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Auszüge
aus der "Niederschrift des Verhöres des SS-Standartenführers
Ziereis Franz, ehemaliger Lagerkommandant des Konzentrationslagers
Mauthausen" (24. Mai 1945)
Die
Einvernahme des Lagerkommandanten Franz Ziereis geschah in Anwesenheit
von Captain Lewi von der amerikanischen Armee und der ehemaligen Häftlinge
Dr. Toni Goszinski, Eugenius Pienta und Hans Marsalek. Die
"Niederschrift" entstand aus den bei dieser Einvernahme
gemachten Notizen und Stenogrammen. Die im Text aufscheinenden
Anmerkungen / Kommentare wurden von den ehemaligen Häftlingen Kurt Pany
und Hans Marsalek eingefügt. Die von Franz Ziereis angegebenen Zahlen
decken sich nicht in allen Fällen mit den Tatsachen.
Am
23. Mai 1945 um 18 Uhr wurde ich auf der Hütte am Pyhrn, bei Spittal,
durch amerikanische Soldaten während der Flucht verletzt. Mein Name ist
Franz Ziereis, geboren am 13. August 1905. Ich war der Kommandant des
Konzentrationslagers Mauthausen und den zugehörigen anderen
Konzentrationsnebenlagern. Bei meiner Flucht erhielt ich einen Schuß am
linken Oberarm und einen Schuß in den Rücken. Eine Kugel durchbohrte
den Bauch und die Bauchdecke. Ich wurde in das 131. Evakuationsspital (USA-Army
Hospital) in Gusen eingeliefert und will folgendes erklären:
Nach
Befehl des Reichsministers und Reichsführers-SS Heinrich Himmler sollte
ich alle Häftlinge im besonderen Auftrag des SS-Obergruppenführers Dr.
Kaltenbrunner umbringen. Die Häftlinge sollten in Stollen geführt
werden, die Türen der Stollen (4) sollten schon vorher vermauert werden
und nur ein Eingang offen bleiben. Dann sollte ich die Stollen in die
Luft sprengen. Ich habe mich geweigert, diesem Befehl Folge zu leisten.
Es handelt sich hier um die Häftlinge der Lager Gusen I und Gusen II.
Im
Lager Mauthausen wurde auf Anordnung des damaligen SS-Standortarztes,
SS-Hauptsturmführer Dr. Krebsbach, eine Vergasungsanstalt gebaut, die
als Baderaum getarnt war. In diesem getarnten Raum wurden die Häftlinge
mit Cyklon-B (Blausäuregas) vergast. Außerdem kursierte vom Lager
Mauthausen nach Gusen ein spezielles Auto, in dem während der Fahrt Häftlinge
vergast worden sind. Das Auto wurde von dem seinerzeitigen Leiter der
SS-Apotheke und späteren Lagerarzt des Frauenkonzentrationslagers
Ravensbrück, SS-Hauptsturmführer Dr. Wasitzki, in Auftrag gegeben. Ich
selber habe nie Gas in das Auto hineingelassen. Ich selber habe nur das
Auto auf der Strecke Mauthausen nach Gusen geführt, ich habe aber gewußt,
daß die Häftlinge auf der Fahrt vergast werden. Das Vergasen der Häftlinge
geschah auf Anordnung des SS-Standortarztes Dr. Krebsbach, der sich
meines Wissens jetzt in Kassel befindet.
Alles,
was wir exekutiert haben, wurde vom Reichssicherheitsamt oder vom
Reichsführer-SS oder vom SS-Obergruppenführer Heydrich, oder auch vom
SS-Gruppenführer Müller, aber auch von Dr. Kaltenbrunner, Chef der
Sicherheitspolizei, angeordnet.
Von
den letzten ungefähr 800 Häftlingen, die in Gusen II mit der Axt oder
mit Knüppeln erschlagen, teilweise auch ertränkt wurden, weiß ich
nichts. Ich habe den Befehl hierzu nicht gegeben. Auch von den 640 Häftlingen,
die zuletzt in Gusen I auf Block 31 durch die Häftlinge: Figel, Amelung
und Lisberg (letzterer war Blockältester des Blockes 15) auf Befehl des
Schutzhaftlagerführers, SS-Hauptsturmführer Fritz Seidler und Rapportführer
Michael Killermann, vergast wurden, weiß ich nichts. Die Häftlinge
(sie wurden alle nach der Befreiung durch die amerikanischen Truppen von
den anderen Häftlingen erschlagen), die diese Vergasung durchgeführt
hatten, mußten diese Vergasung durchführen, da ihnen gesagt worden
war, sie würden, falls sie es nicht tun, nicht mehr aus dem Lager
herauskommen.
Wo
der SS-Oberscharführer Jaentzsch ist, der in Gusen I ungefähr 700 Häftlinge
ermordet hat, indem er sie bei 12 Grad Frost, nachts unter eiskaltem
Wasser 1 bis 2 Stunden stehen ließ, weiß ich nicht. Ich weiß auch
nicht, wo sich Dr. Kiesewetter, Lagerarzt in Gusen I, der mehrere
hundert Häftlinge durch intravenöse Spritzen mit Benzin, Wasserstoff
(40 ccm), Kalzium-Sulfuricum, Eunargon und Evipan getötet hat,
befindet.
Dr.
Richter, SS-Obersturmführer, welcher mehrere hundert Häftlinge ohne
jeglichen Grund operierte und ihnen teilweise das Gehirn ausgeschnitten
hat oder Magenoperationen, Nieren- und Leberoperationen zu
Studienzwecken durchgeführt hat, wurde von mir in das Lager Gunzkirchen
geschickt, mit dem Auftrag, die dortigen Insassen in ärztliche Obhut zu
nehmen. Ich weiß auch nichts davon, daß der SS-Untersturmführer
Miroff, der im Lager Pongau war, 15 kranke Häftlinge erschossen hat.
Obwohl
alle Prügelstrafen von Berlin bestätigt sein mußten, habe ich oft,
sogar sehr oft, persönlich aus Wollust Häftlinge aufs Gesäß
geschlagen.
SS-Gruppenführer
Glücks hat die Anordnung gegeben, schwache Häftlinge als geisteskrank
zu bezeichnen und sie in einer großen Anlage durch Gas umzubringen.
Dort wurden ungefähr 1 bis 1 1/2 Millionen Häftlinge vernichtet. Die
Vernichtungsstelle heißt Hartheim und liegt ungefähr 10 km von
Linz/Donau entfernt in der Richtung Passau. Im Lager wurden diese
vergasten Häftlinge als "normal verstorben" gemeldet. Die
Todesmeldungen der noch lebenden Häftlinge, die sich bereits auf dem
Transport befanden, wurden schon vorher in der politischen Abteilung des
Konzentrationslagers Gusen ausgestellt.
Ich
möchte dem Reichsführer-SS und dem SS-Obergruppenführer Pohl gegenüber
gestellt werden. Pohl oder Glücks sollen sich augenblicklich bei St.
Lambrecht in der Krevenzenhütte im Gebirge befinden.
Die
Vergasungsanstalt Mauthausen wurde auf Anordnung des SS-Gruppenführers
Glücks gebaut, da dieser behauptete, daß es menschlicher sei, die Häftlinge
zu vergasen statt zu erschießen.
SS-Obergruppenführer
Pohl schickte mir eines Tages ohne vorherige Benachrichtigung 6.000
Frauen und Kinder, die 10 Tage ohne Verpflegung auf dem Transport waren.
Sie wurden im Winter 1943 in offenen Kohlenwaggons ohne Decken
transportiert. Die Kinder habe ich auf Befehl von Berlin, nach
Bergen-Belsen (KZ) in Marsch setzen müssen. Wie ich vermute, sind sie
alle gestorben. Das war mit ein Grund für meinen nervösen
Zusammenbruch.
Ein
Transport von 2.500 Häftlingen kam vom Konzentrationslager Auschwitz
nach Mauthausen und wurde, auf Befehl von Berlin, im Winter auf dem
Appellplatz mit kaltem Wasser bespritzt (gebadet). Ich mußte diesen
Transport dann nach Gusen senden, auf einen Weg von ungefähr fünf
Kilometer Länge. Die Häftlinge hatten keine Kleidung, außer
Unterhosen. Ich habe um Kleidung für die Häftlinge gebeten, bekam
jedoch die Antwort von Berlin, daß man die Häftlinge, wenn nichts da
sei, auch nackt hinschicken solle. Ich habe die Häftlinge also nur mit
Unterhosen bekleidet nach Gusen geschickt. Dies ist x-mal der Fall
gewesen.
Der
Gauleiter Eigruber hat mir die Verpflegung für alle neuen Zugänge und
schwachen Häftlinge versagt und hat sogar angeordnet, daß ich 50 % der
für den Winter vorbereiteten Kartoffel an den Gau abgeben mußte. Der
SS-Gruppenführer Glücks war derjenige, der den Befehl herausgab,
diejenigen Häftlinge, die im Krematorium arbeiten, nach Gusen zu
senden, um sie dort mit Genickschüssen zu erledigen. Sie hatten schon
in Auschwitz im Krematorium gearbeitet und konnten darüber Auskunft
geben. Es existiert ein geheimer Befehl, daß das "Krematorium-Kommando"
alle drei bis vier Wochen zu erschießen war. Auch war ein geheimer
Befehl vorhanden, alle gefangenen Ärzte und Sanitäter, die im Revier
arbeiteten, umzulegen. Ich habe die Ausführung verweigert. Diesen
Befehl hat der SS-Standartenführer Dr. Lolling an die SS-Ärzte
herausgegeben. Ich habe es aber, als es mir vertraulich mitgeteilt
wurde, verboten. Auch andere Häftlinge, die im Revier beschäftigt
waren, sollten in andere Lager versetzt und dort umgebracht werden. Dr.
Wolter, welcher zuletzt als SS-Standortarzt in Mauthausen fungierte, hat
es aber verweigert. Er befindet sich jetzt in Ebensee und ist an
Fleckfieber erkrankt.
[...]
In
Anwesenheit der Gauleiter Rainer, Dr. Uiberreiter, Dr. Jury, Baldur von
Schirach und anderen, habe ich von Reichsführer-SS Himmler folgenden
Befehl erhalten: Die Juden vom Stellungsbau "Südosten" müssen
zu Fuß aus allen Orten in Bewegung gesetzt werden mit dem Ziel
Mauthausen! 60.000 Juden sollten in Mauthausen ankommen. Es ist aber nur
ein geringer Bruchteil davon angekommen. Als Beispiel führe ich an: ein
mit 4.500 Juden abgegangener Transport kam nur mit 180 Häftlingen an.
Von welchem Ort dieser Transport abgegangen ist, weiß ich nicht. Frauen
und Kinder waren ohne Schuhe, in Lumpen gehüllt und verlaust. Bei dem
Transport befanden sich ganze Familien. Unzählige waren auf dem Wege
wegen allgemeiner Körperschwäche erschossen worden. (Ziereis stellt
hier mit gespielter Entrüstung fest: "Das sind die Folgen solcher
Befehle.")
Allein
bei einem Transport von 5.000 Juden vom Zeltlager Mauthausen in das
Lager Gunzkirchen, wurden auf der kurzen Strecke von vier Kilometern,
Lager Mauthausen - Eisenbahnbrücke Mauthausen, nicht weniger als 800
tote Menschen, die erschossen worden waren, gezählt. Mehrere
Lastkraftwagen mußten zum Abtransport der Leichen benutzt werden. (Die
gesamte Bevölkerung Mauthausens war Zeuge dieser Massenerschießung.)
[...]
Ziereis
wünscht jetzt, daß seine Frau möglichst schnell zu ihm kommt und
schreibt folgenden Brief an sie:
Liebe
Frau!
Ich
wurde am 23.5.1945, während Du einholen warst, von den Amerikanern
gestellt und verhaftet. Ich legte meine Pistole hinter einen Baum, der 4
m von der Hütte entfernt ist, etwa Richtung Mitte Hütte, entlang des
Weges, der am Bach entlang in Richtung Liezen führt. Ich bitte Dich,
den Herren, die Dich vernehmen werden, die reine Wahrheit zu sagen.
Insbesondere bitte ich Dich, das wahre Bild der Berliner Vorgesetzten
wiederzugeben, und meinen Entschluß kundzutun, Du weißt ja, daß wir
gemeinsam in den Tod gehen wollten, um unseren Kindern eine bessere
Zukunft zu sichern. Bei der Verhaftung gingen mir die Nerven durch, ich
legte meine Pistole an den bezeichneten Baum, obwohl ich die Pistole als
Meisterschütze gebrauchen konnte. Die Amerikaner haben sich einwandfrei
benommen und meine Flucht mit der Waffe vereitelt. Ich wurde zweimal
getroffen und konnte mich nicht mehr erheben. Ich befinde mich jetzt im
amerikanischen Krankenhaus in Gusen. Ich habe bei meiner Verhaftung bzw.
Vernehmung ausgesagt, was mir auf Grund meiner Verletzung überhaupt möglich
war. Ich habe noch Einzelheiten, die mir noch nach und nach einfallen
werden, zu berichten. Bitte komme und sage den Herren, wie schäbig sich
die Berliner einschließlich des Reichsführers-SS verhalten haben. Sage
den Herren, wie sich insbesondere der SS-Obergruppenführer Pohl gemein
verhalten hat. Dein Dich liebender
Franz
[...]
Ziereis
berichtet weiter: Ich weiß noch Einzelheiten von anderen Lagern. Im
Jahre 1941 wurden sämtliche Kommandeure der Konzentrationslager nach
Sachsenhausen befohlen, um zu sehen, wie man am schnellsten die
eingelieferten Politruks und SU-Kommissare liquidieren könnte. In einer
abgeteilten Baracke wurden an einem Kopfende die Kommissare und
Politruks versammelt und bei einem laut heulenden Radioapparat einzeln
durch einen dunklen Gang in die Hinrichtungshalle geführt. Auf der
gegenüberliegenden Seite der Baracke war eine aufgeschlitzte Latte,
hinter der sich eine bewegliche Auflegevorrichtung für Gewehr und
Pistolen befand. Aus diesem Schlitz heraus wurde durch Einstellung die
Hinrichtung vollzogen. (Genickschuß!) Die SS-Führer des Stabes Glücks
waren meist betrunken. Die Erfindung wurde selbst von SS-Oberführer
Loritz ersonnen. Hinter den Delinquenten standen SS-Oberscharführer,
die nach dem Schuß die Leiche auf ein Brett warfen und, während die Türen
von außen geöffnet wurden, die Leichen auf Haufen schlichteten. Es
waren 8 fahrbare Krematorien gegenüber dem Leichenraum ständig in
Betrieb. Die Tagesleistung schwankte zwischen 1.500 und 2.000
Verbrennungen. Nach meiner Schätzung dauerte diese Aktion mindestens 5
Wochen. Als wir Kommandanten kamen, war die Prozedur bereits etwa 14
Tage im Gange.
In
"Groß-Rosen" wurden Häftlinge vom Lagerarzt durch intravenöse
Einspritzungen mit einer Cyankalilösung getötet. Der Lagerführer war
SS-Hauptsturmführer Arthur Kögel.
In
"Buchenwald" war ich, als ich noch bei der Truppe Dienst
leistete, Zeuge, wie den jüdischen Häftlingen alle Wertsachen und
alles Geld abgenommen wurde. Dort haben sich als SS-Führer besonders
der Obersturmführer Hackmann und der Untersturmführer Meyer, der ein
weitschichtiger Verwandter des Reichsführers-SS Himmler war,
hervorgetan. Jeder schaffte sich sofort ein großes Auto an, Hackmann
ging nur mehr mit Cut und Zylinder und gestohlenen Brillanten an den
Fingern herum und Meyer äffte diese Handlungen nach. Der Arrestaufseher
von Buchenwald machte größere Unterschlagungen und fuhr mit einem
Auto, in dem sich eine nackte Frau befand, nach Erfurt, wo er Zechen bis
5.000 Mark machte.
Der
Lagerkommandant, SS-Sturmbannführer Koch war ein Syphilitiker und ließ
sich von einem Häftlingsarzt behandeln, den er dann später durch einen
SS-Arzt kaltblütig ermorden ließ.
Mit
dem Vermögen der jüdischen Häftlinge wurde ein bedeutender Handel
getrieben. Eine Schlafdecke im Wert von RM 2.20 wurde an die Häftlinge
für RM 100,- verkauft. Bei sogenannten "Lagerkontrollen"
wurden diese Decken einfach wieder als "unerlaubtes Gut"
abgenommen.
Der
seinerzeitige Lagerarzt, SS-Sturmbannführer Dr. Kirchner, hatte in
seiner Eigenschaft als Psychiater eine große Anzahl Häftlinge
beseitigt, unter der Voraussetzung der "geistigen
Minderwertigkeit". Die ganze Aktion wurde unter dem Aktenzeichen 14
f 13 durchgeführt, angeblich zwecks Verhütung erbkranken Nachwuchses.
Die
Häftlinge aus Buchenwald, aus Dachau und zum Teil von Mauthausen wurden
von einer Berliner Kommission, deren Vorsitzender SS-Hauptsturmführer
Dr. Lonauer war, ausgemustert und der Landesanstalt Hartheim bei
Linz/Donau zugeführt.
Hier
bemerkt Ziereis, daß die Zuführung der ganzen Aktion nicht in Händen
der SS lag, lediglich Dr. Lonauer (Linz) und Dr. Reinaud seien SS-Führer,
alle anderen Teilnehmer seien von der Polizei gewesen. (Anmerkung:
Entspricht nicht den Tatsachen, denn auch der berüchtigte Dr.
Krebsbach, sowie Dr. Kiesewetter und Dr. Richter haben als Ärzte an den
Untersuchungen mitgewirkt oder davon gewußt und darüber gesprochen).
Auf eine Frage, wer alles dafür ausgesucht worden ist, kann Ziereis
keine näheren Angaben machen. (Anmerkung: Tatsache ist, daß z.B. bei
den Spaniern, die für diese Vernichtungsaktion ausgesucht wurden, der
Vermerk in die Einlieferungsakte kam: "Rotspanier". Auch
wurden Häftlinge, die sich bei der SS unbeliebt gemacht hatten in diese
Aktion einbezogen unter dem Einlieferungsvermerk: "geistig
minderwertig", "Homosexueller" oder
"Berufsverbrecher".)
Auf
die Frage, wieviele Häftlinge wohl der Anstalt Hartheim zugeführt
worden sind, sagt Ziereis aus: Nach meiner Schätzung wurden vom Bereich
Mauthausen in eineinhalb Jahren ungefähr 20.000 Häftlinge zusammen mit
den wirklich Geisteskranken der Vergasung zugeführt. Da ich die
verschiedenen Aktenstapel der Verstorbenen in den Kellern an
verschiedenen Orten gesehen habe, schätze ich ungefähr 400.000
vergaste Menschen aus allen Richtungen. Auf den Namen des
Polizeihauptmannes, der diese Aktion leitete, kann ich mich nicht mehr
erinnern. Er ist später in Kroatien gefallen. Zuerst wurde die Asche
der Verstorbenen hinter der Anstalt aufgespeichert und nach Einstellung
der Aktion mit Lastkraftwagen in die Donau gefahren. Die Einstellung der
Aktion soll angeblich Hitler selbst befohlen haben, weil infolge der
oberflächlichen und schlampigen Benachrichtigung der Angehörigen vom
angeblich normalen Tode des Verstorbenen, die Beileidschreiben über den
erfolgten Tod und die Asche gleich zwei und drei Mal zugeschickt wurden
und hunderte Reklamationen seitens der Angehörigen erfolgten.
In
"Auschwitz" hat der Sonderbeauftragte des Reichsführers-SS,
der die Goldtransporte durchzuführen hatte - Zahngold verstorbener Häftlinge
und die Goldmengen, die den jüdischen Häftlingen abgenommen wurden -
40 Kilo Gold unterschlagen.
In
fast allen Lagern wurden die Haare der Frauen, Kinder und Männer
geschoren, um Material für Filzstiefel zu bekommen. Bei den Männern
wurde lediglich ein Streifen in Haarmaschinenbreite als Sicherungsmaßnahme
gegen Flucht belassen.
Im
Jahre 1941/42 wurden nach Mauthausen holländische Juden gebracht. Am
31.5.1943 war Himmler in Mauthausen und ordnete an, daß sämtliche
Juden schwere Granitsteine über die hohe Steintreppe vom Steinbruch
Wienergraben ins Lager hinaufschleppen sollten. Bei dieser Aktion gingen
in kurzer Zeit sämtliche Juden freiwillig über die 50 m hohe Steinwand
hinunter und blieben mit zerschmetterten Körpern unten liegen.
(Anmerkung: Seit dieser Zeit hieß diese Stelle allgemein im Lager
"der Judensprung") Kurze Zeit später kam Glücks nach
Mauthausen. Ich habe Glücks diesen Befehl Himmlers mitgeteilt und
gebeten, die Aktion einstellen zu dürfen, da sämtliche im Steinbruch
beschäftigten Zivilisten und die Leute der Umgebung diese Vorfälle
sehen könnten. Ich bat um eine Vorsprache beim Reichsführer. Nach 12
Stunden bekam ich einen telefonischen Anruf des SS-Obersturmbannführers
Liebehenschl, der mir mitteilte, daß auf Befehl des Reichsführers-SS
gegen diese Aktion keine Einwendung gemacht werden dürfe.
Drei
Monate später trafen in Mauthausen ungefähr 1000 tschechische Juden
ein. Damals betrug die normale Sterblichkeit kaum 3 %. Die Vorgesetzten
in Berlin hielten dies für viel zu wenig. Eines Tages rief Liebehenschl
von Berlin an und fragte, was denn in Mauthausen eigentlich los sei und
warum er keine Todeszahlen mehr bekäme. Ich gab ihm zur Antwort, daß
ich die Häftlinge für die Arbeiten in den Rüstungsbetrieben brauche.
Von dieser Zeit an wurde mir von Berlin aus mißtraut und ich hatte
einen Anstand nach dem anderen. (Anmerkung: Ziereis avancierte jedoch
innerhalb kurzer Frist bis zum SS-Standartenführer!)
Quelle:
Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (2721)
Quelle:
http://www.mauthausen-memorial.gv.at/Geschichte/05.03.Ziereis-Protokoll.html
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