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Genosse
Jupp Angenfort gestorben
Quelle:
Antifa-KOK
Auf
Kommunisten-online am 16. März 2010 -
Unser Freund und Genosse Josef "Jupp" Angenfort ist tot. Wenn
einer wie er geht, hinterläßt er eine Lücke, die nicht zu füllen
ist. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen - zusammen mit ihnen und
mit seinen GenossInnen werden wir Jupps Weg weitergehen.
Jupp
wurde 1924 in Düsseldorf geboren. Von den deutschen Faschisten in den
Krieg gehetzt, erfuhr er, dass die Menschen in Sowjetunion ganz anders
sind als die deutsche Propaganda dem Volk mit allen raffinierten
Methoden vorlog. Er traf bei seiner Gefangennahme erstens auf
sowjetische Soldaten, die ihn nicht erschossen und und zweitens auf
einen sowjetischen Soldaten, der sich mit ihm in der deutschen Sprache
über den Philosophen Feuerbach unterhalten wollte, und drittens stellte
sich ihm ein sowjetischer Major in der in deutscher Sprache geführten
Unterhaltung als Jude vor, dessen jüdische Ehefrau von den Deutschen
erschossen wurde.
"Vielleicht werden Sie das heute nicht mehr so verstehen. Damals
war es für mich von größter Bedeutung; denn am ersten Tag der
Kriegsgefangenschaft brach das ganze Lügengebäude zusammen mit dem man
uns in den Krieg und in die Schlacht gejagt hatte," sagte er später
seinen Richtern.
1949
kehrte Jupp in seine Heimatstadt Düsseldorf zurück, wurde Mitglied und
bald darauf Vorsitzender der Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend
(FDJ) in Westdeutschland. 1951 wurde Jupp für die KPD der jüngste
Landtagsabgeordnete in Nordrhein-Westfalen.
Die
FDJ in Westdeutschland beteiligte sich 1951 an der Vorbereitung einer
Volksbefragung zur Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Am 24. April
1951 erging ein Verbotsbeschluss der Bundesregierung, der die
Volksbefragung gegen Remilitarisierung, deren Ausschüsse sowie vier
namentlich genannte Organisationen (die VVN, die FDJ, den
Gesamtdeutschen Arbeitskreis für Land- und Forstwirtschaft und das
Deutsche Arbeiterkomitee) beschuldigte, „einen Angriff auf die
verfassungsmäßige Ordnung des Bundes“ zu unternehmen bzw. sich gegen
die „verfassungsmäßige Ordnung“ zu richten; sie seien „daher
durch Artikel 9 Absatz 2 GG kraft Gesetzes verboten“.
Seine
Immunität als Landtagsabgeordneter der KPD in NRW konnte Jupp Angenfort
als Vorsitzenden der FDJ in Westdeutschland im März 1953 nicht vor der
Festnahme durch die Sicherungsgruppe Bonn des Bundeskriminalamts
bewahren. Er wurde wegen Hochverrats angeklagt und vom Bundesgerichtshof
wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens, wegen Geheimbündelei
und Zugehörigkeit als Rädelsführer zu einer verfassungsfeindlichen
Vereinigung zu einer fünfjährigen Zuchthausstrafe (!) verurteilt.
Gegen ihn wurde wohl das erste Zuchthausurteil eines bundesdeutschen
Gerichts wegen einer politisch motivierten Straftat nach 1945 gefällt,
das höchste Strafmaß, das überhaupt in dieser Zeit gegen Kommunisten
verhängt wurde.
Als
er im Februar 1962 erneut festgenommen wurde, floh Angenfort von einem
Gefangenentransport, ging in die Illegalität und setzte sich später in
die DDR ab. Nach der Gründung der DKP im Jahre 1968 reiste Angenfort
mehrfach illegal zu Auftritten auf Parteiveranstaltungen in die
Bundesrepublik ein, dabei wurde er im Jahre 1969 festgenommen, jedoch am
25. April wieder auf freien Fuß gesetzt.
Lange
Jahre war Jupp Angenfort Mitglied der illegalen Leitung der KPD und dann
Präsidiumsmitglied der DKP. Von 1988 bis 2002 war er Landesvorsitzender
der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten
(VVN-BdA); bis zu seinem Tode war er einer ihrer Landessprecher in
Nordrhein-Westfalen und Mitglied des Bundesausschusses der VVN-BdA.
Für
uns als jüngere Düsseldorfer AntifaschistInnen war Jupp immer da, wenn
es darum ging, Solidarität zu geben oder irgendwo Druck zu machen,
damit eine Naziaktivität unterbunden werden konnte.
Jupp,
du wirst fehlen!
Antifa-KOK |