberhinaus hätten auch
die Griechen, die Italiener und die Jugoslawen bestimmte Absichten bezüglich
Albaniens. Stalin riet, den Aufbau des Sozialismus Schritt für Schritt
fortzusetzen. Stalin:
"Was
die Rufe der äußeren Feinde angeht, Albanien zu teilen, so wird damit
nur der Versuch unternommen, euch einzuschüchtern, denn ich glaube
nicht, dass in dieser Beziehung zur Zeit eine Gefahr besteht. Erstens
ist Albanien ein freies und unabhängiges Land, dessen Volk sich die
Unabhängigkeit selbst erobert hat, und dieses Volk hat gelernt, seine
Unabhängigkeit zu verteidigen. Zweitens bestehen unter den äußeren
Feinden selbst Meinungsverschiedenheiten, was Albanien betrifft. Niemand
möchte, dass Albanien nur ganz dem anderen gehört. Wenn Griechenland
zum Beispiel Albanien ganz für sich alleine beanspruchen würde, dann wäre
dies sicherlich für Italien oder Jugoslawien nicht so vorteilhaft.
Diese Länder würden dann Einwände erheben. ..Auf der anderen Seite
ist doch die Unabhängigkeit Albaniens von den Delegationen der Großen
Drei - der Sowjetunion, Großbritannien und den USA - anerkannt und bestätigt
worden. Es kann nun sein, dass diese Erklärung wieder relativiert wird,
aber das wird nicht so einfach sein. Daraus folgt, dass, komme, was da
wolle, Albaniens Unabhängigkeit geschützt sein wird."
(Enver
Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin. Erinnerungen', S. 116f).
Hoxha
wies seinerseits auf bestimmte Informationen hin, aus denen hervorging,
dass der Partisanenkrieg in Griechenland nicht richtig geführt wurde,
und er ließ auch die dringenden Nachkriegsprobleme der unerfahrenen und
schlecht geführten Griechischen Kommunistischen Partei (KKE) nicht
unerwähnt. Bei seinem Treffen mit Stalin wurde Hoxha deutlicher:
"Wir
sind der Meinung, dass die Führung der KKE schwere Fehler begangen
hat.., unter anderem den, dass sie Distanz zum Volk gehalten hat..,dass
sie es während des Krieges auf dem Land und in den Städten unterlassen
hat, die Partei zu stärken..,und dass sie auch während des Krieges den
Kampf gegen die innere Reaktion und gegen die anglo-amerikanische
Intervention fehlerhaft geführt hat."
(Enver
Hoxha, ebd., S. 109f).
Viele
dieser Fehler waren die gleichen wie jene, gegen die die Hoxha-Führung
im ZK der KPA selbst zu kämpfen hatte. Diese Fehler wurden von
trotzkistischer Seite verstärkt sowie von heimlichen Tito-Agenten. Im
Wesentlichen liefen sie auf ein mangelndes Vertrauen auf die Volkskräfte
sowie auf Opportunismus hinaus:
"Auf
dem Lande..kam die Stärkung der Partei nur schleppend voran und ihre
Organisation war schwach dort und schlaff. Oft war keine klare
Grenzlinie zur EAM (der griechischen Nationalen Befreiungsfront - Verf.)
erkennbar. Es gab bei den nationalen Befreiungsräten auf Dorfebene
sowohl im organisatorischen als auch in den Fragen der politischen
Orientierung einen ausgeprägten Opportunismus. In den befreiten
Gebieten und woanders gab es eine Koexistenz und eine Duldung der
reaktionären zerwistischen Organisationen usw. Wir versuchten den
griechischen Genossen klarzumachen, dass es ein großer Fehler gewesen
war, den Oberbefehl über die Nationale Befreiungsarmee dem
Mittelmeerkommando der Briten und Amerikaner zu unterstellen, dass es
falsch war, mit Zerwas und der reaktionären griechischen Exilregierung
Gespräche zu führen und Abkommen opportunistischen und
kapitulantenhaften Charakters abzuschließen, dass es falsch war, in der
Führung der griechischen Nationalen Befreiungsarmee das bäuerliche
Element sowie die alten Karriereoffiziere überwiegen zu lassen usw.,
dass all dies schwere Fehler waren, die dazu führen können, dass der
heroische Kampf des griechischen Volkes eine Niederlage erleiden werde.
Das Varkiza-Abkommen war dann die logische Folge all dieser falschen
Schritte und falschen Einstellungen: Es führte zur Kapitulation vor der
britischen und der lokalen Reaktion."
(Enver
Hoxha, ebd., S. 110ff).
Hoxha
weiter:
"Aber
auch nach dem Abschluss des kapitulantenhaften Varzika-Abkommen und der
Phase der 'Legalität' der KKE korrigierte die Führung keineswegs ihre
begangenen Fehler..Es gelang ihr nicht, die Lage nach der Niederlage des
Faschismus richtig einzuschätzen. Sie unterschätzte den inneren Gegner
und die anglo-amerikanischen Reaktion und war nicht in der Lage, die große
Gefahr vorauszusehen, die ihr von diesen reaktionären Kräften
drohte..Dagegen setzte sie große Hoffnungen in 'legale' Aktionen und in
den Parlamentarismus. Das führte dazu, dass die Partei vor dem Feind
entwaffnet wurde, dass sie ihre gesunden Verbindungen mit dem Volk
wieder verlor und dass die Volksrevolution in Griechenland in eine
schwere Krise geriet, und den Menschen wurde vorgegaukelt, dass die
Revolution auf parlamentarischem Wege und durch Wahlen zum Sieg
verholfen werden könnte..Die Führung unterließ es, Vorbereitungen auf
einen langwierigen und schwierigen Krieg zu treffen. Sie unterschätzte
den Partisanenkrieg und bezeichnete diejenigen Partisaneneinheiten, die
sie erfolgreich umgruppiert hatte, schon als eine 'reguläre Armee'. Sie
setzte ihre ganze Hoffnung auf diese angeblich reguläre Truppe und übersah
dabei den entscheidenden Faktor: das Volk sowie den
marxistisch-leninistischen Grundsatz, dass die Armee und das Volk eine
Einheit bilden müssen."
(Ebd.).
Stalin
machte sich über die Entwicklung in Griechenland Sorgen, aber auch über
die gespannten Beziehungen zwischen der KPA und der KKE. Er war es dann,
der eine Aussprache zwischen den Führern der KKE, Nicos Zachariadis,
Mitsos Partsalides einerseits und Enver Hoxha andererseits arrangierte,
um die Vorwürfe Hoxhas zu diskutieren. Dieses Treffen fand in Stalins Büros
im Kreml statt, wo diese Vorwürfe offen zur Sprache gebracht wurden.
Hoxha
kritisierte folgende Verletzung von Prinzipien:
1.
Die KKE habe den Oberbefehl über den Kampf gegen den Faschismus an das
britische und amerikanische Mittelmeerkommando abgetreten. Dazu Hoxha:
"Unsere
Partei hat bis zuletzt die sowjetisch-britisch-amerikanische Allianz
unterstützt, weil sie diese als eine antifaschistische Koalition
betrachtete, um die deutschen Nazis zu zerschmettern. Gleichzeitig haben
wir nie die Illusion gehabt, dass die anglo-amerikanischen Imperialisten
loyale Freunde des albanischen Volkes werden könnten. ..Wir haben
gleich von Anfang an klar zwischen der Sowjetunion und den
Anglo-Amerikanern unterschieden. ..Unsere Partei, unsere Armee und der
Oberbefehl unserer Armee haben sich nicht nur nie dem Diktat des
britischen und amerikanischen Mittelmeerkommandos gebeugt, sondern wir
blieben auch dann noch sehr vorsichtig, als wir ihnen gestatteten, uns
militärische Ratschläge zu erteilen. ..Unsere beiden Völker (d.h. das
albanische und das griechische - Verf.) entwickelten im Verlaufe des
Krieges sogar noch engere Beziehungen.. Aber wir haben die Genossen in
der Führung der KKE kritisiert, weil sie und die EAM (die Nationale
Befreiungsfront Griechenlands - Üb) dadurch einen schwerwiegenden
prinzipiellen Fehler begingen, dass sie den Nationalen Befreiungskampf
des griechischen Volkes der anglo-amerikanischen Strategie unterordneten
und den Oberbefehl praktisch dem britischen und amerikanischen
Mittelmeerkommando unterstellten. Wir richteten unsere Kritik
unmittelbar an den Genossen Zachariadis. Aber es war Siantos, der hauptsächlich
für die Situation verantwortlich war. ..Zachariadis kam ins Gefängnis.
..Als wir später Zachariadis direkt auf die Dinge ansprachen, gab er
keine klare Antwort, sondern war eher der Ansicht, dass es keine Fehler
gab."
(Enver
Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin. Erinnerungen', S. 166).
2.
Hoxhas zweite Kritik richtete sich gegen die zurückweichlerische Taktik
der KKE und ihre Kapitulation in Varkiza. Rechtsgerichtete Kräfte
bildeten den Nationalen Republikanischen Griechischen Bund (EDES), der
formell von General Nicholas Plastiras, aber tatsächlich von General
Napoleon Zerwas angeführt wurde. Auf einem Treffen im Mai 1944 im
Libanon kamen die EAM, die ELAS und die KKE überein, ihre gesamten
Streitkräfte einer Regierung der Nationalen Einheit mit Georges
Papandreou an der Spitze zu unterstellen. Dieser verlangte kurz darauf
die Auflösung sämtlicher Streitkräfte, außer der der Regierung. Als
die ELAS (Griechische Nationale Befreiungsarmee - Üb) dieser Weisung
nicht nachkam, brach der Bürgerkrieg aus, der auf Regierungsseite von
dem britischen Oberstleutnant Ronald Scobie auf Wunsch Winston
Churchills geführt wurde. Am 3. Januar 1945 wurde Papandreou als
Premierminister durch den
EDES-General
Plastiras ersetzt. Daraufhin kam es am 12. Februar zu der
'Friedenskonferenz' in Varkiza, auf der die ELAS-Führung ihrer
Selbstaufllösung unter der Bedingung einer Amnestie zustimmte und die
Waffen abgab. Die Restbestände der ELAS formierten sich dann zur
Griechischen Demokratischen Armee um und der Bürgerkrieg brach erneut
aus.
Dazu
Hoxha:
"Unsere
Opposition gegen die Führung der KKE mit dem Genossen Zachariadis an
der Spitze gründet sich in erster Linie auf Varkiza, wo die KKE und die
EAM das Abkommen unterschrieben, das mit der Übergabe der Waffen auf
nichts anderes als auf eine Kapitulation hinauslief. Die KPA beschrieb
diesen Akt als einen Verrat, begangen gegen die KKE und das griechische
Brudervolk."
(Enver
Hoxha, ebd., S. 170f).
Die
Vereinbarung von Varkiza sollte schwerwiegende Folgen haben. Sie
vernichtete die Streitkräfte der griechischen Kommunisten.
3.
Hoxhas dritte Kritik bezog sich auf das Verständnis der KKE vom
Guerillakrieg.
Die
praktischen Erfahrungen der KPA ließen diese Kritik als sehr
schwerwiegend erscheinen. Hoxha:
"Nach
der Kapitulation von Varkiza wurde der Griechische Nationale
Befreiungskampf erneut aufgenommen. ..Wir hatten
Meinungsverschiedenheiten mit Zachariadis, Bardzotas und Ionnidis über
den Charakter des Krieges, den die Griechische Demokratische Armee (GDA)
gegen die griechische Reaktion führen sollte. ..Auf der Grundlage
unserer Erfahrungen, die wir im Nationalen Befreiungskrieg gewannen,
waren wir der Auffassung, dass der Griechische Demokratische
Befreiungskampf nicht zu einem umfassenden Krieg führen, sondern den
Charakter eines Partisanenkrieges behalten sollte, der sowohl mit
kleinen als auch mit größeren Einheiten geführt werden könne. Bei
dieser Taktik wäre es dem US-General Van Fleet mit seinen überlegenen
Kräften nicht gelungen, die Griechische Demokratische Armee zu
liquidieren. ..Zachariadis strategische Ansichten standen in direktem
Gegensatz zu den unsrigen. Die Genossen in der Führung der KKE
bezeichneten die Partisanenverbände als 'reguläre moderne Armee'. Sie
behaupteten auch, dass sie sie mit der Strategie und Taktik einer regulären
Armee ausgerüstet hätten. Andererseits verfolgten die griechischen
Genossen bei ihren militärischen Operationen die Taktik der passiven
Verteidigung, die in jedem Fall zur Niederlage führen musste. Die KKE-Führung
ging von der falschen Annahme aus, dass der Partisanenkampf kein Endziel
besitzt, d.h. dass er nicht das Ziel der Machtübernahme anstreben
sollte.."
(Enver
Hoxha, ebd., S. 174).
Hoxha
wies außerdem darauf hin, dass die Griechische Demokratische Armee
demoralisiert war, und dass sich dies noch zusätzlich durch die passive
Abwartetaktik verstärkte. Selbst Teilsiege, wie der in der Schlacht von
Gramos 1948, wurden nicht genutzt, um 'die Städte zu erobern' oder 'die
Macht selbst'. Hoxha kommt nach diesen militärischen Erwägungen zum
eigentlich entscheidenden Punkt, dass nämlich die führende Rolle der
KKE schon aufgegeben worden war:
"Wir
sind der Ansicht, dass bei den Schlachten von Gramos und Vitsi die
Genossen in der KKE-Führung sich nicht an die
marxistisch-leninistischen Prinzipien des Volkskriegs gehalten
haben..Wir haben den griechischen Genossen auf kameradschaftliche Weise
versucht klar zu machen, dass die führende Rolle der Partei in der
griechischen Partisanenarmee stärker betont werden muss, dass der
politische Kommissar einer Kompanie, eines Bataillons, einer Brigade
oder Division der Vertreter der Partei sein muss und deshalb auch das
gleiche Recht haben muss wie der Kommandeur, Befehle zu erteilen. Wir
mussten jedoch feststellen - und das haben wir den griechischen Genossen
auch oft genug gesagt, dass sie keine richtige Auffassung von der führenden
Rolle der Partei in der Armee hatten. ..Das Unvermögen, diese führende
Rolle der Partei in der Armee zu verstehen, war einer der Hauptgründe,
weshalb die Griechische Demokratische Armee eine Niederlage erlitt. ..In
der Griechischen Nationalen Befreiungsarmee (ELAS) existierte zwar das
gemeinsame Kommando von Kommandant und Kommissar, es wurde aber in der
Praxis nur unzureichend verwirklicht. Das lag daran, dass, bedingt durch
die bürgerlich karrieristischen Ansichten von Offizieren, diese keine
der Partei ergebenen Leute neben sich dulden wollten, so dass die Rolle
der Kommissare zurückgedrängt wurde. All dies folgt aus der
Einstellung der Führer der KKE über die Rolle der 'regulären Armee'.
(Enver
Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin. Erinnerungen', S. 183, S. 187-190).
Nachdem
Stalin Zachariadis zugehört und sich mit den Fakten vertraut gemacht
hatte, unterstützte er Hoxhas Analyse:
"Was
Varkiza betrifft, so haben die Albaner Recht. Varkiza war ein schwerer
Fehler. Ihr hättet das Abkommen nie unterschreiben dürfen und eure
Waffen nicht abgeben dürfen, weil das dem Kampf des griechischen Volkes
schweren Schaden zugefügt hat. ..Was die Einschätzung der Strategie
und Taktik, die im Griechischen Demokratischen Krieg zur Anwendung kam,
angeht, so glaube ich, dass so heroisch wie dieser Krieg geführt wurde,
auch hier die albanischen Genossen im Recht sind. Ihr hättet einen
Partisanenkrieg führen sollen."
(Ebd.,
S. 196f).
Aus
dieser Diskussion über Griechenland werden folgende Dinge deutlich:
Erstens,
dass das trotzkistische Standardargument, dass 'Stalin für das Debakel
in Griechenland verantworlich war', falsch ist. Hier ist Hoxha Zeuge dafür,
dass Stalin und die Kommunistische Partei Albaniens der KKE rieten, eine
richtige marxistisch-leninistische Herangehensweise zu beherzigen, eine
Herangehensweise, deren Befolgung die KPA zum Sieg führte.
Zweitens
zeigt dies, dass das Verhältnis zwischen Stalin und Hoxha sehr offen
und direkt war, offen und herzlich, aber auch prinzipiell. Die freimütige
Parteidiskussion zwischen der KPA und der KKE kam durch Stalin zustande
und verlief im Geist des proletarischen Internationalismus. Offene und
scharfe Debatten tragen dazu bei, gefährliche Klüfte zu überbrücken,
die marxistisch-leninistische Politik weiterzuentwickeln und eine
Wiederholung von Fehlern zu vermeiden. Um einen unversöhnlichen Ausgang
der Debatte zu vermeiden, sagte Stalin zum Schluss der Begegnung:
"Wartet
einen Augenblick, Genossen! Umarmt Euch, Genossen Hoxha und Zachariadis!"
(Ebd.,
S. 200).
Drittens
zeigt es, dass sich Stalins allgemeine Einschätzung der albanischen
Situation langfristig als richtig erweisen sollte. Indem die KPA daran
ging, den Sozialismus aufzubauen, konnte sie über eine ganze Reihe von
Jahren hinweg - tatsächlich bis zu Hoxhas Tod - einer kapitalistischen
Entwicklung widerstehen.
b.
Die konkrete Hilfe der Sowjetunion beim Aufbau des Sozialismus in
Albanien
Bei
den zahlreichen Begegnungen zwischen Stalin und Hoxha unterhielt man
sich intensiv darüber, wie die sozialistische Sowjetunion dem flügge
gewordenen sozialistischen Staat Albaniens helfen könnte. Klar war,
dass die sowjetische Führung Albanien sowohl politisch als auch
praktisch in bedeutendem Umfang helfen wollte.
Allein
schon der Name 'Partei der Arbeit Albaniens' wurde von Stalin für die
Kommunstische Partei vorgeschlagen. Die überwältigende Mehrheit der
Menschen Albaniens kam aus der Bauernschaft und Stalin wusste, was dies
bedeutete:
"Die
überwältigende Mehrheit unseres Volkes', sagte ich zu Stalin, 'setzt
sich aus armen Bauern zusammen, dann kommen die Mittelbauern. Wir haben
eine zahlenmäßig kleine Arbeiterklasse, aber dafür relativ viele
Handwerker und Städter, die Kleinhandel betreiben und eine Minderheit
von Intellektuellen. All diese Massen folgten dem Aufruf unserer
Kommunistischen Partei und konnten im Befreiungskrieg mobilisiert werden
und jetzt sind sie mit der Partei und der Volksmacht verbunden. Während
Genosse Stalin die Politik unserer Partei gegenüber den Volksmassen im
Allgemeinen und der Bauerschaft im Besonderen als richtig einschätzte,
gab er uns einige wertvolle kameradschaftliche Ratschläge für die künftige
Arbeit. Er war der Meinung, dass sich unsere KP 'Partei der Arbeit
Albaniens' nennen sollte, da der größte Teil der Mitglieder Bauern
seien."
(Ebd.,
S. 62).
Dieser
Vorschlag wurde später von der KPA angenommen. Stalin zeigte damit, wie
gut er die Probleme einer bäuerlich geprägten Gesellschaft auch wegen
seiner eigenen praktischen Arbeit in dieser Beziehung verstand. Dazu
Hoxha:
"Genosse
Stalin erkundigte sich bei uns im Detail über die Lage der armen und
mittleren Bauern. Ich berichtete ihm von der Politik der KPA, besonders
aber von der umfassenden Arbeit, die sie geleistet hatte.., um in der
Bauernschaft Unterstützung zu finden und sie für sich zu gewinnen. Ich
sagte ihm, dass wir das getan hätten nicht nur, weil die Bauernschaft
der engste und natürlichste Verbündete des Proletariats in der
Revolution ist, sondern auch, weil sie in Albanien die breite Mehrheit
der Bevölkerung ausmacht und über Jahrhunderte hinweg große
patriotische und revolutionäre Traditionen entwickelt hat. Darauf
entgegnete Stalin, dass zu Anfang die Bauern Angst vor dem Kommunismus
haben, weil sie glauben, dass ihnen die Kommunisten ihr Land wegnehmen
wollen und alles, was sie sonst noch besitzen. Die Feinde bearbeiten sie
sehr stark in dieser Richtung, um zu erreichen, dass sie von dem Bündnis
mit der Arbeiterklasse Abstand nehmen und sich von der Politik der
Partei und dem sozialistischen Weg abwenden. Deshalb sei eine
vorsichtige und weitsichtige Arbeit der Partei sehr wichtig, um zu gewährleisten,
dass sich die Bauernschaft untrennbar mit der Partei und der
Arbeiterklasse verbündet. Stalin riet, Maschinen-Traktorenstationen zu
errichten, damit das Land gut bewirtschaftet wird zum Nutzen des Staates
und der Kooperativen, aber natürlich auch zum Nutzen des einzelnen
Bauern. Die Traktoristen müssten immer für die Bauern da sein, sie müssten
alles über Landwirtschaft, Ernten und Böden wissen und sie müssten
ihr gesamtes Wissen in der Praxis so zur Anwendung bringen, dass die
Erträge auf jeden Fall gesteigert werden können."
(Ebd.,
S. 59-62, S. 75f).
Stalin
gab noch viele andere Ratschläge, aber auch zahlreiche praktische
Vorschläge zum Maschinenbau, über Baumwollsaaten, Schienen,
Armeematerial und nicht zuletzt über Spezialisten und Ausbildungshilfen
für den Aufbau der Industrie und der Eigenversorgung des Volkes:
"Wir
werden euch mit Spezialisten zur Seite stehen, um den Prozess der
Entwicklung der albanischen Wirtschaft und Kultur voranzutreiben. Was
das Eröl betrifft, so werden wir euch aserbaidschanische Fachkräfte
schicken, weil sie wirklich Meister ihres Faches sind. Albanien
seinerseits sollte die Söhne und Töchter seiner Arbeiter und Bauern in
die Sowjetunion schicken, um zu lernen und um sich weiterzuentwickeln,
um in der Lage zu sein, zum Fortschritt ihres Heimatlandes beizutragen.
..Wir werden sowohl mit Literatur als auch mit Spezialisten aushelfen,
um die Zahl der höheren Schulen anzuheben, die die Grundlage für den
Aufbau von Universitäten bilden."
(Ebd.,
S. 77f, S. 105).
Die
Großzügigkeit Stalins steht in krassem Gegensatz zu der Einstellung
von Anastás Mikojan, der später als Verschwörer und Revisionist
entlarvt wurde:
"Stalin
sagte: 'Genossen, wir sind ein großes Land, aber ihr wisst auch, dass
wir noch nicht all die schweren Folgen des Krieges bewältigt haben.
Aber wir werden euch heute und morgen helfen, vielleicht nicht allzu
sehr, aber mit den Möglichkeiten, die wir zur Zeit haben. Wir wissen,
dass ihr eure sozialistischen Industriezweige aufbauen müsst und dafür
werden wir all eure Wünsche, die ihr an uns herangetragen habt, erfüllen,
auch die betreffs eurer Landwirtschaft.'
Dann
lachte er und sagte: 'Aber werden die Albaner auch selbst arbeiten?' Ich
wusste genau, weshalb er mich dies fragte: Es lag an den böswilligen
Unterstellungen, die der armenische Feilscher Mikojan ihm gegenüber
gemacht hatte, der nicht nur eine ganz andere Sprache als Stalin sprach,
sondern der auch mit drastischen Worten der Kritik gegenüber der
Planerfüllung in unserem Land nicht sparte und meinte, dass unsere
Menschen nicht genug arbeiten würden usw. usw. Er wollte Art und Umfang
der sowjetischen Hilfe für uns beschneiden."
(Ebd.,
S. 103f).
Hieraus
ergibt sich, dass Stalin ganz eindeutig Hoxha und den sozialistischen
albanischen Staat unterstützte.
c.
Über die von Tito geführte Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ)
Nach
der offenen Entlarvung des Trotzkismus begab sich der Revisionismus in
den Untergrund. Nach der weiteren Entlarvung von Revisionisten in der
Sowjetunion wie von Sinowjew, Bucharin, Radek u.a. wurde der
internationale Revisionismus vorsichtig.
Den
nächsten offenen Versuch, die marxistisch-leninistische Weltbewegung zu
unterwandern, unternahm Tito. Es war letztlich die Entlarvung Titos
durch Stalin, die es den Albanern ermöglichte, ihre Unabhängigkeit zu
bewahren. Denn seit den frühesten Tagen des Albanischen
Befreiungskampfes bis zu dem Zeitpunkt, als Stalin den Titoismus
entlarvte, waren Albanien und die KPA einem ständigen Druck ausgesetzt,
die Unabhängigkeit des Landes auf die eine oder andere Weise den
Jugoslawen und der KPJ zu opfern.
Die
Beziehungen zwischen der KPA und der KPJ wähend des Krieges
Im
Sommer 1941 nahm die KPA Beziehungen zur KPJ auf. Das bisherige Verhältnis
zwischen Albanien und Jugoslawien war stark belastet. Hoxha:
"Dieses
schwere Vermächtnis, das sich im Laufe von Jahrzehnten entwickelte, war
nicht durch Verschulden der Völker oder des albanischen Volkes
entstanden. Die Schuld daran trägt die antialbanische Politik der
Monarchen von Serbien und der Prinzen von Montenegro, die sich Albanien
einverleiben wollten. Die Monarchen von Italien, Österreich-Ungarn,
Griechenland, Serbien, Montenegro und Bulgarien beeilten sich, so viel
sie konnten aus den Grenzgebieten des zusammenbrechenden Osmanischen
Reiches ansichzureißen. ..Es waren insbesondere die serbischen und
montenigrischen Horden, die über die Albaner herfielen und die die am
weitesten abgelegene Region von Kosova besetzten und dabei etwa drei
Millionen Albaner vertrieben. 1912 errangen die Albaner einen großen
Sieg: die Unabhängigkeit Albaniens. Aber Albanien wurde Kosova genommen
und dadurch geteilt und andere albanischen Gebiete wurden gewaltsam
Serbien einverleibt. Danach verstärkte sich die antialbanische Politik
der großserbischen Reaktion. Später bekräftigte Jugoslawien sein
'Rechte' an den besetzten Gebieten und ging neue Wege, um sich ganz
Albanien einzuverleiben. Es waren ausgerechnet die serbischen Monarchen,
die König Zog von Albanien zu Hilfe eilten, der im Juni 1924 aus
Albanien geflohen war. Zog war es dann auch, der im Dezember 1924 die
Konterrevolution anführte. Zum Dank für die erwiesene Hilfe vermachte
Zog den Serben noch weitere Gebiete albanischen Territoriums, wie
Vermsoh und Shen-Naum."
(Enver
Hoxha, 'Die Titoisten', Tirana 1982, S. 4-9).
Die
Aufnahme von Beziehungen zur KPJ und ein Zusammengehen mit ihr
gestaltete sich nach diesen jahrhundertelangen bitteren Erfahrungen
nicht leicht. Die KPJ kämpfte jedoch selbst gegen den Faschismus und
die KPA maß der Herstellung von Beziehungen große Bedeutung zu.
In
den folgenden Jahren sollte die KPJ jedoch beharrlich ein anderes
langfristiges Ziel verfolgen, nämlich die Annektierung Albaniens.
Die
KPJ behauptete fälschlicherweise, die 'KPA aufgebaut' zu haben. Tatsächlich
jedoch war die KPA schon gebildet worden, bevor sich die KPA zum ersten
Mal an die KPJ im Juli 1942 wandte. Die verschiedenen Gruppen (aus denen
die KPA hervorging - Üb) hatten sich zwischen dem 8. und 14. November
1941 getroffen. Der Vertreter der KPJ erreichte Albanien erst im
Dezember 1942: Blazo Jowanowic hatte eine Botschaft Titos bei sich. Er
sagte:
"Sie
enthält Anweisungen und Ratschläge, die für euch sehr wichtig sind.
..Seid ihr einverstanden?"
(Ebd.,
S. 27).
Dieser
Befehlston und das Bestreben, den 'Kampf zu beschlagnahmen' (gemeint:
der antifaschistische Kampf gegen die Nazis - Üb), kennzeichnete die
jugoslawische Haltung zu Albanien in den folgenden Jahren. Später
behauptete Tito, durch jene Botschaft die 'KPA gerettet' zu haben. Die
KPA hatte jedoch schon all jene Probleme gelöst, die Tito vorgab, für
sie lösen zu wollen.
Unter
den zahlreichen späteren 'Beratern' der KPJ befanden sich auch Svetozar
Vukmanovic-Tempo und Dusan Mugosa. Außer, dass sie abschätzig von
einer 'Schablone der Oktoberrevolution' sprachen, was Hoxha energisch
zurückwies, versuchten sie des öfteren, die KPA zu unterwandern. Sie
warfen ihr 'Sektierertum' vor (bezüglich ihrer Haltung zu den
Nationalisten), andererseits beschuldigten sie die KPA, gegenüber dem
Balli Kombetar (also gegenüber den albanischen Nationalisten - Üb) zu
nachgiebig gewesen zu sein:
"Eure
Haltung gegenüber dem Balli Kombetar ist falsch. Ihr wart von dem
Zeitpunkt an, als dieser auf den Plan trat, zu nachgiebig und zu
tolerant. Ihr wart überrascht und wusstet dann nicht mehr, welche
Haltung ihr einnehmen solltet. Anstatt ihm den Krieg zu erklären, habt
ihr Verhandlungen angeboten."
(Ebd.,
S. 64).
Diese
Vorwürfe konnte Hoxha leicht widerlegen, indem er auf die Erfolge der
Vereinigten Nationalen Befreiungsfront verwies. Der KPJ-'Berater',
Oberst Velimir Stojnic, bezeichnete die KPA und Enver Hoxha 1944 als
'Opportunisten', nur weil mit dem Balli Kombetar im August 1943 in Mukje
Gespräche geführt worden waren. Hoxha erläuterte noch einmal die
richtige Taktik der KPA. Er versuchte, der Einmischung ein Ende zu
setzen, indem er ganz offen erklärte:
"Eure
Einmischung in unsere Angelegenheiten ist fehl am Platz und euer Ton ist
inakzeptabel."
(Ebd.,
S. 137).
Die
Jugoslawen (gemeint: die jugoslawischen Trotzkisten oder Revisionisten -
Üb) fuhren jedoch fort, ihre Fraktion in der Führung der KPA, also
Leute wie Liri Gega und Mehmet Shehu zu unterstützen. Diese
organisierten Handlungen des individuellen Terrors, indem sie zum
Beispiel willkürlich Balli-Leute beschießen ließen und damit
Parteibeschlüsse über die 'kühle Beurteilung von Verbrechern'
verletzten (Vgl., Ebd., S. 126-130).
Die
Jugoslawen begannen jetzt auch, ihre Politik der Unterordnung der
albanischen Angelegenheiten unter die Führung der KPJ in die Tat
umzusetzen. Im frühen Stadium ihrer Machenschaften brachten sie
"
..einen Stab ins Spiel, dann wieder einen 'Stab der Stäbe', also eine
universelle Organisation. Dies sollte ein Stab für den gesamten Balkan
sein, ein 'Balkan-Stab'."
(Ebd.,
S. 53)
Hoxha
hielt dies für albern in Zeiten von Faschismus und Krieg. Die anderen
Schwesterparteien wie die griechische und die bulgarische wiesen diese
Absurditäten ebenfalls zurück und die KPJ leitete einen zeitweiligen Rückzug
ein.
Trotz
all dieser Provokationen beschäftigte die KPA sich ausschließlich mit
dem Befreiungskampf gegen den Faschismus, dem Vorspiel zur
sozialistischen Revolution.
Auch
was Kosova anging - albanisches Territorium, das von den Jugoslawen
annektiert worden war und das hauptsächlich von Albanern besiedelt war
- brachte die KPA eine marxistisch-leninistische Politik zur Anwendung.
Ungeachtet der demagogischen Appelle des Balli Kombetar an die Kosowaren,
dass sie Kosova von den 'Jugoslawen befreien' würden,
"
..richtete die KPA Aufrufe an die Menschen, dass 'nur der unerbittliche
Krieg gegen die Faschisten und ihre Helfershelfer zur Lösung unserer
nationalen Probleme führen kann, wozu auch die Berichtigung
geschichtlicher Ungerechtigkeiten gehört. Dafür kämpft unsere
kommunistische Partei und die KPJ führt ebenfalls die Völker auf
diesen Weg."
(Ebd.,
S. 78).
Da
Kosova zu der Zeit von den Nazifaschisten besetzt gehalten wurde -
Balli-Leute behaupteten, dies stelle eine 'Befreiung von den Serben' dar
- war dies ein prinzipieller Standpunkt seitens der KPA. Natürlich hätten
beide, die KPA oder die KPJ, den Kampf der Kosowaren anführen können.
Tatsächlich verlangte
"
..die KPJ, dass die Bevölkerung von Kosova und jene in den anderen
albanischen Regionen Jugoslawiens unter ihrer Führung für den Kampf
mobilisiert werden und dann unmittelbar nach dem Krieg über ihre eigene
Zukunft auf der Grundlage des marxistisch-leninistischen Prinzips des
Rechts auf Selbstbestimmung entscheiden sollte. Diese Forderung
empfanden wir als vernünftig und gerecht. Wir erklärten uns bereit,
ein Zugeständnis zu machen, so dass diese Frage noch nicht einmal als
'Vorwand' von anderer Seite benutzt werden konnte. Dies war nicht die
Zeit, über die besondere Lage in Kosova zu diskutieren. Die
Hauptaufgabe bestand darin, die Völker für einen umfassenden Krieg
gegen die faschistische Besatzung zu mobilisieren. Erst später, wenn
die kommunistischen Parteien an der Macht sein würden, würden die
Probleme einer gerechten und endgültigen Lösung zugeführt werden, dem
Willen der Völker Rechnung tragend."
(Ebd.,
S. 79-84).
Die
KPJ brach ihr Versprechen bezüglich der Garantie des Rechts auf
Selbstbestimmung. Dennoch erklärte die KPA den Kosowaren während des
Krieges, dass sie schonungslos gegen die Faschisten kämpfen müssten.
Trotz falscher jugoslawischer Anschuldigungen, dass die KPA für einen
'großalbanischen Chauvinismus' sei, wurde diese Orientierung
durchgehalten.
Die
KPJ (genauer: die trotzkistische Führung der KPJ unter Tito - Üb)
zeigte jedoch immer wieder, dass sie nationalistische Zielsetzungen
verfolgte. Die erste Konferenz des Nationalen Befreiungsrats für Kosova
und die Methohija wurde vom 31. Dezember 1943 bis zum 2. Januar 1944
abgehalten. Von dieser Konferenz aus, die von der KPJ für Kosova und
von der KPA für Shkodra und Tropoja geleitet wurde, wurde erklärt,
dass
"
..das albanische Volk von Kosova und der Dukajin-Ebene die Möglichkeit
haben soll, das Selbstbestimmungsrechts auszuüben, einschließlich des
Rechts auf Loslösung, um über seine Zukunft selbst frei entscheiden zu
können."
(Ebd.,
S. 119).
Das
Zentralkomitee der KPJ unter der Führung von Tito tilgte jedoch diesen
Satz aus den schriftlichen Resolutionen, was der KPA vorenthalten wurde
(Vgl. ebd., S. 121).
Weitere
prinzipienlose Handlungen seitens der KPJ folgten. Nachdem die KPA in
Kosova den Kampf aufgenommen hatte, unterstützten albanischen
Partisanen der KPA den Kampf zur Befreiung von Kosova. Dann befahlt Tito
der KPA und den Partisaneneinheiten in Kosova, die Nazis Richtung Norden
zu verfolgen, was den Titoisten ermöglichte,
"
..in Kosova einzudringen, ohne auf den Widerstand der aufständischen
albanischen Kräfte mehr zu stoßen. Tito liquidierte dort die
Nationalen Befreiungsräte und ging mit ungezügeltem Terror gegen die
albanische Bevölkerung vor. Diese beispiellosen Unterdrückungsmaßnahmen
seitens der Titoisten führten zu Recht zu einem Volksaufstand und
warfen einen Schatten auf das 'Neue Jugoslawien'. Angesichts dieser sehr
komplizierten Situation verlangte das patriotische Volk von Kosova die Rückkehr
der albanischen Partisanen. Tito sah sich gezwungen, darauf einzugehen,
so dass die Partisanen die Möglichkeit bekamen, zurückzukehren. Danach
heckte er neue Machenschaften aus: Es sei notwendig, dass sich unsere
Streitkräfte aus Kosova zurückzögen und nach Albanien zurückkehren
sollten. Aber wie? Der sorfortige Rückzug unserer Streitkräfte aus
Kosova wäre für die Titoisten mit unangenehmen und ernsten
Begleiterscheinungen verbunden gewesen. Es hätte sein können, dass das
kosowarische Volk sich erneut erhoben hätte. Tito gab vor, dass es
'notwendig sei, reaktionäre Banden in Richtung Süden, d.h. in Richtung
Griechenland zu verfolgen, wofür er unsere Hilfe benötige. Wir gaben
unseren Einheiten den Befehl zu handeln. Nachdem sie den südlichsten
Teil der mazedonischen Grenze erreicht hatten, teilte man unseren
Einheiten mit, dass sie 'nicht mehr in Jugoslawien benötigt' würden.
Die Grenze wurde im Gebiet von Korca und Prespa, weit außerhalb des
Blickfeldes des kosowarischen Volkes, überschritten. Tito und Rankowic
hatten freie Hand für ihr barbarisches Vorgehen gegen das gemarterte
Kosova."
(Ebd.,
S. 212ff).
In
der Zwischenzeit hatten die Jugoslawen fleißig Agenten rekrutiert, wie
zum Beispiel das Mitglied des ZK der KPA Koci Xoxe, der später als
getarnter KPJ-Mann entlarvt werden konnte. All diese Machenschaften
waren direkt gegen Enver Hoxha gerichtet, der die jugoslawischen
Abgesandten immer wieder neu entlarvte und ihnen das Leben in Albanien
schwer machte. Sogar noch während des Krieges unternahmen die
Jugoslawen einen Putschversuch, bei dem sie diese Geheimagenten im
Politbüro der KPA benutzten. Man warf Hoxha 'Sektierertum' in der
Partei vor, zu einer Zeit, da die Befreiung von Berat und von Südalbanien
durch die richtige Politik Enver Hoxhas erkämpft worden war.
Am
Vorabend der Befreiung des gesamten Landes wurde am 23. November in
Berat das Zweite Plenum des ZK der KPA abgehalten. Dies nahmen die
verdeckt arbeitenden jugoslawischen Revisionisten zum Anlass, die
albanische Partei zu desorganisieren. Vor diesem Plenum hatte sich die
Jugoslawen in der Partei eine verdeckte Mehrheit im ZK der
Volksbefreiungsarmee verschafft. Diese getarnten Agenten wurden von Koci
Xoxe angeleitet, zu ihnen gehörten aber auch Leute wie Nako Spiru oder
Sejfulla Maleschowa.
Das
Nahziel für sie bestand darin, 'die Front für den Balli zu öffnen',
danach sollte Hoxha entfernt werden.
Die
getarnten Agenten, die Hoxha als 'die Synthese sämtlicher Fehler, die
in der politischen und organisatorischen Linie aufgetaucht sind',
bezeichneten, und die der Meinung waren, dass 'die Parteilinie sich vom
Sektierertum hin zum Opportunismus' entwickelt habe, erzielten auf dem
Plenum des ZK einen ersten Erfolg (Vgl., ebd., S. 187-191).
Der
Delegierte der KPJ, Stojnic, der die Agenten anleitete, gab die künftige
politische Linie aus, wenn er sagte:
"Ohne
Jugoslawien könnt ihr nicht vorankommen und schon gar nicht ohne das
Jugoslawien, so wie es jetzt auf dem Balkan und in Europa entstanden
ist. Ihr sprecht sehr wenig von uns. Ihr solltet in Zukunft häufiger
von Jugoslawien und Tito sprechen."
(Ebd.,
S. 214f).
Ein
weiterer Bestandteil der politischen Orientierung für die Zukunft
betraf das Bündnis mit den Westmächten. Stojnic in der Debatte vor dem
Plenum des ZK:
"
'Die Alliierten, die in diesem Krieg die entscheidende Rolle spielen,
sollten alle vom neuen Staat gleichrangig behandelt werden.'
'Wie?',
fragte Hoxha, 'indem ihr die Sowjetunion mit den anderen beiden auf eine
und dieselbe Stufe stellt?'
'Aus
staatlicher Sicht gesehen ja', erwiderte Stojnic. 'Die Politik eines
richtigen Staates macht da keinen Unterschied. Inoffiziell, auf
Parteiebene, kann die Sowjetunion ja als der natürliche und Hauptverbündete
gelten, nicht aber auf der staatlichen Ebene. Amerika und Großbritannien
werden stets unsere Verbündeten sein und ihre jetzige Politik ist
positiv und in unserem eigenen Interesse.' "
(Ebd.,
S. 220).
Hoxha
wies dies in seinen Reden entschieden zurück.
Obwohl
die Konferenz von Berat einen bedeutenden Rückschritt darstellte,
hatten die Titoisten doch in einem Punkt keinen Erfolg: Es gelang ihnen
nicht, Hoxha aus der Führung zu verdrängen, weil er im Plenum ein außerordentliches
Ansehen genoss. Hoxha war immer noch in der Lage, die richtige Linie
durchzusetzen, die darin bestand, die Unabhängigkeit der Front zu gewährleisten
und zu erkennen, dass
"
..die Frage der Staatsmacht für die Partei die entscheidende Frage ist.
Wir müssen die Räte stärken und fremde Elemente daraus
entfernen."
(Ebd.,
S. 218).
Trotz
der verräterischen Handlungen der angeblichen Bruderpartei (genauer:
ihrer revisionistischen Führung unter Tito - Üb), verfolgte die
albanische Armee nach der Befreiung von Tirana kurz vor Ende der Berater
Konferenz die deutschen Faschisten bis nach Jugoslawien und half mit,
Montenegro, Sandjak und Bosnien zu befreien (Vgl. 'Geschichte', S. 231).
Tito
legt dem albanischen Weg zum Sozialismus Hindernisse in den Weg
Die
Haltung Stalins gegenüber dem albanischen Wiederaufbau, insbesondere
aber seine Einstellung zum Aufbau einer sozialistischen Industrie, wurde
oben beschrieben. Diese Haltung stand im auffälligen Gegensatz zu der
des Tito-Regimes. Die Politik Titos gegenüber Albanien nach dem Krieg
war eine der Störmanöver für die albanische Entwicklung. Dies sollte
es Tito erleichtern, sich Albanien einzuverleiben. Hoxha zitiert den
Jugoslawen V.Dedijer:
"Schon
im Frühjahr 1945 verlangte Moshe Pijade, einer der engsten Mitarbeiter
Titos, dass die neue Kanzlei der Föderativen Republik Jugoslawiens in
Belgrad nicht sechs, sondern sieben Kabinette haben sollte. Nach Ansicht
der Titoisten sollte das siebte für die 'Jugoslawische Republik
Albanien' reserviert sein."
(Enver
Hoxha, 'Die Titoisten', ebd., S. 231).
Tito
und Kardelj und andere Jugoslawen erklärten ihren Agenten im ZK der KPA
(Shehu, Themelko, Xoxe, Maleshova..) ihre revisionistischen Absichten.
Dazu Hoxha:
"Was
die 'Stadien der Revolution' angeht, waren die Jugoslawen der Meinung,
dass, weil das Stadium der bürgerlich demokratischen Revolution noch
nicht vollendet sei, der Übergang zum zweiten Stadium, zu dem der
proletarischen Revolution, verzögert werden müsse, und dass der Übergang
vom ersten zum zweiten Stadium ein Weg der Reformen sei, dass die
Nationalen Befreiungsräte Organe der bürgerlich-demokratischen
Revolution darstellten, und dass ein wesentlicher Unterschied zwischen
der Oktoberrevolution und der jugoslawischen Revolution darin bestehe,
dass hier der Bourgeois dazugehöre, dass er ein Teil der Front sei. Außerdem
habe Tito den Marxismus mit der Taktik des Nationalen Befreiungskrieges
bereichert."
(Ebd.,
S. 240).
Es
wurde deutlich, dass die Strategie von Berat nur ein Teil ihrer
Gesamtstrategie war. Die Konferenz von Berat warf der KPA
'sektiererisches Verhalten' in der Demokratischen Front vor. Jetzt
fanden die Titoagenten in Titos 'innovativen' Ideen eine Rechtfertigung
dafür, das zweite Stadium der Revolution in Albanien zu blockieren. Die
ausgegebene Losung lautete:
"Die
Genossen Tito, Kardelj und Djilas raten uns, die Stadien nicht zu überspringen."
(Ebd.,
S. 245ff).
Danach
ging die KPJ sogar dazu über, Druck auf die KPA auszuüben, damit die
vom ehemaligen König Zog mit den Imperialisten abgeschlossenen Verträge
respektiert würden.
Hoxha
hielt auch trotz der zeitweiligen Niederlage von Berat an der richtigen
marxistisch-leninistischen Orientierung fest. Die Ambitionen der drei
getarnten Agenten, die um Einfluss und Macht rangelten, konnten sich die
Marxisten-Leninisten zunutze machen. Es handelte sich um Xoxe, Maleshova
und Spiru.
Im
Frühjahr 1946 ging Hoxha im Politbüro der KPA wegen der Fehler des
Zweiten Plenums von Berat zum Gegenangriff über. Obwohl die KPJ alles
tat, um dies zu verhindern, drang Hoxha darauf, das Fünfte Plenum für
den Ersten Parteitag der KPA öffentlich abzuhalten. Die KPJ verlangte
dagegen eine Geheimsitzung. In diesem kritischen Augenblick bat Tito
Hoxha, dringend im Juli 1946 nach Belgrad zu kommen.
Hoxha
verlangte spürbare Hilfen in Form von Krediten für die Entwicklung der
Landwirtschaft und der Industrie sowie einen Vertrag auf gegenseitige
Hilfe, Tito dagegen entwickelte seine Vorstellungen von einer 'Balkanföderation'.
Diese Idee war ursprünglich von Georgi Dimitroff, dem bulgarischen
Kommunisten, der eine zentrale Rolle in der Komintern spielte,
entwickelt worden. Für Tito war diese Idee ein geeignetes Instrument,
um, wie Hoxha sich ausdrückt,
"
..sein Ziel, den gesamten Balkan, einschließlich Albanien, Jugoslawien
einzuverleiben, voranzutreiben."
(Ebd.,
S. 287).
Tatsächlich
kam es zwischen Albanien und Jugoslawien zu einem Vertrag über
Freundschaft und Gegenseitige Hilfe sowie zu einem Wirtschaftsabkommen.
Aber obwohl Hoxha sich weigerte, Gespräche über eine Balkanföderation
zu führen, nahm der Druck in dieser Richtung auf ihn zu. Stalin machte
dann diesen Manövern der Titoisten ein Ende. Hoxha:
"Xoxe,
Kristo und Themelko übten auf mich einen enormen Druck aus, damit wir
in die 'Balkanföderation' eintraten, was in ihren Köpfen bedeutete,
dass wir uns Jugoslawien anschlossen. Ich ging darauf nicht ein. Eines
Tages - es war Anfang 1948 - kamen sie zu mir und meinten: 'Die Balkanföderation
wird gerade zwischen Jugoslawien und Bulgaren hergestellt!' Wir
richteten dann ein Schreiben an die KPJ, auf das wir nie eine Antwort
erhielten. Stalin, der hinter Titos expansionistische Pläne gekommen
war, machte Dimitroff darauf aufmerksam, welcher dann Anfang 1948 öffentlich
erklärte, dass seine Auffassungen von der Föderation zwischen
Jugoslawien und Bulgarien nicht richtig waren."
(Ebd.,
S.287f).
Was
es mit Titos 'Hilfe' auf sich hatte, wurde später deutlich:
"Im
ersten Jahr nach der Befreiung hatten wir nur mit Jugoslawien
Handelsbeziehungen. Der Handel war tatsächlich eine Einbahnstraße und
verlief zu unserem Ungunsten. Wir gaben mehr als wir zurückerhielten.
Wir lieferten gute Produkte und erhielten Schund dafür. Wir enteigneten
die Großkaufleute und verkauften die Stoffe an die Jugoslawen zu
Preisen, die sie uns diktierten, während die Rasierklingen und andere
Kleinigkeiten solcher Art uns ein Vermögen kosteten. Wir führten
Getreide von ihnen ein, weil es knapp bei uns war, ein bisschen Leder
und auch eiserne Pflüge, die sie uns zu ihren Inlandspreisen überließen,
die aber sehr hoch waren. Wir lieferten Oliven, Käse, Olivenöl ..,
obwohl wir kaum selbst davon genug hatten."
(Ebd.,
S. 302).
Selbstverständlich
wollten die Albaner ihren Staatsapparat umgestalten:
"Wir
mussten unser Land auf der Straße zum Sozialismus auf allen Gebieten
voranbringen, besonders aber auf dem der Wirtschaft. Es war uns klar,
dass dafür die inneren Verhältnisse entscheidend waren, obwohl das
Verhältnis zur Sowjetunion Stalins auch von erstrangiger Bedeutung war,
aber in einer Situation, als wir noch nicht die nötigen direkten
Verbindungen zum Sowjetstaat hatten, streckten wir unsere Hände zu den
benachbarten Freunden von der KPJ aus."
(Ebd.).
Die
KPJ hatte jedoch andere Vorstellungen, die sich um einen halbkolonialen
Status für Albanien im Verhältnis zu Jugoslawien bewegten: Dazu Enver
Hoxha:
"Die
KPJ meinte: 'Dies ist nicht die Zeit für eine sozialistische Umwälzung',
..'Unsere Freunde' legten uns auch in der Frage der Landreform
Hindernisse in den Weg und gaben eine falsche Orientierung aus: Uns
wurde angeraten, es nicht mit den ehemaligen Grundherrn zu verderben.
Sie meinten, wir sollten einen kleinen Teil der Ländereien an uns
nehmen, sie dafür mit Geld entschädigen, aber ihnen den größten Teil
belassen, der allerdings 10 bis 20 mal umfangreicher war als der der
armen Bauern. Was die Industrie anging, so wurde uns geraten: 'Später
werdet ihr schon sehen, was mit den Bergwerken und dem Öl passieren
kann. Jetzt solltet ihr zunächst einmal alles auflisten, was ihr habt,
uns mit Rohstoffen versorgen und wir werden euch dafür reichlich mit
Fertigprodukten beliefern. .. Als rückständiges Agrarland solltet ihr
euch auf die Landwirtschaft konzentrieren.' "
(Ebd.,
S. 304f).
Die
vereinbarten Kredite liefen über Aktiengesellschaften. Die
Vereinbarungen dazu wurden am 27. November 1947 unterzeichnet. Die
Jugoslawen verletzten dann immer häufiger das Abkommen, zum Beispiel
dadurch, dass sie
-
die Zollunion so auslegten, dass die Grenzen nur zu ihrem Vorteil geöffnet
werden sollten. Das führte dazu, dass albanische Waren zwar nach
Jugoslawien ausgeführt werden konnten, Albanien erhielten jedoch dafür
nur entwertete Dinars (Vgl. ebd., S. 323);
-
die gemeinsamen Aktiengesellschaften ihrerseits nicht mit Mitteln
ausstatteten (Vgl. ebd.);
-
sämtliche Preise einfach einseitig von ihnen festgelegt wurden (Vgl.
ebd., S. 323f);
-
in Albanien keine Werke errichteten (Ebd.);
-
sich einerseits darüber beschwerten, dass Albanien seinen
Verpflichtungen nicht nachkam, obwohl andererseits klar war, dass dies
davon abhängig war, dass Albanien Ausrüstungsmaterial erhielt, was
aber nie ankam (Vgl. ebd., S. 326);
-
Preisparitäten zwischen den beiden Ländern verlangten, was für
Albanien mit Schwierigkeiten verbunden war (Vgl., S. 339).
Als
die Jugoslawen dann erfuhren, dass Albanien versucht hatte, von der
Sowjetunion Rat und Hilfe zu bekommen, meinten sie:
"In
Albanien entwickelt sich jetzt eine neue Linie!"
(Ebd.,
S. 333).
Sie
hatten wiederholt versucht,
"
..unsere Verbindungen zu Stalin so lange wie möglich zu
blockieren."
(Ebd.,
S. 344).
Mehr
noch:
Sie
versuchten zu verhindern, dass die Lieferungen aus der UdSSR Albanien
erreichen konnten und 'begründeten' dies wie folgt:
"Albanien
ist wie ein Uhrwerk: Es kann einfach nicht mit allen möglichen Teilen
funktionieren. Einige mögen besser sein als andere. Aber um was für
Teile es sich auch immer handeln mag, es muss sich um die gleiche Sorte
handeln. Nicht, dass einige aus jugoslawischer Produktion und andere aus
einer anderen stammen! Da in eurem Land ein jugoslawisches Fundament
gelegt wurde, muss auch alles, was darauf aufgebaut werden soll,
ausschließlich jugoslawisch sein!"
(Ebd.,
S. 349f).
Im
November 1947 stelte dann Jugoslawien ein Ultimatum:
"Das
ZK der KPJ bestand darauf, dass die Beziehungen zwischen Jugoslawien und
Albanien jeden Tag von der Idee inspiriert sein sollten, dass unsere
Union stärker wird und unsere Freundschaft sich in die Richtung einer
Verbrüderung und Zusammenarbeit unserer Völker, einschließlich
Bulgarien, entwickelt. Wegen ihrer Rückständigkeit sei die albanische
Wirtschaft nicht in der Lage, sich unabhängig zu entwickeln. Das
Kriterium für eine Hilfe durch Jugoslawien bestehe darin, dass wir
nicht einfach alles wie Schmarotzer entgegennehmen und uns ansonsten nur
auf die Jugoslawen verlassen! Sie meinten: 'Ihr werdet mit uns zusammen
besser vorankommen. Unser ZK ist der Ansicht, das die jugoslawische
Hilfe umso großzügiger ausfallen wird, wenn unsere beiden Länder
untereinander eine Wirtschaftsunion bilden.' "
(Ebd.,
S. 360).
Die
heimlichen jugoslawischen Agenten im ZK der KPA arbeiteten darauf hin,
dass die Albaner diese Linie akzeptierten. Hoxha versuchte jedoch, dies
zu verhindern. Der Druck auf ihn wurde jedoch immer stärker. Auf dem
Achten Plenum des ZK der KPA akzeptierte die Partei unter diesem Druck
eine neue projugoslawische Orientierung. Hoxha sollte beseitigt werden.
Das führte schließlich dazu, dass die führende Rolle der Front an die
Stelle der führenden Rolle der Partei treten sollte, so wie es die
Jugoslawen gewünscht hatten (und selbst in ihrem eigenen Land
praktizierten - Üb). (Vgl. S. 459, ebd.).
Aber
Hoxha gab nicht auf. Die Jugoslawen beeilten sich, ihr Vorhaben, sich
Albanien einzuverleiben, voranzutreiben. Hoxha bestand darauf, dass
diese Forderungen schriftlich abgefasst wurden. Schon bald wurde klar,
weshalb es die Jugoslawen mit einer politischen Union zwischen Albanien
und Jugoslawien so eilig hatten: Die Jugoslawen ahnten, dass die von
Stalin geführte KPdSU, B kurz davor war, den jugoslawischen
Revisionismus zu entlarven. Die Jugoslawen wollten, dass sich Albanien
noch vorher zu einer Union verpflichtete.
Am
27. März 1948 entlarvte die KPdSU, B offen den jugoslawischen
Revisionismus. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dieses
Einschreiten Stalins und der KPdSU, B von enormer Bedeutung für die
Rettung des albanischen Sozialismus war (Ebd., S. 484-498).
Die
Beziehungen zwischen Albanien und Jugoslawien kühlten sich danach
merklich ab und diejenigen zwischen Albanien und der UdSSR erwärmten
sich.
Die
Ereignisse nach dem Offenen Brief der KPdSU, B an die KPJ
Es
wurde schnell deutlich, dass Stalin schon seit geraumer Zeit das
unsaubere Verhalten der Jugoslawen gegenüber dem im Werden begriffenen
sozialistischen albanischen Staat bekannt war, denn
Erstens
hatte Stalin die albanische Weigerung unterstützt, Truppen Titos in
Albanien zu stationieren (Ebd., S. 533);
zweitens
hatte Stalin Dimitroffs Eintreten für die Balkanföderation - ein
Vorwand für Titos Großmachtpläne - scharf kritisiert und ließ diesen
Plan scheitern (Vgl. ebd.). und
drittens
unterstrich er das Recht der Kosowaren auf Selbstbestimmung (Vgl. ebd.,
S. 537).
Den
letzten Punkt bezog er aus strategischen und prinzipiellen Gründen auf
die jugoslawische Föderation selbst, wenn er sagte:
"Ich
bin der Meinung, dass wir als Marxisten-Leninisten auch in Zukunft die
antimarxistischen Ansichten und Handlungen Titos und der jugoslawischen
Führung bekämpfen müssen, aber ich betone, wir sollten uns nie und in
keinster Weise in ihre inneren Angelegenheiten einmischen. Das wäre
nicht marxistisch. Es ist Aufgabe der jugoslawischen Kommunisten und des
jugoslawischen Volkes, sich darum zu kümmern. Es ist ihre Aufgabe, die
aktuellen und künftigen Aufgaben ihres Landes selbst zu lösen. Und in
diesem Zusammenhang sehe ich das Kosova-Problem und das der Albaner, die
in Teilen von Jugoslawien leben. Wir dürfen dem titoistischen Feind
keinen Vorwand geben, dass er uns später vorwerfen kann, dass wir
angeblich darauf hingearbeitet hätten, die jugoslawische Föderation zu
zerstören. Das ist eine heikle Sache, die sorgfältig überlegt sein
will, denn wenn Tito sagen könnte: 'Seht her, sie wollen Jugoslawien
zerstören!', dann könnte er damit nicht nur die Reaktion um sich
scharen, sondern auch einen Teil der patriotischen Elemente für sich
gewinnen."
(Enver
Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin. Erinnerungen', ebd., S. 142f).
Jetzt
wurde es leichter, die titoistischen Agenten in Albanien zu entlarven.
Das Neunte und Elfte Plenum des ZK der KPA beschäftigte sich in aller
Offenheit mit der Geschichte und den Folgen der titoistischen
Unterwanderungsversuche der Partei. Die Partei war eindeutig für die
Fortsetzung des Weges der sozialistischen Konsolidierung.
Aber
auch jetzt noch warnte Stalin vor der jugoslawischen Gefahr:
"In
der jetzigen Situation solltet ihr vor jeder Gefahr aus Jugoslawien auf
der Hut sein! Die Titoisten haben ihre Agenten in eurem Land. Sie werden
noch weitere hineinschmuggeln. Sie würden euch am liebsten angreifen,
tun es aber nicht, weil sie die Folgen für sich fürchten müssen. Ihr
braucht deshalb keine Angst zu haben, aber ihr müsst zusehen, dass ihr
eure Wirtschaft stärkt, eure Kader ausbildet, eure Partei stärkt, eure
Armee gut ausbildet und ständig wachsam seid. Mit einer starken Partei,
einer starken Wirtschaft und einer starken Armee braucht ihr niemanden
mehr zu fürchten."
(Ebd.,
S. 205).
Stalins
Ahnungen sollten sich später bewahrheiten. Als Chruschtschow an die
Macht kam und daranging, den Sozialismus in der UdSSR zu demontieren,
erneuerten die Titoisten ihre Attacken gegen den Sozialismus auf
internationaler Ebene, aber besonders gegen Albanien.
Schlussfolgerungen
Es
kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass Enver Hoxha ein großer
Marxist-Leninist war. Es kann ebenso wenig ein Zweifel daran bestehen,
dass Stalin die Kommunistische Partei Albaniens (später 'Partei der
Arbeit Albaniens' - PAA) in ihrem heroischen Kampf um die Errichtung
eines sozialistischen Staates unterstützte.
Anmerkung:
Hoxha
richtete einen Appell an die Völker der Sowjetunion nach dem Putsch der
Chruschtschowianer gegen Stalin. Er sagte:
"Ihr,
die ihr über die gefährlichsten Feinde der Menschheit mit dem Namen
Stalins auf den Lippen triumphiert habt, was werdet ihr jetzt tun? In
eurem Land ist die Partei keine marxistisch-leninistische Partei mehr.
Ihr müsst eine neue Lenin-Stalin-Partei durch den Kampf aufbauen.
Wollte ihr das Joch des neuen Kapitals hinnehmen? Wir setzen auf die große
revolutionäre Kraft der sowjetischen Völker, auf das sowjetische
Proletariat und dies ist auch der Grund, weshalb wir davon überzeugt
sind, dass diese Kraft allmählich wieder zum Vorschein kommt. Durch Kämpfe
und Opfer wird sie wieder die Stärke gewinnen, die von der Zeit
gefordert wird und wird in der Lage sein, den sowjetischen
Sozialimperialismus zu zerschmettern."
(Enver
Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin. Erinnerungen', S. 41ff). |