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KosmosdemjanskajaDeutsche Soldaten, kapituliert, bevor es zu spät ist. Der Sieg wird unser sein. Mein Tod wird gerächt werden. Wir sind über 170 Millionen, ihr könnt uns nicht alle hängen!“
Soja Kosmodemjanskaja unter dem Galgen

Die Partisanin Tanja

Am 29. November 1941 wurde die Komsomolzin und Partisanin Soja Kosmodemjanskaja von den Faschisten bestialisch gefoltert und ermordet.

Von Katarina Fatjanowa

Kommunisten-online am 1. Dezember 2011 – 70 Jahre sind vergangen seit der Heldentat von Soja Kosmodemjanskaja. Doch kein Jahr vergeht, ohne daß nicht die Konterrevolution bemüht ist, all das aus den Geschichtsbüchern und aus dem Gedächtnis der Menschen zu löschen, was der sowjetischen Jugend über Generationen als Beispiel für Standhaftigkeit im Kampf galt. Doch das wird nicht gelingen!

Wie eine Herde wildgewordener Affen stürzen sich korrupte bürgerliche Journalisten und Geschichtsfälscher über die unsterbliche Gestalt der sowjetischen Helden, um sie mit ihrem Kot zu bewerfen. Sie haben sich verabredet und Soja Kosmodemjanskaja zu einem  „Mythos der Stalinschen Propaganda“  erklärt, und sie behaupten, weder sei sie als Mensch so gewesen, noch handele es hier eine Heldentat. Wie kann man dem primitiven Zeitungsleser auch erklären, warum das Mädchen sich mit 18 Jahren freiwillig zur Front meldet und zu den Partisanen geht und wie es möglich ist, von Angesicht zu Angesicht mit dem Feind nicht zerbrochen zu werden, sich eben nicht von ihren Überzeugungen loszusagen und buchstäblich bis zur letzten Minute des Lebens die feste Überzeugung zu bewahren, daß die Rote Armee schnell kommen werde, daß „Stalin kommen wird“. Und natürlich wird es die Bourgeoisie in ihrem armseligen Bewußtsein niemals verstehen, daß ein zart Besaiteter dieser „hochzivilisierten“ Faschisten, der beim Verhör Sojas anwesend war, es nicht mit ansehen konnte, wie das Mädchen gequält wurde.

img209 Ermordung Kosmodemjanskaja
Die Hinrichtung Soja Kosmodemjanskajas

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Schulheft
Soja Kosmodemjanskajas Mitgliedsbuch des Leninschen Kommunistischen Jugendverbandes der Sowjetunion (Komsomol) Handschrift Soja Kosmodemjanskajas aus ihrem Deutschheft aus der Schule

So war sie also – die Partisanin Tanja… Um etwas darüber zu erfahren, wie sie lebte, muß man Ljubow Timofejewna Kosmodemjanskaja fragen, die Mutter zweier Helden der Sowjetunion (Sojas und ihres Bruders Alexander), die über ihre Kinder das bewegende Buch* „Soja und Schura“ schrieb. (Dieses Buch wurde übrigens in die Liste der Literaturempfehlungen der Jungen Garde der Bolschewisten aufgenommen.)

Soja wurde am 13. September 1923 in einem sibirischen Dorf (in Osinowyje Gai im Gebiet Tambow) geboren und lebte in Moskau. Als Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes der UdSSR (Komsomol) in der bewegten Stalinzeit, wuchs sie auf mit den Büchern von Nikolai Ostrowski und Ethel Voynich und wurde im Geiste des Heldentums der sowjetischen Bürgerkriegsteilnehmer erzogen. Eines ihrer größten Vorbilder war die von den weißgardistischen Kosaken ermordete Lehrerin Tatjana Solomach, ihr Bild trug sie in den letzten Stunden des Lebens bei sich. Nach ihr benannte sich die Partisanin Soja in der Gefangenschaft, und das gab ihr den Mut, dem Henker zu entgegnen: „Ich werde Sie um nichts bitten.“

Es kam der 29. November. Es war eine Woche vor dem Beginn der Zerschlagung der deutschen Armeen vor Moskau – die sowjetischen und die faschistischen Truppen standen sich gegenüber… Nicht nur, daß Soja – wie damals fast alle – an den schnellen Sieg der sowjetischen Armeen glaubte – sie war fest davon überzeugt. Noch als man ihr die Schlinge um den Hals gelegt hatte, rief sie ihre Landsleute dazu auf, gegen die Faschisten zu kämpfen, sie zu vernichten. Sie wandte sich an die deutschen Soldaten, die die Hinrichtungsstätte bewachten, nicht nur mit dem Aufruf, sondern mit der Forderung, sich in Gefangenschaft zu begeben. „Man führte sie ab und sie hielt eine Rede“, berichtete später einer der Bewohner von Petrischtschewa.

Katarina Fatjanowa

Anmerkung Redaktion Kommunisten-online: Sojas Leichnam wurde erst Ende Dezember bestattet. Bis dahin lag der Leichnam auf Anordnung des deutschen Kommandeurs halbnackt auf dem Dorfplatz. Hier wurde er mehrfach von besoffenen faschistischen Soldaten geschändet.


*  Ljubow Kosmodemjanskaja, Soja und Schura, Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1975

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Vandalismus im Museum für Soja Kosmodemjanskaja

Von Julia Aljochina

Übersetzung Karl-Heinz Schmidt

Konsomolskaja Prawda vom 9. Februar 2012 (Kommunisten-online am 14. Februar 2012) – Im alten Gebäude der Moskauer Schule № 201, wo Soja Kosmodemjanskaja einst lernte, befand sich bislang ihr Museum. Als die Schule dann in ein neues Gebäude umzog, wurde nur ein kleiner Teil der Exponate in einem Klassenzimmer untergebracht, der weitaus größere Teil aus den vier großen Museumsräumen wurde einfach dort „vergessen“. Schnell wurde im alten Schulgebäude mit der Renovierung begonnen, und alles was dort noch zurückblieb, wurde zertrümmert. Unsere Korrespondenten haben die ehemalige Schule und das Museum aufgesucht, um nachzusehen, ob dort noch etwas zu retten ist.

Wir gehen durch das Museum, genauer gesagt, was davon noch übrigblieb. Die vom Schmutz besudelten Heldentaten knirschen unter unseren Füßen. Vorsichtig versuchen wir, mit unseren Schuhen nicht auf unsere Geschichte zu treten. Doch so sehr wir uns auch bemühen, nicht immer gelingt es uns. Was für ein Fetzen zerknitterten Papiers klebt bei mir gerade unter dem Absatz? Vorsichtig hebe ich meinen Fuß und drehe das kleine Dreieck um. In meiner Hand halte ich den Teil eines Briefumschlags, den Lydia Nikolajewna Jurjewa ihrem Sohn an die Front schrieb, ein Original. Sie war die Russischlehrerin in der Klasse 4A, wo auch Soja und Jura Kosmodemjanski lernten. Ihr einziger Sohn, Wolodja Jurjew, war während des Krieges Panzerfahrer, gehörte jener „Kompanie der Rächer Sojas“ an, und er starb eines Heldentodes. Nach dem Krieg, als sie schon nicht mehr unterrichtete, kam Lydia Nikolajewna oft zu den Kindern in die Klasse, brachte ihnen Fotografien ihres Sohnes mit und berichtete über ihn. Auch dieser Brief wurde vor zehn Jahren hier „vergessen“, weil man ihn für „wertlos“ hielt.

Mit dem Vorschlaghammer auf die Helden

Wir, das sind die Korrespondentin „Komsomolskaja Prawda“ und der Heimatforscher Iwan Wladimirowitsch Gribkow. Voller Trauer gehen wir durch das zerstörte Museum Soja Kosmodemjanskajas im alten Gebäude der Moskauer Schule № 201 auf der Wojkowskistraße. Vor zwei Jahren erst war die historische Situation in einem besonders ausgestatteten Gedenkzimmer nachgestellt worden. Heute findet man hier nur noch das abgeschabte Sofa aus der Wohnung der Kosmodemjanskis mit einer hingeworfenen Decke. Auf dem Fußboden entdecken wir noch ein paar Kleidungsstücke von Soja und Jura. Obdachlose haben sie aus dem Museum geholt und zum Schlafen ausgebreitet. Ich ziehe einen, wie es scheint, gewöhnlichen schwarzen Lappen hervor, wohl ein Kleid aus den 30er Jahren, der Größe nach könnte es genau zu Soja passen. Eigenhändig haben die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums für Geschichte der Stadt Moskau diese Sachen so gepflegt, daß die Motten sie nicht zerstörten. Ringsumher nur Schmutz und Zigarettenkippen, an den Wänden, die den Helden und ihrem Leben gewidmet waren, unflätiges Geschmiere, so daß es mir die Sprache verschlägt! Ich gehe in den Klassenraum, wo Soja lernte. Der Blick fällt auf Berge von Gerümpel und darüber hingeworfene Präservative. Dutzende davon allein neben einer Matratze, die jemand ausgerechnet zwischen den zerschlagenen Büsten der beiden Helden der Sowjetunion, zwischen Soja Anatoljewna Kosmodemjanskaja und ihrem Bruder, dem Oberleutnant Alexander Kosmodemjanski, ausgebreitet hat. Der letzte Schlag des Vorschlaghammers traf gerade seinen Nacken. Die deutschen Geschosse im April 1945 konnten dem Kommandeur der Selbstfahrlafette SFL-152 beim Angriff nur wenig anhaben. Hier aber wurde ihm der Todesstoß versetzt.

Was ist das nur für ein Abschaum? Wer hat das hier nur alles angerichtet? Und warum waren die Obdachlosen ausgerechnet in dieser Gedenkstätte?

Direkt vor meinen Füßen liegt das zerschlagene Panorama des Dorfes Petrischtschewo, das vor einem halben Jahrhundert in mühevoller Kleinarbeit hergestellt wurde. „Das Modell bestand aus einigen Tausend Einzelteilen“, erläutert der Heimatforscher. „Sehen Sie, jedes Haus wurde in allen Details sorgsam reproduziert, genauso wie es im November 1941 ausgesehen hat, als dort Soja von den Nazis erhängt wurde. Hier ist der Ort der Gefangennahme, hier die Hütte, wo sie ganze Nacht gefoltert wurde, und hier der Ort ihrer Hinrichtung.“

Das Modell ist sehr groß. Es besteht aus mehreren Teilen. Einige sind noch ganz, andere sind völlig zersplittert. Nur gut, daß es mitsamt dem historischen Gebäude noch nicht abgebrannt ist. Im übrigen – und wenn man die Kippen hier sieht – 2010 hat es hier gebrannt, und es wurden Mittelteile des zweiten und dritten Stockwerks, der Dachboden und Teile vom Erdgeschoß zerstört. Wenn es hier wieder einmal brennt, wird vom Gebäude kein Balken mehr übrig bleiben, da es aus Holz besteht.

Gedankenlosigkeit oder Absicht?

Wir suchen die Verantwortlichen, um nachzufragen, wie es dazu kommen konnte. Haben die Zeiten sich unmerklich verändert? Die Hoffnung ist gering, doch möglicherweise kann man uns etwas erklären, etwas versprechen, erinnert man sich wieder…

Die Direktorin der Schule № 201 gibt uns leider keine Auskunft. „Alle wertvollen Exponate wurden herausgeholt. Alles, was dort zurückblieb, ist von ohne jeglichen historischen Wert", wies sie mich zurecht und erteilte damit meinen vorwurfsvollen Fragen und Argumenten eine Absage. Alle meine geringen Hoffnungen der Einsicht, des Verstehens und plötzlichen Bewußtwerdens schwanden dahin. Ich gehe also zur Leiterin der neuen Gedenkmuseums für Soja Kosmodemjanskaja, zu Natalja Kosowaja.

Die Ausstellung besteht jetzt nur aus einem Zimmer. In fünf Minuten hat man alles gesehen, eine „Veranstaltung“ durchgeführt und abgehakt – und die patriotische Erziehung der Jugend ist damit erledigt. Die nächste Gruppe steht schon vor der Tür. Sie kommen als Nichtsnutze herein und gehen als Patrioten wieder hinaus. In das Gedenkzimmer der neuen Schule hat man nur die Schulbank gestellt, an der Soja saß, ein Paar Hefte, ihre Lieblingsmütze, die Schlittschuhe, die Aktentasche und den Wecker, auf dessen Zifferblatt die Mutter für immer 9 Uhr eingestellt hat, die Zeit von Sojas Abschied in die Partisanenabteilung. Der gesamte übrige Inhalt der vier großen Räume der bisherigen Gedenkstätte wurde den Eindringlingen des alten Gebäudes überlassen, die über die Feuerleiter dorthin gelangten.

Es war kein Geheimnis, daß das Schulgebäude ein historisches Objekt von föderaler Bedeutung ist, doch heute ist es eine Ruine, die allen Winden offen steht und Bedürftigen ein Obdach bietet. Wie sich zeigte, wurde der Restaurierung des Gebäudes vom Kulturdepartement der Stadt Moskau schon vor 12 Jahren zugestimmt. Dafür sind jetzt alle Normen erfüllt. So wurden alle Computer- und sprachwissenschaftlichen Kabinette und die Lehrlaboratorien jetzt nach den neuesten Standards ausgestattet. Und da das Gymnasium ein selbständiges Ausbildungszentrum ist, wurde außerdem festgelegt, auf seinem Gelände einen Parkplatz einzurichten. Doch das ist noch nicht alles: Zwischen dem alten und dem neuen Gebäude soll eine Sporthalle mit einem überdachten Zugang errichtet werden. In der Halle ist zu alledem noch ein Schießstand mit fünf Zielscheiben vorgesehen. Für das Museums soll es, wie auch früher, einige größere Räume geben, einer davon soll der Schulgeschichte gewidmet sein. Und die Exponate, die weggekommen sind, sollen angeblich unbedingt wieder in das Museum zurückkommen. Man wird die Büsten also kleben müssen, und alles andere, was jetzt auf dem Boden herumliegt, wird mit dem Bauschutt abtransportiert. Es aufzuheben, ist offenbar niemand bereit.

Soja Kosmodemjanskaja – unsere Nationalheldin

Betrachtet man einmal diesen ganzen heuchlerischen Patriotismus, so glattgebügelt und offiziell, dann erinnert man sich an die Worte eines bekannten Musikers: „Auf einer Geige darf man nicht nur gut spielen. Gutes Spiel auf der Geige zu hören, ist unmöglich. Auf einer Geige muß man genial spielen.“ Das gleiche gilt für Soja Kosmodemjanskaja. Leider gibt es heute über sie nur wenige gute Beschreibungen. Gute Beschreibungen sind für das Museum nur tote Artefakte. Aber Soja ist kein Exponat. Soja ist unsere sowjetische Volksheldin. Und um dieser Wahrheit willen wird auch von denjenigen Standhaftigkeit verlangt, die es auf sich nehmen, über sie zu erzählen. Andernfalls wird die Unwahrheit erzählt, und es werden Lügen über sie verbreitet. Man will nicht eine „Vorlesung“ über die Heldentaten unserer Vorbilder anhören, sondern sich mit ihnen identifizieren können. Sonst ist alles vergeblich. Und die Kinder bemerken das eher als Erwachsene, wenn man sie belügt. Sie regen sich darüber nicht auf, doch es wird einfach uninteressant für sie sein.

Die Leiterin des Museums für Soja Kosmodemjanskaja beantwortete fast nicht meine Fragen. Zur Antwort weinte sie nur. Und was ist mit den Exponaten, die die Kindern selbst gesammelt haben, was ist mit dem Modell des Dorfes Petrischtschewo, mit den Büsten der Helden? Was ist mit der Bibliothek, dem Fotoarchiv der Schule, den Briefen Sojas an ihre Lehrerin? Was ist mit Sojas Kleidung und ihrem Sofa?

Mit Tränen in den Augen antwortete sie: „Sie sehen doch, was wir für einen kleinen Raum haben. Als ich hierher kam, wurde mir gesagt, daß es nur vorübergehend sei, so für ein, zwei Jahre. Deshalb gaben sie mir nur einen Klassenraum. Dort, sehen Sie, wurde nicht einmal die Tafel abgenommen.“ Die jetzige Bewahrerin des Museum war früher selbst eine fleißige Schülerin dieses Gymnasiums. Sie ist die Tochter des verdienstvollen ehemaligen Leiters dieses Museums. Der Raum ist wirklich nicht sehr groß, und die Tafel ist nur notdürftig vom einem quergestellten Schrank verdeckt. Als die Schule hierher umzog, hat jemand erfolgreich an der Quadratmeterzahl gespart.

„Dieses Provisorium wurde mir 2006 zur Verfügung gestellt“, beklagt sich Natalja Witaljewna bei mir. „Ich konnte nur diejenigen Sachen herüberbringen, die mir als die nötigsten erschienen, zum Beispiel, Glaskolben aus dem Chemieraum, die Namensschilder der Unterrichtsräume, und jetzt dorthin zu gehen, ist unmöglich, es wurde alles zerschlagen und wartet auf den Abtransport. Die Leiterin des Museums kann es nicht fassen, warum im neuen Gebäude für sie keine geeignete Unterbringung gefunden werden konnte.

Aber wenn man sich erinnert, wie die Überführung vonstatten ging, so ist das nicht verwunderlich. Die ach so freien Pressemedien hatten zuvor zehn Jahre lang unsere Geschichte und die unserer Helden verunglimpft: „Nach alledem was Soja getan hat, ist sie doch eine typische Wahnsinnige gewesen, die Häuser der friedlichen Bewohner angezündet hat.“ Es wäre interessant gewesen zu erfahren, was man über den Brand von 1812 gesagt hätte, als die Bewohner Moskaus selbst ihre Stadt anzündeten.

„Aber man hätte doch die Exponate bis zum Beginn der Restaurierung in einer Behelfsunterbringung aufbewahren können. Hätten man sich da nicht mit dem Museum auf dem Poklonnaja Gora in Verbindung setzen können, oder mit dem Moskauer Historischen Museum, oder über die Zeitung, ja selbst über die „Komsomolskaja Prawda“, an die Leser wenden können, um einen Raum für die zeitweilige Aufbewahrung der Exponate zu finden?“ – gab ich nicht nach. Doch als Antwort erhielt ich nur die bis an die Schmerzgrenze bekannte Portion Betroffenheit. Das macht mir klar, daß ich mich damit nicht mehr zu befassen habe. Alles, was die Familie Kosmodemjanski betrifft, sei ins Museum verbracht worden; was nicht dorthin gekommen sei, habe keinerlei musealen Wert. Und überhaupt seien die Exponate nicht die Hauptsache für die Kinder. Das wichtigste, nach Meinung der Leiterin es Museums in zweiter Generation: Man müsse die Schüler dazu zwingen, mehr Aufsätze über patriotische Themen zu schreiben.

Der Kampf um Soja

Um den Namen Sojas wird eine Schlacht geführt. Es sieht ganz danach aus, daß einige Exemplare der Gattung Mensch bereit sind, ihr Leben einzusetzen, – und wenn schon nicht für die Heimat, wie Kosmodemjanskaja, so doch, um ihren Namen in Verruf zu bringen, und Soja wie auch immer zu „entthronen“. Dennoch sagt diese Orgie weitaus mehr über ihre Verleumder aus, als über Soja selbst. „Was hat sie getan?“ so fragen sie, offenbar bilanzierend, wie viele Panzer Soja zerstört, und wie viele Sturmgeschütze sie vernichtet habe. Doch – hätte Soja einen Panzer oder zwei zerstört, würden diese Leute ihren Schmutz sicher genauso über sie ergießen. Doch sehen Sie selbst – kann man etwa die Heldentaten der Panfilowschen Kämpfer geringschätzen, wenn sie nur einen oder zwei, anstatt zehn Panzer vernichtet hätten. Als ob die Heldentat, wenn nicht nur 28 Kämpfer sie vollbringen, sondern wesentlich mehr, geringer zu schätzen ist, und man sie deshalb als ein Mythos bezeichnen kann. Haben die zerstörten Panzer und die für die Heimat geopferten Leben die Panfilowschen Kämpfer etwa davor bewahrt, von der  „demokratischen Presse“ geschmäht zu werden? Nein, leider nicht…

Es wird oft vergessen, daß sich in Petrischtschewo ein Knotenpunkt der Funkverbindung der Wehrmacht befand. Man vergißt auch, daß es der Partisanenabteilung, welcher Soja angehörte, als erster gelang, den Deutschen Schaden zuzufügen, überhaupt in das Dorf einzudringen, und daß vor Soja unsere Spione leider schon an den Zugängen zum Objekt vernichtet wurden. Auch vergißt man die von der Partisanengruppe durchtrennten Verbindungskabel der Deutschen, was ihnen die Führung der Armeen erschwerte. Vergessen sind auch jene Kräfte, die den Feind zwangen, im Hinterland für den Schutz seiner Nachschubwege zu sorgen – gerade, weil wußten, daß Soja kommt...

„Sie sollte erhängt werden, doch sie hielt eine Rede. Sie sollte erhängt werden, und sie drohte ihnen…“

Soja befindet sich nicht irgendwo in der Vergangenheit, sie ist hier und heute. Sie ging, die Heimat zu verteidigen, und sie nahm dafür den Märtyrertod auf sich. Es ist zu bezweifeln, ob auch nur einer ihrer Entlarver bereit ist, wenigstens den kleinen Finger für die Heimat zu opfern... Ich bin überzeugt, diese Leute würden nicht einmal auf ihre Maniküre verzichten. Sie steht auf der Munitionskiste mit der Schlinge um den Hals, und ihre Kritiker diskutieren, ob ein verbranntes Lagerhaus ausreichend ist, um jemanden als Helden zu bezeichnen? Sie preßt ihre Fäuste mit den von den Henkern gezogenen Nägeln zusammen, und ihre schicken Kritikerinnen klopfen nach einer modischen Maniküre in die Tastatur: „...eine etwas seltsame Heldentat … Was hat sie eigentlich gemacht?“ Sie benetzt den Schnee mit dem Blut ihrer nackten Füße, um zum Ort ihrer Hinrichtung zu gehen, und die Skeptiker, deren Füße in weichen Pantoffeln stecken, rätseln darüber: „Ist sie es, oder ist sie es nicht?“

Wer von denen würde es, mit der Schlinge um den Hals und zerfleischt von Folter, überhaupt wagen, dem Feind zu sagen: „Soldaten, noch ist es nicht zu spät, geht in die Gefangenschaft ... Wie viele ihr auch aufhängen werdet, ihr werdet uns nicht alle erhängen – wir sind 170 Millionen.“

Ringsumher die schwatzende Menge der Soldaten. Sofort nahmen sie die Hinrichtung mit mehreren Fotoapparaten auf. Noch waren sie davon überzeugt, bald durch die Straßen von Moskau flanieren zu können. Noch wissen sie nicht, daß knapp zwei Jahre später ihr 332. Regiment in den Kämpfen bei Pskow vernichtet werden wird, und von ihnen allen, die sich damals vor Moskau befanden, lediglich fünf Mann am Leben bleiben würden. Und auch das neu aufgestellte Regiment wurde im Jahre 1944 in Weißrußland, bei Bobruisk, eingekesselt und wieder fast vollständig vernichtet. Und daß dieses Mädchen mit der Schlinge um den Hals ihnen die Wahrheit sagte. Eine Wahrheit mit den allergrößten Buchstaben. Ebenso wird es auch den Kritikern ergehen – sie werden eines Tages ohne eine Spur ausgelöscht, und Soja bleibt für immer...

Wieder auf der Straße treibt der eisige Wind uns die Tränen aus den Augen. Irgend etwas brachte mich dazu, mich umzuwenden und in die trüben Fenster des „Architekturdenkmals“ zurück zu blicken. Und irgendwo dort, im zweiten Stockwerk, hinter den staubigen Scheiben, erschien es mir so – vielleicht war ein Tränchen daran schuld –, als ob dieses zerbrechliche, gequälte Mädchen wieder und wieder ihre letzten Worte auf das Glas schreibt: „Die Unseren werden kommen, und sie werden mich rächen.“ Und sie wird dort stehen und auf uns warten – doch die Unseren kommen nicht.

Text: Julia Aljochina

Fotos: Wladimir WELENGURIN

Quelle:

http://rocherlis.livejournal.com/53242.html

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