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Zum
100. Geburtstag Salvador Allendes
Von
Tibor Zenker/25.06.2008
Quelle:
Kominform
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siehe
auch: Venceremos!
Wir
gedenken des
11. September
Kein
Vergeben, kein Vergessen!
mehr
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Vor 100
Jahren, am 26. Juni 1908, wurde der chilenische Politiker Salvador
Allende Gossens geboren. Seine Familie, die dem Kleinbürgertum
zuzurechnen war und deren Wurzeln väterlicherseits im spanischen
Baskenland sowie mütterlicherseits in Belgien lagen, war damals in
Valparaíso an der chilenischen Pazifikküste ansässig. Das politische
und gesellschaftliche Engagement war Salvador Allende zwar nicht „in
die Wiege gelegt“, wohl aber vorgezeigt: Sein Großvater, der Arzt Ramón
Allende Padín, war ein prominenter Senator der Radikalen Partei, einer
linksliberalen, antiklerikalen und reformistischen Partei. Der Vater,
Salvador Allende Castro, ein Jurist, gehörte derselben Partei an und
war Mitarbeiter in mehreren Staatsministerien.
Salvador Allende Gossens folgte bei der Studienwahl dem Großvater und
studierte Medizin, politisch orientierte er sich zunächst ähnlich,
linksliberal (mit anarchistischem Einschlag). Er war Ende der 1920er
Jahre Vizepräsident der Studierendenföderation Chiles und aktiv im
Widerstand gegen die Militärdiktatur von Carlos Ibáñez. Als ein
Ergebnis des Diktaturregimes, der Weltwirtschaftskrise und der
politischen Wirren nach dem Ende der Diktatur 1931 (inklusive einer zwölftägigen
„Sozialistischen Republik“ 1932) wurde im April 1933 die
„Sozialistische Partei Chiles“ aus mehreren linken Kleingruppen gegründet.
Salvador Allende, mittlerweile Marxist und damals erst 25 Jahre alt, war
Mitbegründer der Parteigruppe in Valparaíso und bald deren leitender
Sekretär. Damit existierte in Chile wieder eine Sektion der
Sozialistischen Internationale, denn die 1912 gegründete
„Sozialistische Arbeiterpartei Chiles“ hatte sich 1922 in
„Kommunistische Partei Chiles“ umbenannt und zur Komintern bekannt.
Das
traditionelle chilenische Parteiensystem und -spektrum, das damals schon
ein halbes Jahrhundert überdauert hatte, wurde in den 1930er Jahren
radikal verändert. Durch die Sozialistische und die Kommunistische
Partei traten erstmals die Arbeiterklasse selbst und der Marxismus auf
die politische Bühne. Die Radikale Partei, zuvor die alleinige
parlamentarische Linke, wurde (relativ) ins Zentrum verschoben, die
Liberale und die Konservative Partei rückten nach rechts und zusammen,
ganz rechts wurden die Nationalsozialistische Bewegung Chiles sowie eine
aufgrund zahlreicher deutscher Einwanderer nicht unbedeutende Filiale
der Hitler-NSDAP gegründet.
Aufgrund
der Rechtsentwicklung, des aufkommenden Faschismus und der erwarteten Rückkehr
von Ex-Diktator Ibáñez aus dem argentinischen Exil gründeten die
Sozialistische, die Kommunistische und die Radikale Partei 1936 die
erste antifaschistische Volksfront, die „Frente Popular“. Tatsächlich
gewann das Bündnis der Frente Popular 1938 die Präsidentschaftswahl
mit dem Kandidaten Pedro Aguirre, wobei auch ein nationalsozialistischer
Putschversuch abgewehrt wurde. Salvador Allende, bereits 1937 ins
Parlament gewählt, wurde nun für zwei Jahre Gesundheitsminister im
Kabinett des Radikalen Aguirre.
Die
Regierung der Frente Popular führte zu Verbesserungen im Bildungs- und
Gesundheitswesen, die städtischen Mittelschichten fühlten sich gut
vertreten - im Gegensatz zur Arbeiterklasse. Andererseits sahen sich
Teile die Radikalen Partei auch als Organ der Großgrundbesitzer,
weswegen es Zwistigkeiten zwischen ihnen und dem kommunistischen
Landwirtschaftsminister bezüglich der Frage einer Landreform gab.
Letztlich führte dies, neben außenpolitischen Uneinigkeiten im Zuge
des Zweiten Weltkrieges, dazu, dass die SP und die KP die Regierung
verließen, aber dennoch die folgenden quasi-Alleinregierungen der
Radikalen Partei unterstützten, die unter dem Namen „Nationale
Allianz“ bis 1952 andauerten.
Bezüglich
der KP galt dies jedoch nur bis 1948, als der Kalte Krieg in Chile
Einzug hielt. Der radikale Präsident Gabriel González ließ mit einem
Gesetz, dem skandalöser Weise auch die Hälfte der sozialistischen
Abgeordneten und Senatoren zustimmte, die KP verbieten - ein Zustand der
zehn Jahren andauern sollte. Unter diesen antikommunistischen
SP-Mandataren war freilich nicht Salvador Allende, dem natürlich
bewusst war, dass seine Volksfrontstrategie im Kern die proletarische
Einheitsfront der Sozialisten und Kommunisten verlangte.
Unter
diesen aussichtslosen Bedingungen kandidierte Allende, seit 1945
Senator, im Jahr 1952 erstmals für das Präsidentenamt, erreichte für
das Bündnis „Frente del Pueblo“ jedoch nur den vierten Platz. 1958
und 1964 war Allende Präsidentschaftskandidat des Linksbündnisses „Frente
de Acción Popular“ (FRAP), das aus seiner SP, der wieder zugelassenen
KP und linken Kleinparteien bestand. 1958 unterlag Allende dem rechten
Unternehmer Jorge Alessandri knapp, 1964 dem Christdemokraten Eduardo
Frei deutlich. 1966 wurde Allende immerhin zum Senatspräsidenten gewählt.
Die
entscheidende Wende in der Geschichte Chiles und im Leben Allendes
erfolgte am 17. Dezember 1969. An diesem Tag wurde das Volksfrontbündnis
„Unidad Popular“ (UP) gegründet, für das Allende im September des
folgenden Jahres als Präsidentschaftskandidat ins Rennen gehen sollte
(der Schriftsteller Pablo Neruda, der zuvor als Kandidat der KP
vorgesehen war, verzichtete zugunsten eines gemeinsamen UP-Kandidaten).
- Wieder handelte es sich bei diesem Bündnis im Kern um die Einheit der
Sozialisten und Kommunisten, ebenfalls integriert war jedoch nun wieder
die Radikale Partei (allerdings unter Abspaltung des rechten Flügels).
Darüber hinaus wurde die UP von der kleineren Sozialdemokratischen
Partei, den beiden christdemokratischen Abspaltungen „Movimiento de
Acción Popular Unitario“ (MAPU, „Bewegung der einheitlichen
Volksaktion“) und „Izquierda Cristiana“ (IC, „Christliche
Linke“, ab 1971) sowie nicht zuletzt vom Gewerkschaftsverband
„Central Única de Trabajadores“ (CUT, „Einheitliche Zentrale der
Arbeiter“) unterstützt.
Tatsächlich
ging Allende, bei seinem vierten Antreten, bei der Präsidentschaftswahl
am 7. September 1970 als Sieger hervor. Dieser Sieg brachte der UP
jedoch noch keineswegs die politische Hegemonie, denn nur eine relative
Mehrheit von 36,6% der Stimmen entfiel auf Allende. Seine Konkurrenten,
der rechtskonservative Jorge Alessandri und der Christdemokrat Radomiro
Tomic, erhielten 35,3% bzw. 28,1%. In einem solchen (übrigens
keineswegs seltenen) Fall sah die chilenische Verfassung vor, dass das
Parlament, in dem die UP keine Mehrheit hatte, den Präsidenten zu
bestimmen hatte - unumstrittener politischer Usus war es bis dato
gewesen, dass der Kandidat mit der relativen Mehrheit von allen
Mandataren bestätigt werden sollte. Während die rechten und
konservativen Abgeordneten dieses Vorgehen diesmal nicht akzeptieren
wollten, fügten sich die Christdemokraten letztlich dem demokratischen
Konsens und wählten, gemeinsam mit den UP-Abgeordneten, Allende zum
ersten sozialistischen Präsidenten Chiles. Dieser musste jedoch als
Bedingung zehn „verfassungsrechtliche Garantien“ unterschreiben, die
von den Christdemokraten gefordert wurden.
Allende
war nicht nur der ersten sozialistische Präsident Chiles, sondern auch
der erste Präsident der Welt, der als erklärter Marxist in einem
kapitalistischen Land aus bürgerlich-demokratischen Wahlen als Sieger
hervorgehen konnte. Und das Programm der UP war tatsächlich auf
marxistischer Grundlage auf die sozialistische Revolution ausgerichtet.
Nicht richtig ist, dass die bloße „Revolution mit dem Stimmzettel“
vorgesehen war, denn so naiv war man weder in der SP, geschweige denn in
der KP. Vielmehr muss man den revolutionären Prozess, der 1970 in Chile
initiiert wurde, in dieser ersten Etappe als eine antiimperialistische
und antioligarchische sehen, als eine Etappe, die zunächst gegen den
nordamerikanischen und westeuropäischen Imperialismus, gegen die
einheimische Bourgeoisie und Landoligarchie gerichtet war. Auf diese
Weise sollten die politische Hegemonie und die ökonomische Verfügungsgewalt
über die wichtigsten Produktionsmittel zuungunsten des Monopolkapitals
grundlegend verändert werden, auf dass die Bedingungen des Kampfes um
den Sozialismus optimiert werden. Auf dieser Basis wiederum waren
Sozialreformen möglich, die der eigentumslosen Bevölkerung zugute
kamen, was auch die gesellschaftliche Hegemonie zugunsten des revolutionären
Projekts beeinflusste. Äußerer Ausdruck dessen waren die Tatsachen,
dass die UP bei den Kommunalwahlen 1971 sogar 49,7% der Stimmen
erreichte, bei der Parlamentswahl im März 1973 beachtliche 43,9%. Die
UP und ihre marxistischen Parteien hatten sich für die arbeitenden (und
arbeitslosen) Massen Chiles als nützliche Kräfte für die vorläufige
Lösung vieler Probleme des täglichen Lebens erwiesen, aber auch als
diejenigen Kräfte, die gewillt waren, die Probleme nachhaltig mittels
eines nichtkapitalistischen, sozialistischen Entwicklungsweges zu lösen.
- Damit war die UP-Regierung unter Allende aber auch zu einer sehr
ernsthaften Gefahr für die chilenische Bourgeoisie und den Großgrundbesitz,
ebenso für das nordamerikanische und westeuropäische Monopolkapital
geworden.
Das
Programm der UP sah eine tiefgehende Landreform auf Kosten des
oligarchischen Großgrundbesitzes vor, bereits 1970 wurden der
Kohlebergbau und die Textilindustrie verstaatlicht, 1971 der
Kupferbergbau und die Banken. Damit waren die Interessen der bis dahin
dominierenden US-amerikanischen sowie von einigen westeuropäischen
Konzernen und Großbanken massiv gestört. Die kapitalistische
„Freiheit“ der Profitmaximierung und Ausbeutung war durchbrochen.
Daher
setzten vor allem die USA zunächst auf eine Destabilisierungsstrategie.
In ihrem Auftrag wurde der regierungstreue Oberbefehlshaber der
chilenischen Armee, René Schneider, von der faschistischen Gruppierung
„Patria y Libertad“ im Oktober 1970 entführt und ermordet. Daneben
setzte der US-Imperialismus auf die Propagandaschiene und nützte massiv
die privaten Medienkonzerne zu Verleumdungskampagnen gegen die Regierung
der UP, die finanzielle Unterstützung rechter und konterrevolutionärer
Gruppen, die für Terror und Sabotage sorgen sollten, blieb natürlich
auch nicht aus. Ab 1971 wurde seitens der USA und 14 weiterer
imperialistischer Staaten damit begonnen, Chile ökonomisch zu
erdrosseln, was über wirtschaftliche Boykottmaßnahmen geschehen
sollte. Am 29. Juni 1973 kam es zu einem ersten Putschversuch, der aber
nur von einem kleinen Teil der Armee getragen wurde und daher
niedergeschlagen werden konnte. Ein Resultat dieses Putschversuches war
jedoch auch, dass im August desselben Jahres Augusto Pinochet, als
vermeintlich regierungstreuer General, neuer Oberbefehlshaber der
chilenischen Armee wurde.
Im
März 1973 konnte die UP, wie oben erwähnt, bei der Parlamentswahl
ihren Stimmenanteil auf knapp 44% erhöhen, verfehlte aber die absolute
Mandatsmehrheit. Da inzwischen auch die Christdemokraten zur
konterrevolutionären Rechten übergelaufen waren, gab es im Parlament
ein Misstrauensvotum gegen Allende, das die erforderliche 2/3-Merheit
aber natürlich nicht erreichte. Angesichts der angespannten politischen
Situation und der schwierigen ökonomischen Lage plante Allende eine
Volksbefragung über seinen Verbleib als Präsident. Eine große
Zustimmung wäre Allende wohl sicher gewesen, daher kam es nicht mehr zu
diesem Plebiszit, das für Herbst 1973 vorgesehen war. Stattdessen kam
der 11. September 1973.
An
diesem Tag kam es zum zweiten Putschversuch, diesmal nicht mehr eines
kleinen Teiles der Armee, sondern getragen von deren neuem
Oberkommandierenden, General Pinochet, unterstützt und geplant seitens
des US-amerikanischen Außenministeriums und des Geheimdienstes CIA. In
den Morgenstunden begann der Putsch durch die Marine in Valparaíso,
Allendes Heimatstadt. Der Präsident und die Regierung begaben sich in
Santiago in die „Moneda“, den Amtsitz des Präsidenten, ausgenommen
Verteidigungsminister Letelier, der bereits von den Putschisten
festgenommen worden war. Jede Kontaktaufnahmen seitens Allendes mit
Pinochet scheiterte, wobei Allende diesen zunächst auf seiner Seite wähnte
- erst im Laufe des Vormittages gab sich Pinochet als Putschist zu
erkennen. Allende wandte sich über den Radiosender „Magellan“ ein
letztes Mal an die Bevölkerung Chiles. Gegen Mittag begann die
Luftwaffe mit der Bombardierung der Moneda, regierungstreuer
Medieneinrichtungen und einzelner Arbeiterviertel Santiagos, die fast
ausschließlich von Anhängern Allendes bewohnt wurden. Etwa um 14 Uhr
begann die Armee mit der Erstürmung des Präsidentensitzes, Allende
verweigerte die Kapitulation. Nach erbittertem Widerstand wurde die
Moneda von den putschistischen Soldaten eingenommen, der Präsident
Salvador Allende starb in diesen Kämpfen mit der Waffe in der Hand. Das
nachfolgende Diktaturregime behauptete einen Suizid, tatsächlich ist
aber nicht anzunehmen, dass sich Allende mit derartig vielen Kugeln
selbst durchsieben konnte.
Die
neuen Machthaber zeichneten sich vor allem innerhalb des ersten Jahres
nach dem konterrevolutionären Putsch durch besondere Grausamkeit aus.
Tausende Menschen wurden ermordet, verschleppt und gefoltert, in Stadien
und großen Hallen wurden regelrechte Konzentrationslager errichtet. In
weiterer Folge ging das Diktaturregime Pinochets, das sofort von den USA
anerkannt wurde, dann systematisch daran, jede Opposition in Chile
auszuschalten, aber auch, wiederum mithilfe der CIA, chilenische
Oppositionelle im Ausland zu ermorden. Die Diktatur, die nach
marxistischer Auffassung als eine faschistische des autoritär-faschistischen
Typs einzustufen ist, dauerte bis 1990. In diesen Jahren wurde nicht nur
die politische Linke, vor allem die revolutionäre, marxistische, zerstört,
sondern das Land auch zum Exerzierfeld des „neoliberalen“
Imperialismusmodells. Das Monopolkapital in Nordamerika und Westeuropa
konnte aufatmen. Es ist kein Zufall, dass die Diktatur 17 Jahre
aufrechterhalten und auch von außen massiv unterstützt wurde, bis
aufgrund der Niederlage des Sozialismus in Europa die Gefahr durch die
Wiedererrichtung der demokratischen Republik in Chile seitens des
Imperialismus als gering eingeschätzt wurde.
Die
Schlussfolgerungen aus der Niederlage der UP-Regierung Allendes sind
bittere, aber lehrreiche. Der global handlungsfähige Imperialismus und
nicht zuletzt die imperialistische Hegemonialmacht USA werden es unter
den gegebenen Verhältnissen niemals und nirgends auf der Erde zulassen
wollen, dass sich der Sozialismus auf friedlichem Wege durchsetzt. Der
Imperialismus wird immer versuchen, sich aller Mittel und vor allem der
Gewaltmittel zu bedienen, die ihm zur Verfügung stehen, letztlich der
faschistischen Diktatur. Weiters ist nachdrücklich unterstrichen, was
eigentlich schon bekannt war: die Armee bleibt auf Basis der führenden
noblen Generalität mehrheitlich immer die Armee der herrschenden
Klasse, solange die Soldaten nicht selbst revolutioniert sind. Dieser
Tatsache ist in einer antiimperialistischen und antimonopolistischen
Etappe eines revolutionären Prozesses die Volksbewaffnung
entgegenzustellen. Und nicht zuletzt lehrt die Niederlage in Chile
abermals, dass die Arbeiterklasse nicht einfach den bestehenden Staat übernehmen
und für sozialistische Zwecke in Bewegung setzen kann. Sie muss
vielmehr den bürgerlichen Staat als Herrschaftsapparat zerschlagen und
auf revolutionärem Wege an dessen Stelle den sozialistischen Staat
setzen. Das heißt auch, dass jeder Stillstand im revolutionären
Prozess den Tod desselben bedeuten kann. So gesehen und zieht man die
richtigen Schlüsse, so ist die chilenische Tragödie nicht die
Widerlegung, sondern die Bestätigung des antiimperialistischen und
antimonopolistischen Weges zum Sozialismus, denn das unbedingte
Eingreifen des Imperialismus unterstreicht die Gefahr, die diese
Strategie für ihn ausstrahlt. Aber gerade darauf wird man vorbereitet
sein müssen, besser als die chilenischen Revolutionäre um Allende,
wenn man hinkünftig den Weltimperialismus nicht nur herausfordern,
sondern zur Strecke bringen will. - Betrachtet man die Gegenwart, so ist
vor allem zu hoffen, dass diese Lehren in Venezuela angekommen sind; für
die KP Venezuelas ist diesbezüglich jedenfalls die Hand ins Feuer zu
legen.
Die
Person Salvador Allende erfuhr zahlreiche Ehrungen nach seinem Tod,
nicht zuletzt in den sozialistischen Staaten Europas, aber auch im
Wiener Donaupark befindet sich ein Allende-Denkmal. Vor allem die 1970er
Jahre waren von einer bemerkenswerten Chile-Solidaritätswelle geprägt,
die in Europa vor allem von Kommunisten, aber auch Sozialisten initiiert
wurde. Viele chilenische Linke wurden in den 70er und 80er Jahren als Flüchtlinge
in der UdSSR und der DDR aufgenommen, darunter auch KP-Generalsekretär
Luis Corvalán - später war es umgekehrt: Erich Honecker starb 1994 in
Santiago de Chile, wo seine Frau Margot und seine Tochter Sonja noch
heute leben. Salvador Allendes Tochter, Isabel Allende, ist seit 1994
Abgeordnete und seit 2003 Präsidentin des chilenischen Parlaments für
die Sozialistische Partei. Diese ist inzwischen freilich nicht mehr
marxistisch-revolutionär, sondern angepasster Teil der den Kapitalismus
stützenden internationalen Sozialdemokratie - ein Weg, den Salvador
Allende auch im Alter von 100 Jahren wohl niemals mitgegangen wäre. |