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Zum
70. Jahrestag des Krieges in Spanien
Ein
Beitrag aus russischer Perspektive
Quelle:
Kominform.at
17.07.2006
Im Juli 1936 begann der faschistische Aufstand in Spanien. Dieser
Aufstand war eine Antwort der Reaktion auf den Sieg der spanischen
Volksfront bei den Parlamentswahlen im Februar (zum ähnlichen Zeitpunkt
hatte auch die Volksfront im Nachbarland Frankreich einen Sieg
gefeiert). Während der ersten Wochen war der Aufstand nicht
erfolgreich. Ein Großteil des Heeres und fast die ganze Flotte sind
nicht den Generälen gefolgt und die republikanische Regierung konnte
die Macht in den meisten Städten erhalten. Einer der Anführer des
Aufstandes, General Molah, schrieb in den ersten Tagen an Franco, er
hielte die Sache für verloren. Die Hilfe für die Aufständischen kam
von außen. Mit deutschen Transportflugzeugen wurden 18.000 voll
bewaffnete marokkanische Soldaten und Offiziere und dann auch
Fremdenlegionen eingeflogen. Auf Hitlers Weisung wurden mehrere
Fliegerregimenter (die so genannte Legion Condor) geschickt. Außerdem
erhielten die Aufständischen 650 Flugzeuge, etwa 200 Panzer und 700
Geschütze aus Deutschland.
Mussolini
schickte nach Spanien über 150.000 Soldaten und Offiziere, mehr als
1000 Flugzeuge, 950 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, fast 2000 Geschütze
und riesige Mengen von Munition. Faschistische Länder begannen eine
breite propagandistische Kampagne, der Berliner Rundfunk teilte der Welt
mit, dass eine Gefahr der „Bolschewisierung“ Spaniens drohe und dass
Moskau Spanien für einen „Sprung nach Frankreich“ benötige.
Westliche Demokratien haben die spanische Republik in keiner Weise
unterstützt. Sie haben einen Ansatz der „Nichteinmischung in
spanische Angelegenheiten“ entwickelt.
Die
Führung der UdSSR ging davon aus, dass, wenn alle Großmächte an
dieser Politik festhalten würden, die spanische Republik den Aufstand
auch alleine niederkämpfen könne, und hat diesen politischen Ansatz
zunächst unterstützt. Aber sehr bald ist klar geworden, dass beide
faschistischen Mächte es nicht beabsichtigten, dem Geschehen
fernzubleiben und dass sie ihre Einmischung in den Bürgerkrieg in
Spanien verstärkten. Bereits im Oktober 1936 hat die sowjetische
Regierung von der Notwendigkeit gesprochen, „der Regierung Spaniens
erneut das Recht und die Möglichkeit zu geben, Waffen außerhalb
Spaniens zu kaufen. ... Die sowjetische Regierung kann ein Abkommen über
die Nichteinmischung für sich für nicht verbindlicher halten als jede
andere Partei dieses Abkommens.“
Nach
Spanien wurden sowjetische Schiffe geschickt, die nicht nur Lebensmittel
und Medikamente brachten. Im Laufe eines Jahres „von Oktober 1936 bis
September 1937“ sind 23 Transportschiffe mit Kriegsmaterial aus
Schwarzmeerhäfen ausgelaufen. Die spanische Republik wurde mit 806
Kampfflugzeugen, 1555 Geschützen und über 15.000 Granatwerfern unterstützt.
Sowjetische Flieger, Artilleristen und Panzergrenadiere kamen dem
spanischen Volk zur Hilfe. Als militärische Berater der
republikanischen Armee kamen hervorragende militärische Spezialisten,
die späteren Marschälle K.A. Merezkow und R. Ja. Malinowski, General
G.M. Stern, der spätere Hauptmarschall der Artillerie N.N. Woronow, der
spätere Armeegeneral P.B. Batow, Admiral N.G. Kusnezow, der spätere
Stellvertretende Befehlshaber der sowjetischen Luftwaffe General Ja. W.
Smuschkewitsch, General I.N. Nesterenko und andere. 160 sowjetische
Flieger nahmen an der Verteidigung Madrids teil. Die Gesamtzahl der
sowjetischen militärischen Spezialisten, die auf der Seite der Republik
gekämpft haben, betrug 2000.
In
der UdSSR entwickelte sich eine breite Solidaritätskampagne mit der
Spanischen Republik. Arbeiter, Bauern, Ingenieure, Ärzte, Künstler
haben Geld gesammelt, mit dem Waren für die spanische Bevölkerung
bezahlt wurden. An Kundgebungen in Moskau, Leningrad und anderen Städten
nahmen Hunderttausende teil. Tausende Kinder republikanischer Kämpfer
wurden in die UdSSR geschickt und vom Sowjetvolk herzlich begrüßt.
Viele
Städte Spaniens wurden von den Eindringlingen aus der Luft bombardiert
und von der See beschossen, zwei Städte, Almeria und Guernica, ganz
zerstört. Die Förderer der Aufständischen haben versucht, eine
Blockade der Republik zu organisieren. Italienische U-Boote griffen
sowjetische Schiffe an. Die Transportschiffe „Komsomol“, „Timirjasjew“
und „Blagojew“ wurden versenkt. Die sowjetische Regierung nahm an
der Konferenz von neun Staaten in Nion (September 1937) teil, auf der
England und Frankreich, die eine Ausweitung der Piraterie befürchteten,
eine Verpflichtung übernahmen, jedes U-Boot bzw. Flugzeug zu
vernichten, das Handelsschiffe angegriffen hat.
Die
Ereignisse in Spanien machten den demokratischen Kräften deutlich, dass
der Faschismus zur bewaffneten Offensive übergegangen ist. Überall
entstanden Solidaritätskomitees mit der Spanischen Republik. In Spanien
wurden sechs internationale Brigaden aus Freiwilligen gebildet, die von
allen Kontinenten gekommen waren. Ihre Gesamtzahl betrug über 30.000.
Das waren in der Regel Mitglieder kommunistischer und sozialistischer
Parteien. Um die spanische Republik zu verteidigen sind Palmiro
Togliatti, Luigi Longo und Pietro Nenni (Italien), Franz Dahlem, Manfred
Stern und Ludwig Renn (Deutschland), André Malraux (Frankreich), Ralf
Fors (England), Mate Zalka (Ungarn), Karol Svercherskj (Polen) und
viele, viele andere gekommen. Unter den jungen Kämpfern war auch das
Mitglied unseres Ehrenpräsidiums Kurt Goldstein sowie der spätere Held
des französischen Widerstandes Pierre George (Oberst Fabienne). Nicht
weniger als die Hälfte der Freiwilligen ist ums Leben gekommen bzw.
wurde verletzt und viele sind Invaliden geworden.
Die
geographische Nähe Deutschlands und Italiens zum Schauplatz und der
reibungslose Nachschub für die Aufständischen aus beiden großen
faschistischen Staaten führten zum wesentlichen Vorteil der Francisten
und ihrer Verbündeten gegenüber den Kräften der republikanischen
Armee. Im März 1939 nach 32 Monaten eines heldenhaften Kampfes ist die
Spanische Republik gefallen. Für fast 40 Jahre wurde im Land eine
totalitäre Diktatur errichtet. Aber das war nur die erste Schlacht in
der stürmischen Geschichte der 30er und 40er Jahre.
Sechs
Jahre nachdem das Bollwerk der Republikaner „Madrid“ gefallen war
(Ende März 1939), führten die Sowjetarmee und Truppen der Alliierten
die letzten Kämpfe auf dem deutschen Boden. Der große Sieg der
Anti-Hitler-Koalition hat die Völker Europas und der ganzen Welt vor
der schwebenden Gefahr der faschistischen Sklaverei gerettet. Gerade
dieser große Sieg eröffnete eine Perspektive des Zusammenbruchs der
den Krieg überlebten Diktaturen auf der Pyrenäenhalbinsel und des Übergangs
des spanischen Volkes zur demokratischen Entwicklung.
Ilja
Kremer, Moskau
Entnommen
dem Bulletin
der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) |