Aus der Geschichte der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

25. April 1974

Portugal: 30 Jahre Nelkenrevolution

Ein Artikel von Helmuth Fellner

Quelle: kominform Wien 

„Grândola Vila Morena“- Am 25. April 1974 um 0 Uhr und 30 Minuten las der Sprecher des katholischen Rundfunks Rádio Renascença die erste Strophe des Liedes "Grândola vila morena" des Liedermachers José Afonso vor, im Anschluss sang er selbst das Lied. Das war das Signal für die in der Bewegung der Streitkräfte (MFA) zusammengeschlossenen opponierenden Militärs, unterstützt von allen antifaschistischen und antikolonialen Kräften, deren stärkste die Kommunistische Partei Portugals (PCP) war, die fast 50jährige Salazar-Diktatur in Portugal zu stürzen und unter dem Motto: „Demokratisierung, Dekolonisation und Entwicklung“ lang unterdrückte Träume von Freiheit und sozialer Gerechtigkeit in die Tat umzusetzen.

Die Vorgeschichte

1926 beendet die Machtübernahme Generals António de Fragoso Carmono die erste portugiesische Republik, er bildete eine Militärregierung, der bereits 1928 der langjährige Diktator António de Oliveira Salazar als Finanzminister angehörte, 1932 wurde er zum Ministerpräsidenten ernannt wurde. Schon 1933 verkündete er den "Estado Novo", den "Neuen Staat", eine Verfassung, auf deren Grundlage er eine diktatorische faschistische Einparteienregierung errichtete.

Bis 1940 blieb Salazar parallel zu seinem Amt als Ministerpräsident Finanzminister. Daneben war er von 1938 bis 1944 Kriegsminister, von 1936 bis 1947 Außenminister und von 1961 bis 1962 Verteidigungsminister. Im August 1968 atmete Portugal auf: Salazar, seit 36 Jahren portugiesischer Regierungschef will sich in den Liegestuhl setzen, stürzt und erleidet ein Schädeltrauma. Am 27. September muss er aufgrund seines Gesundheitszustandes wurde Marcello Caetano, der „liberalen Reformen“ vorgibt, im Grunde die faschistische Diktatur fortsetzt. Er hält sich noch fünf Jahre an der Macht, doch dann hatte die letzte Stunde der portugiesischen Diktatur geschlagen.

Die Rolle des Kommunisten Alvaro Cunhal

Im April 1964 erschien bereits eine Schrift mit dem Titel „Kurs auf den Sieg. Die Aufgaben der Partei in der demokratischen und nationalen Revolution.“ Ihr Autor war Alvaro Cunhal, seit 1961 Generalsekretär der Portugiesischen Kommunistischen Partei (PKP), der während der faschistischen Diktatur 11 Jahre im Gefängnis gesessen war. Er analysierte in dieser Arbeit die Möglichkeit, auf der Grundlage eines breiten politischen Bündnisses unter Einschluss progressiver Militärs durch einen bewaffneten Aufstand das faschistische Regime zu beseitigen und grundlegende Veränderungen in der Gesellschaft herbeizuführen. Selten wurde ein politisches Programm so erfolgreich verwirklicht wie dieses, denn 1974 bis Ende 1975 fand in Portugal tatsächlich eine Revolution statt. Sie war weit mehr als der Übergang von einer Diktatur zur bürgerlich-parlamentarischen Demokratie. Monopole wurden verstaatlicht, die Großgrundbesitzer im Alentejo enteignet und der Boden den Landarbeitern übergeben, die Arbeiterkontrolle wurde Gesetz, den Kolonien die Unabhängigkeit gewährt. Auch wenn die sozial-ökonomischen Errungenschaften der „Nelkenrevolution“ nicht erhalten werden konnten, setzte sie ein Zeichen, das heute noch aktuell ist: Eine andere Welt ist möglich.

Die Nelkenrevolution

Es gärte schon lange der Unmut im portugiesischen Volk über seine Regierung. Besonders seit in den 60er Jahren die Kolonien Angola, Guinea und Mozambique, in erbitterten Guerillakriegen ihre Unabhängigkeit von Portugal zu erstreiten versuchten. Doch Portugals Regime wollte, im Gegensatz zum Volk, die Kolonien unbedingt halten, koste es was es wolle. Mehrere Versuche, das Regime, das seit 1933 regierte zu stürzen, scheiterten.

Im Frühjahr 1974 äußersten sich dann erstmals Generäle und Offiziere öffentlich gegen den Kolonialkrieg. Breite Teile des Militärs schlossen sich zur "Bewegung der Streitkräfte" (Movimento das Forças Armadas, kurz: MFA) zusammen. Jüngere Offiziere, meist im Rang eines Hauptmanns, bildeten den Kern der Bewegung. Es kam zu ersten Rebellionen, die jedoch noch spontan und unkoordiniert waren. Diese brachten zwar keinen wirklichen Erfolg, zeigten aber, wie verunsichert die Regierung reagierte.

Nun musste die MFA schnell handeln bevor das Regime Gegenmaßnahmen ausarbeiten konnte. Es wurde ein Militärputsch beschlossen, den man auf die Woche vom 20. - 27. April festsetzte. Man arbeitete in Eile einen Plan zur Ersetzung des Regimes durch eine "politische Demokratie" aus. Am 25. April 1974 war es soweit. Um 0 Uhr und 30 Minuten las der Sprecher des katholischen Rundfunks Rádio Renascença die erste Strophe des Liedes "Grândola vila morena" des Liedermachers José Afonso vor:

"Grândola vila morena,

Terra da fraternidade,

O povo é quem mais ordena,

Dentro de ti ó cidade."

Nach der Lesung dieser Verse erklang das Lied selbst, gesungen von José Afonso. Für alle militärischen Einheiten der MFA waren die Verse das vereinbarte Zeichen zum bewaffneten Aufstand. Ministerpräsident Caetano und Staatspräsident Americo Thomas, der nach dem Tode Salazars zum Staatschef ernannt worden war, verschanzten sich anfänglich noch in einer Kaserne. Sie traten unter dem starken Druck der MFA aber unblutig ab. Knapp 18 Stunden später hatte also die MFA Europas älteste Diktatur gestürzt. 48 Jahre der Verfolgung und Verbannung, der Unterdrückung und Ausbeutung, der Zensur und der Folter gingen zu Ende.

Es gab insgesamt nur 4 Tote und 45 Verletzte. General Antonio de Spinola wurde auf Vorschlag von Costa Gomes, beides aufständige Generäle, von der Junta der nationalen Errettung (Junta de Salvacac Nacional) zum Präsidenten der Republik gewählt. Portugal wurde Demokratie. Die Kolonien erhielten ihre Unabhängigkeit.

Die Bevölkerung strömte damals zahlreich auf die Strassen. Mit Freudenrufen und Lieder singend solidarisierte sie sich mit den Aufständischen. Sie steckte den übergelaufenen Soldaten voller Freude Nelken in die Gewehrläufe. So erhielt die Revolution Portugals den Beinamen "Nelkenrevolution" (Revolução dos Cravos).

Obwohl die Nelkenrevolution einen gleichsam friedlichen und lyrischen Charakter hatte, wird der Freiheitstaumel in der Südwestecke Europas von der Weltöffentlichkeit mit Argwohn beobachtet, schickt sich doch Portugal, immerhin ein Gründungsmitglied der NATO, an, einen sozialistischen Staat zu errichten. Sowohl der Chef der Sozialistischen Partei, Mário Soares, der später wegen Korruption seine politische Laufbahn beenden musste, formulierte damals: „Ab sofort gehört das Produkt der Arbeit den Arbeitern und nicht den Parasiten“, als auch der Führer der Kommunistischen Partei, Alvaro Cunhal, ziehen als Minister in die neue Regierung ein. Diese Zusammenarbeit hält aber nicht lange, da Soares Portugal schon bald näher an die NATO-Staaten heranführen will, unterstützt wird er dabei vor allem von den USA und der BRD.

Noch geht es in der nächsten Zeit vor allem um die beiden Visionen: Ein sozialistisch-marxistisches Portugal, eng verbunden mit afrikanischen Befreiungsbewegungen. Und zum anderen um eine bürgerliche, kapitalistische Demokratie nach westlichen Muster. Die Sozialisten erhalten zunehmend Unterstützung, nicht nur aus dem Ausland, sondern auch von der Kirche, von Mittelschicht und konservativen Bauern, und von den rückkehrenden Kolonial-Siedlern. Am 25. November 1975 wird der Revolutionsrat schließlich entmachtet und wenig später geht die Sozialistische Partei unter Soares aus den Parlamentswahlen als Siegerin hervor. Trotz heftigsten Widerstandes der MFA und der PCP werden fast alle revolutionär-demokratischen Reformen zurückgedrängt, Portugal schließlich in die EU geführt.

zurück

Das Lied "Grândola vila morena"

Es stammt vom antifaschistischen Protestsänger José Afonso (1929 - 87), Spitzname "Zeca", der seinen ganz eigenen Fado kreierte, der die Wurzeln im intellektuellen Fado de Coimbra hatte. José Afonso war einer der bekanntesten Oppositionellen Portugals. Das Lied "Grândola vila morena" besingt die Stadt Grândola, die eines der Widerstandszentren war. Das Lied gehörte zu den zahlreichen von der Caetano-Diktatur verbotenen Liedern des Komponisten und vieler seiner Gefährten. Den Machthabern war der doppeldeutige Liedtext, der auf die Verfolgung durch die portugiesische Geheimpolizei (PIDE) anspielte, ein Ärgernis. Den Unterdrückten und Verfolgten war er jedoch eine Stimme der Hoffnung.

Portugiesischer Originaltext:

Grândola vila morena,
Terra da fraternidade,
O povo é quem mais ordena,
Dentro de ti ó cidade.

Dentro de ti ó cidade,
O povo é quem mais ordena,
Terra da fraternidade,
Grândola vila morena.

Em cada esquina um amigo,
Em cada rosto igualdade,
Grândola vila morena,
Terra da fraternidade.

Terra da fraternidade,
Grândola vila morena,
Em cada rosto igualdade,
O povo é quem mais ordena.

À sombra de uma azinheira,
Que já não sabia a idade,
Jurei ter por companheira,
Grândola a tua vontade.

Grândola a tua vontade,
Jurei ter por companheira,
À sombra de uma azinheira,
Que já não sabia a idade.

Deutsche Übersetzung:

Grândola braune Stadt,
Land der Brüderlichkeit,
Das Volk regiert,
In Dir, oh Stadt.

In Dir, oh Stadt,
Regiert das Volk,
Land der Brüderlichkeit,
Grândola braune Stadt.

Hinter jeder Ecke ein Freund,
In jedem Gesicht Gleichheit,
Grandola braune Stadt,
Land der Brüderlichkeit.

Land der Brüderlichkeit,
Grandola braune Stadt,
In jedem Gesicht Gleichheit,
In Dir regiert das Volk.

Im Schatten einer Steineiche,
Die ihr Alter nicht mehr weiss,
Habe ich dir Treue geschworen,
Grândola, nach deinem Willen.

Grândola, nach deinem Willen,
Habe ich dir Treue geschworen,
Im Schatten einer Steineiche,
Die ihr Alter nicht mehr weiss.

zurück

 

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62 3601 0043 0433 4074 36., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!