Wir
werden uns noch eine lange Zeit über alle Probleme aufregen, die
mit der größten Tragödie des 20.Jahrhunderts verbunden sind –
mit dem Sturz der UdSSR, des ersten sozialistischen Staates der
Welt. Warum wurde dieser große Staat nach 70 Jahren seiner Existenz
zerstört, und warum entstanden auf seinen Trümmer zehn
Zwergstaaten? Warum geschah die bürgerliche Konterrevolution? Wer
hat die Demontage des Sozialismus realisiert? Was war der Grund für
den Zerfall des weltumfassenden sozialistischen Systems? Warum
gelang es den reaktionären Kräften, die zunehmend progressive
Entfaltung der Völker auf einem Sechstel unsers Planeten
aufzuhalten?
Wir
müssen eine Antwort finden
Objektive
Antworten auf diese Fragen sind unumgänglich, weil sie von
internationaler Bedeutung sind. Sie berühren die Interessen der
Werktätigen überall in aller Welt und sie werden helfen, die
Perspektiven ihres Klassenkampfes und des nationalen
Befreiungskampfes zu verstehen. Unter den gegenwärtigen Bedingungen
der globalen imperialistischen Tyrannei auf unserem Planeten wird
die Niederlage der internationalen kommunistischen Bewegung für die
Arbeiterklasse bei der Eroberung, der Verteidigung und beim Erhalt
der Macht eine wichtige Lehre sein. Wenn die soziale Tragödie,
welche sich abgespielt hat, nicht analysiert, ihre objektiven und
subjektiven Gründe nicht erforscht werden, ist es unmöglich, neue
Konzepte für den Beginn einer kommunistischen Umgestaltung der
Gesellschaft aufzustellen. Unter den Bedingungen einer sich
steigernden antikommunistischen Kampagne in den Massenmedien
verschiedener Länder ist eine auf wissenschaftlichen Forschungen
beruhende kommunistische Gegenpropaganda besonders wichtig, in denen
die Autoren ausgehend von emotionalen publizistischen Einschätzungen
ein realistisches Bild des Zusammenbruchs der Sowjetmacht und des
Sozialismus in der UdSSR und volksdemokratischen Ländern geben.
Unwissenheit
ist eine dämonische Kraft
In
dem kürzlich erschienenen Buch von Prof. I.S.Lukjanow „Die
theoretische Ignoranz – eine Form des Verrates der kommunistischen
Bewegung” wird auf wissenschaftlicher Grundlage ein gründlicher
Versuch unternommen, die Wirtschaftspolitik der KPdSU nach dem Tode
Stalins objektiv einzuschätzen und die Fehler zu analysieren,
welche die bei der geschehenen Konterrevolution
eine schicksalhafte Rolle spielten. Der Autor zeigte, daß die
geniale Voraussage eintrat, die Karl Marx vor mehr hundert Jahren
traf: „Die Unwissenheit ist eine dämonische Kraft, und wir fürchten,
daß sie noch als Ursache vieler Tragödien dienen wird.“
Der
Autor hat recht: „Solange nicht verstanden wird, wie die KPdSU und
die UdSSR zerstört wurden, wird es unmöglich sein, diesen großen
Staat, der auf der kommunistischen Idee beruht, zu erneuern.“ Es
ist sehr wichtig, sich mit der Dialektik der objektiven und
subjektiven Faktoren der Demontage des sozialistischen Systems
zurechtzufinden. Man muß auch die gegenwärtige kommunistische
Bewegung ohne Idealisierung betrachten, und die marxistische
Demagogie vieler "kommunistischer" Führer und deren
opportunistisches Innere verstehen. Wir sollten nicht zweimal auf
ein- und dieselben Macken hereinfallen.
Die
Chrustschowisten ignorierten die Gesetzmäßigkeiten
Die
Abweichung vom Sozialismus ist unmittelbar verbunden mit der
„Regierung" Nikita Chrustschows. Als nach dem Tod Stalins der
sogenannte „Kampf gegen den Personenkult“ begann, hat die Führung
der KPdSU das Kind zusammen mit dem Bade ausgeschüttet. Während
sie fest an die magische Kraft der Parteibeschlüsse glaubten, vergaßen
die Chrustschowisten die marxistische Wahrheit, daß die
gesellschaftliche Entwicklung von objektiven Gesetzen bestimmt ist,
die nicht vom Verstand und vom Willen der Menschen abhängen. Und
die Produktivität menschlichen Handelns und politischer Beschlüsse
hängt davon ab, inwieweit sich die Menschen diese Gesetze zunutze
machen. Ein Politiker wird eben nur dann frei entscheiden können,
wenn er diese Gesetze erkannt hat; weil es seit langem bekannt ist,
daß die Freiheit nur in der erkannten Notwendigkeit besteht. Stalin
war Marxist. Er verstand es hervorragend, als er am 16. Dezember
1949 im Gespräch mit Mao Tse-tung prophetisch sagte, daß „der
Sozialismus eine Wissenschaft … ist, die ... allgemeine Gesetzmäßigkeiten
hat und ein Abweichen davon bedeutet, daß der Aufbau des
Sozialismus unvermeidlich zum Mißerfolg verdammt ist”. So
geschah es in der UdSSR und auch in China.
Stalin
hatte davor gewarnt
Bereits
am 19. Oktober 1928 sprach Stalin auf dem Plenum des Moskauer
Komitees und der Moskauer Kontrollkommission der Allunions-KP (B) [1]
im Bericht über das Vorhandensein objektiver Gründe im Land für
eine mögliche Wiederherstellung des Kapitalismus. Rußland ist ein
kleinbäuerliches Land. Das beinhaltet auch die kleinbürgerliche
Ideologie, die auf dem Privateigentum beruht. Oft erinnerte Stalin
an die Leninschen Worte, daß die Kraft des Kapitalismus „in
der Kraft der Kleinproduktion besteht …, und die Kleinproduktion
ständig, täglich, stündlich spontan und im Massenmaßstab
Kapitalismus und die Bourgeoisie hervorbringt”. Diese geniale
Entdeckung Lenins war weder für Chrustschow, noch für alle
nachfolgenden Generalsekretäre ein methodologisches Werkzeug in der
ökonomischen Politik. Das hat eben letzten Endes zur sozialen Tragödie
geführt.
So
begann die Demontage des Sozialismus ...
Das
Chrustschowsche ZK unternahm viel, um die sozialistische Ökonomie
auf kleinbürgerliche Bahnen zu lenken. Es ignorierte die Leninsche
Warnung: „Der Kommunismus fordert und beabsichtigt die größtmögliche
Zentralisierung der Großproduktion im ganzem Land. Deshalb muß man
dem gesamtrussischen Zentrum unbedingt das Recht erteilen, sich alle
Unternehmen des jeweiligen Zweiges unmittelbar unterzuordnen... Dem
gesamtrussischen Zentrum das Recht vorzuenthalten, sich unmittelbar
alle Unternehmen eines gegebenen Zweiges an allen Enden des Landes
unterzuordnen, wäre regionaler Anarchosyndikalismus und nicht
Kommunismus” [2].
Doch in der UdSSR wurde mit der Liquidierung der Fachministerien und
der Dezentralisierung des Steuersystems der Volkswirtschaft
begonnen. Und es wurden die Volkswirtschaftsräte gegründet.
Die
Verordnung des ZK der KPdSU und des Ministerrates von 1957 und das
Plenum des ZK der KPdSU von 1958 waren ein Schlag gegen die
Stalinsche Politik der allmählichen Überwindung der
Ware-Geld-Beziehungen zwischen der Stadt und Land. Anstelle der
obligatorischen Lieferungen landwirtschaftlicher Produkte wurde das
System der Einkäufe eingeführt. 1956 wurden die staatlichen
Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS) auf das Rentabilitätsprinzip
umgesetzt, und später ganz abgeschafft. Es wurde damit begonnen die
Technik der Kolchosen zu verkaufen. Obwohl vielen hochrangigen
Mitgliedern der Partei bekannt war, wie Stalin in seinem Werk „Die
ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR” auf den
Vorschlag einiger Ökonomen, „den Kolchosen die Hauptwerkzeuge
der Produktion, die in den MTS konzentriert sind, als Eigentum zu
verkaufen“, geantwortet hatte: „Die Hauptmittel der
landwirtschaftlichen Produktion: die Maschinen, die MTS, das Land
… werden den Kolchosen nicht verkauft“. Das Leben hat die
Richtigkeit der Stalinschen Auffassung bestätigte.
Einführung
kapitalistischer Marktmechanismen
In
die sozialistische Produktion drangen verstärkt kapitalistische
Mechanismen ein. Auf dem XXII. Parteitag der KPdSU im Jahre 1961
wurde ein neues, drittes Parteiprogramm angenommen, das verkündete,
daß man „beim kommunistischen Aufbau die Ware-Geld-Beziehungen
… vollständig verwenden muß”. Die Elemente des
kapitalistischen Marktes – das Rentabilitätsprinzip, das Geld,
der Preis, die Selbstkosten, den Gewinn, der Handel, den Kredit,
wurden für das Wichtigste in unserer sozialistischen Wirtschaft
gehalten. Denn Chrustschow hielt die Kenntnisse der Wissenschaft des
Sozialismus für überflüssig, ihm reichte seine kleinbürgerliche
Besitzerintuition, sein bäuerliches Gefühl. Und in seiner Umgebung
wurde Wissen durch Kriecherei ersetzt. Das war der Anfang der
Demontage des Sozialismus in der UdSSR.
Unter
Chrustschow wurde auch damit begonnen, das sowjetische politische
System zu deformieren. Aus irgendeinem Grunde faßten die
Delegierten dieses Parteitags den Beschluß, daß „die Diktatur
des Proletariats ihre historische Mission erfüllt, und vom
Gesichtspunkt der inneren Entwicklung aufgehört (habe), in der
UdSSR … notwendig zu sein”. Es sei die Zeit gekommen für den
„Staat des gesamten Volkes”. Für die Chrustschowisten hatte der
Staat aufgehört, eine Klassenkategorie zu sein. Sie hatten sich
entschieden, den Marxismus zu revidieren. Und von der Revision des
Marxismus, als der Ideologie der Arbeiterklasse, bis zum Verrat der
Interessen der Arbeiterklasse war es nur ein kleiner ein Schritt.
Es
war ein Parteitag der Verräter...
Im
Verlaufe von gerade mal zwanzig Jahren wurde die Sowjetmacht zerstört,
deren Wesen die Diktatur des Proletariats war. Es sei bemerkt –
nicht die Verräter Tschubai, Nowodworski, Nemzow, Chakamada oder
Deripaska und Friedman oder ähnliche Antikommunisten haben das
sowjetische politische und ökonomische System zerstört, sondern
die Delegierten des Parteitages, Kommunisten, begannen schon 1961
mit dieser Demontage. Der Autor des obengenannten Buches schreibt,
daß man den „XXII. Parteitag der KPdSU folglich als einen
Parteitag der Verräter der kommunistischen Idee bezeichnen kann.
Ja, XXII. Parteitag war ein Parteitag der theoretisch Unwissenden
und der Verräter! Sie haben das Land zur verderblichen ökonomischen
Reform von 1965 geführt”. Das ist wohl nicht zu bestreiten.
Wozu
eine Neue Ökonomische Politik?
Nach
der Restauration des Kapitalismus sind in diesem Land schon zwei
Jahrzehnte vergangen, und die Führung der KPRF singt bis jetzt
immer noch die Dithyramben der Kosyginschen Reform, die die Rolle
des Rentabilitätsprinzips bei der Verwaltung der Volkswirtschaft
verabsolutierte, indem man darauf verweist, daß Lenin die Neue Ökonomische
Politik (NÖP) zu Beginn der 20er Jahre als einen ökonomischen
„Rettungsmechanismus“ einsetzte. Aber kann man die Neue Ökonomische
Politik unabhängig von der konkret-historischen Lage betrachten?
Nach dem Bürgerkrieg, der ausländischen Intervention stand das
Land vor dem Ruin – die Betriebe standen still, es gab keine
Arbeit, kein Brot, das Volk hungerte. Die Bolschewiki mußten ungewöhnliche
Maßnahmen ergreifen, um das Land zu retten. Die Neue Ökonomische
Politik bestand eben darin, das Land zu unterstützen.
Aber
die zeitweilige Zulassung kapitalistischer Wirtschaftsmechanismen
– der Ware-Geld-Beziehungen, des Rentabilitätsprinzips und des
freien Handels – stand unter der festen Kontrolle durch die
Diktatur des Proletariats. Weder Breshnew und Kosygin, noch das ZK
die KPdSU wußten 1965, und Sjuganow und seine Gesellschaft scheinen
bis heute nicht zu wissen, daß Lenin 1922 aus diesem Anlaß sagte: „...jetzt
werden unter staatlicher Regulierung der freie Handel und der
Kapitalismus zugelassen, und sie entwickeln sich, andererseits
werden die staatlichen Unternehmen auf die sogenannte wirtschaftliche
Rechnungsführung umgestellt, d.h. eigentlich in bedeutendem
Grade auf die kommerziellen und kapitalistischen Anfänge”.
[3]
Schöne
Reden, verderbliche Taten
Man
muß sich nicht wundern, daß die Kommunisten schon seit den 60er
Jahren gelernt haben, schön und laut Lenin zu zitieren, aber sie
haben ganz und gar aufgehört, ihn zu lesen. Ganz zu schweigen von
den Werken der Klassiker des Marxismus. Und dann hat unter der schönen
Losung vom „Staat des ganzen Volkes“ und dem Versprechen, daß
„die jetzige Generation der Sowjetmenschen unter dem Kommunismus
leben” wird, die bornierte Führung der KPdSU mit ihrer Politik
den Sozialismus faktisch zerstört. Er wurde auch dadurch zerstört,
daß auf dem Plenum des ZK der KPdSU immer öfter davon geredet
wurde, daß es notwendig sei, die zentrale planmäßige Führung der
Volkswirtschaft zu verringern, während man den Industriebetrieben
wieder vorrangig mehr Selbstständigkeit einräumt.
Doch
schon 1918 hatte Lenin diesbezüglich davor gewarnt: „…die größte
Entstellung der Hauptanfänge der Sowjetmacht und der völlige
Verzicht auf Sozialismus ist jede – direkte oder indirekte –
Legitimierung des Eigentums der Arbeiter an einer bestimmen Fabrik
oder eines bestimmten Berufes an ihrer jeweiligen Produktion, ihre
Rechte zu verringern oder die Anordnungen der gesamtstaatlichen
Gewalt einzuschränken…” [4]
Doch die sowjetischen „Führer" glaubten schon damals fest an
ihre ideelle Allmacht, der Marxismus war für sie nur
Parteidekoration, und nicht Anleitung zum Handeln. Infolge ihrer
Verwirrung, ihrer politischen Unbildung – natürlich. Aber ist
nicht der Weg zur Hölle mit vortrefflichen Absichten gepflastert?
Der
Sozialismus wird abgeschafft
I.S.Lukjanow
lenkt in seinem Buch die Aufmerksamkeit darauf, daß „die
Orientierung der Volkswirtschaft auf das Rentabilitätsprinzip, den
Gewinn, den Preis im Widerspruch zur sozialistischen Planmäßigkeit
steht: der staatliche Plan stellte bestimmte Anforderungen, Preis
und Gewinn sind etwas ganz anderes! Die Betriebe gaben ihren eigenen
Interessen den Vorzug – das brachte Gewinn! Unter solchen
Bedingungen wirkten Planvorgaben nur störend. Das war die
Hauptursache solcher Erscheinungen wie der sogenannten
„Schattenwirtschaft”, als auch der „Stagnation".
Die
Perestroika Gorbatschows, die „demokratischen“ Reformen in der
Wirtschaft von Ryshkow und die späteren Umwandlungen staatlicher
Betriebe in offene oder geschlossenen Aktiengesellschaften war eine bewußte
Zerstörung der sozialistischen Basis der sowjetischen
Gesellschaft. 1985 begann nicht eine Umgestaltung (Perestroika),
nicht eine Vervollkommnung des sozialistischen Systems, sondern die
Schlußetappe der Konterrevolution. Die Führung der KPdSU
realisierte in den politischen Beschlüssen die ökonomischen
Programme der „sowjetischen" Wissenschaftler Schatalin,
Popow, Abalkin, Aganbegjan, Petrakow, Gaidar, Jasin und Bunitsch zur
Abschaffung des Sozialismus. Sie begingen einen Verrat!
Die
glücklichen Aktionäre leben auf...
Die
Arbeiter der Betriebe und der Bergwerke wurden zu glücklichen
Aktionären der Unternehmen: „Endlich wird mit dem Totalitarismus
Schluß gemacht. Wir haben die Allmacht des Zentrums satt. Jetzt
werden wir selbst, im Kollektiv über unser Eigentum verfügen, wir
leben auf …”
Ich
schrieb schon darüber, daß in der Irkutsker Relaisfabrik auf den
Versammlungen nur vereinzelt gegen Umwandlung in eine
Aktiengesellschaft gestimmt wurde. Die „in ein paar Jahren“
„frohen und glücklichen“ Arbeiter begriffen, wie unbarmherzig
sie betrogen wurden... Tatsächlich blieb vom Betrieb nur der Name
übrig, wie zum Beispiel vom Irkutsker Schwermaschinenbau „W.W.
Kuibyshew“, Betrieb des Rotbannerordens der Arbeit, vom Radiowerk,
vom Betrieb Etalon und anderer … Gibt es heute nur in Irkutsk
solch ein freudloses Bild? Nein – mehr als 90 % der
Industriebetriebe Rußlands befinden sich heute in Privatbesitz, in
den Händen der Bourgeoisie, der besitzenden Klasse. Und die
Ausbeutung, die Daseinsweise der Bourgeoisie, verfestigt sich von
Tag zu Tag …
Die
schmutzigen Hände Gorbatschows
Mit
dem Einzug Gorbatschows in den Kreml im Jahre 1985 begann die
forcierte Aufgabe sozialistischer Positionen. Jedes Jahr wurden neue
Verordnungen herausgebracht, die das sowjetische Wirtschaftssystem
weiter zerstörten. 1990 stimmte Mehrheit der Delegierten des
XXVIII. Parteitages der KPdSU für den Markt. Sie haben damit
das Land endgültig selbst auf den kapitalistischen Entwicklungsweg
zurückgeführt. Wieviel auch immer darüber schon geschrieben wurde
– einen nicht-kapitalistischen Markt gibt es nicht. Nach dem
Parteitag beschloß der Ministerrat der Russischen Föderation,
welcher von Kommunisten geleitet wird, die Verordnung „Über die
Aktiengesellschaften”. Später kam das Gesetz „Über die Erde
und den Bauernhof ” und andere. Von einer sozialistischen Basis
blieb wenig. Am 12. Juni 1990 unterzeichnete der Oberste Sowjet der
RSFSR, in dem auch die Mehrheit Kommunisten waren, die Deklaration
über die Staatshoheit RSFSR, die der Sowjetunion den Todesstoß
versetzte. Das Schicksal des Sozialismus und der Sowjetmacht in der
UdSSR war entschieden. Man kann damit übereinstimmen, daß die
Zerstörung der Grundlagen des Sozialismus bis 1985 allmählich,
fast unmerklich vor sich ging. Die vortrefflichen Absichten der
ehrlosen Parteibonzen, die versuchten, Sozialistisches eklektisch
mit Kapitalistischem zu verbinden, verschärften die ökonomischen
Widersprüche, brachten neue soziale Probleme mit sich und
verschlimmerten die moralische und psychologische Lage im Land.
In
der KPRF hat man nichts dazugelernt
Aber jetzt, wo das Scheitern der UdSSR eine
historische Tatsache ist, muß man mit Trauer feststellen, daß zu
wenige Menschen aus ihren eigenen und fremden Fehlern lernen.
Zweihunderttausend Kommunisten der KPRF laufen wie blinde Katzen
hinter ihren Führern her, die in den Programmen wieder eine
„strukturierte Marktwirtschaft” anbieten, eine „Vielfalt der
Eigentumsformen” – auf einer solchen Grundlage ist der
Sozialismus prinzipiell unmöglich. Sie kämpfen für den utopischen
„friedlichen Übergang zum Sozialismus”, mittels der Wahlen ins
Parlament. So als ob man die Besitzer der Betriebe, der Bergwerke,
der Minen und der Banken mit flammenden Sjuganowschen Reden von der
Duma-Tribüne aus erschrecken kann, und sie damit einverstanden sein
werden, dem Volk von ihnen privatisierte Volkseigentum zurückzugeben.
Man spricht vom lebenslangen Lernen. Doch betrifft das nur die
kommunistischen Führer? Die ungebildete und unwissende Masse der
Bevölkerung und die durch kleinbürgerliche Illusionen verseuchte
Arbeiterklasse können zu jener dämonischen Kraft werden, welche
nicht zum Sieg im spontanen Befreiungskampf und in der
Arbeiterbewegung führt.
Die
Führer der KPdSU wurden zu Verrätern
Der
Arbeiterklasse kann es natürlich gleichgültig sein, ob sie bewußt
oder unbewußt verraten wurde, ob die Parteiführer wie Chrustschow
und Kosygin sich irrten, oder ob sie Agenten westlicher,
antisowjetischer Geheimdienste waren wie der Ideologe der KPdSU,
Alexander Jakowlew. Die Führung der KPdSU, die in der UdSSR führende
Partei, Gorbatschow, Jelzin, Aliew, Schewardnadse, Nasarbajew,
Brasauskas, Schuschkewitsch, Krawtschuk, Nijasow, Karimow und wie
sie alle heißen – diese Hunderte Parteisekretäre und Leiter
sowjetischer Organe haben den Sozialismus aufgegeben und sind in die
Dienste der Bourgeoisie getreten, das heißt – sie wurden zu
Verrätern. Sie haben die kommunistische Idee, die
Arbeiterklasse, das ganze werktätige Volk und ihre Heimat verraten!
Wie soll man sich da nicht an die Worte des großen Lenin erinnern,
die auch nach hundert Jahren nicht ihre Aktualität verloren haben,
in denen er sich gegen jede Art von Verrätern wendet:
„Um
den Verrat ... zu rechtfertigen, oder um die Augen davor zu
verschließen, beeilt ihr euch, Geschäfte mit ihm abzuschließen,
spielt Parlamentarismus …, und ihr erreichen damit nur, daß sie
auf euch Druck ausüben, und nicht ihr auf sie! ... Echten, und
nicht nur gespielten Druck kann nur der Aufstand … auslösen,
jeder andere Versuch des Drucks bleibt nichts als eine leere und
beklagenswerte Phrase. Es konnte sich noch kein Mensch entschließen
zu behaupten (doch Sjuganow entschloß sich – L.P.), daß
die Epoche des Aufstandes für Rußland vorbei sei. Und immer wieder
ist es so, daß eine Absage an die Herausforderung, die ein Aufstand
mit sich bringt, jede Ausrede vor ihrer Dringlichkeit, jeder
„Rabatt" in unseren Forderungen an die bürgerliche
Demokratie, einschließlich der Forderung, am Aufstand teilzunehmen,
eine Abgabe der Waffen an die Bourgeoisie ist. Es ist die Umwandlung
des Proletariats in ihren Speichellecker. Ihr wollt jetzt Druck ausüben?
– Gut, dann bereitet den Aufstand vor, verkündet ihn, organisiert
ihn. Nur darin besteht die Möglichkeit, daß die Komödie in der
Duma … der Anfang einer vollen demokratischen Umwandlung wird”. [5]
Die
Diktatur des Proletariats
„Entweder
Diktatur (d.h. eiserne Macht) der Gutsbesitzer und der Kapitalisten,
oder Diktatur der Arbeiterklasse. Ein Mittelding gibt es nicht! Von
der Mitte träumen die Schmarotzer, die Intelligenzler,
Herrschaften, die schlecht gelernt haben in schlechten Büchern,
vergebens. Nirgends in der Welt gibt es ein Mittelding, und wird es
nicht geben. Entweder
Diktatur der Bourgeoisie (bedeckt prächtigen sozialrevolutionären
und menschewistischen Phrasen über die Volksherrschaft … die
Freiheiten und dergleichen), oder Diktatur des Proletariats. Wer das
aus der Geschichte des 19.Jahrhundertes
(und wir ergänzen: auch des 20.Jahrhunderts – L.P.) nicht
gelernt hat, der ist ein hoffnungsloser Idiot.” [6]
Und
die Diktatur des Proletariats muß man erlernen. Weil es ohne
revolutionäre Theorie keine revolutionäre Bewegung geben kann! Die
Worte Lenins haben heute ihren Wahrheitsgehalt nicht verloren: „…die
Frage steht nur so: bürgerliche oder sozialistische Ideologie. Ein
Mittelding gibt es hier nicht, weil die Menschheit keine
‚dritte’ Ideologie besitzt, ja – und weil es im allgemeinen in
der Gesellschaft, die Klassengegensätze hervorbringt, niemals eine
außerhalb der Klassen oder über den Klassen stehende Ideologie
gibt.”[7]
Und es ist an der Zeit, an die genialen Worte von Karl Marx zu
erinnern: „Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der
Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden
durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur
materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.” [8]
(Übersetzung und Zwischenüberschriften von
mir – M.K.)
[3]
W.I.Lenin, Gesamtausgabe, Bd.44, S.342, russ.
[5]
W.I.Lenin, Gesamtausgabe, Bd.11, S.244f.,russ.
[6]
a.a.O., Bd.39,
S.158, russ.
[8]
Karl Marx, Friedrich Engels, AW Bd.1, S.18