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Aus der Geschichte der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung |
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Geschichte |
Eine Woche vor der Befreiung des Lagers werden auf Befehl des Gauleiters "Oberdonau", Eigruber, 42 politische Häftlinge aus Linz und Umgebung vergast: „die Hinrichtung sei durchzuführen, damit die Alliierten in den Alpengauen keine aufbauwilligen Kräfte vorfinden.“ Eigrubers
Befehl zur Ermordung der Antifaschisten
Nur
einer kam davon... Quelle:
Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen, Hans Marsalek In
den letzten Apriltagen zeigte sich der vielfache Judenmörder Ziereis öfters
ostentativ in der Gesellschaft eines jüdischen, etwa zehnjährigen Knaben, dem
er Maßkleidung und ein riesiges Modellflugzeug anfertigen ließ. Bereits im März
1945 hatte er u.a. angeordnet, daß alle kranken Juden im Krankenlager bevorzugt
behandelt werden sollen. Die kranken jüdischen Häftlinge sollten ein eigenes
Bett und die Vollverpflegung der arbeitenden Häftlinge auf Kosten der
„arischen“ Kranken erhalten. Dieser Befehl wurde vom Häftlingspersonal
sabotiert, doch konnte nicht verhindert werden, daß die kranken Nichtjuden drei
Tage lang fast kein Essen, zumindest kein Brot erhielten. (1). Auf
Grund dieser Veränderungen war in den letzten Apriltagen vielen Häftlingen
klar, daß jeder, der nicht noch verhungern oder an einer Krankheit sterben
werde, die jahrelang ersehnte Befreiung bald erleben müßte. Ungeduldig wurden
die letzten Tage der SS-Herrschaft abgewartet. Doch
da erteilte am 27. April 1945 der Gauleiter Eigruber den Auftrag, die aus Oberösterreich
stammenden und im Herbst 1944 ins Hauptlager überstellten Antifaschisten sofort
zu liquidieren. Im entsprechenden Fernschreiben wurde u.a. angeführt „die
Hinrichtung sei durchzuführen, damit die Alliierten in den Alpengauen keine
aufbauwilligen Kräfte vorfinden.“ Der 2. Schutzhaftlagerführer Altfuldisch
war es, der diesen Exekutionsauftrag den beiden Häftlings-Lagerschreibern eröffnete
und ihnen nach einer offen geführten Aussprache aus opportunen Gründen
zusicherte, die befohlene Hinrichtung zu sabotieren. Doch
schon wenige Minuten nach seinem Versprechen erschien in der Lagerschreibstube
ein mit Handmaschinengewehren ausgerüstetes SS-Kommando, das aus SS-Hauptscharführer
Johann Spatzenegger, SS-Oberscharführer Andreas Trumm und ein oder zwei
SS-Angehörigen bestand. Spatzenegger verlangte die sofortige Vorführung der
Oberösterreicher. Vom Lagerschreiber Pany wurde ihm gesagt, daß sich die Oberösterreicher
nicht im Häftlingslager befänden und weiters, daß die beiden SS-Führer Georg
Bachmaier und Altfuldisch den Befehl erteilt hätten, die Hinrichtung nicht
heute zu vollziehen. Bachmaier
wurde deshalb genannt, weil er innerhalb der SS mehr Autorität besaß als
Altfuldisch und weil dem Lagerschreiber bekannt war, daß er an diesem Tage
nicht mehr im Lagerbereich anzutreffen sein werde. Mit dieser Antwort gab sich
Spatzenegger widerwillig zufrieden und bemerkte, er werde die Angelegenheit mit
Bachmaier klären. Der zweite Lagerschreiber benachrichtigte sodann die
Mitglieder des Internationalen Mauthausen-Komitees (IMK). Eine
schwerwiegende und wegen der akuten Zeitnot rasche Entscheidung war zu treffen.
Man mußte sich schlüssig werden, in welchem Umfange und in welcher Art den
Oberösterreichern geholfen werden konnte. Einzelne Mitglieder des IMK plädierten
für einen sofortigen allgemeinen Aufstand. Die absolute Mehrzahl verwarf jedoch
dieses Ansinnen, weil ein solcher Aufstand einer längeren Vorbereitungszeit und
der Lösung vieler spezieller militärischer und organisatorischer Probleme
bedurfte. Einerseits war nicht genügend Zeit zur Verfügung und andererseits
war die Masse der Häftlinge nicht bereit, bei einem Aufstand mitzuwirken, weil
sie wußten, daß binnen weniger Tage die Befreiung einsetzen werde und die SS
nicht mehr die Kraft besaß, alle Häftlinge zu töten. Schließlich mußte noch
berücksichtigt werden, daß bei einem allgemeinen Aufstand mit Abertausenden
von Opfern zu rechnen gewesen wäre, denn allein im Haupt- und Krankenlager gab
es etwa 10.000 Kranke, die zu keiner Aktion fähig waren. Deshalb
erteilte das IMK den Lagerschreibern die Anweisung: „Um der Hinrichtung zu
entgehen, mögen die Todeskandidaten in der folgenden Nacht im Schütze der
Dunkelheit aus dem Lager flüchten und sich bis zum Eintreffen der Alliierten in
den nördlich vom Lager befindlichen Wäldern verstecken. Die in der
Lagerschreibstube vorhandenen Waffen sind ihnen zur Verfügung zu stellen. Die
Flucht möge im nördlichen Teil des Lagers, in der Straße zwischen den
Baracken 10 und 15 durchgeführt werden.“ Nicht
lange nach diesem Beschluß erschien Spatzenegger mit seiner Suite zum zweiten
Male im Häftlingslager. Er vermutete eine Intrige, da er erfahren hatte, daß
sich Bachmaier an diesem Tag nur kurze Zeit im Lager aufgehalten hatte, und zwar
noch vor dem Eintreffen des Liquidierungsauftrages. Spatzenegger wollte wissen,
wann Bachmaier die Verschiebung der Hinrichtung angeordnet hätte. In der
Lagerschreibstube entstand eine gefahrvolle Situation. Da die beiden Schreiber
konsequent auf ihrem Standpunkt verharrten und sich weigerten „entgegen einer
Weisung des l. Schutzhaftlagerführers Bachmaier zu handeln“, kam es zu keiner
Vorführung der Oberösterreicher. In
den späten Nachmittagsstunden erschien im Lagerbereich ein Beamter der Linzer
GESTAPO und urgierte die Hinrichtung. Spatzenegger, der weder Bachmaier noch
Altfuldisch finden konnte, begab sich nun zum dritten Male mit SS-Angehörigen
in die Schreibstube und verlangte, unter Hinweis auf die Betreibung der Linzer
Gestapo, die Vorführung der Todeskandidaten. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich
alle Oberösterreicher in ihrer Baracke 10. Von Spatzenegger bedroht und bedrängt,
lief der 2. Lagerschreiber in die Schutzhaftlagerführerkanzlei zum
SS-Oberscharführer Josef Kirsch. Dieser Unteroffizier, der seit mehreren Wochen
mit den Häftlingen der Lagerschreibstube konspirierte, wurde gebeten, er möge
gegenüber Spatzenegger die Angaben der beiden Lagerschreiber bezüglich der
angeblichen Weisung Bachmaiers bestätigen. Das tat Kirsch. Wutentbrannt verließ
Spatzenegger nun zum dritten Male — ohne seinen Auftrag erfüllen zu können
— die Lagerschreibstube. Erst
jetzt konnten Beauftragte des IMK die Oberösterreicher in ihren Unterkünften
informieren, in welcher Gefahr sie schwebten. Zugleich wurde die Möglichkeit
ihrer Rettung eingehend besprochen. Die
meisten Todeskandidaten konnten nicht glauben, daß sie noch so kurz vor der
Befreiung sterben sollten. Viele erfaßte eine Niedergeschlagenheit. Die
Nachricht von ihrer Hinrichtung versetzte sie in einen Zustand der Lethargie.
Aus allen Gesichtern sprach lähmendes Entsetzen. Das Hungerdasein und die
Schwere der Lagerbedingungen zerbrachen ihren Widerstandswillen. Es fehlte ihnen
die Kraft, das Risiko einer Flucht auf sich zu nehmen. Erst
nach einer leidenschaftlichen Diskussion über die Ausweglosigkeit ihrer Lage
erklärten sie sich bereit, in der kommenden Nacht zu flüchten. (2). Spätabends
wurden dann aus einem Versteck der Lagerschreibstube drei Pistolen samt Munition
sowie etwa sechs oder acht französische Eierhandgranaten hervorgeholt und dem
Anführer Sepp Teufel (3) ausgefolgt. Beschlossen wurde, daß die Flüchtenden
Tische und Decken aus ihren Unterkünften heraustragen und die Tische beim
Stacheldrahtzaun auf der vereinbarten Stelle aufstellen sollten. Die
Decken, über den Draht gehängt, sollten sie vor Verletzungen schützen.
Mittels bereitgestellter Eisenstangen sollte ein Kurzschluß der
Starkstromleitung herbeigeführt werden. Letzteres war jedoch nicht mehr nötig,
da der Starkstrom in dieser Nacht ausgeschaltet war; dies war den Flüchtenden
unmittelbar vor der Flucht mitgeteilt worden. Wenige Minuten nach Mitternacht
trugen einzelne Oberösterreicher Tische und Decken zum Drahtzaun. Manche sahen
vor und in der Baracke unschlüssig zu oder debattierten mit dem Blockältesten,
der sie am Heraustragen der Gegenstände zu hindern suchte. Anstatt, wie
besprochen, rasch zu handeln, vollzog sich der gesamte Vorgang in einem
nervenzerreißenden Zeitlupentempo. Als endlich die ersten Häftlinge die Tische
bestiegen, feuerte ein außerhalb des Lagers in der Nähe des Stacheldrahtzaunes
stehendes Bewachungsorgan einen Schuß ab. Dieser
einzige Schuß versetzte die Flüchtenden neuerlich in kopflose Ratlosigkeit und
Resignation. Plötzlich drehten sie sich um und liefen, von panischer Angst erfaßt,
in ihre Baracke zurück. Die Tische blieben stehen, wo sie hingestellt worden
waren, die Decken blieben auf dem Boden liegen. Während des Laufens warfen sie
Pistolen, Munition und die nicht entsicherten Eierhandgranaten weg. Obwohl
mehreren von ihnen nochmals gesagt wurde, sie müßten am folgenden Tag mit
ihrer Hinrichtung rechnen, waren sie nicht zu bewegen, die Flucht zu
wiederholen. Sie konnten einfach nicht an ihren bevorstehenden Tod glauben! Inzwischen
erschienen, durch den Schuß alarmiert, einzelne SS-Angehörige im Häftlingslager.
Sie wurden von den Häftlingen der Lagerschreibstube abgefangen und beruhigt. In
dieser Situation mußten Tische und Decken (diesmal mit Hilfe des Blockältesten)
in die Baracken zurückgebracht und vor allem die verstreuten Waffen und
Munition eingesammelt werden. Das Einsammeln der Waffen und Munition erfolgte
beim Schein einer Taschenlampe von Beauftragten des IMK. Wehe den Häftlingen,
wenn die SS erfahren hätte, daß sich im Häftlingslager Waffen befanden. Noch
in der gleichen Nacht beschlossen die in der Baracke 15 versammelten Mitglieder
des IMK den Oberösterreichern den Rat zu erteilen, sich gleich nach dem
Morgenappell einzeln oder mit Hilfe der Schreiber in das Krankenlager zu
begeben. Nur dort bestand zumindest für Einzelne die Möglichkeit, sich zu
verstecken, weil die SS fürchtete, das an Typhus verseuchte Lager zu betreten. Nur
der Welser Richard Dietl nutzte unmittelbar nach dem Frühappell diese Möglichkeit
und konnte sich dadurch als einziger retten. Die anderen 33 Oberösterreicher
wurden von Spatzenegger und Trumm (4) abgeholt und am 29. April 1945 mittag in
der Gaskammer ermordet. Es war die letzte Vergasungsaktion und die vorletzte
Hinrichtung. Am
darauffolgenden Tag wurden die technischen Vorrichtungen der Gaskammer
abmontiert. Die letzte Hinrichtung in Mauthausen erfolgte am 2. Mai 1945. Acht Häftlinge
des Gusener Krematoriums sind in Mauthausen und drei vom Hauptlager in Gusen
erschossen worden. Anmerkungen: 1
Am 24. März 1945 gab es im Krankenlager 5.833 „Arier“ und 1.846 Juden,
insgesamt 7.670 Kranke, diesen standen genau 1.760 Liegestätten zur Verfügung,
so daß nicht einmal alle jüdischen Häftlinge ein eigenes Bett erhalten hätten
können. Die Nichtjuden hätten auf der Erde, auf den Gängen und vor den
Baracken liegen müssen. 2
Zu diesem Zeitpunkt versahen vielfach ältere Soldaten der Luftwaffeneinheiten
den Bewachungsdienst. Sie wurden größtenteils gegen ihr Zutun zur SS
eingezogen und haben oft ihren Widerwillen gegen die SS und den Dienst im KLM
zum Ausdruck gebracht. 4
Spatzenegger und Trumm wurden von einem amerikanischen Militärgericht im Jahre
1946 in Dachau zum Tode verurteilt und am 27. Mai 1947 hingerichtet. http://www.kzverband-ooe.at/initiativen/dokuteufl/eigruberbefehl.htm |
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