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Band 10

DER INTERNATIONALE CHARAKTER DER OKTOBERREVOLUTION

Zum zehnten Jahrestag des Oktobers

Die Oktoberrevolution darf nicht nur als eine Revolution „im nationalen Rahmen“ betrachtet werden. Sie ist vor allem eine Revolution von internationaler, von Weltbedeutung, denn sie bedeutet eine grundlegende Wendung in der Weltgeschichte der Menschheit, die Wendung von der alten, der kapitalistischen Welt zu der neuen, der sozialistischen Welt.

Die Revolutionen der Vergangenheit endeten gewöhnlich damit, dass am Regierungsruder eine Ausbeutergruppe durch eine andere Ausbeutergruppe abgelöst wurde. Die Ausbeuter wechselten, die Ausbeutung blieb. So war es zur Zeit der Befreiungsbewegungen der Sklaven. So war es in der Periode der Aufstände der Leibeigenen. So war es in der Periode der bekannten „großen“ Revolutionen in England, in Frankreich, in Deutschland. Ich spreche nicht von der Pariser Kommune, die der erste, ruhmvolle, heroische, aber dennoch erfolglose Versuch des Proletariats war, die Geschichte gegen den Kapitalismus zu wenden.

Die Oktoberrevolution unterscheidet sich grundsätzlich von diesen Revolutionen. Sie setzt sich nicht das Ziel, eine Ausbeutungsform durch eine andere Ausbeutungsform, eine Ausbeutergruppe durch eine andere Ausbeutergruppe zu ersetzen, sondern jede Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen, alle und jede Ausbeutergruppen zu vernichten, die Diktatur des Proletariats aufzurichten, die Macht jener Klasse aufzurichten, die von allen bisher dagewesenen unterdrückten Klassen die revolutionärste ist, eine neue, klassenlose, sozialistische Gesellschaft zu organisieren.

Eben deshalb bedeutet der Sieg der Oktoberrevolution eine grundlegende Wendung in der Geschichte der Menschheit, eine grundlegende Wendung im historischen Schicksalslauf des Weltkapitalismus, eine grundlegende Wendung in der Befreiungsbewegung des Weltproletariats, eine grundlegende Wendung in den Kampfmethoden und den Organisationsformen, in der Lebensweise und den Traditionen, in der Kultur und der Ideologie der ausgebeuteten Massen der ganzen Welt.

Das ist der Grund, weshalb die Oktoberrevolution eine Revolution von internationaler, von Weltbedeutung ist.

Darin liegt auch die Wurzel jener tiefen Sympathie, die die unterdrückten Klassen aller Länder der Oktoberrevolution entgegenbringen, in der sie das Unterpfand ihrer eigenen Befreiung sehen.

Man könnte eine Reihe von grundlegenden Fragen nennen, in denen die Oktoberrevolution auf die Entwicklung der revolutionären Bewegung in der ganzen Welt einwirkt.

1. Die Oktoberrevolution ist vor allem dadurch bedeutsam, dass sie die Front des Weltimperialismus durchbrochen, die imperialistische Bourgeoisie in einem der größten kapitalistischen Länder gestürzt und das sozialistische Proletariat an die Macht gebracht hat.

Die Klasse der Lohnsklaven, die Klasse der Gehetzten, die Klasse der Unterdrückten und Ausgebeuteten ist zum ersten Male in der Geschichte der Menschheit zur Stellung einer herrschenden Klasse emporgestiegen, und ihr Beispiel wirkt ansteckend auf die Proletarier aller Länder.

Das bedeutet, dass die Oktoberrevolution eine neue Epoche eröffnet hat, die Epoche der proletarischen Revolutionen in den Ländern des Imperialismus.

Sie hat den Gutsbesitzern und Kapitalisten die Produktionsinstrumente und -mittel weggenommen und in gesellschaftliches Eigentum verwandelt und so dem bürgerlichen Eigentum das sozialistische Eigentum entgegengestellt. Sie hat damit die Lüge der Kapitalisten entlarvt, dass das bürgerliche Eigentum unantastbar, heilig, ewig sei.

Sie hat der Bourgeoisie die Macht entrissen, hat der Bourgeoisie die politischen Rechte genommen, den bürgerlichen Staatsapparat zerstört und die Macht den Sowjets übergeben und so dem bürgerlichen Parlamentarismus, der kapitalistischen Demokratie, die sozialistische Macht der Sowjets, die proletarische Demokratie, entgegengestellt. Lafargue hatte Recht, als er schon 1887 sagte, dass am Tage nach der Revolution „allen ehemaligen Kapitalisten das Wahlrecht genommen werden wird“[61].

Dadurch hat die Oktoberrevolution die Lüge der Sozialdemokraten entlarvt, dass heute ein friedlicher Übergang zum Sozialismus auf dem Wege über den bürgerlichen Parlamentarismus möglich sei.

Doch ist die Oktoberrevolution dabei nicht stehen geblieben und konnte dabei nicht stehen bleiben. Nachdem sie das Alte, das Bürgerliche, zerstört hatte, ging sie daran, das Neue, das Sozialistische, aufzubauen. Die zehn Jahre Oktoberrevolution sind zehn Jahre des Aufbaus der Partei, der Gewerkschaften, der Sowjets, der Genossenschaften, der Kulturorganisationen, des Verkehrswesens, der Industrie, der Roten Armee. Die unzweifelhaften Erfolge des Sozialismus in der UdSSR an der Front des Aufbaus haben anschaulich gezeigt, dass das Proletariat imstande ist, das Land erfolgreich ohne die Bourgeoisie und gegen die Bourgeoisie zu regieren, dass es imstande ist, die Industrie erfolgreich ohne die Bourgeoisie und gegen die Bourgeoisie aufzubauen, dass es imstande ist, die ganze Volkswirtschaft erfolgreich ohne die Bourgeoisie und gegen die Bourgeoisie zu leiten, dass es imstande ist, den Sozialismus trotz der kapitalistischen Umkreisung erfolgreich aufzubauen.

Die alte „Theorie“, dass die Ausgebeuteten nicht ohne die Ausbeuter auskommen können, ebenso wie der Kopf und die übrigen Körperteile nicht ohne den Magen auskommen können, ist nicht nur Eigentum des aus der Geschichte des Altertums bekannten römischen Senators Menenius Agrippa. Diese „Theorie“ bildet jetzt den Eckstein der politischen „Philosophie“ der Sozialdemokratie im Allgemeinen und der sozialdemokratischen Politik der Koalition mit der imperialistischen Bourgeoisie im Besonderen. Diese „Theorie“, die den Charakter eines Vorurteils angenommen hat, bildet heute eins der ernstesten Hindernisse auf dem Wege zur Revolutionierung des Proletariats der kapitalistischen Länder. Eins der wichtigsten Ergebnisse der Oktoberrevolution ist die Tatsache, dass sie dieser verlogenen „Theorie“ einen tödlichen Schlag versetzt hat.

Braucht man noch zu beweisen, dass diese und ähnliche Ergebnisse der Oktoberrevolution nicht ohne bedeutenden Einfluss auf die revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern bleiben konnten noch bleiben können?

So allgemein bekannte Tatsachen wie das fortschreitende Wachstum des Kommunismus in den kapitalistischen Ländern, das Anwachsen der Sympathien der Proletarier aller Länder für die Arbeiterklasse der UdSSR und schließlich die vielen Besuche von Arbeiterdelegationen im Lande der Sowjets zeugen zweifellos davon, dass die von der Oktoberrevolution ausgestreute Saat bereits Früchte zu tragen beginnt.

2. Die Oktoberrevolution hat den Imperialismus nicht allein in den Zentren seiner Herrschaft, nicht allein in den „Mutterländern“ erschüttert. Sie hat auch einen Schlag gegen das Hinterland des Imperialismus, gegen seine Peripherie geführt und die Herrschaft des Imperialismus in den kolonialen und abhängigen Ländern untergraben.

Die Oktoberrevolution, die die Gutsbesitzer und Kapitalisten gestürzt hat, sprengte die Ketten der nationalen und kolonialen Unterdrückung und befreite von ihr ausnahmslos alle unterdrückten Völker eines riesigen Staates. Das Proletariat kann sich nicht befreien, ohne die unterdrückten Völker zu befreien. Einen charakteristischen Zug der Oktoberrevolution bildet die Tatsache, dass sie diese nationalen und kolonialen Revolutionen in der UdSSR nicht unter der Fahne der nationalen Feindschaft und der Zusammenstöße zwischen den Nationen durchgeführt hat, sondern unter der Fahne des gegenseitigen Vertrauens und der brüderlichen Annäherung zwischen den Arbeitern und Bauern der Völker der UdSSR, nicht im Namen des Nationalismus, sondern im Namen des Internationalismus.

Gerade weil die nationalen und kolonialen Revolutionen in unserem Lande unter der Führung des Proletariats und unter dem Banner des Internationalismus vor sich gegangen sind, gerade darum sind die Pariavölker, die Sklavenvölker zum ersten Male in der Geschichte der Menschheit zur Stellung von Völkern emporgestiegen, die wirklich frei und wirklich gleich sind, und ihr Beispiel wirkt ansteckend auf die unterdrückten Völker der ganzen Welt.

Das bedeutet, dass die Oktoberrevolution eine neue Epoche eröffnet hat, die Epoche der kolonialen Revolutionen, die in den unterdrückten Ländern der Welt im Bunde mit dem Proletariat und unter Führung des Proletariats durchgeführt werden.

Früher „war es üblich“ zu glauben, die Welt sei von jeher in niedere und höhere Rassen, in Farbige und Weiße, eingeteilt, von denen die einen zur Zivilisation unfähig und dazu verdammt seien, Ausbeutungsobjekt zu sein, die anderen aber die einzigen Träger der Zivilisation seien, berufen, die ersteren auszubeuten.

Jetzt muss diese Legende als zerschlagen und erledigt betrachtet werden. Eins der wichtigsten Ergebnisse der Oktoberrevolution ist die Tatsache, dass sie dieser Legende den Todesstoß versetzt hat, indem sie in der Praxis zeigte, dass die befreiten nichteuropäischen Völker, in den Strom der Sowjetentwicklung einbezogen, nicht minder als die europäischen Völker befähigt sind, eine wirklich fortschrittliche Kultur und eine wirklich fortschrittliche Zivilisation zu entwickeln.

Früher „war es üblich“ zu glauben, die einzige Methode der Befreiung der unterdrückten Völker sei die Methode des bürgerlichen Nationalismus, die Methode des Abfalls der einen Nation von der anderen, die Methode ihrer Entzweiung, die Methode der Verstärkung der nationalen Feindschaft zwischen den werktätigen Massen der verschiedenen Nationen.

Jetzt muss diese Legende als widerlegt betrachtet werden. Eins der wichtigsten Ergebnisse der Oktoberrevolution ist die Tatsache, dass sie dieser Legende den Todesstoß versetzt hat, indem sie in der Praxis die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit der proletarischen, internationalen Methode der Befreiung der unterdrückten Völker als der einzig richtigen Methode zeigte, indem sie in der Praxis die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit des brüderlichen Bundes der Arbeiter und Bauern der verschiedensten Völker auf der Grundlage der Freiwilligkeit und des Internationalismus zeigte. Das Bestehen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, die ein Vorbild der zukünftigen Vereinigung der Werktätigen aller Länder in einer einheitlichen Weltwirtschaft ist, muss unbedingt als direkter Beweis dafür gelten.

Es erübrigt sich zu sagen, dass diese und ähnliche Ergebnisse der Oktoberrevolution nicht ohne bedeutenden Einfluss auf die revolutionäre Bewegung in den kolonialen und abhängigen Ländern bleiben konnten noch bleiben können. Tatsachen wie das Anwachsen der revolutionären Bewegung der unterdrückten Völker in China, in Indonesien, in Indien usw. und die wachsenden Sympathien dieser Völker für die UdSSR zeugen zweifellos davon.

Die Ära der ungestörten Ausbeutung und Unterdrückung der Kolonien und abhängigen Länder ist vorbei.

Angebrochen ist die Ära der Befreiungsrevolutionen in den Kolonien und abhängigen Ländern, die Ära des Erwachens des Proletariats dieser Länder, die Ära seiner 1Hegemonie in der Revolution.

3. Die Oktoberrevolution, die die Saat der Revolution sowohl in den Zentren des Imperialismus als auch in seinem Hinterland ausstreute, die Macht des Imperialismus in den „Mutterländern“ schwächte und seine Herrschaft in den Kolonien erschütterte, hat dadurch die Existenz des Weltkapitalismus als ganzes in Frage gestellt.

Ist die spontane Entwicklung des Kapitalismus unter den Verhältnissen des Imperialismus - infolge der Ungleichmäßigkeit dieser Entwicklung, infolge der Unvermeidlichkeit von Konflikten und kriegerischen Zusammenstößen, schließlich infolge des beispiellosen imperialistischen Gemetzels - in den Prozess der Fäulnis und des Sterbens des Kapitalismus umgeschlagen, so musste die Oktoberrevolution und der mit ihr verbundene Abfall eines riesigen Landes vom Weltsystem des Kapitalismus diesen Prozess beschleunigen, Schritt für Schritt die Grundpfeiler des Weltimperialismus untergraben.

Mehr noch. Die Oktoberrevolution, die den Imperialismus erschüttert hat, schuf gleichzeitig in Gestalt der ersten proletarischen Diktatur eine mächtige und offene Basis der internationalen revolutionären Bewegung, wie diese sie vorher nie besessen hatte und auf die sie sich jetzt stützen kann. Sie schuf jenes mächtige und offene Zentrum der internationalen revolutionären Bewegung, wie sie es vorher nie besessen hatte und um das sie sich jetzt zusammenschließen kann bei der Organisierung der revolutionären Einheitsfront der Proletarier und der unterdrückten Völker aller Länder gegen den Imperialismus.

Das bedeutet vor allem, dass die Oktoberrevolution dem Weltkapitalismus eine tödliche Wunde geschlagen hat, von der er sich nie mehr erholen wird. Eben darum wird der Kapitalismus nie mehr das „Gleichgewicht“ und die „Stabilität“ wiedererlangen, die er vor dem Oktober besaß.

Der Kapitalismus kann sich teilweise stabilisieren, er kann seine Produktion rationalisieren, die Verwaltung des Landes in die Hände des Faschismus legen, die Arbeiterklasse eine Zeitlang niederhalten, aber er wird nie die „Ruhe“ und die „Sicherheit“, das „Gleichgewicht“ und die „Stabilität“ wiedererlangen, deren er sich früher rühmte, denn die Krise des Weltkapitalismus hat eine Entwicklungsstufe erreicht, wo bald in den Zentren des Imperialismus, bald an seiner Peripherie unvermeidlich die Flammen der Revolution hervorbrechen müssen, die die kapitalistischen Flickereien zunichte machen und mit jedem Tag den Sturz des Kapitalismus näher bringen. Ganz so wie in der bekannten Fabel: „Zieht er den Schwanz heraus, bleibt die Schnauze stecken, zieht er die Schnauze heraus, bleibt der Schwanz stecken.“

Das bedeutet zweitens, dass die Oktoberrevolution die Kraft und die Bedeutung, den Mut und die Kampfbereitschaft der unterdrückten Klassen der ganzen Welt auf eine bestimmte Höhe gehoben und die herrschenden Klassen gezwungen hat, mit ihnen als mit einem neuen, ernsten Faktor zu rechnen. Heute kann man die werktätigen Massen der Welt nicht mehr als einen „blinden Haufen“ betrachten, der im Finstern umherirrt und keine Perspektive hat, denn die Oktoberrevolution hat für sie einen Leuchtturm errichtet, der ihnen den Weg erhellt und ihnen eine Perspektive gibt. Gab es früher kein offenes Weltforum, von dem aus man die Hoffnungen und Bestrebungen der unterdrückten Klassen demonstrieren und gestalten konnte, so besteht heute ein solches Forum in Gestalt der ersten proletarischen Diktatur.

Es ist kaum daran zu zweifeln, dass die Vernichtung dieses Forums das gesellschaftliche und politische Leben der „fortgeschrittenen Länder“ für lange Zeit in das Dunkel einer hemmungslos wütenden Reaktion hüllen würde. Es ist nicht zu leugnen, dass schon allein die Tatsache der Existenz des „bolschewistischen Staates“ den finsteren Kräften der Reaktion Zügel anlegt und den unterdrückten Klassen den Kampf für ihre Befreiung erleichtert. Dadurch erklärt sich eigentlich auch der tierische Hass, den die Ausbeuter aller Länder gegen die Bolschewiki hegen.

Die Geschichte wiederholt sich, wenn auch auf neuer Grundlage. Wie früher, in der Periode des Untergangs des Feudalismus, das Wort „Jakobiner“ bei den Aristokraten aller Länder Schrecken und Abscheu hervorrief, so ruft heute, in der Periode des Untergangs des Kapitalismus, das Wort „Bolschewik“ bei der Bourgeoisie aller Länder Schrecken und Abscheu hervor. Und umgekehrt, wie früher Paris Zufluchtsstätte und Schule für die revolutionären Vertreter der aufsteigenden Bourgeoisie war, so ist heute Moskau Zufluchtsstätte und Schule für die revolutionären Vertreter des aufsteigenden Proletariats. Der Hass gegen die Jakobiner hat den Feudalismus nicht vor dem Zusammenbruch gerettet. Kann man bezweifeln, dass der Hass gegen die Bolschewiki den Kapitalismus nicht vor seinem unvermeidlichen Untergang retten wird?

Die Ära der „Stabilität“ des Kapitalismus ist vorbei, und mit ihr auch die Legende von der Unerschütterlichkeit der bürgerlichen Ordnung.

Angebrochen ist die Ära des Zusammenbruchs des Kapitalismus.

4. Die Oktoberrevolution darf nicht nur als eine Revolution auf dem Gebiet der ökonomischen und gesellschaftlich-politischen Beziehungen betrachtet werden. Sie ist zugleich eine Revolution in den Köpfen, eine Revolution in der Ideologie der Arbeiterklasse. Die Oktoberrevolution wurde geboren und erstarkte unter dem Banner des Marxismus, unter dem Banner der Idee der Diktatur des Proletariats, unter dem Banner des Leninismus, der der Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolutionen ist. Sie bedeutet daher den Sieg des Marxismus über den Reformismus, den Sieg des Leninismus über den Sozialdemokratismus, den Sieg der III. Internationale über die II. Internationale.

Die Oktoberrevolution hat eine unüberbrückbare Kluft zwischen Marxismus und Sozialdemokratismus, zwischen der Politik des Leninismus und der Politik des Sozialdemokratismus aufgerissen.

Früher, vor dem Sieg der Diktatur des Proletariats, konnte die Sozialdemokratie mit dem Banner des Marxismus prunken, ohne die Idee der Diktatur des Proletariats offen abzulehnen, wobei sie aber auch nichts, rein gar nichts unternahm, um die Verwirklichung dieser Idee zu beschleunigen; dabei ist klar, dass eine solche Haltung der Sozialdemokratie den Kapitalismus in keiner Weise gefährdete. Damals, in jener Periode, waren formell Sozialdemokratie und Marxismus ganz oder nahezu ein und dasselbe.

Jetzt, nach dem Sieg der Diktatur des Proletariats, da alle mit eigenen Augen gesehen haben, wozu der Marxismus führt und was sein Sieg zu bedeuten hat, kann die Sozialdemokratie nicht mehr mit dem Banner des Marxismus prunken, kann sie nicht mehr mit der Idee der Diktatur des Proletariats kokettieren, ohne eine gewisse Gefahr für den Kapitalismus heraufzubeschwören. Nachdem sie schon lange mit dem Geist des Marxismus gebrochen hatte, musste sie nunmehr auch mit dem Banner des Marxismus brechen, und sie wandte sich offen und unzweideutig gegen die Schöpfung des Marxismus, gegen die Oktoberrevolution, gegen die erste Diktatur des Proletariats in der Welt.

Jetzt musste sie sich vom Marxismus abgrenzen und grenzte sich auch tatsächlich von ihm ab, denn man kann sich unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht Marxist nennen, ohne offen und rückhaltlos die erste proletarische Diktatur in der Welt zu unterstützen, ohne den revolutionären Kampf gegen die eigene Bourgeoisie zu führen, ohne die Bedingungen für den Sieg der Diktatur des Proletariats im eigenen Lande zu schaffen.

Zwischen Sozialdemokratie und Marxismus tat sich eine Kluft auf. Von nun an ist der einzige Träger und das einzige Bollwerk des Marxismus der Leninismus, der Kommunismus.

Die Sache hatte aber damit allein nicht ihr Bewenden. Die Oktoberrevolution, die zwischen der Sozialdemokratie und dem Marxismus eine Trennungslinie zog, hatte weiter zur Folge, dass die Sozialdemokratie im Lager der direkten Verteidiger des Kapitalismus gegen die erste proletarische Diktatur der Welt landete. Wenn die Herren Adler und Bauer, Wels und Levi, Longuet und Blum das „Sowjetregime“ beschimpfen und die parlamentarische „Demokratie“ lobpreisen, so wollen sie damit sagen, dass sie für die Wiederaufrichtung der kapitalistischen Ordnung in der UdSSR, für die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Sklaverei in den „zivilisierten“ Staaten kämpfen und kämpfen werden.

Der gegenwärtige Sozialdemokratismus ist eine ideologische Stütze des Kapitalismus. Lenin hatte tausendmal recht, als er sagte, dass die heutigen sozialdemokratischen Politiker „wirkliche Agenten der Bourgeoisie innerhalb der Arbeiterbewegung, die Arbeiterkommis der Kapitalistenklasse“ sind, dass sie sich im „Bürgerkrieg zwischen Proletariat und Bourgeoisie“ unvermeidlich „auf die Seite der ‚Versailler’ gegen die ,Kommunarden’“[62] stellen werden.

Es ist unmöglich, dem Kapitalismus ein Ende zu bereiten, ohne dem Sozialdemokratismus in der Arbeiterbewegung ein Ende bereitet zu haben.

Deshalb ist die Ära des Sterbens des Kapitalismus zugleich die Ära des Sterbens des Sozialdemokratismus in der Arbeiterbewegung.

Die gewaltige Bedeutung der Oktoberrevolution besteht unter anderem darin, dass sie den unausbleiblichen Sieg des Leninismus über den Sozialdemokratismus in der internationalen Arbeiterbewegung bedeutet.

Die Ära der Herrschaft der II. Internationale und des Sozialdemokratismus in der Arbeiterbewegung ist zu Ende.

Angebrochen ist die Ära der Herrschaft des Leninismus und der III. Internationale.

„Prawda“ Nr. 255,
6.-7. November 1927.
Unterschrift: J. Stalin.

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Frauen der Oktoberrevolution

Quelle: kominform.at vom 07.11.2011

Auf Kommunisten-online am 8. November 2011

Armand Ines (Jelisaweta Fjodorowna), geb. Steffen (1874-1920)

Funktionärin der internationalen kommunistischen und Frauenbewegung; geboren in Paris. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1904, nahm aktiv an der Revolution von 1905/07 in Russland teil, emigrierte 1909; war 1911 Lehrerin an der Parteischule in Longjumeau (Frankreich). Während des I.Weltkrieges 1914/18 nahm sie an der Berner Konferenz der Bolschewiki teil, vertrat die bolschewistische Partei auf den internationalen Frauen- und Jugendkonferenzen sowie auf der Zimmerwalder und der Kienthaler Konferenz. Nach der Februarrevolution 1917 kehrte sie nach Russland zurück. A. war Delegierte der VII. (April-) Parteikonferenz und des VI. Parteitages der SDAPR(B) 1917. Sie beteiligte sich an der Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes in Moskau, hielt vor Arbeitern und Soldaten Reden. Nach der Oktoberrevolution war sie Mitglied des Büros des Moskauer Gouvernementskomitees der SDAPR(B), des Gouvernementsexekutivkomitees und Vorsitzende des Gouvernementsvolkswirtschaftsrates; Mitglied des Zentralexekutivkomitees. Ab 1918 leitete sie die Abteilung für Arbeiterinnen beim ZK der KPR (B). 1920 nahm sie am II. Kongress der Komintern teil und leitete die Arbeit der 1. Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen.


Artjuchina Alexandra Wassiljewna (1889-1969)

sowjetische Partei- und Staatsfunktionärin; geboren in Wyschni Wolotschek. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1910. A. arbeitete seit 1908 in den Gewerkschaften der Textil- und Metallarbeiter in Petersburg; nach der Februarrevolution war sie nach Rückkehr aus der Verbannung in der Frauenabteilung des Kreiskomitees der SDAPR (B) in Wyschni Wolotschek tätig, 1918 Delegierte des I. Gesamtrussischen Kongresses der Arbeiterinnen. Nach der Oktoberrevolution hatte sie leitende Partei- und Wirtschaftsfunktionen inne; Leiterin der Gouvernementsfrauenabteilung des Gouvernementskomitees der Partei in Twer, Stellvertretende Vorsitzende, dann Vorsitzende der Abteilung für Arbeiterinnen und Bäuerinnen im ZK der KPR (B), Redakteurin der Zeitschrift »Rabotniza«, Direktorin einer Textilfabrik. Auf dem XIV. (1925) und XV. Parteitag (1927) wurde sie zum Mitglied des ZK der KPdSU (B) gewählt. Held der sozialistischen Arbeit.


Bosch Jewgenija Bogdanowna (1879-1925)

aktive Teilnehmerin am Kampf um die Sowjetmacht in der Ukraine; geboren in Otschakow. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1901. Leistete Parteiarbeit in Kiew, war Mitglied des Kiewer Komitees der SDAPR; nach der Februarrevolution Mitglied des Kiewer Stadtsowjets. Seit April arbeitete sie als Vorsitzende des Gebietskomitees der SDAPR(B) in der Südwestregion. B. war Delegierte des VI. Parteitages der SDAPR(B) 1917. Sie beteiligte sich an der Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes gegen die Provisorische Regierung für die Sowjetmacht in Kiew, Winniza u.a. Städten. Im Dezember 1917 wurde sie auf dem I. Gesamtukrainischen Sowjetkongress zum Mitglied des Zentralexekutivkomitees des Sowjets der Ukraine gewählt. Sie gehörte der ersten Sowjetregierung der Ukraine als Volkssekretär für Innere Angelegenheiten an. 1918 schloss sie sich in der Frage des Friedens von Brest-Litowsk den „linken Kommunisten“ an. Seit 1918 war sie in verantwortlichen Partei-, Militär- und Staatsfunktionen tätig.


Fotijewa Lidija Alexandrowna (geb. 1881)

Revolutionärin; geboren in Rjasan. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1904. In der Periode der Vorbereitung und Durchführung der Oktoberrevolution arbeitete sie mit N. K. Krupskaja im Wyborger Komitee der SDAPR(B) und in der Redaktion der »Prawda«. Sie war Sekretär des Rates der Volkskommissare (seit März 1918), danach arbeitete sie im Sowjet für Arbeit und Verteidigung, gleichzeitig als Sekretärin W. I. Lenins. Nach der Bildung der UdSSR war sie Sekretär des Rates der Volkskommissare und des Sowjets für Arbeit und Verteidigung der UdSSR (bis 1930). In der Folgezeit arbeitete sie in der Wirtschaft und war wissenschaftlich tätig im Zentralen Lenin-Museum.


Gopner Serafima Iljinitschna (1880-1966)

Revolutionärin; geboren in Cherson. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1903. Parteiarbeit in Jekaterinoslaw, Odessa und Nikolajew. Nach der Februarrevolution 1917 Mitglied des Komitees der SDAPR(B) und Deputierte des Sowjets in Jekaterinoslaw, Delegierte der VII. (April-) Kon-ferenz der SDAPR (B). Aktive Teilnehmerin an der Oktoberrevolution und am Bürgerkrieg in der Ukraine. 1918 Sekretär des Auslandsbüros des ZK der KP (B) der Ukraine. 1920/25 Leiterin der Agitpropabteilung in den Gouvernementskomitees von Jekaterinoslaw, Donezk und Charkow, 1918/22 Mitglied des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees, 1922/29 des Zentralexekutivkomitees der UdSSR. 1927/38 Mitglied des ZK der KP (B) der Ukraine. Delegierte aller Kongresse der Kommunistischen Internationale. 1928/43 Kandidat des EKK1, 1929/38 Leiterin der Agitpropabteilung des EKKI, später wissenschaftlich tätig. 1960 als Held der sozialistischen Arbeit ausgezeichnet.


Jakowlewa Warwara Nikolajewna

aktive Teilnehmerin am bewaffneten Oktoberaufstand in Moskau; geboren in Moskau. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1904. Nach der Februarrevolution 1917 Parteiarbeit in Moskau, Sekretär des Moskauer Gebietsbüros der SDAPR(B). J. war Mitglied des Moskauer Parteizentrums zur Organisierung und Durchführung des bewaffneten Oktoberaufstandes; schloss sich den „linken Kommunisten“ an. In der Folgezeit leitende Tätigkeit im Obersten Volkswirtschaftsrat, stellvertretender Volkskommissar für Bildung der RSFSR, Volkskommissar für Finanzen der RSFSR u.a.


Jelisarowa-Uljanowa Anna Iljinitschna (1864 - 1935)

Revolutionärin, Publizistin; Schwester und Mitarbeiterin Lenins; geboren in Nishni Nowgorod. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1898. Im Prozess gegen A. I. Uljanow wegen des Attentats auf Alexander III. am I.März 1887 wurde sie zu 5 Jahren Verbannung verurteilt. Seit 1898 war sie Mitglied des ersten Moskauer Komitees der SDAPR. Sie organisierte die Verbindungen Lenins aus dem Gefängnis mit dem Petersburger „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“, versorgte ihn mit Literatur und schrieb die von ihm im Gefängnis heimlich verfassten Dokumente der Partei ab. Sie organisierte die Herausgabe seines Buches „Die Entwicklung des Kapitalismus in Russland“ u.a. Arbeiten; sie nahm aktiv an der Revolution von 1905/07 teil. 1908/09 regelte sie die Veröffentlichung von Lenins Werk „Materialismus und Em-piriokritizismus“; 1913 arbeitete J.-U. in der »Prawda«, war Sekretär der Zeitschrift »Prosweschtschenije« und Redaktionsmitglied der Zeitschrift »Rabotniza«. 1917 nahm sie als Redaktionssekretär der »Prawda« und Redakteur der Zeitschrift »Tkatsch« aktiv an der Vorbereitung und Durchführung der Oktoberrevolution teil. Nach der Oktoberrevolution übte sie verantwortliche Funk-tionen in den Volkskommissariaten für Sozialwesen und für Volksbildung aus. Sie gehört zu den Gründern des Lenininstituts und der Istpart, der Kommission für die Geschichte der Oktoberrevolution und der KPR (B). J.-U. war Redaktionsmitglied und -Sekretär der Zeitschrift »Proletarskaja Rewoljuzija«.


Kollontai Alexandra Micbailowna (1872-1952)

aktive Teilnehmerin der revolutionären Bewegung in Russland, sowjetische Diplomatin; geboren in Petersburg. In der revolutionären Bewegung seit den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Nahm an der Revolution von 1905/07 teil. Seit 1915 Mit-glied der Kommunistischen Partei. 1908/17 in der Emigration. K. war Delegierte der Internationalen Sozialistenkongresse in Stuttgart (1907), Kopenhagen (1910) und Basel (1912). Im März 1917 kehrte sie nach Petrograd zurück und wurde von der bolschewistischen Militärorganisation in das Exekutivkomitee des Petrograder Sowjets delegiert. Auf dem VI. Parteitag 1917 wurde sie zum Mitglied des ZK gewählt. Sie erfüllte eine Reihe wichtiger Aufträge des ZK der Partei. K. war eine talentierte Rednerin. Sie leistete wirksame Agitationsarbeit unter Soldaten und Matrosen. K. nahm aktiv an der Vorbereitung und Durchführung des bewaffneten Oktoberaufstandes in Petrograd teil. In der ersten Sowjetregierung (Rat der Volkskommissare) war sie Volkskommissar für Sozialwesen (damals staatliche Fürsorge). 1918 stand sie auf den Positionen der „linken Kommunisten“. 1921/22 Sekretärin des Internationalen Frauensekretariats bei der Komin-tern. Seit 1923 diplomatische Tätigkeit (Botschafterin in Norwegen, Mexiko und Schweden).


Kostelowskaja Maria Michailowna (1878-1964)

Revolutionärin, Teilnehmerin am bewaffneten Oktoberaufstand in Moskau; geboren in Ufa. Seit 1903 Mitglied der Kommunistischen Partei. 1905 beteiligte sie sich an der Vorbereitung des Aufstandes auf dem Kreuzer „Otschakow“. Parteiarbeit in Lugansk, Orenburg und Moskau, Delegierte der VII. (April-) Konferenz der SDAPR(B). In den Tagen des bewaffneten Oktoberaufstandes in Moskau stellvertretender Stabschef der Roten Garde des Moskauer Sowjets. Nach der Oktoberrevolution in verantwortlichen Militär- und Parteifunktionen: Chef der Politabteilung der 2. Ar-mee der Ostfront, Sekretär des Parteikomitees im Krasnopresnenski-Bezirk. Seit 1946 Altersrentnerin.


Krupskaja Nadeshda Konstantinowna (1869 bis 1939)

Revolutionärin, Frau und engste Mitarbeiterin W. I. Lenins; geboren in Petersburg. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1898. Nahm an der Arbeit des Petersburger „Kampfbundes zur Befreiung der Arbeiterklasse“ teil. Im August 1896 wurde sie verhaftet und zu drei Jahren Verbannung verurteilt, die sie im Dorf Schuschenskoje in Sibirien gemeinsam mit Lenin verbüßte. Nach Rückkehr aus der Verbannung emigrierte K. und arbeitete als Sekretär der »Iskra«, ab Dezember 1904 der Zeitung »Wperjod«. Teilnehmerin der Revolution von 1905/07. Delegierte der VII. (April-) Parteikonferenz und des VI. Parteitages der SDAPR (B) 1917, Mitglied des Parteikomitees im Wyborger Bezirk in Petrograd. Als Lenin sich nach den Julitagen in der Illegalität befand, erfüllte K. Aufträge von ihm und informierte ihn über den Verlauf der politischen Ereignisse. Sie beteiligte sich an der Gründung des Sozialistischen Jugendverbandes. In den Tagen der Vorbereitung und Durchführung des bewaffneten Oktoberaufstandes arbeitete sie im Bezirkskomitee der SDAPR (B) im Wyborger Bezirk als Bevollmächtigte Lenins für die Übergabe seiner Geheimbriefe an das ZK und das Petrograder Komitee der SDAPR(B). Nach der Oktoberrevolution Mitglied des Kollegiums des Volkskommissariats für Volksbildung der RSFSR. Seit 1920 Vorsitzende des Hauptkomitees für politische Bildung bein Volkskommissariat für Volksbildung; seit 1921 stellvertretender Volkskommissar für Volksbildung der RSFSR. Seit 1924 Mitglied der Zentrale! Kontrollkommission, seit 1927 Mitglied des ZK der KPdSU (B), Mitglied des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees und des Zentralexekutivkomitees der UdSSR aller Wahlperioden, Deputiert und Mitglied des Präsidiums des Obersten Sowjet der UdSSR. Delegierte des II., IV., VI. und VII.Kongresses der Komintern.


Labourbe Jeanne Marie (1877-1919)

aktive Teilnehmerin an der Oktoberrevolution und am Bürgerkrieg; geboren in Frankreich. Arbeitete als Lehrerin in Tomaszöw (Polen). Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1905. In den Tagen des bewaffneten Oktoberaufstandes leistete sie aktive Arbeit in der Moskauer Organisation der SDAPR(B) und nahm an der Gründung des Klubs der kommunistischen Internationalisten „III. Internationale“ teil. 1918 gehörte L. zu den Gründern der französischen kommunistischen Gruppe in Moskau und wurde deren Sekretär. Seit Anfang 1919 illegale Arbeit in Odessa. Als Mitglied des ausländischen Kollegiums beim Odessaer illegalen Parteikomitee betrieb sie mündliche und schriftliche Propaganda unter den Truppen der französischen Interventen. Sie war einer der Organisatoren des Aufstandes der französischen Matrosen im Schwarzen Meer. Am Vorabend des Aufstandes wurde sie von den Interventen verhaftet und erschossen. Der Name L. wurde - betonte W. I. Lenin - „zur Kampflosung gegen den französischen Imperialismus, für die Nichteinmischung in die Angelegenheiten Russlands“ (Lenin, Werke, Bd. 30, Berlin 1961, S. 158)


Lissinowa (eigtl. Lissinjan) Ljussik (1897-1917)

aktive Teilnehmerin am bewaffneten Oktoberaufstand in Moskau; geboren in Tiflis. Studierte seit 1915 am Moskauer Handelsinstitut. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1916. Nach der Februarrevolution Sekretär des Sowjets im Bezirk Samoskworetsche, gehörte zu den Organisatoren des Arbeiterjugendverbandes „III. Internationale“ in Samoskworetsche. In den Tagen der Oktoberkämpfe in Moskau wurde L. zur Kundschafterin beim Revolutionären Militärkomitee ernannt. Am l. (14.) November wurde sie bei der Erfüllung einer Aufgabe von einer feindlichen Kugel tödlich verwundet.


Ljudwinskaja Tatjana Fjodorowna (geb. 1887)

aktive Teilnehmerin am bewaffneten Oktoberaufstand in Moskau; geboren im Gouvernement Kiew. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1903. Parteiarbeit in Odessa und Petersburg, nach der Februarrevolution 1917 Parteiarbeit in Bogorodsk und Moskau. L. gehörte zu den Organisatoren von Abteilungen der Roten Garde. In den Tagen des bewaffneten Oktoberaufstandes in Moskau Mitglied des Revolutionären Militärkomitees des Suschtschewsko-Marjinski-Bezirks, nach der Oktoberrevolution Sekretär des Bezirksparteikomitees. Sekretär des Stadtparteikomitees in Jaroslawl und in anderen Parteifunktionen. Delegierte des VIII., X. und XIV. Parteitages.


Nowgorodzewa (Swerdlowa) Klawdija Timofejewna (1876-1960)

Funktionärin der revolutionären Bewegung, Frau von J.Swerdlow; geboren in Jekaterinburg. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1904. Während der Revolution von 1905/07 leistete sie Parteiarbeit im Ural. Nach der Februarrevolution, seit Juli 1917, leitete sie den Verlag des ZK der SDAPR(B) „Priboi“. Parteiarbeit in der Vorbereitung und Durchführung der Oktoberrevolution. Seit März 1918 Beraterin des Sekretärs des ZK der KPR(B) und Leiterin des Sekretariats des ZK der Partei. Seit 1920 leitete sie die Abteilung Kindereinrichtungen im Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitee, danach arbeitete sie im Verlagswesen.


Okulowa Glafira Iwanowa (1878-1957)

Teilnehmerin an der revolutionären Bewegung in Russland; Frau von I. A. Teodorowitsch; geboren im Gouvernement Jenisseisk. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1899. O. betrieb sozialdemokratische Propaganda in den Arbeiterzirkeln Kiews. 1900/02 Mitglied des Iwanowo-Wosnessensker Komitees der SDAPR. Als Vertriebsfunktionär der »Iskra« arbeitete sie in Samara und in Moskau. Seit November 1905 bis 1908 Parteiarbeit in Petersburg. Nach der Februarrevolution Mitglied des Krasnojarsker Gouvernementsexekutivkomitees. Aktive Teilnehmerin an der Errichtung der Sowjetmacht in der Region. 1918/20 Mitglied des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees und des Präsidiums des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees, war Leiter der Politabteilung der Ostfront und Mitglied des Revolutionären Kriegsrates der 1., 8. und der Reservearmee. Nach dem Bürgerkrieg Partei- und wissenschaftlich-pädagogische Arbeit.


Rosmirowitsch Jelena Fjodorowna (1886 - 1953)

aktive Revolutionärin; geboren im Gouvernement Cherson. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1904. Parteiarbeit im Gouvernement Kiew und in Petersburg. Sekretär der bolschewistischen Fraktion der 4. Reichsduma. Während der Februarrevolution Mitglied des Irkutsker Parteikomitees. In Petrograd Mitglied des Büros der Militärorganisation beim ZK der SDAPR(B); betrieb aktive propagandistische Arbeit unter den Soldaten der Petrograder Garnison, redigierte die Zeitung »Soldatskaja Prawda«, erfüllte verantwortungsvolle Aufgaben des Petrograder Revolutionären Militärkomitees. Nach der Oktoberrevolution verantwortungsvolle Staats- und Parteiarbeit. War viele Jahre Direktorin der Lenin-Bibliothek.


Samojlowa Konkordija Nikolajewna (1876 - 1921)

Revolutionärin; geboren in Irkutsk. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1903. Teilnehmerin an den revolutionären Ereignissen 1905 in Odessa. 1912/14 verantwortlicher Sekretär und Mitglied des Redaktionskollegiums der »Prawda«. 1914 gehörte sie zu den Organisatoren der Zeitschrift »Rabotniza«. 1917 Delegierte der VII. (April-) Konferenz der SDAPR(B), eine der Leiterinnen der Frauensektion beim Petrograder Komitee der SDAPR(B). In den Jahren des Bürgerkrieges Parteiarbeit in Samara und Charkow. 1920/21 Leiterin der Politabteilung des Agitationsdampfers „Roter Stern“.


Semljatschka Rosalija Samoilowna (1876-1947)

sowjetische Staats- und Parteifunktionärin; geboren in Kiew. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 18%. S. war Beauftragte der Leninschen »Iskra«. Delegierte des II. Parteitages der SDAPR (1903). Im Jahre 1903 wurde sie ins ZK der Partei kooptiert. Delegierte des III. Parteitages der SDAPR (1905). In der Periode der Revolution von 1905/07 war sie Sekretär des Moskauer Komitees der SDAPR. 1909 wurde sie als Sekretär in die Bakuer Parteiorganisation entsandt. 1915/16 Mitglied des Moskauer Büros des ZK der SDAPR. 1917 Erster Sekretär des legalen Moskauer Komitees der SDAPR (B); Delegierte der VII. (April-) Parteikonferenz und des VI. Parteitages der SDAPR (B). In den Tagen des bewaffneten Oktoberaufstandes leitete sie den Kampf der Arbeiter des Rogoshsko Simonowski-Bezirks in Moskau. 1918 Chef der Politabteilungen der 8. und 13. Armee. Nach Beendigung des Bürgerkrieges in leitenden Parteifunktionen in verschiedenen Bezirken des Landes. 1926/31 Mitglied des Kollegiums des Volkskommissariats für die Arbeiter-und-Bauern-Inspektion, 1932/33 Mitglied des Kollegiums des Volkskommissariats für Verkehrswesen. Seit dem XIII. Parteitag der KPR (B) 1924 Mitglied der Zentralen Kontrollkommission. Auf dem XVII. Parteitag der KPdSU (B) 1934 zum Mitglied der Kommission für Sowjetkontrolle gewählt. Sie arbeitete als stellvertretende Vorsitzende und Vorsitzende der Kommission für Sowjetkontrolle. Auf dem XVIII. Par-teitag der KPdSU (B) zum Mitglied des ZK gewählt. 1939/43 stellvertretende Vorsitzende des Rates der Volkskommissare der UdSSR, danach stellvertretende Vorsitzende des Komitees für Parteikontrolle beim ZK der KPdSU (B).


Sluzkaja Wera Klementjewna (eigentlich Berta Bronislawowna), (1880-1917)

aktive Teilnehmern an der Oktoberrevolution; geboren in Minsk. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1902. Teilnehmerin an der Revolution von 1905 in Moskau 1907 Delegierte der sozialdemokratischen Organisation von Brjansk auf dem V. (Londoner Parteitag. 1909/12 in der Emigration. 1913 zur Parteiarbeit in Petersburg. Nach der Februarrevolution war S. Mitglied des Petersburger Parteikomitees Organisierte die Frauen, arbeitete im Wassileostrowski-Bezirk. Im Verlauf der Niederschlagung der konterrevolutionären Kerenski-Krasnow Meuterei organisierte S. die Versorgung der Rotgardisten mit Lebensmitteln und Medikamenten. Am 30. Oktober (12, November) 1917 traf das Auto, in dem sich S. befand, ein feindliches Artilleriegeschoss.


Stal Ljudmila Nikolajewna (1872-1939)

Revolutionärin; geboren in Jekaterinoslaw. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1899. Parteiarbeit in Petersburg, Odessa, Nikolajew, Moskau. Seit August 1917 Redakteur der Zeitung des Kronstädter Parteikomitees »Proletarskoje Delo«, Mitglied des Präsidiums des Kronstädter Parteikomitees und Mitglied des Exekutivkomitees des Sowjet. Nach der Oktoberrevolution arbeitete sie in Partei- und Sowjetfunktionen, 1921/23 Mitglied des Internationalen Frauensekretariats des EKKI, danach wissenschaftliche Arbeit im Staatlichen Revolutionsmuseum der UdSSR.


Stassowa Jelena Dmitrijewna (1873-1966)

Revolutionärin; geboren in Petersburg. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1899. S. war Vertriebsfunktionär der Leninschen Zeitung »Iskra«; leistete Parteiarbeit in Petersburg, Kiew, Minsk, Orjol, Smolensk, Vilnius. Sekretär des Komitees der SDAPR Petersburgs und des Nordbüros des ZK derSDAPR. 1907/12 Parteiarbeit in Tiflis. 1912 nach der Prager Parteikonferenz Kandidat des ZK. Aktive Teilnehmerin an der Vorbereitung und Durchführung der Oktoberrevolution. 1917/20 Sekretär des ZK der Partei. In den Tagen des bewaffneten Oktoberaufstandes leitete sie die Herausgabe des Informationsbulletins des ZK der Partei. Sie nahm an der Organisierung und Durchführung des 1. Kongresses der Völker des Ostens teil, arbeitete in Kaukasischen Büro des ZK der KPR(B). Auf dem VI. Parteitag der SDAPR (B) 1917 wurde sie als Kandidat, auf dem VII. und VIII. Parteitag der KPR (B) als Mitglied des ZK der Partei gewählt. 1918 Mitglied des Präsidiums der Petrograder Tscheka. 1921/26 arbeitete sie in der Komintern. In der Folgezeit war sie im Staatsapparat, in der Partei und wissenschaftlich tätig.


Uljanowa Maria Iljinitschna (1878-1937)

Revolutionärin; jüngste Schwester W. I. Lenins; geboren in Simbirsk. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1898. Parteiarbeit in Petersburg, Moskau, Saratow. Seit 1900 arbeitete sie an der Leninschen »Iskra«. Nach der Februarrevolution 1917 und bis 1929 war sie als Mitglied des Redaktionskollegiums und verantwortlicher Sekretär der »Prawda« tätig. Aktive Teilnehmerin an der Oktoberrevolution. Wiederholt wurde sie in die Zentrale Kontrollkommission und das Zentralexekutivkomitee der UdSSR gewählt.


Warenzowa Olga Afanassjewna (1862-1950)

Revolutionärin, Publizistin; geboren in Iwanowo-Wosnessensk. Mitglied der Kommunistischen Partei seit 1893. Parteiarbeit in Astrachan, Wologda und Jaroslawl. Seit 1906 Sekretär des Iwanowo-Wosnessensker Komitees der SDAPR. Beteiligte sich in der Funktion des Sekretärs des Militärbüros beim Moskauer Komitee des SDAPR (B), die sie von März 1917 bis 1918 ausübte, aktiv an der Vorbereitung und Durchführung des bewaffneten Oktoberaufstandes in Moskau. 1919 arbeitete W. im Büro der Kriegskommissare. 1919/21 Sekretär des Iwanowo-Wosnessensker Gouvernementskomitees der KPR (B). In den folgenden Jahren wissenschaftliche Tätigkeit.


Zusammengestellt nach: Lexikon der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, Leipzig 1976

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