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„Für
die Kommunistische Partei! Für die
Sowjetunion! Für die Rote Armee!“
RICHARD
SORGE „RAMSEY“ - DER RETTER MOSKAUS
von
Prof. Wladimir Abreu
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Tribuna
Popular vom 21. Oktober 2009 - Richard Sorge wurde am 4.
Oktober als Sohn eines deutschen Vaters und einer russischen Mutter in
Baku geboren. Sein Vater gehörte der 1. Internationale an und wurde
dort Sekretär von Karl Marx.
Richard
Sorge lebte seit seinem 3. Lebensjahr in Berlin in einer sehr
konservativen Umgebung. Als junger Mann schließt er sich dem
kaiserlich-deutschen Heer im 1. Weltkrieg an. Er erlebt die Schrecken
der Schützengräben als Folge des Streits der europäischen
Bourgeoisien um eine Neuaufteilung der Welt.
Der
Krieg beeinflusst die politische Zukunft von Richard Sorge. Erst
schreibt er sich 1917 in die USPD ein. Anschließend wird er 1919 Gründungsmitglied
der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), der Partei von Rosa
Luxemburgs, Karl Liebknechts und Ernst Thälmanns.
Am
Ende des 1. Weltkriegs erreicht Richard Sorge den akademischen Grad
eines Doktors der Wissenschaften an der Universität Hamburg. Er wird
als Lehrkraft angestellt. Gleichzeitig wird er Bergarbeiter, um seine
Arbeit als Mitglied der KPD besser zu erfüllen.
1925
reist er in die UdSSR. Er wird Mitglied der KPdSU. Durch seine Fähigkeiten
im Beherrschen der russischen und der deutschen Sprache sowie seiner
Gewandtheit auch in anderen Sprachen ist Sorge ein idealer Kader für
die Tätigkeit als Kundschafter der OGPU bei der Bekämpfung der
Machenschaften der faschistischen und militaristischen Großmächte, die
bereits ihre Krallen um das erste Vaterland der Arbeiter zu schließen
beginnen.
1930
führt er einen Auftrag in Shanghai aus. Er baut Informationsnetzwerke
im Fernen Osten auf. Dies unter den Decknamen „Fix“, „Sontel“,
„Inson“, „Schmid“, „Johson“ und dem berühmten „Ramsay“.
In Shanghai betätigte er sich unter dem Deckmantel des Korrespondenten
der deutschen Zeitschrift „Soziologische Magazine“.
In
China bleibt Richard Sorge dicht an den Aggressionshandlungen dran,
welche der japanische Militarismus ständig an Grenzabschnitten der
chinesisch-sowjetischen Grenze während der japanischen Besatzung ausführt.
In
Shanghai sollte Richard Sorge zwei Persönlichkeiten kennenlernen, die
bei der künftigen heldenhaften Arbeit in den inneren Strukturen des
japanischen Imperialismus von grundlegender Bedeutung sein sollten: den
deutschen Antifaschisten Max-Gottfried Klausen, einen ausgezeichneten
„Pianisten“ (im Geheimdienstjargon ein Funker). Der andere Mann
sollte der japanische Kommunist Ozaki Hozumi sein, ein Intellektueller
aus einer aristokratischen Familie, der ein mutiger und heldenhafter
Antifaschist ist.
1932
kehrt der tapfere sowjetische Kundschafter nach Moskau zurück, wo er
neue Instruktionen erhält. Er wird mit der Errichtung eines
Informationsnetzwerkes in Tokio und der Überwachung aller möglichen
Handlungen der japanischen imperialistischen Kamarilla beauftragt. Bei
dieser Zielsetzung kommt Richard Sorge seine deutsche Abstammung zugute,
um bis in die inneren Strukturen der Nazi-Hierarchie vorzudringen und
nach Japan entsandt zu werden. Er wird in Tokio Korrespondent der
deutschen „Frankfurter Zeitung“ und der „Technischen Rundschau“.
Richard
Sorge reist von Deutschland nach Kanada. Von dort aus reist er weiter in
die USA. Und dann am 6. September 1933 kommt er in Tokio unter dem
Deckmantel des deutschen Journalisten an. Richard Sorge findet rasch
Zugang zu den exklusivsten Ebenen der japanischen Aristokratie und der
deutschen Botschaft in Japan. Eugene Ott, ein hoher Nazifunktionär in
Tokio, wird sein Freund und vertraut ihm viele wichtige Informationen
aus den Beziehungen zwischen Nazideutschland und dem imperialistischen
Japan an. Er bat Richard Sorge sogar, die Pressesprecherfunktion der
deutschen Botschaft in Tokio zu übernehmen. Er nimmt dies an, nachdem
er den Unbekümmerten abgegeben hat. Sorge sollte es sein, der die
Geheimberichte redigiert, welche hohe deutsche Marine- und
Heeresoffiziere nach Berlin senden.
1935
reist Richard Sorge insgeheim nach Moskau und kehrt in Begleitung von
Max-Gottfried Klausen, seinem Funker, und dessen Gattin Anna Vallennius
(die eine wertvolle Arbeit im Netzwerk verrichten sollte) zurück.
Klausen würde die von Sorge beschafften wertvollen Informationen nach
Moskau funken. Dieser Funkverkehr wird ständig vom japanischen
Geheimdienst abgehört, aber die Chiffrierung konnten sie dabei nie
knacken.
Richard
Sorge schaffte es sogar, in die Gestapo-Strukturen einzubrechen, die in
Japan tätig war. Er beschaffte und lieferte nach Moskau alle
Informationen aus dieser grausigen faschistischen deutschen Polizei.
Die
Funksprüche von Klausen sind großartig. Beeindruckend rasch gelangen
die Informationen an das Ziel. Klausen schafft sogar, diese
Informationen zu vereinfachen und den Wert von ihnen dabei noch zu erhöhen.
1939 sendet er 23.139 Worte in 60 Funksprüchen. 1940 sind es 19.179
Worte, 1941 sind es 13.103 Worte in 20 Funksprüchen. Dabei vermeidet er
stets, dass der japanische Geheimdienst es schaffen kann, die Codes zu
dechiffrieren.
Am
20. Mai 1941 senden Richard Sorge und sein Funker Max-Gottfried Klausen
folgende Meldung nach Moskau: „Hitler zieht derzeit 170 bis 190
Divisionen zusammen. Der Angriff wird am 20. Juni stattfinden. Sein
unmittelbares Ziel wird Moskau sein.“ Das Sowjetische Oberkommando
sollte diese Information unterschätzen und hielt sie für eine
Machenschaft der deutschen Spionage-Abwehr, um den Krieg fortzusetzen,
wenn die UdSSR noch nicht komplett vorbereitet war.
Am
22. Juni startet das faschistische Deutschland die Invasion gegen die
UdSSR, die „Operation Barbarossa“. Stalin begreift den begangenen
Fehler und bei der nächsten Gelegenheit sollte er den Berichten von
„Ramsay“ alias Richard Sorge in Japan Beachtung schenken.
Am
15. Oktober 1941 übermitteln Richard Sorge und Max-Gottfried Klausen
eine weitere wertvolle Information nach Moskau. Hier der Wortlaut der
Meldung: „Die Armee von Kouantoung greift Sibirien nicht an. Japan hat
beschlossen, niemanden anzugreifen außer die Vereinigten Staaten und
England. Ich wiederhole: Neutralität von Japan gesichert. Russland wird
nicht angegriffen.“ Einen Monat später wird die sowjetische
Heeresgruppe von Marschall Ermenko, die den Fernen Osten der UdSSR schützt,
zur Verstärkung Moskaus in Marsch gesetzt. Diese strategische Operation
sollte die sowjetische Hauptstadt retten und grundlegend für den
Verlauf des Großen Vaterländischen Krieges der UdSSR werden.
Richard
Sorge wird drei Tage später festgenommen, d.h. nach jenem Funkspruch.
Seine Festnahme ist Ergebnis eines Verrats. Eine Routine-Operation der
Kempetai, der japanischen Geheimpolizei, gegen die japanische
Kommunistische Partei, führt zur Festnahme von Tomo Kitabayashi,
welcher Miyagi Yotoku verrät, welcher wiederum Ozaki Hozumi verrät,
welcher dann trotz aller Folter standhaft bleibt und der japanischen
Polizei kein Wort sagt. Aber die japanische Geheimpolizei Kempetai legt
Wanzen im Haus von Hozumi. Und nach und nach fallen ihr die Mitglieder
des Netzwerkes in die Hände. Insgesamt werden 35 antifaschistische Kämpfer
festgenommen.
Ozaki
Hozumi wird verurteilt und hingerichtet. Max-Gottfried Klausen wird zu
lebenslänglicher Haftstrafe verurteilt. Dieselbe Verurteilung erfährt
Anna Vallennius, der Kroate und Journalist Branko Vukelic, welcher zu
lebenslänglicher Haft verurteilt wird und im Gefängnis sterben sollte.
Richard
Sorge wird am Galgen am 7. November 1944 hingerichtet, am Jahrestag der
Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Als er die letzten Stufen
emporsteigt, ruft er noch aus: „Für die Kommunistische Partei! Für
die Sowjetunion! Für die Rote Armee!“
Am
4. September 1964 heißt es in einem Artikel der Prawda: „Es ist die
Stunde gekommen, von einem Mann zu sprechen, dessen Name für die
kommenden Generationen ein Symbol für die Aufopferung für die Sache
des Friedens, ein Symbol für die Würde und das Heldentum ist ...
Richard Sorge“. In Moskau wird ein Film über sein Leben geplant. Wer
sind Sie, Herr Sorge? Von Ives Ciampi. Ihm werden Orden auf Orden postum
verliehen, so der Orden Held der Sowjetunion. Seinen überlebenden
Kundschaftergefährten, dem Funker Max-Gottfried Klausen und Anna
Vallennius, wird der Rotbannerorden und außerdem die Medaille in Gold für
Verdienste der Nationalen Volksarmee der DDR verliehen.
Aber
das größte Gedenken für Richard Sorge und die tapferen Mitglieder
seiner Gruppe ist das Anerkennen, dass sein heldenhaftes Handeln in den
inneren Strukturen des japanischen imperialistischen Ungeheuers ein
hochbedeutsamer Beitrag bei der Zerschlagung des Faschismus im 2.
Weltkrieg war.
Von
Prof. Wladimir Abreu.
Quelle:
http://www.pcv-venezuela.org/index.php?option=com_content&task=view&id=5877&Itemid=49 |