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Godefroid Tchamlesso Diur ist ein kongolesischer Kämpfer, er war zusammen mit Ché Guevara und Laurent Desiré Kabila. Er studierte Journalismus in Kuba, wo er 32 Jahre lebte. Davon arbeitete er 26 Jahre lang in der Nachrichtenagentur Prensa Latina und war beruflich oft im Ausland tätig. Als 1997 Laurent Desiré Kabila das Regime von Joseph Mobutu zerschlug, kehrte Tchamlesso in sein Land zurück, wo er Minister für Verteidigung und Sicherheit wurde. Als sein einstiger Gefährte Kabila ermordet wurde, wurde Godefroid Tchamlesso Diur Botschafter der Demokratischen Republik Kongo in Angola. Heute lebt er in Kinshasa und Havanna.

FAST 50 JAHRE NACH DER GUERRILLA VON CHE GUEVARA IM KONGO

von Godefroid Tchamlesso Diur

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Havanna, 25. April 2010, Cubadebate.-   Mir ist noch tief in der Erinnerung jene Umgebung des Strandes mit Felsbänken und Riffen am Fuße von Kibamba eingezeichnet. Kibamba war der Hauptstützpunkt der Guerilla im Kongo, welche Ché an der Spitze eines kleinen Kontingents von ca. 140 kubanischen Kämpfern in jenen 8 Monaten des Jahres 1965 unterstützte.

Fast ein halbes Jahrhundert nach jenen Ereignissen, die den Beginn der Beteiligung des jungen revolutionären Kubas am Enkolonialisierungsprozess Afrikas und der Festigung seiner Unabhängigkeit gegenüber den europäischen Großmächten kennzeichneten, kehren die alten teils bereits zerfetzten Erinnerungen heute wieder machtvoll in meinen Kopf zurück.

Seit dem Morgengrauen des 24. April 1965 brach Ernesto „Che“ Guevara sehr entschlossen und mit seiner Pfeife im Mund zu unbekannten Horizonten auf. Er landete glücklich im Kongo, unter erbärmlichen Bedingungen. Mit ihm kam ein Dutzend Kubaner. Sie bildeten die Gruppe, welche der Comandante Fidel Castro in den Kongo geschickt hatte.

Dies war die erste bewaffnete Expedition Kubas. Sie gründete sich auf die Grundsätze der Solidarität mit dem Befreiungskampf Afrikas nach einem Jahrhundert brutaler Herrschaft Westeuropas über die Länder des Kontinents, der die Wiege der Menschheit darstellt.

Die Kubanische Revolution in ihrem Kindheitsstadium mit kaum sechs Jahren Herrschaft bewies so ihren hohen Geist an Altruismus, Selbstaufopferung und Uneigennützigkeit gemäß den Grundsätzen von José Martí: „Wenn sie aus derselben Wunde bluten, macht dies die Menschen auf einmal zu Freunden.“

Vor Sonnenuntergang erreichten wir die Ufer des riesigen Tanganjika-See, der fast 5 Bootsstunden von der Stadt Kigoma auf dem Territorium von Tansania liegt, mit der Grenze des Sees als Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Tansania. Wir hatten 55 Kilometer auf dem Fußweg zurückgelegt, auf einem majestätischen „Binnenmeer“ mit angrenzenden vier afrikanischen Ländern.

Um unser Ankommen im Stützpunkt und unsere Unterstützung von Kibamba kundzutun, sangen die wenigen den Ché begleitenden Kongolesen Lieder des Volksaufstandes. „Wie verrückt ist all dieser Krach“, schüttelten die Kubaner die Köpfe. Denn sie fürchteten einen Überraschungsangriff mitten auf dem See und lange vor Erreichen des Zielortes.

Es war notwendig zu singen, als Kommunikationsmittel mit den kongolesischen Kämpfern, welche mit automatischen Schnellfeuerwaffen am Strand postiert waren, um den Hauptstützpunkt der Aufstandsbewegung unter Führung von Laurent-Désire Kabila zu schützen. Diese große afrikanische Führungspersönlichkeit hatte Kuba um Hilfe für die kongolesische Befreiungsbewegung gebeten. Sie sollte den Unabhängigkeitsprozess vollenden, welcher von den Machenschaften der großen westlichen Metropolen bedroht war, die die Kontrolle des mit gewaltigen Rohstoffen ausgestatteten Kongo rückerlangen wollten.

„Ich bin der Ché“, offenbarte sich mir mit vertrauter Stimme der legendäre Guerillero aus der Sierra Maestra. Er hob hervor: „Kehre schnell zurück nach Tansania und informiere Kabila, dass ich im Kongo bin.“

„Das ist ein internationaler Skandal“, war meine lapidare Antwort an jenen stets sein Beispiel gebenden Menschen, der nie mehr von seinen Mitstreitern verlangte, als er selbst leistete. Ich gab dem Ché mein Wort, dass ich ihn nie betrügen würde und niemals Verrat begehen würde. Auch versprach ich ihm, dass ich seine Anwesenheit im Dschungel des Kongo absolut diskret behandeln würde.

Ich kehrte zurück nach Kigoma, von wo aus wir erneut den breiten Tanganjika-See mit seinen dem Ozean ebenbürtigen turbulenten Wellen überquerten. Ich war an den Ufern jenes Sees in Kalemie geboten worden. Und von Kindesbeinen an hatte ich gelernt, mich nicht vor dem See zu fürchten. Behutsam berichtete ich Kabila in sehr privater Atmosphäre von der Anwesenheit des Ché bei der Guerilla sowie auch von den Kubanern unter dem Befehl des Ché. Das Stillschweigen über dieses Geheimnis wurde monatelang gewahrt, bis Ché selbst es den Behörden von Tansania mitteilte. Tansania war das Transitland für unsere Nachhut, die ihre Identität nicht preisgab bis zu ihrer Ankunft im Kongo.

Ché, der bescheiden die dritte Position in der Befehlskette der Einheit (einer Kompanie aus wenig mehr als 140 Kubanern) übernahm, war seit seiner Ankunft auf afrikanischem Boden sehr aktiv. Seine Aufgaben waren umfangreich. Er organisierte die Reihen seiner Kämpfer und führte die kongolesischen und kubanischen Kämpfereinheiten zusammen. Er widmete sich gleichzeitig als Französischlehrer den Kubanern. Er behandelte die einheimischen Kranken als Arzt. Er lernte Suaheli, weil dies die häufigste afrikanische Sprache im Osten und Zentrum des afrikanischen Kontinents ist. Anleiter und Chef war er. Und er nahm persönlich an etlichen Gefechten teil.

Während seines Aufenthaltes im Kongo, welcher bis Ende November des Jahre 1965 andauerte, als der Aufstand für Lumumba von Laurent-Desiré Kabila zusammenbrach, hatte Ché unauslöschliche Spuren in den Herzen der Bewohner der Bergregionen und Ebenen hinterlassen, durch die er seine Männer bei den bewaffneten Handlungen führte. Die Herzlichkeit, die Bewunderung und der Respekt all jener Menschen dort hielten all die Jahre an. Und noch immer erreichen uns inbrünstige Reaktionen aus dem Tun dieses immer im Dienst der einfachen Menschen kämpfenden Giganten.

Fünf Kubaner tränkten mit ihrem Blut kongolesische Erde. Sie alle kämpften mit Waffen gegen einen besser ausgerüsteten Gegner, der über eine moderne Luftwaffe, Seestreitkräfte und Bodentruppen verfügte, die von in Europa, den USA und den vom Apartheid-Regime in Südafrika rekrutierten weißen Söldner-Bataillonen unterstützt wurden.

Wir schworen dem Comandante Che Guevara die Treue von Anfang an. Wir dankten ihm für seine Aufopferung, seine Lehren und sein Beispiel. Dies inspirierte Laurent-Desiré Kabila, den Guerrillakampf bis zum Sieg noch in Jahrzehnten fortzusetzen, als der berühmte Sohn Argentiniens und Kubas die Ebenen und Berge des kongolesischen Dschungels längst verlassen hatte.

Kabila, dessen Büste sich im Park der Unabhängigkeitshelden Afrikas einreiht, welchen Kuba mit einem Ehrenplatz an einem zentralen Platz in Havanna bedachte, hat vom Ché die Unerbittlichkeit gegenüber dem Gegner, die Hartnäckigkeit und die Liebe zum Volk geerbt. Er wurde kaltblütig am 17. Januar 2001 ermordet, als er kaum drei Jahre Präsident der Demokratischen Republik Kongo war und mit seiner Hingabe eine lange Kampfzeit ohne Waffenstillstand gegen die Diktatur von Joseph Mobutu bewältigt hatte. Einen Joseph Mobutu im Dienste der USA, Belgiens und anderer Mächte Europas, die bis heute nicht mit ihren Bestrebungen aufhören, Afrika erneut zu erobern.

Quelle: http://www.cubadebate.cu/

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