Aus der Geschichte der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

Karl Liebknecht, haben wir verloren, Rosa Luxemburg fiel durch Mörderhand

Vor 86 Jahren wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg im Auftrag der SPD-Regierung Ebert ermordet

zum jungeWelt-Artikel Eberts Terrortruppe

Klaus Gietinger

Eberts Terrortruppe

Vor 86 Jahren wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet. Nicht von marodierenden Freikorpssoldaten, sondern auf Betreiben der SPD-Führung

jungeWelt vom 15.01.2005

Die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts wird meist als Tat einer anonymen Soldateska oder irgendwelcher Freikorpsoffiziere dargestellt, so auch in der jW vom Montag. Das ist nicht mal die halbe Wahrheit. Es waren Regierungstruppen. Sie hatten den Auftrag, die »Novemberrevolution« von 1918 zu zerschlagen. Auftraggeber waren die, die durch die Revolution an die Macht gekommen waren: Mehrheitssozialdemokraten, wie sie nach der Spaltung im Ersten Weltkrieg genannt wurden. Die drei wichtigsten hießen Ebert, Noske und Scheidemann. Sie haßten die Revolution »wie die Sünde« (Ebert) und wollten sie daher auch entsprechend behandeln.

Eine Revolutionsregierung, die die eigene Gegenrevolution inszeniert, ist einmalig in der Geschichte. Doch es gab auch eine Vorgeschichte.

Die führenden SPDler hatten um 1900 ein großes Problem. Sie wollten nicht mehr »vaterlandslose Gesellen« (Bismarck) sein. Vergessen war die Marxsche Losung, die Proletarier haben kein Vaterland. Man wollte doch eins. Die »nationalen Interessen Deutschlands« waren nun plötzlich d´accord mit den Interessen der Arbeiterklasse. Kein Wunder, daß man sich bald zum Krieg bekannte. Schon 1913 hatte der spätere Reichskanzler Gustav Bauer die neue SPD-Maxime vorgegeben: Wenn bei einem Krieg was für die deutsche Arbeiterbewegung herauskäme, sollte man ihn auch führen. Im August 1914 dann ließ die Bewilligung der Kriegskredite nicht auf sich warten. Weitere Bewilligungen folgten, bis zum Juni 1918. Und wer nicht wollte, im Reichstag, wie Hugo Haase, der wurde von den eigenen Genossen mit Fäusten geschlagen, als »Frecher Halunke« (Ebert, SPD), als »Drecksseele« (Scheidemann, SPD), als »Judenjunge« (Bauer, SPD) oder als Teil einer »Judenbande« (Legien, SPD) beschimpft und aus der Partei geworfen.

Der Mann fürs Grobe

Kein Wunder also, daß Ebert noch am Abend der Revolution (9. November 1918) in einem Telefonat mit dem Chef der Obersten Heeresleitung (OHL) Groener ein Bündnis schloß. Hauptinhalt war laut eidlicher Aussage Groeners die »Bekämpfung des Bolschewismus«. Unter Bolschewismus verstanden Ebert und seine Genossen die eigenen Arbeitermassen, die Basisdemokratie (Arbeiter- und Soldatenräte), die die Zerschlagung des Militarismus und Sozialismus wollten. Dies machte die Chefs der SPD zu Bündnispartnern des alten Militarismus, der diese wiederum brauchte, um sich zu regenerieren und dann die »Sozis« mitkassieren zu können.

Es war auch die Stunde eines kleinen, machtgeilen Offiziers, der sich zum faktischen Befehlshaber einer kaiserlichen Elitetruppe gemacht hatte, der Gardekavallerieschützendivision (GKSD): Hauptmann Waldemar Pabst. Nachdem Anfang Dezember 1918 mit Billigung Eberts der erste Putschversuch der OHL gegen die Arbeiter- und Soldatenräte gestartet wurde, aber dann kläglich gescheitert war und Weihnachten der von Ebert ausdrücklich befohlene Angriff mit Kanonen auf die Volksmarinedivision im Stadtschloß am Widerstand der Massen zerbarst, war eines klar: Mit den alten »spartakistisch verseuchten Truppen« (Pabst) konnte man der Revolution nicht beikommen. Man mußte sich neue Einheiten basteln: Freikorps. Und man mußte einen »Arbeiterführer« an deren Spitze stellen. Der hieß Gustav Noske (SPD). Ein Kriegshetzer, Rassist und Kolonialist erster Güte. Schon bei der Matrosenrevolte in Kiel wurde der Mann fürs Grobe in die Küstenstadt entsandt, um durch Aufstellung von Offiziersbrigaden das Mittel zum Kampf gegen den demokratischen Sozialismus in der Hand zu haben. Kiel war kein Einzelfall. Wie Groener aussagte, war die Aufstellung von Freikorps schon im November 1918 mit Ebert abgesprochen und »unter der Decke« weiterentwickelt worden. Dies beweist, die alten Mächte und die SPD-Führung hatten es von Anfang an auf ein Blutbad angelegt.

Mord mit Freibrief der SPD

Noske und sein »rührigster Helfer« Pabst arbeiteten bestens zusammen. Pabst machte aus der GKSD mittels junger kaiserlicher Offiziere und gutbezahlter Existenzen aus Bourgeoise, Kleinbürgertum und Subproletariat eine hochexplosive Kampfmaschine. 40 000 Mann und 70 Offiziere scharte »der kleine Napoleon« (Groener) um sich. Mit seinen engsten Offizieren plante und führte er die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts aus, nicht ohne – wie ich belegen konnte – sich telefonisch die Billigung seines Oberbefehlshabers Noskes einzuholen. Noske wiederum hatte sich im Zuge des Januaraufstandes von Ebert und Co. mit einem militärischen Freibrief ausstatten lassen. Was einst Wilhelm II. der SPD androhte, wurde jetzt unter Führung der SPD Wirklichkeit: Man wollte auf jeden schießen, »der der Truppe vor die Flinte kommt« (Noske). Höhepunkt war im März 1919 der von Pabst vorformulierte Befehl Noskes zur Gefangenentötung. Ein vorfaschistischer Terrorbefehl, der bis dato seinesgleichen suchte, die Zustimmung der gesamten SPD-Führungsriege fand und Tausenden Menschen in den folgenden Kämpfen das Leben kostete.

Ein Jahr später dankte Pabst seinen Genossen, indem er zusammen mit Kapp und Lüttwitz putschte. Die SPD wurde durch Generalstreik gerettet, ließ aber die GKSD erneut gegen revolutionäre Kämpfer marschieren.

Der Hochverräter Pabsts setzte sich derweil nach Österreich ab, baute dort die faschistischen Heimwehren auf, kehrte 1930 nach Deutschland zurück, wurde Nazi, Direktor eines Rüstungskonzerns, arbeitete mit Massenmördern wie General Thomas zusammen und spionierte für Canaris in der Schweiz. 1955 kam er nach Westdeutschland zurück und war im Waffenhandel unterwegs. Eine Regierungserklärung von 1966 weist ihn als Vaterlandsretter durch die »standrechtlichen Erschießungen« von Luxemburg und Liebknecht aus. Als 1969 ein TV-Spiel Dieter Ertels in der ARD zu Demonstrationen vor Pabsts Haus führte, ließ er sich nicht nur vom Staatsschutz die Namen und Adressen der Demonstranten aushändigen, er dachte auch darüber nach, seine Noske-Connection aufzudecken und Brandts SPD kurz vor den Wahlen zu schaden. Es kam nicht mehr dazu. Er starb 1970 reich und von keinem BRD-Organ je verfolgt.

* Letzte Exemplare von Klaus Gietingers Buch »Eine Leiche im Landwehrkanal«, Berlin 1995, können für 8 Euro über www.gietinger.de bestellt werden

Quellentext: Aufruf der Zentrale der KPD, Mitte Januar 1919

Die Regierung Eberts und Scheidemanns hat Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg meucheln lassen. (...) Vor dem Antlitz des deutschen Proletariats, vor dem Antlitz der internationalen Arbeiterklasse werfen wir der Regierung Eberts und Scheidemanns die Anklage ins Gesicht (...)

Die Toten werden für immer im Herzen des deutschen, im Herzen des internationalen Proletariats leben als die, die im Augenblick, wo die deutsche Sozialdemokratie die deutschen Arbeiter an den Kriegsmoloch verkaufte, mutig die Fahne der proletarischen Erhebung hißten und unbekümmert um Gefängnis und Zuchthaus die revolutionären Arbeiter zum Kampfe um die Befreiung aus den Klauen des menschenvernichtenden Kapitalismus riefen. Für ewig werden in den Büchern der Internationale ihre Namen bleiben als die derer, die im Moment der Selbstzerfleischung des Weltproletariats den Kampf dem Weltkapital angesagt haben mit dem alten Schlachtruf: Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Jetzt heißt es nicht wehklagen, nicht blindlings den Mord unserer Vorkämpfer an den Mördern persönlich rächen zu wollen. Jetzt heißt es, den blutenden Leichen zu schwören, daß wir ihr Werk zu Ende führen werden, daß wir die Fahne der proletarischen Revolution an der Zinne der Zitadelle des Kapitalismus, auf dem Hause der verräterischen sozialpatriotischen Regierung hissen werden. Es steht uns noch ein langer Kampf bevor (...)

Am Tage, wo das, was sterblich war an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, der Erde zurückerstattet wird, darf kein klassenbewußter Proletarier in der Werkstatt bleiben und für das Kapital schuften. Jeder Proletarier, in dessen Adern noch Blut fließt, muß an diesem Tage heraus auf die Straße; ohne Waffen, friedlich sollen die proletarischen Massen die Straßen durchziehen, und aus ihren Kehlen soll der Ruf erschallen: Nieder mit der Regierung Ebert-Scheidemann, die die Kapitalisten schützt und die Vorkämpfer des Proletariats mordet. (...)

* Aus: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Bd.3, Berlin 1966, S.341f

 

 

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62 3601 0043 0433 4074 36., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!