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Contribution to
the 15th International Communist Seminar
”Present
and past experiences in the international communist movement“.
Brussels
, 5– 7 May 2006
www.wpb.be/icm.htm , wpb@wpb.be
Die
kommunistische Bewegung in Österreich, die historische Bedeutung der
Kommunistischen Internationale und die Bedeutung des proletarischen
Internationalismus in der Gegenwart
1.
Bedingungen der Gründung der Kommunistischen Partei in Österreich mehr
2.
Die Kommunistische Internationale und die Bolschewisierung der KPÖ mehr
3.
Die kommunistische Bewegung und der Kampf gegen den Faschismus mehr
4.
Gegenwärtige Probleme und Perspektiven der österreichischen und
internationalen kommunistischen Bewegung mehr
1.
Bedingungen der Gründung der Kommunistischen Partei in Österreich
Am
7. November 1917 siegte in Russland die sozialistische
Oktoberrevolution. Fast genau ein Jahr danach, am 3. November 1918,
wurde in Wien die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) gegründet.
Nur wenige Tage später, am 12. November desselben Jahres, wurde die
Republik Österreich auf bürgerlich-demokratischer Grundlage
konstituiert.
Was
waren die allgemeinen Rahmenbedingungen, die die Gründung einer
kommunistischen Arbeiterorganisation in Österreich begleiteten und
beeinflussten? Die österreichische Sozialdemokratie hatte unter ihrem
Parteigründer und Vorsitzenden Victor Adler eine ehrenhafte und
revolutionäre Geschichte, doch auch in Österreich ist diese spätestens
1914, mit der Unterstützung der Sozialdemokratischen Partei für den
imperialistischen Weltkrieg, eben Vergangenheit. Wie eine logische
Folgerichtigkeit und ein symbolisches Zeichen erscheint es, dass Victor
Adler, der allerdings selbst die Wandlung vom revolutionären
Internationalismus zum gegenrevolutionären Sozialchauvinismus
durchgemacht hat, am Ende des Krieges – und bloß einen Tag vor der
oben erwähnten Gründung der ersten österreichischen Republik –
verstarb. So markiert der November 1918 einen Wendepunkt in der
Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung. Diese Zeit offenbarte
einerseits endgültig den gegenrevolutionären, revisionistischen und
reformistischen Charakter der Sozialdemokratie, andererseits wurde
dadurch die objektive Notwendigkeit der Gründung einer revolutionären
und internationalistischen, einer wahrhaft marxistischen Kampfpartei der
Arbeiterklasse offensichtlich.
Am
Ende des Ersten Weltkrieges, in den Jahren 1917 und 1918, stand das österreichische
Proletariat bereits mitten im revolutionären Kampf. Die unerträglichen
Lebensbedingungen der Kriegsjahre, der sinnlose Krieg selbst, den die Völker
Österreich-Ungarns für die österreichische Bourgeoisie führen
mussten, und die Überzeugung, dass eine bessere Welt möglich sei,
initiierten auch in Österreich einen revolutionären Prozess. Die Frage
war: Würde dieser Prozess in seiner bürgerlich-demokratischen Etappe
verbleiben oder würde er konsequent fortgeführt werden zur
sozialistischen Revolution? Es ist indessen keine Frage, was die
Arbeiter wollten: Sie wollten ein sozialistisches Österreich, das –
neben und mit einem sozialistischen Ungarn, einer sozialistischen
Tschechoslowakei, einem sozialistischen Staat der Südslawen etc. –
die Menschheit befreien würde. So zeigen die Jahre 1917 und 1918 einen
revolutionären Aufschwung, der an verschiedenen Begebenheiten
festzumachen ist, als Höhepunkte sind der große „Jännerstreik“ im
Januar 1918 und der Matrosenaufstand von Cattaro/Kotor im Februar 1918
zu nennen. In Wahrheit gab es aber bereits ab 1914 eine Kette von
Kampfmaßnahmen, Unruhen und Protesten seitens österreichischer
Arbeiter, die sich gegen den imperialistischen Krieg und die durch
diesen gesteigerte kapitalistische Unterdrückung und Ausbeutung zur
Wehr setzten. Doch geschah dies unkoordiniert, in einzelnen Betrieben,
ohne dass es eine feste Organisation sozialistischer Kriegsgegner
gegeben hätte, wie sie sich zur selben Zeit etwa in Deutschland um Karl
Liebknecht und Rosa Luxemburg bildete. In Österreich-Ungarn gab es
hierfür nur in Liberec in Böhmen reale Ansätze, die jedoch erfolglos
blieben. In Wien agierte der Sohn des Führers der Sozialdemokratischen
Partei, der Sohn Victor Adlers, Friedrich Adler, als Kriegsgegner und
trat aus der Sozialdemokratischen Partei aus. Doch Friedrich Adler war
eben kein konsequenter Revolutionär, der eine sozialistische
Massenbewegung gegen den Krieg und für die soziale Revolution des
Proletariats hätte führen können. Sein Protest manifestierte sich
schließlich in einer Tat, die des anarchistischen Individualismus würdig
gewesen wäre, Lenin nannte es die „Verzweiflungstat eines
Kautskyaners“: Friedrich Adler erschoss am 21. Oktober 1916 den österreichischen
Ministerpräsidenten Stürgkh. Eine sinnlose Tat – und Friedrich Adler
sollte auch später, nach seiner Begnadigung und Entlassung aus dem Gefängnis,
keine positive Rolle in der Arbeiterbewegung spielen.
Tatsache
ist, dass sich die Krise in Österreich-Ungarn um die Jahreswende
1917/1918 bereits zu einer akut revolutionären Situation zuspitzte. Für
die österreichische Arbeiterklasse handelte es sich, wie wir heute
wissen, um eine historisch bislang einzigartige Situation, die überwiegend
die Voraussetzungen für die sozialistische Revolution erfüllte.
Allerdings sollte sich hier in tragischer Weise zeigen, welche zentrale
Bedingung einer erfolgreichen sozialistischen Revolution in Österreich
damals eben nicht gegeben war: nämlich die Existenz einer revolutionären
marxistischen Kampfpartei der Arbeiterklasse, einer Partei vom Typ der
russischen Bolschewiki. In Österreich lag die faktische Macht im
November 1918 bereits in den Händen der Arbeiterklasse, doch die eben
gegründete KPÖ konnte sich noch nicht an die Spitze der revolutionären
Bewegung setzen, die Sozialdemokratie wollte es nicht. Die
Sozialdemokratische Partei erwies sich als gegenrevolutionär und
beendete und vollendete im Dienste der österreichischen Bourgeoisie die
bürgerlich-demokratische Revolution. Die österreichische
Sozialdemokratie hat 1918 die österreichische Bourgeoisie vor der
sozialistischen Revolution gerettet. Karl Renner führte als
sozialdemokratischer Kanzler eine gegenrevolutionäre, aber immerhin –
unter dem Druck der revolutionierten Massen – reformistische
Regierung, Karl Seitz wurde provisorischer Staatspräsident, Otto Bauer
unterlegte die sozialdemokratische Politik mit revisionistischen
Auslegungen des Marxismus und Friedrich Adler setzte sich an die Spitze
der österreichischen Rätebewegung, um sie zu hemmen und den Einfluss
der Kommunisten zu reduzieren. In der österreichischen Volkswehr wurden
die kommunistisch dominierten Kompanien, insbesondere das gesamte
Bataillon 41, die „Rote Garde“, durch die Sozialdemokratie isoliert
und schließlich aufgelöst, obwohl – oder gerade weil – die KPÖ über
20 Prozent der Stimmen bei den Wahlen zu den Soldatenräten erreichte.
In
der Folgezeit wurde die sozialdemokratisch geleitete österreichische
Staatsmacht gar mit allen Gewaltmitteln gegen Demonstrationen von
Arbeitern, Arbeitslosen und heimkehrenden Soldaten sozialistischer
Gesinnung eingesetzt. Ihre blutigsten Verbrechen gegen die österreichische
Arbeiterklasse beging die Sozialdemokratie am 17. April und am 15. Juni
1919 jeweils in Wien.
Im
internationalen Rahmen ist die gegenrevolutionäre Ausrichtung der österreichischen
Sozialdemokratie ebenfalls im Jahr 1919 von Bedeutung. Im April und Mai
1919 bestand die Münchener Räterepublik in Bayern, von März bis
Anfang August 1919 die Räterepublik in Ungarn. Während die junge KPÖ
eine Solidaritätskampagne einleitete und unter Führung Leo Rothziegels
über eintausend Freiwillige zur Verteidigung der ungarischen Räterepublik
schickte, zeichnete sich die in Wien an der Regierung befindliche
Sozialdemokratie abermals durch konterrevolutionäres Handeln aus. Österreich
wäre das Verbindungsglied zwischen München und Budapest gewesen und
ein revolutionäres Bündnis in Mitteleuropa hätte dem revolutionären
Prozess in Europa abermals zum weiteren Aufschwung und zur Vertiefung
verholfen, nicht zu sprechen von den unmittelbaren Überlebenschancen
der revolutionären Regierungen in Ungarn und Bayern. Doch die österreichische
Sozialdemokratie verweigerte sich dem Hilferuf aus Ungarn und als Béla
Kun im Sommer, nach der Niederschlagung der ungarischen Revolution, nach
Österreich fliehen musste, wurde er vorsichtshalber inhaftiert. Hier
sieht man in aller Deutlichkeit die essenzielle Bedeutung des
proletarischen Internationalismus, den die junge KPÖ in solidarischer
Weise pflegte, wohingegen die Sozialdemokratie ihren Bündnispartner
offenbar in der nationalen Bourgeoisie sah ... – Alle diese
Begebenheiten zeigen die absolute Notwendigkeit der Gründung der KPÖ.
2.
Die Kommunistische Internationale und die Bolschewisierung der KPÖ
Als
die KPÖ im November 1918 gegründet wurde, konnte noch nicht von einer
Partei bolschewistischen Typs, also von einer leninistischen Partei
gesprochen werden. Zweifellos nahmen sich die Menschen, die sich in der
KPÖ sammelten, die russischen Revolutionäre und die Oktoberrevolution
zum Vorbild, schließlich forderten die österreichischen Arbeiter auch,
mit der eigenen Bourgeoisie endlich „russisch zu sprechen“. Fraglos
war die Oktoberrevolution die Initialzündung für den Aufschwung des
weltrevolutionären Prozesses und für den nötigen
Differenzierungsprozess in der bisherigen Arbeiterbewegung – ein
Differenzierungsprozess, der in der russischen Sozialdemokratie bereits
1903 vorweggenommen worden war. So war es auch keine Frage, dass die KPÖ
beim ersten Kongress, also beim Gründungskongress der III., der
Kommunistischen Internationale in Moskau mit zwei Delegierten, darunter
Karl Steinhardt, vertreten war. – In inhaltlicher Hinsicht war die
Ausrichtung der KPÖ jedoch noch nicht von vornherein einheitlich
bolschewistisch, sondern pluralistisch, was den Parteiaufbau und die
Parteiarbeit nicht nur hemmte, sondern zu andauernden
Fraktionsauseinandersetzungen und mitunter fatalen Fehlpositionen führte
(was nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass es freilich auch sehr
viel Richtiges gab). Unter diesen Voraussetzungen, ohne die richtige
Ideologie, Strategie und Struktur, konnte die KPÖ damals nicht zur
revolutionären Massenpartei werden. Die Masse der Arbeiter vertraute
weiterhin der Sozialdemokratie, während in die KPÖ, ähnlich wie bei
der USPD in Deutschland, auch einige rechtsopportunistische
Sozialdemokraten eintraten. Dennoch finden sich bereits 1919 Menschen in
der KPÖ, die für deren weitere marxistisch-leninistische Entwicklung
in den folgenden Jahrzehnten bedeutend waren, so zum Beispiel der damals
erst siebzehnjährige Friedl Fürnberg, von 1926 bis 1932 zunächst
Sekretär der Kommunistischen Jugendinternationale und 1932 bis 1971
ZK-Sekretär der KPÖ.
Maßgeblich
beteiligt an der Gründung der KPÖ waren 1918 die so genannten
„Linksradikalen“, die sich zuvor um Friedrich Adler gruppiert und im
Jännerstreik 1918 eine wichtige Rolle gespielt hatten, zu nennen wäre
zum Beispiel Franz Koritschoner. Diese Bezeichnung, „Linksradikale“,
war durchaus zutreffend, denn in der Tat stand gerade die junge KPÖ,
eine der ersten damals neu gegründeten kommunistischen Parteien der
Welt, für so manche Kinderkrankheiten des Kommunismus, für so manche
Fehleinschätzung der Bedingungen und daraus resultierende falsche
Strategien, seien sie nun „linksradikal“ oder derart, was man heute
als „trotzkistisch“ bezeichnet. So musste bereits im Jahr 1920 Lenin
selbst die KPÖ davon überzeugen, an den Wahlen teilzunehmen. Lenin
schrieb in diesem Jahr über die KPÖ: „In Österreich hat der
Kommunismus eine sehr schwere Zeit durchgemacht, die anscheinend noch
nicht ganz überwunden ist: Wachstumskrankheiten, die Illusion, dass
eine Gruppe, die sich zum Kommunismus bekennt, ohne ernstlichen Kampf um
den Einfluss unter den Massen zu einer Macht werden könnte, Fehlgriffe
in der Wahl von Personen.“ (LW 30, S. 350) – In der Tat war die
„schwere Zeit“ noch nicht vorbei, bis 1924 wurde die KPÖ von
heftigen Fraktionskämpfen geprägt, die erst 1927 endgültig überwunden
wurden.
Bereits
vor dem 3. Parteitag war das Jahr 1919 von Meinungsverschiedenheiten
geprägt, im Mittelpunkt der Kritik stand Ernst Bettelheim, der ein
vierköpfiges Parteileitungsgremium anführte. Mit Hilfe der Komintern
und unter publizistischer Federführung Karl Radeks wurde bis Jahresende
1919 die KPÖ vorerst auf marxistische Positionen und Strategien geführt,
damit wurde auch die finanzielle Hilfe aus Moskau für die kleine KPÖ
wieder aufgenommen. Innerhalb der Komintern blieb die KPÖ jedoch
tendenziell eher in der Nähe „linksradikaler“ Positionen, die
„putschistische“ Offensivausrichtung gewann bis 1921 wieder die
Oberhand. Die auf dem III. Weltkongress der Komintern beschlossene
Analyse über die neue Etappe der revolutionären Entwicklung –
Konsolidierung und Offensive des Kapitals, Defensive der
Arbeiterbewegung – wurde folgerichtig von der KPÖ-Führung nur
teilweise mitgetragen. Nachdem 1923 die internen Fraktionskämpfe der KPÖ
sogar auf einem erweiterten Plenum des Exekutivkomitees der Komintern
ausgetragen worden war, wurde – nach einer richtungweisenden
Stellungnahme der Komintern und ihres Österreich-Beauftragten Neurath
– die Parteileitung reorganisiert. Franz Koritschoner und Karl Tomann,
die im März 1923 auf dem 6. Parteitag die Mehrheit hinter sich
versammeln konnten und zu diesem Zeitpunkt auch die Unterstützung der
Komintern hatten, wurden nach der Niederlage bei der Nationalratswahl
abgelöst. Johann Koplenig, zuvor Landessekretär der KPÖ Steiermark,
wurde vorerst Organisationssekretär, Gottlieb Fiala Reichssekretär.
Als sich im darauf folgenden Jahr die verheerenden Fraktionskämpfe auf
dem 7. Parteitag jedoch fortsetzten, wurde einerseits Georgi Dimitroff EKKI-Berater
für die KPÖ, andererseits wurde eine neue provisorische Parteileitung
eingesetzt, deren Führung Koplenig übernahm. Das „Provisorium
Koplenig“ blieb personell über 40 Jahre bestehen, am 19. Parteitag
1965 trat Koplenig als Vorsitzender der KPÖ zurück.[1]
In
den folgenden Jahren nach der Bestellung Koplenigs, bis 1927, wurde
unter entscheidender Mithilfe der Komintern und insbesondere Dimitroffs
die Linie der KPÖ so weit geklärt, dass man von einer einheitlichen
marxistisch-leninistischen Partei sprechen konnte. Koplenig selbst war
im Weltkrieg in russische Kriegsgefangenschaft geraten, hatte die
Revolution erlebt und war der Partei der Bolschewiki beigetreten. Bis zu
seiner Rückkehr nach Österreich im Jahr 1920 war er als Propagandist tätig.
Wieder in Österreich trat er als überzeugter Bolschewik folgerichtig
aus der Sozialdemokratischen Partei, deren Mitglied er seit 1909 gewesen
war, aus und in die KPÖ ein. Vor diesem Hintergrund war Koplenig aus
Sicht der Komintern ein logischer und verlässlicher Kandidat, wenn es
um die Bolschewisierung der KPÖ ging. Die Bolschewisierung der
Komintern-Parteien gab der internationalen kommunistischen Bewegung jene
einheitliche marxistisch-leninistische Grundlage, die der gemeinsame
Kampf der Kommunisten unbedingt benötigt. Es ist keine Frage, dass
diese Bolschewisierung der kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt
nötig und Großteils erfolgreich war. (So war es – um ein weiteres
Beispiel neben Österreich zu nennen – äußerst bedeutsam, dass mit
1925 die marxistisch-leninistische Linie der Kommunistischen Partei
Deutschlands (KPD) unter ihrem neuen Vorsitzenden Ernst Thälmann, der
bereits zuvor Mitglied des EKKI war, geklärt werden konnte. Schließlich
war es vor allem der marxistisch-leninistische Charakter der KPD, der es
ermöglichte, dass nach 1945 in der Sozialistischen Einheitspartei (SED)
die proletarische Einheitsfront hergestellt und 1949 unter Führung
Wilhelm Piecks, eines erfahrenen Mitstreiters Thälmanns, die Deutsche
Demokratische Republik (DDR), der erste sozialistische Staat auf
deutschem Boden, gegründet werden konnte.)
–
Die Bolschewisierung der KPÖ ermöglichte es ihr, für die kommenden
antifaschistischen Kämpfe gerade rechtzeitig gewappnet zu sein. Die KPÖ
sollte bis 1945 die Hauptlast des antifaschistischen Widerstandes in Österreich
tragen, sei es in der Illegalität oder später im Rahmen der österreichischen
Freiheitsbataillone in der jugoslawischen Partisanenarmee, womit vor
allem die Kommunisten jenen Anteil zur eigenen Befreiung Österreichs
vom Faschismus leisteten, der in der Moskauer Deklaration der
Anti-Hitler-Koalition festgehalten und gefordert war.
Ein
weiteres bedeutsames Resultat der endgültigen Festigung der KPÖ als
bolschewistische, leninistische Partei, wozu auch die Gründung der
theoretischen Organe „Der Kommunist“ unter Leitung Arnold Reisbergs
1932 und „Weg und Ziel“ 1935 beitrug, war die theoretische Klärung
der nationalen Frage in Österreich durch die KPÖ. Alfred Klahr, ein
Mitglied des Zentralkomitees, legte 1937 den Grundstein für die Theorie
der österreichischen Nation, die sich unabhängig von der deutschen
Nation entwickelt hat, wobei Klahr unmittelbar an die bolschewistische
Position zur nationalen Frage anknüpfen konnte, deren umfassende
Darstellung Josef Stalin 1913 ausgerechnet in Wien erarbeitet und in
seinem Werk „Marxismus und nationale Frage“ schriftlich festgehalten
hatte. Die Einschätzung der KPÖ zur nationalen Frage in Österreich
war eine bedeutende Grundlage für den antifaschistischen Kampf gegen
die deutsche Okkupation und Annexion Österreichs 1938, sie ist
Grundlage für die Wiedererstehung eines unabhängigen österreichischen
Staates 1945. Dass sich in der kommunistischen Weltbewegung diese von
Klahr erarbeitete Ansicht über das Verhältnis Österreichs zu
Deutschland durchsetzte, ist einerseits der Tatsache zu verdanken, dass
die KPD sich deutlich hinter den Standpunkt der KPÖ stellte,
andererseits abermals der Tätigkeit Georgi Dimitroffs in der Komintern,
der sämtliche österreichische Problemstellungen ausgezeichnet kannte.
Allerdings dauerte es bis 1941, bis auch die KPdSU explizit die Einschätzung
der KPÖ unterstützte. Äußerst bedeutsam war die Klärung der
nationalen Frage bezüglich Österreichs durch die KPÖ und die
Komintern darüber hinaus auch deshalb, weil die österreichische
Sozialdemokratie, die die Existenz der österreichischen Nation leugnete
und in deren „Linzer Programm“ von 1926 nochmals die
Anschlussforderung an Deutschland beschlossen wurde, erst 1945 und eher
widerwillig ihre Vorstellung über die Österreicher als Teil der
deutschen Nation aufgab.
Im
Allgemeinen war die Komintern also von immenser Bedeutung für die
Herstellung einer einheitlichen marxistisch-leninistischen Kampffront
der kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt. Und gerade für die
KPÖ war das Eingreifen Dimitroffs wohl ein Akt, der die Partei vor der
völligen selbst verschuldeten Bedeutungslosigkeit oder eventuell der
Selbstauflösung bewahrte. Daneben hauchte die Komintern nach dem
Bankrott der II. Internationale dem proletarischen Internationalismus
neues Leben ein. Manche Menschen könnten meinen, dass die Auflösung
der Komintern im Jahr 1943 hierzu im Widerspruch steht, womöglich gar
eine Abkehr vom Internationalismus gewesen sei. Dem war selbstverständlich
nicht so. Mit der Auflösung der Komintern wurde seitens der
internationalen kommunistischen Bewegung natürlich nicht der
Internationalismus abgeschafft, sondern gemäß neuer Bedingungen seine
Form verändert. Die Komintern hat ihre wichtigen Aufgaben von 1919 bis
1943 erfüllt, ab 1945 konnten die Beziehungen der kommunistischen
Parteien andere zweckmäßige Formen annehmen.
3.
Die kommunistische Bewegung und der Kampf gegen den Faschismus
Als
der IV. Weltkongress der Komintern 1922 vor der Gefahr des Faschismus
warnte, schloss sich die KPÖ bereits dieser Sichtweise bezüglich der
österreichischen Republik an. Die KPÖ definierte 1923 die Gefahr des
Faschismus als Hauptproblem und unterbreitete der Sozialdemokratie
wiederholt das Angebot der proletarischen Einheitsfront im Widerstand
gegen Reaktion und kapitalistische Offensive, was damals noch auf Kritik
„linksradikaler“ und sektiererischer Gruppen in der KPÖ stieß. Mit
der Bolschewisierung der KPÖ unter Johann Koplenig übernahm diese bezüglich
der Einschätzung des Faschismus freilich Analyse und Strategie der
Komintern. In den folgenden Jahren wurde der Kampf gegen den Faschismus
tatsächlich zur Hauptaufgabe der KPÖ, sie mag hierbei den einen oder
anderen Fehler begangen haben, seitens der Arbeiterparteien war es
jedoch ohne Zweifel die Sozialdemokratie, die den Faschisierungsprozess
und die Errichtung der faschistischen Diktatur in Österreich begünstigt
hat. Die falsche „radikalreformistische“ Strategie und Taktik der österreichischen
Sozialdemokratie konnte nicht nur zwingend niemals zur sozialistischen
Revolution führen, sie musste vielmehr beinahe zwingend in den Sieg des
Faschismus münden. In der Praxis zeigte sich die fatale Rolle der
Sozialdemokratie schon im Zuge der Junirevolte 1927, in deren Gefolge
die KPÖ und insbesondere ihr Vorsitzender Koplenig durch klare und
mutige Positionen an Ansehen unter den sozialdemokratischen Arbeitern
gewannen. Als die österreichische Großbourgeoisie und der Großgrundbesitz
schließlich zur Errichtung der direkten faschistischen Diktatur
schritten, bäumten sich revolutionäre Teile der Basis des
sozialdemokratischen Schutzbundes in den Februarkämpfen 1934 nochmals
auf. Dieser heroische Kampf fand natürlich die ungeteilte und aktive
Unterstützung durch die KPÖ, während die Führung der
Sozialdemokratischen Partei abermals versagte und die kämpfenden
Arbeiter im Stich ließ. Schuld an der Niederlage der Arbeiter in den
Februarkämpfen waren freilich die falsche Organisationsstruktur sowie
die falsche Strategie und Taktik des Schutzbundes, die nicht umgesetzte
Bewaffnung der Arbeiterschaft und die vorauszusehende Handlungsunfähigkeit
der sozialdemokratischen Führung – lauter Dinge, vor denen die
Kommunisten schon zuvor aus guten Gründen gewarnt hatten. Ein Ergebnis
der Februarkämpfe war vor diesem Hintergrund auch, dass sehr viele
sozialdemokratische Arbeiter nun begriffen, dass die Politik der
Sozialdemokratie ihre Klasseninteressen nicht verteidigen kann, weshalb
sie in die KPÖ eintraten. Ausgerechnet unter den schwierigen
Bedingungen der Illegalität, in der sich die KPÖ bereits seit dem 26.
Mai 1933 befand, wurde die KPÖ auf diese Weise erstmals zu einer Partei
mit Masseneinfluss.
Im
Gefolge des Sieges des Faschismus in Deutschland und Österreich musste
sich der VII. Weltkongress der Komintern 1935 eingehend mit der Analyse
des Faschismus einerseits sowie mit der Erarbeitung einer
aussichtsreichen antifaschistischen Strategie andererseits beschäftigen.
Beides, marxistisch-leninistische Faschismusanalyse und
antifaschistische Strategie, legte Georgi Dimitroff in seinem
Hauptreferat dar. Im Namen der österreichischen Delegation stimmte
Koplenig in seiner Rede auf dem Weltkongress dem Referat Dimitroffs voll
und ganz zu und hob nochmals dessen Bedeutung für den Klassenkampf und
den antifaschistischen Kampf hervor. Gemäß den Beschlüssen des VII.
Weltkongresses bemühte sich die KPÖ in Österreich weiterhin um die
Schaffung einer Einheitsfront mit den Revolutionären Sozialisten, die
aus der Sozialdemokratischen Partei hervorgegangen waren, wodurch die
Basis für eine breite antifaschistische Volksfront geschaffen werden
sollte. Schließlich konnte dieser Versuch nur Teilerfolge zu Tage
bringen und scheiterte im Wesentlichen am sozialdemokratischen Unwillen.
Dadurch lag die Hauptlast des antifaschistischen Kampfes, zumal die
Revolutionären Sozialisten nach der deutschen Annexion Österreichs
aufgelöst wurden, auch nach der Ersetzung des einen, autochthonen
faschistischen Regimes durch ein anderes faschistisches Regime, jenes
der deutschen Fremdherrschaft, weiterhin bei den Kommunisten.
Als
die Komintern 1936 zum Kampf für die Verteidigung der spanischen
Republik aufrief, folgten 1.700 Österreicher diesem Aufruf und
beteiligen sich im Rahmen der Internationalen Brigaden am
antifaschistischen Freiheitskampf der spanischen Volksfront. Die
Aufstellung der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg, die
sich heuer, im Jahr 2006, zum 70. Mal jährt, ist wohl eines der
lebhaftesten Beispiele eines proletarischen Internationalismus der Tat.
Unter den österreichischen Kämpfern fanden sich Kommunisten wie auch
Sozialdemokraten, einige ehemalige Schutzbund-Kämpfer kamen aus dem
sowjetischen Exil nach Spanien. In der österreichischen
Arbeiterbewegung agitierte vor allem die KPÖ für die spanische
Volksfront, während die Revolutionären Sozialisten und die
Exil-Sozialdemokratie vorrangig mit sich selbst beschäftigt blieben.
Auch auf zwischenstaatlicher Ebene zeugt der Spanische Bürgerkrieg von
gelebter internationaler Solidarität, denn gerade die Hilfe der
Sowjetunion für die spanische Volksfront ist keineswegs gering zu schätzen,
auch wenn Antikommunisten unterschiedlicher Schattierungen aufgrund
unlauterer Motive dies in Abrede stellen wollen.
In
Österreich formulierte die KPÖ nun eine neue Hauptaufgabe. Unter den
schwierigen Bedingungen des österreichischen Faschismus mussten nun
alle Kräfte gegen den drohenden neuen Weltkrieg im Allgemeinen und
gegen die Okkupation Österreichs durch das faschistische Deutschland im
Speziellen gesammelt werden. In Übereinstimmung mit den Thesen der
Komintern zur Volksfrontpolitik und unter Anwendung der Arbeiten Alfred
Klahrs zur nationalen Frage in Österreich definierte die KPÖ den Kampf
gegen den Nationalsozialismus als nationalen Freiheitskampf des österreichischen
Volkes. Da jedoch sowohl die an der Macht befindlichen Austrofaschisten
als auch die österreichischen Sozialdemokraten die österreichische
Nation ablehnten und grundsätzlich eine deutschnationale Ideologie
vertraten, stand die KPÖ mit ihrem unerschütterlichen Willen, die
Unabhängigkeit Österreichs zu verteidigen, weit gehend alleine da. –
Nicht unerwähnt soll jedoch bleiben, dass es auch in Teilen des
konservativen Lagers um Ernst Karl Winter Überlegungen gab, die denen
von Alfred Klahr ähnlich waren, und dass es auch aus den Kreisen der
Monarchisten eine Österreich-patriotische Grundhaltung gab.) – Als es
im März 1938 zur Annexion Österreichs durch Deutschland kam, fanden
sich sodann folgerichtig prominente Sozialdemokraten wie Karl Renner und
Otto Bauer, die diesen Schritt als historischen Fortschritt bewerteten,
die Revolutionären Sozialisten befanden gar, es handle sich bei der
deutsch-faschistischen Eroberungspolitik um eine grundsätzlich positiv
zu bewertende „europäische Integration“.
Anders
die Kommunisten, das Zentralkomitee der KPÖ richtete im März 1938
einen als historisch anzusehenden Aufruf an das österreichische Volk,
in dem es zum Widerstand und nationalen Freiheitskampf aufgefordert
wurde. Auch hierbei ereilte die KPÖ wieder internationale Hilfe und
Solidarität, das Zentralkomitee der KPD verurteilte die Annexion Österreichs
sofort, auch die Sowjetunion protestierte gegen die deutsche Aggression.
Seitens der kapitalistischen Staaten verurteilte jedoch ausschließlich
Mexiko diesen verbrecherischen Akt des deutschen Imperialismus
faschistischer Prägung.
Dass
im Frühjahr 1945 schließlich der deutsche Faschismus in ganz Europa
besiegt werden konnte und auch Österreich befreit wurde, war im
internationalen Maßstab wesentlich das Verdienst der Roten Armee der
Sowjetunion. Ihr ist es unter großen Opfern nicht nur gelungen, die
faschistische Vernichtungsmaschinerie im eigenen Land aufzuhalten,
sondern zurückzuschlagen und schließlich zu besiegen. Als im April
1945 die Rote Armee in Wien einmarschierte, bestand die Hoffnung, man würde
nun in Österreich nicht nur die faschistische Form, sondern den
imperialistischen Kapitalismus insgesamt überwinden können. Zwei Dinge
standen dem im Wege: Einerseits war die wieder gegründete österreichische
Sozialdemokratie (SPÖ) nicht über Nacht zur revolutionären Partei
geworden – im Gegenteil, nach 1945 wurde seitens der SPÖ jede
sozialistische Perspektive endgültig über Bord geworfen; andererseits
eröffnete der imperialistische Westblock sofort die Front gegen den
Sozialismus und die volksdemokratischen Bewegungen in Osteuropa. Das
Hauptanliegen der ehemaligen Verbündeten der Sowjetunion in der
Anti-Hitler-Koalition wurde nun schlagartig wieder der Antikommunismus.
In Österreich führte die antikommunistische sozialdemokratisch-bürgerliche
Front dazu, dass die KPÖ recht bald aus der Regierung ausschied und den
Hetz– und Lügenkampagnen der bürgerlichen und sozialdemokratischen
Regierungen wenig entgegenzusetzen hatte.
Die
defensive Seite des Antikommunismus ist diejenige, dass konsequenter
Antifaschismus zu Tage gebracht hätte, dass nur der herrschende
Monopolkapitalismus die Grundlage, ja der Grund für den Faschismus ist.
Somit bedeutet konsequenter Antifaschismus unweigerlich
Antiimperialismus, Antimonopolismus und Antikapitalismus – das war den
imperialistischen Siegermächten durchaus bewusst und deshalb wich der
Antifaschismus bald wieder dem Antikommunismus. Die offensive
Zielsetzung des Antikommunismus war diejenige, die 1989/90 schließlich
erreicht wurde: Durch die Bündelung aller politischen, ökonomischen,
ideologischen und militärischen Potenzen des Imperialismus in der NATO
und durch die EG wurde ein antisozialistischer Block geschaffen, dessen
Hauptaufgabe die Zerstörung des Sozialismus in Europa und die
kapitalistische Restaurierung und Reintegration der ehemals
sozialistischen Länder war. Dass die Sowjetunion und die
sozialistischen Staaten Europas dem Druck von außen nicht Stand halten
konnten, war einer inneren Schwäche geschuldet. Diese inhaltliche Schwäche
basierte vor allem und in letzter Instanz unweigerlich auf der Preisgabe
des Marxismus-Leninismus durch die Parteiführungen, d.h. auf dem
Revisionismus in Teilen der kommunistischen Bewegung.
So
ist aus der vorläufigen Niederlage des Sozialismus von 1989/90 vor
allem eines zu lernen: Ohne feste ideologische Grundlage auf Basis des
Marxismus-Leninismus gibt es auch kein erfolgreiches revolutionäres
Handeln. Das gilt für die organisierte revolutionäre Arbeiterklasse an
der Macht wie für die kommunistische Bewegung auf dem Weg zur
Revolution. „Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre
Bewegung geben“, schrieb Lenin. Die heutigen Kommunisten mögen sich
diesen Satz gut merken – und die implizite Aufforderung auch umsetzen.
4.
Gegenwärtige Probleme und Perspektiven der österreichischen und
internationalen kommunistischen Bewegung
In
ideologischer Hinsicht besteht die zentrale Aufgabe der heutigen
Kommunisten also darin, den Marxismus-Leninismus gegen Entstellungen und
revisionistische Einflüsse zu verteidigen. Dies erfolgreich zu tun,
bedeutet dreierlei:
1.
Die Kommunisten müssen ihre Theorie und Programmatik auf den
Grundpositionen des Marxismus-Leninismus aufbauen, das heißt
insbesondere auf der marxistischen Staatstheorie, auf Lenins
Imperialismustheorie, auf einem leninistischen Parteiverständnis, auf
dem solidarischen und antiimperialistischen Internationalismus der Werktätigen
und in der Verteidigung des Selbstbestimmungsrechtes der Nationen.
2.
Die Kommunisten müssen sich das Bewusstsein um die historische Rolle
und Bedeutung der Sowjetunion und der sozialistischen Staaten Europas
erhalten und diese verteidigen.
3.
Die Kommunisten müssen den unerbittlichen ideologischen Kampf gegen den
Revisionismus führen.
Auf
dieser ideologischen Basis und unter diesen Voraussetzungen ist eine
erfolgreiche Neuformierung der revolutionären Kräfte möglich. Dieser
Prozess wird ein längerfristig anzusetzender und ein äußerst
beschwerlicher sein, doch er ist unvermeidlich, wenn angesichts der
Alternativen Sozialismus oder Barbarei die erstere Möglichkeit zur
Umsetzung kommen soll. Gelingt eine derartige revolutionäre
kommunistische Organisierung der Werktätigen, so wird am Ende dieses
Prozesses eine kampfbereite und vor allem kampffähige marxistische
Partei der Arbeiterklasse stehen. Gelingt eine derartige Organisierung
nicht, so wären alle Voraussetzungen gegeben, dass das imperialistische
Räubersystem nicht nur einfach weiterhin besteht, sondern der
Imperialismus würde der Menschheit hinkünftig unweigerlich im neuen
Ausmaß verheerende Kriege bescheren, die die Existenz der Menschheit
als Spezies auf diesem Planeten infrage zu stellen vermögen.
Die
Kommunistische Initiative in Österreich möchte daher einen Beitrag zum
Aufbau einer revolutionären marxistischen Partei der Arbeiterklasse
leisten. Die Kommunistische Initiative ist der Ansicht, dass die KPÖ
diesem Anspruch nicht mehr gerecht wird, zumal sie sich diesen Anspruch
selbst gar nicht mehr gibt. Gewiss steht es der Kommunistischen
Initiative nicht zu, im internationalen Rahmen über die KPÖ zu Gericht
zu sitzen – das Urteil über die KPÖ wie über alle anderen linken
Parteien wird die zukünftige gesellschaftliche Praxis der
Arbeiterklasse sprechen. Nichtsdestotrotz erachtet es die Kommunistische
Initiative als ihre solidarische Pflicht den in der KPÖ organisierten
Kommunisten gegenüber, Fehler und Fehlentwicklungen in der KPÖ
aufzuzeigen.
Doch
nicht nur in der KPÖ, sondern seitens vieler kommunistischer oder
vormals kommunistischer Parteien ist es nach der vorläufigen Niederlage
des Sozialismus in Europa nicht geglückt, mit der neuen Situation
richtig umzugehen. Die Neuformierung und Neuorientierung bezog sich
allzu oft auf eine offen revisionistische Wende in der Programmatik,
eines der markantesten Beispiele hierfür ist wohl jenes der deutschen
Linkspartei/PDS. Die heutige KPÖ ihrerseits will explizit keine
leninistische Partei mehr sein, sie definiert sich neuerdings als
pluralistische Partei, womit sie wieder genau jenen ideologischen
Verwirrungen Tür und Tor öffnet, die Johann Koplenig von 1924 bis 1927
mühevoll und mit Hilfe der Komintern überwinden konnte. Grundsätzlich,
vor 1924 wie heute, ist der Pluralismus freilich das Einfallstor für bürgerliche
Ideologien in kommunistische Organisationen, darüber hinaus entpuppt
sich der heutige Pluralismus in der KPÖ mehr und mehr als ein Mittel,
die Partei nicht nur vom Marxismus, sondern auch von den Marxisten zu
„befreien“. Was das Eindringen bürgerlicher, unmarxistischer und
antimarxistischer Ideologien betrifft, so ist bezüglich Österreich und
Deutschland gegenwärtig nicht zuletzt die offen pro-imperialistische
„antinationale“ Ideologie zu nennen, die selbst imperialistische
Angriffskriege rechtfertigt und offen fordert. Ebenso wird teilweise der
proletarische Internationalismus durch bürgerlich-kosmopolitische
Illusionen ersetzt, der Höhepunkt dieser Entwicklung ist die
strukturelle Anerkennung und Verteidigung der Europäischen Union
seitens kommunistischer Funktionäre, also die positive Besetzung und
Rechtfertigung eines imperialistischen Bündnisses. So wird der in
Wahrheit zutiefst antidemokratische, weil eben imperialistische europäische
Integrationsprozess zur historischen Notwendig– und Gesetzmäßigkeit,
die angeblich klassenindifferent zu verstehen sei. Der kapitalistische
Integrationsprozess in Europa sei die Überwindung des bürgerlichen
Nationalstaates unter bürgerlichen Verhältnissen. Gerade in Österreich
erinnert Derartiges geradezu fatal an jene Phrasen Otto Bauers und
anderer Sozialdemokraten über den angeblichen „historischen
Fortschritt“ der deutschen Annexion Österreichs 1938. – In Wahrheit
ist der kapitalistische Integrationsprozess – vor dem Hintergrund des
fortlaufenden Internationalisierungsprozesses des Kapitalismus und der
ungehemmten Neuentfaltung des aggressiven und repressiven Wesens des
Imperialismus – ein Prozess der allseitigen Durchdringung und
Unterordnung sämtlicher Lebensbereiche und Nationen durch das
Monopolkapital. Diese neue Offensive des Kapitalismus in politischer, ökonomischer
und vermehrt militärischer Hinsicht bedrückt nicht nur die Lage der
arbeitenden Menschen in Stadt und Land, sondern aller
nichtmonopolistischen Schichten der Bevölkerung. Daher kann angesichts
dieser Offensive die kommunistische Bewegung nur mit
antiimperialistischen und antimonopolistischen Strategien erfolgreich
sein, an deren Ende eine nachhaltige Neuordnung der gesellschaftlichen
Kräfteverhältnisse zu Ungunsten des Monopolkapitals und zu Gunsten der
Werktätigen Erfolg versprechende Ausgangsbedingungen für die
sozialistische Revolution schafft.
Doch
die Antwort einer Reihe sozialistischer und kommunistischer Parteien,
insbesondere jener, die sich in der EU-“Linkspartei“ vereinigen, ist
die Neuentdeckung des sozialdemokratischen Reformismus, ist die
Neuerfindung eines angeblichen dritten Weges zwischen Kapitalismus und
Kommunismus. Diese Parteien propagieren die bürgerliche Demokratie mit
Wahlrecht und Parlamentarismus als jene politische Form, die zum
Sozialismus führen soll, womit der proletarische Klassenkampf abermals
preisgegeben wird. Auch diese Wendung erinnert fatal an die falschen
Konzepte der österreichischen Sozialdemokratie der Zwischenkriegszeit.
Es war Karl Liebknecht, der kurz vor seiner Ermordung drauf hingewiesen
hat, dass der Weg zum Sozialismus nicht über die so genannte
„Demokratie“, sondern vielmehr der Weg zur tatsächlichen Demokratie
bloß über den Sozialismus führt. Und tatsächlich führte der
„demokratische Weg“ der deutschen und österreichischen
Sozialdemokratie bloß geradewegs in den Faschismus.
Auch
in der Praxis nehmen die Wendungen dieser in der EU-“Linkspartei“
versammelten Parteien mitunter erstaunliche Qualitäten an. Erst kürzlich
haben bis auf zwei Ausnahmen die Abgeordneten der deutschen
Linkspartei/PDS im EU-Parlament für eine antisozialistische Resolution
gegenüber Kuba gestimmt. Die KPÖ hat zwar keine Abgeordneten im
EU-Parlament, setzt aber dennoch bemerkenswerte Akzente. Als im November
vergangenen Jahres auf Einladung der griechischen KKE in Athen eine
internationale Konferenz kommunistischer und Arbeiterparteien stattfand,
verweigerte die KPÖ ihr Zustimmung zu den Solidaritätserklärungen für
Kuba und Venezuela, ja selbst die Protestnote gegen die
antikommunistische Initiative des Europarats schien der KPÖ nicht
unterstützenswert. Tatsache ist, dass hiermit der proletarische
solidarische Internationalismus, den sogar die vorbolschewistische KPÖ
bereits pflegte und der das wohl höchste Gut der internationalen
kommunistischen Bewegung darstellt, offenbar entsorgt wird. Am
politischen Stellenwert des proletarischen Internationalismus und der
antiimperialistischen Solidarität kann der Charakter einer Partei sehr
gut erkannt werden, im Falle der KPÖ wirft der nicht mehr vorhandene
proletarische Internationalismus kein allzu gutes Licht auf die Partei.
Ersetzt
wird der proletarische Internationalismus seitens der angesprochenen
Parteien durch eine den Gesetzen des EU-Imperialismus entsprechende
Struktur, durch die so genannten „Europäische Linkspartei“, in der
wichtige und erfolgreiche kommunistische Parteien Europas wohl aus
besten Gründen nicht teilnehmen. Und an dieser Stelle sei ebenfalls
darauf hingewiesen, dass diese durch und durch fehlerhaften Positionen
und Orientierungen auch in der KPÖ nicht unumstritten sind. Tatsache
ist, dass die einzige bei Wahlen erfolgreiche Landesorganisation der KPÖ,
nämlich jene der KPÖ Steiermark, diese Positionen ablehnt: Die KPÖ
Steiermark, von der mit Recht behauptet werden kann, dass sie den
marxistischen und konsequent antirevisionistischen Teil der KPÖ repräsentiert,
bleibt bei ihrer Ablehnung der EU und lehnt auch die Mitgliedschaft der
KPÖ in der EU-“Linkspartei“ ab. Allerdings ist die KPÖ Steiermark
nicht im Bundesvorstand der KPÖ vertreten und erkennt den letzten
Bundesparteitag der KPÖ nicht an. Die Kommunistische Initiative ist der
Überzeugung, dass es kein Zufall ist, dass ausgerechnet die KPÖ
Steiermark, die sich das Werkzeug des Marxismus erhalten hat, genau
jener und der einzige Teil der KPÖ ist, der in einem Landesparlament
vertreten ist und bei den Wahlen in der steirischen Hauptstadt Graz
sogar über 20% der Wählerstimmen erreicht hat, während es für den
Rest der KPÖ schon ein Erfolg ist, die 1%-Marke zu überspringen.
Offensichtlich besteht ein Zusammenhang zwischen marxistischen und
antiimperialistischen Positionen und erfolgreicher politischer Arbeit
unter und mit den Werktätigen. – Die Kommunistische Initiative teilt
und unterstützt diese richtigen und wichtigen Positionen der KPÖ
Steiermark, nämlich die Ablehnung der EU als imperialistisches Bündnis
und die Ablehnung der EU-“Linkspartei“. Nach Ansicht der
Kommunistischen Initiative besteht die Aufgabe der antirevisionistischen
und marxistisch-leninistischen Parteien und Organisationen in Europa und
darüber hinaus darin, dem den sozialistischen Zielen zuwiderlaufenden
Formierungsversuch einer reformistisch-revisionistischen und zum Teil
offen antimarxistischen EU-“Linkspartei“ eine klassenbewusste,
internationalistische, antiimperialistische und solidarische Kooperation
der internationalen kommunistischen Bewegung entgegenzustellen, die in
den besten Traditionen der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA),
der frühen II. Internationale und der Komintern agiert.
Voraussetzung
einer schlagkräftigen internationalen kommunistischen Bewegung ist die
weltweite Schaffung revolutionärer Arbeiterparteien, die auf dem Boden
des Marxismus-Leninismus agieren. In Österreich hat sich die
Kommunistische Initiative das Ziel gesetzt, für die Schaffung einer
solchen Partei zu arbeiten. Die Kommunistische Initiative wirkt in
dieser Hinsicht in Solidarität mit und in Kooperationsbereitschaft
gegenüber Marxisten, Kommunisten und revolutionären Sozialisten, die
Mitglieder anderer Organisationen oder derzeit unorganisiert sind und
die unsere Zielsetzung teilen. Vor allem aber wird es in Österreich
darum gehen, die Masse der momentan tendenziell indifferenten, weil von
der Sozialdemokratie enttäuschten Arbeiter zu gewinnen. – Eine solche
Mobilisierung und Organisierung eines großen Teils der österreichischen
Arbeiterklasse ist eine schwierige Aufgabe, an der die kommunistische
Bewegung in Österreich seit bald 90 Jahren arbeitet und dabei Erfolge
und Misserfolge vorweisen kann. Die Kommunistische Initiative versteht
sich in der besten Tradition der revolutionären österreichischen
Arbeiterbewegung, der kommunistischen Bewegung, und sie ist bemüht, den
Kampf um die Massen und um die kulturelle Hegemonie in der Gesellschaft
mit einer klaren marxistisch-leninistischen Ideologie zu verknüpfen.
Die marxistisch-leninistische Ideologie ist in der kommunistischen
Bewegung während jeder Etappe ihrer Entwicklung unverzichtbar. Die
Kommunistische Initiative hält es in dieser Hinsicht mit Johann
Koplenig, der einer der besten Söhne und Führer der österreichischen
Arbeiterklasse war – am 14. Parteitag der KPÖ im Jahr 1948 fand
Koplenig Worte, die für die Kommunistische Initiative auch heute eine
Anleitung zum Handeln sind: „In jedem entscheidenden Moment der
Entwicklung Österreichs war es unsere Partei, und nur unsere Partei,
die den richtigen Weg gewiesen hat, weil sie allein den unentbehrlichen
Kompass der Arbeiterbewegung, den Marxismus-Leninismus, besitzt. (...)
Die ideologische Stärkung ist „ untrennbar verbunden mit dem Kampf
zur Gewinnung der Massen und heute, angesichts der Perspektiven verschärfter
Klassengegensätze, darf man weniger denn je die ideologische Arbeit
vergessen, gilt es erst recht, größte Aufmerksamkeit der politischen
Erziehungsarbeit zuzuwenden, wachsam darauf zu achten, dass die
Ideologie des Klassenfeindes nicht in unsere Reihen dringe. Unsere
Ideologie, unsere Theorie des Marxismus-Leninismus ist die beste Waffe
der Arbeiterklasse im Kampf für ihre Befreiung. Diese Theorie ist
unbesiegbar, denn sie ist die Wahrheit.“...
Für
die Kommunistische Initiative (KI) Österreich
Tibor
Zenker
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