| Am 30. August
1918 verübte die Konterrevolutionärin und Anhängerin der
Partei der Sozialrevolutionäre, Fanny Kaplan, einen
Mordanschlag gegen Lenin. Der Führer des Weltproletariats
überlebte zwar, wurde aber schwer verletzt. |
Die
Partei der Bolschewiki in der Periode der Vorbereitung und Durchführung
der sozialistischen Oktoberrevolution
(April 1917-1918)
Quelle:
GESCHICHTE DER
KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI) – KURZER
LEHRGANG –, Unter
Redaktion einer Kommission des Zentralkomitees der KPdSU(B), Gebilligt
vom Zentralkomitee der KPdSU(B) 1938 KAPITEL VII
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Der Leninsche Plan der Inangriffnahme des sozialistischen Aufbaus
Die Komitees der Dorfarmut und die Bändigung des Kulakentums
Die Meuterei der „linken“ Sozialrevolutionäre und ihre
Niederschlagung
Der V. Sowjetkongress und die Annahme der Verfassung der Russischen
Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik
Nachdem
die Sowjetmacht Frieden geschlossen und eine Atempause erhalten hatte,
nahm sie die Entfaltung des sozialistischen Aufbaus in Angriff. Lenin
nannte die Periode vom November 1917 bis zum Februar 1918 die Periode
der „rotgardistischen Attacke gegen das Kapital“. Der Sowjetmacht
gelang es im Laufe der ersten Hälfte des Jahres 1918, die
wirtschaftliche Macht der Bourgeoisie zu brechen, die Kommandohöhen der
Volkswirtschaft (Fabriken, Werke, Banken, Eisenbahnen, Außenhandel,
Handelsflotte usf.) in ihren Händen zu konzentrieren, den bürgerlichen
Apparat der Staatsmacht zu zerbrechen und die ersten Versuche der
Konterrevolution, die Sowjetmacht zu stürzen, siegreich zunichte zu
machen.
Aber
all dies war noch bei weitem nicht genügend. Um vorwärts zu schreiten,
musste man von der Zerstörung des Alten zum Aufbau des Neuen übergehen.
Deshalb begann im Frühjahr 1918 der Übergang zur neuen Etappe des
sozialistischen Aufbaus - ,,von der Expropriation der Expropriateure“
zur organisatorischen Verankerung der erzielten Siege, zum Aufbau der
Sowjetvolkswirtschaft. Lenin hielt es für notwendig, die Atempause
maximal auszunutzen, um an die Errichtung des Fundaments der
sozialistischen Ökonomie heranzugehen. Die Bolschewiki mussten lernen,
die Produktion auf neue Art zu organisieren und zu verwalten. Lenin
schrieb, dass die Partei der Bolschewiki Russland überzeugt habe; die
Partei der Bolschewiki hat Russland den Reichen entrungen und dem Volk
gegeben, jetzt, sagte Lenin, muss die Partei der Bolschewiki lernen,
Russland zu verwalten.
Als
Hauptaufgaben in dieser Etappe betrachtete Lenin die Registrierung der
Produkte der Volkswirtschaft sowie die Kontrolle über den Verbrauch des
erzeugten Gesamtprodukts. In der Wirtschaft des Landes überwogen kleinbürgerliche
Elemente. Millionen Kleinbesitzer in Stadt und Land bildeten den Nährboden
für das Wachstum des Kapitalismus. Diese Kleinbesitzer erkannten weder
die Arbeitsdisziplin noch die allgemeinstaatliche Disziplin an, sie
ordneten sich weder einer Registrierung noch einer Kontrolle unter. In
diesem schwierigen Moment waren der kleinbürgerliche elementare Drang
nach Spekulation und Schacher, die Versuche der Kleinbesitzer und Händler,
aus der Volksnot Profit zu ziehen, eine besondere Gefahr.
Die
Partei entfaltete einen energischen Kampf gegen den Schlendrian in der
Produktion, gegen den Mangel an Arbeitsdisziplin in der Industrie. Die
Massen gewöhnten sich nur langsam an die neuen Arbeitsanforderungen.
Infolgedessen wurde der Kampf für die Arbeitsdisziplin in dieser
Periode zur zentralen Aufgabe.
Lenin
wies auf die Notwendigkeit hin, in der Industrie den sozialistischen
Wettbewerb zu entfalten, den Stücklohn einzuführen, gegen die
Gleichmacherei zu kämpfen, neben erzieherischen Maßnahmen des Überzeugens
auch Methoden des Zwangs gegenüber denjenigen anzuwenden, die vom
Staate soviel als möglich erraffen wollen, die faulenzen und sich mit
Spekulation beschäftigen. Er war der Auffassung, dass die neue
Disziplin - die Arbeitsdisziplin, die kameradschaftliche Disziplin, die
Sowjetdisziplin - von den Millionen Werktätigen in der alltäglichen
praktischen Arbeit herausgebildet wird. Er wies darauf hin, dass
„diese Sache eine ganze historische Epoche in Anspruch nehmen wird“.
(Lenin, Ausgew. Werke, Bd. 7, S. 403/04.)
Alle
diese Fragen des sozialistischen Aufbaus, die Frage der Schaffung neuer,
sozialistischer Produktionsverhältnisse, wurden von Lenin in seiner berühmten
Schrift „Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht“ beleuchtet.
Die
„linken Kommunisten“, die zusammen mit den Sozialrevolutionären und
Menschewiki vorgingen, führten auch in diesen Fragen einen Kampf gegen
Lenin. Bucharin, Ossinski und andere wandten sich gegen die Einführung
der Arbeitsdisziplin, gegen die individuelle Leitung in den Betrieben,
gegen die Verwendung von Spezialisten in der Industrie, gegen die Durchführung
des Rentabilitätsprinzips. Sie verleumdeten Lenin durch die Behauptung,
dass eine solche Politik die Rückkehr zu bürgerlichen Zuständen
bedeute. Gleichzeitig propagierten die „linken Kommunisten“ die
trotzkistischen Auffassungen, dass der sozialistische Aufbau und der
Sieg des Sozialismus in Russland unmöglich seien.
Hinter
den „linken“ Phrasen der „linken Kommunisten“ verbarg sich die
Verteidigung der Kulaken, der Tagediebe, der Spekulanten, die gegen die
Disziplin waren und sich zur staatlichen Regulierung des
Wirtschaftslebens, zur Registrierung und Kontrolle feindselig
verhielten.
Nachdem
die Partei die Fragen der Organisierung der neuen Industrie, der
Sowjetindustrie, gelöst hatte, ging sie zu den Fragen des Dorfes über.
Im Dorf ging in jener Zeit ein heißer Kampf der Dorfarmut gegen das
Kulakentum vor sich. Die Kulaken gewannen an Kraft und rissen den
Gutsbesitzern abgenommene Ländereien an sich. Die Dorfarmut benötigte
Hilfe. Die Kulaken weigerten sich in ihrem Kampfe gegen die
proletarische Staatsmacht, Getreide zu festen Preisen an den Staat zu
verkaufen. Sie wollten den Sowjetstaat durch Hunger zwingen, auf die
Durchführung sozialistischer Maßnahmen zu verzichten. Die Partei
stellte sich die Aufgabe, das konterrevolutionäre Kulakentum zu
zerschlagen. Zur Organisierung der Dorfarmut und zum erfolgreichen
Kampfe gegen das Kulakentum, das über Getreideüberschüsse verfügte,
wurde eine Kampagne zur Entsendung von Arbeitern in das Dorf
organisiert.
„Genossen
Arbeiter!“, schrieb Lenin. „Seid dessen eingedenk, dass die Lage der
Revolution kritisch ist. Seid dessen eingedenk, dass nur ihr, und sonst
niemand die Revolution retten könnt. Zehntausende auserlesene,
fortgeschrittene, dem Sozialismus ergebene Arbeiter, die gegen
Bestechungen und Unterschlagungen gefeit sind, die fähig sind, eine
eiserne Macht gegen die Kulaken, Spekulanten, Marodeure, gegen die
bestechlichen und desorganisierenden Elemente aufzurichten, - das ist
es, was uns Not tut.“ (Lenin, Sämtl. Werke, Bd. XXIII, S.
32.)
„Der
Kampf um das Brot, das ist der Kampf um den Sozialismus“, sagte Lenin,
und unter dieser Losung ging die Entsendung von Arbeitern in das Dorf
vor sich. Eine Reihe von Dekreten wurde erlassen, durch welche eine
Diktatur im Ernährungswesen errichtet und den Organen des
Volkskommissariats für Ernährung außerordentliche Vollmachten. für
den Einkauf von Getreide zu festen Preisen eingeräumt wurden.
Durch
das Dekret vom 11. Juni 1918 wurden die Komitees der Dorfarmut
geschaffen. Die Komitees der Dorfarmut spielten eine große Rolle im
Kampfe gegen das Kulakentum, bei der Neuverteilung der beschlagnahmten Ländereien
und der Verteilung des Wirtschaftsinventars, bei der Beschaffung der
Lebensmittelüberschüsse von den Kulaken, bei der Versorgung der
Arbeiterzentren- und der Roten Armee mit Lebensmitteln. 50 Millionen
Hektar Kulakenland gingen an die Dorfarmut und die Mittelbauern über.
Ein bedeutender Teil der Produktionsmittel des Kulakentums wurde
zugunsten der Dorfarmut konfisziert.
Die
Organisierung von Komitees der Dorfarmut war eine weitere Etappe in der
Entfaltung der sozialistischen Revolution im Dorfe. Die Komitees der
Dorfarmut waren Stützpunkte der Diktatur des Proletariats im Dorfe.
Durch die Komitees der Dorfarmut erfolgte auch in bedeutendem Maße die
Formierung von Kadern der Roten Armee aus der bäuerlichen Bevölkerung.
Die
Entsendung von Proletariern in das Dorf und die Organisierung von
Komitees der Dorfarmut festigten die Sowjetmacht im Dorfe und waren von
ungeheurer politischer Bedeutung für die Gewinnung des Mittelbauern für
die Sowjetmacht.
Ende
1918, als die Komitees der Dorfarmut ihre Aufgaben erfüllt hatten,
verschmolzen sie sich mit den Dorfsowjets und hörten somit auf zu
existieren.
Am
4. Juli 1918 wurde der V. Sowjetkongress eröffnet. Auf dem Kongress
entfalteten die „linken“ Sozialrevolutionäre zur Verteidigung der
Kulaken einen wütenden Kampf gegen Lenin. Sie forderten die Einstellung
des Kampfes gegen das Kulakentum und den Verzicht auf die Entsendung von
Arbeiterabteilungen für Lebensmittelbeschaffung ins Dorf. Als sich die
„linken“ Sozialrevolutionäre überzeugt hatten, dass ihre Linie bei
der Kongressmehrheit auf harten Widerstand stieß, organisierten sie in
Moskau einen Putsch, besetzten die Trjochswjatitelski-Gasse und eröffneten
von dort aus Artilleriefeuer auf den Kreml. Dieses Abenteuer der
„linken’“ Sozialrevolutionäre wurde jedoch von den Bolschewiki im
Laufe weniger Stunden niedergeschlagen. An einigen Stellen des Landes
unternahmen die örtlichen Organisationen der „linken“
Sozialrevolutionäre ebenfalls Putschversuche, doch wurde diesem
Abenteuer überall rasch ein Ende bereitet.
Wie
nunmehr im Prozess gegen den antisowjetischen „Block der Rechten und
Trotzkisten“ festgestellt worden ist, war die Meuterei der
„linken“ Sozialrevolutionäre mit Wissen und Einverständnis von
Bucharin und Trotzki angezettelt worden und bildete einen Teil des
Gesamtplanes einer konterrevolutionären Verschwörung der Bucharinleute,
Trotzkisten und „linken“ Sozialrevolutionäre gegen die Sowjetmacht.
In
derselben Zeit drang der „linke“ Sozialrevolutionär Blumkin - in
der Folge ein Agent Trotzkis – in die deutsche Botschaft ein und
ermordete den deutschen Botschafter in Moskau, Mirbach, um einen Krieg
mit Deutschland zu provozieren. Der Sowjetregierung gelang es jedoch,
den Krieg abzuwenden und die Provokation der Konterrevolutionäre zu
durchkreuzen.
Auf
dem V. Sowjetkongress wurde die Verfassung der Russischen
Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik, die erste Sowjetverfassung,
angenommen.
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