Eine
historische Richtigstellung gegen
antikommunistische Lügen Chruschtschows
Wofür
wurde Blücher erschossen?
Von
Pawel Krasnow
Kommunisten-online
vom 4. Mai 2011 –
Anmerkung
der Redaktion siehe
|
Antikommunistische
Verirrung des „Rotfuchs“
Im
Rotfuchs Nr. 5/2011 auf Seite 11, behauptet Walter Ruge:
„Eines
der prägnantesten Schicksale erlitt Marschall der Sowjetunion
Wassili Konstantinowitsch Blücher, Held im fernöstlichen Kampf
gegen Koltschak und Wrangel. 1938 wurde er auf hinterhältige
Weise in seinem Salonwagen festgenommen und nach Moskau
gebracht. Dort schlugen ihm die Vernehmer zunächst ein Auge
aus. Doch Blücher, diese harte bolschewistische Legierung, war
zu keinem fingierten ‚Geständnis’ bereit. So wurde er
weiter mißhandelt und anschließend ‚ordnungsgemäß’
erschossen. Gegen diesen treuen Kommunisten hat nie ein
Verfahren, nicht mal zum Schein, stattgefunden.“ |
Unser
Autor Pawel Krasnow stellt
richtig:
Wofür
wurde Blücher erschossen?
Von
Pawel Krasnow
In
den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren die
Sinowjew-Kamjenew-Banditen bei weitem nicht die einzigen, die ihre Hände
gierig nach dem Volkseigentum ausstreckten, es gab auch andere, die
davon zu profitieren wünschten. Es ist beispielsweise interessant, sich
anzuschauen, wofür 1939 der „unsterbliche Marschall“ Blücher und
sein fernöstliches Kommando erschossen wurden.
Bekanntlich
war die sowjetisch-chinesische (und eigentlich die
sowjetisch-japanische) Grenze de facto eine Frontlinie. Im Sommer 1938
erklärte der Botschafter des Kaiserlichen Japans Moskau geradezu, daß
Japan in der Lage sei, die Grenze dort zu befestigen, wo es das nötig
halte. In der Diplomatensprache bedeutet das: Krieg. Daraufhin wurde
Marschall Blücher der Befehl gegeben, die Armeen unverzüglich in volle
Kampfbereitschaft zu versetzen, das jedoch – falls nichts geschehen
sollte – von der Realität fern sein sollte. Von Blücher und seinen
Unterstellten war bis dahin und während der Ereignisse am Chasan-See
viel unternommen worden, kaum etwas jedoch zur Verteidigung der Heimat,
sondern für ihre völlige Auflösung im Fernen Osten. Nach Moskau
gelangten nur Berichte über höchste Kampfvorbereitung, doch die
allgemeine Praxis war die Arbeit der Soldaten in den Kolchosen oder auf
Baustellen, was vom Oberkommando aber strengstens verboten war. Die
materiell-technische Basis war vollständig desorganisiert. Als es
erforderlich war, in den Kampf zu ziehen, zeigte sich, daß die Soldaten
nicht ausgebildet und halb barfüßig waren. Die Artillerie besaß keine
Geschosse und die Kommandeure hatten keine Karten vom Gebiet der
Kampfhandlungen. Es kam sogar dazu (so ist es in den Dokumente
ausgewiesen), daß viele Rotarmisten zur Front nicht nur ohne Munition
kamen, sondern im allgemeinen sogar ohne Waffe (!). Und das, obwohl in
diesem Bezirk im Fernen Osten riesige Vorräte an Bekleidung und Ausrüstung
vorhanden waren. Die „Unvollständigkeit“ des Personalbestandes und
insbesondere der Kommandeure war ungeheuerlich.
Während
der Perestroika wurde behauptet, daß die Armee durch die „Stalinschen
Säuberungen“ ausgeblutet gewesen sei. Doch im allgemeinen befaßte
sich nicht Stalin mit der Armee, sondern K.
Woroschilow. Selbst die „Säuberungen“ (Entlassungen aus der
Armee), wurden nicht auf Anordnung Stalins durchgeführt, im gegebenen
Fall von Blücher selbst. Das Personal, welches verhaftet und dem
Gericht übergeben wurde, war entsprechend Blüchers Forderung oder mit
seinem Einverständnis verhaftet worden. Im Ergebnis dessen blieben
Hunderte von Planstellen der Kommandeure und Vorgesetzten von
Truppenteilen und Einheiten unbesetzt. Die Truppenteile waren schlecht
verwaltet und es gab eine riesige Anzahl „rastloser“ Offiziere, die
im allgemeinen ohne Ämter waren, die niemanden und nichts zu befehligen
hatten.
Die
„Seltsamkeiten“ Blüchers
Am
29. Juli 1938 begann der lokale Krieg beim Chasan-See. Alles fing damit
an, daß elf Rotarmisten einige Stunden lang den Angriff einiger Hundert
japanischer Soldat abzuwehren hatten.
Ein
Wachvorgesetzter erinnerte sich:
„Per
Telefon hatte mich eilig Leutnant Machalin herbeigerufen: ... ‚eine
große Abteilung Japaner hat die Grenze und damit begonnen, die
Stellungen der Grenztruppen anzugreifen, wir werden umkommen, rächen
Sie für uns!’ – dann brach die Verbindung ab. Ich bat beim
Divisionkommissar Bogdanow um die Erlaubnis, die Gruppe Machalins mit
Feuer aus Tellermaschinengewehren zu unterstützen. Mir wurde das aber
mit der Motivation untersagt, weil das im Gebiet der Anhöhe Saosjornaja
Antworthandlungen der Japaner provozieren würde.’
Was
hier überrascht, ist der freche Zynismus dieser Motivation – es gibt
einen blutigen Kampf, die Japaner töten unsere Soldaten, und den
Soldaten wird verboten, das Feuer zu eröffnen, damit die Japaner ihnen
nicht „antworteten“. Übrigens war der Kommissar Bogdanow ein Blücher
sehr nahestehender Mensch, in 1939 auch „unbegründet Repressalien
ausgesetzt“ gewesen sei.
Eine
ebenso seltsame Situation wiederholte sich am 31. Juli, als die Garnison
der Anhöhe Saosjornaja im Verlaufe von 12 Stunden den Angriffen zweier
japanischer Einheiten ausgesetzt war, und ungeachtet des heldenhaften
Widerstands, gezwungen wurde, wegen der drückenden Überlegenheit des
Gegners abzuziehen. Währenddessen befand sich in 2 km Entfernung davon
eine Schützendivision, die in Ruhe den Kampf beobachtete.
Fünf
Tagen zuvor, als es unseren Grenzsoldaten gelang, den Angriff einer
japanisch Truppe im selben Bezirk zurückzuschlagen, erklärte bei
Verhandlungen zur Regelung des Konfliktes unerwartet für alle der
Leiter der Sowjetischen Delegation Blücher, daß die Sowjetische Seite
selbst am Konflikt schuldig sei, da unsere Grenzsoldaten die Grenze um 3
Meter verletzt hätten. Erstens, war das eine Unwahrheit und zweitens
hatte Blücher dazu überhaupt keine Vollmacht, derartige Erklärungen
abzugeben.
Das
war eine schallende Ohrfeige für unser Land. Die UdSSR wurde in der
Bewertung durch die westliche Presse vor aller Welt „in der
idiotischsten Weise“ vorgeführt. Aber eine um vieles schlimmere Folge
war, daß die Japaner sich als Sieger fühlten, und das folgende
Blutvergießen war unvermeidlich. Tausende unserer Soldaten haben für
diese „seltsame“ Tat Blüchers mit ihrem Leben bezahlt.
Leider
gehen damit die „Seltsamkeiten“ dieses Frontbefehlshabers bei weitem
nicht zu Ende. Statt die Aggression abzuwehren, setzte Blücher
„Untersuchungskommissionen“ ein und desorganisiert die das Handeln
der Armeen vollständig, sein Stellvertreter wird an die Front
geschickt, der keinerlei Vollmacht erhielt, und im Endeffekt blieben die
Armeen ohne zentrale Leitung!
Aus
dem Protokoll des Hauptmilitärrates der Roten Arbeiter- und Bauernarmee
vom 4. September 1938
„Die
Sache ging so weit, daß am 1. August desselben Jahres, beim Gespräch
der Genossen Stalin, Molotow und Woroschilow mit dem Genossen Blücher,
Genosse Stalin direkt gezwungen war, ihm die Frage zu stellen: ‚Sagen
Sie ehrlich, Genosse Blücher, sind Sie wirklich bereit, gegen die
Japaner zu kämpfen? Wenn Sie das nicht wollen, dann sagen Sie es
geradeheraus, wie es einem Kommunisten ansteht, und wenn Sie wenn den
Wunsch haben, sollten Sie unverzüglich auf ihren Posten gehen.’
Man
beachte das Verhalten und den Stil von Stalins Rede: er droht nicht, er
fordert nicht – ja er hat nicht einmal das Recht, das zu tun. Der
Marschall unterwirft sich ihm im Prinzip nicht, weil Stalin keine
offizielle Macht hat – er ist der Vorsitzende der kommunistischen
Partei, das ist alles. Und der Vorgesetzte von Blücher ist Woroschilow,
der ihm den direkten Befehl gibt in das Gebiet der Kampfhandlungen zu
fahren.
Erst
am 1. August bekamen die Armeen Blüchers den Befehl, den Gegner
anzugreifen, wobei sie das Heranführen der Hauptkräfte nicht
erwarteten. Die Zeit, um den Angriff des Gegners vernichtend abzuwehren,
war verpaßt, und um frontal anzugreifen, war es schon zu spät. Der
Sturm brach herein. Alle Abhänge des Berges und das Seeufer waren mit
den Leichen unserer Soldaten bedeckt. Die blutenden Reste der
Unterabteilungen, die zwischen dem See und den Hügeln eingekeilt waren,
baten um Unterstützung der Luftwaffe, die Kommandeure anderer Einheiten
wenden sich mehrfach an den Befehlshaber, aber Blücher antwortete mit
kategorischer Absage, „um der koreanischen Bevölkerung keinen Schaden
zuzufügen“. Das ist dokumentarisch belegt. Interessant ist, welche
„koreanische Bevölkerung“ konnten am Grenzposten und auf der Anhöhe
sein, auf der die Kämpfe stattfanden?
Ein
weiterer Auszug aus einem Protokoll der Sitzung des Hauptmilitärrates:
„Genosse
Blücher übernimmt erst nach dem Befehl, sich an den Ort der Ereignisse
zu begeben, die operative Führung. Doch bei seiner mehr als seltsamen Führung
stellt er den Armeen nicht die klare Aufgabe zur Vernichtung des
Gegners, er stört der Kampftätigkeit der ihm untergeordneten
Kommandeure, insbesondere wird das Kommando der 1. Armee von der Führung
seiner Armeen tatsächlich ohne jegliche Gründe entfernt; die Arbeit
der Frontverwaltung wird desorganisiert, das bremst eben die
Zerschlagung der sich auf unserem Territorium befindliche japanischen
Armeen.... Nachdem Genosse Blücher an den Ort der Ereignisse kam,
weicht er – ungeachtet endloser Versuche, ihn zu erreichen, auf jede
Weise davor aus, eine ununterbrochene Verbindung mit Moskau zum
Volkskommissar für Verteidigung herzustellen. Trotz Vorhandensein einer
normal arbeitenden Telegrafenverbindung war Genosse Blücher ganze drei
Tage nicht zu sprechen. Diese ganze ‚operative Tätigkeit’ des
Marschalls Blücher fand ihren Höhepunkt mit dem Einberufungsbefehl
von... 12 Jahrgängen. Diese ungesetzliche Handlung war um so unverständlicher,
weil der Hauptmilitärrat im Mai desselben Jahres, unter Teilnahme des
Genossen Blücher und entsprechend seinem Vorschlag, entschieden hatte,
für die Militärzeit in Fernen Osten nur 6 Jahrgänge einzuberufen.
Dieser Befehl des Genossen Blücher provozierte die Japaner zu der von
ihnen erklärten Mobilmachung und konnte uns in einen großen Krieg mit
Japan hineinziehen. Der Befehl wurde vom
Volkskommissar unverzüglich aufgehoben.“ – Wird man dabei
nicht an Tschetschenien erinnert und an die Besetzung Grosnys?
Nur
wenn das Kommando in die Hände Woroschilows übergeht, wird den Sturm
der Höhe durchgeführt wie es die Regeln der militärischen
Wissenschaft erfordert: Nach der Einsatz der Luftwaffe und der
Artillerie werden die Panzer – und erst dann wird die Infanterie
vorgezogen. Die Japaner wären tatsächlich augenblicklich vernichtet
gewesen. Man muß bemerken, daß man Blücher durchaus nicht als einen
„Parkett-General“ bezeichnen kann, sondern der bekannte rote
Kommandeur des Bürgerkrieges ist, der wie kein anderer weiß, daß der
Sturm auf gefestigte Positionen ohne Feuerschutz unmöglich ist und zu
furchtbaren Verlusten führt. Das wissen nicht nur Leutnante, sondern
sogar Offiziersschüler.
Man
erinnert sich sogleich an die Worte Basajews, die man dem Moskauer
„Abonnenten“ 1990 in einem Funkspruch mitteilte: „Du hast doch
versprochen, daß es keine Luftwaffe geben wird!“
In
den 30er Jahren mißlang es Verrätern, die Kontrolle über die höchsten
Ämter des Landes zu gewinnen, was ihre Niederlage vorherbestimmte. Doch
die Verräter der 80er und der 90er Jahre haben aus dieser Erfahrung
gelernt und sie haben gesiegt.
Das
Militärgericht in Moskau, das die Angelegenheit des Marschalls Blücher
untersuchte, kam zu dem Schluß, daß der Verrat gegeben war, und es hat
den Angeklagten zum Erschießen verurteilt. Die intensive Untersuchung
zeigte, daß es eine riesige Anzahl japanischer Agenten unter den
„Leuten Blüchers“ gab. Es war nicht merkwürdig, daß in den Armeen
praktisch offen vom Verrat des Oberkommandos gesprochen wurde, wie auch
im Rußland der 90er Jahre. Trotz der verbreiteten Meinung nahm Stalin
an seinem Schicksal keinerlei Anteil, und er übte auch keinen Druck auf
das Gericht aus. Die Kampfgenossen Marschalls Blüchers, vor deren Augen
das Bild der Abhänge der Höhe Saosjornaja stand, das übersät war mit
den Leichen unserer Soldaten, haben das Urteil gefällt.
Die
Folgen des „undeutlichen Krieges“ am Chasan-See wiegen um vieles
schwerer, als daß man über die sowjetische Armee in aller Welt öffentlich
lachte. Die Berichte des japanischen Nachrichtendienstes über dei mehr
als schwachen Koordination der sowjetischen Armeen wurden dem Verbündeten
Japans – Deutschland – übergeben, und sie haben eine sehr wichtige
Rolle bei der Beschlußfassung über den Krieg gegen die UdSSR gespielt.
Jetzt bezweifelte in der Welt niemand mehr, daß die UdSSR eine leichte
Beute ist.
Chruschtschow
hat Blücher rehabilitiert (d.h. seine oben erwähnten Untaten wurden
nicht als verbrecherisch benannt, das ist eine bezeichnende Tatsache).
Doch er wagte es nicht, die Gruppe Sinowjew und Kamenjew als unschuldig
zu darstellen. Zu offensichtlich waren die Schuldbeweise, zu
offensichtlich und verbrecherisch war das Ziel – die Inbesitznahme des
Eigentums, die „Aufgabe des Landes“, die „Wiederherstellung des
Kapitalismus“. Doch dieses Thema wurde von nun an, bei der
Geschichtsschreibung sorgsam gemieden. Die Dokumente des Prozesses
wurden aus den Buchläden und den Bibliotheken entfernt, in der Schule
und in den Instituten wurden sie nicht mehr gelehrt. Allmählich war
unverständlich – sind sie nun Verbrecher oder nicht? Zielgerichtet
wurde selbst der Gedanke daran ausgerottet, daß „die da oben“ Verräter
sein könnten. Im Ergebnis dieser Aktivitäten war die kommunistische
Herrschaft Stalins stark geschwächt. Ebenso wie einige Jahrzehnte nicht
verstanden wurde, ob es nun besser ist, das Land „aufzugeben“, oder
kann man es auch so noch gut beherrschen.
Doch
dann verblieb alles „an seinem Platz“, man mußte den Verrat des
Landes und die Plünderung der Nationalreichtümer „legalisieren“.
Und so wurden die Verräter von einem anderen Verräter, von Jakowlew,
„rehabilitiert“. Erst sogar den „Säuberungen der Archive“, nach
„Einfügung“ vieler Fälschungen und nach langjähriger Bearbeitung
der öffentlichen Meinung brauchte man einige Versuche, um die
„Rehabilitierung“ mit dem Erfolg zu krönen. Die Schuld der
„unschuldigen Opfer“ war viel zu offensichtlich.
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