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Leserbrief:
„Es
ist natürlich gut, die historische Wahrheit über die imperialistischen
Verbrechen in Korea zu erhellen. Ich bin aber nicht bereit, dafür den
Preis von stalinfeindlichen Kommentaren zu zahlen.“
Lieber
Günter!
Diese
„Linkszeitung“, die ihr da empfehlt - ist eventuell als
Quellenmaterial interessant. Eindeutig scheint mir aber, dass da
Trotzkisten arbeiten. Da wird Stalin runter gemacht. Man sollte sich da
speziell abgrenzen. Ich habe mich inzwischen ausführlichst mit diesem
ganzen Anti-Stalin-Popanz beschäftigt, wobei die Kommunistische
Internetzeitung
der Auslöser war. Das sagenhafte Ausmaß der Fähigkeit zur reaktionären
Lüge und Heimtücke einerseits und ebenfalls das Ausmaß der
opportunistischen Unfähigkeit der Linken, ideologische
Klassenparteilichkeit zu entwickeln, haben mich schwer und nachhaltig
beeindruckt. Diese ganze Geschichte mit Stalin ist so wichtig, nicht nur
wegen ihm selbst, sondern auch aus grundsätzlichen Aspekten heraus, für
die ich jetzt keine Zeit habe, um sie auszuführen. Ich stelle nur fest,
dass fast sechzig Jahre nach dem Koreakrieg, nun endlich die Hosen
heruntergelassen werden. Das tut die Reaktion auch immer - nach so einer
langen Zeit, wenn es nichts mehr kostet - und „beweist“ ihre
„demokratische Offenheit und Selbstkritik“, wenn der Fall an sich
keinen relevanten Einschlag mehr erzeugt. Ganz „nebenbei“ wird so
„ein bisschen“ Stalin verunglimpft - „ganz sachlich und
relativierend“ - und dessen Rolle ist allerdings total aktuell, bis
zum heutigen Tag und noch für viele Jahre. Seine Verunglimpfung ist ein
wesentliches Hauptkernstück der imperialistischen Massenpsychologie in
Sachen Antikommunismus. Es ist natürlich gut, die historische Wahrheit
über die imperialistischen Verbrechen in Korea zu erhellen. Ich bin
aber nicht bereit, dafür den Preis von stalinfeindlichen Kommentaren zu
zahlen. Deswegen empfehle ich da ausdrückliche Abgrenzung.
Die
Kriegs- und Massenpsychologie hat mich schon immer brennend interessiert
und eines ihrer Elemente ist, Lügen mit Wahrheiten zu begleiten. Und
den Effekt muss man genau abwägen. Eine sublime Botschaft der
imperialistischen Gehirnwäsche, zum Beispiel, ist häufig Folgende:
„Ist ja schon wahr, dass unser Kriege schlimm sind, aber sie verhüten
Schlimmeres und die „Anderen“ (Kommunisten) sind schlimmer.“
Oder:
„Ja, das hat man damals verbockt. Aber das war damals. Leute, die
schon längst tot sind, sind die Schuldigen und es war ein Fehler und
wir beweisen unsere Lauterkeit indem wir es jetzt zugeben. Wo gehobelt
wird, fallen Späne. (Nachdem man jahrzehntelang jeden geächtet und
verfolgt hat, der die Wahrheit verbreitete.) Und die Welt ist wieder in
Ordnung hauptsächlich, wenn
Stalin noch der „Alte” ist, - im reaktionären Sinne. Ganz wichtig!
(An dieser Anti-Ikone oder Buhmann darf unter keinen Umständen gerührt
werden) Auf diese Weise dienen ihre eigenen Verbrechen noch dazu, um
sich reinzuwaschen. Das ist, wie wenn ein ausrangiertes Kleidungsstück
am Ende seiner Tage noch als Putzlumpen herhalten muss. Besser noch,
wenn man Alles „anderen” Imperialisten in die Schuhe schieben kann.
Und die Trotzkisten sind auch gut für diese Arbeit, besser, als jede
andere Rechte. Sie sind als angebliche Linke „unverdächtig”.
Deswegen hegt und pflegt man sie ja auch. (Ich habe noch nie erlebt,
dass die Reaktion Trotzki runter gemacht hätte. Er war immer das Opfer,
der „wahre“ Kommunist, ach wenn es doch nur nach dem gegangen wäre.
Die Bourgeoisie ist schwer in Sorge um sein ideologisches Wohlbefinden,
so wie sie es zu seinen unseligen Lebzeiten, um sein Leibliches war.)
Meiner Meinung nach, kann die Linke so links und kritisch sein,
wie sie will. Wenn es je eine taugliche sozialistische Revolution geben
soll, kommt man an einem konsequenten und gerechten historischen Verhältnis
zu Stalin und seiner Zeit nicht vorbei. Das ist fundamental und ich
meine das im vollen Sinne.
Ich
schreibe Dir das, weil ich meine, dass ihr da ein wenig aufpassen müsst,
wen und wie ihr da jemanden empfehlt.
Hoffentlich
geht es deinem Auge bald besser. Die KI-Zeitung ist ein Bestandteil
meines Alttages.
Mit
kommunistischem Gruß
Ulrich
aus Nikaragua
Antwort
Roter Webmaster:
Lieber
Ulrich,
Du
hast vollkommen Recht. Es darf nicht passieren, dass wir
Konterrevolutionären – Trotzkisten sind konterrevolutionäre – bei
uns ein e Plattform geben und/oder sie bewerben.
Ich
gebe selbstkritisch zu, hier nicht genug revolutionäre Wachsamkeit geübt
und hier nachlässig gewesen zu sein. Wir haben den Fehler inzwischen
korrigiert.
Rotfront
Der
Rote Webmaster
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Der
Kalte Krieg wird heiß
Geschichte.
Am
25. Juni 1950 begann der Kampf um die Vorherrschaft auf der koreanischen
Halbinsel
Von
Rainer Werning
Quelle:
JungeWelt
vom 25. Juni 2010
Auf
Kommunisten-online am 28. Juni 2010 –
Von 1910 bis 1945 war Korea
eine japanische Kolonie. Sehnlichst hatten die Koreaner gehofft, daß
das Ende des Zweiten Weltkrieges ihnen endlich Freiheit und Unabhängigkeit
beschert. Doch bereits vor der Kapitulation Japans Anfang September 1945
hatten sich die Siegermächte USA und die Sowjetunion darauf verständigt,
Korea in zwei Besatzungszonen aufzuteilen und das Land zunächst treuhänderisch
zu verwalten. Nördlich des 38. Breitengrades hatte die Rote Armee das
Sagen und protegierte den antijapanischen Partisanenverband des späteren
Präsidenten Kim Il-Sung. Südlich dieser Linie kontrollierten die USA
das politische Geschehen. Washington verhalf dort dem eigens aus
US-amerikanischem Exil nach Seoul eingeflogenen Rhee Syngman zur Macht
– entgegen dem Willen der damals überall in Korea wie Pilze nach
einem warmen Regenguß entstandenen demokratischen Volkskomitees, die
sich für die Unabhängigkeit engagierten. Sie übernahmen unmittelbar
nach dem Kriegsende am 15. August 1945 die Verwaltung des Landes und wählten
auf ihrer am 6. September 1945 tagenden Repräsentativversammlung in
Seoul eine Regierung der gesamtnationalen Volksrepublik Korea. Es waren
Nationalisten, Sozialisten und Kommunisten unterschiedlicher Couleur,
die sich folgenden zentralen Zielen verpflichtet fühlten: eine
umfassende Land- und Agrarreform zum Wohle der Masse der Bevölkerung,
Nationalisierung großindustrieller Komplexe sowie die Durchsetzung des
Achtstundentags, eines Mindestlohns sowie Preiskontrollen bei
Grundnahrungsmitteln und Mieten. Diese Forderungen waren außerordentlich
populär und wurden landesweit unterstützt. Die Crux der neuen
Volksrepublik: Sie wurde international nicht anerkannt und von den neuen
Besatzern bis aufs Messer bekämpft.
Befriedung
statt Befreiung
Am
8. September 1945 landete die 7. US-Infanteriedivision in Inchon an der
Westküste Koreas. Die Besatzungstruppen unter Führung von General John
R. Hodge nahmen von der gerade gebildeten koreanischen Regierung keine
Notiz. Statt dessen entstand im Süden Koreas die »United States Army
Military Government in Korea«, die US-amerikanische Militärregierung
– kurz: USAMGIK. Sie bestimmte, was die Koreaner fortan zu tun und zu
lassen hatten. Die Menschen in der Hauptstadt Seoul staunten nicht
schlecht, als an Stelle der koreanischen Flagge das Sternenbanner gehißt
wurde. Tragischer noch: Die Sicherheitskräfte der USAMGIK und Rhee Syngmans
rekrutierten sich mehrheitlich aus projapanischen Kollaborateuren. »Als
wir hier die Polizei übernahmen«, erklärte der US-amerikanische Chef
der südkoreanischen Polizeidivision, Oberst William Maglin, »waren
unter den 20000 Mann 12000 Japaner. (...) Wir schickten die Japs nach
Hause, stockten die Zahl der Koreaner auf und bauten einen Apparat auf,
in den sämtliche jungen Männer integriert wurden, die der Polizei
vorher geholfen hatten.«
Als Mitte November 1945 ein Kongreß der Volksrepublik es ablehnte, sich
selbst aufzulösen, erklärte General Hodge ihn kurzerhand für
ungesetzlich. Auf Initiative der USAMGIK konstituierte sich Mitte
Februar 1946 ein sogenannter Parlamentarischer Demokratischer Rat,
dessen Vorsitzender Rhee wurde. Obgleich er die koreanische
Nachkriegsrealität nicht kannte, wurde er mit US-amerikanischer Rückendeckung
zum Chef der vormals mit den Japanern kollaborierenden Kräfte – Großgrundbesitzer,
Kapitalisten und Staatsbürokraten – aufgebaut. Sogar Mitglieder der
USAMGIK äußerten offen Kritik an dieser Maßnahme und am autoritären
Führungsstil Rhees. Ab dem Frühjahr 1946 kam es deshalb landesweit zu
heftigen politischen Auseinandersetzungen. Streiks, vor allem im öffentlichen
Verkehrswesen, waren an der Tagesordnung. Besonders harten Repressionen
waren Arbeiter- und Bauernorganisationen und Gewerkschafter unter der Führung
von Park Hun-Young ausgesetzt, die ihre Basis im traditionell
oppositionellen Gebiet um die Stadt Kwangju im Südwesten der Halbinsel
hatte.
Im September 1946 erließen die amerikanischen Behörden Haftbefehle
gegen namhafte kommunistische Führer. Diese setzten sich daraufhin in
den nördlichen Landesteil ab. Als Reaktion darauf und aufgrund der
miserablen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse – allerorten
mangelte es an Nahrungsmitteln, Kleidung und Unterkünften – kam es im
Süden erneut zu Massenprotesten und regimefeindlichen Demonstrationen,
die von US-Truppen und rechten paramilitärischen Schlägertrupps –
darunter die notorische Nordwest-Jugend, gebildet von Söhnen der im
Norden enteigneten Grundbesitzer und projapanischen Kollaborateuren –
niedergeschlagen wurden. Deren grausames Wüten entsetzte selbst
hartgesottene US-amerikanische Militärberater. Zur Überwachung und
Einschüchterung der Bevölkerung entstanden »strategische Weiler«,
zentrale Sammelstellen, in die sich die Menschen zu Zehntausenden
begeben mußten, um nicht als »Umstürzler« zu gelten. Dieser
geballten Repression fielen viele zum Opfer, so daß quasi die Führung
fortschrittlicher und linker Bewegungen im Süden der Halbinsel physisch
liquidiert wurde. Vor allem auf der südlichen Insel Cheju, wo es Anfang
April 1948 zu einem Volksaufstand gegen die Regierung gekommen war, wütete
die Reaktion. Lange Zeit in den USA unter Verschluß gehaltene Dokumente
beziffern die Zahl der bei der brutalen Niederschlagung dieses Aufstands
Getöteten zwischen 30000 und 60000 Personen. Jüngere südkoreanische
Untersuchungen gehen davon aus, daß etwa ein Viertel der damals 300000
Residenten auf Cheju ums Leben gekommen sind.
Im nördlichen Teil der Halbinsel ließ die sowjetische
Besatzungsmacht hingegen die Volkskomitees ungehindert agieren und warf
ihr politisches Gewicht für die antijapanische Partisanentruppe um Kim
Il-Sung in die Waagschale, die lediglich als eine von mehreren solcher
Verbände aktiv war. Im Gegensatz zu Rhee war Kim ein populärer und
charismatischer Führer, der vor allem aus seinem antikolonialen
Engagement Legitimität schöpfte. Bereits im Frühjahr 1946 setzte der
Norden ein sozialpolitisches Signal, als eine weitreichende Bodenreform
über 700000 besitzlosen Bauernfamilien zu Landbesitz verhalf. Dieses
Land hatte früher Großgrundbesitzern gehört, die zwischenzeitlich
aber in den Süden geflohen waren. Für Kim war dies zweifellos ein zusätzlicher
Legitimationsgewinn, zumal eine ähnliche Reform im Süden der Halbinsel
ausblieb. Und da dort ein Klima von Einschüchterung und Gewalt
herrschte, zogen es die herausragendsten Intellektuellen, Künstler,
Schriftsteller und oppositionellen Politiker des Landes vor, sich im
Norden niederzulassen. Die nordkoreanische Regierung sah sich selbst in
der Tradition der 1945 in Seoul proklamierten Volksrepublik Korea und
verfolgte weiterhin deren Ziele.
Die USA unterstützten nicht nur militärisch ihren reaktionären Höfling
Rhee. Sie setzten auch politisch und diplomatisch alle Hebel in
Bewegung, um die jungen Vereinten Nationen zu manipulieren und zu einem
willfährigen Instrument zur Durchsetzung ihrer Interessen zu
degradieren. Gemäß dem Kalkül, wenn schon nicht das ganze Korea, so
soll wenigstens dessen südlicher Teil fest in den Einflußbereich der
USA eingegliedert und in ein Bollwerk gegen die Sowjetunion und die
junge Volksrepublik China verwandelt werden. Ein solcher Plan ließ sich
allerdings nur gegen massiven Protest und Widerstand seitens der
koreanischen Bevölkerung durchsetzen. Aus diesem Grunde wurden nicht
nur, wie es ursprünglich vorgesehen war, landesweite Wahlen
hintertrieben. Seit September 1947 drängten die USA die UN, Wahlen in
ihrem Hoheitsbereich zuzustimmen und diese zu beaufsichtigen. Zwar regte
sich dagegen Protest, unter anderem seitens des indischen
UN-Delegationsleiters K. P. S. Menon, doch dieser Schritt wurde schließlich
durchgeboxt. Die Sowjetunion und Nordkorea opponierten angesichts der
blutigen Repression im Süden gegen diesen Plan. Eine Sicht, die
gleichermaßen in Nord wie Süd vom überwiegenden Teil der Bevölkerung
geteilt wurde. Zu Recht befürchtete man, daß so die Teilung des Landes
vollzogen würde, eine Schande, die dem Land selbst unter dem bleiernen
japanischen Kolonialjoch erspart blieb.
Die Separatwahlen fanden am 10. Mai 1948 statt und wurden von den
meisten Parteien in Südkorea boykottiert. Die wenigen anwesenden
UN-Beobachter berichteten übereinstimmend von Einschüchterungen,
Gewalt und Wahlfälschung in großem Stil. Doch das Kalkül der USAMGIK
und ihres Protegés ging auf; Rhee erklärte sich zum Sieger, rief am
15. August mit dem Segen Washingtons die Republik Korea aus und schwang
sich zu deren Präsidenten auf. Am 9. September 1948 zog der Norden nach
und Kim Il-Sung verkündete in Pjöngjang mit sowjetischer Unterstützung
die Demokratische Volksrepublik.
Internationales
Ausmaß
Beide
Staaten beanspruchten jeweils für sich, legitimer Sachwalter des einen
Korea zu sein. Sah sich die Regierung in Seoul als »Vorposten der
freien Welt und im Feldzug gegen den Kommunismus«, wähnte sich die
Regierung in Pjöngjang als »Basis der koreanischen Revolution und als
Bollwerk nationaler Befreiung«. Notfalls, so die schrille Propaganda in
beiden Hauptstädten, werde man mit Gewalt die Einheit wiederherstellen.
Bewaffnete Provokationen und Konfrontationen entlang der
Demarkationslinie am 38. Breitengrad waren an der Tagesordnung und häuften
sich seit der Jahreswende 1949/50. Noch herrschte ein labiles
Gleichgewicht, wenngleich selbst US-Außenminister Dean Acheson mehrfach
gerügt hatte, wie launisch und unkalkulierbar Südkoreas Präsident
handelte. Dieser hatte sich mehrfach öffentlich damit gebrüstet, für
einen Waffengang gerüstet zu sein und »im Marsch gen Norden Pjöngjang
innerhalb von drei Tagen zu erobern«.
Südkoreanische Verbände verübten mehrfach militärische Angriffe nördlich
des 38. Breitengrads, derer sich Offiziere öffentlich brüsteten. Ein
Ziel dieser Attacken war die Halbinsel Onjin, die, wenn sie eingenommen
worden wäre, den Truppen Rhees einen direkten und raschen Zugang zu Pjöngjang
ermöglicht hätte. Vieles spricht dafür, daß der Süden zuerst die nördliche
Stadt Haeju angriff, was in Seoul als Sieg gefeiert wurde – allerdings
als einer, der in Reaktion auf eine Offensive des Nordens erfolgte.
Jedenfalls eskalierten im Morgengrauen des 25. Juni 1950 vorangegangene
militärische Konfrontationen zu einem offenen Krieg. Ohne nennenswerte
Gegenwehr rückten nordkoreanische Kampfverbände und Panzer in Seoul
ein und stießen binnen weniger Tage sogar bis kurz vor die Hafenstadt
Pusan im Süden vor. Rhees Truppen mangelte es an Motivation und
Kampfkraft; scharenweise desertierten seine Soldaten und liefen zur
anderen Seite über.
Was als Bürgerkrieg um die Vorherrschaft in ganz Korea begann, geriet
aufgrund der Präsenz der beiden Großmächte USA und Sowjetunion auf
der Halbinsel zunehmend in einen internationalen Konflikt. Zu der Zeit
galt im politischen und militärischen Establishment Washingtons die
vorherrschende Meinung, wonach ein Krieg in Korea den willkommenen Anlaß
bot, endlich mit heruntergelassenem Visier »den Kommunismus in Ostasien«
zurückzudrängen. Die von den USA dominierten Vereinten Nationen
machten sich nicht einmal die Mühe, die andere – in diesem Falle
nordkoreanische – Seite wenigstens anzuhören und stimmten umgehend
der Forderung Washingtons zu, mit einem eigenen Truppenkontingent Rhee
zu unterstützen und »die Aggression Nordkoreas« zu stoppen. Ein Akt,
der dadurch erleichtert wurde, weil die Sowjetunion an der
entscheidenden UN-Abstimmung nicht teilnahm– vorgeblich aus Ärger darüber,
daß der jungen Volksrepublik China der Eintritt in die Vereinten
Nationen verwehrt wurde.
Jedenfalls kämpften auf seiten des Südens eine von den USA angeführte
UN-Streitmacht aus 15 Staaten. Als diese Truppen unter dem Befehl von
General Douglas MacArthur, dem Oberkommandierenden der US-Streitkräfte
im Fernen Osten, den Yalu, den Grenzfluß zwischen Nordkorea und der
Volksrepublik China, erreichten, schickte Mao Tse-tung, der erst am 1.
Oktober 1949 in Peking die Gründung der Volksrepublik proklamiert
hatte, Freiwilligenverbände an die Front. Den Norden unterstützten außerdem
sowjetische MIG-15-Kampfbomberpiloten.
Grauenhafte
Verbrechen
»In
postum veröffentlichten Interviews behauptete MacArthur«, schrieb der
ausgewiesene Korea-Kenner und emeritierte Geschichtsprofessor an der
University of Chicago, Bruce Cumings, »einen Plan ausgearbeitet zu
haben, mit dem er den Krieg innerhalb von zehn Tagen gewonnen hätte:
›Ich hätte mehr als 30 Atombomben über das gesamte Grenzgebiet zur
Mandschurei abgeworfen.‹ Anschließend hätte er am Yalu, dem Grenzfluß
zwischen Nordkorea und China, eine halbe Million nationalchinesischer
Soldaten – die sich nach ihrer Niederlage 1949 aus dem kommunistischen
China nach Taiwan abgesetzt hatten – eingesetzt und dann zwischen dem
Japanischen und dem Gelben Meer einen mit radioaktivem Kobalt
verseuchten Landgürtel geschaffen. Da Kobalt zwischen 60 und 120 Jahre
aktiv bleibt, wäre dann ›mindestens 60 Jahre lang keine Invasion über
Land nach Südkorea von Norden aus möglich gewesen‹. MacArthur war überzeugt
davon, daß die Russen angesichts dieser extremen Strategie nichts
unternommen hätten: ›Mein Plan war bombensicher.‹«
»Vom 25. Juni 1950 bis zum 27. Juli 1953 (die Zeit des Koreakrieges
– R.W.) kamen nach konservativen westlichen Schätzungen über 4,6
Millionen Koreaner ums Leben, einschließlich drei Millionen Zivilisten
im Norden und 500000 Zivilisten im Süden der Halbinsel«, hieß es in
dem am 23. Juni 2001 in New York verkündeten Urteil des Korea
International War Crimes Tribunal unter dem Vorsitz des ehemaligen
US-Justizministers Ramsey Clark. Weiter hieß es in diesem Verdikt: »Die
Beweise für die US-Kriegsverbrechen, die diesem Tribunal präsentiert
wurden, lieferten Augenzeugenberichte und Dokumente über Massaker an
Tausenden Zivilisten, die von den US-amerikanischen Militärstreitkräften
während des Krieges im Süden Koreas verübt wurden. Darüber hinaus
gab es erdrückende Beweise der kriminellen, teils genozidmäßig
betriebenen US-Politik im Norden Koreas, wo systematisch die meisten Häuser
und Gebäude durch US-Artilleriefeuer und Luftangriffe in Schutt und
Asche gelegt (...) und geächtete Waffen sowie biologische und chemische
Kampfmittel im Krieg gegen seine Bevölkerung eingesetzt wurden.«
Erst nach monatelangem Tauziehen war es am 27. Juli 1953 in dem
unwirtlichen Ort Panmunjom auf der Höhe des 38. Breitengrads zum
Waffenstillstandsabkommen gekommen. Unterzeichnet wurde es lediglich von
Nordkorea, der Volksrepublik China und dem US-amerikanischen General
Mark W. Clark im Auftrag der Vereinten Nationen. Südkoreas Präsident
Rhee weigerte sich nicht nur, das Abkommen zu unterschreiben. Er wollte
den Krieg fortsetzen. Erst als die US-Regierung einem bilateralen
Sicherheitspakt zustimmte, ihr in Südkorea stationierter
Oberbefehlshaber auch die Kommandogewalt über die südkoreanischen
Truppen übernahm und der südkoreanischen Seite beträchtliche
Wirtschafts-, Finanz- und Militärhilfe in Aussicht gestellt wurden,
erklärte sich auch Rhee bereit, die Waffenstillstandsklauseln zu
respektieren.
Auswirkung
bis in die BRD
Bis
heute durchzieht die Halbinsel eine etwa 240 Kilometer lange und vier
Kilometer breite »demilitarisierte Zone«. Ein Euphemismus
ohnegleichen: Es ist dies die weltweit bestbewachte, höchstmilitarisierte
und konfliktträchtigste Region, wo sich waffenstarrend über eine
Million Soldaten, inklusive mehrerer tausend GIs, gegenüberstehen.
»Eine fünf Jahre währende Revolution und Konterrevolution«, schrieb
vor einem Jahrzehnt Iggy Kim in der australischen Green Left Weekly, »eskalierte
zum Korea-Krieg, ein letzter und grausamer Schritt zur Zerschlagung der
Arbeiter- und Bauernrevolution, die auf die Niederlage der Japaner im
Zweiten Weltkrieg folgte«. In diesem Sinne begann der Koreakrieg
bereits 1945 als Bruderkrieg, der 1950 durch das Eingreifen ausländischer
Mächte internationalisiert wurde und bis heute als Kalter Krieg
fortbesteht.
Während Südkorea sich erst 1993 aus der eisernen Umklammerung
grausamer Militärdiktatoren – von kurzen Intermezzi demokratischer
Freiräume Anfang der 60er und Ende der 70er Jahre abgesehen – zu lösen
vermochte, war es Nordkorea, das nach dem verheerenden Krieg und dem
Wiederaufbau des Landes bis in die 60er Jahren große Faszination unter
zahlreichen gerade unabhängig gewordenen Staaten ausübte. Mit dem
Krieg verfestigte sich in Nordkorea eine Bunkermentalität, wonach
US-Amerikaner als Sendboten von Tod und Verwüstung wahrgenommen wurden
und Kim Il-Sung gemäß dieser Vorstellung eine starke Binnensolidarität
erzeugen konnte. Die Überhöhung seiner Person und der um ihn sakral
zelebrierten Personenkult sind ein spätes Nachkriegsprodukt und bilden
heute das Fundament eines etatistischen Regimes, dem es vorrangig um
zweierlei geht: einem Regimewechsel zu trotzen und wenn schon nicht
international als Freund geachtet, dann wenigstens als geächteter Feind
auf Augenhöhe anerkannt zu werden.
Trotz des schwelenden Atomstreits hat Pjöngjang mehrfach gefordert, das
lediglich bestehende Waffenstillstandsabkommen endlich in einen
Friedensvertrag zu überführen. Eine ebenso berechtigte wie dringliche
Forderung, die, wenn sie denn Realität würde, auch genügend Potential
böte, Traumata diesseits und jenseits des 38. Breitengrads zu überwinden
und wesentlich zur Entspannung der politischen Lage in Nordostasien
beizutragen.
Profiteure des Krieges waren paradoxerweise die Hauptaggressoren des
Zweiten Weltkrieges: Japan und (West-)Deutschland. In jenen Jahren beflügelte
der Krieg in beiden Ländern das Wirtschaftswachstum (vor allem in der
Konsumgüterbranche), was im beschaulichen Bonn den Begriff »Korea-Boom«
unter Ökonomen und Politikern gleichermaßen zur Lieblingsvokabel beim
einsetzenden Wirtschaftswunder werden ließ. Last but not least: Es war
der Koreakrieg, der das laufende
Verbotsverfahren gegen die KPD erleichterte und hartgesottenen
Militaristen rascher als erwartet die Chance bot, Wiederaufrüstung zu
betreiben und eine neue Armee, die Bundeswehr, aus der Taufe zu heben.
Beschwiegene
Massaker – Krieg im Krieg
Lange
Zeit gehörten sie zu den dunkelsten Kapiteln des Koreakrieges
– die Partisanenkämpfe südkoreanischer Aufständischer gegen die südkoreanische
Armee und ihre US-amerikanischen Berater und von diesen gemeinsam verübte
Massaker unter der Zivilbevölkerung. Wenn in der Vergangenheit überhaupt
darüber geredet wurde, galt es als ausgemacht, sie flugs als »nordkoreanische
Greueltaten« zu brandmarken.
Als Hunderttausende chinesische Freiwillige zugunsten Nordkoreas in das
Kriegsgeschehen eingriffen, schürte das erst recht eine
antikommunistische Pogromstimmung in Südkoreas Regierung unter Präsident
Rhee Syngman. Mehrere zehntausend Menschen fielen Rhees Häschern zum
Opfer. Das wiederum verstärkte Guerillaaktivitäten hinter den
Frontlinien, die Mitte Januar 1951 ihren Höhepunkt erreichten. Das
US-Oberkommando schätzte die Zahl der Aufständischen auf 30000 bis
35000 Personen. Um sie auszuschalten, erfanden die Militärstrategen die
»Operation Rattentöter«. Dessen Kommando wurde dem seinerzeit schärfsten
antikommunistischen Haudegen Südkoreas, General Paik Sun-Yup, übertragen.
Ende Januar 1952 verkündete der Nachfolger MacArthurs, General Matthew
B. Ridgway, den Erfolg dieser Operation: »Nahezu 20000 Freischärler
– Banditen und organisierte Guerilleros – wurden getötet oder
gefangengenommen. Damit war diese Irritation ein für allemal beendet.«
Doch noch Ende 1952 war die Guerilla im Südwesten Koreas, in den
Chiri-Bergen, sehr aktiv. Für das Magazin Life verfaßte die Fotografin
Margaret Bourke-White im Dezember 1952 ein Feature mit dem Titel »Der
grausame, geheime Krieg in Korea«. Sie interviewte Aufständische,
unter ihnen auch couragierte Frauen: »Einige der Aufständischen
wechselten die Fronten und schlossen sich den Roten an. Tausende
Nordkoreaner waren auch darunter, denen es glückte, sich von ihren
Einheiten abzusetzen, als die UN-Truppen den Belagerungsring
durchbrachen, der um die südliche Hafenstadt Pusan gelegt worden war.
Andere Aufständische kamen aus dem Norden, wo sie die Frontlinien der
Alliierten überwanden. Insgesamt handelte es sich also um eine Truppe,
die nie über zwei Jahre lang den um sie herum tobenden Krieg und die
harschen Bedingungen in gebirgigem Terrain überlebt hätte, wäre sie
nicht von der Bevölkerung versorgt und unterstützt worden«.
Rainer Werning, ehemals Vorstandsvorsitzender des Korea-Verbands e. V.
(Berlin/Essen), ist Mitherausgeber des 2007 im Kölner PapyRossa Verlag
erschienenen Buches »Korea – Entfremdung und Annäherung«
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