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ZK
der Kommunistischen Partei Griechenlands:
Memorandum zum Griechischen Bürgerkrieg
(1946-1949)
Zu
Ehren des 60. Jahrestages der Gründung der Demokratischen Armee
Griechenlands (DAG)
(online
am 6. November 2007)
Einleitung
Am
2. Juli 2006 versammelten sich tausende Mitglieder und Unterstützer der
KKE und KNE im Dorf Likorakhi in der Nähe des Berges Grammos zur Eröffnungszeremonie
eines Denkmals, welches an den 60. Jahrestag der Gründung der
Demokratischen Armee von Griechenland (DAG) erinnert und das zu Ehren
der Tausenden von Kämpfern, die ihr Leben in den drei Jahren des Bürgerkrieges
(1946-1949), im Kampf gegen die innere Reaktion und die
anglo-amerikanischen Imperialisten opferten, errichtet worden war.
Der
Standort des Denkmals selbst ist äußerst symbolisch; es befindet sich
auf einem ehemaligen Maschinengewehrposten der Demokratischen Armee in
den von Bergen, wo 1948 und 1949 die grimmigsten Schlachten des Bürgerkrieges
geführt wurden. In ihrem Bericht zum Andenken an den 60. Jahrestag erwähnte
das ZK der KKE, daß der Bürgerkrieg die „schärfste Periode des
Klassenkampfes in Griechenland während des 20. Jahrhunderts“ war –
der Kampf für die Volksdemokratie gegen die korrupte
monarcho-faschistische herrschende Klasse und ihre ausländischen
imperialistischen Hintermänner.
Das
Recht der griechischen Kommunisten und anderer progressiver Kräfte, die
Kämpfer der DAG zu ehren, wurde in den Jahren nach dem Bürgerkrieg
hart erkämpft, ihre Mitglieder und Sympathisanten wurden auf jede mögliche
Weise verfolgt. In der Tat erließ das griechische Parlament erst im
Jahre 1989 einen Beschluß, wonach die Partisanen der DAG keine Banditen
waren.
Diese
Geschichtsperiode wurde besonders durch Propagandisten, Journalisten und
Historiker innerhalb und außerhalb Griechenlands verdreht. Sie
bezwecken, die Volksbewegung zu verleumden und die Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft des Kampfes für den Sozialismus zu untergraben,
indem sie als böser, sowjetisch gesteuerten Versuch, eine Diktatur zu
errichten, als ein Beispiel der kommunistischen Aggression und des
Fanatismus dargestellt wird.
Der
griechische Bürgerkrieg fiel natürlich nicht vom Himmel; er war das
Resultat einer Serie imperialistischer Interventionen und von
Entwicklungen in der Volksbewegung während des zweiten Weltkrieges und
davor. Es folgt ein kurzer und schematischer Bericht des Prozesses, der
zum Bürgerkrieg führte. 1940, als das italienische faschistische
Regime in Griechenland einfiel, waren die griechischen Kommunisten und
fortschrittlichen Kräfte in vorderster Front des erfolgreichen
Widerstandes, obwohl Tausende von ihnen im Gefängnis schmachteten und
die KKE unter besonders schwierigen Bedingungen als eine illegale und
verfolgte Organisation operierte. Der Generalsekretär der KKE Nikos
Zachariadis schrieb einen bedeutenden offenen Brief an die griechischen
Menschen, in dem er sie aufrief, der italienischen Aggression zu
widerstehen, wobei er davon ausging, daß vor dem Hintergrund eines
solchen breit angelegten Widerstands ein neues Griechenland geschaffen
werden würde. Nachdem das feige alte Regime der Wehrmacht seinen
Verzicht erklärt hatte, begannen die griechischen fortschrittlichen Kräfte,
den Widerstand zu organisieren. Der Höhepunkt davon fand auf der 6.
Sitzung der KKE im Juli 1941 statt, als die Notwendigkeit für eine
nationale Befreiungsfront (EAM) erklärt wurde. In der Folge wurde die
legendäre EAM zusammen mit ihrem militärischen Flügel ELAS (Nationale
Volksbefreiungsarmee) gegründet, und später die Jugendorganisation
EPON. In den darauffolgenden drei Jahren schrieben diese Organisationen
die heldenhaftesten Seiten der modernen griechischen Geschichte durch
ihre heroischen Kämpfe gegen die Nazi-Okkupation. Ihre Effektivität
ist ersichtlich in dem Fakt, daß sie bis 1944 90% des griechischen
Festlandes befreit hatten. In von der EAM kontrollierten Gebieten
erhielten Frauen das erste Mal das Wahlrecht, populäre demokratische Bürgerversammlungen
und Kammern wurden errichtet. Durch den Kampf gegen die Okkupationen
wurde die Basis für ein demokratisches Griechenland des Volkes
geschaffen, mit der KKE an der Spitze.
Das
blieb nicht unbemerkt von der britischen herrschenden Klasse.
Offensichtlich wäre eine populäre EAM Regierung mit der KKE an der
Spitze eine Bedrohung für die britischen Interessen in Griechenland und
im östlichen Mittelmeerraum. Daher wurde während der Okkupation selbst
jeder Schritt getan, die EAM/ELAS zu unterminieren, hauptsächlich durch
Unterstützung der kleinen und höchst antikommunistischen EDAS
Organisation, welche für ihre ständigen Kollaborationen mit den
Nazi-Besetzern gegen die ELAS berüchtigt wurde. Als die deutschen
Besetzer aus Griechenland gejagt wurden, wurden diese Bemühungen
intensiviert, und sie können nur als eine systematische Vorbereitung für
einen Angriff auf die Organe des griechischen Volkswiderstandes gesehen
werden. Im April 1944 befahl Churchill der BBC, die positive
Berichterstattung über die Aktivitäten der EAM/ELAS zu beenden. Durch
eine Serie von gut gelenkten Provokationen eliminierten die Briten
linksgerichtete Soldaten in der griechischen Armee in Nordafrika mit dem
Ergebnis, daß 18.500 von ihnen in Konzentrationslagern in Nordafrika
inhaftiert wurden. Das ging Hand in Hand mit der Gründung von
ultra-royalistischen Bataillons in der griechischen Armee, wie z.B. die
alpinen Regimenter, um die Werkzeuge zu formen, welche gegen die
Volksbewegung benutzt werden konnten. Churchill manövrierte die
griechischen Vorkriegspolitiker wie George Papandreou in führende
Positionen der ersten ökumenischen Regierung, während er den Banden
der Kollaborateure erlaubte, frei zu operieren und auch eine Gründung
der pro-royalistischen Todesschwadronen wie die Grivas´ X Bataillone
erlaubte. Eine Serie von Attacken gegen die Volksbewegung und ihre Repräsentanten
kulminierten in der Entlassung der EAM Minister der Regierung. Eine
massive Protestdemonstration wurde für Sonntag, den 3. Dezember
ausgerufen. Als die Menge den Verfassungsplatz betrat, eröffnete die
Polizei das Feuer, wobei sie 15 Demonstranten tötete und 100 verletzte.
Nach diesem Massaker erklärte der Generalsekretär der EAM Dimitris
Partsalidis, daß „die Menschen für ihre Freiheit kämpfen werden,
egal was es kostet“. Und so begann die Schlacht der Athener, welche
zwischen der ELAS auf der einen Seite und der britischen Armee und den
kollaborierenden Sicherheitskräften auf der anderen Seite geführt
wurde. Die EAM machte verschiedene Versuche, einen Waffenstillstand zu
vereinbaren, aber die Briten waren festgelegt, weil Churchill
formulierte „Das Hauptziel ist die Zerschlagung der EAM“. Um die
Volksbewegung zu zerschlagen, schickte der britische Imperialismus
60.000 Mann, 200 Panzer, Flugzeuge usw. zusammen mit Einheiten, die mit
den Nazis kollaboriert hatten! Nach 44 Tagen grausamer Kämpfe zogen
sich die ELAS Einheiten aus Athen zurück, eine Woche später wurde ein
Waffenstillstand erklärt. Am 12. Februar unterzeichnete die EAM die
Varkiza Vereinbarung, welche in ihren Klauseln die Entwaffnung der ELAS
und der Sicherheitsbataillone beinhaltete sowie weitere Schritte, um die
Normalisierung der Situation zu sichern.
Es
wurde bald deutlich, daß nur die EAM und die KKE ihre Seite der
Vereinbarung einhalten würden. Paramilitärische Banden starteten mit
der Duldung des Sicherheitsapparates und der britischen Armee einen
Feldzug des Terrors. ELAS Partisanen wurden ermordet, gefoltert,
arrestiert und wegen „Verbrechen“ verurteilt. Während die
Nazi-Kollaborateure, wenn strafrechtlich verfolgt, lächerliche
Urteilssprüche erhielten. Einige Statistiken geben eine Vorstellung über
das Ausmaß des „weißen Terrors“. In der Periode zwischen der
Varkiza Vereinbarung und dem 31. März 1946 wurden 1.289 Widerstandskämpfer
ermordet, 6.671 verwundet, 31.632 gefoltert, 84.931 arrestiert, 8.624
eingesperrt. 677 Büros von Widerstandsorganisationen wurden
angegriffen, 165 weibliche Mitglieder der EAM wurden entführt. Während
dieser gesamten Periode hörten die Briten nie auf, durch verschiedene
Verknüpfungen von bourgeoisen Parteien, die griechische demokratische
Bewegung zu zerschlagen und die Monarchie wiederzuerrichten. Es sollte
hier erwähnt werden, daß die Wahl der Labour Regierung keinen Einfluß
auf diese Politik hatte, passend zur pro-imperialistischen Natur der
Sozialdemokratie international und der Labour Partei in Britannien im
Besonderen. Als in diesem Klima des Terrors die völlig betrügerischen
Wahlen am 31. März 1946 abgehalten wurden, nahmen die KKE und EAM als
Protest gegen den Charakter der Wahlen nicht teil.
Seit
Anfang 1946 verließen kleine Gruppen von Partisanen die Städte und
gingen in die Berge zur Selbstverteidigung. Die erste bedeutende
Operation, die unternommen wurde, war ein Angriff auf die Polizeistation
in der Stadt Litochoro am 31. März 1946, dem Tag der Wahlen. Es folgte
eine Serie von Konfrontationen mit den Regierungstruppen und paramilitärischen
Todesschwadronen. Am 28. Oktober 1946 wurde die Demokratische Armee
Griechenlands gegründet. Während dieser Periode wurde der Terror
verschärft, das erreichte am 17. Juni einen Höhepunkt, als das
griechische Parlament über „Notstandsmaßnahmen“ abstimmte, was
tatsächlich individuelle und politische Rechte abschaffte und ein
Kriegsgesetz einführte.
Es
sprengt den Rahmen dieses Artikels, die vielen Operationen der DAG während
des Bürgerkrieges zu beschreiben. Jedoch einige Aspekte wie der
Charakter der DAG, der provisorischen Regierung, und die Taktiken, die
von den Monarchofaschisten benutzt wurden, sollen erwähnt werden.
Einige
Merkmale des Terrors, dessen sich die Imperialisten und ihre inländischen
Verbündeten bedienten, wurden schon eher beschrieben. Sie operierten während
des gesamten Bürgerkrieges. Ein Beispiel für die Unmenschlichkeit
dieser Aktionen war die Ausstellung der abgetrennten Köpfe von toten
Partisanen in der Stadt Florina im Juli 1947. Das stand in Zusammenhang
mit einem systematischen Kahlschlag auf dem Lande. Um die DAG ihrer
Unterstützung und Zulaufs zu berauben, wurden 700.000 Menschen aus
ihren Dörfern gebracht und zu einheimischen Flüchtlingen in den Städten.
Das Netzwerk von Gefängnisinseln und Konzentrationslagern wurde
erweitert, verdächtige Linke, ihre Familien, linksstehende Soldaten
wurden in diese berüchtigten Kerker Makronissis, Yioura usw. geschickt
(es wird geschätzt, daß zwischen 1947-50 28.800 in Gefangenenlager
geschickt wurden). Jede Form der Folter und Erniedrigung wurde diesen
Unglücklichen zugefügt.
Nachdem
die Amerikaner mit der Truman Doktrin die Verantwortung für die Führung
Griechenlands von den Briten übernahmen, vergrößerte sich der Umfang
der militärischen Hilfe an die griechische Regierung dramatisch. Es ist
wenig bekannt, daß Napalm, was in Vietnam so verheerend eingesetzt
wurde, zuerst in Griechenland angewendet worden war. In den Kämpfen in
den Bergen Grammos-Vitsi wurden 1949 388 Napalm Bomben eingesetzt.
Die
DAG war in jeder Hinsicht eine demokratische Volksarmee. Versammlungen
wurden auf der Ebene der Züge gehalten, in denen jeder Soldat seine
Meinung äußern konnte; ein Eid der Treue wurde abgegeben, welcher die
Ideale der DAG und das Verhalten jedes Kämpfers gegenüber den Menschen
umriß. Politische Bildung wurde durch die Politoffiziere, die zu jeder
Einheit gehörten, systematisch vorgenommen. Frauen spielten eine
bedeutende Rolle im Kampf und machten bis zu 30% der Kampfstärke der
DAG und 70% des medizinischen und Hilfspersonals aus. Das stand in
starkem Kontrast zu der Rolle, die für Frauen durch die griechische
herrschende Klasse vorgesehen war (nur in Gebieten, die von den
demokratischen Kräften kontrolliert waren, waren Frauen politisch
befreit). Ein medizinischer Dienst mit Ausbildungsschulen und Krankenhäusern
wurde eingerichtet. 125 Gesundheitsarbeiter wurden ausgebildet. Trotz
des Mangels an Versorgung wurde „Keine Operation, die durchgeführt
werden musste, nicht durchgeführt“, wie der Generalsekretär der KKE,
Aleka Paparigam sich ausdrückte.
In
den freien Gebieten von Griechenland wurde am 23. Dezember 1947 die
provisorische demokratische Regierung (PDG) gegründet mit 12 Leitsätzen,
die unter anderem die Anerkennung der Rechte von Frauen und Minderheiten
und die Unabhängigkeit Griechenlands von ausländischem Kapital
beinhalteten. In den Dörfern und Volksabgeordnetenhäusern in den Städten
wurden Volksräte eingerichtet, welche das Präsidium wählten mit dem
Recht, diese Institutionen zurückzurufen. 1948 wurden in 300 Gemeinden
in Nord-Griechenland, in 323 Dörfern in der Peloponnese Wahlen
abgehalten. Volkskammern wurden gewählt, wieder mit dem Recht, ihre
Funktionäre abzuberufen (Berufungsgerichte wurden auch gewählt). „Demotic
Greek“ (die Sprache der Menschen) wurde als die offizielle Sprache
eingeführt und in den Schulen der PDG gelehrt, Minderheiten wurden auch
in ihren eigenen Sprachen unterrichtet. Die Bildung war frei und
obligatorisch, es gab in jedem Dorf eine Schule. Landeigentum wurde
geregelt und das Land umverteilt. Jeder Bauer hatte das recht auf ein
Minimum an Land; auch eine Höchstgrenze wurde festgelegt. Die
Errungenschaften der EAM Periode wurden ausgeweitet und vertieft, die
Basis für ein volksdemokratisches Griechenland.
Nach
drei Jahren Kampf zwang
das Kräfteverhältnis die DAG (besonders nach der amerikanischen
Intervention 1948 und danach), sich im August 1949 nach
leidenschaftlichen Kämpfen im Gebiet der Vitsi und Grammos Berge nach
Albanien zurückzuziehen, obwohl der Widerstand in einigen Gebieten, wie
in Lesbos, bis 1950 fortgesetzt wurde. Die letzten zwei Partisanen der
DAG in Kreta, Giorgos Tzompanakis und Spiros Blazakis, kamen erst 1975
aus den Bergen, nach dem Fall der Diktatur am 24. Februar 1975.
Die
Anzahl der Menschen, die im Bürgerkrieg getötet wurden, betrug etwa
150.000. Gemäß offiziellen Angaben des Generalstabs der griechischen
Armee wurden 38.839 DAD Partisanen getötet oder verwundet, 20.128
gefangengenommen. Die Verluste der Regierungsarmee betrugen laut
offiziellen Angaben 55.528.
Mehr
als 65.000 Kommunisten und andere Kämpfer und Unterstützer der EAM und
der DAG wurden gezwungen, Griechenland zu verlassen und suchten Schutz
in den sozialistischen Ländern (rund 20.000 von ihnen wurde die Staatsbürgerschaft
entzogen), andere 40.000 wurden in Gefängnisse und Konzentrationslager,
wie Makronisos, geschickt. Die Hinrichtungen von Widerstandskämpfern
wurde bis 1955 fortgesetzt (mindestens 5.000 wurden getötet, darunter
der bekannte Fall von Nikos Belogiannis, Mitglied des PB der KKE). Die
Monarchie wurde wiedererrichtet zusammen mit einem reaktionären Regime,
das berühmt ist für seine Dienstbarkeit für die anglo-amerikanischen
Imperialisten, seine Unterdrückung der Linken, ökonomische
Misswirtschaft, seinen politischen und kulturellen Konkurs. Der Höhepunkt
war die berüchtigte siebenjährige, von der USA unterstützte, Diktatur
der Colonels (1967-1974).
Der
Bürgerkrieg und das Zeitalter des EAM Widerstandes
waren bedeutsam für die Bildung der Volksbewegung. Die
KKE und ihre Verbündeten haben ihren Kampf für Demokratie und
Sozialismus in der Illegalität nie aufgegeben, sowohl in der linken
Front der EDA (vereinte Demokratische Linke), im Kampf für Bildung und
Rechte in den Gefängnissen, in der Frage von Zypern und der nationalen
Unabhängigkeit, als auch um eine lebendige Volkskultur zu entwickeln im
Kontrast zu den sterilen bürgerlichen Dogmen der 50-er und 60-er Jahre.
Ein Kampf, der auch nach dem Fall der Junta fortgeführt wurde gegen die
imperialistischen Kriege gegen Jugoslawien und Irak, gegen die
imperialistischen Zentren der USA und der EU und um die Verteidigung der
Rechte und Errungenschaften der Arbeiter, wie Aleka Papariga in ihrer
Rede in Lykorakhi dieses Erbe zusammenfaßte.
„Der
Terrorismus und die Gewalt gegen die Kommunisten, die Kämpfer des
Widerstandes, sind die Faktoren, welche die DAG entstehen ließen, nicht
nur als eine Form der Verteidigung, sondern als ein heldenhafter
Versuch, die Vision des Nationalen Widerstandes zu realisieren. Wenn die
Frage „Gegenangriff oder Unterwerfung“
an die Kommunisten, Anti-Kapitalisten und
Anti-Imperialisten durch die realen Bedingungen selbst gestellt wird,
gibt es nur eine Antwort: Gegenangriff.“
Internationale
Aspekte
Die
internationalen Dimensionen des griechischen Bürgerkrieges sind
besonders markant: die Involvierung der zwei imperialistischen Hauptkräfte,
die diplomatische Aktivität der Sowjetunion, die verschiedenen Einsätze
der jungen UN und deren Anträge, der Einfluß des Bruchs Jugoslawiens
mit dem sozialistischen Lager und die großen internationalen Solidaritätsbewegungen
mit der Demokratischen Armee Griechenlands (DAG). Angesichts dessen ist
der Mangel an internationalen Verweisen auf diesen Kampf bemerkenswert.
Es gab offensichtlich einen erkennbaren Versuch, Standpunkte, die gegen
die einmütige imperialistische „Linie“ laufen, zu verdrängen. Die
griechische Fernseh- und Rundfunkanstalt, die gewöhnlich (kurze!)
Berichterstattung zu den Aktivitäten der KKE gibt und diese Berichte
auf ihrer englischen Seite übersetzt, unterließ es, ihren Bericht in
griechischer Sprache über die Kundgebung in Lykorakhi am 2. Juli zu übersetzen.
Ein anderes typisches Beispiel war die britische Dokumentation „Der
unsichtbare Krieg“ (Sendung im Kanal 4, 1986), welche zum ersten Mal
Interviews mit ehemaligen ELAS und DAG Partisanen brachte und überaus
kritisch zur britischen Verstrickung in Griechenland und am „Weißen
Terror“ war. Als ein Ergebnis auf den Schrei der Entrüstung der
britischen herrschenden Klasse wurde untersagt, die Dokumentation
nochmals im britischen Fernsehen zu zeigen und die Karriere des
Produzenten wurde ernsthaft beschädigt. Der Fakt, daß die
imperialistischen Kräfte, die sich zur Unterwerfung der progressiven Kräfte
in Griechenland verschworen hatten, immer noch internationalen Einfluß
haben, ist der Hauptgrund für dieses Schweigen. Heute scheint es, daß
es für einige Kräfte viel einfacher ist, die verachteten deutschen und
italienischen faschistischen Regierungen und deren Interventionen in
Spanien zu kritisieren (während sie natürlich die heuchlerische
Haltung der „demokratischen“ Länder ignorieren).
Im
ersten Artikel wurde die Rolle des britischen Imperialismus in
Griechenland während der Periode 1944-47 behandelt. Die Labour
Regierung und ihr Außenminister Ernest Bevin wurden durch ihre
Erfolglosigkeit bei der Vernichtung von EAM und KKE mehr und mehr
entmutigt, ein stabiles pro-britisches Regime zu errichten, das auf der
Rückkehr der Monarchie basierte. Die einheimischen griechischen
Politiker und Parteien wurden beinahe im Monatsrhythmus begünstigt,
ausgemustert und dann wieder einbezogen. Es wurde klar, daß die
„kommunistische Gefahr“ nur durch massive finanzielle und militärische
Investition abgewendet werden konnte. Das britische Empire befand sich
selbst in einer kritischen Periode; dem Moment seines Niederganges.
Indien gewann seine Unabhängigkeit, die britische Position in China
verschlechterte sich angesichts des Fortschritts der revolutionären
Armee, und Malaysia war in offenem Aufruhr gegen seine imperialistischen
Herren. Britannien gab bekannt, daß sein Rückzug aus Griechenland am
31. März 1947 stattfinden würde, nach einem Winter, in welchem die
reguläre griechische Armee routinemäßig von der DAG gedemütigt
worden war. Der Kollaps des griechischen bourgeoisen Staats drohte.
Das
war Anlaß für den US-Imperialismus zum Handeln, um „kommunistische
Expansion“ bis zum Mittelmeer zu verhindern und die
anti-kommunistischen Satelliten in Griechenland und der Türkei
aufrechtzuerhalten, um die Flanke der sozialistischen Länder in
Osteuropa und der Sowjetunion zu bedrohen. Am 12. März 1947 gab Präsident
Harry Truman die „Truman Doktrin“ bekannt, welche die
US-Intervention zusagte, um jedes Regime zu unterstützen, das mit einer
sozialistische Revolution rechnen mußte. Dem folgte bald ein Paket von
ökonomischen Maßnahmen zu diesem Zweck: der Marshall Plan, benannt
nach dem Staatssekretär. Am 1. April 1947 übernahmen die USA die
„Verantwortung“ für Griechenland. Seine Entscheidung
unterstreichend, erklärte Truman „Die griechische Regierung ist nicht
in der Lage, mit der Situation fertig zu werden. Die griechische Armee
ist klein an der Zahl und elend ausgerüstet... die britische Regierung,
welche bis heute Griechenland unterstützte, hat erklärt, daß sie
selbst nicht in der Lage ist, weitere Hilfe nach dem 31. März
bereitzustellen... Die Situation ist dringend, sie erfordert sofortige
Aktion.“ Am 22. März stimmte der US-Kongreß für ein Paket
„Hilfe“ für Griechenland und die Türkei im Wert von 400.000.000
Dollar. Am 20. Juni desselben Jahres unterzeichneten die Regierungen
Griechenlands und der USA offiziell die Abmachung. Die US-Regierung
verdeutlichte in Artikel 8 der Abmachung, daß sie diktieren würde, was
in Griechenland von diesem Moment an geschehen sollte.
Diese
„Hilfe“ war gerichtet auf Ausrüstung und Training der griechischen
Armee. 5.000 militärische Ratgeber kamen aus den USA nach Griechenland,
und am 24. Februar 1948 wurde General Van Fleet geschickt, um de facto
der Kommandeur der griechischen Armee zu werden (am Flughafen grüßte
ihn der griechische Premierminister mit den Worten „Willkommen
zuhause, General... Hier ist Ihre Armee!“). Es wird geschätzt, daß
die US-Regierung ungefähr 50.000 Dollar pro Partisan der DAG ausgab,
sie lieferte Panzer, Artillerie, Flugzeuge, Ausbildung und alle Arten
von Sprengstoff, eingeschlossen Napalm, welches in den Grammos Bergen
sein „Debüt“ gab. Die amerikanischen Maßnahmen beschränkten sich
nicht auf das militärische Gebiet. Die amerikanische Hilfsmission für
Griechenland wurde unter die Führung von Dwight Griswold gestellt
(im Kontext des Marshallplans), welcher durch die Führung des
US-Staates und private Investitionen in Griechenland eine straffe
Kontrolle über die griechischen internen Angelegenheiten ausübte (Griswold
behielt Hilfe zurück, um eine Koalitionsregierung zwischen den
Liberalen und der Volkspartei zu erzwingen). Die griechische Regierung
drängte, US-Firmen von den Steuerlasten zu befreien, welche allen ausländischen
Firmen auferlegt waren. Die strategischen Ziele der USA wurden klar
dargelegt in der Herald Tribune vom 27. März 1947 „Wir haben
Griechenland und die Türkei nicht gewählt ... als leuchtende
Beispiele für Demokratie und Menschenrechte, sondern weil sie den
strategischen Eingang zum Schwarzen Meer und dem Herzen der Sowjetunion
bilden.“ Die Rücksichtslosigkeit des US-Imperialismus wird deutlich
durch den Mord an dem linksgerichteten US-Journalisten George Polk am
16. Mai 1948 in Thessaloniki durch Sicherheitsagenturen der USA und
Griechenlands. Polk war kritisch gegenüber dem US-gestützten Regime
und seinen Umgang mit den Menschenrechten. Durch massive Ausgaben gelang
es dem US-Imperialismus, die Volksbewegung militärisch zu bezwingen und
ein Regime zu gewährleisten, das sich seinen strategischen Zielen
unterwarf.
Die
Aggressivität der USA wurde
erleichtert durch die noch schwache Position des sozialistischen Lagers.
Die Sowjetunion war durch den Krieg zertrümmert worden, sie hat 20
Millionen ihrer Bürger verloren, um Nazideutschland zu bezwingen, und
große Gebiete ihrer am meisten industrialisierten und entwickelten
Regionen waren zerstört worden. Sie stand vor einer gewaltigen Aufgabe
zum Wiederaufbau. Die neuen Volksdemokratien in Osteuropa waren im Krieg
auch schwer zerstört worden. Sie standen der USA gegenüber, die
industriell und militärisch erstarkt waren, gestützt durch ihr neues
NATO-Bündnis, während die Mehrheit von jenen die Machtfrage noch nicht
gelöst hatte, als der griechische Bürgerkrieg ausbrach. Zur selben
Zeit verbargen die imperialistischen Kräfte und das griechische Regime
ihre Feindseligkeit gegenüber den Volksdemokratien in den Balkanländern
nicht. Ihr Bemühen, den Bürgerkrieg als einen Vorwand zu nutzen, einen
direkten Angriff gegen sie zu starten, war erfolglos. Man kann im
Gegenteil sagen, daß der heldenhafte Kampf, der von der DAG geführt
wurde, erhebliche Hindernisse in ihre Pläne gegen die entstehenden
sozialistischen Staaten im Balkan legte; der Kampf der DAG war ein
internationalistischer Beitrag zur Festigung der sozialistischen Macht
in diesen Ländern.
1945
wurden die Atombomben auf Nagasaki und Hiroshima abgeworfen, eine klare
Botschaft an die UdSSR. Es wurde bekannt, daß in dieser Zeit in
Washington Dutzende von Plänen eines nuklearen „Präventivschlages“
gegen die UdSSR formuliert worden waren. Es ist klar, daß die
sozialistischen Länder nicht nur nicht in der Lage zu einem militärischen
Eingreifen waren, sondern auch die Möglichkeiten, materielle Hilfe
anzubieten, waren begrenzt. Das wurde erschwert nach Jugoslawiens Bruch
mit dem sozialistischen Lager. Jugoslawien schloß seine Grenzen für
die Partisanen der DAG seit dem Beginn ökonomischer Beziehungen mit den
Westmächten, es schickte die Kämpfer, welche aufgenommen worden waren,
zurück nach Griechenland und stoppte die Lieferung von materieller
Hilfe.
Die
UdSSR jedoch bot
bedeutende konkrete diplomatische Hilfe: Bei der Besprechung der Außenminister
der „Großmächte“ im September 1945 stellte sie einen Antrag, gegen
die Situation in Griechenland zu protestieren. Im Januar 1946 auf dem
Treffen des UN Sicherheitsrats stellte sie einen Antrag, die
Intervention von ausländischen militärischen Streitmächten in
Griechenland, den faschistischen Terror zu verurteilen und forderte den
bedingungslosen Rückzug der britischen Truppen aus Griechenland. Dank
der sowjetischen Proteste und Schritte in der UN und anderen
internationalen Gesellschaften konnten 1947-48 Hunderte von politischen
Gefangenen, die zum Tode verurteilt waren, der Vollziehung entrinnen. Im
Juni 1949 machte die UdSSR in der UN einen Vorschlag für eine
friedliche Lösung des Konflikts und forderte einen Waffenstillstand,
eine Generalamnestie, freie parlamentarische Wahlen und das Ende der
militärischen Hilfe an die griechische Regierung. Diese Bemühungen
gingen Hand in Hand mit zahllosen Appellen der griechischen
demokratischen Kräfte, darunter der Appell der EAM an de UN gegen den
Terror. Die Tatsache, daß keine dieser Initiativen Früchte trug, lag
an der Unnachgiebigkeit der imperialistischen Mächte, was keinen
Zweifel darüber hinterlassen sollte, wer die Verantwortung für die
katastrophalen Folgen und Opfer des Bürgerkrieges trägt.
Ferner
wurden Solidaritätskomitees in allen sozialistischen Ländern gebildet.
Diese machten einen Teil der massiven internationalen Solidaritätsbewegung
aus, welche eine besonders starke Basis in Britannien und Frankreich
entwickelte.
1943
wurde das griechische Einheitskomitee (GUC) von griechischen und
britischen fortschrittlichen Kräften gegründet mit dem Ziel, die
britischen Menschen über die Aktivitäten der EAM/ELAS zu informieren.
Das GUC arbeitete mit dem Bund der griechischen Gewerkschaften der
Seemänner (FGSU) zusammen, der im selben Jahr in Cardiff gegründet
worden war und politische Arbeit der griechischen Seeleuten hinsichtlich
der nationalen Befreiungsbewegung gefördert hat. Es hatte enge
Beziehungen mit AKEL und der kommunistischen Partei Großbritanniens und
gab eine Wochenzeitung „Freies Griechenland“ und verschiedene
Flugschriften über die Situation in Griechenland heraus.
1944-45
intensivierte das GUC seine Aktivitäten in Erwiderung der britisch
unterstützten Unterdrückung der EAM. Zusätzlich zu seiner
Zusammenarbeit mit der CPGB entwickelte es Verbindungen mit einigen
Parlamentsabgeordneten linker Teile der Labour Partei, um einen Wechsel
in der britischen Politik und die Unterstützung für die verfolgten
EAM-Kämpfer, Kommunisten und andere Linksgerichtete voranzutreiben.
Nach dem Wahlsieg der Labour Partei 1945 sah die Führungsschicht die
Notwendigkeit eines offiziellen ständigen Druckmittels. Und so wurde am
7. November das Bündnis für Demokratie in Griechenland geboren. Sein
erster Vorsitzender war Compton Mackenzie, ein Parlamentsmitglied von
Labour. In seiner ersten Pressemitteilung erklärte es, daß seine Ziele
ein demokratisches Griechenland, basierend auf einer Generalamnestie,
freien Wahlen und angemessenen Bestrafungen für die Nazi-Kollaborateure
seien. Außerdem versprach das Bündnis materielle Hilfe für die
gefangengehaltenen Demokraten und ihre Familien.
Das
Bündnis führte viele Kampagnen zur Verteidigung der politischen
Gefangenen und zur Unterstützung der demokratischen Kräfte in
Griechenland durch. 1946 besuchten drei Labour-Parlamentarier
Griechenland und schrieben einen schockierenden Bericht über die
Bedingungen dort, den „weißen Terror“ und die Beteiligung der
britischen Truppen, genannt „Tragödie in Griechenland“. Nach dem Bürgerkrieg
setzte das Bündnis seine Arbeit zur Verteidigung der gefangenen Kämpfer
(besonders jene mit Todesurteil) und für die Beseitigung der
Konzentrationslager wie z.B. Makronissos fort, bis zur Periode der Junta
(1967-1974).
In
Frankreich initiierten
der Conseil National de La Resistance (CNR) und die französische
kommunistische Partei, beginnend im Januar 1946, eine Kampagne in
Solidarität mit der Volksbewegung in Griechenland. Die kommunistischen
Abgeordneten verurteilten den Terror und versprachen im gleichen Monat
ihre aktive Unterstützung für die griechischen Demokraten. Die PCF
stand in Verbindung mit vielen der in Frankreich lebenden Griechen
(eingeschlossen viele im politischen Exil aus der Linkspartei), sowie
Mitgliedern der KKE und der EAM, die in Frankreich lebten: Memos Makris,
Dimitris Fotopoulos, Elli Alexiou, Marianna Veaki und andere. Diese
Aktivität hatte drei Pole:
ein
dauerhaftes Pressebüro zu schaffen, um die französischen Menschen über
die Situation in Griechenland zu informieren (Hellas Press) ein
französisches Solidaritätskomitee aufzubauen (Comite Francais d’aide
a la Grece democratique)
französische
Intellektuelle, Künstler und Journalisten nach Griechenland zu
schicken, um die Situation kennenzulernen und nach ihrer Rückkehr
Artikel zu schreiben, auf Versammlungen zu sprechen usw.
Die
PCF übernahm offiziell die volle ökonomische Stütze dieser Projekte.
Am französischen Komitee nahmen viele angesehene Persönlichkeiten aus
Frankreich teil, wie z.B. Jacques Duclos, Frederic Joliot-Curie, Paul
Eluard, Louis Aragon, Elsa Triole, Pablo Picasso, Henri Barbusse, Le
Corbusier, Yves Farges und viele andere. Es sollte auch erwähnt werden,
daß die intellektuelle Gruppierung um das Magazin „Les Tempes
Modernes“, eingeschlossen Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir,
eine sehr prominente Rolle spielte. Das Komitee erhielt auch volle
Unterstützung vom CGT. Sein Präsident Leon Jouhaux besuchte
Griechenland im September 1946, um den 8. Kongreß des griechischen
Generalverbandes der Arbeiter und ihren kommunistischen Präsidenten
Mitos Paparigas zu unterstützen, der vom Regime angegriffen wurde. Das
CGT stellte 1 Mill. Francs für seinen Solidaritätsfonds bereit. Bis
Anfang 1948 hatte das Komitee bereits 2 Mill. Francs bereitgestellt!
Die
internationale Konferenz für die Hilfe an das demokratische
Griechenland wurde im
April 1948 in Paris mit Delegierten aus 23 Ländern abgehalten. Der
französische bürgerliche Staat versuchte die Veranstaltung zu unterdrücken,
indem er Visa an die Repräsentanten aus Osteuropa ablehnte. Die USA
verbot dem Präsidentschaftskandidaten Henri Wallace, an der Konferenz
teilzunehmen. Trotzdem hatte sie eine gewaltige Bedeutung. Ein
internationales Komitee wurde eingerichtet, ein Appell an das Rote Kreuz
für sofortige humanitäre Hilfe, ein Manifest über die Unterstützung
des Kampfes der griechischen Menschen und eine Verurteilung der
amerikanischen Intervention wurden angenommen.
Die
Solidarität der französischen Linken endete nicht mit dem Bürgerkrieg.
L’Humanite und Les Tempes Modernes veröffentlichten wichtige Artikel,
die die Konzentrationslager verurteilten. Ihnen schlossen sich Magazine
wie L’Esprit und Zeitungen wie Liberation und Le Figaro an.
Der
Dichter Paul Eluard besuchte Griechenland
erstmals im Mai 1946. Hier prangerte er die britische
imperialistische Intervention bei einer Massenkundgebung im Attiki
Theater an und erklärte „die griechischen Menschen zeigen uns, daß
keine Sache verloren ist, wenn die Sache die Verteidigung der Freiheit
ist“. Er besuchte Griechenland 3 Jahre später nochmals (zusammen mit
Henri Barbusse) und reiste zu Hochburgen der demokratischen Armee
Griechenlands in den Vitsi-Grammos Bergen. Seine Botschaft, welche an
den Megaphonen zu den Rekruten der nationalen Armee verlesen wurde,
verbreitete den Geist der internationalen Solidaritätsbewegung:
„Kinder von Griechenland, Bauern, Arbeiter, Intellektuelle, ich rufe
euch auf. Ihr gehört zur Regierungsarmee, die euch nicht vertritt. Ein
brudermörderischer Krieg wie eurer ist schrecklicher als jeder andere;
er nutzt nur jenen, die euch hierher geführt haben. Ich mahne euch, an
die Gefangenen und Gefolterten zu denken, all jene Schuldlosen, welche
jeden Tag mit ihrem Blut für eure Zukunft bezahlen. Ich mahne euch:
denkt an die Hölle von Makronissos und die Gefängnisse, wo
zehntausende Patrioten überzeugt von ihrem Sieg, täglich auf Folter
und Tod warten.“
Einige
Betrachtungen
Aleka
Papariga nahm in ihrer Gedenkrede Bezug auf Fragen, welche zur
Entscheidung der KKE, dem 60. Jahrestag der Gründung der Demokratischen
Armee Griechenlands zu gedenken, gestellt wurden.
„Warum
rufen wir Gedenken hervor, warum bringen wir wieder diesen speziellen
Kampf in die öffentliche Diskussion, einen Kampf, den einige einen
„Banditenkrieg“ getauft haben, andere als einen Bürgerkrieg des
Herzleids für beide Seiten kritisieren?“
Natürlich,
zunächst geht es
darum, die Kämpfer zu ehren, welche in den Reihen der DAG kämpften:
jene, die in den Jahren des Bürgerkrieges und in den danach folgenden
Jahren getötet, gefangengenommen, gefoltert und verbannt wurden; die
Opfer zu verdeutlichen, die diese einfachen Männer und Frauen im Kampf
für Demokratie, nationale Unabhängigkeit und Sozialismus gebracht
haben. Und auf der anderen Seite, zu erinnern an die anglo-amerikanische
imperialistische Intervention, ihre Marionettenregierungen, die Gefängnisinseln
wie Makronissos, klare Beispiele der Gewalt und Unnachgiebigkeit der
herrschenden Klasse. Das allein ist genug, aber natürlich entspringen
daraus verschiedene Themen, welche eine ausschlaggebende Bedeutung für
die Welt heute haben.
Es
ist eine Gelegenheit, der
Umschreibung der Geschichte, den Schmieren und Lügen zu entgegnen,
welche den Diskurs (das heißt den der herrschenden Klasse) über diesen
Kampf 60 Jahre lang dominiert haben. Die Sprache der Rechten ist
aufschlußreich. Die DAG sei „auslandsgesteuert“, „bulgarisch“,
„Banditen“ und vieles anderes. Diese überdeutliche ideologische
Attacke wurde ergänzt durch die Geschichtsschreibung der Opportunisten
und Sozialdemokraten, die sich ergeht in realen und eingebildeten
Fehlern der DAG und KKE und diese verdreht, die Bedeutung der
imperialistischen Intervention in Griechenland und den Grad der gegen
die Volksbewegung gerichteten Gewalt herunterspielt. Diese Methode
versucht, die fortschrittlichen Menschen zu desorientieren und sie davon
abzuhalten, nach einer radikalen Änderung zu streben. Angesichts dessen
gibt es eine dringende Notwendigkeit, den Fakt wieder herauszustellen,
daß der Kampf der DAG die Fortsetzung des demokratischen
antiimperialistischen Kampfes der EAM gegen die faschistische Okkupation
war, diesmal gegen den anglo-amerikanischen Imperialismus und seine
einheimischen Kollaborateure, den Menschen die wahren Gründe für den Bürgerkrieg
zu erklären; besonders angesichts des erneuerten Antikommunismus, wofür
ein Beispiel der kürzliche Antrag an den parlamentarischen Verband des
Europarats war.
Als
die Periode des intensivsten Klassenkampfes
in der bisherigen griechischen Geschichte ist das
Studium der Erfahrungen und Lehren des griechischen Bürgerkrieges unschätzbar
für die heutige Volksbewegung. Fehler, die gemacht wurden, können in
ihrem kompletten historischen Kontext genau analysiert werden, die wahre
Natur der einheimischen Reaktion und des Imperialismus, die Formen des
notwendigen Kampfes, die Entwicklung der Institutionen der Volksmacht in
den befreiten Gebieten, die in den Reihen der Kämpfer durchgeführte
ideologische Arbeit usw.
Nach
den Konterrevolutionen in der UdSSR und
den sozialistischen Ländern Osteuropas hat der Imperialismus ein neues,
aggressiveres Stadium betreten. Die Kompromisse der Vergangenheit wurden
weggeworfen, befreit von der ihn in Schranken haltenden Kraft des
sozialistischen Blocks. Das bedeutet neue koloniale Kriege und grausame
Angriffe auf die demokratischen und sozialen Rechte der Arbeiterklasse
überall. Natürlich wehren sich die Völker, ob sie gegen die
Okkupation in Libanon, Palästina und Irak kämpfen, demokratische und
antiimperialistische Regierungen wie in Venezuela erhalten, oder ihre
sozialistische Entwicklung fortsetzen wie Cuba es tut, und natürlich
gibt es Kämpfe der Arbeiterklasse überall gegen die kapitalistische
Neugliederung. Die imperialistischen Kräfte nutzen notwendig jede
diplomatische und militärische Methode, den Widerstand zu brechen –
immer noch verfehlen sie den Erfolg damit.
Das
wird gesteigert durch einen ideologischen Kampf,
um jene als „Terroristen“ zu kriminalisieren, die
sich wehren und zurückschlagen und andere zu entmutigen, den Kampf
fortzusetzen. Genauer, sie sprechen jetzt von der „Notwendigkeit, die
extremistischen Ideen und Organisationen zu bekämpfen“. Arbeiter- und
Volksbewegungen, nationale Befreiungsbewegungen und –kämpfe werden
diffamiert und ein pharisäischer „Humanismus“ wird angerufen, um
ihre bewaffneten Kämpfer als Terroristen und Mörder zu präsentieren.
Und das, während der Staatsterrorismus der kapitalistischen Staaten
sowohl im eigenen Land gegen ihre eigene Arbeiterklasse als auch gegen
andere Menschen und Länder eskaliert, alle Mittel, politische,
diplomatische und militärische nutzend, was die beispiellose Stärke
und den neuen Grad der imperialistischen Staatsgewalt zeigt.
Die
bourgeoise Propaganda ist
andauernd und immer wieder gegen den Klassenkampf gerichtet, ungeachtet
der Formen, die er annimmt; erklärt ihn für veraltet und schädlich für
die Interessen der Völker. Damit einhergehend versucht sie die höchsten
und nobelsten Ideen, welche die Menschheit kennt, die kommunistischen
Ideale und Ziele, zu verleumden.
Es
ist bemerkenswert, daß zur gleichen Zeit Argumente die „Klassenversöhnung“,
den „Sozialen Dialog“ zwischen den sogenannten „Sozialpartnern“
unterstützen. Diese Klassenkollaboration wird entworfen als das Mittel,
die „modernen Herausforderungen“ zu bewältigen, als den Weg, der zu
sozialem Fortschritt führt.
Das
übliche Argument, welches von der Bourgeoisie benutzt wird, ist, daß
das Recht der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten, Gewalt zu nutzen,
extrem sei. Sie erwähnen nicht den Fakt, daß die Gewalt der
Volksbewegung defensiv gegen die Gewalt der herrschenden Klasse genutzt
wird, während sie zur gleichen Zeit fortfahren, die Gewalt des
bourgeoisen Staats, seiner Institutionen und Maschinerie zu verhüllen.
Dasselbe gilt bezüglich des facettenreichen Zwanges, den die
Kapitalisten gegen die Arbeiter am Arbeitsplatz anwenden. Wenn
imperialistische Armeen Länder besetzen oder Einheiten von
Krawallpolizisten schicken, um Streikposten /Feldwachen zu zerschlagen,
wie sollte die Volksbewegung darauf reagieren? Sie wollen die Menschen
davon abhalten, die grundlegende Frage über die Macht zu stellen, die
Bertold Brecht prägnant ausdrückte „Wessen Morgen ist der Morgen –
wessen Welt ist die Welt?“
In
dieser Beziehung laufen
reformistische und opportunistische Standpunkte mit der
imperialistischen Ideologie zusammen, was sich ebenso in Diskussionen über
„Nicht-Gewalt“ zeigt. Gewisse Kräfte, besonders um die „Partei
der europäischen Linken“, sind nicht nur zu dem Ergebnis gekommen, daß
der bewaffnete Kampf überholt ist, sondern sie bestreiten sogar die
Legitimität dieses Kampfes. Sie schließen nicht nur die Nutzung von
Gewalt im Klassenkampf innenpolitisch aus, sondern kritisieren Völker
offen, die den imperialistischen militärischen Angriffen Widerstand
leisten. Im Zusammenhang mit der wachsenden Aggressivität des
Imperialismus heute ist der Aufruf an die Bewegungen, Abstand zu nehmen
von jeder möglichen Methode des Kampfes, in der Tat ein Kompromiß mit
dem Imperialismus: ein Grundmerkmal des Opportunismus. Das ist auch
offensichtlich in der Position, die diese Kräfte einnehmen zur
Entsendung von Truppen nach Afghanistan, die Teilnahme ihrer Länder an
der UN Besatzungsmacht, die in Libanon eingesetzt werden soll usw.
Ein
ähnliches Argument ist
jenes, das behauptet „bewaffneter Kampf sei der letzte Ausweg“. Das
scheint auf den ersten Blick vernünftig zu sein, aber sowohl die
Erfahrung als auch die Realität widerlegen das. Die Befürworter
dieser Position tendieren dazu, undialektisch die massenhafte friedliche
Arbeit der bewaffneten Aktivität der elitären Partisanengruppen gegenüberzustellen,
die moralische Überlegenheit der Nicht-Gewalt betonend. Indem sie die
Frage als eine moralische darstellen, ist die Folge, daß, wenn eine
Demonstration erfolgreich organisiert werden konnte, es dann falsch sei,
auch bewaffnete Aktionen durchzuführen. Tatsächlich können in
Perioden verstärkten Klassenkampfes alle Formen genutzt werden, von
Streiks bis zum Guerillakrieg. Die Erfahrungen der Widerstandsbewegungen
in Europa in zweiten Weltkrieg illustrieren dies, eingeschlossen der
griechische Bürgerkrieg. In diesen Situationen ist es gefährlich,
Ausflüchte zu machen / die Wahrheit zu verdrehen (eine Gefahr ist
inbegriffen in diesem Slogan). Die Volksbewegung hat keine Alternative,
als entschieden zu handeln, um der Gewalt der herrschenden Klasse zu
entgegnen, um ein positives Ergebnis zustande zu bringen.
Diese
Linie unterstützt auch die
Illusion, daß es möglich sei, daß die Bourgeoisklasse entweder in
ihrem eigenen oder in einem anderen besetzten Land die Macht an die
Volksbewegung übergeben wird. Es kann weder eine „Teilung“ der
Macht geben, noch kann ein „Zwischen-“ oder ein „dritter“ Weg
zugunsten der Interessen der Völker möglich sein. Das war nicht
zuletzt die Erfahrung der kommunistischen und nationalen
Befreiungsbewegungen im 20. Jahrhundert. Einige der Schlußfolgerungen,
die die KKE während der kritischen Bewertung ihrer Aktivitäten
zwischen 1944 und 1947 gezogen hat, beziehen sich auf diese wichtigen
Punkte. Die Geschichte unserer Bewegung ist übersät mit lehrreichen
Warnungen, als auch mit falschen Erwartungen, die schnell in
Desillusion, Kapitulation und Angliederung endeten, wie das auf die
verschiedenen schändlichen mitte-links Projekte zutraf.
Wenn
wir heute an die
demokratische Armee von Griechenland erinnern, machen wir das
Recht der Völker, sich dem Imperialismus zu widersetzen und ihre eigene
Zukunft zu bestimmen, geltend. Der heroische Widerstand der
libanesischen Menschen gegen die US-gestützte israelische Aggression
und die massive Solidaritätsbewegung, wie auch die Rolle, welche die
Kommunisten darin spielten, zeigen, daß der Widerstand zur sogenannten
„Neuen Weltordnung“ sowohl möglich als auch notwendig ist.
Jedoch,
solange eine klare kommunistische Bewegung nicht stark
und kompetent genug ist, einen strategischen Gegenangriff zu leiten,
werden die Volksbewegungen, die entstehenden progressiven radikalen Kräfte,
anfälliger für Konfusion und Desorientierung.
Die
Entwicklungen haben
jene widerlegt, welche das „Ende der Geschichte“ und den
„unvermeidbaren Niedergang“ des Marxismus-Leninismus und der
kommunistischen Parteien verkündeten. Im Gegenteil, die Tatsachen
selbst unterstreichen die unverzichtbare Rolle der kommunistischen
Parteien, und daß der Sozialismus die einzige Alternative zur
kapitalistischen Barbarei ist.
-
Originaltitel der Broschüre: „Notes on the Greek Civil War
(1946-1949)
-
“60th Anniversary of the formation of the Democratic Army of Greece”
herausgegeben vom Zentralkomitee der KKE
aus
dem Englischen übersetzt von Andrea Vogt, Dresden |