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Lasar
Kaganowitsch
Die
letzten Jahre in der Parteiführung
Erinnerungen
(Auszug)
Auf
Kommunisten-online am 18. Januar 2012
Stalins
Tod
Stalin
starb unerwartet. Obwohl einige von uns in seinem letzten Lebensabschnitt
seltener bei ihm zu Hause zu Besuch waren, sahen wir Stalin in den
Beratungen, den offiziellen Sitzungen mit Befriedigung, da er ungeachtet
seiner Müdigkeit vom Krieg, gut aussah. Er war aktiv und munter, und wie
früher führte er die Erörterung der Fragen lebendig und inhaltsreich.
Als ich eines Nachts auf das nahegelegene Wochenendgrundstück gerufen
wurde, traf ich dort Berija,
Chruschtschow und Malenkow an. Sie sagten mir, daß Stalin von einem
Schlaganfall betroffen sei, er gelähmt sei und nicht reden könne,
und daß man die Ärzte schon herbeigerufen habe. Ich war erschüttert und
weinte. Bald trafen auch die übrigen Mitglieder des Politbüros ein:
Woroschilow, Molotow, Mikojan und andere. Es kamen die Ärzte mit dem
Minister für Gesundheitswesen an der Spitze. Als wir in das Zimmer
gingen, wo Stalin mit geschlossenen Augen lag, öffnete er die Augen und
blickte uns alle der Reihe nach an. Diesem Blick nach war zu sehen, daß
er das Bewußtsein aufgespart hatte, und sich bemühte, uns etwas zu
sagen, aber es gelang ihm nicht, und er schloß die Augen wieder. Von
tiefer Trauer erfüllt sahen wir auf Stalin, der sich in einem schweren
Zustand befand. Einige Tage dauerte der Kampf um die Erhaltung Stalins
Lebens, die Ärzte taten alles, was möglich war. Und wir, die Mitglieder
des Politbüros, blieben alle fast ununterbrochen die ganze Zeit hier. Als
am 5.März der Tod eingetreten war, versammelten wir uns, um allen
Mitgliedern der Partei und allen Werktätigen der Sowjetunion davon
Mitteilung zu machen. In dieser Mitteilung brachten wir unser tiefes Gefühl
der Bitternis, der Trauer und Betroffenheit der ganzen Partei und des
Volkes zum Ausdruck. Besonders wichtig für das richtige Verständnis
diesen Augenblick, ist es, daß diese Mitteilung des ZK
und der Regierungen zum Tode Stalins an die riesigen Mehrheit der Partei
und des sowjetischen Volkes, einmütig von allen ZK-Mitgliedern und
der Regierung
ausgearbeitet und angenommen wurde.
...
aufrichtig oder doch hinterlistig?
Dabei
erinnere ich mich noch an eine Episode: Zusammen mit Chruschtschow
war ich in die Kommission zur Beisetzung Stalins aufgenommen worden, und
als wir im Auto mit dem Leichnam Stalins fuhren, berührte Chruschtschow
mich am Arm und sagte: „Lasar,
wie werden wir nun ohne Stalin leben und arbeiten? Es wird schwer für
uns sein.“ Und ich erinnere mich noch an meine Antwort: „Als Lenin im
Jahre 1924 starb, war die Lage im Land und in der Partei schwieriger: es
gab die NÖP und ihre Verfechter,
die zerstörte Wirtschaft war noch nicht wieder aufgebaut, in der
Partei agierten Trotzkisten und andere Oppositionelle,
doch wir haben überlebt, ja wir kamen sogar voran, weil sich die
richtigen Kader des Leninismus um das ZK geschart
hatten und die Partei auf dem Leninschen Weg führen. Wenn wir uns fest
auf unserem Leninschen Weg
halten werden, auf dem uns Stalin führte, dann werden wir überleben
und werden uns erfolgreich vorwärts bewegen.“ –
Chruschtschow
drückte meine Hand und sagte: „Du sagst es richtig. Wir werden alle
zusammen auf diesem Weg gehen, den uns Stalin geführt hat.“
Chruschtschow
beteiligte sich, wie wir alle an der Zusammenstellung der gebrachten
Mitteilung des ZK. Ich denke
nicht so wie einige glauben, daß Chruschtschow damals aufrichtig war, und
nicht hinterlistig.
Für
die Einheit der Partei nach Stalins Tod
Am
7. März 1953 wurde
eine gemeinsame Sitzung des Plenums ZK der KPdSU, des Ministerrates und
des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR einberufen, auf dem
eine wichtige Verordnung angenommen wurde. Im Vorwort zu dieser Verordnung
wurde besonders betont, daß „in dieser für unsere Partei und das Land
so schwierigen Zeit besteht die Hauptaufgabe
von Partei und Regierung darin, die richtige und kontinuierliche Führung
des gesamten Lebens im Land zu sichern, was wiederum die größte
Einigkeit in der Führung erfordert, die keinerlei Zersetzung oder Panik
erlaubt, um die von unserer
Partei und der Regierung ausgearbeitete Strategie sowohl innen- wie auch
außenpolitisch erfolgreich zu verwirklichen.“ Unnötig zu sagen,
welche große Bedeutung diese Richtlinie für die Geschlossenheit der
Partei und der Völker der Sowjetunion hatte.
[…] … Das ZK nahm
eine gewichtige Veränderung zur Struktur der Führungsorgane vor.
Anstelle von zwei Zentren der Führung des ZK
– des Präsidiums und des Büros – war ein Organ geschaffen
worden, nämlich das Präsidium des ZK – das Politbüro. Ebenso wurden
im Ministerrat anstelle zweier Organe – des Präsidiums und des Büros
– ein Organ, nämlich das Präsidium des Ministerrates geschaffen.
Wichtige
Beschlüsse werden gefaßt
Ohne
Differenzen und Streit (wie es unter kreativen Menschen üblich ist)
wurde die personelle Zusammensetzung der Führung eingerichtet. Ins
Präsidium des ZK wurden die Genossen Malenkow, Berija,
Woroschilow, Molotow, Kaganowitsch, Chruschtschow, Bulganin, Mikojan,
Saburow, Perwuchin gewählt. Und als Kandidaten – die Genossen
Schwernik, Ponomarenko, Melnikow
und Baginow. Zum Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets
wurde Woroschilow gewählt, und Schwernik
wurde als Vorsitzender des Zentralrats der Allunions-Gewerkschaften
empfohlen. Zum Vorsitzenden des Ministerrates des UIdSSR war Georgi
Maximilianowitsch Malenkow ernannt worden. Zu ersten stellvertretenden
Vorsitzenden des Ministerrates wurden die Genossen Molotow, Berija,
Bulganin und Kaganowitsch ernannt. Molotow wurde zum Außenminister
ernannt; Mikojan zum Minister für Innen- und Außenhandel; Bulganin zum
Verteidigungsminister; Berija
zum Innenminister und Minister für Staatssicherheit; Perwuchin zum
Minister für Energie und Elektroindustrie und Saburow zum Vorsitzenden
der Staatlichen Plankommission. Chruschtschow wurde als ständiger Sekretär
in das Zentralkomitee aufgenommen und zugleich von seiner Arbeit als
Erster Sekretär des Moskauer Gebietskomitees
entbunden. Die wichtigste Bedeutung hatte der von derselben
Verordnung gefaßte Beschluß über die Reduzierung der Ministerien durch
ihren Zusammenschluß. […]
Im September 1953 fand
das Plenum des ZK statt, das den
Bericht Chruschtschows
„Über Maßnahmen zur weiteren Entwicklung der Landwirtschaft“ anhörte
und diskutierte. Das ZK übernahm
die vom Präsidium des ZK entwickelte Verordnung. An der
Erarbeitung dieser Verordnung nahm
das gesamte Präsidium des ZK teil, insbesondere Chruschtschow,
Malenkow, Kaganowitsch, Molotow,
Andrejew.
Chruschtschow
– Erster Sekretär des ZK
Nach
einem halben Jahr, ungefähr im
März 1954, besprach das ZK
erneut die Frage der
Landwirtschaft und faßte einen geschäftlichen Beschluß über die
weitere Erhöhung der Getreideproduktion im Land und über die Erschließung
von Neuland und Brachlandflächen. In dieser Verordnung wurden noch eine
weitaus kritischere Einschätzung
getroffen und entsprechende Schlußfolgerungen gefaßt. Das ZK
und der Rat der Volkskommissare erarbeiteten Maßnahmen zur
Erleichterung der Lage der Kolchosbauern, insbesondere zur Senkung der
Steuern, und beauftragte Malenkow, darüber vor dem Obersten Sowjet zu
berichten (gegenwärtig wird es Chruschtschow
zugeschrieben. Red.). […] Mit einem Wort, man kann sagen, wäre
dieser Stil von Chruschtschows
ersten Arbeitsjahr als Erster Sekretär des ZK
in den Jahren 1955-1956 und späterhin beibehalten worden, so wären
andere Ergebnisse dabei herausgekommen. Doch seit seiner Wahl zum Erstem
Sekretär des ZK verging nur eine kurze Zeit,
als Chruschtschow bereits zu demonstrieren begann, wie man so sagt:
„Bildet euch ja nicht ein, daß ich kein ‚richtiger’ Erster
Sekretär bin, ich werde euch schon zeigen, wer hier der richtige ist.“
Und neben Erscheinungsformen von guter und positiver Initiative, begann er
auch überheblich zu werden.
...
immerhin eine seltsame „Wahl“
Passend
dazu kann man hier auch erzählen,
wie die Wahlen Chruschtschow
zum ersten Sekretär vor sich gegangen waren. Von März bis September war Chruschtschow
einer der Sekretäre des ZK. Das
Sekretariat war sozusagen ein Kollektiv und – ich kann sagen, das
war nicht schlecht. Während des Septemberplenums des ZK,
in der Pause zwischen den Sitzungen im Erholungszimmer, wo gewöhnlich der
Meinungsaustausch unter den Mitglieder des Präsidiums über
diese und jene Fragen stattfand, sagte Malenkow plötzlich und
unerwartet für alle: „Ich schlage vor, Chruschtschow
auf diesem Plenum zum 1.Sekretär des ZK
zu wählen.“ Ich sage „unerwartet“, weil das Stellen einer
solch wichtigen Frage gewöhnlich vorher besprochen wurde. Als ich
Malenkow dann fragte, warum er zu niemandem etwas über diesen Vorschlag
gesagt hatte, antwortete er mir, vor der Eröffnung des ZK-Plenums sei
Bulganin zu ihm gekommen und habe ihn gedrängt, auf dem Plenum den
Vorschlag über die Wahl Chruschtschows
als 1. Sekretär des ZK
vorzutragen. „Es ist anders“, sagte Bulganin,
„ich werde diesen Vorschlag selbst vortragen.“ Daraufhin
erwiderte Malenkow: „Als ich darüber nachdachte, daß Bulganin
hier nicht als Einzelner handelt, habe ich mich entschieden, diesen
Vorschlag vorzutragen.“ Dann rief Bulganin in der Beratung als
erster voller Begeisterung: „Laßt uns das entscheiden!“ Die übrig
haben zurückhaltend zugestimmt, und natürlich nicht, weil sie, wie man
heute vielleicht sagen würde, sich fürchteten zu widersprechen, sondern
einfach deswegen, weil bei der Wahl des Ersten Sekretärs keine andere
Kandidatur vorgesehen war – und so geschah es.
Wir
stimmten für diesen Kandidaten
Ich
muß an dieser Stelle sagen, daß ich Chruschtschow
länger und besser kannte, und mehr als alle anderen über ihn wußte, über
seine positiven und negativen Seiten. Ich kann sagen, daß ich auf dem
Gebiet der führenden Parteiarbeit
seit 1925 eine direkte Beziehung zu Chruschtschows
Entwicklung und Beförderung hatte
(über diesen ganzen Prozeß werde ich noch gesondert berichten).
Ich hielt und ich halte ihn für seinen wachsenden und aufsteigenden
Parteiarbeiter, der hervorgegangen war aus einem Arbeiter, eine begabte Führungspersönlichkeit
im Gebiets-, Landes- und Republikmaßstab, und – was die kollektive Führung
betrifft – auch Unionsmaßstab. Aber ich war nicht von seinen Fähigkeiten
überzeugt, die Rolle eines Ersten Sekretärs des ZK
der KPdSU zu erfüllen, insbesondere, was sein unzureichendes
kulturell-theoretisches Niveau betraf, obwohl angespannte Arbeit, wie man
ja sagt, eine prägende Angelegenheit ist. Die praktische Erfahrung bei
ihm war solide. In jedem Beruf, um so mehr bei den sich entwickelnden
Arbeitern, ist jeder im Verlaufe seiner Größe und Entwicklung Prüfungen
unterworfen. Doch der Kern der Sache war, daß sich hier solche
Bedingungen ergeben hatten, daß es bei uns im Sekretariat eine andere
Kandidatur nicht gab. Deshalb stimmten wir alle für diesen Vorschlag, mit
der festen Absicht Chruschtschow auf jede Weise bei der Beherrschung der für
ihn neuen Rolle zu helfen.
War
es Zufall oder nicht?
So
hat sich am Beispiel der Wahl Chruschtschows
zum Ersten Sekretär des ZK Zufälliges
mit Notwendigem verbunden. Auch wenn man hier nicht in
die Tiefen der Philosophie vordringen kann, so muß man doch sagen, daß
der marxistisch-leninistische dialektische Materialismus daraus
hervorging, daß die gesetzmäßige historische Notwendigkeit auch
den Zufall nicht ausschließt, der eine Ergänzung und Erscheinungsform
der Notwendigkeit ist. Ein Zufall kann sein oder nicht, er folgt nicht
unbedingt aus der historischen Notwendigkeit, aus den
Entwicklungsgesetzen, aber in der Regel sind Zufall und Notwendigkeit
miteinander verbunden. In der Geschichten kam es vor, daß „zufällig“
hervorgebrachte Persönlichkeiten emporstiegen und sich im Laufe ihrer Tätigkeit
entwickelten, indem sie sich auf die objektive, historische und gesetzmäßige
Notwendigkeit stützten und ihr folgten, und als führende Persönlichkeit
dabei reiften. Doch wenn diese zufällig hervorgebrachten Persönlichkeiten
objektive Gesetzmäßigkeiten und die Bedürfnisse der Gesellschaft
ignorierten, wenn subjektive Willensäußerung – Voluntarismus – die
Oberhand über die objektive Notwendigkeit und das wissenschaftliche Bewußtsein
gewann, und den Wildwuchs von Unkraut im
Gehirn zuließ, dann reifte auch die Pflanze nicht, dann war ein Scheitern
dieser zufällig hervorgebrachten Persönlichkeit unvermeidlich.
Leider geschah genau das mit Chruschtschow
– und es geht hier nicht um die Funktion, sondern um die Eigenarten
seines Verhaltens in der parteipolitischen Führung. Und obwohl es auch
positive Momente in seiner Tätigkeit gab, sowohl Fähigkeiten,
Naturverstand, als auch von früher ausgeprägte Bescheidenheit, wurden
diese in der Folgezeit getilgt durch Überheblichkeit
und Voluntarismus.
Chruschtschow
übte Druck aus
Das
Präsidium des ZK in der
Zusammensetzung Woroschilow, Molotow, Kaganowitsch,
Mikojan, Malenkow, Chruschtschow, Bulganin, Saburow, Perwuchin arbeitete
kollektiv und aktiv, hatte regelmäßig Sitzungen und beachtete die
Fragen nicht nur, sondern die Mitglieder des Präsidiums nahmen an der
Vorbereitung der Beschlüsse teil, und beteiligten sich auch an den
Kommissionen für die endgültige Erarbeitung der Beschlüsse des ZK, als
es bei der Erörterung wichtige Korrekturen gab.
Man muß natürlich sagen,
daß Chruschtschow als 1. Sekretär
bei der Bearbeitung der Fragen und bei ihrer Vorbereitung,
besonders in den Fragen des Bauwesens und der Landwirtschaft eine aktive
Position einnahm. Ebenso muß
man sagen, daß Chruschtschow
bei der Entwicklung des Bauwesens im großen Maßstab, besonders bei der
Einführung der Plattenbauweise,
keine geringe Rolle
spielte. Es wurde Druck auf die Bauarbeiter ausgeübt – und Chruschtschow
übte häufig Druck auf sie aus und wählte den nicht-demokratischen Weg,
und das Präsidium des ZK unterstützte ihn darin. Freilich ließ das Präsidium
im Interesse der Einheitlichkeit die Schwächen Chruschtschows
im Reagieren und hinsichtlich seiner Fehler zu, beispielsweise als er zum
Schaden der Architektur unter der Losung „Verschönerungen verhindern
und billiger bauen“, übermäßig die
Rolle der Bauarbeiter hervorhob, ohne zu bedenken, daß die Rolle
der Architektur nicht darin besteht, Verschönerungen herbeizuführen. Es
wurde sogar die Akademie für Architektur abgeschafft und
die architektonische Bauüberwachung geschwächt, was eine
Verschlechterung der Bauqualität mit sich brachte.
Zur
Entwicklung der Landwirtschaft
Große
Aktivität zeigte Chruschtschow
auf dem Gebiet der Landwirtschaft, natürlich nicht deswegen, weil er man
ihn später darstellte, ein angeblich vom großer „Fachmann“ der
Landwirtschaft war. Ich kann bezeugen, daß er sich bis zu seiner Arbeit
als Sekretär des Moskauer Gebietskomitees in der Landwirtschaft wenig
zurechtfand, einfach deswegen, weil er lange in industriellen und städtischen
Bezirken gearbeitet hatte. Bei seiner Wahl zum Sekretär des Moskauer
Gebietskomitees riet ich ihm, sich
auf das Studium der Landwirtschaft zu konzentrieren und brachte ihn eng
mit dem Landwirtschaftssekretär des Gebietskomitees
Michajlow zusammen, der ein guter und qualifizierter Kenner der
Landwirtschaft war. Man muß sagen, daß Chruschtschow meinen
Ratschlag ungekränkt
angenommen, und sich eifrig mit dem Studium der Landwirtschaft beschäftigt
hat. Dabei half ihm auch der künftige Landwirtschaftskommissar
Benediktow, und auch ich unterstützte ihn mit Hinweisen, obwohl ich nur
als Verbindungsmann in das Volkskommissariat kam. Als er Erster
Sekretär des ZK wurde, sagte
ich zu ihm, daß das es das oberste Gebot des ZK sei, der Landwirtschaft,
dem Dorf und dem Bündnis des Proletariats mit der Bauernschaft erstrangige
Aufmerksamkeit zuzuwenden. Und man muß sagen, daß Chruschtschow
sich verstärkt und eifrig mit der Landwirtschaft beschäftigte, aktiv und
initiativreich in die Fragen der Entwicklung der Landwirtschaft eindrang
und sie auf die Beschlüsse ZK einstellte.
Leider begann er hier zuerst und am meisten seine exzentrischen
Charakterzüge eines Alleswissers zu zeigen. Das führte beispielweise
dazu, daß er zum Schlag gegen die Lehren des großen
Wissenschaftlers Wassili Robertowitsch Willjam über die Saatfolgen
ausholte, was Schaden verursachte. Gut war jedoch, daß in der Praxis
diesem anti-williaministischen
„Neuerertum“ nicht nachgegeben wurde, und daß auch das Präsidium
des ZK es offiziell nicht unterstützte, obwohl es das leider nicht
aufhob. Chruschtschow
unterstützte aktiv und eifrig die falschen und unbegründeten Ansprüche
Lyssenkos in der Herrschaft der
Wissenschaft über die Landwirtschaft, wobei Chruschtschow
sich selbst in dieser Wissenschaft nicht
zurechtfand.
Die
Kolchosen und der Maisanbau
Die
Frage über den Maisanbau war richtig gestellt, doch das war insbesondere
für die Ukraine nichts Neues. Ich erinnere mich noch, als Rakowski
noch kein Trotzkist war, daß er, der große Erfahrungen in Rumänien
hatte, in der Presse und auf Versammlungen für eine größtmögliche
Entwicklung der Maisansaat eintrat. Richtigerweise plädierte Chruschtschow
für den Mais, doch er beachtete dabei nicht die wissenschaftlichen
Bedingungen über die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit seiner Anpflanzung
in den jeweiligen Gebieten, dagegen forderte er die allgemeine Entwicklung
der Maisansaat, unabhängig von den lokalen Bedingungen und sprengte damit
diese an sich gute Idee. Leider haben diese Fehler Chruschtschows
der ganzen Idee des Maisanbaus geschadet, so auch in den dafür
brauchbaren Bezirken wie in der Ukraine, im Kaukasus, in Moldawien usw.
Die bekannten, vom Zentralkomitee der Partei und der Regierung
festgelegten organisatorischen Maßnahmen zur Dezentralisierung bei der Führung
der Kolchosen, die ihnen größerer Rechte übertrug, waren ein positiver
und zeitgemäßer Akt. Doch die Abschaffung der Maschinen- und
Traktorenstationen (MTS) hat,
ohne Ersatz durch irgendwelche anderen Formen der Verbindung und der
technischen Unterstützung, brachte den Kolchosen negative Ergebnisse.
Selbst die Dezentralisierung, die den Kolchosen größerer Rechte
einräumte, brachte ohne ökonomische Maßgaben nicht das nötige
Ergebnis. Chruschtschow
bemühte sich natürlich, eine Reihe von Vorschlägen (einschließlich
falscher) vorzubringen, die auch vom Präsidium übernommen wurden. Aber
alle diese Maßnahmen, die vorrangig organisatorisch-administrativen
Charakter trugen, brachten nicht den gehörigen und nötigen Effekt. Zu
einem gegenteiliges Ergebnis führten die Anrufe Chruschtschow,
bei denen er sich
selbst als Demokraten rühmte.
...
die Pferde waren mit ihm durchgegangen
Man
muß sagen, daß sich Chruschtschow
aktiv in die Arbeit nach der Landwirtschaft einbrache. Er bewahrte und
verteidigte die Kolchosbewegung und die Sowchosen und ergriff die Maßnahmen
zur Verwirklichung der gefaßten Beschlüsse des Plenums des ZK
und anderer. Aber leider monopolisierte er bald seine
Führung der Landwirtschaft und ließ politische Fehler zu, die die
Ausführung der Beschlüsse des ZK
behinderten. Ein solcher Fehler war die Linie der Abschaffung
kleiner Kolchosen und, dementsprechend, kleiner Dörfer
und Siedlungen, und die Errichtung großer Ansiedlungen. Diese
Ansiedlungen sollten, nach Absicht Chruschtschows, wie Ansiedlungen städtischen
Typs gebaut werden, mit den mehrstöckigen Häusern, ohne Gartengrundstücke,
ohne Kühe und Geflügelzucht, was aber dem Landwirtschaftsstatut
widersprach, das 1935
unter persönlicher Teilnahme Stalins angenommen worden war. Das führte
in der Folge dazu, daß Tausende kleiner Dörfer
und Siedlungen in den Ruin
getrieben wurden, und die Errichtung großer Kolchosansiedlungen nicht erfüllt
werden konnte. Von da an begann
unter Chruschtschow
die massenhafte Abwanderung von
Bauern aus den Dörfern in die Städte, und das setzte sich unter
Breshnew fort. Ich wies Chruschtschow
persönlich darauf hin, daß man das nicht machen darf, daß man um die
Kolchosen zu vergrößern, aus kleinen Kolchosen Kolchosbrigaden machen
kann, und nicht einfach alteingesessene Dörfer und Siedlungen abschaffen,
aber die Pferde waren schon mit ihm durchgegangen und er nahm keinen
Ratschlag an. Doch auch das Präsidium des ZK
hielt diesen Prozeß nicht auf. Das war dessen Fehler.
Die
Entlassung Malenkows
Wenn
die Erfolge Chruschtschows und seiner Umgebung
zuerst Chruschtschow
angerechnet wurden, so auch, weil er es vorzog, bei Mißerfolgen die
Schuldigen an seiner Seite zu suchen. Während Chruschtschow
noch bis zum Ende der ersten Hälfte des Jahres 1955 die Normen der
kollektiven Führung beachtete, so fing er in der zweiten Hälfte von 1955
an, diese Normen grob zu verletzen. Exzentrik
in diesem Sinne besteht darin, wie das Wörterbuch dieses Wort erklärt,
„aus der Reihe zu fallen“, oder das Bestreben, wie man in Odessa
sagt, „sein ICH zu zeigen“ begann bei ihm mehr und mehr
anzuwachsen. Der Erste, bei dem Chruschtschow
begann, sich als „selbstherrlicher“ Führer und Leiter zu
demonstrieren, war der Ministerrat und sein Vorsitzender Malenkow –
dieser begabte, bescheidene, fleißige, nicht streitsüchtige, aber
prinzipienfeste Staats- und Parteiaktivist. Man kann bei jedem Mängel in
der Arbeit finden, sogar beim unermüdlichsten Leiter, besonders wenn sich
es sich um einen Parteifunktionäre handelt. Kurz gesagt: nach einigen
Ausfällen gegenüber Malenkow schlug Chruschtschow
vor, ihn von seine Pflichten als Vorsitzender des Ministerrates zu
entbinden. Man muß sagen, daß die Mitglieder des Präsidiums, natürlich
einschließlich mich, die ihn von der Arbeit in Moskauer Gebietskomitee
und aus dem ZK von der besten Seite her kannten, zunächst mit
diesem Vorschlag Chruschtschow
nicht einverstanden waren,
aber später, bei seinem nochmaligen beharrlichen Vorschlag, um nicht
eine Krise in der Führung des ZK heraufzubeschwören,
der Entlassung Malenkows zugestimmt haben, der jedoch als
Mitglied des Präsidiums des ZK und als führende Persönlichkeit
der Partei erhalten bleiben sollte.
Der
Vorsitzende des Ministerrats wird bloßgestellt
Als
Vorsitzenden des Ministerrates schlug Chruschtschow
Bulganin vor, obwohl Molotow
der natürlichere
Folgekandidat gewesen wäre. Einige Genossen nahmen in Kauf, daß Chruschtschow
hier Bulganin auf diesem Posten keine lange Verweildauer beimaß.
Und bald nach der Einsetzung Bulganins, als beispielsweise wir,
die Mitglieder des Präsidiums, eine Ausstellung der
Leichtindustrie besuchten, griff nach
irgendeiner Bemerkung Bulganins über Kunstseide, Chruschtschow
ihn öffentlich an, indem er sagte: „Hier sehen Sie, daß der
Vorsitzende des Ministerrates nichts von der Wirtschaft versteht und nur
Unsinn schwatzt“ und so weiter. Wir waren alle erschüttert über eine
derartige Ausfälligkeit
Chruschtschows, um so mehr als
Bulganin, noch bis zu seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Moskauers
Sowjets, Direktor des größten Moskauer Elektrobetriebs war, das
heißt, er war ein erfahrener Wirtschaftsfunktionär, als Chruschtschow
noch nicht einmal die Wirtschaft kannte. Doch auch diesen Angriff haben
wir um der Einheit willen nicht verschärft.
Chruschtschows
Intrigen gegen Molotow
Auf
den Sitzungen des Präsidiums des ZK wurden regelmäßig Fragen der Außenpolitik
besprochen. Molotow, der als Außenminister seine Vorschläge beitrug,
wurden größtenteils gebilligt. Doch während Chruschtschow
die Aufmerksamkeit den Vorschlägen Molotows zugehört hatte, übertrug er
die Angelegenheit weniger Kompetenten, was zu dem Vorschlag führte,
Molotows von der Funktion des Außenministers zu entbinden. Ich bin persönlich
dagegen aufgetreten, indem ich bewies, daß Molotow nicht nur schon über
große Erfahrung) in der Außenpolitik verfügt, sondern sich auch
politisch-ideologisch fest für die Verteidigung der Interessen unserer
Heimat einsetzt. Aber da Molotow selbst seine Bereitschaft erklärte, eine
andere Arbeit zu übernehmen, entband das Präsidium des ZK ihn von den
Pflichten des Außenministers
und ernannte ihn zum Minister der Staatlichen Kontrolle. Ich kann hier
noch eine Episode wiedergeben. Noch im Jahre 1954, während der Erholung
auf Krim, trafen wir d.h. Chruschtschow, Molotow, Woroschilow,
Kaganowisch, uns natürlich, und einmal während des Spazierganges
im Park sagte Chruschtschow
auf meine Frage, was die Arbeit macht, zu mir: „Nicht schlecht, aber
Molotow respektiert mich nicht, deshalb habe ich ein gespanntes Verhältnis
zu ihm.“ Ich sagte ihm, daß er sich irrt und Molotow ein anständiger
Mensch ist, ein hingebungsvoller Parteiarbeiter, der
sich nicht mit Intrigen befassen kann. „Prüfe du dich
selbstkritisch,“ erwiderte er, „ob du nicht allzu oft und leicht gegen
ihn und seine Vorschläge angerannt bist. Wenn du die Beziehung zu ihm änderst,
ist alles erschöpft .“ Aber leider ist er diesem meinem Rat nicht
gefolgt.
Die
Vorbereitungen zum XX. Parteitages
Es
versteht sich, daß die
Arbeit des ZK zwischen dem XIX.
und dem XX. Parteitag alle Seiten des Lebens der Partei und des Landes
umfaßte, die Industrie, die Kultur und das Parteileben. Es wurde eine
umfangreiche Arbeit geleistet, worüber der Erste
Sekretär des ZK,
Chruschtschow, im Auftrag des Präsidiums des ZK den
Rechenschaftsbericht des ZK an
den XX. Parteitag zu erstatten hatte. Wir kamen und gingen einheitlich zum
XX. Parteitag. Der Bericht des ZK widerspiegelte die Arbeit des gesamten
ZK und seines Präsidiums und seine prinzipielle Linie. An der
Ausarbeitung des Berichtes des ZK arbeiteten
alle Mitglieder des Präsidiums sorgfältig mit, das wurde mehrmals
besprochen. Bei der Erörterung der Ausarbeitungen des ZK
wurden viele Korrekturen vorgenommen. Ich werde hier den Charakter dieser
Korrekturen nicht darlegen, wobei es auch Korrekturen zu grundsätzlichen
Fragen gab. Bei mir gab es bei einer Reihe von Korrekturen zum Beispiel
solche: An einer Stelle des Berichtes, wo die Erfindungen der
Imperialisten, daß die Sowjetunion den
Kommunismus durch einen Exportes der Revolution zu errichten, wiederlegt
werden, habe ich vorgeschlagen
zu ergänzen: „Der Kampf um den Sozialismus und Kommunismus
begann in den kapitalistischen Ländern lange vor der Entstehung der
Sowjetunion statt. Der Kampf des Proletariats für Sozialismus und
Kommunismus entspringt aus dem Klassenwiderspruch des kapitalistischen
Systems. Lange vor der sozialistischen Oktoberrevolution in Rußland gab
der Marxismus-Leninismus eine wissenschaftliche Begründung für die
Unvermeidlichkeit des Sieges des Sozialismus und Kommunismus. Darauf gründet
sich unsere Überzeugung, daß dieser Sieg auch ohne Export der Revolution
eintreten wird. Wir lehnen den ‚Export der Revolution’ ab, weil wir
aus der Geschichte wissen, daß die Revolution objektiv nur aufgrund
heftiger, innerer Klassenwidersprüche siegt, welche innerhalb jedes
Landes auftreten.“
Korrekturen
zum Bericht des ZK
Hinsichtlich
des Krieges muß man unterstreichen, daß die Kommunisten – als führende
Kraft in der Sowjetunion – 40 Jahre lang die Leninsche Friedenspolitik
durchführen und entschieden gegen die Entfesselung eines
Krieges auftreten, und
auch dann für die Festigung des Friedens zwischen den Völkern sind,
wenn die imperialistischen Mächte einen Krieg vorbereiten. Ich
schlug vor, der Polemik gegen die marxistisch-leninistische Theorie über
Imperialismus und Krieg nicht zu betreten, um so mehr, als die folgende
Formulierung über das Fehlen einer fatalen Unvermeidlichkeit des Krieges
keinen Anlaß gibt, zu erläutern, ob Marx und Lenin je über eine fatale
Unvermeidlichkeit von Kriegen gesprochen haben. Im Gegenteil, zum Beispiel
kämpfte Lenin mit Hilfe des aktiven, revolutionären Weltproletariats und
der werktätigen Volksmassen und der übrigen Friedensanhänger für die
Verhinderung des Krieges. Es gab natürlich auch andere ähnliche
Korrekturen. Alle Veränderungen wurden beigetragen und besprochen ohne
irgendwelche Verschärfung und ohne polemischen Eifer. Unser Hauptziel
bestand darin, einheitlich zum XX. Parteitag zu kommen und zu gehen. Und
im Bericht des ZK wurde betont:
„Heute ist unsere Partei einheitlich wie niemals zuvor, sie ist
eng geschart um das Zentralkomitee und führt das Land sicher
auf dem Weg, der vom großen Lenin
gewiesen wurde. Die Einheit der Partei hat sich über Jahre und Jahrzehnte
herausgebildet, sie wuchs und festigte sich stets im Kampf gegen die
zahlreichen Feinde.“ (Das widerlegt die spätere Behauptung
vom Juli 1957, daß die Gruppe Malenkow, Kaganowitsch,
Molotow und der sich ihnen anschließende Schepilow
die Einheit der Partei vom Moment der Bestimmung Chruschtschows zum Ersten
Sekretär des ZK
gesprengt habe. Red.)
Der
Parteitag wird plötzlich unterbrochen ...
Der
XX. Parteitag ging dem Ende zu. Aber plötzlich wurde eine Pause
angeordnet. Die Mitglieder des
Präsidiums wurden im hinteren Zimmer zusammengerufen, das für die
Erholung bestimmt ist. Chruschtschow stellte die Frage über Anhörung
seines Berichts über den Personenkult Stalins und dessen Folgen
auf dem Parteitag. Hier
wurde uns ein kleines maschinenschriftlich verfaßtes rotes
Büchlein ausgehändigt – der Textentwurf eines Berichts. Die Sitzung
fand nicht unter normalen Bedingungen statt – es war beengt, einige saßen,
einige standen. Und es war schwierig in der kurzen Zeit dieses
umfangreiche Heft zu lesen und seinen Inhalt zu durchdenken, um
entsprechend den Normen der innerparteilichen
Demokratie einen Beschluß fassen zu können. Und das alles während einer
halben Stunde, während die Delegierten im Saal saßen und auf
etwas für sie Unbekanntes warteten, war doch die Tagesordnung des
Parteitags erschöpft.
Man
muß sagen, daß sich das Präsidium des ZK schon bereits vor dem XX.
Parteitag mit der Frage der ungesetzlichen Repressalien und zugelassenen
Fehler befaßt hatte. Vom Präsidium des ZK war eine Kommission gebildet
worden, die beauftragt worden war, die Angelegenheiten der von
Repressalien Betroffenen von
ihrer Abreise an vor Ort zu untersuchen, allgemeine Schlußfolgerungen zu
ziehen und konkrete Vorschläge zu unterbreiten. Nach der Erörterung
dieser Frage im Präsidium wurde vorgeschlagen, nach XX. Parteitag das
Plenum des ZK zu versammeln und
den Bericht der Kommission mit den entsprechenden Vorschlägen
anzuhören. Eben darüber sprachen die Genossen Kaganowitsch,
Molotow, Woroschilow und andere, als sie ihre Einwände dagegen
vorbrachten. Außerdem sagten die Genossen, daß wir einfach nicht
imstande sind, den Bericht nicht redigieren und die nötigen Korrekturen
vornehmen, die unumgänglich sind. Wir sagten, daß sogar eine flüchtige
Betrachtung zeigt, daß das Dokument einseitig und
falsch ist. Man darf die Tätigkeit Stalins nicht nur von dieser
Seite aus beleuchten, eine objektivere Betrachtung aller seiner positiven
Dinge ist unumgänglich, damit die Werktätigen es verstehen und daraufhin
den Spekulationen der Feinde unserer Partei und des Landes widersprechen können.
Die
Sitzung zog sich in die Länge, die Delegierten (im Saal, Red.)
regten sich auf, und deshalb wurde die Sitzung ohne irgendeine Abstimmung
beendet und wir gingen wieder auf den Parteitag. Dort wurde als Ergänzung
zur Tagesordnung mitgeteilt, den Bericht Chruschtschows
über den Personenkult Stalins anzuhören. Nach dem Bericht fand keine
Diskussion mehr statt, und der
Parteitag beendete seine Arbeit.
Auswertungen
und Erläuterungen
Nach
dem XX. Parteitag führte die Partei organisiert Parteiversammlungen
durch; mit den Berichten und den
Reden waren alle Mitglieder
des Präsidiums des ZK und die Mitglieder des ZK
aufgetreten. In den Berichten wurden alle Fragen der Tagesordnung
des Parteitags und die letzte außerordentliche Frage über den
Personenkult beleuchtet. Es ist wichtig zu betonen, daß die Mitglieder
des Präsidiums Kaganowitsch, Molotow, Woroschilow und andere in den
Berichten über den XX. Parteitag ehrlich und diszipliniert entsprechend
dem Beschluß des XX. Parteitags die Frage über den Personenkult
beleuchteten. Auf den Versammlungen billigten sie die Beschlüsse des
Parteitags. Es wäre jedoch falsch, nicht zu erwähnen, daß es unter den
Parteimitgliedern verschiedene Stimmungen gab. Es gab auch Menschen waren
fassungslos, verhielten sich
schwankend in der Billigung solcher einseitigen Fragestellungen. Die
Feinde unserer Partei nutzten das alles zur Verstärkung ihres
Antikommunismus, besonders gerieten darüber
die ausländischen Apologeten
des Imperialismus und die Weißemigranten außer Rand und Band.
Wie
reagierten die kommunistischen Bruderparteien?
Unsere
kommunistischen Bruderparteien
befanden sich in einer schwierigen Lage; die Unklarheiten und Schwankungen
in ihrer Umgebung erwiesen sich sogar als stärker, als innerhalb unserer
eigenen Partei. Beim Studium der auftretenden Informationen erkannte das
Präsidium des ZK, daß eine breitere, objektivere Darlegung der Frage über
den Personenkult Stalins erforderlich ist, als das auf dem XX. Parteitag
geschehen war. Deshalb wurde eine Beratung auch mit der Teilnahme der
Genossen der kommunistischen Bruderparteien für die Erarbeitung eines
gemeinsamen Beschlusses über den Personenkult einberufen. Nach einer
ernsthaften und der tiefen Erörterung
mit der Teilnahme nicht nur der Mitglieder unseres Präsidiums des ZK,
sondern auch der Genossen Thorez,
Ulbricht, Rákosi und anderer wurde am 30. Juni 1956 ein
ernsthafter großer Beschluß des Zentralkomitees „Über die Überwindung
des Personenkults und seiner Folgen“ gefaßt. Dieser Beschluß hatte und
hat große Bedeutung. Nach der Annahme dieses Beschlusses wurde auf den
Parteiversammlungen innerhalb unserer Partei und in den Bruderparteien darüber
berichtet. Es traten wieder die Mitglieder des Präsidiums des ZK auf.
Dementsprechend haben die Parteiorganisation eine große aufklärende
Arbeit unter den Massen geleistet.
Arroganz
der Macht
Sowohl
die Partei, als auch das Volk bewerteten die Tatsache hoch, daß die
Partei selbst, und das ZK selbstkritisch die vorhandenen Fehler und
zugelassenen Ungesetzlichkeiten offengelegt
hatten, unter denen neben offenkundigen Feinden des Volkes auch
unschuldige Menschen gelitten hatten. Die sowjetischen Menschen nahmen die
Maßnahmen der Partei und der Regierung positiv auf, um derartiges künftig
zu vermeiden. Doch in der
praktischen Arbeit, besonders auf dem Gebiet der Landwirtschaft, waren die
Maßnahmen ungenügend. Darüber war das Präsidium des ZK beunruhigt. Auf
dieser Grundlage, wie auch in einer Reihe anderer Fragen, gab es im Präsidium
des ZK Streitigkeiten, insbesondere mit Chruschtschow,
der nach dem XX. Parteitag völlig außer Rand und Band geriet und
die kollektiven Methoden der Führung verletzte. Er begann, sich so aufzuführen,
wie in einem ukrainischen Lied gesungen wird: „Ich singe allein, ich
spaziere allein, ich breite mich alleine aus, und
ich lüge allein. Nur ICH allein...“ Das konnte nur
Unzufriedenheit hervorrufen.
Quelle:
L.M.Kaganowitsch. Erinnerungen. - Мoskau,
Wagrius Verlag, 2003, S.
559-572.
Übersetzung
und Zwischenüberschriften: Kommunisten-online
http://cccp-2.ru/teory/260-2011-11-09-22-01-28
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