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Karl Marx

Geschichte • Gegenwart • Zukunft

Über einen Besuch im Museum Karl-Marx-Haus Trier

Von Anna Heinzberger

Der 188. Geburtstag von Karl Marx ist gerade richtig um seine Geburtsstätte in Trier zu besuchen und sich seiner wahrhaft unvergänglichen Leistungen für die Arbeiterklasse besonders zu erinnern. Sein Werk, seine wissenschaftlichen Theorien sind im 21. Jahrhundert so frisch und aktuell, als hätte Karl Marx sie eigens für die gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse von heute geschrieben.

Träger des Karl-Marx-Hauses ist die sozialdemokratische Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Trägerschaft durch die FES hat eine gute und eine üble Seite. Die Gute besteht darin, dass derzeit keine marxistische Vereinigung über die materiellen Mittel verfügt, um ein solches Haus zu unterhalten. Die üble Seite besteht darin, dass das Museum ausgerechnet von einer antimarxistischen Partei geführt und betreut wird.

Das sozialdemokratische Übel begegnet einem dann auch auf Schritt und Tritt sowohl in der Ausstellung als auch im Begleitbuch der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Das Buch beginnt mit einem Geleitwort von Anke Fuchs, der Vorsitzenden der FES. Großspurig verkündet sie dort: „Der aufmerksame Besucher wird darin keine vorgefertigten Meinungen vorgesetzt bekommen, er wird nicht auf Interpretationen festgelegt, nicht indoktriniert, ganz im Gegenteil. Er wird vielmehr die notwendigen Informationen erhalten, die ihn befähigen sollen, sich selbst eine Meinung zu bilden – so oder so.“[1]

Weder die Ausstellung noch das Begleitbuch werden diesem Anspruch gerecht. In der Ausstellung sind an vielen Stellen vorgefertigte Meinungen, Interpretationen und Doktrin eingestreut, sozialdemokratisch - antimarxistische versteht sich. An einigen Zitaten aus dem Begleitbuch, die auch in der Ausstellung selbst erscheinen soll deutlich gemacht werden, um was es den Sozialdemokraten geht.

Für Antimarxisten, Opportunisten und Sozialdemokraten ist es ein zentrales Problem:

Wie die aktuelle Bedeutung der Theorien von Marx leugnen? Verschiedene Techniken kommen zur Anwendung:

in die Vergangenheit verlegen:

„ … wie die Folgewirkungen seines Werkes und Wirkens bis an die Schwelle unseres Jahrhunderts weltweit gewesen sind, …“ [2]

mit pauschalen Leerformeln versichern, dass die Theorien heute nicht mehr gültig sind:

„Die Antworten, die Marx in seiner Zeit gab, und andere Themen, die unter Berufung auf seinen Namen als Systeme entwickelt wurden, sind gewiss nicht mehr tragfähig.“ [3]

beiläufig behaupten, dass die Theorien zu einfach sind für die heutige Zeit:

„Eindimensionale Antworten auf aktuelle Herausforderungen kann es nicht geben.“ [4]

das Werk abwerten und die Anwendbarkeit der Theorie bestreiten:

„Auch Karl Marx mit seinem fragmentarischen Lebenswerk und seinem aus heutiger Sicht keineswegs geschlossenen theoretischen System kann nicht handlungsanleitend sein.“ [5]

Marx und sein Werk reduzieren auf anregendes, kritisches Denken:

„Wohl aber bleibt er ein Denker, dessen Gesellschaftskritik und dessen analytisches Instrumentarium in dem Sinn anregend bleiben, dass Gesellschaften gerade unter sich rapide wandelnden Bedingungen auch der fundamentalen Kritik bedürfen.“ [6]

Die Leiterin des Museums, Beatrix Bouvier, macht sich wirklich Mühe die Bedeutung und Aktualität von Karl Marx wegzuschreiben und kommt an keiner Stelle über Plattheiten, Behauptungen und dümmliche Vorurteile hinaus. Deutlich wird daran allerdings, wie notwendig Geschichtsfälschung und demagogische Sprüche für die Sozialdemokraten sind, um ihre wahre Funktion als Agenten des Kapitals zu vertuschen.

Heimtückische Fälschungen brachte die FES unter im Abschnitt „Die Spaltung der Arbeiterbewegung“.

„Mit einer kleinen Gruppe von Aktivisten organisierte er (Lenin A.H.) …, die   Oktoberrevolution 1917.“ [7]

Ein Teufelskerl, dieser Lenin. Fast ganz allein eroberte er ganz Russland, nach sozialdemokratischer Interpretation.

„Gleichzeitig hatte die gewaltsame Machtergreifung der Bolschewiki zum bewaffneten Widerstand geführt, der sich unterstützt von ausländischen Truppen in den weißen Armeen sammelte.“ [8]

Diese Sozialdemokraten haben nur manchmal aufgepasst im Geschichtsunterricht. Hier scheint ihnen der Nazibegriff  >Machtergreifung< angemessen zu sein. Und da es sich um die russische Oktoberrevolution handelt ist es in der sozialdemokratischen Geschichte natürlich eine gewaltsame Machtergreifung.

Bei den Räuber- und Mörderbanden der Zaristen und Kapitalisten (Weiße) handelt es sich dagegen um bewaffneten Widerstand. Insgesamt überfielen 14 Staaten mit ihren Armeen die junge Sowjetunion in diesem Zeitabschnitt. (England, Frankreich, USA, Polen, Deutschland, Japan, Tschechoslowakei, Italien, Serbien, Finnland, China, Griechenland, Rumänien, Türkei) In der sozialdemokratischen Geschichte ist das ein wenig Unterstützung des bewaffneten Widerstands.

„Lenins Konzentration aller wirtschaftlichen Kräfte im >Kriegskommunismus< hatte Hungernöte, Unruhen und Aufstände zur Folge. In einem langen brutalen Bürgerkrieg konnte die Rote Armee die Macht der Bolschewiki sichern.“ [9]

Diese zwei Sätze bieten eine raffinierte, geballte Ladung an Demagogie und Lügen.

Fakt ist, dass wirtschaftliche Kräfte des Landes auf die Abwehr der ausländischen Räuberheere und die Niederschlagung der zaristisch-kapitalistischen Raub- und Mordbanden konzentriert wurden. Die Sozialdemokraten machen daraus >Kriegskommunismus<. Sie erliegen dem gehässigen Reiz die Wörter Krieg und Kommunismus zu einem Begriff zu verbinden und bezwecken damit ganz offensichtlich Indoktrination. In ihrer Geschichte sind es nicht der Krieg, der Überfall der ausländischen Räuberheere und die Mordbanden der Weißen, die Hungersnöte auslösen, sondern es ist Lenins Kriegskommunismus. Hier waren Meister der vorgefertigten Meinung, der Fälschung und Indoktrination am Werk. Im Geleitwort beteuerte Frau Fuchs noch listig das Gegenteil. Sie entlarven sich selbst als gekaufte Agenten des Kapitals, als berufs- und gewohnheitsmäßige Falschmünzer.

Stalin wird in der sozialdemokratischen Zweckphantasie die Steigerung ins Absurde.

„Unter … Stalin wurden Führerherrschaft und Personenkult zum Merkmal der bolschewistischen Diktatur.“ [10]

Die Wortwahl ist ein anschauliches Beispiel für das „vorurteilsfreie, undoktrinäre“ Vorgehen der Geschichtsfälscher. Sie greifen tief in die Kiste der politischen Kampfbegriffe von Imperialisten und Nazis um ihr gewünschtes, verzerrtes Stalinbild zu zeichnen.

Auch im Jahre 2006, 53 Jahre nach Stalins Tod, sind bei den Maidemonstrationen in Russland noch immer zahlreiche Menschen zu sehen, die Stalinbilder tragen und diesen Erbauer des Sozialismus und Bezwinger der faschistischen Räuberheere ehren. Die Menschen erinnern sich durchaus noch der großartigen Leistungen auf ökonomischem, militärischem, politischem und kulturellem Gebiet, die die Sowjetmenschen mit Stalin an der Spitze von Partei und Staat vollbrachten. Dies trotz der gehässigen politischen Wühlarbeit von Verrätern wie Chruschtschow oder Gorbatschow während fünfzig Jahren. Der Aufbau des Sozialismus und vor allem der faschistische Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion hat den Menschen ungeheure Opfer abverlangt. Die Sowjetmenschen haben diese extremen Herausforderungen gemeistert.

Es sind genau diese großen, unvergänglichen Leistungen der Sowjetmenschen in der Epoche mit Stalin an der Spitze, die den besonderen Hass aller Sozialdemokraten, Imperialisten, und Faschisten anstacheln.

Die Leistungen und Erfolge können nicht geleugnet werden. Das ist der eigentliche Grund, warum die Ideologen des Kapitalismus versuchen aus Stalin ein Monster zu machen.

Zur Erreichung dieses Zwecks ist ihnen keine Lüge oder Fälschung zu schäbig oder zu plump.        

„Vor allem in der Phase der großen Säuberungen (1934-1938) wurden Weggenossen und Rivalen angeklagt, verurteilt und ermordet.“ [11]

In ihrem religiösen Eifer formulierten die sozialdemokratischen Ideologen den Widerspruch gleich mit in den Satz.

Sachverhalt ist, dass hohe Funktionäre wegen Vergehen gegen die Gesetze der Sowjetunion vor Gericht gestellt wurden. Dort wurden sie angeklagt und verurteilt. In einer Reihe dieser Urteile wurde die Todesstrafe verhängt. Diese Urteile wurden später von den Organen der Sowjetunion vollstreckt.

Hätte die Eiferer das Wort hingerichtet verwendet, statt ermordet, dann wäre der Satz zwar noch nicht wahr, aber er hätte seine Logik behalten. Das erschien ihnen wohl nicht wirksam genug für die beabsichtigte Indoktrination. So verstiegen sie sich dazu, Begriffe eines rechtsstaatlich, gesetzlich geordneten Verfahrens (angeklagt, verurteilt) mit dem Begriff einer Straftat (ermordet) zu kombinieren.

Dieser Satz ist Grundstein der Agitation aller Feinde des Sozialismus. Er erscheint ohne Beleg und Sachschilderung auch in der Schrift der FES. Für den unwissenden und flüchtigen Leser soll der Sachverhalt so erscheinen, als hätte sich Stalin aus persönlicher Machtgier hoher Parteifunktionäre und Rivalen entledigt.
Darum vermeiden die Ideologen und gekauften Schreiber des Kapitals jeden Hinweis auf den Inhalt der Anklagen, die Beweise und die öffentlichen Gerichtsverfahren. Die angestrebte Geschichtsfälschung wäre dann nur noch schwer möglich.

Der damalige Botschafter der USA in Moskau, Joseph Davies,  war bei allen Verhandlungen des Prozesses gegen Bucharin und andere anwesend. Davies war ein bekannter Rechtsanwalt und vertraut mit rechtsstaatlichen Verfahren.

Er schrieb in einer vertraulichen Botschaft an seinen Staatssekretär in Washington: „… denke ich, nachdem ich täglich die Zeugen und ihre Art Aussagen zu machen, aufmerksam beobachtet sowie die unbewußten Bestätigungen, die sich ergaben, und andere Fakten, die den Prozeß kennzeichneten, notiert habe, in Übereinstimmung mit anderen, dass das Urteil akzeptiert werden kann, und zwar was die Angeklagten angeht, dass sie nach dem sowjetischen Gesetz viele Verbrechen begangen haben und zwar Verbrechen, die durch Beweise belegt sind, ohne dass ein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass der Urteilsspruch, der sie des Verrats schuldig spricht, und das Urteil, das sie zur der durch die Strafgesetze der UdSSR vorgesehenen Strafe verurteilt, gerechtfertigt ist. Es ist der allgemeine Eindruck der Diplomaten, die dem Prozess beiwohnten, dass die Beweislage die Existenz einer äußerst ernsten Verschwörung ergeben hat.“ [12]

Es wurden also Verräter, Verschwörer, Saboteure, Attentäter und Terroristen angeklagt und verurteilt. In rechtsstaatlichen Verfahren!

Um diese Fakten machen die Ideologen und Fälscher einen großen Bogen und bauen darauf, dass ihre verlogenen Darstellungen von der Mehrheit der Menschen schon nicht anhand der zugänglichen Dokumente überprüft werden.

Weitere kleine und größere Fälschungen sind in der gesamten Ausstellung und dem Begleitbuch überall verstreut.

Die Ausstellung würdigt alle Verräter entsprechend ihrer antimarxistischen Bedeutung von Nagy, Gomulka, Dubcek über Walesa bis zu Gorbatschow.

Trotz aller offenen und versteckten Fälschungen gelingt es den sozialdemokratischen Ideologen nicht die Größe, aktuelle Bedeutung und richtungweisende Gültigkeit des Werkes von Karl Marx auszulöschen. An vielen Stellen kommen sie nicht an der Darstellung der Fakten vorbei.

Bei den anderen großen Marxisten, die mit besonderem Hass von den sozialdemokratischen Ideologen verfälscht werden, genügt häufig genaues und kritisches Lesen der Texte, um die plumpen Fälschungen zu erkennen.

Der Besuch des Museums hat sich gelohnt. Es ist angemessen, sich des großen Denkers der Arbeiterklasse an seinem 188. Geburtstag besonders zu erinnern und ihn mit einem Besuch an seiner Geburtsstätte zu ehren. Es verschafft Klarheit über die Agentenrolle, die die Sozialdemokratie während ihrer gesamten Geschichte seit Kautsky und Bernstein spielt. Und es verschafft Klarheit darüber, dass die Arbeiterklasse weder heute noch in Zukunft etwas anderes von der Sozialdemokratie zu erwarten hat als Verrat und Imperialismus.

Die Gegenwart und Zukunft der Arbeiterklasse liegt in der Besinnung auf die Schatzkammern mit Lehren, die ihr von Marx, Engels, Lenin, Stalin, Mao, Castro, Thälmann, Liebknecht, Luxemburg und vielen weiteren aufrechten Marxisten hinterlassen wurden.  

Anna Heinzberger



[1] Karl Marx (1818-1883) Leben – Werk – Wirkung bis zur Gegenwart  Ausstellung im Geburtshaus in Trier Bearbeitung des Katalogs: Beatrix Bouvier (Texte) und Mario Bungert (Bildauswahl). Herausgeber: Friedrich-Ebert-Stiftung  Brückenstraße 10, 54290 Trier, S. 5

[2] Ebenda S. 5

[3] Ebenda S. 7

[4] Ebenda S. 7

[5] Ebenda S. 7

[6] Ebenda S. 7

[7] Ebenda S. 90

[8] Ebenda S. 91

[9] Ebenda S. 91

[10] Ebenda S. 91

[11] Ebenda S. 91

[12] Zitiert nach: Ludo Martens, Stalin anders betrachtet, EPO-Verlag, 1998, Berchem, Belgien

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