1950:
Streikwelle
von über 200.000 Arbeitern in Österreich gegen Preistreiber- und Lohnsenkungspakt zwischen der
Regierung, sozialdemokratischen Gewerkschaftsführern und den
Kapitalisten
Oktoberstreiks
in Österreich 1950
In
Wien regiert eine Koalition aus ÖVP (entspricht in etwa der deutschen
CDU, aber auch Nachfolger der Austrofaschisten unter Dollfuß) und
sozialdemokratischer SPÖ.
Beide
Parteien versuchten mittels der „Sozialpartnerschaft“ die
Klassenkämpfe in den Griff zu bekommen. Die ÖVP repräsentierte v.a.
die Kapitalistenverbände, die SPÖ wiederum bediente sich linker
Parolen (sie nannten sich noch bis 1990 „Sozilaistische Partei Österreichs“).
Die Gewerkschaften des ÖGB waren, ähnlich Deutschland zur SPD, eng an
die SPÖ gebunden. Allerdings gab es auch innerhalb des ÖGB stark
kommunistische Kräfte.
Österreich
war – ähnlich Deutschland – in Besatzungszonen eingeteil, wobei der
östliche Teil sowjetische Besatzungszone war. Trotzdem fuhr die Österreichische
Regierung einen antikommunistischen Kurs.
Die
Regierung hatte schon mehrfach mittel „Lohn-Preis-Abkommen“ Löhne
und Preise von oben reguliert, wobei immer die Preis stärker angehoben
wurden als die Löhne. Offiziell war es eine paritätische Kommission,
die die Lohn- und Preiserhöhungen bestimmte. Das führte einerseits zu einer Gewinnsteigerung
der Unternehmen, andererseits zu Kaufkraftverlust der abhängig Beschäftigten.
Im
September 1950 stand ein 4. Lohn-Preis-Abkommen an. Die Preise sollten
um ca. 35% steigen, die Löhne dagegen nur um 14%.
Dagegen
wehrten sich die Arbeiter und Angestellten – es kam zu Streiks.
Die
mit der Regierungspartei SPÖ eng verbandelte Führung des Österreichischen
Gewerkschaftsbundes verkündete, der Streik sei ein Putschversuch der
Kommunisten, die aus Österreich eine Volksrepublik machen wollten. Natürlich
waren an den Streik Kommunisten in vorderster Front, sie waren die
konsequentesten Verfechter der Arbeiterinteressen, aber die Behauptung,
die KPÖ wolle putschen, entbehrt jeglicher Grundlage.
Der
spätere ÖGB-Chef Franz Olah (war auch Innenminister Österreichs in
den 60er Jahren) war damals Chef der Holzarbeiter-Gewerkschaft. Er
organisierte mit finanzieller Unterstützung des Geheimdienstes der
amerikanischen Besatzungsmacht, also der CIA, mit Knüppeln bewaffnet Schlägertrupps
– angebliche Holzarbeiter – gegen die Streikenden.
Noch
im Jahr 2000 schrieb Jörg Haiders rechtsextreme FPÖ:
„Vor
50 Jahren, 1950, waren es die Arbeiter der Bau- und Holzgewerkschaft
unter der Führung von Franz Olah, die in ihrem mutigen Einsatz gegen
den kommunistischen Putschversuch...unsere Freiheit bewahrt haben."
siehe
zu Franz
Olah.
Tatsächlich
– nach der Niederlage des Streiks – wurden die ÖGB-Gewerkschaften
von kommunistischen Funktionären gesäubert.
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