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Unter
roten Fahnen lief ein deutscher Minenleger durch die Kieler Förde
ein, die „Meuterer“ wurden von der eigenen Flotte versenkt,
noch Tage nach der Kapitulation! So ging es weiter, hätte nicht
die Sowjetregierung auf der Verhaftung und dem endgültigen Ende
des nationalsozialistischen Mummenschanzes bestanden. Hätte
Stalin nicht „Basta!“ gesagt, hätten die Nazis immer noch
munter weitergemacht. |
Dr.
Seltsam: Rede zum 8. Mai 2005
Gehalten
auf der Kundgebung zur Rückbennenung der „Straße der Befreiung“
(B1) in Berlin Lichtenberg am 8.5.05 um 10 Uhr durch den „Konvoi der
Roten Armee“ und bei „Dr. Seltsams Wochenschau“ im Max un Moritz
am 8.5.05, 13 Uhr.
Bundespräsident
Richard von Weizsäcker, in seiner nachmalig sehr berühmten Rede zum
8.Mai 1985, bekannte erstmalig so etwas wie deutsche Schuld am Zweiten
Weltkrieg und der Ermordung von Juden, Schwulen und Zigeunern. Das war
sehr ehrenvoll, aber er vergaß leider, dass die Klassen, denen Hitler
die Geschäfte führte, immer noch am Ruder sind und so verpuffte seine
Mahnung als „König Silberzunge“. Von dem jetzigen Bundespräsidenten
Köhler erwartet die Welt nun ein moralisches Gegengewicht zur
Nazimarschparole „Schluss mit Befreiungslüge und Schuldkultur“ -
eine Aufgabe, an der er, einerseits wegen der real existierenden
Renazifizierung der deutschen Öffentlichkeit, aber auch andererseits
aufgrund seines eklatanten Mangels an historischer Bildung und dem
Geschmack eines Sparkassenfilialleiters, voraussichtlich scheitern wird.
Ich weiß nicht, was Köhler reden wird, aber ich bin absolut sicher, daß
er die folgenden Fakten auch wieder, wie seine Vorgänger und
Mitpolitiker, verschweigen wird.
Achter
oder neunter Mai?
Schon
das Datum ist falsch: Am 8. Mai hatte die Wehrmacht in Reims zunächst
gegenüber den USA und Großbritannien die Kapitulation erklärt, mit
dem heimlichen Hintergedanken, als Juniorpartner des Westens gegen den
Bolschewismus weiterzukämpfen. Von Norwegen bis Griechenland standen
noch 8 Millionen Bewaffnete unter deutschem Kommando. Fast bis in den
Juni hinein regierte in Flensburg-Mürwik der von Hitler zum neuen „Führer“
bestimmte Admiral Dönitz weiterhin das „Deutsche Reich“. Es wurden,
zum Beispiel unter dem „schrecklichen Marinerichter“ Filbinger,
weiterhin „Deserteure“ verurteilt und hingerichtet, die britische
Armee lieh die Gewehre dafür her. In amerikanischen
Kriegsgefangenenlagern wurde die Diktatur der Nazi-Soldaten geduldet und
erstaunlich viele kritische deutsche Soldaten erlitten merkwürdige tödliche
Unfälle. Unter roten Fahnen lief ein deutscher Minenleger durch die
Kieler Förde ein, die „Meuterer“ wurden von der eigenen Flotte
versenkt, noch Tage nach der Kapitulation! So ging es weiter, hätte
nicht die Sowjetregierung auf der Verhaftung und dem endgültigen Ende
des nationalsozialistischen Mummenschanzes bestanden. Hätte Stalin
nicht „Basta!“ gesagt, hätten die Nazis immer noch munter
weitergemacht. Man muß sich mal vorstellen, was deutsche Nationalisten,
die sogar Auschwitz leugnen, heute über das Kriegsende erzählen würden,
wenn Stalin nicht auf einer besonderen Kapitulation vor der Sowjetarmee
bestanden hätte! So wurde in Berlin- Karlshorst von einem mürrischen,
unwilligen Keitel die endgültige Kapitulation vollzogen, am 9. Mai 1945
um Null Uhr 16. Man kann die arroganten Fressen der Besiegten im
Kapitulationsmuseum alle zehn Minuten im Film sehen und sollte dies auch
tun: Damit erst wurde die Niederlage des deutschen Imperialismus
widerwillig anerkannt. Sie wurde am 9. Mai 1945 um null Uhr eins
wirksam. Dies ist deshalb der wirkliche Siegestag, der 8. Mai ist Tag
des Zusammenbruchs, der Victory Day der Westmächte, der von der
Mehrheit der Deutschen als
ihre Niederlage begriffen wurde. „Befreit wurde damals nur eine kleine
Minderheit. Unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern wollten nicht
befreit werden.“(Leserbrief im Stern11/05) Antifaschist sein in
Deutschland,das heißt, Leute, die unter Hitler ihre schönste Zeit
hatten, vom Gegenteil zu überzeugen. In Moskau wird bis heute am 9.
Mai der Tag des Sieges über den Faschismus begangen, das ist der wahre
Feiertag aller linken Antifaschisten. Und es ist nicht falsch, wenn
Stalins Bild dabei mitgetragen wird.
2.
Kriegsende kein Ende des Krieges
Fast
überall kämpften die Deutschen bis „fünf nach zwölf“. Die vorrückenden
Alliierten hatten schlimme Erlebnisse: die KZs voller Leichenhaufen, die
verbissenen Gegenoffensiven, obwohl schon alles verloren war. Die
deutschen Soldaten waren nicht „tapfer“, sondern sinnlos mordlustig,
sie wollten einfach nicht aufgeben und es gibt keine Berichte von größeren
kapitulierenden Einheiten. Im Chaos des Zusammenbruchs funktionierten
weitgehnd unbehindert umherschweifende Kriegsgerichte, Sprengtrupps und
die KZ-Bewachung. Bei anrückender Front wurden Gefangene noch schnell
umgebracht oder auf grausame Todesmärsche gezwungen, wohl um dem Feind
keine Zeugen zu hinterlassen. Im KZ Mauthausen flüchtete die SS und überließ
die Bewachung der Linzer
Feuerwehr, die für diesen Zweck Waffen faßte und bis zum 9. Mai
„tapfer“ durchhielt. Die meisten Toten gab es im letzten Kriegsjahr,
nach dem 20.Juli 44, als offenkundig alles verloren war und jeder vernünftige
Soldat nur noch die Aufgabe und das eigene Überleben im Kopf haben
sollte. Aber zum Ende hin wüteten die deutschen Truppen
immer schlimmer statt „befreiter“, den vorrückenden
Alliierten müssen die letzten Kriegsmonate wie ein gigantischer
Selbstmord der Deutschen vorgekommen sein, was Hitler ja auch befohlen
hatte. Diese mangelnde Friedensbereitschaft in der Niederlage ist ein
historisches Rätsel, aber auch kein Wunder: Sie wußten, was sie in den
besetzten Ländern angerichtet hatten und fürchteten Rache. „Wenn die
mit uns dasselbe machen wie wir mit ihnen, dann sind wir alle
verloren,“ sagten die Landser.
3.
Unverdiente Gnade
Dabei
haben sie noch Glück gehabt: Die Atombombe war nicht fertig! Die
Atombombe wurde gegen Berlin gebaut. Die führenden Physiker hatten in Göttingen
studiert und waren dort nach 1930 persönlich von Nazihorden mißhandelt
und vertrieben worden, sie hatten Angehörige im KZ verloren, sie
kannten die Nazis und wollten sie vernichten. Daß dieses Rachewerkzeug
die Deutschen nicht mehr getroffen hat, sollten sie als unverdientes Glück
begreifen und den Befreiungstag doppelt feiern, im eigenen Interesse.
Das Verdienst daran kommt aber nicht ihnen zu sondern der sowjetischen Führung,
die unablässig die schnellstmögliche Einnahme Berlins befahl und unter
furchtbaren eigenen Opfern durchsetzte. Nicht nur dafür sollten wir täglich
innehalten: „Dank euch ihr Sowjetsoldaten!“
4.
Hitlers Pläne
Interessant
ist, was Hitler mit dem deutschen Volk plante, falls er den Krieg
gewonnen hätte: Vernichtung von achtzig bis hundert Millionen Russen
und Ukrainer und dafür deutsche Bauern als moderne Sklavenhalter bis
hin zum Ural. Aber nur psychisch sehr kaputte Menschen wären gern
Kolonialherren und peitschenschwingende Völkermörder, - auch das ist
uns erspart geblieben. Das deutsche Volk sollte nach dem Endsieg mit
einer Röntgen-Reihenuntersuchung durchkämmt werden und alle
Herzschwachen, Unsportlichen, Dunkeläugigen
und Lungenkranken ausgerottet werden: Die Zeithistoriker wundern
sich, wozu Auschwitz bis zuletzt immer weiter ausgebaut wurde, obwohl
die Zahl der Juden abnahm. Das Vernichtungslager war für UNS gedacht, für
die Dicken, Faulen, Aufsässigen, Ungehorsamen und Alten, Kranken,
Linken. Jeder von uns ist durch die Niederlage der Nazis, durch Stalins
Sieg, aus Todesgefahr erlöst worden.
5.
Flucht und Vertreibung
Im
Mittelpunkt des offiziellen Gedenkens am 8. Mai stehen die deutschen
Opfer von „Flucht und Vertreibung“, beides wird vornehmlich der
Sowjetunion und dem Kommunismus angelastet. Dabei haben die Deutschen
sich dies nun wirklich alles selber eingebrockt. Die meisten
Vertreibungen geschahen durch SS und Wehrmacht selbst, um freies
Kampffeld zu haben. Die anschließende Befreiung der Ostländer von
Deutschstämmigen war klarer gemeinsamer Beschluß der Alliierten, um für
alle Zukunft zu verhindern, daß dort ansässige Deutsche wieder zum
Vorwand für Gebietsansprüche, als „Fünfte Kolonne“ mißbraucht würden,
von heute aus gesehen eine überaus weise Entscheidung, wenn man an das
Getue um das „Museum der Vertreibung“ denkt oder an die unverschämten
Restitutionsforderungen der „Vertriebenenverbände“ oder die Landkäufe
reicher Deutschen in Polen und Königsberg. Die Sudetendeutschen etwa
hatten zu über 90 % Hitler gewählt und die tschechische Republik
sturmreif gemacht, wenigstens diese „Volksgruppe“ hat wirklich
„selbst Schuld“ und sollte einfach stille sein. Ich kenne
kommunistische „Sudetendeutsche“, die bis heute mit der Umsiedlung völlig
einverstanden sind und sie als logisches Ergebnis der Vorkriegs-
Provokationen in der Tschechoslowakei erkennen, obwohl sie persönlich
nicht daran beteiligt waren. Aber diese selbstverständliche Übernahme
von Verantwortung für die soziale Gruppe, zu der man gehört, ist eine
Seltenheit. Die erste Vertreibung geschah in Hitler-Deutschland mitten
im Frieden: Hunderte für staatenlos erklärte Juden wurden überaschend
ins Niemandsland zu Polen getrieben, wo viele starben; ein Unrecht, das
Herschel Grynspan zu den Schüssen auf den Nazi-Diplomaten Mirbach in
Paris veranlaßte und damit den Vorwand zur „Reichskristallnacht“
lieferte. Eine Geschichte, die bei den Rechten absichtsvoll verschwiegen
wird. Die bewußtlosen Anklagen deutscher „Vertriebener“, die
ausschließlich das ihnen von Russen und Polen widerfahrene Leid
beklagen ohne Mitschuld als Angehörige einer Nation, die den
Angriffskrieg begann, wahrznehmen, ist eine empörende moralische
Unverschämtheit, die ungestört zuzulassen uns Nachgeborene
schon wieder selber ins Unrecht setzt. Die Vertriebenenverbände
argumentieren wie der Elternmörder, der vor Gericht mildernde Umstände
fordert, weil er Vollwaise ist.
6.
Vergewaltigt
In
den Medien rundum werden die USA zum eigentlichen Befreier erklärt, Motto:
„Aus dem Westen kamen die Befreier, aus dem Osten Vergewaltiger“.
Dabei wird so getan, als sei irgendeine besondere, gar genetische
„Barbarei“ der russischen und mogolischen Sowjetsoldaten die Ursache
für Vergewaltigungen an (womöglich rassisch höherstehenden?!)
deutschen Frauen. Nicht nur aus feministischer Sicht ist das Übel an
jedem Krieg, daß männlich-patriarchalische
Raubinstinkte losgetreten werden, deswegen sind wir Kriegsgegner. Aber
die Schuld trifft natürlich denjenigen, der den Krieg begann. Von allen
Armeen wurden sexistische Gräuel berichtet, etwa bei der Besetzung
Pforzheims durch die Franzosen, und Erich Kuby (in „Die Russen in
Berlin“) berichtet von hunderten bestraften GIs der US-Armee. Erwiesen
ist, daß auch die russischen Offiziere erwischte Vergewaltiger
bestraften. Erwiesen ist, daß es einen Aufruf von dem jüdischen
Schriftsteller Ilja Ehrenburg „Schändet die deutschen Heldenmütter!“
nicht gab. Erwiesen ist, daß dies die letzte dreckige Lüge aus dem
Durchhalteblatt „Panzerbär“ vom Goebbels-Ministerium war neben all
den panischen Vergewaltigungsstories, die später vom Hörensagen als
wahr herumerzählt wurden. Erwiesen ist, daß Sowjetsoldaten ihr letztes
Brot teilten, um die befreiten Deutschen vorm Verhungern zu bewahren und
daß die sowjetische Verwaltung unter Bersarin Millionen Berliner
versorgt und gerettet hat. -Wenn man sieht, wie heftig diese Frage
indoktriniert wird, etwa zuletzt von dem Leiter der Stasi-Gedenkstätte
Hohenschönhausen Hubertus Knabe (im Inforadio 3.5.05, 10:45), nach dem
„systematisch... flächendeckend(!)... fast alle Frauen und Mädchen
vergewaltigt wurden“, dann vermutet man dahinter mehr als das
Bestreben, die „Russen“ als potenzielle Bündnispartner abzuwerten,
sondern es steht eine neurotische Vermeidung zu vermuten. Tatsächlich
verbirgt sich dahinter eines der großen Geheimnisse des Zweiten
Weltkrieges: Die schlimmsten Vergewaltiger im Ausland waren nämlich die
deutschen Truppen! Es gab Frontbordelle in allen Ländern; in den KZ
hielten die Wächter sich vergewaltigte Frauen, „Rassenschande mit
Huren bis zur Vergasung“. Die ständigen Apelle Himmlers an die
SS-Soldaten, sie sollten vor allem „anständig“ bleiben, belegen,
dass sie genau das nicht waren. Die gewaltigen Zahlen Geschlechtskranker
in der Wehrmacht lassen Rückschüsse auf massenweisen nicht
einvernehmlichen Geschlechtsverkehr zu. Schließlich: Deutsche Soldaten
haben in Rußland 20 bis 25 Millionen Zivilisten umgebracht; wer fragt
da, wieviele zuvor vergewaltigt wurden? Auch aktuell sind die deutschen
Soldaten der Bundeswehr zum Beispiel im Kosovo als brutal
frauenverachtende Freier bekannt und so gefürchtet, dass die Grüne
Offiziersfrau Angelika Beer die Anlage eigener Bundeswehrbordelle
vorschlug. Wer angesichts deutscher Verbrechen in aller Welt sich immer
nur als „Deutsches Opfer“ fühlen kann, hilft neue Verbrechen des
Imperialismus mit vorzubereiten! Meine Gedanken sind an diesem Tag nicht
bei den „Deutschen Opfern“, sondern bei den Millionen, die aus
Lagern befreit und in letzter Minute von den Alliierten Armeen vor dem
Tode gerettet wurden. Die deutschen Soldaten und die Zivilbevölkerung
hat wenig zu ihrer Befreiung beigetragen, sie eher gegen die Rote Armee
verhindert. Deswegen sollte uns in diesem Mitleiden mit den ärmsten
Opfern eine ungeheure Dankbarkeit erfüllen, wer sich am Tag der
Befreiung nicht freuen kann, hat verloren. |