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Begründung
des Nero-Befehls
Adolf Hitlers vom 19. März 1945 zum
deutschen Volk (zu Albert Speer):
„Es
ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das Volk zu seinem
primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im
Gegenteil, es ist besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn
das Volk hat sich als das schwächere erwiesen. Was nach dem
Kampf übrigbleibt, sind ohnehin nur die Minderwertigen.” |
DER
DEUTSCHE IMPERIALISMUS UND DER PLATZ DES FASCHISMUS IN SEINEM
HERRSCHAFTSSYSTEM HEUTE
Von
Kurt Gossweiler, Januar 2005
Quelle:
Kurt-Gossweiler,
politisches Archiv
In
Deutschland sind die „Braunen” wieder im Vormarsch. NDP und DVU
haben wieder Abgeordnete in einigen Länderparlamenten. Droht ein neuer
Faschismus, fragen sich viele voller Besorgnis. Man erinnert sich an
Parallelen aus den Jahren der Weltwirtschaftskrise. Da schnellten im
Jahr 1930 die Zahl der Naziwähler, die 1928 noch unter einer Million
lag, auf 6,4 Millionen hoch, und die NSDAP wurde aus einer kleinen
Splitterpartei mit einem Schlage zur zweitstärksten Partei nach der
SPD, die 8,5 Millionen Stimmen erhalten hatte.
Wo
es den braunen Demagogen gelingt, wieder Masseneinfluß zu erlangen, und
das gar noch besonders unter Jugendlichen, da ist in der Tat Grund
genug, Alarm zu schlagen; denn der Faschismus ist keine politische Strömung,
sondern ein Verbrechen – in welcher Gestalt er auch immer auftritt,
nicht nur als Faschismus an der Macht, sondern auch als „Bewegung”,
Partei, „Kameradschaften” oder „rechts-rock-bands”; zu ihrer
Alltagspraxis gehört die Propagierung von und die Aufstachelung zu
Verfolgung, Drangsalierung und Totschlag von „Zecken” und die
Umsetzung all dessen durch Überfälle bis zum brutalen Mord an
Antifaschisten, Ausländern, Behinderten, Obdachlosen, also an den auch
vom Staat Diskriminierten, Verfolgten, an den Schwächsten und
Hilflosesten der Gesellschaft.
Wahr
ist aber auch, dass die wenigsten Jugendlichen, die sich von der
Nazidemagogie einfangen lassen, den verbrecherischen Charakter der
faschistischen Ideologie und Praxis erkennen. Aber sie laufen Gefahr, je
länger sie der faschistischen Ideologie ausgesetzt sind und je tiefer
sie in die faschistische Praxis hineingezogen werden, desto mehr
brutalisiert und entmenschlicht zu werden, und somit eben zu echten
Nazis.
Daraus
ergibt sich aber für uns, die Antifaschisten, dass wir den Kampf gegen
den Faschismus nicht nur als Abwehrkampf gegen den faschistischen Terror
führen müssen – das natürlich auch!, – sondern auch – und das
mit großer Kraft – als Kampf um die Verführten, durch Aufklärung über
das wirkliche Wesen des Faschismus und darüber, welcher Weg tatsächlich
einzuschlagen ist, um das deutsche Volk in eine bessere Zukunft zu führen.
Ich
wünschte mir, es könnte gelingen, in den Geschichtsunterricht an allen
Schulen die Behandlung des sogenannten „Nero-Befehls” Hitlers
obligatorisch einzuführen – zeigt der doch deutlicher als alle unsere
Beschreibungen, was die Jugendlichen von einer Wiederkehr des „Dritten
Reiches” zu erwarten hätten. Als die von Hitler verkündeten Wunder,
die den angeblich „sicheren Endsieg” bringen würden, ausblieben und
die Niederlage - für alle sichtbar - unausweichlich war, gab Hitler den
Befehl zur völligen Zerstörung Deutschlands und begründete dieses
Todesurteil für das deutsche Volk mit den Worten:
„Es
ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das Volk zu seinem
primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil, es
ist besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hat sich als
das schwächere erwiesen. Was nach dem Kampf übrigbleibt, sind ohnehin
nur die Minderwertigen.”
I.
Zum Verhältnis der herrschenden Klasse der Bundesrepublik Deutschland
zu den NSDAP-Nachfolgeparteien und - organisationen.
Für
viele, vielleicht sogar für die meisten Menschen ist der Maßstab für
die Größe der Gefahr eines neuen Faschismus das Anwachsen der
faschistischen Organisationen und ihrer Vertretungen in den Parlamenten.
Sie meinen, die Hauptgefahr gehe von diesen Organisationen aus. Sie sind
noch nicht dahinter gekommen, dass diese Organisationen genau wie die
großen Parteien, von der SPD bis zur CSU, nur Filialen der einen großen
Partei der herrschenden Klasse, der imperialistischen deutschen
Monopolbourgeoisie, darstellen, deren wirkliche, den Kurs bestimmende
Leitungen im BdB (Bundesverband deutscher Banken), im BDI (Bundesverband
der Deutschen Industrie), im BDA (Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände) und im DIHT (Deutscher Industrie- und Handelstag)
sitzen.
Die
hierzulande wohlberechnet nicht mit dem ihnen zustehenden Namen, nämlich
„faschistisch”, sondern als „rechtsextremistisch” benannten
Parteien sind seit dem Ende des ersten Weltkrieges ein unverzichtbarer
Bestandteil des imperialistischen Herrschaftssystems. Durch nichts wird
das deutlicher als daran, dass ihre Existenz von Beginn der
Bundesrepublik an völkerrechtswidrig und sogar grundgesetzwidrig vom
Staat ermöglicht und geschützt wurde und wird.
Im
Potsdamer Abkommen hatten die USA, die Sowjetunion und Großbritannien
festgelegt:
„Die
Nationalsozialistische Partei, ihre Zweigeinrichtungen und die von ihr
kontrollierten Organisationen sind zu vernichten; alle nazistischen
Einrichtungen sind aufzulösen; es sind Sicherheiten zu schaffen, dass
sie in keiner Form wiedererstehen können; jeder nazistischen und
militaristischen Betätigung ist vorzubeugen.”
Und
im Artikel 139 des Grundgesetzes der BRD ist festgelegt: „Die zur
‚Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und
Militarismus‘ erlassenen Rechtsvorschriften werden von den
Bestimmungen dieses Grundgesetzes nicht berührt”, bleiben also in
Kraft, was die Bundesregierung 1973 in ihrem Antrag zur Aufnahme in die
UNO ausdrücklich noch einmal bekräftigte: „Das ausdrückliche Verbot
von neonazistischen Organisationen und gleichfalls die Vorbeugung gegenüber
nazistischen Tendenzen folgen aus dem Grundgesetz mit der Wirkung, dass
die von den alliierten und deutschen Stellen erlassenen Gesetzgebung zur
Befreiung des deutschen Volkes von Nationalsozialismus und Militarismus
weiterhin in Kraft ist.”
Das
waren leere Worte, an die sich keine einzige Bundesregierung gebunden fühlte.
Ganz im Gegenteil: Der Aufbau der BRD war in entscheidenden Teilen das
Werk der Hitler-Wehrwirtschaftsführer, der Hitler-Beamten wie Globke
und Oberländer, der Hitler-Generäle, und der Hitler-Juristen. Die BRD
war von Beginn an ein Schutzgebiet für Hitlers Helfer, in das die in
der SBZ und der DDR von Bestrafung für Kriegsverbrechen bedrohten Nazis
flüchteten. Nur die am schwersten belasteten und international
gesuchten Kriegsverbrecher verließen - mit Hilfe von staatlichen und
kirchlichen Einrichtungen mit einer neuen Identität ausgestattet –
auch die BRD über die „Rattenlinie” in Richtung Südamerika.
Und
selbstverständlich dachte keine Länderregierung vor 1949 und keine
Bundesregierung nach Gründung der BRD daran, die Gründung von Parteien
zu verhindern, die bei Einhaltung der Bestimmungen des Potsdamer
Abkommens und des Artikels 39 des Grundgesetzes nie hätten zugelassen
werden dürfen:
1946
schon trat die „Deutsche Konservative Partei- Deutsche Rechtspartei”
(DKP-DRP) ins Leben, aus der 1950 die offen neofaschistische
„Sozialistische Reichspartei (SRP) hervorging.
Die
„Deutsche Partei” wurde 1945 als „Niedersächsische
Landespartei” gegründet, nannte sich ab 1947 „Deutsche Partei”,
trat mit revanchistischen Forderungen auf und war ein Sammelbecken
ehemals aktiver Nazis, was für CDU und CSU überhaupt kein Hindernis
war, mit ihr zusammenzuarbeiten und sie sogar 1949 bis 1960 als
Koalitionspartner in die Bundesregierung aufzunehmen. 1961 schloß sie
sich mit dem „Gesamtdeutschen Block/ Block der Heimatvertriebenen und
Entrechteten” (GB/BHE) zur „Gesamtdeutschen Partei” zusammen, ihre
Minister Seebohm und Merkatz traten 1960 zur CDU über.
Die
„Deutsche Reichspartei” entstand im Januar 1950 aus dem
Zusammenschluß von Teilen der DKP-DRP und einer damals schon
bestehenden Nationaldemokratischen Partei (NPD). Im November 1964 ging
sie aber ihrerseits in der nun wieder neu gegründeten NPD auf.
Inzwischen
hat sich von den drei bekanntesten Parteien des Neonazismus –
„Nationaldemokraten”, „Deutsche Volksunion” (DVU) und
„Republikaner” die NPD zu deren Hauptpartei entwickelt, nicht
zuletzt dank der staatlichen Förderung, als die sich der von vornherein
nicht ernst zu nehmende Verbotsantrag des gleichen Innenministers Schily
erwies, der dem Bundesgericht die Handhabe zur Abweisung des Antrages
gab wegen der vielen V-Leute, die der Verfassungsschutzes in dieser
Partei unterhielt und sie auf diese Weise – aber mit Sicherheit nicht
als einzige Neonazi-Organisation – sogar staatlich subventionierte.
Der
ganze Rummel um die Verbotsklage war eine einzige Augenauswischerei und
eine Schmierenkomödie, wie auch der Aufruf des Kanzlers zum „Aufstand
der Anständigen”, denn es bedurfte keines neuen Verbotes - man
brauchte nur das Völkerrecht und die eigene Verfassung ernst zu nehmen
und ihre Bestimmungen durchzusetzen.
Aber
wir sagten es schon: der Faschismus, faschistische Organisationen, sind
seit dem Ersten Weltkrieg unverzichtbarer Bestandteil des
imperialistischen Herrschaftsinstrumentariums geworden, und sie bleiben
es, weil wir uns trotz der Niederlage des Sozialismus in Europa noch in
der „Epoche der imperialistischen Kriege und der proletarischen
Revolutionen” befinden, und die allgemeine Krise des Kapitalismus
keineswegs beendet ist, sondern sich in einer Phase deutlicher
Zuspitzung befindet.
Genau
deshalb haben auch die westlichen Sieger diese offene Mißachtung des Völkerrechtes
hingenommen, brauchten sie doch für ihren Kalten Krieg und erst recht für
den geplanten heißen Krieg zur Liquidierung der Sowjetunion und ihrer
sozialistischen Verbündeten eine wiederaufgerüstete Bundesrepublik,
die „Osterfahrungen” der Hitler-Militärs und den brutalen
nazistischen Antikommunismus.
Ihre
Völker aber vergaßen nicht, was sie unter der deutschen Besatzung
erlitten hatten und welche Opfer es gekostet hatte, sich von ihr wieder
zu befreien. Sie blickten deshalb sehr aufmerksam und mißtrauisch auf
den Bonner Staat, dessen Lenker sich durch eben dieses Mißtrauen
gezwungen sahen, sich einen antifaschistischen Anstrich zu geben. Dazu
mußte die Berufung auf die Männer des 20. Juli 1944 herhalten. Welche
Tradition in der Bundeswehr wirklich wachgehalten und gepflegt wurde und
noch immer wird - das ist jedoch an den Namen ihrer Kasernen abzulesen.
Seit
dem Verschwinden der Sowjetunion und der sozialistischen Staaten Europas
haben sich jedoch die Verhältnisse auch für das Wirken des deutschen
Imperialismus gravierend verändert, und es stellt sich die Frage,
welche Auswirkungen dies auch auf den Faschismus und seine
Organisationen in Deutschland haben wird.
II.
Zu den Auswirkungen der neuen internationalen Rahmenbedingungen auf die
Politik des deutschen Imperialismus und auf die faschistischen
Organisationen.
Das
20. Jahrhundert war ausgefüllt mit dem Kampf „Wer-Wen?” zwischen
dem niedergehenden Imperialismus und dem bis 1975 unaufhaltsam
aufsteigenden Sozialismus. Seine für den Kampf gegen die Sowjetunion
unentbehrliche Rolle gab dem deutschen Imperialismus die Möglichkeit,
nach seiner totalen Niederlage am Ende seines ersten bewaffneten Griffs
nach der Weltmacht mit Hilfe der Sieger in kürzester Zeit wieder so
weit erstarkt und gerüstet zu sein, dass er sich in sein zweites
Weltherrschafts-Eroberungs-Abenteuer stürzen konnte. Und auch nach
seiner noch totaleren Niederlage 1945 halfen ihm die Sieger – und hier
vor allem die zur Supermacht aufgestiegenen USA - wieder dazu, in Kurzem
erneut zur stärksten imperialistischen Macht des kapitalistischen
Europa aufzusteigen als Hauptkraft im Kampf gegen die Sowjetunion und
deren Verbündete, an erster Stelle gegen deren westlichsten, die
Deutsche Demokratische Republik.
Als
dann gegen Ende des Jahrhunderts dank der dreißigjährigen
Unterminierungsarbeit der revisionistischen 5. Kolonne des Imperialismus
im Machtzentrum der Sowjetunion diese zusammenbrach und mit ihr ihre
europäischen Partner von der politischen Landkarte Europas
verschwanden, war dies für alle imperialistischen Länder, und ganz
besonders für die Bundesrepublik Deutschland wegen der Annexion der
DDR, ein großer Sieg. Aber dieser Sieg bedeutete für den deutschen
Imperialismus zugleich einen folgenreichen Verlust: verloren gegangen
war der gemeinsame Feind des Weltimperialismus, dessen Existenz es der
deutsche Imperialismus verdankt hatte, dass seine Rivalen ihn nach
seinen beiden Niederlagen nicht liquidierten, sondern - immer wieder um
sein rasches Erstarken besorgt - hochpäppelten.
Nun
befindet er sich in einer völlig anderen Situation: Zwar ist er noch
immer „verbündeter NATO-Partner” der USA, aber der beiden
gemeinsame Feind ist entschwunden, geblieben aber ist ihre Rivalität,
und die ist aufgrund der neuen Weltsituation um ein Vielfaches verschärft.
Denn
das Ende des „Sowjetblocks” war zugleich der Startschuss für den
Beginn einer neuen Runde im Kampf der imperialistischen Staaten um die
Neuaufteilung der Welt. Dabei geht es jetzt erstens um die
Erlangung des größten Stückes der Beute aus dem Zerfall der
„Zweiten Welt”, der Sowjetunion und der sozialistischen Staaten
Europas; dabei geht es zweitens um die Rekolonialisierung bzw.
durchgängige Neo-Kolonialisierung der Länder der „Dritten Welt”,
denen mit der Sowjetunion und deren europäischen Verbündeten ein
wichtiger Rückhalt in ihrem Widerstand gegen die imperialistischen
Aggressionen verloren gegangen ist. Verflochten damit geht es drittens
um den Kampf um die immer knapper werdenden Rohstoffressourcen, vor
allem um jene nur noch für Jahrzehnte ausreichenden des Erdöls. Aber
es zeichnet sich ab, dass auch schon jetzt und erst recht in der Zukunft
das Trinkwasser zu den umkämpften Naturressourcen gehört. In diesem
Kampf um die Neuaufteilung der Welt gibt es nur eine Supermacht – die
USA, die als ihr unantastbares Recht ansehen, die „neue Weltordnung”
allein nach ihren Interessen und Vorstellungen der übrigen Welt
aufzuzwingen.
Gewöhnlich
spricht man davon, dass es für die USA nur noch zwei ernst zu nehmende
imperialistische Rivalen gibt – Deutschland und Japan. Aber von den
beiden kann gegenwärtig wohl nur von Deutschland als von einem wirklich
ernsthaften Rivalen gesprochen werden; denn Japan steht noch immer unter
einer starken USA-Kontrolle und hat keineswegs die Bewegungsfreiheit wie
die BRD. Und zum anderen hat Japan im Unterschied zu seiner Position vor
dem zweiten Weltkrieg seine Vorherrschaft über den ostasiatischen
Kontinent verloren, sieht sich vielmehr der in atemberaubendem Tempo zur
stärksten ökonomischen Macht Asiens heranwachsenden Volksrepublik
China gegenüber.
Ganz
anders die Position der BRD. Der deutsche Imperialismus hat aus den zwei
Niederlagen, die er erlitt, als er im Alleingang bzw. mit nur so
schwachen Bundesgenossen, wie Österreich und Türkei im ersten, Italien
und den Satellitenstaaten der „Achse” Berlin-Rom in Europa im
zweiten Weltkrieg glaubte, die ganze übrige Welt niederringen zu können,
gelernt und daraus die Schlußfolgerung gezogen: er kann den dritten
Anlauf zum Griff nach der Weltherrschaft nicht mehr mit einem durch
Waffengewalt unterworfenen Europa als Hinterland unternehmen, sondern
nur mit einem Europa, das Deutschland als die stärkste ökonomische und
politische Macht des Kontinents als Führungskraft einer Europäischen
Union anzuerkennen bereit ist.
In
der Tat hat die BRD als stärkste ökonomische Macht in Europa und
dritt- oder gar zweitstärkste ökonomische Macht in der Welt die
Vorherrschaft in der Europäischen Union erlangt und strebt danach, die
Europäische Union unter deutscher Führung zur ökonomisch, politisch
und militärisch den USA zunächst ebenbürtigen, dann aber sie überholenden
Macht auszubauen.
Noch
aber ist diese EU ein sehr lose vereintes und wegen der zahlreichen
Interessendivergenzen ihrer nun schon 25 Mitglieder ein noch recht
labiles Gebilde, das aus der Zone der Einsturzgefahr noch nicht
herausgekommen ist und noch vor schweren Belastungsproben, z.B. in der
Frage der Aufnahme der Türkei als Vollmitglied, steht. Wenn der
deutsche Imperialismus diese Europäische Union zu der Basis gestalten
will, von der aus er den Kampf mit dem USA-Imperialismus als Kampf aller
Mitglieder der EU und des ganzen Kontinents Europa um die Nummer Eins im
Weltmaßstabe mit Erfolg führen kann, dann muß er die Empfindlichkeit
der europäischen Völker, die er im zweiten Weltkrieg unter seine
Stiefel getreten hat, berücksichtigen, dann gefährden schrille
revanchistische und nationalistische „Deutschland über alles!”- Töne
noch mehr als die Duldung von Antisemitismus das Vorhaben. An ihre
Stelle muß die Propagierung eines „Europa-Patriotismus” treten, zu
dem jedoch gehören darf und soll, dass die „deutschen Tugenden”
tragende Elemente eines Europa auf dem Wege „zur modernsten, sich am
raschesten entwickelnden und wissenschaftlich führenden Region” sind.
Dieser
Interessenlage des deutschen Imperialismus müssen alle seine Parteien
vom rechten bis zum linken Rand Rechnung tragen, was allerdings vor
allem für die Parteien im rechten Spektrum – angefangen bei der CDU
bis zu den die deutschnationalistische und antisemitische Nazitradition
pflegenden neofaschistischen Parteien und Organisationen - nicht ohne
erhebliche Schwierigkeiten vor sich geht.
Aber
gerade im Bereich der äußersten Rechten kann man da an Traditionen aus
dem Nazireich anknüpfen, hat doch schon die SS den
„Europa-Gedanken” gepflegt und den Begriff „SS-Europa” geprägt.
Über den „ ‚Europanationalismus‘ der SS” schrieb schon 1993 Jürgen
Lloyd in einer Veröffentlichung der VVN-BdA Bielefeld mit dem Titel:
„Die ‚Neue Rechte”:
Der
Europanationalismus „versucht, die ideologische Begründung für die
geänderte Aufgabenstellung an den Neofaschismus zu liefern. Die
Interessengegensätze zwischen den westeuropäischen Staaten hatten an
Bedeutung verloren. Verursacht auf der einen Seite durch die gewachsene
innereuropäische Kapitalverflechtung, zum anderen durch die mehr in den
Vordergrund gerückten Konflikte Europa/USA; ... Dieser geänderten
Situation passte der Neofaschismus nun seine Strategie an. Vorbild war
ihm dabei keineswegs etwas Neues, sondern ein Kernstück des
historischen Faschismus: die SS.
Schon
mit der Gründung ihrer Nachfolgeorganisation, der HIAG, im Jahre 1951
wurde der „europäische Geist” der Waffen-SS beschworen. Das
HIAG-Organ ‚Der Wiking-Ruf‘ erläuterte, die Kämpfer der Waffen-SS
sahen in der Niederwerfung des Bolschewismus eine gemeinsame europäische
Aufgabe. So vollzog sich in der Waffen-SS eine Wandlung vom Glauben an
Deutschland zum Glauben an Europa. Die HIAG nannte ihr Organ später in
„Der Freiwillige” und 1955 schließlich in „Freiwillige für
Europa” um. ...
Zeitgleich
mit der HIAG-Gründung erschien 1951 erstmals die Zeitschrift „Nation
Europa”... Herausgegeben wurde sie von Arthur Erhardt, SS-Hauptsturmführer
und einst Chef der ‚Bandenbekämpfung‘ im Führerhauptquartier”. (
Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, dass ein Stück von diesem
„SS-Europa” sogar von der Bundesregierung gepflegt wird, belohnt sie
doch die lettischen „SS-Freiwilligen” für deren Dienst in der SS,
also für ihre Teilnahme an den SS-Mordfeldzügen, mit einer Rente ! )
Trotz
dieser Vorarbeit für die „Europäisierung” der neofaschistischen
Szene in Deutschland ist von einer Umstellung der Hauptparteien in
dieser Richtung noch kaum etwas zu spüren. Der Grund dafür liegt in
der inneren Situation des deutschen Imperialismus.
III.
Die Situation des deutschen Imperialismus nach Innen und deren
Auswirkung auf die faschistischen Parteien.
Das
Verschwinden der sozialistischen Staaten aus Europa, vor allem die
Liquidierung der sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik, veränderte
das Klassenkräfteverhältnis in der alten BRD und in „Neufünfland”
von Grund auf.
Die
deutsche Arbeiterklasse – nicht nur die der DDR, sondern auch die der
Bundesrepublik -, hatte die schwerste, verheerendste Niederlage ihrer
bisherigen Geschichte hinnehmen müssen. Das für mich Bedrückendste
dabei war, dass die meisten – nicht nur im Westen, sondern auch im
Osten -, das Ende der DDR gar nicht als ihre Niederlage erkannten. Zu
dieser Erkenntnis wurden sie erst durch den Sieger – das deutsche
Monopolkapital – gebracht, – ziemlich rasch im Osten, später und
erst nach und nach auch im Westen.
Den
Arbeitern und Angestellten im Osten wurde dies vor allem durch die
Brutalität und Rücksichtslosigkeit beigebracht, mit der ihre Betriebe
massenweise als unliebsame Konkurrenz für die westdeutschen Konzerne
geschlossen und sie selbst mit einer Erscheinung konfrontiert wurden,
die sie bisher nur aus den Medienberichten über Westdeutschland kannten
- mit der Massenarbeitslosigkeit.
Die
Arbeiter und Angestellten im Westen bekamen es zuerst bei den
Tarifverhandlungen zu spüren, dass nun der unsichtbare dritte
Verhandlungspartner, der auf die Unternehmerseite immer den stärksten
Druck ausgeübt hatte - die DDR -, nicht mehr mit am Verhandlungstisch
saß. Das nutzten die Unternehmer sofort dazu aus, zur Offensive gegen
die führungs- und orientierunsglose Arbeiterklasse überzugehen, zu
Massenentlassungen auch in den Betrieben in Westdeutschland und dazu,
die Arbeiter mit der Drohung der Verlagerung der Betriebe ins billigere
Ausland zur Hinnahme des Abbaus all der Verbesserungen zu erpressen, die
sie sich in der Zeit der „Systemkonkurrenz” dank der Existenz der
DDR hatten erkämpfen können. Deutschland wurde so zu einem Land, in
dem der schärfste Klassenkampf geführt wurde - aber einseitig, von
oben nach unten, mit bisher nur äußerst schwacher Gegenwehr von unten.
So war die imperialistische Bourgeoisie Deutschlands durch das
Verschwinden der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Staaten in
Europa - für immer, wie sie hofft und glaubt; nur zeitweilig, wie wir
wissen, - zu einem Doppelsieg gekommen: sie hat noch nachträglich den
zweiten Weltkrieg gegen die Sowjetunion gewonnen, und sie hat der
deutschen Arbeiterklasse und allen fortschrittlichen Kräften in
Deutschland eine Niederlage beigebracht, die noch schwerer wiegt, als
die von 1933.
Die
Umorientierung der herrschenden Klasse von der Schaufensterpolitik der
„sozialen Marktwirtschaft” auf den irreführend „neoliberal”
genannten Kurs des rigorosen Sozial- und Demokratieabbaus hatte auf das
Parteiensystem die Wirkung, dass alle „staatstragenden” Parteien -
SPD, Grüne, FDP,CDU und CSU - auf diesen Kurs verpflichtet wurden, was
dazu führte, dass SPD und Grüne nach rechts rückten und in ihrer
Politik von den Rechtsparteien FDP,CDU/CSU kaum noch zu unterscheiden
sind.
Die
sozialdemokratisierte PDS, durch ihren Eintritt in Landesregierungen
inzwischen selbst auch zu einer staatstragenden Partei geworden, hat
folgerichtig inzwischen den von der SPD geräumten Platz auf dem linken
Flügel der „staatstragenden” Parteien eingenommen.
Es
war ein strategisches Meisterstück der herrschenden Klasse, nach dem
Mehrheitsverlust der CDU/CSU/FDP Regierung in den Wahlen von 1998 die
Weichen nicht auf „Große Koalition”, sondern auf eine Regierung
„Rot-Grün” zu stellen. Die SPD als regierende Hauptpartei beim
Sozialabbau ist die beste Gewähr dafür, dass die Gewerkschaftsführungen
in den Arbeitskämpfen gegen den Sozialabbau die Rolle von Bremsern des
Widerstandes von unten statt von Führern bei dessen kraftvoller
Entfaltung spielen.
Wie
wirkt sich diese Situation auf die Rolle der faschistischen
Organisationen im imperialistischen Herrschaftssystem aus?
Sie
werden gegenwärtig nach innen wie nach außen nur als Reserve für
besondere Situationen und für den Notfall gebraucht. Symptomatisch dafür
ist der Vorgang, dass, nachdem sich gegen Hartz IV eine überraschend
starke Widerstandsbewegung in landesweiten Massendemonstrationen
bemerkbar machte, zu den Europawahlen und zu den kommenden
Landtagswahlen die bisher in Konkurrenz auftretenden Neonazi-Parteien
NPD und DVU vereinbarten, ein solches konkurrierendes Auftreten zu
vermeiden, um die Neonazi-Stimmen zu bündeln. Es wäre sehr naiv, zu
glauben, dass dieser Beschluß alleine der Initiative der beiden Parteiführungen
entsprungen ist. Die bisherige Zersplitterung der Neonazistimmen war von
ihren Freunden und Förderern in den Konzernleitungen gewollt, weil
starke braune Vertretungen im Bundestag und den Länderparlamenten das
Image Deutschlands im Ausland und damit auch das Auslandsgeschäft
beeinträchtigten.
Nachdem
aber die BRD nicht mehr einem ausländischen Vergleich mit der
antifaschistischen DDR ausgesetzt ist, kann sich das deutsche
Monopolkapital leisten und ist sehr daran interessiert, bei auch nur den
geringsten Anzeichen eines wachsenden Widerstandes von links, die äußerste
Rechte zu stärken als Gegengewicht gegen den angeblichen
„Linksextremismus”. Wenn schon wachsender Protest gegen die Politik
des Sozialabbaus unvermeidlich ist, dann soll er von links weg nach ganz
rechts kanalisiert werden, wo Angriffe gegen das Kapital nur als
demagogische Rhetorik geduldet werden, um die Herrschaft des Kapitals
umso wirkungsvoller zu festigen, so, wie schon in der großen Krise von
1929 –33.
Jedoch
dafür, den Faschismus in irgendeiner Form wieder an die Macht zu
bringen, besteht für den deutschen Imperialismus - gegenwärtig
jedenfalls - kein Grund. Wie die geschichtliche Erfahrung zeigt, hat das
Monopolkapital den Faschismus an die Macht gebracht entweder - wie 1919
in Ungarn und 1922 in Italien -, um mit einer revolutionären Situation
im Lande fertig zu werden, oder - wie 1933 in Deutschland, - um jeden
Widerstand gegen den Kurs auf einen neuen Weltkrieg und jede Gefahr
einer revolutionären Entwicklung während des Krieges von vornherein
gewaltsam unmöglich zu machen. Bei der jetzigen Lähmung und
Zersplitterung der revolutionären Linken im Inneren und beim
internationalen Kräfteverhältnis und dem gegenwärtigen
Entwicklungsgrad der innerimperialistischen Gegensätze ist in
Deutschland in absehbarer Zeit weder der eine noch der andere Fall in
Sicht.
Die
Herrschenden sind sich aber durchaus darüber im Klaren, dass diese
Situation keineswegs von ewiger Dauer ist, wissen sie doch, dass sie
ihrem großen „Reformwerk” nicht ohne Grund die Bezeichnung
„2010”gaben, sondern deshalb, weil bis 2010 auf „Hartz I-IV noch
Hartz V, VI und VII ... bis „nach oben offen” folgen sollen. Und sie
wissen auch, dass die Folge mit Sicherheit eine Steigerung des
Widerstandes zu nicht berechenbarer Stärke sein wird.
Und
was die Frage künftiger Kriege angeht: sie wissen besser als viele
Kommunisten, die einst im Parteilehrjahr Stalins „Ökonomische
Probleme des Sozialismus in der UdSSR” studiert haben, wie recht
Stalin hatte, als er die Möglichkeit eines neuen Krieges des besiegten
Deutschland gegen die Sieger voraussagte, - wissen sie doch, dass Stalin
damit ihre Fernziele richtig einschätzte.
„Manche
Genossen” führte Stalin 1952 aus, „behaupten, dass infolge der
Entwicklung der neuen internationalen Bedingungen nach dem zweiten
Weltkrieg Kriege zwischen den kapitalistischen Ländern nicht mehr
unvermeidlich seien. ... Diese Genossen irren sich. Sie sehen die an der
Oberfläche schimmernden äußeren Erscheinungen, aber sie sehen nicht
die in der Tiefe wirkenden Kräfte, die, obwohl sie vorläufig unmerkbar
wirken, dennoch den Lauf der Ereignisse bestimmen werden. ...
Nach
dem ersten Weltkrieg hat man ebenfalls angenommen, Deutschland sei endgültig
erledigt, ... Doch hat sich Deutschland nach seiner Niederlage trotzdem
in etwa 15-20 Jahren wieder aufgerichtet und ist als Großmacht wieder
auf die Beine gekommen ... Es fragt sich, welche Garantien gibt es, dass
Deutschland und Japan nicht erneut auf die Beine kommen, dass sie nicht
versuchen werden, aus der amerikanischen Knechtschaft auszubrechen und
ein selbständiges Leben zu führen? Ich denke, solche Garantien gibt es
nicht.
Daraus
folgt aber, dass die Unvermeidlichkeit von Kriegen zwischen den
kapitalistischen Ländern bestehen bleibt.”
Kurzum:
In der Rüstkammer des Imperialismus ist der Faschismus – in welcher
Gestalt auch immer – unverzichtbar.
Allerdings
sollten wir uns nicht vorstellen, dass er – falls es noch einmal zu
einem Versuch kommen sollte, ein faschistisches Regime in Deutschland zu
errichten -, eine einfache Wiederholung des Nazifaschismus sein würde.
Erstens,
weil der „Faschismus an der Macht” schon zwischen den beiden
Weltkriegen in zweierlei Gestalt auftrat, wie Georgi Dimitroff schon
1928 feststellte, als er schrieb: „Die besonderen Bedingungen in den Ländern
Südosteuropas verleihen dem Faschismus einen eigentümlichen Charakter.
Die Eigentümlichkeit besteht vor allem darin, dass sich der Faschismus
in diesen Ländern, zum Unterschied vom Faschismus in Italien zum
Beispiel, vorwiegend nicht von unten, durch eine Massenbewegung, als
staatliche Regierungsform durchsetzt, sondern im Gegenteil von oben.
Sich auf die usurpierte Staatsmacht, die militärischen Kräfte der
Bourgeoisie und die Finanzmacht des Bankkapitals stützend, versucht der
Faschismus in die Massen einzudringen und sich unter ihnen eine
ideologische, politische und organisatorische Stütze zu schaffen.”
Zweitens
aber, weil die Imperialisten aller Länder heute einen ganz neuen Weg
zur Außerkraftsetzung der bürgerlich-demokratischen Grundrechte, zur
Errichtung einer uneingeschränkten Präsidial - oder Regierungsdiktatur
erfunden haben - einen neuen Feind als Ersatz für den verloren
gegangenen, für die Sowjetunion. Ein solcher Ersatz ist unverzichtbar.
Denn für den Imperialismus trifft das wirklich zu, was die
Antikommunisten der Sowjetunion andichteten. Als bald nach dem
Kriegsende die Westmächte den Kalten Krieg gegen die Sowjetunion eröffneten,
sprangen ihnen Sozialdemokraten vom Schlage Kurt Schumachers eilfertig
zur Seite. Einer von ihnen, Paul Sering, veröffentlichte 1946 ein Buch
mit dem Titel „Jenseits des Kapitalismus. Ein Beitrag zur
sozialistischen Neuorientierung”, in dem auf S. 155 zu lesen ist:
„Eine solche Machtfülle (wie in der Sowjetunion, K.G.) läßt sich im
Bewußtsein der Massen nur auf eine Art rechtfertigen: durch die Drohung
übermächtiger Feinde. Die Diktatur bedarf der Feinde, sowohl der äußeren
wie der inneren.”
So
bösartig hetzerisch-verlogen dieser Satz, gemünzt auf die Sowjetunion,
ist, so richtig und treffend ist er, bezogen auf den Imperialismus,
insbesondere auf die imperialistischen Großmächte. Kaum war der Gegner
Sowjetunion liquidiert - schon präsentierte der durch Wahlschwindel mit
Gerichtshilfe ins Amt gehievte neue USA-Präsident Bush den neuen Feind,
von dem die USA und die ganze „freie Welt” tödlich bedroht seien
und gegen den nun ein erbarmungsloser Krieg zu führen sei: den
„Terrorismus”.
Zunächst
und für längere Zeit fand er beim Volk der USA und in der ganzen
westlichen Welt Glauben, hatten doch Terroristen am 11. September 2001
durch den unglaublichen Angriff mit zwei Flugzeugen die beiden Türme
des World Trade Center zum Einsturz gebracht. Nur stellte sich mehr und
mehr heraus, dass dieser Hauptbeweis für die Existenz und Gefährlichkeit
des neuen Feindes „Terrorismus” niemandem so nützlich war, wie Bush
und seinen Nächsten selbst.
Aber
noch viel verdächtiger: Es wurde bekannt, dass zuständige Stellen über
den bevorstehenden Angriff längere Zeit vorher informiert waren, aber
nichts unternahmen, um ihn zu verhindern. Und erwiesen ist auch, dass
der Krieg gegen den Irak mit lauter bewussten Lügen begründet wurde.
„11/9”, der elfte September, musste als Beweis dafür herhalten,
dass der Krieg gegen den Irak notwendig sei, weil Hussein die Sicherheit
der USA mit Massenvernichtungswaffen bedrohe. Aber der Krieg gegen den
Irak war erwiesenermaßen von Bush und Cheney schon lange vorher eine
beschlossene Sache gewesen, denn es ging um die Ölquellen und um den
Aufbau von neuen Stützpunkte zur weiteren Einkreisung Rußlands und
Volkschinas. Deshalb durfte die UNO-Kontrollkommission ihre Arbeit nicht
zu Ende bringen; denn Bush und die Seinen wussten, deren Ergebnis würde
ihnen die Begründung für einen Krieg gegen den Irak aus der Hand
schlagen, da es genau so lauten würde wie die Aussage, die Bush heute,
im Januar 2005, kaltschnäuzig und fast nebenbei verlauten lässt: Keine
Massenvernichtungswaffen im Irak!
Dieser
neue Feind „Terrorismus” ist eine fast geniale Erfindung, weil sie
als Allzweckwaffe eingesetzt werden kann und auch wird: nach außen zur
Begründung von Kriegen und sogar von „Präventivschlägen”, um
einer „tödlichen Bedrohung der freien Welt zuvorzukommen”; und nach
innen zur Begründung der Einschränkung bis zum völligen Abbau der
verfassungsmäßigen Grundrechte und der Errichtung eines totalen Überwachungs-
und Polizeistaates „weil der Terrorismus keine Grenzen kennt und überall
zuschlagen kann.” Ein künftiger, neuer Faschismus könnte also auch
daherkommen als „Schutz der Staatsbürger vor dem Terrorismus”.
Der
wirkliche Terrorismus ist indessen der Staatsterrorismus der
imperialistischen Mächte zur Neokolonialisierung, Unterwerfung und
Ausbeutung der kleinen und schwachen Länder und Völker. Es ist dieser
imperialistische Staatsterrorismus, der den verzweifelten, einer
waffenstarrenden Übermacht hoffnungslos unterlegenen Völkern keine
andere Möglichkeit zum Widerstand lässt, als den Guerillakrieg oder
den individuellen Gegenterror.
In
der Bibel haben wir in der Geschichte von David und Goliath ein
treffendes Bild für einen Zweikampf dieser Art. Allerdings müssen wir
zu einer radikal anderen Einschätzung des David kommen, wenn wir an
diese Geschichte die Terrorismus-Definition der Bush und Scharon
anlegen: David kann dann nicht länger als der schwache, aber listige
und sympathische Sieger über die Überlegenheit roher Kraft gesehen
werden, nein: er ist ein Terrorist, der- wie die Palästinenser! - mit
List und Tücke das Naturrecht des Stärkeren auf Herrschaft über die
Schwächeren nicht gelten lassen will!
Da
die Ursache des Terrors von unten der imperialistische Staatsterror ist,
wird der „Krieg gegen den Terrorismus”, diese Steigerung des
Staatsterrors, nur zur Steigerung und weltweiten Ausbreitung der
Unsicherheit vor der terroristischen Gegenwehr von unten führen.
Frieden und Sicherheit für alle wird es erst geben, wenn es keinen
Imperialismus mehr gibt.
IV.
Einige Schlußfolgerungen
Hier
soll nicht wiederholt werden, was an vielen Stellen schon über die
Notwendigkeit und das „Wie” des Kampfes gegen den Faschismus und
Neonazismus gesagt und geschrieben wurde. Ich erinnere nur daran, dass
der massenhafte Zustrom zu faschistischen Organisationen nicht zufällig
in die Zeiten des wirtschaftlichen Niederganges, der Wirtschafts- und
politischen Krisen fällt, in die Zeiten also, in denen Hunderttausende
und Millionen Arbeiter und Angestellte in die Arbeitslosigkeit, Selbständige
in den Bankrott gestürzt werden und Jugendliche aus der Schule in ein
Leben ohne jede Zukunftsperspektive entlassen werden, in Zeiten also, in
denen Millionen zu dem Ergebnis kommen: So kann, so darf es nicht
weitergehen! und nach einem Ausweg suchen. Wenn sie auf der Linken keine
Kraft finden, der sie zutrauen können, sie auf den Weg aus dem Elend in
eine bessere Zukunft zu führen, sondern dort nur Zersplitterung und
gegenseitigen Kampf, dann blüht der Weizen der rechten Demagogen, der
Neonazis, der Faschisten.
Es
kommt also vor allem darauf an, dass die Linke ihre Uneinigkeit überwindet
und sich zu einer einheitlichen, glaubwürdigen Kämpferin für die
Abwehr der Kapitalsoffensive und für eine offensive Vertretung der
Interessen der Arbeitenden zusammenschließt. Dabei käme der PDS eine
bedeutsame Rolle zu. Aber wie kann eine Partei Glaubwürdigkeit bei den
Massen erwerben, die in ihren Wahlparolen Hartz IV attackiert, in
Landesregierungen aber Hartz IV durchführt und eine Einheitsfront mit
anderen linken Kräften, wie der DKP und der KPD, ablehnt? Die PDS-Führung
verteidigt ihre Regierungsbeteiligung mit dem Argument, damit
Schlimmeres zu verhüten. Das ist klassische „Kleinere-Übel-Politik”.
1932/33 ist die Einheitsfront gegen Kapitalsoffensive und Faschismus an
der Politik des „Kleineren Übels” der SPD gescheitert, die gegen
die prophetische Aussage Thälmanns: „Wer Hindenburg wählt, wählt
Hitler, und wer Hitler wählt, wählt den Krieg!” die Wahlaufforderung
setzte: „Wer Hindenburg wählt, schlägt Hitler!”
Wer
nicht erneut geschlagen werden will, muß aus der Geschichte lernen!
Geschrieben
im Januar 2005, veröffentlicht in Roland Bach u. a. (Hrsg.),
„Antifaschistisches Erbe in Europa - Festschrift zum 60. Geburtstag
von Prof. Dr. Rolf Richter”, Eigenverlag, Berlin, 2005, S. 121 - 133.
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