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18. März 1871:

Beginn der Pariser Kommune

Quelle: NVS Kominform-Wien 18.03.2007 Kominform-Wien 18.03.2007

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Barrikade der Kommunarden

 

Mord an den Kommunarden

Mord an den Kommunarden durch die Regierung

Kommunardin Paule Minck

„Die Frauen gingen zuerst vor, wie in den Tagen der Revolution. Die Frauen vom 18. März waren durch die Belagerung gestählt - sie hatten eine doppelte Portion des Elends zu tragen gehabt - und warteten nicht auf ihre Männer. Sie umringten die Mitrailleusen und sprachen auf die Geschützführer ein: 'Es ist eine Schande! Was macht ihr hier?' Die Soldaten schwiegen. Dann und wann sagte ein Unteroffizier: 'Geht, gute Frauen, macht, daß ihr fortkommt!' Der Ton seiner Stimme war nicht rauh, und die Frauen blieben ... Eine große Menge von Nationalgardisten mit erhobenen Gewehrkolben, Frauen und Kinder stürmen durch die Rue des Rosiers vor. [General] Lecomte sah sich umzingelt, er befahl dreimal, das Feuer zu eröffnen. Aber seine Leute blieben Gewehr bei Fuß. Als die Menge näherkam, verbrüderten sie sich, und Lecomte und seine Offiziere wurden festgenommen" 

18. März 1871:

Beginn der Pariser Kommune

Quelle: NVS Kominform-Wien 18.03.2007

Der französische Premierminister Adolphe Thiers hatte nach der Niederlage im deutsch-französischen Krieg in Versailles mit Deutschland einen Waffenstillstand geschlossen, um revolutionäre Unruhen im eigenen Land niederschlagen zu können. In der Nacht zum 18.3.1871 versuchte er die verteidigungsbereite Nationalgarde von Paris zu entwaffnen. Dies war der Anlass für den offenen Aufstand.

Der gewählte Pariser Gemeinderat (franz. Commune) verkündete die allgemeine Volksbewaffnung und ordnete die Verteidigung von Paris sowohl gegen die vor den Toren stehenden deutschen als auch gegen die französischen konterrevolutionären Truppen an. Der Rat der Kommune begann mit sozialen, politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen des Volkes. Ab dem 28.5.1871 wurde allerdings in der so genannten „Blutwoche“ der Aufstand niedergeschlagen. Es wurden in den Kämpfen und den folgenden Massenexekutionen ca. 30.000 Personen getötet. Die Pariser Kommune, die gegen den Willen der Regierung nach sozialistischen Vorstellungen Paris zu verwalten, gilt als der erste Versuch einer sozialistischen Revolution.

In den folgenden Textpassagen von Karl Marx wird die historische Bedeutung der Pariser Kommune für Revolutionäre deutlich.

„Ihr wahres Geheimnis war dies: Sie war wesentlich eine Regierung der Arbeiterklasse, das Resultat des Kampfs der hervorbringenden gegen die aneignende Klasse, die endlich entdeckte politische Form, unter der die ökonomische Befreiung der Arbeit sich vollziehen konnte.“
Karl Marx, Bürgerkrieg in Frankreich, MEW 17, 342.

„Die Kommune war eine Revolution gegen den Staat selbst, gegen diese übernatürliche Fehlgeburt der Gesellschaft; sie war eine Wieder-belebung durch das Volk und des eigenen gesellschaftlichen Lebens. Sie war nicht eine Revolution, um die Staatsmacht von einer Fraktion der herrschenden Klassen an die andere zu übertragen, sondern eine Revolution, um diese abscheuliche Maschine der Klassenherrschaft selbst zu zerbrechen. ... Die Kommune war die entschiedene Negation jener Staatsmacht und darum der Beginn der sozialen Revolution des 19. Jahrhunderts. Was daher immer ihr Geschick in Paris ist, sie wird ihren Weg um die Welt machen.“
MEW 17, 541f.

Die Vorgeschichte der Pariser Kommune

„Am 4. September 1870, als die Pariser Arbeiter die Republik proklamierten, der fast in demselben Augenblick ganz Frankreich ohne eine einzige Stimme des Widerspruchs zujubelte – da nahm eine Kabale stellenjagender Advokaten, mit Thiers als Staatsmann und Trochu als General, Besitz vom Hôtel de Ville (Stadthaus).

... Und dennoch, im Sturm der Überrumpelung, mit den wirklichen Führern der Arbeiter noch in Bonapartes Gefängnissen und mit den Preußen schon im vollen Marsch auf Paris, duldete Paris ihre Ergreifung der Staatsmacht; aber nur auf die ausdrückliche Bedingung hin, dass diese Staatsmacht dienen sollte einzig und allein zum Zweck der nationalen Verteidigung. Paris aber war nicht zu verteidigen, ohne seine Arbeiterklasse zu bewaffnen, sie in eine brauchbare Kriegsmacht zu verwandeln und ihre Reihen durch den Krieg selbst einzuschulen. Aber Paris in Waffen, das war die Revolution in Waffen. Ein Sieg von Paris über den preußischen Angreifer wäre ein Sieg gewesen des französischen Arbeiters über den französischen Kapitalisten und seine Staatsparasiten.

In diesem Zwiespalt zwischen nationaler Pflicht und Klasseninteresse zauderte die Regierung der nationalen Verteidigung keinen Augenblick sie verwandelte sich in eine Regierung des nationalen Verrats.“
MEW 17, 319.

Die Pariser Kommune - eine Arbeiterregierung

Organisationsform der Kommune

„Am Morgen des 18. März 1871 wurde Paris geweckt durch den Donnerruf: ,Es lebe die Kommune!‘ Was ist die Kommune, diese Sphinx, die den Bourgeoisverstand auf so harte Proben setzt?

,Die Proletarier von Paris‘, sagte das Zentralkomitee in seinem Manifest vom 18. März, ,inmitten der Niederlagen und des Verrats der herrschenden Klassen, haben begriffen, dass die Stunde geschlagen hat, wo sie die Lage retten müssen, dadurch, dass sie die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten in ihre eigenen Hände nehmen ... Sie haben begriffen, dass es ihre höchste Pflicht und ihr absolutes Recht ist, sich zu Herren ihrer eigenen Geschicke zu machen und die Regierungsgewalt zu ergreifen.‘

Aber die Arbeiterklasse kann nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und diese für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen.

Die zentralisierte Staatsmacht, mit ihren allgegenwärtigen Organen stehende Armee, Polizei, Bürokratie, Geistlichkeit, Richterstand, Organe, geschaffen nach dem Plan einer systematischen und hierarchischen Teilung der Arbeit – stammt her aus den Zeiten der absoluten Monarchie, wo sie der entstehenden Bourgeoisgesellschaft als eine mächtige Waffe in ihren Kämpfen gegen den Feudalismus diente. Dennoch blieb ihre Entwicklung gehemmt durch allerhand mittelalterlichen Schutt, grundherrliche und Adelsvorrechte, Lokalprivilegien, städtische und Zunftmonopole und Provinzial-verfassungen. Der riesige Besen der französischen Revolution des 18. Jahrhunderts fegte alle diese Trümmer vergangener Zeiten weg und reinigte so gleichzeitig den gesellschaftlichen Boden von den letzten Hindernissen, die dem Überbau des modernen Staatsgebäudes im Wege gestanden. Dies moderne Staatsgebäude erhob sich unter dem ersten Kaisertum, das selbst wieder erzeugt worden war durch die Koalitionskriege des alten halbfeudalen Europas gegen das moderne Frankreich. Während der nachfolgenden Herrschaftsformen wurde die Regierung unter parlamentarische Kontrolle gestellt, d. h. unter die direkte Kontrolle der besitzenden Klassen. Einerseits entwickelte sie sich jetzt zu einem Treibhaus für kolossale Staatsschulden und erdrückende Steuern und wurde vermöge der unwiderstehlichen Anziehungskraft ihrer Amtsgewalt, ihrer Einkünfte und ihrer Stellenvergebung der Zankapfel für die konkurrierenden Fraktionen und Abenteurer der herrschenden Klassen – andererseits änderte sich ihr politischer Charakter gleichzeitig mit den ökonomischen Veränderungen der Gesellschaft. In dem Maß, wie der Fortschritt der modernen Industrie den Klassengegensatz zwischen Kapital und Arbeit entwickelte, erweiterte, vertiefte, in demselben Maß erhielt die Staatsmacht mehr und mehr den Charakter einer öffentlichen Gewalt zur Unterdrückung der Arbeiterklasse, einer Maschine der Klassenherrschaft. Nach jeder Revolution, die einen Fortschritt des Klassenkampfs bezeichnet, tritt der rein unterdrückende Charakter der Staatsmacht offner und offner hervor.“
MEW 17, 335f.

„Der gerade Gegensatz des Kaisertums war die Kommune. Der Ruf nach der ,sozialen Republik‘, womit das Pariser Proletariat die Februarrevolution einführte, drückte nur das unbestimmte Verlangen aus nach einer Republik, die nicht nur die monarchische Form der Klassenherrschaft beseitigen sollte, sondern die Klassenherrschaft selbst. Die Kommune war die bestimmte Form dieser Republik.

Paris, der Mittelpunkt und Sitz der alten Regierungsmacht und gleichzeitig der gesellschaftliche Schwerpunkt der französischen Arbeiterklasse, Paris hatte sich in Waffen erhoben gegen den Versuch des Thiers und seiner Krautjunker, diese ihnen vom Kaisertum überkommne alte Regierungsmacht wiederherzustellen und zu verewigen. Paris konnte nur Widerstand leisten, weil es infolge der Belagerung die Armee losgeworden war, an deren Stelle es eine hauptsächlich aus Arbeitern bestehende Nationalgarde gesetzt hatte. Diese Tatsache galt es jetzt in eine bleibende Einrichtung zu verwandeln. Das erste Dekret der Kommune war daher die Unterdrückung des stehenden Heeres und seine Ersetzung durch das bewaffnete Volk.“
MEW 17, 338.

„Die Kommune bildete sich aus den durch allgemeines Stimmrecht in den verschiedenen Bezirken von Paris gewählten Stadträten. Sie waren verantwortlich und jederzeit absetzbar. Ihre Mehrzahl bestand selbstredend aus Arbeitern oder anerkannten Vertretern der Arbeiter-klasse. Die Kommune sollte nicht eine parlamentarische, sondern eine arbeitende Körperschaft sein, vollziehend und gesetzgebend zu gleicher Zeit. Die Polizei, bisher das Werkzeug der Staatsregierung, wurde sofort aller ihrer politischen Eigenschaften entkleidet und in das verant-wortliche und jederzeit absetzbare Werkzeug der Kommune verwandelt. Ebenso die Beamten aller anderen Verwaltungszweige. Von den Mitgliedern der Kommune an abwärts, musste der öffentliche Dienst für Arbeiterlohn besorgt werden. Die erworbenen Anrechte und die Repräsentationsgelder der hohen Staatswürdenträger verschwanden mit diesen Würdenträgern selbst. Die öffentlichen Ämter hörten auf, das Privateigentum der Handlanger der Zentralregierung zu sein. Nicht nur die städtische Verwaltung, sondern auch die ganze, bisher durch den Staat ausgeübte Initiative wurde in die Hände der Kommune gelegt.“
MEW 17, 339.

„Die Pariser Kommune sollte selbstverständlich allen großen gewerblichen Mittelpunkten Frankreichs zum Muster dienen. Sobald die kommunale Ordnung der Dinge einmal in Paris und den Mittelpunkten zweiten Ranges eingeführt war, hätte die alte zentralisierte Regierung auch in den Provinzen der Selbstregierung der Produzenten weichen müssen.“

MEW 17, 339.

„In einer kurzen Skizze der nationalen Organisation, die die Kommune nicht die Zeit hatte, weiter auszuarbeiten, heißt es ausdrücklich, dass die Kommune die politische Form selbst des kleinsten Dorfs sein, und dass das stehende Heer auf dem Lande durch eine Volksmiliz mit äußerst kurzer Dienstzeit ersetzt werden sollte. Die Landgemeinden eines jeden Bezirks sollten ihre gemeinsamen Angelegenheiten durch eine Versammlung von Abgeordneten in der Bezirkshauptstadt verwalten, und diese Bezirksversammlungen dann wieder Abgeordnete zur National-delegation in Paris schicken; die Abgeordneten sollten jederzeit absetzbar und an die bestimmten Instruktionen ihrer Wähler gebunden sein. Die wenigen, aber wichtigen Funktionen, welche dann noch für eine Zentralregierung übrig blieben, sollten nicht, wie dies absichtlich gefälscht worden, abgeschafft, sondern an kommunale, d. h. streng verantwortliche Beamte übertragen werden. Die Einheit der Nation sollte nicht gebrochen, sondern im Gegenteil organisiert werden durch die Kommunalverfassung; sie sollte eine Wirklichkeit werden durch die Vernichtung jener Staatsmacht, welche sich für die Verkörperung dieser Einheit ausgab, aber unabhängig und überlegen sein wollte gegenüber der Nation, an deren Körper sie doch nur ein Schmarotzerauswuchs war.

Während es galt, die bloß unterdrückenden Organe der alten Regierungsmacht abzuschneiden, sollten ihre berechtigten Funktionen einer Gewalt, die über der Gesellschaft zu stehen beanspruchte, entrissen und den verantwortlichen Dienern der Gesellschaft zurück-gegeben werden. Statt einmal in drei oder sechs Jahren zu entscheiden, welches Mitglied der herrschenden Klasse das Volk im Parlament ver- und zertreten soll, sollte das allgemeine Stimmrecht dem in Kommunen konstituierten Volk dienen, wie das individuelle Stimmrecht jedem anderen Arbeitgeber dazu dient, Arbeiter, Aufseher und Buchhalter in seinem Geschäft auszusuchen. Und es ist bekannt genug, dass Gesellschaften ebenso gut wie einzelne, in wirklichen Geschäftssachen gewöhnlich den rechten Mann zu finden und, falls sie sich einmal täuschen, dies bald wieder gutzumachen wissen. Andererseits aber konnte nichts dem Geist der Kommune fremder sein, als das allgemeine Stimmrecht durch hierarchische Investitur zu ersetzen.“
MEW 17, 340.

„Das bloße Bestehen der Kommune führte, als etwas Selbst-verständliches, die lokale Selbstregierung mit sich, aber nun nicht mehr als Gegengewicht gegen die, jetzt überflüssig gemachte, Staatsmacht.“
MEW 17, 341.

„Die Kommune machte das Stichwort aller Bourgeoisrevolutionen – billige Regierung – zur Wahrheit, indem sie die beiden größten Ausgabequellen, die Armee und das Beamtentum, aufhob. Ihr bloßes Bestehen setzte das Nichtbestehen der Monarchie voraus, die, wenigstens in Europa, der regelrechte Ballast und der unentbehrliche Deckmantel der Klassenherrschaft ist. Sie verschaffte der Republik die Grundlage wirklich demokratischer Einrichtungen. Aber weder ,wohl-feile Regierung‘ noch die ,wahre Republik‘ war ihr Endziel; beide ergaben sich nebenbei und von selbst.

Die Mannigfaltigkeit der Deutungen, denen die Kommune unterlag, und die Mannigfaltigkeit der Interessen, die sich in ihr ausgedrückt fanden, beweisen, dass sie eine durch und durch ausdehnungsfähige politische Form war, während alle früheren Regierungsformen wesentlich unterdrückend gewesen waren. Ihr wahres Geheimnis war dies: Sie war wesentlich eine Regierung der Arbeiterklasse, das Resultat des Kampfs der hervorbringenden gegen die aneignende Klasse, die endlich entdeckte politische Form, unter der die ökonomische Befreiung der Arbeit sich vollziehen konnte.

Ohne diese letzte Bedingung war die Kommunalverfassung eine Unmöglichkeit und eine Täuschung. Die politische Herrschaft des Produzenten kann nicht bestehen neben der Verewigung seiner gesellschaftlichen Knechtschaft. Die Kommune sollte daher als Hebel dienen, um die ökonomischen Grundlagen umzustürzen, auf denen der Bestand der Klassen und damit der Klassenherrschaft ruht. Einmal die Arbeit emanzipiert, so wird jeder Mensch ein Arbeiter, und produktive Arbeit hört auf, eine Klasseneigenschaft zu sein.“
MEW 17, 341f.

Maßnahmen der Kommune „Das stehende Heer und die Polizei, die Werkzeuge der materiellen Macht der alten Regierung einmal beseitigt, ging die Kommune sofort darauf aus, das geistliche Unterdrückungswerkzeug, die Pfaffenmacht, zu brechen; sie dekretierte die Auflösung und Enteignung aller Kirchen, soweit sie besitzende Körperschaften waren. Die Pfaffen wurden in die Stille des Privatlebens zurückgesandt, um dort, nach dem Bilde ihrer Vorgänger, der Apostel, sich von dem Almosen der Gläubigen zu nähren. Sämtliche Unterrichtsanstalten wurden dem Volk unentgeltlich geöffnet und gleichzeitig von aller Einmischung des Staats und der Kirche gereinigt. Damit war nicht nur die Schulbildung für jedermann zugänglich gemacht, sondern auch die Wissenschaft selbst von den ihr durch das Klassenvorurteil und die Regierungsgewalt auferlegten Fesseln befreit.

Die richterlichen Beamten verloren jene scheinbare Unabhängigkeit, die nur dazu gedient hatte, ihre Unterwürfigkeit unter alle aufeinander folgenden Regierungen zu verdecken, deren jeder sie, der Reihe nach, den Eid der Treue geschworen und gebrochen hatten. Wie alle übrigen öffentlichen Diener, sollten sie fernerhin gewählt, verantwortlich und absetzbar sein.“
MEW 17, 339.

„Die Kommune hatte vollständig Recht, als sie den Bauern zurief: ,Unser Sieg ist eure Hoffnung!‘ Von allen den Lügen, die in Versailles ausgeheckt und von den ruhmvollen europäischen Presseorganen weiterposaunt wurden, war eine der ungeheuerlichsten die, dass die Krautjunker der Nationalversammlung die Vertreter der französischen Bauern seien.“
MEW 17, 344.

„Die Kommune dagegen erklärte gleich in einer ihrer ersten Proklamationen, dass die wirklichen Urheber des Krieges auch dessen Kosten tragen müssten. Die Kommune würde dem Bauer die Blutsteuer abgenommen, ihm eine wohlfeile Regierung gegeben und seine Blutsauger, den Notar, den Advokaten, den Gerichtsvollzieher und andere gerichtliche Vampire, in besoldete Kommunalbeamte, von ihm selbst gewählt und ihm verantwortlich, verwandelt haben. Sie würde ihn befreit haben von der Willkürherrschaft des Flurschützen, des Gendarmen und des Präfekten; sie würde an Stelle der Verdummung durch den Pfaffen die Aufklärung durch den Schullehrer gesetzt haben. Und der französische Bauer ist vor allem ein Mann, der rechnet. Er würde es äußerst vernünftig gefunden haben, dass die Bezahlung des Pfaffen, statt von dem Steuereinnehmer eingetrieben zu werden, nur von der freiwilligen Betätigung des Frömmigkeitstriebs seiner Gemeinde abhängen solle.

Dies waren die großen unmittelbaren Wohltaten, die die Herrschaft der Kommune – und sie nur – den französischen Bauern in Aussicht stellte. Es ist daher ganz überflüssig, hier näher einzugehen auf die verwickelteren wirklichen Lebensfragen, die die Kommune allein fähig und gleichzeitig gezwungen war, zugunsten des Bauern zu lösen – die Hypothekenschuld, die wie ein Alb auf seiner Parzelle lastete, das ländliche Proletariat, das täglich auf ihr heranwuchs, und seine eigene Enteignung von dieser Parzelle, die mit stets wachsender Geschwin-digkeit durch die Entwicklung der modernen Ackerbauwirtschaft und die Konkurrenz des kapitalistischen Bodenbaus sich durchsetzte.“
MEW 17, 345.

„Die Kommune ließ alle Fremden (Immigranten) zu zu der Ehre, für eine unsterbliche Sache zu fallen. – Zwischen dem durch ihren Verrat verlorenen auswärtigen Krieg und dem durch ihre Verschwörung mit dem fremden Eroberer entzündeten Bürgerkrieg hatte die Bourgeoisie Zeit gefunden, ihren Patriotismus durch die Organisation von Polizeijagden auf die Deutschen in Frankreich zu betätigen. Die Kommune machte einen Deutschen zu ihrem Arbeitsminister (Leo Frankel). ... Die Kommune ehrte die Heldensöhne Polens, indem sie sie an die Spitze der Verteidigung von Paris stellte (Jaroslaw Dombrowski und Walery Wróblewski). Und, um ganz unverkennbar die neue geschichtliche Ära zu bezeichnen, die sie einzuleiten sich bewusst war, warf die Kommune, unter den Augen, hier der siegreichen Preußen, dort der von bonapartistischen Generalen geführten bonapartistischen Armee, das kolossale Symbol des Kriegsruhmes nieder, die Vendôme-Säule.“
MEW 17, 346f.

„Wenn sonach die Kommune die wahre Vertreterin aller gesunden Elemente der französischen Gesellschaft war, und daher die wahrhaft nationale Regierung, so war sie gleichzeitig, als eine Arbeiterregierung, als der kühne Vorkämpfer der Befreiung der Arbeit, im vollen Sinn des Worts international. Unter den Augen der preußischen Armee, die zwei französische Provinzen an Deutschland annektiert hatte, annektierte die Kommune die Arbeiter der ganzen Welt an Frankreich.“
MEW 17, 346.

„Die große soziale Maßregel der Kommune war ihr eigenes arbeitendes Dasein. Ihre besondeen Maßregeln konnten nur die Richtung andeuten, in der eine Regierung des Volks durch das Volk sich bewegt. Dahin gehören die Abschaffung der Nachtarbeit der Bäckergesellen; das Verbot, bei Strafe, der bei Arbeitgebern üblichen Praxis, den Lohn herabzudrücken durch Auferlegung von Geldstrafen auf die Arbeiter unter allerlei Vorwänden – ein Verfahren, wobei der Arbeitgeber in einer Person Gesetzgeber, Richter und Vollstrecker ist und obendrein das Geld einsteckt. Eine andere Maßregel dieser Art war die Auslieferung von allen geschlossenen Werkstätten und Fabriken an Arbeitergenossenschaften, unter Vorbehalt der Entschädigung, gleich-viel, ob der betreffende Kapitalist geflüchtet war oder aber vorzog, die Arbeit einzustellen.

Die finanziellen Maßregeln der Kommune, ausgezeichnet durch ihre Einsicht und Mäßigung, konnten sich nur auf solche beschränken, die mit der Lage einer belagerten Stadt verträglich waren. In Anbetracht der ungeheuren Diebstähle, begangen an der Stadt Paris durch die großen Finanzkompanien und Bauunternehmer unter Haussmanns Herrschaft, hätte die Kommune ein weit größeres Recht gehabt, ihr Eigentum zu konfiszieren, als Louis Bonaparte das der Familie Orléans.“
MEW 17, 347.

„Aber in der Tat, die Kommune machte keinen Anspruch auf Unfehl-barkeit, wie dies alle die alten Regierungen ohne Ausnahme tun. Sie veröffentlichte alle Reden und Handlungen, sie weihte das Publikum ein in alle ihre Unvollkommenheiten.

In jeder Revolution drängen sich, neben ihren wirklichen Vertretern, Leute anderen Gepräges vor. Einige sind die Überlebenden früherer Revolutionen, mit denen sie verwachsen sind; ohne Einsicht in die gegenwärtige Bewegung, aber noch im Besitz großen Einflusses auf das Volk durch ihren bekannten Mut und Charakter oder auch durch bloße Tradition. Andere sind bloße Schreier, die, jahrelang dieselben ständigen Deklamationen gegen die Regierung des Tages wiederholend, sich in den Ruf von Revolutionären des reinsten Wassers eingeschlichen haben. Auch nach dem 18. März kamen solche Leute zum Vorschein und spielten sogar in einigen Fällen eine hervorragende Rolle. Soweit ihre Macht ging, hemmten sie die wirkliche Aktion der Arbeiterklasse, wie sie die volle Entwicklung jeder früheren Revolution gehemmt haben. Sie sind ein unvermeidliches Übel; mit der Zeit schüttelt man sie ab; aber gerade diese Zeit wurde der Kommune nicht gelassen.“
MEW 17, 348.

Politische Reaktionen auf die Kommune

„Die aristokratischen Krautjunker – dies war in der Tat ihre Haupt-befürchtung – wussten, dass drei Monate freien Verkehrs zwischen dem kommunalen Paris und den Provinzen einen allgemeinen Bauernaufstand zuwege bringen würden. Daher ihre ängstliche Eile, Paris mit einer Polizeiblockade zu umgeben und die Verbreitung der Rinderpest zu hemmen.“
MEW 17, 346.

„Es ist eine eigentümliche Tatsache: Trotz all des großen Geredes und der unermesslichen Literatur der letzten sechzig Jahre über Emanzipation der Arbeiter – kaum nehmen die Arbeiter irgendwo die Sache in ihre eigenen Hände, so ertönen auch sofort wieder die apologetischen Redensarten der Fürsprecher der jetzigen Gesellschaft mit ihren beiden Polen: Kapital und Lohnsklaverei (der Grundbesitzer ist jetzt nur noch der stille Gesellschafter des Kapitalisten), als lebte die kapitalistische Gesellschaft noch im Stande reinster jungfräulicher Unschuld, alle ihre Grundsätze noch unentwickelt, alle ihre Selbst-täuschungen noch unenthüllt, alle ihre prostituierte Wirklichkeit noch nicht bloßgelegt!

Die Kommune, rufen sie aus, will das Eigentum, die Grundlage aller Zivilisation, abschaffen! Jawohl, meine Herren, die Kommune wollte jenes Klasseneigentum abschaffen, das die Arbeit der vielen in den Reichtum der wenigen verwandelt. Sie beabsichtigte die Enteignung der Enteigner. Sie wollte das individuelle Eigentum zu einer Wahrheit machen, indem sie die Produktionsmittel, den Erdboden und das Kapital, jetzt vor allem die Mittel zur Knechtung und Ausbeutung der Arbeit, in bloße Werkzeuge der freien und assoziierten Arbeit verwandelt.“
MEW 17, 342.

„Aber dies ist der Kommunismus, der ,unmögliche‘ Kommunismus! Nun, diejenigen Leute aus den herrschenden Klassen, die verständig genug sind, die Unmöglichkeit der Fortdauer des jetzigen Systems einzusehen und deren gibt es viele –, haben sich zu zudringlichen und großmäuligen Aposteln der genossenschaftlichen Produktion aufgeworfen. Wenn aber die genossenschaftliche Produktion nicht eitel Schein und Schwindel bleiben, wenn sie das kapitalistische System verdrängen, wenn die Gesamtheit der Genossenschaften die nationale Produktion nach einem gemeinsamen Plan regeln, sie damit unter ihre eigene Leitung nehmen und der beständigen Anarchie und den periodisch wiederkehrenden Konvulsionen, welche das unvermeidliche Schicksal der kapitalistischen Produktion sind, ein Ende machen soll – was wäre das anderes, meine Herren, als der Kommunismus, der ,mögliche‘ Kommunismus?

Die Arbeiterklasse verlangte keine Wunder von der Kommune. Sie hat keine fix und fertigen Utopien durch Volksbeschluss einzuführen. Sie weiß, dass, um ihre eigene Befreiung und mit ihr jene höhere Lebensform hervorzuarbeiten, der die gegenwärtige Gesellschaft durch ihre eigene ökonomische Entwicklung unwiderstehlich entgegenstrebt, dass sie, die Arbeiterklasse, lange Kämpfe, eine ganze Reihe geschichtlicher Prozesse durchzumachen hat, durch welche die Menschen wie die Umstände gänzlich umgewandelt werden. Sie hat keine Ideale zu verwirklichen; sie hat nur die Elemente der neuen Gesellschaft in Freiheit zu setzen, die sich bereits im Schoß der zusammenbrechenden Bourgeoisgesellschaft entwickelt haben. Im vollen Bewusstsein ihrer geschichtlichen Sendung und mit dem Heldenentschluss, ihrer würdig zu handeln, kann die Arbeiterklasse sich begnügen, zu lächeln gegenüber den plumpen Schimpfereien der Lakaien von der Presse wie gegenüber der lehrhaften Protektion wohlmeinender Bourgeoisdoktrinäre, die ihre unwissenden Gemeinplätze und Sektierer-marotten im Orakelton wissenschaftlicher Unfehlbarkeit abpredigen.“
MEW 17, 343.

„Als die Pariser Kommune die Leitung der Revolution in ihre eigene Hand nahm; als einfache Arbeiter zum ersten Mal es wagten, das Regierungsprivilegium ihrer ,natürlichen Obern‘, der Besitzenden, anzutasten, und, unter Umständen von beispielloser Schwierigkeit, ihre Arbeit bescheiden, gewissenhaft und wirksam verrichteten – sie verrichteten für Gehalte, deren höchstes kaum ein Fünftel von dem war, was nach einem hohen wissenschaftlichen Gewährsmann (Professor Huxley) das geringste ist für einen Sekretär des Londoner Schulrats –, da wand sich die alte Welt in Wutkrämpfen beim Anblick der roten Fahne, die, das Symbol der Republik der Arbeit über dem Stadthause wehte.

Und doch war dies die erste Revolution, in der die Arbeiterklasse offen anerkannt wurde als die einzige Klasse, die noch einer gesellschaftlichen Initiative fähig war; anerkannt selbst durch die große Masse der Pariser Mittelklasse – Kleinhändler, Handwerker, Kaufleute –, die reichen Kapitalisten allein ausgenommen. Die Kommune hatte sie gerettet durch eine weise Erledigung jener immer wiederkehrenden Ursache des Streits unter der Mittelklasse selbst, der Frage zwischen Schuldnern und Gläubigern.

Derselbe Teil der Mittelklasse hatte sich 1848 bei der Unterdrückung des Arbeiteraufstandes vom Juni beteiligt; und unmittelbar darauf war er durch die konstituierende Versammlung ohne alle Umstände seinen Gläubigern zum Opfer gebracht worden. Aber dies war nicht der einzige Grund, weswegen er sich jetzt an die Arbeiter anschloss. Er fühlte, dass es nur noch eine Wahl gab: die Kommune oder das Kaisertum, gleich-viel unter welchem Namen.

Das Kaisertum hatte diese Mittelklasse ökonomisch ruiniert durch seine Verschleuderung des öffentlichen Reichtums, durch den von ihm großgezogenen Finanzschwindel, durch seine Beihülfe zur künstlich beschleunigten Zentralisation des Kapitals und die dadurch bedingte Enteignung eines großen Teils dieser Mittelklasse. Es hatte sie politisch unterdrückt, sie sittlich entrüstet durch seine Orgien, es hatte ihren Voltairianismus beleidigt durch Überlieferung der Erziehung ihrer Kinder an die ,unwissenden Brüderlein‘, es hatte ihr Nationalgefühl als Franzosen empört, indem es sie kopfüber in einen Krieg stürzte, der für alle die Verwüstung, die er anrichtete, nur einen Ersatz ließ – die Vernichtung des Kaisertums.“
MEW 17, 343f.

Die Niederschlagung der Kommune

Blutbad an den Pariser Arbeitern

„Der erste Versuch der Sklavenhalterverschwörung zur Unterwerfung von Paris, wonach die Preußen es besetzen sollten, scheiterte an Bismarcks Weigerung. Der zweite Versuch, am 18. März, endigte mit der Niederlage der Armee und der Flucht der Regierung nach Versailles, wohin ihr die gesamte Verwaltungsmaschinerie folgen musste. Durch Vorspieglung von Friedensunterhandlungen mit Paris gewann Thiers jetzt die Zeit, den Krieg gegen Paris vorzubereiten. Aber woher eine Armee nehmen? Die Überbleibsel der Linienregimenter waren schwach an Zahl und unsicher von Stimmung. Seine dringenden Anrufe an die Provinzen, Versailles mit ihren Nationalgarden und Freiwilligen zu Hülfe zu eilen, stießen auf offene Weigerung. Nur die Bretagne sandte eine Handvoll Chouans, die unter der weißen Fahne fochten, jeder mit dem Herzen Jesu in weißem Linnen auf der Brust, und deren Schlachtruf war: Vive le Roi! (Es lebe der König!).

Thiers blieb also darauf angewiesen, in aller Eile eine buntscheckige Bande zusammenzutrommeln, Matrosen, Seesoldaten, päpstliche Zuaven, Valentins Gendarmen, Piétris Stadtsergeanten und Mouchards (Spitzel). Diese Armee wäre jedoch bis zur Lächerlichkeit ungenügend gewesen ohne die nach und nach eintreffenden imperialistischen Kriegsgefangnen, die Bismarck in Abschlagszahlungen losließ, hinrei-chend einerseits, den Bürgerkrieg in Gang und andererseits Versailles in kriechender Abhängigkeit von Preußen zu halten. Im Verlauf dieses Kriegs selbst hatte die Versailler Polizei der Versailler Armee aufzupassen, während die Gendarmen diese Armee mit sich fortreißen mussten, indem sie sich überall an den gefährlichsten Posten zuerst aussetzten. Die Forts, welche fielen, wurden nicht genommen, sondern gekauft.

Der Heldenmut der Kommunalisten überzeugte Thiers, dass der Widerstand vor Paris nicht durch sein eigenes strategisches Genie und die ihm verfügbaren Bajonette zu brechen war.“
MEW 17, 350f.

„Sobald Mac-Mahon imstande war, zu versprechen, dass er bald in Paris einrücken könne, erklärte Thiers der Nationalversammlung, er ,werde in Paris einziehen mit dem Gesetz in der Hand und volle Sühne verlangen von den Elenden, die das Leben von Soldaten geopfert und öffentliche Denkmäler zerstört hätten‘.

Als der Augenblick der Entscheidung heranrückte, sagte er zur National-versammlung: ,Ich werde ohne Barmherzigkeit sein‘; zu Paris, sein Urteil sei gesprochen; und zu seinen bonapartistischen Banditen, sie hätten Staatserlaubnis, an Paris ihre Rache nach Herzenslust auszuüben.“
MEW 17, 355.

„Die Zivilisation und Gerechtigkeit der Bourgeoisordnung tritt hervor in ihrem wahren, gewitterschwangern Licht, sobald die Sklaven in dieser Ordnung sich gegen ihre Herren empören. Dann stellt sich diese Zivilisation und Gerechtigkeit dar als unverhüllte Wildheit und gesetzlose Rache. Jede neue Krise im Klassenkampf zwischen dem Aneigner und dem Hervorbringer des Reichtums bringt diese Tatsache greller zum Vorschein. Selbst die Scheußlichkeiten der Bourgeois vom Juni 1848 verschwinden vor der unsagbaren Niedertracht von 1871.“
MEW 17, 355.

„Der selbstopfernde Heldenmut, womit das Pariser Volk – Männer, Weiber und Kinder – acht Tage lang nach dem Einrücken der Versailler fortkämpften, strahlt ebenso sehr zurück die Größe ihrer Sache, wie die höllischen Taten der Soldateska zurückstrahlen den eingeborenen Geist jener Zivilisation, deren gemietete Vorkämpfer und Rächer sie sind. Eine ruhmvolle Zivilisation in der Tat, deren Lebensfrage darin besteht: wie die Haufen von Leichen loswerden, die sie mordete, nachdem der Kampf vorüber war!

Um ein Seitenstück zu finden für das Benehmen des Thiers und seiner Bluthunde, müssen wir zurückgehen zu den Zeiten des Sulla und der beiden römischen Triumvirate. Dieselbe massenweise Schlächterei bei kaltem Blut; dieselbe Missachtung, beim Morden, von Alter und Geschlecht; dasselbe System, Gefangne zu martern; dieselben Ächtungen, aber diesmal gegen eine ganze Klasse; dieselbe wilde Jagd nach den versteckten Führern, damit auch nicht einer entkomme; dieselbe Angeberei gegen politische und Privatfeinde; dieselbe Gleichgültigkeit bei der Niedermetzlung von dem Kampf ganz fremden Leuten. Nur der eine Unterschied ist da, dass die Römer noch keine Granatwerfer hatten, um die Geächteten schockweise abzutun, und dass sie nicht ‘in ihren Händen das Gesetz’ trugen, noch auf ihren Lippen den Ruf der ,Zivilisation‘.

Und nach diesen Schandtaten, seht jetzt auf die andere, noch ekelhaftere Seite dieser Bourgeoiszivilisation, beschrieben durch ihre eigene Presse!

,Während‘, schreibt der Pariser Korrespondent eines Londoner Tory-Blattes, ,während noch einzelne Schüsse in der Ferne ertönen und unverpflegte Verwundete zwischen den Grabsteinen des Père-Lachaise verenden, während 6.000 erschreckte Insurgenten im Todeskampf der Verzweiflung in den Irrgängen der Katakomben sich verloren haben und man Unglückliche noch durch die Straßen treiben sieht, um von den Granatwerfern schockweise niedergeschossen zu werden – ist es empörend, die Cafés gefüllt zu sehen mit Absinthtrinkern, Billard- und Dominospielern; zu sehen, wie weibliche Verworfenheit sich auf den Boulevards breit macht, und zu hören, wie der laute Schall der Schwelgerei aus den Privatzimmerchen vornehmer Restaurants die Nachtruhe stört.‘„
MEW 17, 356.

„Die Verschwörung der herrschenden Klasse zum Umsturz der Revolution durch einen unter dem Schutz des fremden Eroberers geführten Bürgerkrieg – eine Verschwörung, deren Spuren wir gefolgt sind vom September bis herab zum Einmarsch der Mac-Mahonschen Prätorianer durch das St. Clouder Tor – gipfelte in dem Blutbade von Paris.

Bismarck schaut mit vergnügten Sinnen auf die Trümmer von Paris, in denen er vielleicht die ,erste Rate‘ jener allgemeinen Zerstörung der großen Städte sah, die er bereits erfleht hatte, als er noch ein einfacher Landadeliger in der preußischen Ständekammer von 1849 war. Er schaut zufrieden auf die Leichen des Pariser Proletariats. Für ihn ist dies nicht nur die Austilgung der Revolution, sondern zugleich die Austilgung Frankreichs, das jetzt in Wirklichkeit enthauptet ist, und durch die französische Regierung obendrein. Mit der allen erfolgreichen Staatsmännern eigenen Seichtigkeit sieht er nur die Oberfläche dieses ungeheuren geschichtlichen Ereignisses.

Wo hat je vorher die Geschichte das Schauspiel vorgeführt eines Siegers, der seinen Sieg damit krönt, dass er sich nicht nur zum Gendarmen, sondern auch zum gemieteten Söldner der besiegten Regierung hergibt? Zwischen Preußen und der Kommune von Paris war kein Krieg. Im Gegenteil, die Kommune hatte die Friedenspräliminarien angenommen, und Preußen hatte seine Neutralität erklärt. Preußen war also keine kriegführende Partei.“
MEW 17, 360.

„Nach Pfingstsonntag 1871 kann es keinen Frieden und keine Waffenruhe mehr geben zwischen den Arbeitern Frankreichs und den Aneignern ihrer Arbeitserzeugnisse. Die eiserne Hand einer gemieteten Soldateska mag beide Klassen, für eine Zeitlang, in gemeinsamer Unterdrückung niederhalten. Aber der Kampf muss aber und abermals ausbrechen, in stets wachsender Ausbreitung, und es kann kein Zweifel sein, wer der endliche Sieger sein wird – die wenigen Aneigner oder die ungeheure arbeitende Majorität. Und die französischen Arbeiter bilden nur die Vorhut des ganzen modernen Proletariats.“
MEW 17, 361.

„Das Paris der Arbeiter, mit seiner Kommune, wird ewig gefeiert werden als der ruhmvolle Vorbote einer neuen Gesellschaft. Seine Märtyrer sind eingeschreint in dem großen Herzen der Arbeiterklasse. Seine Vertilger hat die Geschichte schon jetzt an jenen Schandpfahl genagelt, von dem sie zu erlösen alle Gebete ihrer Pfaffen ohnmächtig sind.“
MEW 17, 362.

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Die Pariser Kommune und die österreichische Arbeiterbewegung

Von Franz Strobl*

Quelle: Kominform Wien

[Aus: »WEG und ZIEL«, Nummer 3, März 1956]
Am 18. März jährt sich der Tag des Beginns des heroischen Aufstands der Pariser Arbeiter, der unter dem Namen der "Pariser Kommune" in die Geschichte eingegangen ist. Angesichts einer Regierung der Bourgeoisie, die das Land nicht nur in eine soziale, sondern auch in eine nationale Katastrophe gestürzt hatte, erhob sich vor 85 [inzwischen 135] Jahren das arbeitende Volk von Paris und errichtete - zum ersten Mal in der Geschichte und unter denkbar schwersten Bedingungen - eine Staatsmacht der Arbeiterklasse.

Die Pariser Kommune, die erste Regierung der Geschichte, die „wesentlich eine Regierung der Arbeiterklasse, das Resultat des Kampfes der hervorbringenden gegen die aneignende Klasse" war, dieser "ruhmvolle Vorbote einer neuen Gesellschaft" (Marx), weckte in der internationalen Arbeiterbewegung ein gewaltiges Echo - vergleichbar nur mit jenem, das später die großen russischen Revolutionen in der Welt hervorriefen.

Zur Zeit der Pariser Kommune und der sie unmittelbar vorbereitenden Ereignisse war die Arbeiterbewegung in Österreich noch blutjung. Als organisierte Bewegung einer größeren Zahl von Arbeitern bestand sie damals kaum drei, vier Jahre. Um so eindrucksvoller sind die Dokumente und Tatsachen, welche von dem hohen Stand des Klassenbewusstseins und von der erstaunlichen politischen Reife der damaligen Arbeiterbewegung Zeugnis geben.

Wie die uns überlieferten historischen Dokumente beweisen, ist dieses hohe politische Niveau der jungen österreichischen Arbeiterbewegung, ihre rasche Entwicklung und ihr verhältnismäßig früher Kontakt mit bestimmten marxistischen Auffassungen zu einem bedeutenden Teil das Ergebnis des tiefen und oft bestimmenden Einflusses, den die von Marx geleitete I. Internationale, die berühmte "Internationale Arbeiterassoziation", auf die noch in ihren Kinderschuhen steckende österreichische Arbeiterbewegung nahm.

Der »Volkswille« - war damals faktisch das Zentralorgan der österreichischen Arbeiterbewegung - in einer entschiedenen Erklärung gegen den Krieg, enthüllte seine reaktionären, dynastischen Hintergründe und zeigte die große Gefahr, die er für ganz Europa bedeutete. Die österreichischen Arbeiter wurden aufgefordert, überall Protestkundgebungen gegen den Krieg durchzuführen und ihre Stimme für seine sofortige Beendigung zu erheben. Am 13. August erschien im »Volkswillen« in ihrem vollen Wortlaut die berühmte, von Marx verfasste "Erste Adresse des Generalrats (der Internationale) über den Deutsch-Französischen Krieg", welche eine klare, marxistische Analyse dieses Krieges gab und der Arbeiterbewegung damit eine einheitliche Ausrichtung ermöglichte. In vielen Gebieten Österreichs, wo das Versammlungsrecht nicht völlig aufgehoben war, fanden Massenversammlungen statt, auf denen die Kriegsschuldigen beider Seiten angeprangert und zu einer sofortigen Beendigung des Gemetzels aufgerufen wurde.

Der Sturz Napoleons III. und die Ersetzung der französischen Monarchie durch eine Republik erhöhte die Aktivität der österreichischen Arbeiter im Kampf gegen diesen Krieg, der sich aus einem Angriffskrieg Frankreichs in einen brutalen Raubkrieg Preußens verwandelt hatte. Angesichts der besonderen Verantwortung, die nun auf die deutsche Arbeiterschaft fiel, beschlossen die Wiener Arbeiterorganisationen am 10. September 1870 einen von ihren bekanntesten Funktionären unterzeichneten Aufruf "An die Arbeiter Deutschlands!", in dem es hieß: "Durch die Proklamierung der Republik und die Gefangennahme des Despoten, der das französische Volk in den unheilvollen Krieg mit Deutschland stürzte, hat sich die Sachlage wesentlich verändert. Deutschland steht nicht mehr dem napoleonischen Kaisertum, das fortwährend Europa bedrohte, sondern dem französischen Volk gegenüber, und an Euch, deutsche Arbeiter, ist es jetzt, mit ganzer Kraft d e r a n t i -nationalen Verblendung entgegenzutreten, welche die Demütigung Frankreichs, die Abtretung von Elsass und Lothringen, welche den verderblichen und kulturfeindlichen Nationalhass aufs Neue entflammen müsste, als Friedensbedingungen fordert ...

Arbeiter! Sorgt dafür, dass die furchtbaren schweren Opfer nicht durch den Siegesrausch des deutschen Volkes der Reaktion, der Kastenherrschaft zugute kommen, sondern dass neben der französischen Republik, welche sich, wie wir sehnlichst wünschen, zu einer freiheitlichen, sozialen entwickeln wird, ein freies Deutschland erstehe, in welchem das Volk seine Geschicke selbst bestimmt ... Wahret das Selbstbestimmungsrecht des Volkes! Hoch die Arbeit!"

Am 8. Oktober 1870 veröffentlichte der „Volkswille" auf eineinhalb Seiten auch den vollständigen Text der "Zweiten Adresse des Generalrats" der Internationale über den Deutsch-Französischen Krieg, die Marx geschrieben hatte. Einige Wochen später, am 5. November 1870, erschien im »Volkswillen«, wieder eine ganze Seite einnehmend, der in London beschlossene internationale Aufruf "An das französische Volk! An das deutsche Volk!", den neben Karl Marx, Friedrich Engels, August Bebel, Wilhelm Liebknecht und anderen hervorragenden Funktionären der internationalen Arbeiterbewegung auch viele namhafte Friedensfreunde aus Frankreich und Deutschland unterzeichnet hatten. Zitate aus diesen Dokumenten sowie Erklärungen und Stellungnahmen deutscher und französischer Arbeiterführer wurden im »Volkswillen« laufend wiedergegeben.

Zur selben Zeit ging eine sich über den ganzen Herbst und Winter 1870/71 erstreckende Welle gut organisierter Antikriegsversammlungen und Demonstrationskundgebungen gegen die preußischen Landräuber durch Österreich. Die großartigste dieser Versammlungen war jene vom 5. Dezember 1870 beim Schwender in Wien, zu der sich über 6000 Arbeiter eingefunden hatten. Die scharfen Angriffe der Redner dieser Versammlung gegen den preußischen Militarismus und ihre Bekenntnisse zum gemeinsamen Vorgehen der internationalen Arbeiterschaft gegen reaktionäre, kriegslüsterne Regierungen führten zu wiederholtem Einschreiten des anwesenden Regierungskommissars, dessen Einsprüche aber doch nicht verhindern konnten, dass die Kundgebung mit einem mehrfachen Hoch auf die französische Republik und mit dem Absingen der "Marseillaise" abgeschlossen wurde.

"Bürgerliche" und "soziale" Republik

Die Bekenntnisse der österreichischen Arbeiterschaft gegen den preußischen Absolutismus und für die französische Republik bedeuteten nicht, dass sich die Arbeiter über den Klassencharakter dieser Republik besondere Illusionen gemacht hätten. Im Gegenteil. Schon am 10. September 1870 betonte der »Volkswille« in einem Leitartikel über "Die Republik Frankreich": "Das Wort Republik hat seinen bezaubernden, begeisternden Klang längst verloren. Der Glaube, dass Freiheit und Republik identisch seien, ist im Volk längst erloschen ... nur in der sozialen Republik werden Freiheit und Gleichheit aller Staatsbürger ihren Sitz aufschlagen ..." Schon mit den ersten Nachrichten über den Sieg der Arbeiter in Paris wurden im »Volkswillen« eine Reihe von Aufrufen und Proklamationen des Zentralkomitees der Nationalgarden, meist im vollen Wortlaut, veröffentlicht und begeistert über die ersten Beschlüsse der Pariser Revolution berichtet: Durchführung von Wahlen in die Kommune; Abschaffung des alten Heeres und Ersetzung durch die Nationalgarde; Eintreibung der Kriegskosten bei den für den Krieg Verantwortlichen; Verkaufsverbot für versetzte Gegenstände; Kündigungsschutz für die in Zahlungsrückstand gekommenen Mieter usw. "Die Zeit für die Emanzipation der Proletarier ist gekommen", schrieb der »Volkswille«, ein Dokument der Pariser Revolution zitierend, und knüpfte daran die Hoffnung, "dass die Pariser Bewegung mehr und mehr um sich greife".

In einem Aufsatz, betitelt "Der ,Volkswille' und die Wiener Presse" hat das offizielle Organ der Pariser Kommune später ihre Solidarität mit der Zeitung der österreichischen Arbeiterbildungsvereine erklärt, die mit der Pariser Arbeitermacht auch dadurch besonders eng verbunden war, dass Leo F r a n k e l, der aus Ungarn stammende Arbeitsminister der Kommune und spätere korrespondierende Sekretär des Generalrates der I. Internationale, schon seit 1869 ein regelmäßiger Mitarbeiter der »Volksstimme« und seines Nachfolgers, des »Volkswillens«, gewesen war.

Die mit den Nachrichten aus Paris täglich anschwellende Begeisterung der österreichischen Arbeiter über die Kommune schien der österreichischen Regierung so gefährlich, dass sie ihren Druck auf die Arbeiterbewegung bedeutend verstärkte und dazu überging, in dieser kritischen Zeit möglichst alle Versammlungen und Kundgebungen zu verbieten. Dennoch kamen in den verschiedensten Teilen Österreichs großartige Solidaritätskundgebungen mit der Kommune zustande und sprach man, wo immer Arbeiter zusammenkamen, über die welthistorischen Ereignisse in Paris. Vor allem der »Volkswille« war einem unerhörten behördlichen Druck ausgesetzt. In den vorhandenen Nummern finden wir während der Dauer der Kommune immer wieder die Pflichtveröffentlichungen von Konfiskationsurteilen mit Formulierungen wie:

"Die bezeichneten Artikel bilden ihrem ganzen Inhalt nach den Tatbestand des § ..., weil in denselben die von der Pariser Umsturzpartei begangenen Freveltaten, durch welche der Empörungskampf gegen die gesetzliche und anerkannte Regierung geschändet ist, angepriesen, gerechtfertigt, ja geradezu verherrlicht werden."

Die Konfiskationspraxis ging so weit, dass von den Ende Mai bis Ende Juni 1871 gedruckten fünf Nummern des »Volkswillens« vier beschlagnahmt wurden und das Erscheinen der Zeitung zeitweilig überhaupt fraglich war, weil die Polizei nicht nur die gedruckten Exemplare, sondern den ganzen Drucksatz beschlagnahmte. Unter diesen Umständen und angesichts der Tatsache, dass schon seit Anfang 1871 kein normaler Verkauf und keine Kolportage des »Volkswillens« erlaubt, sondern nur Abonnements zugelassen waren, deren Besteller sich dem Druck der Behörden offen auslieferten, ist es erstaunlich, dass der »Volkswille« in diesen Wochen eine Auflage von 6000 Exemplaren erreichte. Auch hierin äußerte sich der starke Auftrieb und die zunehmende Politisierung, welche die österreichische Arbeiterbewegung der Pariser Kommune verdankte. Mit sicherem Instinkt begriff die österreichische Arbeiterbewegung, welche gewaltige Bedeutung die Kommune nicht nur für Frankreich, sondern auch für Österreich und für die ganze Welt hatte. So schrieb der »Volkswille« am 15. April 1871 über den Heldenkampf der Kommunarden: "Tage und Nächte hindurch kämpfen sie - und bis jetzt mit Erfolg! Die Frauen sogar nehmen die Gewehre zur Hand, und man berichtet, dass sie Wunder an Tapferkeit tun. Das ist ein Volk aus Eisenguss! Immer deutlicher zeigt es sich, dass, wie auch die Würfel fallen mögen, der Kampf, den dermalen das Pariser Volk im Interesse der gesamten Menschheit führt, nicht fruchtlos sein wird."

Schon jetzt ist den Kommunarden „unsterblicher Ruhm" sicher, denn ihr Kampf ist „der Vorkampf für die Freiheit der Welt"; unter allen Umständen wird ihnen das Verdienst bleiben, der Welt gezeigt zu haben, auf welche Weise der Augiasstall der Reaktion gereinigt werden kann" - so und so ähnlich schrieb der „Volkswille" in seinen Kommentaren und berichteten die Arbeiterfunktionäre auf den Versammlungen über die Ereignisse in Frankreich. Wenn die offizielle österreichische Presse immer wieder Krokodilstränen über die angebliche Grausamkeit der Arbeitermacht in Paris vergoss, so bewies der „Volkswille" seinerseits immer wieder, dass man den Kommunarden nicht Grausamkeit, sondern vielmehr allzu große Zurückhaltung, übertriebene Mäßigung und oft gefährliche Nachsicht vorwerfen konnte — eine Sanftheit, die man anderswo "im gleichen Fall schwerlich nachmachen" werde. Das Geheul der Regierungspresse über die Erschießung zweier Generäle, die ihr Leben infolge ihrer konterrevolutionären Schandtaten hundertfach verwirkt hatten, beantwortete der »Volkswille« mit der Feststellung: "Wie im Jahre 1848 nennt man auch heute wieder Räuber und Mörder die Männer, welche die höchsten Interessen der französischen Nation verteidigen ... Es ist lächerlich, die Hinrichtung von gemeinschädlichen Subjekten, die auf wehrloses Volk schießen ließen, als Mord zu bezeichnen." (1. April 1871.)

Nach langem Zuwarten die reaktionäre Presse verbot und ihre Macher hinter Schloss und Riegel setzte, schrieb dazu der »Volkswille«: "Die Kommune hat endlich auch die in Paris im Dienste der Versailler Regierung arbeitenden Blätter unterdrückt. Sie handelte viel zu nachsichtig, indem sie, während sie sich im Krieg befand, die Organe der Feinde bestehen ließ. Auch jetzt hat die Kommune noch Mäßigung gezeigt, da kein einziger der betreffenden Zeitungseigentümer erschossen wurde." (13. Mai 1871.)

Kein Wunder, dass angesichts solcher Aussichten die Aufregung der arbeiterfeindlichen österreichischen Presse noch zunahm und einer ihrer Vertreter, der unter "Hans Jörgel" schreibende so genannte Wiener Volksschriftsteller Anton Langer, die Regierung beschwörte, sie möge doch dafür sorgen, dass die Wiener Arbeiter "nicht das Beispiel von Paris nachahmen".

Treue auch zur gefallenen Kommune

So wie der siegreichen, so hielten die österreichischen Arbeiter auch der von der Übermacht erwürgten Kommune die Treue. In den letzten Tagen, da der Fall der Kommune schon nur mehr eine Frage von Stunden war, widmete ihr der »Volkswille« einen ergreifenden Nachruf. Unter dem Titel "Der Entscheidungskampf in Paris" schrieb das von der Zensur aufs ärgste schikanierte Arbeiterblatt: "Was wir in dem Augenblick fühlen, wo wir dies niederschreiben - wir können, wir dürfen es nicht sagen. Wir müssen uns auf trockenes Referieren beschränken, da, wo wir dem Heldenmute der Pariser Republikaner unseren Beifall spenden, da, wo wir dem Schmerz über die Leiden dieser Tapferen und dem Zorn über die Niederträchtigkeit ihrer Feinde Ausdruck geben sollten ... Das Blut der Pariser Arbeiter wird nicht umsonst geflossen sein ... Hut ab vor diesen Heroen des 19. Jahrhunderts!" (27. Mai 1871.)

Die nächste Nummer des »Volkswillens« brachte dann schmerzliche Gewissheit, dass die Kommune dem Druck der vereinigten französischen und preußischen Bajonette erlegen war. Die zwei großen Artikel, in denen der »Volkswille« darüber berichtete (3. Juni 1871) erschienen im schwarzen Trauerrand.

Beide Nummern des »Volkswillens« wurden von der Polizei sofort konfisziert, doch die Herausgeber verstanden es, tausende Zeitungen dennoch in die Hände ihrer Leser zu bringen. Allen Schwierigkeiten und Unterdrückungsmaßnahmen zum Trotz ging die österreichische Arbeiterschaft nun daran, an den wichtigsten Punkten der Monarchie Solidaritätskundgebungen für die Opfer der rasenden Konterrevolution durchzuführen. Bei einer der zu diesem Zweck unternommenen Reisen wurde Andreas Scheu - seit seiner Haftentlassung im Februar wieder der aktivste Führer der österreichischen Arbeiterbewegung - zusammen mit vier anderen bekannten Funktionären in Budapest verhaftet, wo er auf einer Gedenkversammlung zu Ehren der gefallenen Kommune gesprochen und einen Trauerzug ins Stadtwäldchen organisiert hatte (21. Juni 1871).

Wenige Tage später fand auch ein groß aufgezogener Presseprozess gegen Andreas Scheu statt, welcher für die der Pariser Kommune gewidmeten Nummern des »Volkswillens« verantwortlich gezeichnet hatte. Es war klar, dass Scheu mit einer empfindlichen Strafe zu rechnen hatte, wenn er sich nicht herausredete. Aber Scheu, sich als Sprecher der ganzen österreichischen Arbeiterklasse fühlend, wich nicht aus, bekannte sich stolz zur Kommune und rief dem Gericht zu: "Ich bestreite der österreichischen Staatsbehörde das Recht, darüber zu entscheiden, was in diesem Kampfe, der alle Elemente entfesselte, gesetzlich oder ungesetzlich war. Die Kommunarden waren eine Krieg führende Partei. Die Kommune repräsentierte die Intelligenz der Pariser Bevölkerung und war mit entschiedener Majorität aus freier Wahl des Volkes hervorgegangen. Es ist Tatsache, dass derjenige die Gesetze diktiert, der die Gewalt in Händen hat ... Ich protestiere dagegen, dass man die Handlungen der Kommune als Mordbrennereien bezeichnet, während man die gleichen Handlungen der Versailler Regierung als legale Hinrichtungen ansieht!"

Nach einer langen Rede des Staatsanwalts, die - wie Scheu nachwies — nicht aus Argumenten, sondern aus Beschimpfungen der Pariser Kommunarden bestand, wurde Andreas Scheu zu 4 Monaten, der »Volkswille« zu 200 Gulden Kautionsverlust verurteilt.

* Der Fall der Pariser Kommune leitete eine schwere Zeit auch für die österreichische Arbeiterbewegung ein. Aber unausrottbar waren die Wurzeln, welche die Arbeiterbewegung in Österreich bereits gefasst hatte. Nach einem Jahrzehnt großer Schwierigkeiten und Rückschläge begann Mitte der achtziger Jahre ihr neuer Aufschwung, erstand sie organisierter, zielbewusster und mächtiger.


* Franz Strobl: Er war Funktionär der Kommunistischen Partei Österreichs und Chefredakteur der Zeitung „Weg und Ziel“ der KPÖ bis in die 60er Jahre, trat dann aver offen gegen die Politik Chruschtschows nach dem 20. Parteitag und dessen Nachahmer in der KPÖ auf. Franz Stobl gab mit anderen die „Rote Fahne“ heraus, die später das Zentralorgan der Marxistisch-Leninistischen Partei Österreichs (MLPÖ) wurde.

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