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Gedanken zu einem Besuch des KZ-Buchenwald im Herbst 2001

Es war nicht mein erster Besuch in der ehemaligen Mord- und Terrorstätte der deutschen Faschisten. Ich stamme aus Erfurt, vom Küchenfenster meiner Mutter konnte ich den Ettersberg, auf dem sich das KZ befindet, sehen. Aufgewachsen in einem Arbeiterwohngebiet, das traditionell sozialistisch oder  kommunistisch wählte, war mir Buchenwald bereits als Kind ein Begriff. Im Widerstand gestanden hatten viele Nachbarn, einige waren auch im KZ-Buchenwald Häftlinge gewesen.

Nicht weit von der Wohnung meiner Mutter war eine Spedition. Der Inhaber erzählte mir, er habe zu jenen gehört, die 1945 von den Amerikanern zwangsweise das Lager besichtigen mussten. Das hatte ihn tief aufgewühlt. Er sagte, damals habe er begriffen, auf was er und andere Deutsche, sich 1933 eingelassen haben.

Als junges FDJ-Mitglied besuchten wir die Mahn- und Gedenkstätte als Otto Grotewohl, Ministerpräsident der DDR, sie einweihte. Auch später, als ich schon im Westen wohnte, war ich oft dort. Meinem ältesten Sohn zeigte ich, was sich an Grauen dort ereignete.

Diesmal, anlässlich eines Besuchs in Erfurt, fuhr ich mit meinem jüngsten Sohn dorthin. Ich hatte Gerüchte gehört, dass die neue Verwaltung der Mahn- und Gedenkstätte dort Geschichtsfälschungen beginge. Als ich vor drei Jahren Sachsenhausen besuchte, war mir das vor Augen geführt worden. Dort, so wurde gesagt, sei das Lager für rassisch und religiös Verfolgte errichtet worden – die politischen kamen nicht vor. Im Museum von Sachsenhausen sieht man eine Häftlingsuniform, deutlich ist der rote Winkel für politischen Häftling zu sehen, mit der Beschreibung, das sei die eines eingesperrten Juden gewesen. Haben die Herrschaften solch plumpe Fälschungen nötig?

Auch hatte ich gehört, dass die Selbstbefreiung des Lager 1945 vom thüringer Landesfürsten Vogel geleugnet wurde, als der eine Rede am Tag der Selbstbefreiung hielt. Emil Carlebach korrigierte Vogel damals öffentlich.

Als ich 2001 dorthin kam, war mein erster Eindruck eher positiv. Die Gebäude frisch gestrichen, die Wege  glatt und sauber. Auf dem Hof des Krematoriums noch immer die Gedenkinschrift für Ernst Thälmann, noch immer davor Blumen. Ich hatte gehört, die Leitung der Gedenkstätte hätte an den Öfen die Firmenschilder abmontieren lassen. Ich frage die Führerin danach. Sie waren noch oder wieder vorhanden. Auch im Bunker hatte sich wenig verändert – jedenfalls fielen mir keine Veränderungen auf.

Dann besichtigten wir das in der ehemaligen Effektenkammer untergebrachte Museum. Dass sich, wie einst in der DDR, die Hinweise im Eingangsbereich über die Rolle des deutschen Faschismus gegen die Arbeiterbewegung und die Förderung der Faschisten durch die Großindustrie, verschwunden sind, hatte ich erwartet. Aber das Museum selbst ist eine langweilige Ansammlung der verschiedensten Exponate. Da liegt ein in der Freizeit hergestellter kunsthandwerklicher Gegenstand eines SS-Mannes neben dem eines Häftlings – ohne die Unterschiede ihrer Hersteller hervor zu heben. Überhaupt erinnert nichts mehr an die engagierte Ausstellung aus DDR-Zeiten. Langweilig hingeklatscht, schlecht oder falsch erklärt, liegen die Gegenstände herum.

Interessant ist aber, was fehlt. Es fehlt der Hinweis auf den organisierten Widerstand der politischen Häftlinge und vor allem über ihre Selbstbefreiung. Interessanterweise fehlt nicht ein Aufruf des US-Army Generals an den Lagerchef die Häftling nicht zu evakuieren oder gar zu ermorden. Dass dieser Aufruf aber auf Initiative des Häftlings Eugen Kogon, der durch den Widerstand aus dem Lager geschmuggelt wurde und zu den Amerikaner gehen sollte, damit diese schneller vorrückten und den Massenmord zu verhindern. Die US-Truppen rückten zwar nicht schneller vor, aber wenigstens diesen Aufruf schickte der Kommandeur der US-Truppen ab. Ob damit etwas bewirkt wurde, vermag ich nicht zu entscheiden und ist auch fraglich..

Ein anderes Exponat, von dem ich meinem Sohn schon im Vorfeld erzählt habe und zu DDR-Zeiten vorhanden war, jetzt aber verschwunden ist: Lampenschirme und Taschen aus Menschenhaut.

Wie bekannt, wurde in der Pathologie am Krematorium die Leichen nach Goldzähnen untersucht. Die Frau des Kommandeurs Koch, Ilse Koch, liebte hübsche kleine Gegenstände aus Menschenhaut mit Tätowierungen drauf. Zum Teil wurden Häftlinge nur deshalb getötet, weil sie sich als Lieferanten für die Leidenschaft der Frau Sommer eigneten. Diese Lampenschirme, Taschen usw. aus Menschenhaut fehlten. Ich fragte verschiedene anwesende vom Personal der Gedenkstätte und bekam die unterschiedlichsten Antworten: Von: „Haben die weggetan, war ihnen wohl zu hart“ bis „Wurde schon zu DDR-Zeiten weggebracht“ bis: „Was? Nie gehört, dass so was hier ausgestellt wurde.“

Später, von einem ehemaligen Häftling, erfuhr ich, dass diese Gegenstände aus der Ausstellung genommen seien. Warum? Man kann es nur vermuten: Man will die ehemaligen KZ’s, die nach 1945 einige Zeit als Sonderlager zur Internierung ehemaliger Nazis oder der Kriegsverbrechen Verdächtigter diente, wegbringen vom Image als Gedenkstätte für die Opfer des deutschen Faschismus, hin zum Gedenken an die „Opfer des Stalinismus“. Da ist so ein brutales Exponat, wie Gebrauchsgegenstände aus Menschenhaut, hinderlich. Eine andere Erklärung bekam ich jüngst: Es habe Beschwerden gegeben über so brutale Sachen, wie Gegenstände aus Menschenhaut. Das passt ins Konzept der Geschichtsfälschung der zarten Seelchen der Leitung der Gedenkstätte.

Zum Schluss, wie auch schon zu DDR-Zeiten, gingen wir ins Kino. Hier wurde ein Film über das Lager gezeigt. Ich dachte es sei – wie auch noch 1999 in Sachsenhausen – der Film aus DDR-Zeiten. In Buchenwald war er neu – und langweilig, uninformativ, verfälschend. Die Selbstbefreiung wurde so dargestellt; Ein ehemaliger politische Häftling sagt: „Ich habe aus dem Fenster geblickt und sah – bewaffnete Häftlinge. Da habe ich mich gewundert!“ Schnitt, Ende, mehr nicht.

Der Besuch war enttäuschend. Versuche der Geschichtsklitterung wo man hinsieht. Da aber ein sehr aktiver Kreis Überlebender der Gedenkstättenleitung auf die Finger sieht, kann man aus dem Lager keine Sommerfrische machen, wo erst nach 1945 die bösen Kommunisten die lieben Menschen einsperrten. So plump wie in Sachsenhausen (siehe oben) fälscht man in Buchenwald nicht. Aber die Fälschungen sind unübersehbar.

Gerd Höhne

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Liebe Genossen,

ich habe euren Bericht gelesen ,,Gedanken zum Besuch in Buchenwald,,2001. von Gerd Höhne

Ist ja schon lange her aber kommt mir vor wie heute. Ich schicke euch einen Artikel vom letzten Herbst im Anhang.

Mein Grosvater Hugo Dworznik war selbst als Kommunist im KZ Sachsenhausen von 1938-45.

An der Seite von Ernst Schneller arbeitete er mit im Widerstand.

Ich war im Herbst letzten Jahres eine Woche in Buchenwald  und ich muss sagen... na ja, lest selber oder vielleicht gebt es weiter an Gerd Höhne mit herzlichen Grüssen

Elisabeth Sukowski

Geschichte in der KZ Gedenkstätte Buchenwald damals und heute!

Ein Leserbrief

Von Elisabeth Sukowski

Mit der Gewerkschaft Verdi nach Buchenwald zum Bildungs-Urlaub für eine Woche, darauf war ich sehr gespannt . Am 04.09.2005 kamen wir an, mit 12 Leuten alle aus  Norddeutschland und Ver-di  Mitglieder. Alle mit unterschiedlichen Erwartungen und Vorbildung über das ehemalige Lager, in dem die Nationalsozialisten von 1937 bis 1945 über 250.000  Menschen einsperrten und von denen mehr als 56.000 starben. Menschen aus fast allen Ländern Europas, Frauen, Männer und sogar Kinder.

Die meisten mussten in der Rüstungsindustrie schuften und waren total unterernährt.

Die politischen Gefangenen des Lagers bildeten ein Internationales  Lagerkomitee, sie versuchten so alles was sie konnten um die größte Not zu lindern. KZ Buchenwald das stand und steht  immer für Widerstand, für Internationale Solidarität! Manche kannten sich schon vor der Zeit im Lager über die Grenzen Europas hinweg und die Zeit nach dem Krieg sollte besser werden, darüber waren sie sich einig. Auf dem Todesmarsch kamen noch etwa 7000 Menschen ums Leben. Am 11.April 1945 waren die SS-Einheiten geflohen, die im Lager gebliebenen Häftlinge hatten sich selber befreit mit zum Teil selbstgemachten Waffen.

Der Schwur von Buchenwald den die Häftlinge auf dem Appellplatz nach der Selbstbefreiung  schworen ,, Den Nationalsozialismus mit all seinen Wurzeln auszumerzen „

Keiner dieser Menschen würde es glauben, die Firmen die sich damals an ihrer Sklaven- arbeit  bereicherten, heute sind Sie wieder am Ruder!

Die Neuen Nazis und die alten  Nazis dürfen wieder in Deutschland demonstrieren ja sie sitzen sogar in Sachsen im Landtag.

Und in der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar arbeiten nach dem Zusammenbruch der DDR, fast nur West-Deutsche wie man mir auf  meine Frage sagte.

Ins Archiv, wo die Original Aussagen der ehemaligen  Häftlinge liegen, lässt man mich nur nach vierfacher Nachfrage.

Sie wollen uns das Speziallager der Sowjets von nach 1945 zeigen..., ja danke das kenne ich aus Sachsenhausen, dort war mein Großvater von 1938-45 als Häftling der Nazis und er erzählte mir, dass in diesen Spezial-Lagern sehr viele Nazis eingesperrt waren bevor die Sowjets sie vor Gericht stellten.

Die Verwaltungsangestellte findet es ganz in Ordnung die Besucher dort hinzuführen. Auf meine Nachfrage zu der verschwundenen Büste vom  KPD- Partei Vorsitzendem Ernst Thälmann, der 1944 hier im Lager von den Nazis ermordet wurde, sagte sie mir: Wo diese Büste geblieben sei, wüsste sie nicht wahrscheinlich im Archiv?

Die Geschichte wird überall umgeschrieben in Sachsenhausen, Buchenwald und Neuengamme!

Seien wir Wachsam.

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