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Genosse Josef Wissarionowitsch Stalin wurde am 21. Dezember 1879 in der Stadt Gori, Gouvernement Tiflis, geboren. Sein Vater war Schuhmachen, seine Mutter entstammte aus der Familie von leibeigenen Bauern.

Kommunisten-online erinnert an Genossen Stalin als den Führer des heldenhaften Sowjetvolkes, den Führer der ruhmreichen Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) und an den größten Kommunisten des 20. Jahrhunderts nach Lenin.

Unter seiner Führung erstarkte die kommunistische Weltbewegung, erreichte sie eine ideologische Klarheit, die sie befähigte, ein sozialistisches Lager entstehen zu lassen. Stalin ist unvergessen, sein Ruhm ist auch nicht durch die Hetze aller Feinde des Kommunismus - von den Trotzkisten, über alles Schattierungen des Revisionismus, der imperialistischen Ideologen bin hin zu den Faschisten - zu schmälern.

Josef Wissarionowitsch Stalin

Kurze Lebensbeschreibung

VERFASSER:

G. F. Alexandrow, M. P. Galaktionow, W S. Krushkow, M. B. Mitin, W. D. Motschalow, P. N. Pospelow weiter zum Text

Stalin über die Bedeutung der Oktoberrevolution

Quelle: J.Stalin, Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin, 1951, Der internationale Charakter der Oktoberrevolution, S.215-223, (Auswahl V.M.)

Auf Kommunisten-online am 21. Dezember 2009 weiter zum Text

Josef Wissarionowitsch Stalin

Kurze Lebensbeschreibung

VERFASSER:

G. F. Alexandrow, M. P. Galaktionow, W S. Krushkow, M. B. Mitin, W. D. Motschalow, P. N. Pospelow

Die vorliegende Ausgabe der „Kurzen Lebensbeschreibung J. W. Stalins“ ist eine Übersetzung der vom Marx-Engels-Lenin-Institut in Moskau 1947 herausgegebenen zweiten verbesserten und ergänzten russischen Auflage.

VERLAG FÜR FREMDSPRACHIGE LITERATUR MOSKAU 1947

INHALT

I. Josef Wissarionowitsch Stalin (Dshugaschwili) wurde am 21. Dezember 1879 in der Stadt Gori, Gouvernement Tiflis, geboren.

II. Fast zwei Jahre verbrachte Stalin im Gefängnis und in der Verbannung. Das waren Jahre des weiter ansteigenden revolutionären Aufschwungs im Lande.

III. Die erste russische Revolution endete mit einer Niederlage. Vom Ende der ersten bis zum Beginn der zweiten Revolution vergingen zehn Jahre.

IV. Die Prager Konferenz sagte in ihren Beschlüssen voraus, dass in naher Zukunft ein revolutionärer Aufschwung unvermeidlich ist, und traf alle Maßnahmen, damit die Partei zu diesem Aufschwung in voller Rüstung bereit sei.

V. Am 3. April 1917 kehrte Lenin aus langjährigem Exil nach Russland zurück. Die Nachricht von der Ankunft des geliebten Führers der Revolution wurde von den fortgeschrittenen Arbeitern Petrograds mit großer Begeisterung aufgenommen.

VI. Die durch die Sozialistische Oktoberrevolution gestürzten russischen Gutsbesitzer und Kapitalisten verständigten sich mit den Kapitalisten anderer Länder über die Organisierung einer militärischen Intervention gegen das Land der Sowjets.

VII. Nachdem die Sowjetmacht den Krieg gegen die Interventen siegreich beendet hatte, ging sie zum friedlichen wirtschaftlichen Aufbau über. Das Land war durch den vierjährigen imperialistischen Krieg und den dreijährigen Bürgerkrieg zerrüttet.

VIII. Ein so riesiges und zugleich ökonomisch zurückgebliebenes Land, wie es die Sowjetunion in jener Periode war, in der historisch kürzesten Frist zu industrialisieren, war eine Aufgabe, die mit gigantischen Schwierigkeiten verbunden war.

IX. Am 27. Dezember 1929 sprach Stalin in der Konferenz marxistischer Agrarsachverständiger.

X. Dank den Erfolgen der Generallinie der Partei dauerte im Lande der Aufstieg der Industrie und der Landwirtschaft unentwegt an.

XI. Am 22. Juni 1941 hat das imperialistische Hitlerdeutschland den Nichtangriffspakt brutal verletzt und wortbrüchig einen überraschenden Überfall auf die Sowjetunion unternommen.

XII. Das Leben und Wirken des Genossen Stalin ist unzertrennlich verbunden mit dem Wirken W.I. Lenins, seines Lehrers und Erziehers, mit der Geschichte unserer heroischen bolschewistischen Partei, mit der Geschichte des großen Sowjetvolkes.

I

JOSEF WISSARIONOWITSCH STALIN (Dshugaschwili) wurde am 21. Dezember 1879 in der Stadt Gori, Gouvernement Tiflis, geboren. Sein Vater, Wissarion Iwanowitsch Dshugaschwili, der Nationalität nach Georgier, stammte aus einer Bauernfamilie des Dorfes Didi-Lilo, Gouvernement Tiflis, war von Beruf Schuhmacher, späterhin Arbeiter der Schuhfabrik Adelchanow in Tiflis. Die Mutter, Jekaterina Georgijewna, entstammte der Familie des leibeigenen Bauern Geladse aus dem Dorfe Gambareuli.

Im Herbst 1888 wurde Stalin in die geistliche Elementarschule von Gori aufgenommen. Im Jahre 1894 beendete Stalin die Schule und bezog im gleichen Jahre das griechisch-orthodoxe geistliche Seminar in Tiflis. In diesen Jahren fand der Marxismus in Rußland, dank der Entwicklung des industriellen Kapitalismus und dem Wachstum der Arbeiterbewegung, weite Verbreitung. Der von Lenin geschaffene und geleitete Petersburger „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“ gab der Entwicklung der sozialdemokratischen Bewegung im ganzen Lande einen mächtigen Anstoß. Die Wellen der Arbeiterbewegung erfassten auch Transkaukasien, wohin der Kapitalismus bereits vorgedrungen war und wo eine starke nationale und koloniale Unterdrückung herrschte. Transkaukasien war eine typische Kolonie des russischen Zarismus, ein wirtschaftlich rückständiges Agrarland mit noch starken Überresten des Feudalismus, ein Land, das von zahlreichen Nationalitäten bewohnt war, die in einem bunten Gemisch nebeneinander lebten.

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts setzte in Transkaukasien eine rasche Entwicklung des Kapitalismus ein; die Arbeiter und Bauern wurden einer räuberischen Ausbeutung unterworfen, die nationale und koloniale Unterdrückung wurde verschärft. Besonders rasch entwickelte sich der Bergbau, die Gewinnung und Verarbeitung von Erdöl; hier hatte das ausländische Kapital die entscheidenden Positionen an sich gerissen. „Der russische Kapitalismus“, schrieb Lenin, „zog auf diese Weise den Kaukasus in den Weltwarenverkehr hinein, er nivellierte seine örtlichen Besonderheiten - Überreste der alten patriarchalischen Abgeschlossenheit - und schuf sich einen Markt für seine Fabriken. Das Land, das zu Beginn der Nachreformzeit noch schwach besiedelt oder von Bergvölkern bewohnt war, die abseits der Weltwirtschaft und sogar abseits der Geschichte standen, verwandelte sich in ein Land der Erdölindustriellen, der Weinhändler, Großproduzenten von Weizen und Tabak…“ (Lenin, Werke, Bd. III, 3. Aufl., S. 464 russ.) Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen und der ersten Fabriken und Werke im Kaukasus kam auch die Arbeiterklasse auf. Besonders rasch entwickelte sich die Erdölstadt Baku, das große Industrie- und Arbeiterzentrum des Kaukasus. Die Entwicklung des Industriekapitalismus hatte ein Anwachsen der Arbeiterbewegung im Gefolge. In den neunziger Jahren entfalteten in Transkaukasien die dorthin verschickten russischen Marxisten eine revolutionäre Tätigkeit. In Transkaukasien setzte die Propaganda des Marxismus ein. Das Tifliser griechisch-orthodoxe Seminar war damals eine Pflanzstätte für jede Art von Befreiungsideen unter der Jugend, sowohl von volkstümlerischnationalistischen als auch von marxistisch-internationalistischen, es wimmelte von verschiedenartigen geheimen Zirkeln. Das im Seminar herrschende Jesuitenregime rief bei Stalin stürmischen Protest hervor, nährte und verstärkte in ihm die revolutionäre Gesinnung.

Der fünfzehnjährige Stalin wird zum Revolutionär.

„In die revolutionäre Bewegung“, erzählt Stalin, „trat ich im Alter von 15 Jahren ein, als ich mit den illegalen Gruppen russischer Marxisten, die damals in Transkaukasien lebten, Verbindung aufgenommen hatte. Diese Gruppen übten großen Einfluss auf mich aus und brachten mir Geschmack an der illegalen marxistischen Literatur bei.“ (J. Stalin, Unterredung mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig, 1938, S. 9 russ.) In den Jahren 1896 und 1897 leitet Stalin marxistische Zirkel im Seminar. Im August 1898 tritt er auch formell der Tifliser Organisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands bei. Stalin wird Mitglied der Gruppe „Messame-Dassi“, der ersten georgischen sozialdemokratischen Organisation, die in den Jahren 1893-1898 eine gewisse positive Rolle bei der Verbreitung der Ideen des Marxismus spielte. Die „Messame-Dassi“ war politisch nicht einheitlich: ihre Mehrheit vertrat den Standpunkt des „legalen Marxismus“ und neigte zum bürgerlichen Nationalismus. Stalin, Kezchoweli und Zulukidse bildeten in der „Messame-Dassi“ den führenden Kern der revolutionären marxistischen Minderheit, die zur Keimzelle der revolutionären Sozialdemokratie Georgiens wurde.

Stalin arbeitet viel und beharrlich an seiner Bildung. Er studiert das „Kapital“ von Marx, das „Manifest der Kommunistischen Partei“ und andere Werke von Marx und Engels, macht sich mit den gegen die Volkstümlerrichtung, den „legalen Marxismus“ und „Ökonomismus“ gerichteten Schriften Lenins vertraut. Bereits damals machten die Arbeiten Lenins einen tiefen Eindruck auf Stalin. Einer der Genossen, die Stalin in dieser Zeit gut kannten, erinnert sich, wie Stalin, als er eine Arbeit Tulins (Lenins) gelesen hatte, sagte: „Ich muss ihn um jeden Preis sehen.“ („Erzählungen alter transkaukasischer Arbeiter über den großen Stalin“, Erinnerungen des Genossen P. Kapanadse, Verlag „Junge Garde“ 1937, S. 26 russ.) Der Kreis des theoretischen Interesses Stalins ist außerordentlich umfassend: er studiert Philosophie, politische Ökonomie, Geschichte, Naturwissenschaften, liest die Werke der Klassiker der schönen Literatur. Stalin wird zu einem gebildeten Marxisten. Stalin leistet in diesem Zeitabschnitt intensive propagandistische Arbeit in Arbeiterzirkeln, nimmt an illegalen Arbeiterversammlungen teil, verfasst Flugblätter und organisiert Streiks.

Das war für Stalin die erste Schule der praktischen revolutionären Arbeit unter den fortgeschrittenen Proletariern von Tiflis.

„Ich erinnere mich des Jahres 1898“, sagt Stalin, „als man mir zum erstenmal einen Zirkel von Arbeitern der Eisenbahnwerkstätten zuteilte ... Hier, im Kreise dieser Genossen, erhielt ich damals meine erste revolutionäre Feuertaufe ... Meine ersten Lehrer waren die Tifliser Arbeiter.“ („Prawda“ Nr. 136 vom 16. Juni 1926.)

Dem Unterricht in den marxistischen Arbeiterzirkeln von Tiflis lag ein von Stalin verfasstes Schulungsprogramm zugrunde. Im Seminar, wo die „Verdächtigen“ unter scharfe Beobachtung gestellt wurden, kam man der illegalen revolutionären Tätigkeit Stalins auf die Spur. Am 29. Mai 1899 wird er wegen Propaganda des Marxismus aus dem Seminar ausgeschlossen. Stalin schlägt sich einige Zeit mit Stundengeben durch und findet dann (im Dezember 1899) Arbeit im Tifliser Physikalischen Observatorium als Beobachter und Rechner, ohne die revolutionäre Tätigkeit auch nur für einen Augenblick einzustellen.

Bereits zu dieser Zeit ist Stalin einer der energischsten und hervorragendsten Parteiarbeiter der Tifliser sozialdemokratischen Organisation. „In den Jahren 1898-1900 bildete und konstituierte sich die leitende sozialdemokratische Zentralgruppe der Tifliser Organisation ... Die Tifliser sozialdemokratische Zentralgruppe leistete beim Aufbau der illegalen sozialdemokratischen Parteiorganisation eine gewaltige revolutionär-propagandistische und organisatorische Arbeit.“ (L. Beria, „Zur Geschichte der bolschewistischen Organisationen in Transkaukasien“, 1941, S. 17 russ.) Stalin stand an der Spitze dieser Gruppe. Der Leninsche „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“ war das Vorbild, dem die Tifliser revolutionären Sozialdemokraten in ihrer Arbeit unentwegt folgten. Unter Führung der revolutionären Minderheit der „Messame-Dassi“ (Stalin, Kezchoweli, Zulukidse) überschreitet die Arbeiterbewegung in Tiflis in diesem Zeitabschnitt den Rahmen der alten, rein propagandistischen Arbeit „mit hervorragenden Einzelpersonen“ aus den Reihen der Arbeiter. Die Agitation unter den Massen durch Herausgabe von Flugblättern über aktuelle Themen, durch fliegende Versammlungen und politische Demonstrationen gegen den Zarismus wird durch das Leben in den Vordergrund gerückt.

Die neue Taktik stößt auf den scharfen Widerstand der opportunistischen Mehrheit der „Messame-Dassi“, die zum „Ökonomismus“ neigte, vor revolutionären Methoden zurückschreckte und den politischen „Straßen“kampf gegen die Selbstherrschaft ablehnte. Stalin und die revolutionäre Minderheit der „Messame-Dassi“ führen einen heftigen und unversöhnlichen Kampf gegen die Opportunisten, für die Durchsetzung der neuen Taktik, der Taktik der politischen Massenagitation. Sie finden bei den fortgeschrittenen Arbeitern von Tiflis begeisterte Unterstützung.

Beim Übergang der Tifliser Sozialdemokraten zu neuen Arbeitsmethoden spielte Viktor Kurnatowski eine hervorragende Rolle. Das war ein geschulter Marxist, standhafter Anhänger und naher Kampfgefährte Lenins, ein Verfechter der Leninschen Ideen in Transkaukasien. Im Sommer 1900 in Tiflis eingetroffen, stellt er enge Beziehungen zu Stalin und der revolutionären Minderheit der „Messame-Dassi“ her und wird zum nächsten Freunde und Kampfgefährten Stalins.

Als im Dezember 1900 die Leninsche „Iskra“ zu erscheinen begann, stellte sich Stalin restlos auf ihren Standpunkt. Stalin erkannte in Lenin sofort den Begründer einer wahrhaft marxistischen Partei, den Führer und Lehrer. „Die Bekanntschaft mit Lenins revolutionärer Tätigkeit seit Ende der neunziger Jahre, und besonders nach dem Jahre 1901, nach der Herausgabe der ‚Iskra’“, sagt Stalin, „hatte mich zu der Überzeugung gebracht, dass wir in Lenin einen außergewöhnlichen Menschen besitzen.

Er war damals in meinen Augen nicht ein einfacher Führer der Partei, sondern ihr tatsächlicher Schöpfer, denn er allein verstand das innere Wesen und die dringenden Bedürfnisse unserer Partei. Wenn ich ihn mit den übrigen Führern unserer Partei verglich, schien es mir immer, dass Lenin seine Kampfgefährten - Plechanow, Martow, Axelrod und andere - um einen ganzen Kopf überragt, dass Lenin im Vergleich zu ihnen nicht einfach einer der Führer, sondern ein Führer höheren Typs ist, ein Bergadler, der keine Furcht im Kampfe kennt und kühn die Partei vorwärts führt auf den unerforschten Wegen der russischen revolutionären Bewegung.“ (J. Stalin, „Über Lenin“, Moskau 1946, S. 38.)

Stalin war von grenzenlosem Glauben an das revolutionäre Genie Lenins erfüllt und ging den Weg Lenins. Er ist von diesem Weg niemals abgewichen und führt nach dem Tode Lenins dessen Werk kühn und sicher fort.

Unter den Bedingungen der einsetzenden Wirtschaftskrise, unter dem Einfluss der Arbeiterbewegung Rußlands und als Folge der Tätigkeit der Sozialdemokraten steigt in Tiflis in den Jahren 1900 und 1901 die Welle wirtschaftlicher Streiks, die einen Betrieb nach dem anderen erfassen. Im August 1900 bricht der grandiose Streik der Arbeiter der Eisenbahnwerkstätten und des Eisenbahndepots aus. An diesem Streik nimmt der aus Petersburg nach dem Kaukasus ausgewiesene M. I. Kalinin aktiv teil. Am 22. April 1901 findet im Zentrum von Tiflis eine Maidemonstration statt. Stalin ist der Organisator und Führer dieser Demonstration. Die Leninsche „Iskra“ schätzte diese Demonstration als ein Ereignis von historischer Bedeutung für den ganzen Kaukasus ein; ihre Einwirkung auf die gesamte weitere Entwicklung der Arbeiterbewegung des Kaukasus war außerordentlich groß.

So wurde in diesen Jahren unter Leitung der revolutionären, von Stalin geführten Minderheit der „Messame-Dassi“ der Übergang der Arbeiterbewegung Georgiens von der Propaganda in kleinen Zirkeln zur politischen Massenagitation vollzogen. Damit wurde auch im Kaukasus die Vereinigung des Sozialismus mit der Arbeiterbewegung eingeleitet, genau so, wie einige Jahre vorher der von Lenin geführte Petersburger „Kampfbund“ derselben Aufgabe in glänzender Weise gerecht worden war.

Die durch das Anwachsen des revolutionären Kampfes des transkaukasischen Proletariats beunruhigte zaristische Regierung verschärfte die Gewaltmaßnahmen und glaubte dadurch der Bewegung Einhalt gebieten zu können. Am 21. März 1901 führte die Polizei eine Haussuchung im Physikalischen Observatorium durch, wo Stalin wohnte und arbeitete. Die Haussuchung und der später bekannt gewordene Haftbefehl der Ochrana veranlassten Stalin,  in die Illegalität zu gehen. Von da an bis zur Februarrevolution von 1917 führt er in der Illegalität das angestrengte und heldenhafte Leben eines Berufsrevolutionärs Leninscher Schule.

Die Satrapen des Zaren waren ohnmächtig vor der ansteigenden revolutionären Bewegung. Auf Initiative Stalins und Kezchowelis begann im September 1901 die erste illegale georgische sozialdemokratische Zeitung „Brdsola“ (Der Kampf) zu erscheinen, die die Ideen der Leninschen „Iskra“ konsequent verfocht. Nach der „Iskra“ war „Brdsola“ die beste marxistische Zeitung in Rußland.

Der Leitartikel der ersten Nummer der „Brdsola“ (September 1901) unter dem Titel „Geleitwort der Redaktion“ wurde von Stalin verfasst. Zur Bestimmung der Aufgaben des Blattes schrieb Stalin: „Die georgische sozialdemokratische Zeitung muss klare Antwort geben auf alle Fragen, die mit der Arbeiterbewegung zusammenhängen, die prinzipiellen Fragen klären, die Rolle der Arbeiterklasse im Kampf theoretisch erläutern und jede Erscheinung, auf die der Arbeiter stößt, mit dem Lichte des wissenschaftlichen Sozialismus beleuchten.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 9 russ.)

In diesem Leitartikel wies Stalin darauf hin, dass die Zeitung die Arbeiterbewegung führen und den Arbeitermassen so nahe wie möglich stehen muss, dass sie in der Lage sein muss, sie ständig zu beeinflussen, ihr bewusstes und leitendes Zentrum zu sein. In der folgenden Nummer (November-Dezember) brachte die „Brdsola“ den wichtigen Artikel Stalins „Die Sozialdemokratische Partei Rußlands und ihre nächsten Aufgaben“. In diesem Artikel unterstrich Stalin die Notwendigkeit der Vereinigung des wissenschaftlichen Sozialismus mit der spontanen Arbeiterbewegung, wies auf die führende Rolle der Arbeiterklasse in der demokratischen Freiheitsbewegung hin und stellte die Aufgabe, eine selbständige politische Partei des Proletariats zu organisieren.

Auch die Herausgabe von Flugblättern in den verschiedenen Sprachen der vielen Nationalitäten Transkaukasiens nimmt weite Ausmaße an. „Prächtig geschriebene Aufrufe sind in russischer, georgischer und armenischer Sprache erschienen, und mit ihnen wurden alle Stadtviertel von Tiflis überflutet“, schrieb die Leninsche „Iskra“ über die Tätigkeit der Tifliser Sozialdemokraten. („Iskra“ Nr. 25 vom 15. September 1902.) Stalins nächster Kampfgefährte, Lado Kezchoweli, gründete in Baku ein Komitee der Leninschen „Iskra“- Richtung und organisierte eine illegale Druckerei. Am 11. November 1901 fand eine Konferenz der Tifliser sozialdemokratischen Organisation statt, auf der das Tifliser Komitee der SDAPR gebildet wurde. In das Komitee wurde Stalin gewählt. Er bleibt jedoch nur sehr kurze Zeit in Tiflis. Ende November reist Stalin im Auftrage des Tifliser Komitees nach Batum, dem drittgrößten (nach Baku und Tiflis) proletarischen Zentrum im Kaukasus, um dort eine sozialdemokratische Organisation zu schaffen.

In Batum entfaltet Stalin eine rastlose revolutionäre Tätigkeit: er stellt Verbindungen mit fortgeschrittenen Arbeitern her, gründet sozialdemokratische Zirkel, leitet selbst einige Zirkel, richtet eine illegale Druckerei ein, schreibt zündende Flugblätter, druckt und verbreitet sie, leitet den Kampf der Arbeiter der Betriebe von Rothschild und Mantaschow, organisiert die revolutionäre Propaganda auf dem Lande. Stalin schafft in Batum eine sozialdemokratische Organisation, gründet das Batumer Komitee der SDAPR und leitet die Streiks in den Betrieben. Am 9. März 1902 organisierte Stalin die berühmte politische Demonstration der Batumer Arbeiter, die er leitete und an deren Spitze er schritt. Hier wurde durch Stalin in der Tat die Vereinigung des Streiks mit der politischen Demonstration verwirklicht.

So entstand und entwickelte sich in diesem Zeitabschnitt im entschiedenen und unversöhnlichen Kampf gegen den Opportunismus die Organisation der Leninschen „Iskra“ - Richtung in Transkaukasien. Ihr hervorragendster Organisator und Führer war Stalin, den die Batumer Arbeiter schon damals den Lehrer der Arbeiter nannten. Die Organisation der Leninschen “Iskra“-Richtung in Transkaukasien wurde auf den festen Grundlagen des proletarischen Internationalismus aufgebaut, sie vereinigte in ihren Reihen die fortgeschrittenen Proletarier der verschiedenen Nationalitäten: Georgier, Armenier, Aserbaidshaner, Russen. Lenin hat später wiederholt die transkaukasische Organisation der Partei als Vorbild des proletarischen Internationalismus angeführt.

Der Aufschwung des Kampfes der Arbeiter in Batum rief bei der Regierung ernsthafte Beunruhigung hervor. Die Spürhunde der Polizei suchen eifrig nach den „Rädelsführern“. Am 5. April 1902 wird Stalin verhaftet. Doch auch im Gefängnis (zuerst in Batum, dann - vom 19. April 1903 an - in dem durch sein hartes Regime berüchtigten Gefängnis von Kutais, danach wieder in Batum) verliert Stalin nicht die Verbindung mit der revolutionären Arbeit. Anfang März 1903 tagte der erste Kongress der sozialdemokratischen Organisationen des Kaukasus, auf dem der Kaukasische Bund der SDAPR gegründet wurde. Stalin, der sich in Haft befand, wurde zum Mitglied des Kaukasischen Bundeskomitees der SDAPR gewählt. Im Gefängnis erfährt Stalin von Genossen, die vom II. Parteitag zurückgekehrt waren, dass zwischen den Bolschewiki und den Menschewiki überaus ernste Meinungsverschiedenheiten bestehen. Stalin tritt entschieden auf die Seite Lenins, der Bolschewiki.

Im Herbst 1903 wird Stalin auf drei Jahre nach Ostsibirien verbannt, in das Dorf Nowaja Uda, Kreis Balagansk, Gouvernement Irkutsk. Am 27. November 1903 kam Stalin im Verbannungsort an. In der Verbannung erhält er einen Brief von Lenin. „Zum erstenmal lernte ich Lenin im Jahre 1903 kennen“, sagt Stalin. „Allerdings war es keine persönliche und unmittelbare Bekanntschaft, sondern sie erfolgte auf schriftlichem Wege. Aber sie hinterließ in mir einen unauslöschlichen Eindruck, der mich während der ganzen Zeit meiner Arbeit in der Partei nicht verließ. Ich war damals in Sibirien in der Verbannung ... Lenins Brief war verhältnismäßig kurz, aber er gab eine kühne, furchtlose Kritik der Praxis unserer Partei und eine ausgezeichnete, klare und gedrängte Darlegung des ganzen Plans der Parteiarbeit für die nächste Periode.“ (J. Stalin, „Über Lenin“, Moskau 1946, S. 38/39.) Stalin blieb nicht lange in der Verbannung. Er brannte vor Ungeduld, möglichst rasch die Freiheit wiederzuerlangen, um die Durchführung des Leninschen Plans des Aufbaus der bolschewistischen Partei in Angriff zu nehmen. Am 5. Januar 1904 flüchtet Stalin aus der Verbannung. Im Februar 1904 ist er wieder im Kaukasus, zuerst in Batum und dann in Tiflis.

II

FAST zwei Jahre verbrachte Stalin im Gefängnis und in der Verbannung. Das waren Jahre des weiter ansteigenden revolutionären Aufschwungs im Lande. Während dieser Zeit hatte der II. Parteitag der SDAPR stattgefunden, der den Sieg des Marxismus über den „Ökonomismus „ verankerte. Aber an die Stelle der alten, von der Partei zerschlagenen Opportunisten, der „ Ökonomisten „, traten neue Opportunisten, die Menschewiki. Nach dem Parteitag entbrennt der heftige Kampf Lenins und der Bolschewiki gegen die Menschewiki, gegen ihre opportunistischen Ideen, ihre spalterische und desorganisierende Tätigkeit. Der Ausbruch des Russisch-Japanischen Krieges und das Heranreifen der Revolution verschärfen diesen Kampf noch mehr. Den Ausweg aus der entstandenen Parteikrise sieht Lenin in der Einberufung des III. Parteitags. Der Kampf für den Parteitag wurde zur zentralen Aufgabe aller Bolschewiki.

Im Kaukasus war Stalin, der an der Spitze der transkaukasischen Bolschewiki stand, die zuverlässige Stütze Lenins in diesem Kampf. Stalins Arbeit in dieser Periode steht im Zeichen des erbitterten Kampfes gegen den Menschewismus. Er ist Mitglied des Kaukasischen Bundeskomitees der SDAPR und leitet dessen Arbeit gemeinsam mit dem Genossen Zchakaja.

Stalin ist unermüdlich: er bereist systematisch die Bezirke Transkaukasiens (Batum, Tschiatury, Kutais, Tiflis, Baku, die bäuerlichen Bezirke West-Georgiens), festigt die alten und schafft neue Parteiorganisationen. Er nimmt in zahlreichen Diskussionen an den erbitterten Kämpfen mit den Menschewiki und anderen Feinden des Marxismus teil, verteidigt energisch den bolschewistischen Standpunkt, entlarvt das Politikantentum und den Opportunismus der Menschewiki und der Versöhnler ihnen gegenüber.

Unter der Leitung Stalins und Dshaparidses wurde „im Dezember 1904 der grandiose Streik der Arbeiter von Baku durchgeführt, der vom 13. bis zum 31. Dezember dauerte und mit dem Abschluss eines Kollektivvertrags zwischen Arbeitern und Erdölindustriellen endete, des ersten Kollektivvertrags in der Geschichte der Arbeiterbewegung Rußlands.

Der Bakuer Streik war der Beginn des revolutionären Aufschwungs in Transkaukasien. Der Bakuer Streik diente als Signal für die ruhmvollen Januar-Februar-Aktionen in ganz Rußlands (Stalin).“ (L. Beria, „Zur Geschichte der bolschewistischen Organisationen in Transkaukasiens, S.48 russ.) Dieser Streik - heißt es im „Kurzen Lehrgang der Geschichte der KPdSU(B)“-war gleichsam ein gewitterkündender Blitz am Vorabend des großen revolutionären Sturms in Rußland. Stalin führt beharrlich die Direktiven Lenins durch, entwickelt und verteidigt die bolschewistischen Ideen in den Massen und organisiert den Kampf für den III. Parteitag. Zwischen Lenin und dem Kaukasischen Bundeskomitee wurde ständig eine enge Verbindung aufrechterhalten. In den Jahren der ersten russischen Revolution stand Stalin an der Spitze des gesamten ideologischen und politischen Kampfes der kaukasischen Bolschewiki gegen die Menschewiki, Sozialrevolutionäre, Nationalisten und Anarchisten. Die wirksamste Waffe der Bolschewiki in diesem Kampfe war die Parteiliteratur. Stalin war der Organisator und Initiator fast aller bolschewistischen Publikationen im Kaukasus. Er entfaltete die Herausgabe von illegalen Büchern, Zeitungen, Broschüren und Aufrufen in einem unter den Verhältnissen des zaristischen Rußlands beispiellosen Umfang.

Ein ungemein kühnes Unternehmen des Kaukasischen Bundes der SDAPR und ein hervorragendes Beispiel der bolschewistischen konspirativen Technik war die Awlabarer Geheimdruckerei, die in Tiflis vom November 1903 bis April 1906 in Betrieb war. In ihr wurden gedruckt: Lenins Schriften „Die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft“ und „An die Dorfarmut“, Stalins Broschüren „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“, „Zwei Schlachten“ und andere, das Programm und Statut der Partei sowie Dutzende von Flugblättern, von denen ein bedeutender Teil von Stalin verfasst war. In ihr wurden ferner die Zeitungen „Proletariatis Brdsola“ (Der Kampf des Proletariats) und „Proletariatis Brdsolis Purzeli“ (Kampfblatt des Proletariats) herausgegeben. Die Bücher, Broschüren, Zeitungen und Flugblätter wurden in drei Sprachen gedruckt und hatten Auflagen von je einigen tausend Exemplaren.

Entscheidende Bedeutung für die Verfechtung der Positionen des Bolschewismus im Kaukasus, für die Propaganda und Entwicklung der Ideen Lenins hatte das Presseorgan des Kaukasischen Bundes der SDAPR, „Proletariatis Brdsola“, das unter der Redaktion Stalins erschien und würdig die Traditionen der „Brdsola“ fortsetzte. Nach dem „Proletari“, dem Leninschen Zentralorgan der Partei, war „Proletariatis Brdsola“ die beste und größte bolschewistische Zeitung. Fast in jeder Nummer der Zeitung wurden Lenins Artikel aus dem „Proletari“ veröffentlicht. Viele der wichtigsten Artikel wurden von Stalin geschrieben. In diesen Artikeln tritt Stalin als talentvoller Polemiker hervor, als außerordentlich starke literarische und theoretische Kraft der Partei, als politischer Führer des Proletariats, als treuer Anhänger Lenins. In seinen Artikeln und Broschüren bearbeitet Stalin eine Reihe theoretischer und politischer Fragen. Er entlarvt die ideologische Falschheit der antibolschewistischen Strömungen und Fraktionen, ihren Opportunismus und Verrat, wobei seine Schläge gegen die Feinde stets ins Schwarze treffen. Lenin äußerte sich begeistert über die Zeitung „Proletariatis Brdsola“, ihre marxistische Standhaftigkeit, ihre bedeutenden literarischen Vorzüge.

Als treuester und restlos konsequenter Schüler und Kampfgefährte Lenins spielt Stalin im Kaukasus eine hervorragende Rolle bei der ideologischen Zerschlagung des Menschewismus und bei der Verfechtung der ideologischen, organisatorischen und taktischen Grundlagen der marxistischen Partei. Stalins Werke aus dieser Zeit sind Vorbilder der folgerichtigen Verteidigung der Positionen des Leninismus und zeichnen sich durch theoretische Tiefe und Unversöhnlichkeit gegenüber dem Opportunismus aus.

In seiner ausgezeichneten Broschüre „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“, in zwei „Briefen aus Kutais“ und in dem Artikel „Antwort an den ‚Sozial- Demokrat’“ tritt Stalin als entschiedener Verfechter der ideologischen Grundlagen der marxistischen Partei hervor. In den „Briefen aus Kutais“ (September-Oktober 1904) übt Stalin scharfe Kritik an den gegen Lenins Buch „Was tun?“ gerichteten Artikeln Plechanows in der neuen „Iskra“. In konsequenter Verfechtung der Leninschen Fragestellung über Spontaneität und Bewusstsein in der Arbeiterbewegung schreibt Genosse Stalin: „Die Schlussfolgerung (der praktische Schluss) hieraus ist die: wir müssen das Proletariat bis zum Bewusstsein der wahren Klasseninteressen, bis zur Erkenntnis des sozialistischen Ideals heben, nicht aber dieses Ideal gegen Kleinigkeiten eintauschen oder es der spontanen Bewegung anpassen. Lenin hat die theoretische Basis geschaffen, auf der denn auch diese praktische Schlussfolgerung beruht. Man braucht nur diese theoretische Voraussetzung anzunehmen, und keinerlei Opportunismus wird an einen herankommen können. Darin liegt die Bedeutung der Leninschen Idee. Ich nenne sie die Leninsche, weil niemand in der russischen Literatur sie mit solcher Klarheit ausgesprochen hat wie Lenin.“ (J. Stalin, Werke, Bd.I, S. 58 russ.)

Die Broschüre „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“ (geschrieben Anfang 1905, illegal erschienen im Mai 1905) gehört zu den hervorragendsten Werken des bolschewistischen Denkens. Sie schließt sich unmittelbar an „Was tun?“ - dieses historisch bedeutsame Werk Lenins - an, verteidigt und entwickelt die genialen Ideen Lenins. In Entwicklung der Ideen W. I. Lenins beweist Genosse Stalin, dass das sozialistische Bewusstsein für die Arbeiterbewegung große Bedeutung hat. Gleichzeitig warnt Genosse Stalin vor der einseitigen Überschätzung der Rolle der Ideen, vor dem Außerachtlassen der ökonomischen Entwicklungsbedingungen, der Rolle der Arbeiterbewegung. Kann man behaupten, fragt Stalin, der Sozialismus sei alles, die Arbeiterbewegung dagegen nichts?

„Natürlich nicht! So sprechen nur Idealisten ... Irgendeinmal, nach sehr langer Zeit, wird die ökonomische Entwicklung die Arbeiterklasse unvermeidlich zur sozialen Revolution führen und sie folglich veranlassen, ganz und gar mit der bürgerlichen Ideologie zu brechen. Es handelt sich nur darum, dass dieser Weg sehr langwierig und schmerzhaft sein wird.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 105 russ.)

In der Broschüre „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“ entwickelt Genosse Stalin seine tiefgründige und vielseitige Argumentation zur Frage nach dem Verhältnis zwischen der spontanen Arbeiterbewegung und dem sozialistischen Bewusstsein und fasst die diesbezüglichen Ansichten des Leninschen Flügels der Sozialdemokratie wie folgt zusammen: „Was ist wissenschaftlicher Sozialismus ohne Arbeiterbewegung? Ein Kompass, der, macht man von ihm keinen Gebrauch, nur verrosten kann, und dann müsste er über Bord geworfen werden.

Was ist Arbeiterbewegung ohne Sozialismus? Ein Schiff ohne Kompass, das auch so am anderen Ufer landen wird, das jedoch, wenn es einen Kompass hätte, das Ufer bedeutend schneller erreichen und weniger Gefahren ausgesetzt sein würde.

Vereinigt beides, und ihr erhaltet ein prächtiges Schiff, das direkt nach dem anderen Ufer steuert und den Hafen unbeschädigt erreicht.

Vereinigt die Arbeiterbewegung mit dem Sozialismus, und ihr erhaltet die sozialdemokratische Bewegung, die auf direktem Wege dem ‚gelobten Land’ entgegenstreben wird.“ (Ebenda S. 102/03 russ.)

Die ganze Geschichte des Kampfes der Arbeiterklasse in Rußland bestätigte auf das glänzendste diese wichtige theoretische Schlussfolgerung des Genossen Stalin. In der genannten Broschüre unterzieht Genosse Stalin die opportunistische Spontaneitätstheorie einer vernichtenden Kritik und begründet die Rolle und Bedeutung der revolutionären Partei und der revolutionären Theorie für die Arbeiterklasse.

„Dis Arbeiterbewegung“, schrieb Stalin, „muss mit dem Sozialismus vereinigt werden, die praktische Tätigkeit und das theoretische Denken müssen in eins verschmelzen und dadurch der spontanen Arbeiterbewegung sozialdemokratischen Charakter verleihen... Es ist unsere Pflicht, die Pflicht der Sozialdemokratie, die spontane Bewegung der Arbeiter von dem tradeunionistischen Wege abzubringen und sie auf den sozialdemokratischen Weg zu bringen.

Es ist unsere Pflicht, in diese Bewegung das sozialistische Bewusstsein (das Marx und Engels herausgearbeitet haben.) hineinzutragen und die fortgeschrittenen Kräfte der Arbeiterklasse zu einer einzigen zentralisierten Partei zu vereinigen. Es ist unsere Aufgabe, stets an der Spitze der Bewegung zu marschieren und unermüdlich alle zu bekämpfen - ob Feind oder ‚Freund’ -, die die Verwirklichung dieser Aufgaben behindern.“ (J. Stalin, Werke, Bd. I, S. 105/06 russ.)

Stalins Auftreten fand die volle Billigung Lenins. Bei der Einschätzung von Stalins Artikel „Antwort an den ‚Sozial-Demokrat’“, der im August 1905 im „Proletariatis Brdsola“ erschienen war, hob Lenin im Zentralorgan der Partei, dem „Proletari“ (Nr. 22), die „ausgezeichnete Behandlung der Frage des berühmten ‚Hineintragens des Bewusstseins von außen’„ hervor.

In einer Reihe von Artikeln begründet Stalin die Leninsche Linie auf und nach dem II. Parteitag. In dem Artikel „Die Klasse der Proletarier und die Partei der Proletarier (veröffentlicht am 1. Januar 1905 in Nr. 8 der „Proletariatis Brdsola“), der dem ersten Paragraphen des Parteistatuts gewidmet ist, verteidigte Stalin die organisatorischen Grundlagen der Partei, wobei er völlig auf dem Boden der Leninschen Lehre von der Partei stand, die Leninschen Ideen entwickelte und begründete. Dieser Artikel verficht die organisatorischen Ideen des Bolschewismus, wie sie von Lenin in seinem berühmten Buch „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“ dargelegt worden sind.

„Bis zum heutigen Tage“, schrieb Stalin, „ähnelte unsere Partei einer gastfreundlichen patriarchalischen Familie, die bereit war, alle Sympathisierenden aufzunehmen. Nachdem unsere Partei aber zu einer zentralisierten Organisation geworden ist, hat sie das patriarchalische Gepräge abgestreift und ist restlos einer Festung gleich geworden, deren Tore sich nur Würdigen öffnen. Das aber ist für uns von großer Bedeutung. In einer Zeit, wo die Selbstherrschaft sich bemüht, das Klassenbewusstsein des Proletariats durch ,Tradeunionismus’, Nationalismus, Klerikalismus usw. zu zersetzen, während anderseits die liberale Intelligenz hartnäckig bestrebt ist, die politische Selbständigkeit des Proletariats zu ertöten und die Vormundschaft über das Proletariat zu erlangen, in einer solchen Zeit müssen wir äußerst wachsam sein und dürfen nicht vergessen, dass unsere Partei eine Festung ist, deren Tore sich nur Erprobten öffnen.“ (Ebenda S. 67 russ.)

Der Aufsatz „Welche Auffassung hat die Sozialdemokratie von der nationalen Frage?“ (veröffentlicht in Nr. 7 der „Proletariatis Brdsola“ vom 1. September 1904) ist ein ausgezeichneter Kommentar zum nationalen Programm der SDAPR. Stalin begründet und erläutert darin die Theorie und das Programm der Partei in der nationalen Frage, unterzieht das opportunistische Prinzip der nationalen Scheidung des Proletariats einer vernichtenden Kritik und verficht konsequent den internationalistischen Typus des Aufbaus proletarischer Klassenorganisationen. In diesem Aufsatz tritt Stalin als bedeutender Theoretiker auf dem Gebiet der nationalen Frage hervor, der die marxistische dialektische Methode meisterhaft beherrscht. Der Aufsatz enthält in Keimform die Ideen, die Stalin später in seiner Arbeit „Marxismus und nationale Frage“ entwickelte.

Vom Anbeginn der ersten russischen Revolution verficht und verwirklicht Stalin entschlossen die Leninsche Strategie und Taktik in der Revolution, die Leninsche Idee von der Hegemonie des Proletariats in der Revolution.

In Bezug auf die Liberalen, die nicht die Revolution, sondern eine Versöhnung mit dem Zaren anstrebten, schrieb Stalin noch am Vorabend des9. Januar 1905: „Jawohl, ihr Herren, eure Bemühungen sind vergebens! Die russische Revolution ist unabwendbar. Sie ist ebenso unabwendbar, wie der Sonnenaufgang unabwendbar ist! Könnt ihr der aufgehenden Sonne Einhalt gebieten? Die Hauptmacht dieser Revolution ist das städtische und ländliche Proletariat, ihr Bannerträger aber ist die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, und nicht ihr, meine Herren Liberalen!“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 78 russ.)

Ebenso entschieden verteidigt Stalin die Leninsche Idee des bewaffneten Aufstandes als des Mittels zum Sturz der Selbstherrschaft und zur Eroberung der Republik. In den Arbeiten Stalins aus den Jahren 1905-1907 wird die Idee des bewaffneten Aufstandes allseitig begründet. „Die Rettung des Volkes liegt in dem siegreichen Aufstand des Volkes selbst“, sagt Genosse Stalin. Ebenso wie Lenin maß er der technischen Vorbereitung des Aufstandes, der Organisation von Kampfscharen, der Waffenbeschaffung u.dgl. ungeheure Bedeutung bei. „Grade die technische Führung und die organisatorische Vorbereitung des allrussischen Aufstands“, betonte Genosse Stalin, „bilden jene neue Aufgabe, die das Leben dem Proletariat gestellt hat.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 133 russ.) Stalin leitete Tag um Tag die Tätigkeit der bolschewistischen Organisationen Transkaukasiens zur Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes.

Stalin begründet und entwickelt die Idee Lenins von der provisorischen revolutionären Regierung. Die Schaffung einer provisorischen revolutionären Regierung, so lehrt er, muss die natürliche Folge des siegreichen bewaffneten Volksaufstandes sein. Da das Proletariat und die Bauernschaft aus dem Aufstande als Sieger hervorgehen, muss auch die provisorische revolutionäre Regierung der Vertreter ihrer Bestrebungen und Interessen sein. Diese Regierung muss die revolutionäre Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft sein. Nur die Diktatur dieser revolutionären Klassen wird imstande sein, die finsteren Mächte der Reaktion zu zügeln und niederzuwerfen, das Volk zu bewaffnen, das Minimalprogramm der SDAPR zu verwirklichen, den Sieg der Revolution zu verankern und sie zu Ende zu führen. „Ist der Führer der Revolution das fortgeschrittene Proletariat“, sagt Genosse Stalin, „und soll es sich an der Organisierung des Aufstandes aktiv beteiligen, so ist es von selbst klar, dass wir nicht unsere Hände in Unschuld waschen, uns nicht von der provisorischen revolutionären Regierung ausschalten können, wir müssen gemeinsam mit der Bauernschaft die politische Macht erobern und uns an der provisorischen Regierung beteiligen: (Wir berühren hier nicht die prinzipielle Seite dieser Frage. J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 258/59 russ.) der Führer der revolutionären Straße muss auch in der Regierung der Revolution der Führer sein.“ (J. Stalin, Werke, Bd. I, S.258/59 russ.)

Im Kampfe gegen die zahlreichen Feinde der bolschewistischen Partei und der Arbeiterklasse verteidigt und entwickelt Stalin konsequent die Leninsche Revolutionstheorie, den taktischen Plan Lenins. Der größte Vorzug dieses Planes bestand darin, dass er der russischen Wirklichkeit vortrefflich entsprach, die breiten Volksmassen zum Kampfe erhob, sie mit Siegeszuversicht erfüllte und die Revolution vorantrieb.

Das Kaukasische Bundeskomitee propagierte unermüdlich die Beschlüsse des III. Parteitags und rief die Arbeiter und Bauern zum bewaffneten Aufstand auf. Stalins Flugblätter aus dem Jahre 1905 sind ein Vorbild für die Propaganda der Ideen des Bolschewismus in den Massen. In seinen Artikeln „Der bewaffnete Aufstand und unsere Taktik“, „Die provisorische revolutionäre Regierung und die Sozialdemokratie“, „Die Reaktion erstarkt“ und anderen übt Stalin vernichtende Kritik an den menschewistischen Führern, verteidigt und propagiert konsequent die Notwendigkeit des bewaffneten Aufstandes. Der Generalstreik im Oktober 1905, der die Kraft und die Stärke der proletarischen Bewegung offenbarte, zwang den zu Tode erschrockenen Zaren, das Manifest vom 17. Oktober zu erlassen. Dieses Manifest, das dem Volke allerlei Freiheiten versprach, war ein Betrug an den Volksmassen, ein Winkelzug des Zaren, eine Art Atempause, die der Zar brauchte, um die Leichtgläubigen einzuschläfern, Zeit zu gewinnen, Kräfte zu sammeln und dann gegen die Revolution loszuschlagen. Die Bolschewiki klärten die Massen darüber auf, dass das Manifest vom 17. Oktober eine Falle sei. Das „Oktobermanifest“ trifft Stalin in Tiflis an, im Höhepunkt des Kampfes für den Leninschen taktischen Plan, für die bolschewistischen Revolutionslosungen. Am gleichen Tage sagte Stalin in einer Rede auf einem Arbeitermeeting:

„Was brauchen wir, um wirklich zu siegen? Dazu sind drei Dinge nötig: erstens - Bewaffnung, zweitens - Bewaffnung, drittens - Bewaffnung und noch einmal Bewaffnung.“ (Zitiert nach der „Geschichte der KPdSU(B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S.98.)

In der von Stalin im Oktober 1905 verfassten Proklamation des Tifliser Komitees des Kaukasischen Bundes der SDAPR unter der Überschrift „Bürger““ verfocht er den Gedanken, dass für den Sieg der Revolution der allgemeine bewaffnete Volksaufstand notwendig sei, und schrieb: „Der in solcher Großartigkeit nicht nur in der Geschichte Rußlands, sondern auch der ganzen Welt noch nie dagewesene, beispiellose politische Generalstreik, der sich jetzt abspielt, kann vielleicht heute enden, ohne in einen allgemeinen Volksaufstand auszumünden, aber nur, um morgen erneut und mit noch größerer Gewalt das Land zu erschüttern und in jenen grandiosen bewaffneten Aufstand auszumünden, der die uralte Fehde des russischen Volkes mit der zaristischen Selbstherrschaft entscheiden und diesem abscheulichen Ungeheuer den Kopf zerschmettern muss ... Der allgemeine bewaffnete Volksaufstand - das ist die große Aufgabe, vor der gegenwärtig das Proletariat Rußlands steht und die gebieterisch ihre Lösung heischt!“ (J. Stalin, Werke, Bd. I, S. 186 russ.)

In dieser Zeit leistete Stalin eine gewaltige revolutionäre Arbeit in Transkaukasien. Unter Führung Stalins fasst die IV. bolschewistische Konferenz des Kaukasischen Bundes der SDAPR (November 1905) den Beschluss, den Kampf für die Vorbereitung und Durchführung des bewaffneten Aufstands, für den Boykott der zaristischen Duma, für die Entwicklung und Festigung der revolutionären Organisationen der Arbeiter und Bauern - der Sowjets der Arbeiterdeputierten, der Streikkomitees, der revolutionären Bauernkomitees - zu verstärken. Stalin entlarvte und bekämpfte die Menschewiki als Gegner der Revolution und des bewaffneten Aufstandes. Unentwegt bereitete er die Arbeiter zum entschiedenen Kampf gegen die Selbstherrschaft vor. Ganz Transkaukasien wurde von den Flammen des revolutionären Brandes erfasst. Schon der III. Parteitag hatte in der von Lenin vorgeschlagenen Resolution „Aus Anlass der Ereignisse im Kaukasus“ die Tätigkeit der bolschewistischen Organisationen Transkaukasiens als der „kämpferischsten Organisationen unserer Partei“ besonders hervorgehoben und die gesamte Partei aufgerufen, sie mit allen Mitteln zu unterstützen.

Im Dezember 1905 reist Stalin als Delegierter der transkaukasischen Bolschewiki zur Ersten Allrussischen bolschewistischen Konferenz nach Tammerfors (Finnland). Auf der Tammerforser Konferenz begegnen sich Lenin und Stalin zum ersten Male persönlich. Die Konferenz wählte Genossen Stalin in die politische Kommission zur Redaktion der Konferenzresolutionen, wo er zusammen mit Lenin als ein hervorragender Parteileiter arbeitete.

Nach der Niederlage des Dezemberaufstandes beginnt die Wendung zum allmählichen Rückzug der Revolution. In der Partei gehen die Vorbereitungen zum IV. Parteitag der SDAPR vor sich. Der Kampf zwischen Bolschewiki und Menschewiki entbrennt mit neuer Kraft. Auf dem Schauplatz tauchen anarchosyndikalistische Elemente auf. Besonders geräuschvoll gebärden sie sich in Tiflis. Stalin steht im Mittelpunkt des Kampfes gegen alle antiproletarischen Strömungen in Transkaukasien.

Stalin nimmt am IV. Parteitag der SDAPR (Stockholm, April 1906) aktiv teil, auf dem er gemeinsam mit Lenin die bolschewistische Linie in der Revolution gegen die Menschewiki verteidigte. In seiner Antwort an die Menschewiki stellte Stalin die Frage mit aller Schärfe: „Entweder Hegemonie des Proletariats oder Hegemonie der demokratischen Bourgeoisie - so steht die Frage in der Partei, darin bestehen unsere Meinungsverschiedenheiten.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 240 russ.)

Kurz nach dem Parteitag schrieb Stalin die Broschüre „Die gegenwärtige Lage und der Vereinigungsparteitag der Arbeiterpartei“. In dieser Broschüre gab Stalin eine Analyse der Lehren des bewaffneten Dezemberaufstands, begründete die bolschewistische Linie in der Revolution und fasste die Ergebnisse der Arbeiten des IV. Parteitags der SDAPR zusammen. Nach dem Parteitag ist Stalin wieder in Transkaukasien. Er führt einen unversöhnlichen Kampf gegen den Menschewismus und die anderen antiproletarischen Strömungen. Er leitet die legalen bolschewistischen Zeitungen „Achali Zchowreba“ (Neues Leben), „Achali Drojeba“ (Neue Zeit), „Tschweni Zchowreba“ (Unser Leben) und „Dro“ (Die Zeit), die in Tiflis in georgischer Sprache erschienen.

Aus dieser Zeit stammt die Serie der ausgezeichneten Artikel Stalins „Anarchismus oder Sozialismus?“ Der Anlass zu diesen Artikeln war der Umstand, dass die Anarchisten Kropotkinscher Richtung in Transkaukasien aktiv geworden waren.

Unter den Bedingungen des Abebbens der revolutionären Welle und der hierauf eingetretenen Reaktion stand als unmittelbare Aufgabe der Partei die Verteidigung der theoretischen Grundlagen des Bolschewismus auf der Tagesordnung. Im Jahre 1909 erscheint Lenins geniales Werk „Materialismus und Empiriokritizismus“, in welchem er diejenigen, die sich auf dem Gebiete der Theorie des Marxismus als entartet erwiesen, bis zu Ende entlarvte und die theoretischen Grundlagen der bolschewistischen Partei verteidigte.

Auch Stalin verteidigt die theoretischen Grundlagen des Marxismus. In seinen Artikeln verficht und entwickelt Stalin die theoretischen Grundlagen der marxistischen Partei: den dialektischen und historischen Materialismus. Diese Artikel Stalins wurden in den Jahren 1906-1907 in den georgischen bolschewistischen Zeitungen veröffentlicht. In ihnen wird in verständlicher und populärer Form erläutert, was Materialismus und Dialektik, was der historische Materialismus ist. Mit außerordentlicher Tiefe werden in dieser Arbeit die Grundfragen der marxistisch-leninistischen Theorie gestellt und gelöst - die Unvermeidlichkeit und Unabwendbarkeit der sozialistischen Revolution und der Diktatur des Proletariats, die Notwendigkeit der proletarischen Kampfpartei, der Partei von neuem Typus, die sich von den alten, reformistischen Parteien der II. Internationale unterscheidet - und die Grundlagen der Strategie und Taktik der Partei dargelegt. Diese Artikel Stalins gehören der ideologischen Schatzkammer unserer Partei an als wertvoller Beitrag zur Theorie des Marxismus-Leninismus. Sie sind ein Musterbeispiel tiefgründiger Beleuchtung der Fragen der Theorie des Marxismus-Leninismus im unzertrennlichen Zusammenhang mit den aktuellen Aufgaben des revolutionären Klassenkampfes des Proletariats.

Im April-Mai 1907 fand der V. (der Londoner) Parteitag der SDAPR statt, der den Sieg der Bolschewiki über die Menschewiki verankerte. Stalin war aktiver Teilnehmer des Parteitags. Vom Parteitag zurückgekehrt, veröffentlichte er einen Artikel über dessen Arbeiten: „Der Londoner Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands (Aufzeichnungen eines Delegierten)“, in welchem er eine Einschätzung der Beschlüsse und Ergebnisse des Parteitags gab, die ideologischen und taktischen- Positionen des Bolschewismus verteidigte, die liberalbürgerliche Linie der Menschewiki in der Revolution und deren Liquidatorentum gegenüber der Partei entlarvte und die Klassennatur des Menschewismus als einer kleinbürgerlichen politischen Strömung aufzeigte.

III

DIE erste russische Revolution endete mit einer Niederlage. Vom Ende der ersten bis zum Beginn der zweiten Revolution vergingen zehn Jahre, in deren Verlauf die Bolschewiki heldenhaft und opfermutig, beharrlich und unermüdlich die Massen organisierten, sie im revolutionären Geist erzogen, ihren Kampf leiteten und den künftigen Sieg der Revolution vorbereiteten.

Für Lenin und Stalin waren das Jahre des unversöhnlichen Kampfes für die Aufrechterhaltung und Festigung der illegalen revolutionären Partei, für die Durchführung der bolschewistischen Linie unter neuen Bedingungen, Jahre der angestrengten Arbeit zur Organisierung und Erziehung der Arbeitermassen, Jahre des besonders hartnäckigen Kampfes mit der zaristischen Polizei. Der Zarismus fühlte, dass er in Stalin einen der größten Revolutionäre vor sich hatte, und suchte Stalin auf jede Weise die Möglichkeit zu nehmen, seine revolutionäre Arbeit fortzusetzen. Verhaftungen, Gefängnis und Verbannung lösten einander ab. Von 1902-1913 wurde Stalin siebenmal verhaftet, sechsmal war er in der Verbannung, aus der er fünfmal flüchtete. Kaum hatten die zaristischen Schergen Stalin an einen neuen Verbannungsort gebracht, als er auch schon erneut flüchtete und, wieder auf „freiem Fuß“, die revolutionäre Energie der Massen schmiedete. Nur aus der letzten Verbannung, aus Turuchansk, wurde Stalin durch die Februarrevolution 1917 befreit.

Im Juli 1907 beginnt die Bakuer Periode in der revolutionären Tätigkeit Stalins. Nach der Rückkehr vom V. (Londoner) Parteitag der SDAPR verlässt Stalin Tiflis und lässt sich auf Anweisung der Partei in Baku nieder, dem größten Industrierevier Transkaukasiens und einem der wichtigsten Zentren der Arbeiterbewegung Rußlands. Hier entfaltet er eine rastlose Tätigkeit zum Zusammenschluss der Bakuer Organisation um die Losungen Lenins, zur Gewinnung der Arbeitermassen für den Bolschewismus. Stalin organisiert den Kampf zur Verdrängung der Menschewiki aus den Arbeitervierteln Bakus (Balachany, Bibi-Eibat, Tschorny Gorod, Bely Gorod) und leitet die illegalen und legalen bolschewistischen Organe „Bakinski Proletari“ (Der Bakuer Proletarier), „Gudok“ (Die Sirene), „Bakinski Rabotschi((Der Bakuer Arbeiter). Stalin leitet die Wahlkampagne zur III. Reichsduma. Der von Stalin verfasste „Wählerauftrag an die sozialdemokratischen Abgeordneten der III. Reichsduma“ wurde am 22. September in der Bevollmächtigtenversammlung der Arbeiterkurie in Baku angenommen. Stalin gibt dem Kampf der Bakuer Arbeiter Richtung und Ziel. Anlässlich der Konferenz der Arbeiter mit den Erdölindustriellen, deren Zweck der Abschluss eines Kollektivvertrages war, leitet Stalin eine große Kampagne und schafft ein glänzendes Vorbild für die Durchführung der elastischen Leninschen Linie der Verbindung der illegalen mit der legalen Arbeit unter den Verhältnissen der Reaktion. Durch geschickte Anwendung der Leninschen Taktik, die darin bestand, die Arbeitermassen zum politischen Kampf gegen die Zarenmonarchie zu mobilisieren, setzte Stalin den Sieg der Bolschewiki in dieser Kampagne durch. In der finsteren Nacht der Stolypinschen Reaktion bietet das proletarische Baku ein beispielloses Schauspiel: der proletarische Kampf ist in vollem Schwung, durch ganz Rußland schallt die Stimme der legalen bolschewistischen Zeitungen, die Stalins Schöpfungen waren. „Die letzten Mohikaner des politischen Massenstreiks!“, (Lenin, Werke, Bd. XV, 3. Aufl., S. 33 russ.) so charakterisiert Lenin den heroischen Kampf der Bakuer Arbeiter im Jahre 1908.

Stalin schart einen festen Grundstock erprobter - Leninscher Bolschewiki um sich: Fioletow, Saratowez (Jeflmow), Wazek, Bokow, Malygin, Ordshonikidse, Dshaparidse, Schaumjan, Spandarjan, Chanlar, Memedow, Asisbekow, Kiasi-Mamed u. a. Stalin erreicht schließlich den vollen Sieg des Bolschewismus in den Reihen der Bakuer Organisation. Baku wird zu einer Zitadelle des Bolschewismus. Unter Stalins Führung kämpft das Bakuer Proletariat heldenhaft in den vordersten Reihen der gesamtrussischen revolutionären Bewegung. 17 Die Bakuer Periode ist von größter Bedeutung im Leben und Wirken Stalins. Stalin selbst sagt über diese Periode:

„Zwei Jahre revolutionärer Arbeit unter den Arbeitern der Erdölindustrie stählten mich als praktischen Kämpfer und einen der praktischen Leiter. Im Umgang mit so fortgeschrittenen Arbeitern Bakus wie Wazek, Saratowez u. a. einerseits und im Wirbel der tiefsten Konflikte zwischen den Arbeitern und den Erdölindustriellen anderseits erfuhr ich zum erstenmal, was es heißt, große Arbeitermassen zu leiten. Dort, in Baku, erhielt ich somit meine zweite revolutionäre Feuertaufe.“ („Prawda“ Nr. 136 vom 16. Juni 1926.) Am 25. März 1908 wird Stalin verhaftet und nach fast acht Monaten Gefängnishaft auf zwei Jahre nach Solwytschegodsk im Gouvernement Wologda verbannt. Bereits am 24. Juni 1909 flüchtet er und kehrt zur illegalen Arbeit nach Baku zurück. Stalin unterstützt völlig die Stellungnahme Lenins, tritt entschieden gegen die Liquidatoren und Otsowisten auf. In den zentralen Presseorganen der Partei erscheinen die Stalinschen „Briefe aus dem Kaukasus“, denen historische Bedeutung zukommt, in der Zeitung „Bakinski Proletari“ erscheinen die Artikel: „Die Parteikrise und unsere Aufgaben“, „Aus dem Parteileben“ u. a., in denen Stalin den Zustand der Parteiorganisationen mutig kritisiert und einen Plan für die Überwindung der Parteikrise aufstellt. Diese Schriften Stalins enthalten eine niederschmetternde Kritik an den Liquidatoren: am Beispiel der Tifliser Menschewiki wird das Renegatentum der Liquidatoren in programmatischen und taktischen Fragen entlarvt. In ihnen wird die verräterische Haltung der Handlanger des Trotzkismus schärfstens verurteilt und werden die nächsten Aufgaben umrissen, die in der Folge durch die Prager Parteikonferenz erfüllt wurden: Einberufung einer allgemeinen Parteikonferenz, Herausgabe einer legalen Parteizeitung und Schaffung eines illegalen Parteizentrums für die praktische Arbeit in Rußland. Am 23. März 1910 wird Stalin erneut in Baku verhaftet und nach halbjähriger Gefängnishaft in die Verbannung nach Solwytschegodsk zurückgeschickt. In der Verbannung setzt sich Stalin mit Lenin in Verbindung und schreibt ihm Ende 1910 einen Brief, in dem er die Leninsche Taktik des Parteiblocks der Anhänger der Aufrechterhaltung und Festigung der illegalen proletarischen Partei in vollem Maße unterstützt, die „faule Prinzipienlosigkeit“ Trotzkis scharf geißelt und einen Plan für die Organisierung der Parteiarbeit in Rußland vorschlägt.

Im zweiten Halbjahr 1911 beginnt die Petersburger Periode der revolutionären Tätigkeit des Genossen Stalin. Am 6. September 1911 reist Stalin illegal aus Wologda nach Petersburg. Hier nimmt er Verbindungen mit der Petersburger Parteiorganisation auf, leitet und organisiert den Kampf gegen die Liquidatoren - die Menschewiki und die Trotzkisten -, sammelt und festigt die bolschewistischen Organisationen Petersburgs. Am 9. September 1911 wurde Genosse Stalin in Petersburg verhaftet und in das Gouvernement Wologda verschickt. Von hier gelang es ihm, im Februar 1912 zu flüchten. Der Januar 1912 bringt ein höchst bedeutsames Ereignis im Leben der Partei. Die Prager Konferenz der SDAPR, die die Menschewiki aus der Partei verjagte, legte den Grundstein zur Partei von neuem Typus, der Partei des Leninismus, der bolschewistischen Partei. Die Bolschewiki hatten an der Vorbereitung einer solchen Partei, einer Partei von neuem Typus, schon seit der Zeit der alten „Iskra“ gearbeitet. Sie taten das beharrlich und zäh, allen Widerständen zum Trotz. Die gesamte Geschichte des Kampfes gegen die „Ökonomisten“, Menschewiki, Trotzkisten, Otsowisten, Idealisten aller Schattierungen bis zu den Empiriokritizisten - war die Geschichte der Vorbereitung - ebendieser Partei. Die grundlegende und entscheidende Rolle spielten in dieser Vorbereitungsarbeit die Werke Lenins „Was tun?“, „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“, „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“, „Materialismus und Empiriokritizismus“. Stalin war der treue Kampfgefährte Lenins in diesem Kampfe gegen die zahlreichen Feinde, er war die sichere Stütze im Kampfe für die Schaffung einer revolutionären marxistischen Partei, der bolschewistischen Partei.

IV

DIE Prager Konferenz sagte in ihren Beschlüssen voraus, dass in naher Zukunft ein revolutionärer Aufschwung unvermeidlich ist, und traf alle Maßnahmen, damit die Partei zu diesem Aufschwung in voller Rüstung bereit sei. Die Konferenz wählte ein bolschewistisches Zentralkomitee, schuf ein Zentrum zur praktischen Leitung der revolutionären Arbeit in Rußland (Russisches Büro des Zentralkomitees) und nahm den Beschluss über die Gründung der „Prawda“ an. Auf der Konferenz wurde Stalin, der bereits seit dem Jahre 1910 Bevollmächtigter des Zentralkomitees war, in Abwesenheit Zum Mitglied des Zentralkomitees der Partei gewählt. Auf Vorschlag Lenins wird Stalin an die Spitze des Russischen Büros des Zentralkomitees gestellt. Doch befand sich Stalin damals in der Verbannung; es war notwendig, seine Flucht zu organisieren. Im Auftrag Lenins reist Sergo Ordshonikidse nach Wologda zu Stalin und informiert ihn über die Beschlüsse der Prager Konferenz. Und am 29. Februar 1912 flüchtet Stalin neuerlich aus der Verbannung. Während der kurzen Zeit seiner „Freiheit“ entfaltet Stalin eine energische Tätigkeit: er bereist im Auftrag des Zentralkomitees die wichtigsten Gebiete Rußlands, arbeitet an der Vorbereitung der Maidemonstration, schreibt das bekannte Flugblatt des Zentralkomitees zum 1. Mai, leitet in Petersburg die bolschewistische Wochenzeitung „Swesda“ (Der Stern) in den Tagen der Proteststreiks gegen das Blutbad an der Lena.

Eine mächtige Waffe in der Hand der bolschewistischen Partei zur Festigung ihrer Organisationen und zur Gewinnung des Einflusses in den Massen wurde die für die breiten Massen bestimmte bolschewistische Tageszeitung „Prawda“ (Die Wahrheit), die in Petersburg zu erscheinen begann. Begründet wurde sie gemäß der Weisung Lenins, auf Initiative Stalins. Unter Stalins Leitung wurde die erste Nummer der „Prawda“ vorbereitet und ihre Richtung festgelegt.

Die „Prawda“ trat zugleich mit dem neuen Aufschwung der revolutionären Bewegung ins Leben.

Am 22. April (5. Mai neuen Stils) 1912 erschien ihre erste Nummer. Dies war ein richtiger  Festtag für die Arbeiterschaft. Dem Erscheinen der „Prawda“ zu Ehren wurde beschlossen, den 5. Mai als Festtag der Arbeiterpresse zu feiern. „Die ‚Prawda’ im Jahre 1912 - das war die Fundamentlegung für den Sieg des Bolschewismus im Jahre 1917“, schrieb Genosse Stalin anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der „Prawda“. („Prawda“ Nr. 98 vom 5. Mai 1922.)

Am 22. April 1912 wurde Stalin in Petersburg auf der Straße verhaftet und nach einigen Monaten Gefängnis auf drei Jahre, diesmal in eine noch entlegenere Gegend, in die Narym- Region, verschickt. Aber bereits am 1. September 1912 flüchtet Stalin abermals aus der Verbannung und kehrt nach Petersburg zurück. Hier redigiert er die bolschewistische Zeitung „Prawda“ und leitet die Tätigkeit der Bolschewiki in der Wahlkampagne zur IV. Reichsduma. Von der Polizei auf Schritt und Tritt verfolgt, spricht Stalin, obwohl er sich dadurch einer großen Gefahr aussetzt, in einer Reihe von fliegenden Betriebsversammlungen. Doch beschützen die Arbeiterorganisationen und die Arbeiter selbst Stalin und bringen ihn vor der Polizei in Sicherheit.

Von hervorragender Bedeutung war in dieser für die Partei siegreichen Kampagne der von Stalin verfasste „Wählerauftrag der Petersburger Arbeiter an ihren Arbeiterdeputierten“, der von Lenin überaus hoch eingeschätzt wurde. Als Lenin den „Wählerauftrag“ in die Druckerei zum Setzen schickte, versah er ihn mit dem Vermerk: „Unbedingt zurückgeben!! Nicht schmutzig machen. Aufbewahrung dieses Dokuments äußerst wichtig.“ In einem Brief an die Redaktion der „Prawda“ gab Lenin die Anweisung: „Diesen Wählerauftrag an den Petersburger Deputierten unbedingt an auffallender Stelle in großer Schrift bringen.“ (Lenin, Werke, Bd. XXIX, 3. Aufl., S. 78 russ.) Der Stalinsche „Wählerauftrag“ brachte den Arbeitern die noch ungelösten Aufgaben des Jahres 1905 in Erinnerung und rief sie zum revolutionären Zweifrontenkampf auf: zum Kampf sowohl gegen die zaristische Regierung als auch gegen die liberale Bourgeoisie, die eine Verständigung mit dem Zarismus suchte. Nach den Wahlen ist Stalin mit der Leitung der bolschewistischen Gruppe der Dumafraktion beschäftigt.

Zusammen mit Stalin arbeiten in Petersburg J. Swerdlow und W. Molotow, die an der Leitung der „Prawda“, der Wahlkampagne und der Dumafraktion aktiv teilnehmen. In dieser Periode wird die Verbindung zwischen Lenin und Stalin noch enger. Lenin billigt in seinen Briefen vollauf die Tätigkeit Stalins, seine Reden und Aufsätze. Stalin reist zweimal nach Krakau zu Lenin: im November und Ende Dezember 1912 zur Beratung des Zentralkomitees mit Parteiarbeitern.

Während des Aufenthalts im Ausland schreibt Stalin die Arbeit „Marxismus und nationale Frage“, die Lenin sehr hoch bewertete. Lenin schrieb über diese Arbeit des Genossen Stalin: „In letzter Zeit sind die Grundlagen des nationalen Programms der Sozialdemokratie in der theoretischen marxistischen Literatur ... bereits beleuchtet worden (in erster Linie tritt hier der Aufsatz Stalins hervor).“ (Ebenda Bd. XVII, 3. Aufl., S. 116 russ.) Stalins Schrift „Marxismus und nationale Frage“ war die bedeutendste Stellungnahme des Bolschewismus zur nationalen Frage auf dem internationalen Schauplatz vor dem Kriege. Das war die Theorie und die programmatische Deklaration des Bolschewismus zur nationalen Frage. Scharf und nachdrücklich wurden in dieser Arbeit zwei Methoden, zwei Programme, zwei Weltanschauungen in der nationalen Frage, die der II. Internationale und die des Leninismus, einander gegenübergestellt. Zusammen mit Lenin zerschlug Stalin die opportunistischen Auffassungen und Dogmen der II. Internationale in der nationalen Frage. Von Lenin und Stalin wurde das marxistische Programm in der nationalen Frage ausgearbeitet. Stalin entwickelte in seiner Arbeit die marxistische Theorie der Nation, formulierte die Grundlagen der bolschewistischen Methode zur Lösung der nationalen Frage (die Forderung, die nationale Frage als Teil der Gesamtfrage der Revolution und im unzertrennlichen Zusammenhang mit der gesamten internationalen Lage in der Epoche des Imperialismus zu betrachten) und begründete das bolschewistische Prinzip des internationalen Zusammenschlusses der Arbeiter. Am 23. Februar 1913 wurde Stalin bei einem Unterhaltungsabend verhaftet, der vom Petersburger Komitee der Bolschewiki im Saal der Kalaschnikow-Börse veranstaltet war. Diesmal verschickt die zaristische Regierung Stalin auf vier Jahre in die ferne Turuchansk- Region. Stalin lebt zuerst in der Siedlung Kostino und wird dann, Anfang 1914, von den zaristischen Gendarmen, die eine neue Flucht befürchten, noch weiter nach Norden, unmittelbar an den Polarkreis, in die Siedlung Kurejka überführt. Hier verbringt er die Jahre 1914, 1915 und 1916. Das war das Allerschwerste, was es an politischer Verbannung nach fernen, entlegenen Gebieten Sibiriens nur geben konnte.

Im Sommer 1914 begann der imperialistische Krieg. Die Parteien der II. Internationale übten schändlichen Verrat am Proletariat, sie gingen auf die Seite der imperialistischen Bourgeoisie über. Nur Lenin und die Bolschewiki blieben dem Kampfbanner des Internationalismus treu, nur die Partei der Bolschewiki erhob sofort und ohne zu schwanken das Banner des entschlossenen Kampfes gegen den imperialistischen Krieg. Abgeschnitten von aller Welt, getrennt von Lenin und den Parteizentren, stellt sich Stalin in den Fragen des Krieges, des Friedens und der Revolution auf den Leninschen internationalistischen Standpunkt. Er schreibt Briefe an Lenin, spricht in Versammlungen verbannter Bolschewiki im Dorfe Monastyrskoje (1915) und brandmarkt dort die feige und verräterische Haltung Kamenews in dem Prozess gegen die bolschewistische „Fünfergruppe“ der Deputierten der IV. Reichsduma. Gemeinsam mit einer Gruppe verbannter Bolschewiki begrüßt er (1916) die legale bolschewistische Zeitschrift „Woprossy Strachowanija“ (Versicherungsfragen) und weist darauf hin, dass die Aufgabe der Zeitschrift darin bestehe, „alle Bemühungen und Kräfte aufzubieten zur ideologischen Versicherung der Arbeiterklasse unseres Landes gegen die 20zutiefst zersetzende, antiproletarische und den Prinzipien des Internationalismus von Grund aus widersprechende Predigt der Herren Potressow, Lewizki und Plechanow“.

Im Dezember 1916 wird Stalin, nach Einziehung zum Militärdienst, auf dem Etappenwege nach Krasnojarsk und dann in die Stadt Atschinsk gebracht. Hier erreicht ihn die Nachricht von der Februarrevolution. Am 8. März 1917 verlässt Stalin Atschinsk und sendet auf der Reise ein Begrüßungstelegramm an Lenin in die Schweiz. Am 12. März 1917 ist Stalin, der allen Unbilden der Turuchansker Verbannung mutig Trotz geboten hat, wieder in Petrograd, der revolutionären Hauptstadt Rußlands. Das Zentralkomitee der Partei beauftragt Stalin mit der Leitung der „Prawda“.

Die Partei der Bolschewiki war eben erst aus der Illegalität hervorgetreten. Viele der hervorragendsten und aktivsten Parteimitglieder kehrten aus den fernen Verbannungsorten und Gefängnissen zurück. Lenin befand sich in der Emigration. Die bürgerliche Provisorische Regierung suchte seine Rückkehr mit allen möglichen Mitteln aufzuhalten. In dieser verantwortungsvollen Periode schließt Stalin die Partei zum Kampf für das Hinüberwachsen der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische zusammen. Stalin leitet gemeinsam mit Molotow die Tätigkeit des Zentralkomitees und des Petrograder Komitees der Bolschewiki. In den Artikeln Stalins erhalten die Bolschewiki prinzipielle richtunggebende Anweisungen für ihre Arbeit. Bereits im ersten Artikel, „Über die Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten“, umreißt Stalin die Hauptaufgabe der Partei.

„Diese Sowjets zu festigen, sie überall ins Leben zu rufen, sie untereinander zu verbinden, mit dem zentralen Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten, als Organ der revolutionären Macht des Volkes, an der Spitze.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 3, S. 2 russ.)

Im Artikel „Über den Krieg“ zeigte Stalin, dass der Charakter des imperialistischen Krieges durch den Übergang der Macht in die Hände der Provisorischen Regierung nicht verändert wurde, dass der Krieg von 1914-1917 auch unter der bürgerlichen Provisorischen Regierung ein ungerechter Krieg, ein Raubkrieg bleibt. Stalin, Molotow und andere verfochten gemeinsam mit der Mehrheit der Partei die Politik des Misstrauens gegen die imperialistische Provisorische Regierung. Sie bekämpften die menschewistisch-sozialrevolutionäre Politik der Vaterlandsverteidigung sowie die halbmenschewistische Einstellung einer bedingten Unterstützung der Provisorischen Regierung, die von Kamenew und anderen Opportunisten vertreten wurde.

V

AM 3. April 1917 kehrte Lenin aus langjährigem Exil nach Rußland zurück. Die Nachricht von der Ankunft des geliebten Führers der Revolution wurde von den fortgeschrittenen Arbeitern Petrograds mit großer Begeisterung aufgenommen. Genosse Stalin fuhr mit einer Arbeiterdelegation Lenin bis zur Station Beloostrow entgegen. Die Begrüßung Lenins am Finnländischen Bahnhof in Petrograd gestaltete sich zu einer machtvollen revolutionären Kundgebung. Am Tage nach seiner Ankunft hielt Lenin eine Rede, in der er seine berühmten Aprilthesen entwickelte, die die Partei mit dem genialen Plan des Kampfes für den Übergang von der bürgerlich-demokratischen Revolution zur sozialistischen Revolution ausrüsteten. Die Thesen Lenins gaben der Partei eine neue Orientierung unter den neuen Kampfbedingungen nach dem Sturze des Zarismus. Am 24. April 1917 wurde die VII. (die April-) Konferenz der Bolschewiki eröffnet, deren Arbeiten die Leninschen Thesen zugrunde lagen. Die Aprilkonferenz stellte die Partei auf den Kampf für das Hinüberwachsen der bürgerlichdemokratischen in die sozialistische Revolution ein.

Auf der Konferenz verfocht Stalin energisch die auf die sozialistische Revolution gerichtete Leninsche Linie und entlarvte die opportunistische, antileninistische Linie Kamenews, Rykows und ihrer wenigen Gesinnungsgenossen. Außerdem hielt Stalin auf der Konferenz auch das Referat über die nationale Frage. Die marxistisch-leninistische Linie in der nationalen Frage konsequent entwickelnd, begründete Stalin die bolschewistische Nationalitätenpolitik, vertrat das Recht der Nationen auf Selbstbestimmung bis zur Lostrennung und Bildung selbständiger Staaten. Die Lenin-Stalinsche Nationalitätenpolitik sicherte der Partei in der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution die Unterstützung der unterdrückten Nationalitäten.

Im Mai 1917, nach der Konferenz, wird das Politische Büro des Zentralkomitees gebildet, zu dessen Mitglied Stalin gewählt wird. Seit dieser Zeit und bis zum heutigen Tag wird Stalin jedesmal zum Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees gewählt. Auf Grund der Beschlüsse der Aprilkonferenz entfaltet die Partei eine gewaltige Arbeit zur Gewinnung der Massen, zu ihrer Erziehung und Organisierung für den Kampf.

In dieser schwierigen Periode der Revolution, da die Ereignisse sich stürmisch entwickelten und von oder Partei eine geschickte und bewegliche Taktik erforderten, leiteten Lenin und Stalin den Kampf der Massen.

„Ich denke an das Jahr 1917“, sagte Stalin, „als ich durch den Willen der Partei, nach meinen Wanderungen durch Gefängnisse und Verbannungsorte, nach Leningrad entsandt worden war. Dort, im Kreise der russischen Arbeiter, in der unmittelbaren Nähe des großen Lehrers der Proletarier aller Länder, des Genossen Lenin, im Donner der großen Schlachten zwischen Proletariat und Bourgeoisie, unter den Verhältnissen des imperialistischen Krieges, lernte ich zum erstenmal verstehen, was es heißt, einer der Führer der großen Partei der Arbeiterklasse zu sein.

Dort, im Kreise der russischen Arbeiter, der Befreier der unterdrückten Völker und Vorkämpfer des Proletariats aller Länder und Völker, erhielt ich meine dritte revolutionäre Feuertaufe. Dort, in Rußland, wurde ich unter Lenins Leitung einer der Meister der Revolution.“ (Prawda Nr. 136 vom 16. Juni 1926.) Stalin steht im Mittelpunkt der gesamten praktischen Arbeit der Partei. Als Mitglied des Zentralkomitees nimmt er unmittelbar führenden Anteil an der Arbeit des Petrograder Komitees der Partei, leitet die „Prawda“, schreibt Artikel für die „Prawda“ und „Soldatskaja Prawda“, leitet die Tätigkeit der Bolschewiki in der Gemeindewahlkampagne in Petrograd. Zusammen mit Lenin nimmt Stalin an den Arbeiten der Allrussischen Konferenz der Militärorganisationen der Partei teil und hält dort ein Referat „über die nationale Bewegung in den nationalen Regimentern“. Zusammen mit Lenin organisiert Stalin die historische Demonstration vom 18. Juni, die unter den Losungen der bolschewistischen Partei vor sich ging, schreibt im Namen des Zentralkomitees den Aufruf an die Arbeiter und revolutionären Soldaten Petrograds. Am 20. Juni wurde Genosse Stalin auf dem I. Allrussischen Sowjetkongress zum Mitglied des Zentralexekutivkomitees gewählt.

Nach den Julitagen 1917, als Lenin, von der konterrevolutionären Provisorischen Regierung gehetzt und verfolgt, sich in der Illegalität befand, leitete Stalin unmittelbar das Zentralkomitee und das Zentralorgan der Partei, das zu dieser Zeit unter verschiedenen Namen erschien („Rabotschi i Soldat“ [Arbeiter und Soldat], „Proletari“, „Rabotschi“, „Rabotschi Putj“ [Der Arbeiterweg]). Stalin rettete das für die Partei, für unser Volk, für die gesamte Menschheit so teure Leben Lenins, indem er sich entschieden dagegen wandte, dass sich Lenin dem Gericht der Konterrevolutionäre stelle, und den Vorschlag der Verräter Kamenew, Rykow, Trotzki zurückwies, die verlangten, dass Lenin dem Gericht der konterrevolutionären Provisorischen Regierung ausgeliefert werde. Die Niederschlagung der Julidemonstration führte einen Umschwung in der Entwicklung der Revolution herbei. Lenin arbeitet die neue Taktik der Partei für die neuen Kampfbedingungen aus. Zusammen mit Swerdlow leitet Stalin die Arbeiten des illegal tagenden VI. Parteitags (Juli-August 1917). Auf dem Parteitag erstattete Stalin den Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees und das Referat über die politische Lage. In diesen Referaten Stalins wurden die Aufgaben und die Taktik der Partei im Kampfe für die sozialistische Revolution klar formuliert. Stalin trat den Trotzkisten entgegen, die den Sieg des Sozialismus in Rußland für unmöglich hielten.

Als Erwiderung auf einen Ausfall der Trotzkisten, die versuchten, den auf die sozialistische Revolution gerichteten Kurs der Partei von der proletarischen Revolution im Westen abhängig zu machen, erklärte Genosse Stalin: „Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass gerade Rußland das Land sein wird, das den Weg zum Sozialismus bahnt ... Man muss die überlebte Vorstellung fallen lassen, dass nur Europa uns den Weg weisen könne. Es gibt einen dogmatischen Marxismus und einen schöpferischen Marxismus. Ich stehe auf dem Boden des letzteren.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 3, S. 186 u. 187 russ.) Die Worte Stalins haben sich als prophetisch erwiesen: Rußland zeigte als erstes Land den Weg zum Sozialismus.

Der Parteitag schloss sich um Stalin zusammen, der Lenins Lehre von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in unserem Lande verfocht. Unter Führung Stalins wurde der VI. Parteitag, den Direktiven Lenins entsprechend, zu dem Parteitag der Vorbereitung zum Aufstand. Der Parteitag orientierte die Partei auf den bewaffneten Aufstand, auf die Eroberung der Diktatur des Proletariats.

Im August 1917 brach die Meuterei des Generals Kornilow aus, der den Zarismus in Rußland wiederherstellen wollte. Die Bolschewiki mobilisierten die Volksmassen zum Kampf gegen das Generalsabenteuer. Die Niederwerfung des Kornilowputsches leitete eine neue Periode in der Geschichte der Revolution ein: es begann die Periode der Organisierung des Sturmes. Während der Zeit, die Lenin in der Illegalität zubrachte, unterhält Genosse Stalin enge Verbindung und schriftlichen Verkehr mit seinem Lehrer und Freund Lenin. Stalin besucht Lenin zweimal in seinem Versteck in Rasliw.

Lenin und Stalin führten die Partei und die Arbeiterklasse kühn und sicher, fest und umsichtig zur sozialistischen Revolution, zum bewaffneten Aufstand. Lenin und Stalin sind die Inspiratoren und Organisatoren des Sieges der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Stalin war der nächste Kampfgefährte Lenins. Er leitete unmittelbar die gesamte Vorbereitung zum Aufstand. Seine richtunggebenden Artikel wurden in den bolschewistischen Gebietszeitungen nachgedruckt. Stalin ließ Vertreter der Gebietsorganisationen zu sich kommen, instruierte sie und legte die Kampfaufgaben für die einzelnen Gebiete fest. Am 16. Oktober wählte das Zentralkomitee das Parteizentrum zur Leitung des Aufstands mit Genossen Stalin an der Spitze. Das Parteizentrum war der leitende Kern des Revolutionären Militärkomitees beim Petrograder Sowjet und leitete praktisch den ganzen Aufstand.

In seiner am 16. Oktober in der Sitzung des Zentralkomitees der Partei gehaltenen Rede wies Stalin die kapitulantischen Vorschläge der Verräter Sinowjew und Kamenew zurück, die gegen den bewaffneten Aufstand aufgetreten waren. Stalin erklärte: „Was Kamenew und Sinowjew vorschlagen, führt objektiv dazu, dass die Konterrevolution die Möglichkeit bekommt, sich vorzubereiten und zu organisieren. Wir würden endlos zurückweichen und die Revolution verspielen. Warum sollen wir uns nicht die Möglichkeit sichern, den Tag und die Bedingungen des Aufstandes selbst auszusuchen, um der Konterrevolution, keine Gelegenheit zu geben, sich zu organisieren?“ (J. Stalin, Werke, Bd. 3, S. 381 russ.)

Am frühen Morgen des 24. Oktober verbot Kerenski durch einen Befehl die Herausgabe des Zentralorgans der Partei, des „Rabotschi Putj“, und entsandte Panzerautos zum Gebäude der Redaktion und der Druckerei des „Rabotschi Putj“. Aber um 10 Uhr morgens zwangen die Rotgardisten und die revolutionären Soldaten laut Weisung des Genossen Stalin die Panzerautos zum Rückzug und stellten vor der Druckerei und der Redaktion eine verstärkte Wache auf. Um 11 Uhr früh erschien der „Rabotschi Putj“ mit dem von Stalin geschriebenen Leitartikel „Was brauchen wir?“, der die Massen aufrief, die bürgerliche Provisorische Regierung zu stürzen. Gleichzeitig wurden auf Anweisung des Parteizentrums schleunigst Abteilungen der revolutionären Soldaten und Rotgardisten zum Smolny herangezogen. Der Aufstand begann am 24. Oktober. Am Abend des 25. Oktober wurde der II. Sowjetkongress eröffnet, der die ganze Macht den Sowjets übergab.

Stalin wurde Mitglied des ersten Rates der Volkskommissare, der mit Lenin an der Spitze nach dem Siege der Oktoberrevolution auf dem II. Allrussischen Sowjetkongress gewählt wurde. Die Große Sozialistische Oktoberrevolution veränderte die Situation von Grund aus. Die Oktoberrevolution spaltete die ganze Welt in zwei Systeme, in das System des Kapitalismus und das System des Sozialismus. Die Partei der Bolschewiki stand vor neuen Verhältnissen, hatte neue gigantische Aufgaben zu lösen. Von Grund aus veränderten sich auch die Formen des Kampfes der Arbeiterklasse.

Seit den ersten Tagen des Bestehens der Sowjetregierung bis zum Jahre 1923 war Stalin Volkskommissar für die Angelegenheiten der Nationalitäten. Er leitete unmittelbar die gesamte Arbeit der Partei und der Sowjetmacht zur Lösung der nationalen Frage in der Sowjetunion. Unter Führung Lenins und Stalins gingen die Arbeiter und Bauern daran, an Stelle der zaristischen Kolonien Sowjetrepubliken zu errichten. Es gibt keine einzige Sowjetrepublik, an deren Organisierung Stalin nicht aktiv und führend teilgenommen hätte. Stalin leitet den Kampf um die Ukrainische Sowjetrepublik, leitet die Errichtung der Bjelorussischen Republik und der Sowjetrepubliken in Transkaukasien und Mittelasien, er hilft den zahlreichen Nationalitäten des Sowjetlandes, ihre autonomen Sowjetrepubliken und Gebiete aufzubauen. Lenin und Stalin sind die Inspiratoren und Organisatoren dir großen Sowjetunion.

Stalin ist zusammen mit Swerdlow der nächste Helfer Lenins beim Aufbau des Sowjetstaates. Gemeinsam mit Lenin führt Stalin den Kampf gegen Kamenew, Sinowjew, Rykow und die anderen Streikbrecher und Deserteure der Revolution. Organisierung der Niederwerfung Kerenskis und Krasnows, Brechung der Sabotage der Beamten und Angestellten, Liquidierung des konterrevolutionären Hauptquartiers und der zaristischen Generalität, Verbot der bürgerlichen Presse, Kampf gegen die konterrevolutionäre Ukrainische Rada, Auseinanderjagung der Konstituierenden Versammlung, Ausarbeitung der ersten Sowjetverfassung im Jahre 1918 - an allen diesen entscheidenden Ereignissen nimmt Stalin aktivsten und führenden Anteil. Im Auftrag des Zentralkomitees führt Stalin im Januar 1918 die Beratung mit Vertretern des revolutionären Flügels der sozialistischen Parteien verschiedener Länder Europas und Amerikas durch. Diese Beratung spielte eine bedeutende Rolle im Kampfe für die Gründung der III., der Kommunistischen Internationale.

In den schweren Tagen der Brester Friedensverhandlungen, als sich das Schicksal .der Revolution entschied, verteidigte Stalin gemeinsam mit Lenin unerschütterlich die bolschewistische Strategie und Taktik gegen den Verräter Trotzki und seinen Handlanger Bucharin, die im Verein mit den englischen und französischen Imperialisten die junge, noch nicht gefestigte Republik der Sowjets den Schlägen des deutschen Imperialismus aussetzen wollten.

VI

DIE durch die Sozialistische Oktoberrevolution gestürzten russischen Gutsbesitzer und Kapitalisten verständigten sich mit den Kapitalisten anderer Länder über die Organisierung einer militärischen Intervention gegen das Land der Sowjets. Sie setzten sich das Ziel, die Arbeiter und Bauern niederzuschlagen, die Sowjetmacht zu stürzen und unser Land erneut zu unterjochen. Es begannen der Bürgerkrieg und die Intervention. Die Sowjetregierung erklärte: „Das sozialistische Vaterland ist in Gefahr!“ und rief das ganze Volk zum Kampf auf. Die Partei der Bolschewiki mobilisierte die Arbeiter und Bauern zum vaterländischen Krieg gegen die ausländischen Eroberer und gegen die Weißgardisten, die im Dienste der Bourgeoisie und der Gutsbesitzer standen. Im Frühjahr 1918 organisierten die englischen und französischen Imperialisten die Meuterei des tschechoslowakischen Korps, das aus Kriegsgefangenen der österreichisch-ungarischen Armee formiert worden war und nach dem Friedensschluss mit Deutschland über Sibirien nach Frankreich fuhr.

Der Vorstoß der Tschechoslowaken und die für den gleichen Tag angesetzten weißgardistisch-sozialrevolutionären Meutereien in 23 Städten des Wolgagebiets, die Meuterei der linken Sozialrevolutionäre in Moskau, die Landung englischer Truppen in Murmansk, all das entfesselte die gesamten Kräfte der Konterrevolution. Die Tschechoslowaken meuterten in einem äußerst kritischen Moment. Das Land hatte sich eben erst aus den Fängen des imperialistischen Krieges befreit. Das Wirtschaften der Kapitalisten und Gutsbesitzer hatte das Land an den Rand der Katastrophe gebracht. Die Arbeiter der Hauptstädte erhielten nicht mehr als 50 Gramm Brot täglich. Die Republik war vom ukrainischen und sibirischen Getreide abgeschnitten. Es blieb nur ein Gebiet, aus dem man Getreide bekommen konnte - der Südosten, das Wolgagebiet und der Nordkaukasus, von denen der Weg die Wolga aufwärts über Zarizyn führte. Die Revolution konnte nur gerettet werden, indem man Brot beschaffte. Lenin wandte sich an die Petrograder Arbeiterschaft mit dem Aufruf, eine Kampagne zur Entsendung von Arbeitern in das Dorf zu organisieren, um den armen Bauern gegen die Getreidespekulanten, die Kulaken, die Blutsauger des Dorfes, zu helfen. Stalin wurde vom Zentralkomitee der Partei, mit außerordentlichen Vollmachten ausgestattet, nach dem Süden entsandt und mit der Gesamtleitung der Lebensmittelbeschaffung im Süden Rußlands betraut.

Am 6. Juni 1918 traf Stalin mit einer Arbeiterabteilung in Zarizyn ein. Stalin, der den Scharfblick des politischen Führers mit dem Talent des Heerführers vereinigte, erkannte sogleich, dass Zarizyn der Ort war, gegen den der Hauptstoß der Konterrevolution gerichtet sein würde. Durch die Einnahme von Zarizyn wäre die Republik von den letzten Getreideressourcen und vom Bakuer Erdöl abgeschnitten worden, und die Weißen hätten die Möglichkeit erhalten, die Konterrevolution des Dongebiets mit Koltschak und der tschechoslowakischen Konterrevolution zu vereinigen und in gemeinsamer Front gegen Moskau zu marschieren. Zarizyn musste um jeden Preis in den Händen der Sowjetmacht bleiben. Nachdem Stalin mit eiserner Hand die Stadt von den weißgardistischen Verschwörern gesäubert, in bedeutenden Mengen Lebensmittel aufgebracht und in die hungernden Hauptstädte geschickt hatte, widmete er sich völlig der Verteidigung Zarizyns. Stalin brach schonungslos den Widerstand der konterrevolutionären Spezialisten, die von Trotzki geschickt und unterstützt wurden, reorganisierte durch schnelle und entschlossene Maßnahmen die zersplitterten Abteilungen und beschleunigte das Eintreffen der Truppenteile Woroschilows aus dem Donezbecken, die zum Grundstock der neugebildeten 10. Armee wurden. Dank dem eisernen Willen und dem genialen Scharfblick Stalins wurde Zarizyn behauptet, und es gelang den Weißen nicht, nach Moskau durchzubrechen.

Die heldenhafte Verteidigung Zarizyns fiel in dieselbe Zeit wie der Zusammenbruch des deutschen Imperialismus in der Ukraine. Im November 1918 brach die Revolution in Deutschland und in Österreich-Ungarn aus. Das Zentralkomitee beauftragte Stalin, zur Unterstützung der ukrainischen Arbeiter und Bauern die ukrainische Front zu organisieren. Stalin wurden zwanzig führende Parteiarbeiter aus der 10. Armee, mit Genossen Woroschilow an der Spitze, zur Verfügung gestellt. Ende November rücken die ukrainischen aufständischen Truppen gegen Petljura und die Deutschen vor und befreien Charkow. Im Westen wurde Minsk befreit. Stalin leistete eine gewaltige Arbeit zur Befreiung der westlichen Gebiete und zur Schaffung der Bjelorussischen Republik.

Am 30. November 1918 wurde der Rat der Arbeiter- und Bauernverteidigung mit Lenin als Vorsitzendem geschaffen, und die gesamte Verteidigungsarbeit an der Front und im Hinterland zu leiten, die Industrie und das Verkehrswesen sowie alle Ressourcen des Landes zu mobilisieren. Das Allrussische Zentralexekutivkomitee war im Rat der Verteidigung durch Stalin vertreten, der faktisch zum Stellvertreter Lenins wurde.

Ende 1918 entstand an der Ostfront eine katastrophale Lage. Die Koltschakarmee eilte, sich mit den englischen Truppen zu vereinigen, die vom Norden her vorrückten. Im Namen des Rates der Verteidigung forderte Lenin, die Positionen bei Perm zu festigen. Zur Abwendung der Katastrophe schlug er dem Zentralkomitee vor, Stalin und Dzierzynski dorthin zu entsenden. Schnell und entschlossen stellte Stalin die Lage bei Perm wieder her. Im Süden, vor Zarizyn, hatte sein mächtiger Wille der Konterrevolution des Dongebiets nicht gestattet, ihre Kräfte mit der Konterrevolution des Urais und des Wolgagebiets zu vereinigen. Im Norden durchkreuzte Stalin den Versuch der Interventen, die Verbindung mit den Tschechen und Koltschak herzustellen. Die roten Truppen richteten nun ihre Schläge gegen Koltschak, der sowohl im Süden wie im Norden von seinen Bundesgenossen abgeschnitten war. Von der Ostfront zurückgekehrt, nimmt Stalin die Organisierung der Staatlichen Kontrolle in Angriff und wird auf Vorschlag Lenins im März 1919 zum Volkskommissar der Staatlichen Kontrolle ernannt, die später zum Volkskommissariat der Arbeiter- und Bauerninspektion reorganisiert wurde. Volkskommissar der Arbeiter- und Bauerninspektion bleibt Stalin bis zum April 1922. Diese Arbeit hatte größte Bedeutung für die Heranziehung der Werktätigen zur Verwaltung des Staates.

Im Mai 1919 rückte General Judenitsch mit Unterstützung finnischer und estnischer weißer Truppen gegen Petrograd vor, mit dem Ziel, die roten Truppen von Koltschak abzuziehen. Der Vorstoß Judenitschs wurde durch ein englisches Geschwader unterstützt. Im Rücken der Roten Armee wurde ein Aufstand in den Forts „Krasnaja Gorka“ (Roter Hügel) und „Seraja Loschadj“ (Grauschimmel) organisiert. Die rote Front kam ins Wanken, und der Feind drang bis dicht an Petrograd vor.

Das Zentralkomitee entsandte Stalin, um die Abwehr der Weißen zu organisieren. Die Kommunisten strömten an die Front. Stalin beseitigte rasch die dort herrschende Ratlosigkeit, vernichtete schonungslos Feinde und Verräter. Durch einen kombinierten Vorstoß der Infanterie vom Lande und der Schiffe vom Meere her wurden die meuternden Forts besetzt und die weißgardistischen Truppen zurückgeworfen. Die Bedrohung Petrograds war beseitigt. Die Pläne der Entente, Petrograd zu nehmen, waren vereitelt. Die Armee Judenitschs wurde zerschmettert, ihre Reste flüchteten nach Estland. Im Sommer 1919 ist Stalin an der Westfront, in Smolensk, tätig, wo er die Abwehr der polnischen Offensive organisiert.

Die im ersten Feldzug geschlagene Entente unternahm nach der Niederwerfung der Räte in Bayern, Ungarn, Estland und Lettland im Herbst 1919 den zweiten Feldzug, in den sie außer den weißgardistischen Truppen und ihren eigenen Formationen auch die Armeen der an Rußland grenzenden Kleinstaaten hineinzog. Diesen Feldzug nannte der englische Kriegsminister Churchill ruhmredig den „Feldzug der vierzehn Staaten“.

Während die Rote Armee im Osten Koltschak schlug, riss Denikin das Donezbecken an sich und drang in breiter Front in die Ukraine ein. Trotzki brachte in verräterischer Weise die Arbeit an der Südfront in Zerrüttung. Die roten Truppen erlitten Niederlagen. Denikin kamen die weißen Polen zu Hilfe, die Minsk besetzten. Judenitsch ergriff vor Petrograd neuerlich die Offensive, während Koltschak sich am Tobol festzusetzen suchte. Noch nie war der Feind der Sowjethauptstadt so nahe gekommen. Die Donezkapitalisten setzten sogar einen Millionenpreis für dasjenige weiße Regiment aus, das als erstes in Moskau einzieht. Als Antwort auf die Offensive der Weißen wandte sich Lenin im Namen des Zentralkomitees an die Parteiorganisationen mit dem leidenschaftlichen Aufruf: „Alle zum Kampf gegen Denikin!“

Die Südfront erhielt in Massen Verstärkungen und Kampfmittel, doch war ein Führer notwendig, der es verstünde, die Hunderttausende von Kämpfern zusammenzuschweißen, mit einheitlichem Willen zu beseelen und gegen den Feind zu werfen. Das Zentralkomitee der Partei entsendet Stalin, um den Sieg an der Südfront zu organisieren. Der Heerführer der Revolution fand an der Front ein Durcheinander, völlige Ratlosigkeit vor, ein strategischer Plan fehlte. Nachdem Stalin die bankrotten Kreaturen Trotzkis aus den Stäben verjagt und gefordert hatte, dass sich Trotzki in die Angelegenheiten der Front in keiner Weise einmische, verwarf er den verbrecherischen alten Plan des Durchbruchs der Denikinschen Front von der Wolga (Zarizyn) aus in Richtung auf Noworossijsk und stellte seinen eigenen Kampfplan auf, der die Aufgabe genial löste. Stalin schlug vor, den Hauptstoß gegen Denikin aus dem Raum von Woronesh über Charkow, das Donezbecken und Rostow zu führen, um die Armee der Konterrevolution in zwei Teile zu zerschneiden. Dieser Plan sicherte das schnelle Vorrücken der Roten Armee durch Gebiete mit proletarischen Zentren, wo die Bevölkerung die Rote Armee mit offenkundiger Sympathie erwartete und ein dichtes Eisenbahnnetz vorhanden war, was die Möglichkeit gab, die Truppen mit allem Notwendigen zu versorgen. Gleichzeitig bedeutete dieser Plan die Befreiung des Donezbeckens, dieses mächtigen Kohlengebiets, das die Versorgung des Landes mit Brennmaterial gewährleistet und eine Quelle revolutionärer Kräfte darstellt.

Der Plan Stalins wurde vom Zentralkomitee angenommen. Stalin entfaltete eine gigantische Arbeit zur Organisierung des Sieges. Er verfolgte den Gang der Operationen, griff unverzüglich ein, um Fehler zu korrigieren, wählte Kommandeure und politische Funktionäre aus und begeisterte sie zum Kampf. Unter der Anleitung Stalins wurde an der Südfront die Instruktion für die Regimentskommissare ausgearbeitet, in der die Aufgabe des Kommissars mit folgenden treffenden Worten formuliert wurde:

„Der Regimentskommissar ist der politische und moralische Führer seines Regiments, dessen materielle und geistige Interessen er als erster zu wahren hat. Ist der Regimentskommandeur das Haupt des Regiments, so soll der Kommissar der Vater und die Seele seines Regiments sein.“ („Prawda“ Nr.344 vom 14.Dezember 1939 (Leitartikel „Militärkommissare“).)

Die Realisierung des Stalinschen Plans führte zur völligen Zerschmetterung Denikins. Auf Initiative des Genossen Stalin wurde die von Budjonny, Woroschilow und Schtschadenko geführte Erste Reiterarmee geschaffen. Die legendär gewordene Reiterarmee, unterstützt von den Armeen der Südfront, rieb die Truppen Denikins endgültig auf.

Während der kurzfristigen Atempause, die das Sowjetland nach der Niederwerfung Denikins erhalten hatte, leitet Stalin im Auftrage Lenins den Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten Wirtschaft der Ukraine. Im Februar und März 1920 steht Stalin an der Spitze des Rates der ukrainischen Arbeitsarmee und mobilisiert die Werktätigen zum Kampf um die Kohle. In einem Appell an die Arbeitsarmee wies Stalin im März 1920 darauf hin, dass in der jetzigen Lage „die Kohle für Rußland ebenso wichtig ist wie der Sieg über Denikin“. („Proletarskaja Revoluzija“ Nr. 3, 1940, S. 164.) Unter der Führung Stalins errangen die ukrainischen Bolschewiki bedeutende Erfolge auf dem Gebiete der Brennstoffversorgung und der Regelung des Verkehrswesens.

Im Mai 1920 wird Stalin vom Zentralkomitee an die Südwestfront gegen die polnischen Pans entsandt, die den dritten Feldzug der Entente gegen die Sowjetrepublik begonnen hatten. Hier nimmt Stalin unmittelbar führenden Anteil an der Durchbrechung der polnischen Front, an der Befreiung Kiews und dem Vormarsch unserer Truppen unmittelbar vor Lwow. In demselben Jahre 1920 ist Stalin mit der Verteidigung des Südens der Ukraine gegen die Offensive Wrangels beschäftigt und entwirft den Plan zur Vernichtung Wrangels. Die Stalinschen Hinweise lagen dem Operationsplan Frunses zugrunde, der zur völligen Vernichtung Wrangels führte.

Die Jahre des Bürgerkrieges verliefen alle im Zeichen der engsten Zusammenarbeit zwischen Lenin und Stalin. Hand in Hand arbeiten sie am Aufbau und an der Festigung der Roten Armee. In den wichtigsten Fragen der Politik des Sowjetstaates und der militärischen Strategie und Taktik zog Lenin Stalin zu Rate. Wenn Stalin zwecks Durchführung äußerst wichtiger politischer und militärischer Aufträge Lenins in entlegenen Orten des Sowjetlandes weilte, standen beide in ununterbrochener Verbindung durch Briefe, Telegramme und kurze Mitteilungen. Stalin informierte Lenin regelmäßig über die Lage an den Fronten. Die Briefe und Telegramme Stalins enthielten meisterhafte Analysen der Kriegslage. Wenn die Lage an der Front besonders bedrohlich wurde, wandte sich Stalin stets an Lenin um Hilfe und Unterstützung. Lenin behandelte die Ansuchen Stalins mit außerordentlicher Aufmerksamkeit.

Lenin hielt Stalin stets über die Ereignisse auf dem Laufenden und informierte ihn über die aktuellen politischen Geschehnisse. Stalin war die Hauptstütze Lenins bei der Organisierung und Leitung der Verteidigung des Sowjetlandes.

In den Jahren des Bürgerkrieges wurde Stalin vom Zentralkomitee der Partei und von Lenin persönlich an die entscheidendsten und für die Revolution gefährlichsten Fronten geschickt. Genosse Stalin war Mitglied des Revolutionären Kriegsrates der Republik sowie Mitglied der Revolutionären Kriegsräte der Westfront, Südfront und Südwestfront. Dorthin, wo infolge verschiedener Ursachen eine tödliche Gefahr für die Rote Armee entstand, wo das Vorrücken der Armeen der Konterrevolution und der Intervention unmittelbar die Existenz der Sowjetmacht bedrohte, dorthin wurde Stalin entsandt. Dort, „Wo Verwirrung und Panik zu beliebiger Minute sich in Hilflosigkeit, in eine Katastrophe verwandeln konnten, dort tauchte Genosse Stalin auf“. (K. E. Woroschilow, „Stalin und die Rote Armee“, 1940, S. 6/7 russ.) Stalin organisierte die Massen der Parteimitglieder und der Arbeiter, nahm die Führung in seine festen Hände; auf die Massen gestützt, brach er schonungslos die Sabotage, unterdrückte mit eiserner Hand die Verschwörungen der Verräter und Spione im Hinterland und an der Front; durch das persönliche Beispiel selbstloser Arbeit und die klare revolutionäre Perspektive hob er den Kampfgeist und den revolutionären Enthusiasmus der Arbeiter und Bauern, der Rotarmisten; in den kürzesten Fristen erzielte er einen radikalen Umschwung und den Sieg der Roten Armee.

Er durchschaute und durchkreuzte die raffiniertesten und arglistigsten strategischen Pläne der Feinde und warf ihre gesamte Kriegs“wissenschaft“, Kriegs“kunst“ und Schulung über den Haufen.

In Würdigung der Verdienste Stalins an den Fronten des Bürgerkrieges wurde er auf Initiative Lenins durch Beschluss des Allrussischen Zentralexekutivkomitees vom 27. November 1919 finit dem Orden des „Roten Banners“ ausgezeichnet.

Schöpfer der Roten Armee - der ersten Roten Armee der Welt, der Armee der befreiten Arbeiter und Bauern, der Armee der Brüderlichkeit zwischen den Völkern unseres Landes, der Armee, die im Geiste des Internationalismus erzogen ist - war die Partei der Bolschewiki mit Lenin und Stalin an der Spitze. Lenin und Stalin leiteten die Landesverteidigung gemeinsam mit den besten Kräften der bolschewistischen Partei.

Der unmittelbare Inspirator und Organisator der wichtigsten Siege der Roten Armee war Stalin. Überallhin, wo an den Fronten das Schicksal der Revolution entschieden wurde, schickte die Partei Stalin. Er war der Schöpfer der bedeutungsvollsten strategischen Pläne.

Stalin leitete die entscheidenden Kampfoperationen. Vor Zarizyn und Perm, vor Petrograd und gegen Denikin, im Westen gegen das Polen der Pans und im Süden gegen Wrangel - überall sicherte der eiserne Wille und das strategische Genie Stalins den Sieg der Revolution. Stalin war der Erzieher und Leiter der Militärkommissare, ohne die es, nach den Worten Lenins, keine Rote Armee gegeben hätte. Mit dem Namen Stalin sind die ruhmvollsten Siege unserer Roten Armee verbunden.

VII

NACHDEM die Sowjetmacht den Krieg gegen die Interventen siegreich beendet hatte, ging sie zum friedlichen wirtschaftlichen Aufbau über. Das Land war durch den vierjährigen imperialistischen Krieg und den dreijährigen Bürgerkrieg zerrüttet. Nach Beendigung des Bürgerkriegs äußerte die Bauernschaft Unzufriedenheit mit der Einziehung aller Lebensmittelüberschüsse, mit dem System der Ablieferungspflicht und forderte, dass sie mit einer ausreichenden Menge von Waren versorgt werde. Der Hunger und die Ermüdung bewirkten, dass sich auch bei einem Teil der Arbeiter Unzufriedenheit bemerkbar machte. Der Klassenfeind suchte die schwere Wirtschaftslage des Landes auszunutzen. Vor der Partei erhob sich die Frage der Ausarbeitung einer neuen Einstellung zu allen Problemen des Wirtschaftslebens des Landes. Das Zentralkomitee war sich klar darüber, dass nach der Beendigung des Krieges und dem Übergang zum friedlichen Aufbau das System des Kriegskommunismus nunmehr überholt war. Die Notwendigkeit der Ablieferungspflicht war entfallen, den Bauern musste die Möglichkeit gegeben werden, einen großen Teil der Überschüsse ihrer Produktion zu verwerten. Dadurch würde es ermöglicht werden, die Landwirtschaft, den Warenumsatz zu beleben, die Industrie zu heben, die Versorgung der Städte zu verbessern, eine neue wirtschaftliche Grundlage für das Bündnis der Arbeiter und Bauern zu schaffen.

Die parteifeindlichen Gruppierungen suchten jedoch die Partei an der Ausarbeitung der neuen Einstellung zu hindern. Ende 1920 zwangen sie der Partei die so genannte Gewerkschaftsdiskussion auf. In der Tat ging ihre Bedeutung weit über den Rahmen der Gewerkschaftsfrage hinaus. Im Grunde genommen ging der Kampf um die Frage der Beziehungen zur Bauernschaft, der Beziehungen der Partei zu den Massen der parteilosen Arbeiter, überhaupt um das Herangehen der Partei an die Massen in der neuen Situation. Die Trotzkisten schlugen ein „festeres Anziehen der Schrauben“ des Kriegskommunismus vor.

Mit ihrer verräterischen Politik des nackten Zwanges und Kommandierens gegenüber den Massen hatten sie es darauf abgesehen, die Masse der parteilosen Arbeiter gegen die Partei aufzubringen und die Existenz der Sowjetmacht zu gefährden. Nach den Trotzkisten traten auch andere parteifeindliche Grüppchen hervor: die „Arbeiteropposition“, die „demokratischen Zentralisten“, die „linken Kommunisten“.

Gemeinsam mit Lenin verwirklichte und verfocht Stalin konsequent die Parteilinie und bekämpfte alle diese Feinde der Partei. Stalin leitete in der Zeit der Gewerkschaftsdiskussion organisatorisch den Kampf gegen die antileninistischen Gruppierungen und schloss die Partei um die Leninsche Plattform zusammen. Bei Stalin liefen alle Mitteilungen aus dem Lande über den Verlauf des Kampfes für die Linie der Partei zusammen. Stalin leitete damals die Mitteilungen über die Ergebnisse der Diskussion in den Ortsorganisationen, die den Sieg der Partei und die Niederlage der antileninistischen Gruppierungen demonstrierten, an die „Prawda“ weiter.

Von großer Bedeutung für den Sieg der Parteilinie und den Zusammenschluss der Partei um Lenin, um die Leninsche Mehrheit des Zentralkomitees, war der am 19. Januar 1921 in der „Prawda“ veröffentlichte Artikel Stalins „Unsere Meinungsverschiedenheiten“. Gemeinsam mit Lenin sicherte Stalin die Einheit der Partei gegen alle Angriffe der parteifeindlichen Fraktionen und Gruppierungen.

Um die Leninschen Positionen zusammengeschlossen, kam die Partei zu ihrem X. Parteitag, der die Grundfragen des weiteren siegreichen Vormarsches der Revolution lösen sollte. Der X. Parteitag (März bis April 1921) fasste die Ergebnisse der Diskussion über die Gewerkschaften zusammen und billigte mit überwältigender Stimmenmehrheit die Leninsche Plattform. Von außerordentlicher Bedeutung war der Beschluss des Parteitags über den Übergang von der Ablieferungspflicht zur Naturalsteuer, über den Übergang zur Neuen Ökonomischen Politik, deren Schöpfer und Initiator Lenin war. Der Beschluss des X. Parteitags über den Übergang zur Neuen Ökonomischen Politik sicherte das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft für den Aufbau des Sozialismus.

Der gleichen Grundaufgabe diente auch der Beschluss des Parteitags über die nationale Frage. Das Referat über „Die nächsten Aufgaben der Partei in der nationalen Frage“ wurde auf dem Parteitag von Stalin gehalten.

Im Referat Stalins und in der Resolution des Parteitags war die grundlegende praktische Aufgabe in der nationalen Frage klar und genau formuliert. Wir haben die nationale Unterdrückung beseitigt, sagte Stalin, aber das genügt nicht: das schwere Erbe der Vergangenheit, die wirtschaftliche, politische und kulturelle Rückständigkeit der früher unterdrückten Nationen, muss beseitigt werden; man muss ihnen helfen, in dieser Beziehung Zentralrußland einzuholen. Stalin rief die Partei auf, den Kampf gegen den Großmachtschauvinismus, den großrussischen Chauvinismus als gegen die Hauptgefahr, sowie gegen den lokalen Nationalismus zu führen.

Das erste Jahr der NÖP war verflossen. Auf dem XI. Parteitag (März-April 1922) zog die Partei die Bilanz des ersten Jahres der Neuen Ökonomischen Politik. Auf Grund dieser Bilanz konnte Lenin mit Recht erklären:

„Ein Jahr lang befanden wir uns auf dem Rückzug. Wir müssen jetzt im Namen der Partei sagen: Genug! Das Ziel, das mit dem Rückzug verfolgt wurde, ist erreicht. Diese Periode geht zu Ende oder ist zu Ende. Nun setzen wir uns ein anderes Ziel: die Kräfte umzugruppieren.“ (Lenin, Werke, Bd. XXVII, ;. Aufl., S. 238 russ.)

Die von Lenin auf dem Parteitag gestellten historischen Aufgaben mussten in die Tat umgesetzt werden. Auf Vorschlag Lenins wurde in der Plenarsitzung des Zentralkomitees der Partei vom 3. April 1922 Stalin, der beste und treueste Schüler und Kampfgefährte Lenins, zum Generalsekretär des Zentralkomitees gewählt. Seit dieser Zeit ist Stalin ununterbrochen auf diesem Posten tätig.

Die Verwundung, die Lenin im Jahre 1918 durch das Attentat erhielt, und die ununterbrochene angestrengte Arbeit hatten seine Gesundheit untergraben. Seit Ende .1921 war Lenin immer häufiger und häufiger gezwungen, seine Arbeit zu unterbrechen. Die Hauptarbeit zur Leitung der Partei hatte Stalin zu leisten.

In diesen Jahren vollbrachte Stalin eine gewaltige Arbeit zur Schaffung der nationalen Sowjetrepubliken und später zur Vereinigung aller Sowjetrepubliken zu einem Bundesstaat - der UdSSR. Am 30. Dezember 1922 fasste der I. Sowjetkongress der Union auf Antrag Lenins und Stalins den historischen Beschluss über die freiwillige staatliche Vereinigung der Sowjetvölker zur Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken - UdSSR. Stalin sagte in seiner Rede auf dem Kongress:

„Der heutige Tag bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte der Sowjetmacht. Er setzt einen Markstein zwischen der alten, nunmehr hinter uns liegenden Periode, da die Sowjetrepubliken, vor allem mit der Frage ihrer Existenz beschäftigt, zwar gemeinsam handelten, aber getrennt marschierten, und der neuen, bereits begonnenen Periode, da dem gesonderten Bestehen der Sowjetrepubliken ein Ende gesetzt wird, da die Republiken sich zum erfolgreichen Kampf gegen die wirtschaftliche Zerrüttung in einem einheitlichen Bundesstaat vereinigen, da die Sowjetmacht bereits nicht mehr bloß daran denkt fortzubestehen, sondern auch daran, sich zu einer bedeutsamen internationalen Kraft zu entwickeln, die imstande ist, auf die internationale Lage einzuwirken, sie im Interesse der Werktätigen zu verändern.“ (J. Stalin, „Der Marxismus und die nationale und koloniale Frage“, 1939, S.126 russ.)

Die Schaffung der UdSSR bedeutete einen großen Sieg der Lenin-Stalinschen Nationalitätenpolitik. Die Sowjetunion wurde errichtet auf dem unerschütterlichen Fundament des Vertrauens der früher vom Zarismus unterdrückten Völker zum großen russischen Volk, auf der festen Grundlage der Freundschaft der Völker des Sowjetlandes.

Im April 1923 fand der XII. Parteitag statt. Das war der erste Parteitag nach dem Sieg der Sozialistischen Oktoberrevolution, dem Lenin krankheitshalber nicht beiwohnen konnte. Der Parteitag nahm in seinen Beschlüssen alle Weisungen Lenins zur Richtschnur, die er in seinen letzten Artikeln und Briefen gegeben hatte. Der Parteitag wies alle diejenigen aufs schärfste zurück, die die NÖP als einen Rückzug von den sozialistischen Positionen darzustellen suchten, die vorschlugen, sich unter das Sklavenjoch des Kapitalismus zu begeben. Der Parteitag brandmarkte die verräterischen, kapitulantenhaften Vorschläge der Trotzkisten und Bucharinleute.

Auf dem Parteitag erstattete Stalin den organisatorischen Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees und hielt das Referat über „Die nationalen Momente im Partei- und Staatsaufbau“. Im Rechenschaftsbericht gab Stalin eine umfassende Darstellung der Tätigkeit der Partei, ihres Wachstums, der Verstärkung der Transmissionsriemen zwischen der Partei und den Massen (der Gewerkschaften, des Kommunistischen Jugendverbandes, der Sowjets, usw.), zog die Bilanz von zwei Jahren der NÖP und legte die Aufgaben des weiteren Vormarsches fest. „Unsere Partei ist eine fest geschlossene, zusammengeschweißte Partei geblieben, die bei einer der größten Wendungen die Probe bestanden hat und mit breit entrolltem Banner vorwärts schreitet“ („Geschichte der KPdSU (B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S. 319.), so schloss Stalin seinen Bericht.

Große Aufmerksamkeit widmete der Parteitag der nationalen Frage. Im Referat zur nationalen Frage hob Stalin die gewaltige internationale Bedeutung unserer Politik in der nationalen Frage hervor, verwies darauf, dass die unterdrückten Völker des Ostens und Westens in der Sowjetunion das Vorbild für die Lösung der nationalen Frage sehen. Stalin wies auf die Notwendigkeit hin, energisch an der Beseitigung der Ungleichheit in der wirtschaftlichen und kulturellen Lage der Völker der Sowjetunion zu arbeiten. Er rief die gesamte Partei zum entschiedenen Kampf gegen den großrussischen Chauvinismus und den lokalen Nationalismus auf, die sich im Zusammenhang mit der teilweisen Belebung des Kapitalismus verstärkt hatten. Stalin entlarvte die Vertreter der georgischen nationalen Abweichung, die von den Trotzkisten unterstützt wurden.

Der XII. Parteitag war noch nicht zu Ende, als am Horizont eine ernste Gefahr für die Sowjetrepublik auftauchte. Die in England und Frankreich zur Macht gelangten reaktionärsten und interventionistischen Elemente der Bourgeoisie suchten einen neuen Feldzug gegen die Sowjetunion zu organisieren. Unter Führung Stalins ging die Partei aus dieser zugespitzten Situation in ehrenvoller Weise hervor und errang einen großen Sieg an der diplomatischen Front. Die Drohungen und Ultimaten wurden im Jahre 1924 durch die Anerkennung der Sowjetunion seitens aller großen kapitalistischen Staaten Europas abgelöst. „Die Tatsache, dass wir damals aus den Schwierigkeiten ohne Schaden für unsere Sache hervorgingen“, sagte Stalin später, „zeugt unzweifelhaft davon, dass die Schüler des Genossen Lenin bereits manches von ihrem Lehrer gelernt hatten.“ (J. Stalin, „Über die Opposition“, Aufsätze und Reden 1921- 1927, S. 74 russ.)

Im Januar 1924 trat die XIII. Parteikonferenz zusammen. Sie nahm Stalins Bericht entgegen, der die Bilanz der Diskussion zog. Die Konferenz verurteilte die Trotzkisten ganz entschieden. Die Beschlüsse der Konferenz wurden vom XIII. Parteitag (Mai 1924) und vom V. Kongress der Kommunistischen Internationale (Sommer 1924) gutgeheißen. Am 21. Januar 1924 starb in Gorki bei Moskau Lenin, der Führer und Begründer der Partei der Bolschewiki, der Führer der Werktätigen der ganzen Welt. Das Banner Lenins, das Banner der Partei wurde von Stalin, dem hervorragenden Schüler Lenins, dem besten Sohn der bolschewistischen Partei, dem würdigen Nachfolger und großen Fortsetzer des Werkes Lenins, hoch erhoben und vorwärts getragen.

Am 26. Januar wurde die Trauersitzung des II. Sowjetkongresses der Union eröffnet. In ihr ergriff Stalin das Wort. Er legte im Namen der Partei den großen Schwur ab:

„Wir Kommunisten sind Menschen von besonderem Schlag. Wir sind aus besonderem Material geformt. Wir sind diejenigen, die die Armee des großen proletarischen Strategen bilden, die Armee des Genossen Lenin. Es gibt nichts Höheres als die Ehre, dieser Armee anzugehören. Es gibt nichts Höheres als den Namen Mitglied der Partei, deren Gründer und Führer Genosse Lenin ist...

Als Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, den erhabenen Namen Mitglied der Partei hochzuhalten und in Reinheit zu bewahren. Wir schwören dir, Genosse Lenin, dass wir dieses dein Gebot in Ehren erfüllen werden! ...

Als Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, die Einheit der Partei wie unseren Augapfel zu hüten. Wir schwören dir, Genosse Lenin, dass wir auch dieses dein Gebot in Ehren erfüllen werden! ...

Als Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, die Diktatur des Proletariats zu schützen und zu festigen. Wir schwören dir, Genosse Lenin, dass wir unsere Kräfte nicht schonen werden, um auch dieses dein Gebot in Ehren zu erfüllen! ...

Als Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, mit allen Kräften das Bündnis der Arbeiter und Bauern zu festigen. Wir schwören dir, Genosse Lenin, dass wir auch dieses dein Gebot in Ehren erfüllen werden! ...

Genosse Lenin sprach uns unermüdlich von der Notwendigkeit eines freiwilligen Bundes der Völker unseres Landes, von der Notwendigkeit ihrer brüderlichen Zusammenarbeit im Rahmen der Union der Republiken.

Als Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, die Union der Republiken zu festigen und zu erweitern. Wir schwören dir, Genosse? Lenin, dass wir auch dieses dein Gebot in Ehren erfüllen werden! ...

Lenin hat uns wiederholt darauf verwiesen, dass die Stärkung der Roten Armee und ihre Vervollkommnung eine der wichtigsten Aufgaben unserer Partei ist ... Schwören wir denn, Genossen, dass wir unsere Kräfte nicht schonen werden, um unsere Rote Armee und unsere Rote Flotte zu stärken...

Als Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, den Grundsätzen der Kommunistischen Internationale die Treue zu bewahren. Wir schwören dir, Genosse Lenin, dass wir unser Leben nicht schonen werden, um den Bund der Werktätigen der ganzen Welt, die Kommunistische Internationale, zu festigen und zu erweitern! (J. Stalin, „Über Lenin“, Moskau 1946, S. 27-34.)

Dies war der Schwur, den die bolschewistische Partei ihrem Lehrer und Führer Lenin leistete, - Lenin, der durch die Jahrhunderte leben wird. Diesen Schwur hat die Partei unter Führung Stalins in Ehren erfüllt und erfüllt ihn weiter. Am ersten Jahrestag des Todes Lenins schrieb Stalin in einem Briefe an die Redaktion der „Rabotschaja Gaseta“:

„Gedenkt Iljitschs, liebt, studiert Iljitsch, unseren Lehrer, unseren Führer.

Kämpft und siegt über die inneren und auswärtigen Feinde - nach Iljitschs Vorbild.

Baut das neue Leben, die neue Lebensweise, - die neue Kultur auf - nach Iljitschs Vorbild.

Lehnt niemals die Kleinarbeit ab, denn aus dem Kleinen entsteht das Große - darin besteht eines der wichtigsten Vermächtnisse Lenins.“ („Rabotschaja Gaseta“ Nr. 17 vom 21. Januar 1925.)

Das Sowjetvolk folgte und folgt unentwegt diesen Worten Stalins. Die Feinde des Sozialismus suchten zuerst die Krankheit und dann den Tod Lenins auszunutzen, um die Partei vom Leninschen Wege abzubringen und damit die Bedingungen für die Wiederherstellung des Kapitalismus in unserem Lande zu schaffen. Besonders heftig wurde die Partei von Trotzki, dem Erzfeind des Leninismus, und seinen Handlangern angegriffen. Die Trotzkisten zwangen der Partei eine neue Diskussion auf. Der Kampf trug erbitterten Charakter. Stalin deckte das politische Wesen der Vorstöße der Trotzkisten auf und zeigte, dass es um Leben und Tod der Partei gehe; er schweißte die Parteikader zusammen und organisierte die Zerschmetterung des Trotzkismus.

In seiner Rede über „Trotzkismus oder Leninismus?“, gehalten in der Plenarsitzung der kommunistischen Fraktion des Zentralen Gewerkschaftsrates der Sowjetunion, wies Stalin im November 1924 darauf hin, dass im Kampfe gegen den Trotzkismus in diesem Zeitabschnitt „die Aufgabe der Partei darin besteht, den Trotzkismus als ideologische Strömung zu begraben“. Er verwies die Partei darauf, dass unter den damaligen Bedingungen der Trotzkismus die Hauptgefahr war.

„Im gegebenen Moment“, sagte Stalin, „nach dem Siege der Oktoberrevolution, unter den gegenwärtigen Bedingungen der NÖP, muss der Trotzkismus als die größte Gefahr angesehen werden, denn er sucht Unglauben an die Kräfte unserer Revolution, Unglauben an das Bündnis der Arbeiter und Bauern zu verbreiten, Unglauben an das Werk der Verwandlung des Rußland der NOP in ein sozialistisches Rußland.“ (J. Stalin, „Die Bauernfrage“. Eine Sammlung von Artikeln, 1926, S. 55 russ.)

Stalin wies nach, dass die ideologische Zerschlagung des Trotzkismus eine notwendige Voraussetzung ist, um den weiteren siegreichen Vormarsch zum Sozialismus zu sichern. Stalin sagte:

„Ohne den Trotzkismus zu zerschlagen, kann man unter den Bedingungen der NÖP nicht den Sieg erringen, kann man nicht die Verwandlung des heutigen Rußland in ein sozialistisches Rußland erreichen.“ (Ebenda.)

In den Kämpfen gegen den Trotzkismus schloss Stalin die Partei um das Zentralkomitee zusammen und mobilisierte sie zum weiteren Kampf für den Sieg des Sozialismus in unserem Lande. Von außerordentlich großer Bedeutung für die ideologische Zerschlagung des Trotzkismus, für die Verteidigung, Begründung und Entwicklung des Leninismus war Stalins theoretische Schrift „Über die Grundlagen des Leninismus“, die im Jahre 1924 erschien. Diese Schrift ist eine meisterhafte Darlegung und eine tiefgehende theoretische Begründung des Leninismus.

Es wappnete damals und wappnet heute die Bolschewiki in der ganzen Welt mit der scharfen Waffe der marxistisch-leninistischen Theorie. In dieser Schrift werden die Grundlagen des Leninismus dargelegt, d. h. jenes Neuen und Besonderen, das mit dem Namen Lenins verbunden ist und das Lenin zur Entwicklung der marxistischen Theorie beigetragen hat. Die Tatsache allein, dass eine solche Verallgemeinerung der Fragen des Leninismus gegeben wurde, dass der gesamte Ideengehalt des Leninschen Erbes zusammengefasst und unter dem Gesichtswinkel der neuen historischen Epoche betrachtet wurde, bedeutete einen gigantischen Schritt vorwärts in der Entwicklung der Wissenschaft des Marxismus-Leninismus. Alle Fragen der Leninschen Lehre wurden in diesem Werk auf eine enorme prinzipielle Höhe gehoben. Stalin gibt in seinem Werk die klassische Definition des Leninismus. Stalin zeigt, wie Lenin den Marxismus unter den Verhältnissen der neuen Epoche, der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolutionen, weiterentwickelte.

Die Arbeit zur Wiederherstellung der Volkswirtschaft näherte sich ihrem Abschluss. Die internationale und die innere Lage der Sowjetunion hatten sich verändert. In den kapitalistischen Ländern war ein zeitweiliges Abflauen der Revolution, eine zeitweilige, teilweise Stabilisierung des Kapitalismus eingetreten. In der Sowjetunion war das Vorkriegsniveau der Wirtschaft erreicht. Es war notwendig, weiter voranzuschreiten. In aller Schärfe erhob sich die Frage nach den Perspektiven unseres Aufbaus, nach dem Schicksal des Sozialismus in der Sowjetunion.

Mit genialem Weitblick bestimmte Stalin die Perspektive und die konkreten Wege der weiteren Entwicklung der Revolution. „Ich wünsche den Arbeitern der ‚Dynamo-Werke’, schrieb er 1924, „wie auch den Arbeitern ganz Rußlands, dass es mit der Industrie bergauf gehe, dass die Zahl der Proletarier Rußlands in der nächsten Zeit auf 20 bis 30 Millionen ansteige, dass die kollektive Wirtschaft im Dorfe aufblühe und die private Wirtschaft ihrem Einfluss unterordne, dass die kochentwickelte Industrie und die kollektive Wirtschaft im Dorfe die Proletarier der Fabriken und die Werktätigen der Äcker endgültig zu einer einheitlichen sozialistischen Armee zusammenschließe, dass der Sieg in Rußland durch den Sieg in der ganzen Welt gekrönt werde.“ (G. K. Ordshonikidse, „Ausgewählte Reden und Aufsätze von 1911-1937“, 1939, S. 450 russ.)

Durch seine theoretische Verallgemeinerung der Erfahrungen der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, der Erfahrungen der ersten Jahre des sozialistischen Aufbaus in kapitalistischer Umwelt, verfocht Stalin die Leninsche Lehre vom Siege des Sozialismus in einem Lande und entwickelte sie weiter.

Im Dezember 1924 erschien Stalins berühmte Schrift „Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten“: In dieser Schrift begründete Stalin den Leninschen Leitsatz vom Siege des Sozialismus in einem Lande und zeigte, dass man zwei Seiten dieser Frage, die innere und die internationale, auseinander halten müsse. Die innere Seite - das ist die Frage der Wechselbeziehungen der Klassen innerhalb des Landes, das den Sozialismus aufbaut; die internationale Seite - das ist die Frage der Beziehungen zwischen der Sowjetunion, dem bis jetzt noch einzigen Lande des Sozialismus, und der kapitalistischen Umwelt. Mit den inneren Schwierigkeiten können die Arbeiter und Bauern der Sowjetunion völlig mit eigenen Kräften fertig werden; sie sind durchaus imstande, ihre eigene Bourgeoisie ökonomisch zu überwinden und die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten. Solange aber die kapitalistische Umkreisung besteht, solange besteht auch die Gefahr der kapitalistischen Intervention gegen die Sowjetunion und der Wiederherstellung des Kapitalismus. Um diese Gefahr auszuschalten, muss die kapitalistische Umkreisung selbst beseitigt werden. Die Beseitigung der kapitalistischen Umkreisung ist aber nur durch den Sieg der proletarischen Revolution mindestens in einigen Ländern möglich. Nur dann kann der Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion als völliger, als endgültiger Sieg betrachtet werden.

Diese Leitsätze Stalins lagen der historischen Resolution der XIV. Parteikonferenz (April 1925) zugrunde. Die Konferenz bestätigte die Lenin-Stalinsche Einstellung auf den Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion als ein für alle Parteimitglieder bindendes Gesetz der Partei. In einem Referat auf der Funktionärversammlung der Moskauer Parteiorganisation „Zu den Ergebnissen der XIV. Konferenz der KPR(B)“ machte Stalin ganz besonders darauf aufmerksam, dass es notwendig ist, die Mittelbauern in den Aufbau des Sozialismus einzubeziehen. Stalin sagte:

„Die Hauptsache besteht jetzt darin, die Mittelbauern um das Proletariat zusammenzuscharen, sie erneut zu gewinnen. Das Wichtigste besteht jetzt darin, sich mit der Hauptmasse der Bauernschaft zusammen zuschließen, ihr materielles und kulturelles Niveau zu heben und zusammen mit dieser Hauptmasse auf dem Weg zum Sozialismus vorwärts zu schreiten. Die Hauptsache besteht darin, den Sozialismus zusammen mit der Bauernschaft aufzubauen, unbedingt zusammen mit der Bauernschaft und unbedingt unter der Führung der Arbeiterklasse, denn die Führung seitens der Arbeiterklasse ist die wichtigste Garantie dafür, dass der Aufbau den Weg zum Sozialismus gehen wird.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, 9.Aufl., S. 127/28 russ.)

Im Dezember 1925 wurde der XIV. Parteitag eröffnet. Im politischen Bericht des Zentralkomitees entwarf Stalin ein glänzendes Bild vom Wachstum der politischen und wirtschaftlichen Macht der Sowjetunion. Dennoch können wir uns, sagte Stalin, mit diesen Erfolgen nicht zufrieden geben, denn unser Land bleibt immer noch ein rückständiges Land, ein Agrarland. Um die wirtschaftliche Selbständigkeit unseres Landes zu sichern und seine Wehrfähigkeit zu stärken, um die für den Sieg des Sozialismus notwendige wirtschaftliche Basis zu schaffen, muss unser Land aus einem Agrarland in ein Industrieland verwandelt werden.

Von der Tribüne des XIV. Parteitags erklärte der Führer der Partei:

„Unser Land aus einem Agrarland in ein Industrieland zu verwandeln, das imstande ist, aus eigener Kraft die notwendige Produktionsausrüstung zu erzeugen, darin besteht das Wesen, die Grundlage unserer Generallinie.“ (Zitiert nach der „Geschichte der KPdSU(B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S. 334.)

Dem Stalinschen Plan der sozialistischen Industrialisierung suchten die Kapitulanten Sinowjew und Kamenew ihren „Plan“ entgegenzustellen, demzufolge die Sowjetunion ein Agrarland bleiben sollte. Das war ein verräterischer Plan, der die Sowjetunion versklaven und sie, an Händen und Füßen gebunden, den imperialistischen Räubern ausliefern sollte. Stalin riss diesen verabscheuungswürdigen Kapitulanten die Maske vom Gesicht, enthüllte ihr trotzkistisch-menschewistisches Wesen.

Auf dem XIV. Parteitag hob Stalin hervor, dass das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit den Mittelbauern beim Aufbau des Sozialismus die wichtigste Aufgabe der Partei ist. Als Hauptaufgabe der Partei bestätigte der XIV. Parteitag die Durchführung der sozialistischen Industrialisierung, den Kampf für den Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion.

Nach dem Parteitag, Anfang 1926, erschien Stalins Werk „Zu den Fragen des Leninismus“. In dieser historisch bedeutsamen Schrift rechnete Stalin mit der liquidatorischen und kapitulantenhaften „Philosophie“ der Sinowjewleute ideologisch ab und begründete die Linie des XIV. Parteitags, die Linie der sozialistischen Industrialisierung des Landes und der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft. Er wappnete die Partei und die Arbeiterklasse mit dem unerschütterlichen Glauben an den Sieg des sozialistischen Aufbaus. Die Partei der Bolschewiki hatte Kräfte und Mittel gesammelt, die Kapitulanten und Kleingläubigen beiseite geworfen und das Land so an die neue historische Etappe - die Etappe der sozialistischen Industrialisierung - herangeführt.

In diesem Kampfe gegen die Kleingläubigen und Kapitulanten, die Trotzkisten und Sinowjewleute, die Bucharin und Kamenew, formte sich, nachdem Lenin aus den Kampfreihen geschieden war, endgültig jener leitende Kern unserer Partei, bestehend aus Stalin, Molotow, Kalinin, Woroschilow, Kujbyschew, Frunse, Dzierzynski, Kaganowitsch, Ordshonikidse, Kirow, Jaroslawski, Mikojan, Andrejew, Schwernik, Shdanow, Schkirjatow und anderen, der das große Banner Lenins hochhielt, die Partei um die Vermächtnisse Lenins zusammenschloss und das Sowjetvolk auf den breiten Weg der Industrialisierung des Landes und der Kollektivierung der Landwirtschaft geführt hat. Der Leiter dieses Kerntrupps und die führende Kraft der Partei und des Staates war Genosse Stalin.

Stalin, der in meisterhafter Weise den Aufgaben eines Führers der Partei und des Volkes gerecht wird und die volle Unterstützung des ganzen Sowjetvolkes genießt, hat in seiner Tätigkeit niemals auch nur einen Schatten von Eigendünkel, Überheblichkeit, Selbstlob an den Tag gelegt. In der Unterredung mit dem deutsc1ien Schriftsteller Emil Ludwig, in welcher Stalin die immense Rolle des genialen Lenin bei der Umgestaltung des Sowjetlandes hervorhebt, sagt er über sich selbst nur ganz schlicht: „Was mich betrifft, so bin ich nur ein Schüler Lenins, und mein Ziel ist es, sein würdiger Schüler zu sein.“ (J. Stalin, „über Lenin“, Moskau 1946, S. 68).

VIII

EIN so riesiges und zugleich ökonomisch zurückgebliebenes Land, wie es die Sowjetunion in jener Periode war, in der historisch kürzesten Frist zu industrialisieren, war eine Aufgabe, die mit gigantischen Schwierigkeiten verbunden war. Es galt, eine ganze Reihe von Industriezweigen, die das alte, zaristische Rußland nicht kannte, neu aufzubauen. Es galt, eine neue Verteidigungsindustrie zu schaffen, die es im früheren Rußland nicht gegeben hatte. Es galt, Werke für den Bau moderner landwirtschaftlicher Maschinen zu errichten, wie sie das alte Dorf nie gesehen hatte. Das erforderte kolossale Mittel. Die kapitalistischen Staaten beschafften sich solche Mittel durch schonungslose Ausbeutung des Volkes, durch Eroberungskriege, durch blutige Ausplünderung der Kolonien und abhängigen Länder sowie durch Auslandsanleihen. Das Sowjetland konnte nicht aus diesen schmutzigen Quellen schöpfen, der Weg zu Auslandsanleihen aber war ihm durch die Kapitalisten versperrt. Es blieb nur übrig, die Mittel innerhalb des Sowjetlandes aufzubringen.

Gestützt auf die Hinweise Lenins, arbeitete Stalin die Leitsätze für die sozialistische Industrialisierung unseres Landes aus. Er zeigte:

1. dass das Wesen der Industrialisierung nicht einfach im Wachstum der Industrie besteht, sondern in der Entwicklung der Schwerindustrie und vor allem ihres Kernstücks, des Maschinenbaus, denn nur die Schaffung einer Schwerindustrie und eines eigenen Maschinenbaus sichert die materielle Basis des Sozialismus und macht das Land des Sozialismus von der kapitalistischen Welt unabhängig;

2. dass die in unserem Lande vollzogene Expropriation der Gutsbesitzer und Kapitalisten als Ergebnis der sozialistischen Oktoberrevolution, die Aufhebung des Privateigentums an Grund und Boden, Fabriken, Werken, Banken usw. und ihr Übergang in den Gemeinbesitz des Volkes eine mächtige Quelle für die sozialistische Akkumulation zur Entwicklung der Industrie geschaffen haben;

3. dass sich die sozialistische Industrialisierung von Grund aus von der kapitalistischen Industrialisierung unterscheidet - die letztere beruht auf kolonialen Eroberungen und Plünderungen, militärischen Gewalttaten, versklavenden Anleihen und schonungsloser Ausbeutung der Arbeitermassen und der Kolonialvölker, während die sozialistische Industrialisierung auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln beruht, auf der Ansammlung und Erhaltung der durch die Arbeit der Arbeiter und Bauern geschaffenen Reichtümer; die sozialistische Industrialisierung ist unlösbar verbunden mit der ständigen Verbesserung der materiellen Lage der werktätigen Massen;

4. dass daher die grundlegenden Aufgaben im Kampfe für die Industrialisierung in der Erhöhung der Arbeitsproduktivität, in der Senkung der Selbstkosten, im Kampfe für die Arbeitsdisziplin, im Sparsamkeitsregime usw. bestehen;

5. dass die Bedingungen des Aufbaus des Sozialismus in der Sowjetunion, der Arbeitsenthusiasmus der Arbeiterklasse es ermöglichen, das erforderliche hohe Tempo der Industrialisierung zu erzielen;

6. dass der Weg zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft über die Industrialisierung des Landes führt, die die technische Basis für diese Umgestaltung schaffen soll.

Mit diesem präzisen und klaren Programm ausgerüstet, nahmen die Werktätigen der Sowjetunion die sozialistische Industrialisierung des Landes in Angriff.

Durch die Erfolge des sozialistischen Aufbaus erschreckt, suchten die Imperialisten die Industrialisierung des Landes zu vereiteln oder wenigstens zu hemmen, indem sie die diplomatischen und Handelsbeziehungen zur UdSSR abbrachen (England), Sowjetbotschafter ermorden ließen (Polen), ihre Spione und Diversanten zu verstärkter Tätigkeit antrieben. Im Lande selbst vereinigten sich die Trotzkisten, die Sinowjewleute und die Überreste früher zerschlagener parteifeindlicher Gruppen zu einem Verräterblock, der einen wütenden Angriff gegen die Partei eröffnete. Genosse Stalin wies damals darauf hin, dass sich „eine Art Einheitsfront von Chamberlain bis Trotzki bildet“. Man konnte den Sieg der sozialistischen Industrialisierung nicht erringen, ohne den trotzkistisch-sinowjewistischen Block ideologisch und organisatorisch zerschlagen zu haben. Unter Führung des Genossen Stalin zerschlug die Partei den trotzkistisch-sinowjewistischen Block. Stalins Referat auf der XV. Parteikonferenz „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“ (November 1926) und sein Referat auf dem VII. Erweiterten Plenum des Exekutivkomitees der Komintern „Noch einmal über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“ (Dezember 1926) wappneten die KPdSU(B) und die Komintern ideologisch und sicherten die granitene Einheit und Geschlossenheit der Parteireihen.

Das Erweiterte Plenum des Exekutivkomitees der Komintern brandmarkte in seinen Beschlüssen die Anhänger des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks als Spalter, die auf menschewistische Positionen hinabgesunken sind.

Nachdem die Bolschewiki die Kapitulanten und Verteidiger des Kapitalismus geschlagen und beiseite geworfen hatten, setzten sie das Werk der sozialistischen Industrialisierung unseres Landes fort. Kein einziges Gebiet, keine einzige Frage der Industrialisierung entzog sich dem Gesichtskreis Stalins. Stalin ist der Initiator des Aufbaus neuer Industriezweige, der Entwicklung und Rekonstruktion früher rückständiger Zweige. Stalin ist der Inspirator der Errichtung der zweiten Kohlen- und Hüttenbasis unseres Landes, der Schaffung des Kusnezkbeckens. Stalin ist der Organisator und Leiter der sozialistischen Bautätigkeit. Der Bau des Stalingrad er Traktorenwerks, des Dnjepr-Wasserkraftwerks, der Hüttenwerke von Magisitogorsk, der Uraler Maschinenwerke, der Rostower Werke für landwirtschaftliche Maschinen, der Hüttenwerke von Kusnezk, der Turkestan-Sibirischen Eisenbahn, der Saratower Combinewerke, der Bau der Automobilwerke in Moskau und Gorki und eine Reihe anderer Bauten - sie alle sind mit dem Namen Stalins verbunden.

Das grandiose Bild des herrlichen Gebäudes des Sozialismus, das in der Sowjetunion gebaut wurde, übte einen unwiderstehlichen Einfluss auf die Arbeiter der kapitalistischen Länder aus. Es begannen wahre Wallfahrten nach der Sowjetunion. Dutzende und Hunderte von Arbeiterdelegationen kamen und sahen mit riesigem Interesse und tief bewegt, wie die Arbeiter, die ihre Ausbeuter verjagt haben, die neue, die sozialistische Gesellschaft aufbauen. Sie interessierten sich für alles, sie wollten alles wissen. Am 5. November 1927 fand eine lange Unterredung Stalins mit Arbeiterdelegationen aus Deutschland, Frankreich, Osterreich, der Tschechoslowakei, China, Belgien und anderen Ländern statt.

Bereits Ende 1927 konnten entscheidende Erfolge der Politik der sozialistischen Industrialisierung festgestellt werden. Die erste Bilanz wurde vom XV. Parteitag gezogen, der im Dezember 1927 zusammentrat. Stalin gab in seinem Rechenschaftsbericht ein anschauliches Bild der Erfolge der sozialistischen Industrialisierung und hob die Notwendigkeit hervor, die sozialistischen Kommandohöhen in Stadt und Land noch mehr zu erweitern und zu festigen, auf die Liquidierung der kapitalistischen Elemente in der Volkswirtschaft Kurs zu nehmen. Auf dem XV. Parteitag verwies Stalin auf das Zurückbleiben der Landwirtschaft hinter der Industrie und zeigte den Ausweg aus dieser für die gesamte Volkswirtschaft bedrohlichen Lage.

„Der Ausweg“, sagte Stalin, „liegt im Übergang der kleinen, zersplitterten Bauernwirtschaften zu großen, zusammengeschlossenen Wirtschaften auf der Grundlage der gesellschaftlichen Bodenbestellung, im Übergang zur kollektiven Bodenbestellung, auf der Grundlage der modernen, höheren Technik. Der Ausweg liegt darin, die bäuerlichen Klein- und Zwergwirtschaften allmählich, aber unentwegt, nicht durch Zwang, sondern durch Beispiel und Überzeugung zu Großwirtschaften zusammenzuschließen auf der Grundlage der gesellschaftlichen, gemeinschaftlichen, kollektiven Bodenbestellung, unter Anwendung landwirtschaftlicher Maschinen und Traktoren, unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden zur Intensivierung der Landwirtschaft. Einen anderen Ausweg gibt es nicht.“ (Zitiert nach der „Geschichte der KPdSU(B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S.349.)

Warum beschritt unser Land den Weg des Aufbaus von Kollektivwirtschaften? Bereits in der Periode vor dem XV. Parteitag machte sich das Zurückbleiben der Landwirtschaft, besonders der Getreidewirtschaft, immer stärker bemerkbar. Die Gesamtproduktion an Getreide näherte sich dem Vorkriegsniveau, doch machte der Warenanteil der Getreideproduktion, der zur Versorgung der Städte und der Armee zum Verkauf gelangte, nur wenig mehr als ein Drittel des Vorkriegsniveaus aus (37 Prozent). Im Dorfe wurden ungefähr 25 Millionen bäuerlicher Klein- und Zwergwirtschaften gezählt. Die bäuerliche Kleinwirtschaft aber war schon ihrer Natur nach eine Halbnaturalwirtschaft, die nur ein Minimum an Warengetreide liefern konnte und nicht imstande war, die Produktion zu erweitern, Traktoren und Maschinen anzuwenden, den Ernteertrag zu erhöhen. Die Zersplitterung der bäuerlichen Wirtschaften und das Sinken des Warenanteils der Getreideproduktion dauerten an.

„Es unterlag keinem Zweifel, dass die Armee und die Städte der Sowjetunion bei einem solchen Stand der Getreidewirtschaft in eine Lage chronischen Hungers geraten mussten.“ (Ebenda S. 347.)

Das Land stand vor zwei Möglichkeiten, in der Landwirtschaft zur Großproduktion überzugehen, die imstande wäre, Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen anzuwenden und den Warenanteil der Getreidewirtschaft um ein Mehrfaches zu steigern. Die erste Möglichkeit war: zur kapitalistischen Großproduktion im Dorfe überzugehen, was den Ruin der Bauernmassen, die Herbeiführung einer Massenarbeitslosigkeit in der Stadt, den Zusammenbruch des Bündnisses zwischen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, die Stärkung des Kulakentums und die Niederlage des Sozialismus bedeutet hätte. Auf diesen verderblichen Weg bemühten sich die rechten Kapitulanten und Verräter aus allen Kräften die Partei zu drängen.

Die zweite Möglichkeit war: den Weg der Vereinigung der kleinen Bauernwirtschaften zu sozialistischen Großwirtschaften, zu Kollektivwirtschaften zu beschreiten, die imstande wären, im größten Umfang Traktoren und andere moderne Maschinen anzuwenden, um die Getreidewirtschaft und den Warenanteil ihrer Produktion rasch zu heben. Es ist klar, dass die Partei der Bolschewiki und der Sowjetstaat nur den zweiten Weg, den Weg der kollektivwirtschaftlichen Entwicklung der Landwirtschaft, beschreiten konnten.

Die Partei der Bolschewiki ging von dem weisen Rat Lenins aus, dass es notwendig sei, von den bäuerlichen Kleinwirtschaften zur kollektiven, maschinell betriebenen Großlandwirtschaft überzugehen, die allein die Dutzende von Millionen bäuerlichen Wirtschaften aus der Jahrhunderte währenden Not erlösen konnte. „Mit der Kleinwirtschaft kann man aus der Not nicht herauskommen“, hatte Lenin gesagt. (Lenin, Werke, Bd. XXIV, 3. Aufl., S. 540 russ.)

Das dringendste wirtschaftliche Erfordernis, die Bedürfnisse des Volkes erheischten den Übergang auf den Weg der Kollektivierung. Und die Partei der Bolschewiki unter Führung Stalins verstand dieses dringende wirtschaftliche Erfordernis richtig und vermochte es, die Millionenmassen der Bauernschaft auf den Weg der Kollektivierung zu lenken. Der XV. Parteitag fasste den Beschluss über die allseitige Entfaltung der Kollektivierung der Landwirtschaft. Gleichzeitig gab der Parteitag die Direktive, den ersten Fünfjahrplan der Volkswirtschaft aufzustellen. So wurde, als der Aufbau der sozialistischen Industrie in vollem Gange war, von Stalin eine neue grandiose Aufgabe gestellt - die Kollektivierung der Landwirtschaft. Die Erfüllung dieser historischen Aufgabe erforderte die allersorgfältigste Vorbereitung, die ihrer Gründlichkeit und ihrem Ausmaß nach durchaus in eine Reihe mit der Vorbereitung der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution gestellt werden kann. Der geniale Stratege der proletarischen Revolution führte die Partei kühn und unbeugsam, sorgfältig und umsichtig vorwärts, indem er alle Hindernisse auf dem Wege zum gesteckten Ziel überwand, wachsam die Manöver des Klassenfeindes verfolgte und dessen Aktionen in der nächsten Zukunft glänzend voraussah, im Verlaufe der Offensive selbst meisterhaft die Kräfte umgruppierte, die eroberten Positionen festigte und die Reserven für die Entwicklung der Erfolge einsetzte.

Die Partei bereitete alle materiellen Bedingungen vor, die zum Masseneintritt der Bauernschaft in die Kollektivwirtschaften notwendig waren. Es wurde die industrielle Basis geschaffen, um das Dorf mit Maschinen und Traktoren zu versorgen, die Basis für die technische Neuausrüstung der Landwirtschaft. Es waren genügend Mittel angesammelt, um den Aufbau von Kollektivwirtschaften und Sowjetgütern zu finanzieren. Zu diesem Aufbau wurden die besten Kräfte der Partei und der Arbeiterklasse entsandt. Die ersten Kollektivwirtschaften wurden gefestigt und boten den Einzelbauern Musterbeispiele für die Führung der kollektiven Landwirtschaft. Es wurden Maschinen- und Traktorenstationen sowie Sowjetgüter geschaffen, die den Bauern bei der Verbesserung der Wirtschaft halfen. Das Kulakentum, das seinen Untergang witterte, suchte Widerstand zu leisten, organisierte den „Getreidestreik“ und glaubte, auf diese Weise die Partei wenn nicht zur Kapitulation, so doch mindestens zum Rückzug zwingen zu können. Im gleichen Jahre 1928 wurde eine große Schädlingsorganisation bürgerlicher Spezialisten im Schachty-Rayon des Donezbeckens aufgedeckt, später auch in anderen Gebieten. Die Schädlinge standen mit imperialistischen Staaten in Verbindung.

Geführt von Stalin, wendete die Partei außerordentliche Maßnahmen gegen das Kulakentum an und brach seinen Widerstand. Die Schädlinge wurden streng bestraft. Genosse Stalin mahnte die Partei, aus der Schachty-Affäre die Lehren zu ziehen, vor allem aber forderte er die bolschewistischen Wirtschaftsleiter auf, selbst technische Fachkenntnisse zu erwerben, Spezialisten zu werden und die Ausbildung neuer technischer Kader aus den Reihen der Arbeiterschaft zu beschleunigen.

Mit dem Übergang der Partei zur Offensive gegen das Kulakentum traten in den Jahren 1928 und 1929 Bucharin, Rykow, Tomski und ihre ganze parteifeindliche Gruppe der rechten Kapitulanten und Restauratoren des Kapitalismus an die Stelle der von der Partei zerschlagenen Trotzkisten und Sinowjewleute. Zur gleichen Zeit machten die Imperialisten, gestützt auf die Kapitulantenarbeit der Rechten, einen neuen Versuch, die Sowjetunion in einen Krieg hineinzuziehen. In den Generalstäben Englands und Frankreichs wurden die Pläne einer neuen Intervention gegen die Sowjetunion ausgearbeitet, die 1929/30 stattfinden sollte.

Ebenso wie der Sieg der Großen Sozialistischen Revolution im Oktober 1917 unmöglich gewesen wäre ohne die Zerschlagung der Kapitulanten und Streikbrecher, der Menschewiki und Sozialrevolutionäre, wäre auch der Sieg des Sozialismus im Dorfe unmöglich gewesen ohne die Zerschlagung der rechten Kapitulanten in den Jahren 1928 und 1929. Von besonderer Bedeutung für den Sieg der Partei über die parteifeindliche Gruppe Bucharin- Rykow waren Stalins Reden „Über die rechte Gefahr in der KPdSU(B)“ (auf dem Plenum des Moskauer Komitees und der Moskauer Kontrollkommission im Oktober 1928) und „Über die rechte Abweichung in der KPdSU(B) (auf dem Plenum des Zentralkomitees der KPdSU(B) im April 1929).

In diesen Reden Stalins wurden die Rechten restlos als Feinde des Leninismus entlarvt; es wurde gezeigt, dass die Rechten eine Kulakenagentur in der Partei sind. In den Kämpfen gegen die Rechten schweißte Stalin die gesamte Partei zusammen und führte sie zum Sturm auf das letzte Bollwerk der kapitalistischen Ausbeutung in unserem Lande. Das Genie Stalins, sein unbeugsamer Wille und sein weiser Weitblick sicherten den Aufstieg der Revolution auf eine neue, höhere Stufe. Stalin schrieb in seinem historisch gewordenen Aufsatz „Das Jahr des großen Umschwungs“ im Jahre 1929 anlässlich des XII. Jahrestages der Oktoberrevolution:

„Das verflossene Jahr war ein Jahr des großen Umschwungs an allen Fronten des sozialistischen Aufbaus. Dieser Umschwung ging und geht im Zeichen der entschiedenen 0ffensive des Sozialismus gegen die kapitalistischen Elemente in Stadt und Land vor sich. Die charakteristische Besonderheit dieser Offensive besteht darin, dass sie uns bereits eine Reihe von entscheidenden Erfolgen auf den grundlegenden Gebieten des sozialistischen Umbaus (der Rekonstruktion) unserer Volkswirtschaft gebracht hat.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 321.)

Die Partei erzielte einen entscheidenden Umschwung auf dem Gebiete der Arbeitsproduktivität. Eine der schwierigsten Aufgaben der sozialistischen Industrialisierung, die Aufgabe der Akkumulation von Mitteln für den Aufbau der Schwerindustrie, war im Wesentlichen gelöst. Die Partei hatte einen radikalen Umschwung in der Entwicklung unserer Landwirtschaft, in der Entwicklung unserer Bauernschaft erreicht. Die Kollektivierungsbewegung begann sich stürmisch zu entfalten, in ihrem Entwicklungstempo überholte sie sogar die Großindustrie. Das war der Beginn der kollektivwirtschaftlichen Massenbewegung.

„Das Neue und Entscheidende in der jetzigen kollektivwirtschaftlichen Bewegung besteht darin“, schrieb Stalin, „dass die Bauern nicht wie früher in einzelnen Gruppen, sondern dass ganze Dörfer, Landbezirke und Rayons, ja sogar Kreise in die Kollektivwirtschaften eintreten. Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass der Mittelbauer in die Kollektivwirtschaft gegangen ist. Das ist die Grundlage jenes radikalen Umschwungs in der Entwicklung der Landwirtschaft, der die wichtigste Errungenschaft der Sowjetmacht darstellt...“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“‘ Moskau 1946, S. 331.)

So wurde unter Stalins Führung die historische Wendung von der Politik der Einschränkung und Verdrängung der Kulakenelemente zur Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse auf der Grundlage der durchgängigen Kollektivierung vorbereitet. Als ein großes Verdienst Stalins ist es zu betrachten, dass er während dieses Zeitabschnitts der ersten Entfaltung der Industrialisierung und der Kollektivierung, als alle Arbeitskräfte des Landes zur Lösung so großer Aufgaben mobilisiert werden mussten, die Frauenfrage in ihrer ganzen Größe aufrollte, die Frage über die Lage der Frauen, über die Frauenarbeit, über die äußerst wichtige Rolle der Frauen, der Arbeiterinnen und Bäuerinnen im wirtschaftlichen und öffentlich-politischen Gesellschaftsleben auf die gebührende Höhe hob und einer richtigen Lösung zuführte.

„Keine einzige große Bewegung der Unterdrückten in der Geschichte der Menschheit“, sagte Stalin, „ist ohne Teilnahme der werktätigen Frauen ausgekommen. Die werktätigen Frauen, die unter allen Unterdrückten am meisten unterdrückt sind, wollten und konnten niemals abseits der großen Heerstraße der Befreiungsbewegung bleiben. Es ist bekannt, dass die Befreiungsbewegung der Sklaven Hunderte und Tausende Märtyrerinnen und Heldinnen hervorgebracht hat. Zehntausende werktätige Frauen waren in den Reihen der Kämpfer für die Befreiung der Leibeigenen. Es ist nicht verwunderlich, dass die revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse, die machtvollste aller Befreiungsbewegungen der unterdrückten Massen, Millionen von werktätigen Frauen unter ihrem Kampfbanner sammelte.“ („Prawda“ Nr. 56 vom 8.März 1925.)

„Die werktätigen Frauen“, sagt Genosse Stalin weiter, „die Arbeiterinnen und Bäuerinnen, bilden eine ungemein große Reserve der Arbeiterklasse. Diese Reserve macht mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus. Ob diese Frauenreserve für oder gegen die Arbeiterklasse sein wird - davon hängt das Schicksal der proletarischen Bewegung ab, der Sieg oder die Niederlage der proletarischen Revolution, der Sieg oder die Niederlage der proletarischen Staatsmacht. Die erste Aufgabe des Proletariats und seines Vortrupps, der Kommunistischen Partei, besteht daher darin, einen entschiedenen Kampf zu führen, um die Frauen, die Arbeiterinnen und Bäuerinnen, dem Einfluss der Bourgeoisie zu entziehen, die Arbeiterinnen und Bäuerinnen politisch aufzuklären und sie unter dem Banner des Proletariats zu organisieren.“ („Prawda“ Nr. 56 vom 8. März 1925.)

„Aber die werktätigen Frauen“, so fährt Stalin fort, „sind nicht bloß eine Reserve. Eine richtige Politik der Arbeiterklasse vorausgesetzt, können und müssen die werktätigen Frauen zu einer wirklichen Armee der Arbeiterklasse im Kampf gegen die Bourgeoisie werden. Aus der Arbeitsreserve der Frauen eine Armee der Arbeiterinnen und Bäuerinnen zu schmieden, die an der Seite der großen Armee des Proletariats kämpft - darin besteht die zweite und entscheidende Aufgabe der Arbeiterklasse.“ (Ebenda)

Bezüglich der Rolle und Bedeutung der Frauen in den Kollektivwirtschaften sagte Stalin in seiner Rede auf dem Ersten Unionskongress der Stoßarbeiter der Kollektivwirtschaften folgendes:

„Die Frauenfrage in den Kollektivwirtschaften ist eine sehr wichtige Frage, Genossen. Ich weiß, dass viele von euch die Frauen unterschätzen und sich sogar über sie lustig machen. Aber das ist ein Fehler, Genossen, ein großer Fehler. Es handelt sich hier nicht nur darum, dass die Frauen die Hälfte der Bevölkerung bilden. Es handelt sich vor allem darum, dass die kollektivwirtschaftliche Bewegung eine ganze Reihe von ausgezeichneten und fähigen Frauen auf führende Posten gestellt hat. Seht euch diesen Kongress, seine Zusammensetzung an, und ihr werdet erkennen, dass die Frauen schon längst aus Rückständigen zu Fortgeschrittenen aufgerückt sind. Die Frauen in den Kollektivwirtschaften sind eine große Kraft. Diese Kraft ungenutzt lassen, heißt ein Verbrechen begehen. Unsere Pflicht besteht darin, die Frauen in den Kollektivwirtschaften aufrücken zu lassen und diese Kraft auszuwerten.“ (J . Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 508.)

Stalin sagt weiter: „Was die Kollektivwirtschaftlerinnen selbst anbelangt, so müssen sie der Kraft der Kollektivwirtschaften und der Bedeutung eingedenk sein, die diese für die Frauen haben; sie müssen dessen eingedenk sein, dass sie nur in der Kollektivwirtschaft die Möglichkeit haben, mit den Männern auf gleichem Fuße zu stehen. Ohne Kollektivwirtschaften - Ungleichheit, in den Kollektivwirtschaften - Gleichheit der Rechte. Mögen die Genossinnen Kollektivwirtschaftlerinnen dessen eingedenk sein und mögen sie die kollektivwirtschaftliche Ordnung wie ihren Augapfel hüten.“ (Ebenda S. 509.)

Die Einbeziehung der breitesten Volksmassen unseres Landes in den sozialistischen Aufbau, darunter auch der werktätigen Massen der ehedem unterdrückten und rückständigen Nationen, bedeutete einen gewaltigen Sieg der sowjetischen Ideologie, die in den Massen die wahren Schöpfer der Geschichte sieht, über die bürgerliche Ideologie, die allerlei Legenden darüber verbreitet, als seien die Massen unfähig, selbständig auf allen Lebensgebieten schöpferisch zu wirken. Genosse Stalin entlarvte den reaktionären Wesensinhalt der „Theorie“, die behauptet, dass die Ausgebeuteten nicht ohne die Ausbeuter auskommen könnten. „Eines der wichtigsten Ergebnisse der Oktoberrevolution“, schrieb Genosse Stalin, „ist die Tatsache, dass sie dieser verlogenen ‚Theorie’ den Todesstoß versetzt hat.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 217.)

Genosse Stalin entlarvte auch die reaktionäre Legende, dass die Völker angeblich in höhere und niedere Rassen zerfallen.

„Früher ‚war es üblich’ zu glauben, die Welt sei von jeher in niedere und höhere Rassen, in Farbige und Weiße, eingeteilt, die einen zur Zivilisation unfähig und vom Schicksal verdammt, Ausbeutungsobjekte zu sein, die anderen aber, die einzigen Träger der Zivilisation, berufen, die ersteren auszubeuten. Jetzt muss diese Legende als zerschlagen und erledigt betrachtet werden. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Oktoberrevolution ist die Tatsache, dass sie dieser Legende den Todesstoß versetzt hat, indem sie in der Praxis zeigte, dass die befreiten, nichteuropäischen Völker, in den Strom der Sowjetentwicklung einbezogen, nicht minder als die europäischen Völker befähigt sind, eine wirklich fortschrittliche Kultur und eine wirklich fortschrittliche Zivilisation zu entwickeln.“ (Ebenda S. 218.)

IX

AM 27. Dezember 1929 sprach Stalin in der Konferenz marxistischer Agrarsachverständiger. In seiner Rede entlarvte Genosse Stalin die bürgerliche Theorie des „Gleichgewichts“ der Sektoren der Volkswirtschaft, widerlegte gründlich die antimarxistische Theorie vom „Selbstlauf“ im sozialistischen Aufbau und die antimarxistische Theorie von der „Stabilität“ der kleinbäuerlichen Wirtschaft. Nachdem Genosse Stalin alle diese bürgerlichen, antimarxistischen, rechtsopportunistischen Theorien einer vernichtenden Kritik unterzogen hatte, gab er eine tiefgründige Analyse der Natur der Kollektivwirtschaften als einer sozialistischen Wirtschaftsform und begründete den Übergang zur Politik der durchgängigen Kollektivierung der Landwirtschaft und der Liquidierung des Kulakentums als Klasse auf dieser Grundlage.

Lenin hatte bereits auf dem XI. Parteitag von der letzten und entscheidenden Schlacht gegen den russischen Kapitalismus gesprochen, der aus der kleinbäuerlichen Wirtschaft hervor wächst, doch konnte damals der Zeitpunkt dieser Schlacht noch nicht genau bestimmt werden. Genosse Stalin wies mit dem ihm eigenen genialen Weitblick wissenschaftlich nach, dass der Zeitpunkt dieser letzten entscheidenden Schlacht gegen den inneren Kapitalismus bereits eingetreten ist. Stalin, der große Dialektiker, zeigte, dass die Liquidierung des Kulakentums als Klasse keine Fortsetzung der früheren Politik der Einschränkung und Verdrängung des Kulakentums, sondern eine schroffe Wendung in der Politik der Partei ist.

„War die Konfiskation des Bodens der Gutsbesitzer der erste Schritt der Oktoberrevolution im Dorfe“, so heißt es in den Beschlüssen des XVI. Parteitags, „so ist der Übergang zu Kollektivwirtschaften der zweite und dabei entscheidende Schritt, der eine der wichtigsten Etappen bei der Erbauung des Fundaments der sozialistischen Gesellschaft in der Sowjetunion bildet.“ („Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Konferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 6. Aufl., 1941, S. 428 russ.)

Zur sozialistischen Wirtschaft kam das Dorf dank dem Umstand, dass die wirtschaftlichen Erfordernisse den Übergang zur artelmäßigen Großwirtschaft, zur kollektiven, maschinell betriebenen Landwirtschaft erheischten. Die Partei der Bolschewiki und der Sowjetstaat schufen in einigen Jahren im Dorfe neue Produktivkräfte, sie führten die neue Technik - Traktoren, Mähdrescher usw. - ein, bildeten die Kader für die sozialistische Landwirtschaft aus, Millionen von Menschen, die die neue Technik meisterten.

In seiner historischen Begrüßung an die Arbeiter des Stalingrader Traktorenwerks am Tage seiner Inbetriebsetzung (17. Juni 1930) schrieb Genosse Stalin:

„Ich begrüße und beglückwünsche die Arbeiter und das leitende Personal der gigantischen Rotbanner-Traktorenwerke, der ersten in der Sowjetunion, zu ihrem Siege. Die 50000 Traktoren, die ihr dem Lande jährlich liefern sollt, werden 50000 Geschosse sein, die die alte bürgerliche Welt in die Luft sprengen und der neuen, der sozialistischen Ordnung im Dorfe den Weg bahnen. Ich wünsche euch Erfolg bei der Erfüllung eures Programms.“ („Prawda“ Nr.166 vom 18. Juni 1930.)

Die neuen im Dorfe geschaffenen Produktivkräfte führten unvermeidlich zu neuen, sozialistischen Beziehungen zwischen den Menschen.

Indem Stalin die marxistisch-leninistische Theorie vom Sozialismus allseitig entwickelte, zeigte er, dass der Übergang zur Kollektivierung nicht durch den einfachen und friedlichen Eintritt der Bauern in die Kollektivwirtschaften zu erreichen ist, sondern durch den Massenkampf der Bauern gegen das Kulakentum. Das Kulakentum musste in offenem Kampf vor den Augen der gesamten Bauernschaft geschlagen werden, damit die Bauernmassen sich von der Schwäche der kapitalistischen Elemente überzeugen, und deshalb war der Übergang zur durchgängigen Kollektivierung unzertrennlich mit der Aufgabe der Liquidierung des Kulakentums als Klasse verbunden.

Die Weisungen des Genossen Stalin, dass eine Wendung in der Politik der Partei von der Einschränkung der ausbeuterischen Tendenzen des Kulakentums zur Liquidierung des Kulakentums als Klasse erforderlich ist, lagen dem Beschluss des Zentralkomitees vom 5. Januar 1930 „Über das Tempo der Kollektivierung und die Hilfsmaßnahmen des Staates für den kollektivwirtschaftlichen Aufbau“ zugrunde.

Die. Feinde der Partei suchten auf jede Weise, den von der Partei eingeschlagenen Kurs auf die Kollektivierung der Landwirtschaft zu vereiteln. Diese feindlichen Anschläge kamen nicht nur in direkten Vorstößen der rechten Kapitulanten gegen die Kollektivierung zum Ausdruck, sondern auch in „linken“ Verzerrungen der Parteilinie, in der Durchbrechung des von der Partei festgelegten Tempos der Kollektivierung, in der Verletzung des Lenin-Stalinschen Prinzips der Freiwilligkeit im kollektivwirtschaftlichen Aufbau, in dem törichten Bestreben, das Artel zu überspringen und direkt zur Kommune zu gelangen, in der zwangsweisen Vergesellschaftung der Wohngebäude, des Kleinviehs, des Geflügels usw.

Die inneren und äußeren Feinde, die Interventen und ihre Agenten hofften, dass diese „linke“, manchmal aber auch bewusst provokatorische Praxis die Bauernschaft mit der Sowjetmacht verfeinden werde. In den Stäben der imperialistischen Staaten wurde schon der Zeitpunkt einer neuen Intervention festgesetzt. Doch bemerkte der Führer der Partei rechtzeitig die neue Gefahr.

Am 2. März 1930 wurde auf Beschluss des Zentralkomitees Stalins Artikel „Vor Erfolgen von Schwindel befallen“ veröffentlicht, in dem sich Stalin scharf gegen die „linken“ Überspitzungen wandte, die die kollektivwirtschaftliche Bewegung zugrunde zu richten drohten. „In dem Artikel wurde mit allem Nachdruck das Prinzip der Freiwilligkeit des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus betont und auf die Notwendigkeit hingewiesen, der Mannigfaltigkeit der Bedingungen in den verschiedenen Gebieten der Sowjetunion bei der Bestimmung des Tempos und der Methoden der Kollektivierung Rechnung zu tragen.

Genosse Stalin erinnerte daran, dass das wichtigste Kettenglied der Kollektivwirtschaftsbewegung das landwirtschaftliche Artel ist ... Der Artikel des Genossen Stalin war von größter politischer Bedeutung. Dieser Artikel half den Parteiorganisationen, ihre Fehler zu korrigieren, und führte einen mächtigen Schlag gegen die Feinde der Sowjetmacht, die gehofft hatten, dass es ihnen infolge der Überspitzungen gelingen würde, die Bauernschaft gegen die Sowjetmacht aufzuwiegeln.“ („Geschichte der KPdSU (B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S.373.)

Genosse Stalin, der den „linken“ Verzerrungen einen vernichtenden Schlag versetzte und zugleich die Hoffnungen der Interventen zunichte machte, erläuterte als Lehrer der Millionenmassen den Kadern der Parteimitglieder und der Parteilosen, worin die Kunst der Führung besteht.

„Die Kunst der Führung“, schrieb Stalin, „ist eine ernste Sache. Man darf nicht hinter der Bewegung zurückbleiben, denn zurückbleiben heißt sich von den Massen loslösen. Man darf aber auch nicht vorauseilen, denn vorauseilen heißt die Verbindung mit den Massen verlieren. Wer die Bewegung führen und zu gleicher Zeit die Verbindung mit den Millionenmassen bewahren will, der muss den Kampf an zwei Fronten führen - sowohl gegen die Zurückbleibenden als auch gegen die Vorauseilenden.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 369.)

In dem Artikel „Antwort an die Genossen Kollektivbauern“, der unmittelbar darauf, am 3. April 1930, veröffentlicht wurde und an die Millionen Kollektivbauern gerichtet war, erläuterte Stalin, indem er die Wurzel der Fehler in der Bauernfrage und die Hauptfehler in der Kollektivwirtschaftsbewegung aufzeigte, mit außerordentlicher Überzeugungskraft, worin das Wesen der Gesetze der Offensive an der Front des Klassenkampfes besteht. Man kann keine Offensive fuhren, ohne die eroberten Positionen zu befestigen, erklärte Genosse Stalin, ohne die Kräfte umzugruppieren, ohne der Front Reserven zu sichern, ohne die Etappen nachzuschieben. Die Opportunisten begreifen nicht die Klassennatur der Offensive: Offensive gegen welche Klasse, im Bündnis mit welcher Klasse? Wir brauchen, sagte Stalin, nicht jede Offensive, sondern eine Offensive gegen die Kulaken im Bündnis mit den Mittelbauern. Dank der Stalinschen Führung wurde durch Richtigstellung der Überspitzungen die feste Grundlage für ein neues mächtiges Anwachsen der kollektivwirtschaftlichen Bewegung geschaffen. Die Partei mit Genossen Stalin an der Spitze löste die nach der Machteroberung schwierigste Aufgabe der proletarischen Revolution, die Aufgabe, die bäuerlichen Kleinwirtschaften auf das Geleise des Sozialismus überzuleiten, die Aufgabe, das Kulakentum als die zahlreichste Ausbeuterklasse zu liquidieren.

„Das war eine außerordentlich tiefgehende revolutionäre Umwälzung, ein Sprung aus einem alten qualitativen Zustand der Gesellschaft in einen neuen qualitativen Zustand, eine Umwälzung, die in ihren Auswirkungen der revolutionären Umwälzung vom Oktober 1917 gleichkam.

Die Eigenart dieser Revolution bestand darin, dass sie von oben, auf Initiative der Staatsmacht, mit direkter Unterstützung von unten, durch die Millionenmassen der gegen das Kulakenjoch und für ein freies kollektivwirtschaftliches Leben kämpfenden Bauern, vollzogen wurde.“ („Geschichte der KPdSU (B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S. 369.)

Gestützt auf die Hinweise Lenins über die Notwendigkeit des Übergangs von den bäuerlichen Kleinwirtschaften zum artelmäßigen, kollektiven Großbetrieb in der Landwirtschaft, gestützt auf den Genossenschaftsplan Lenins, hat Stalin die Theorie der Kollektivierung der Landwirtschaft ausgearbeitet und praktisch verwirklicht. Das Neue auf diesem Gebiet besteht bei Stalin darin, dass er:

die Frage der kollektivwirtschaftlichen Form der sozialistischen Wirtschaft im Dorfe allseitig ausgearbeitet hat; 2. gezeigt hat, dass das hauptsächlichste und wichtigste Kettenglied des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus in der gegenwärtigen Etappe das landwirtschaftliche Artel

ist als die richtigste und dem Bauern verständlichste Form, die es ermöglicht, die persönlichen Interessen der Kollektivbauern mit ihren gesellschaftlichen Interessen zu verbinden, die persönlichen Interessen der Kollektivbauern den gesellschaftlichen Interessen anzupassen;

3. den Übergang von der Politik der Einschränkung und Verdrängung des Kulakentums zur Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse auf der Grundlage der durchgängigen Kollektivierung begründet hat;

4. die Bedeutung der Maschinen- und Traktorenstationen aufgezeigt hat als der Stützpunkte bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft und bei der Hilfeleistung des sozialistischen Staates für die Landwirtschaft und die Bauernschaft.

Im Februar 1930 beschloss das Zentralexekutivkomitee der UdSSR auf Grund zahlreicher Anträge von Organisationen, öffentlichen Versammlungen der Arbeiter, Bauern und Rotarmisten, J. W. Stalin für seine gewaltigen Verdienste an der Front des sozialistischen Aufbaus mit dem zweiten Rotbannerorden auszuzeichnen.

Der XVI. Parteitag (26. Juni bis 13. Juli 1930) ging in die Geschichte ein als der Parteitag der voll entfalteten Offensive des Sozialismus an der ganzen Front. Stalin zeigte in seinem Bericht das Wesen der voll entfalteten Offensive des Sozialismus gegen die kapitalistischen Elemente an der ganzen Front auf und stellte fest, dass unser Land bereits in die Periode des Sozialismus eingetreten ist.

Stalin berichtete dem Parteitag über die Errungenschaften bei der Industrialisierung des Landes und der Kollektivierung der Landwirtschaft und wies zugleich auf die Aufgaben hin, die uns die neue Entwicklungsperiode stellt. Haben wir die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder im Entwicklungstempo eingeholt und überholt, so bleiben wir in Bezug auf die Höhe der Industrieproduktion noch stark hinter ihnen zurück. Daraus ergibt sich die Aufgabe der weiteren Steigerung des Tempos, die Aufgabe, die kapitalistischen Länder auch hinsichtlich der Höhe der Industrieproduktion einzuholen und zu überholen. In seinem Bericht umriss Genosse Stalin die Aufgaben der Partei bei der Durchführung des ersten Fünfjahrplans in vier Jahren.

Die Werktätigen des ganzen Landes gingen mit Begeisterung daran, die vom Parteitag gestellten gigantischen Aufgaben zu erfüllen. Der sozialistische Wettbewerb und die Stoßbrigadenbewegung kamen zu voller Entfaltung Zur Zeit des XVI. Parteitags waren vom sozialistischen Wettbewerb nicht weniger als zwei Millionen Arbeiter erfasst, die Stoßbrigaden zählten über eine Million Arbeiter.

„Das Großartigste am Wettbewerb ist“, sagte Genosse Stalin auf dem XVI. Parteitag, „dass er in den Ansichten der Menschen über die Arbeit eine radikale Umwälzung hervorruft, denn er verwandelt die Arbeit aus einer schimpflichen und schweren Last, als die sie früher galt, in eine Sache der Ehre, des Ruhmes, der Tapferkeit und des Heldentums. In den kapitalistischen Ländern gibt es nichts Derartiges und kann es nichts Derartiges geben.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1938, S. 543)

Die Durchführung des ersten Fünfjahrplans erforderte die Rekonstruktion aller Zweige der Volkswirtschaft auf der Grundlage der neuen, der modernen Technik. Die Technik gewann entscheidende Bedeutung. Im Zusammenhang damit gab der Führer der Partei am 4. Februar 1931 in der Rede „Über die Aufgaben der Wirtschaftler“ in der ersten Unionskonferenz der Funktionäre der sozialistischen Industrie die neue Losung aus: „Die Bolschewiki müssen die Technik meistern“, „Die Technik entscheidet in der Rekonstruktionsperiode alles“. In der Periode der angestrengten Arbeit der Partei am Aufbau des Sozialismus gewann die marxistisch-leninistische Erziehung der Mitglieder und Kandidaten der Partei, das Studium der historischen Erfahrung der bolschewistischen Partei, der Kampf gegen die Verfälscher ihrer Geschichte immer größere Bedeutung.

Im November 1931 veröffentlichte Stalin den bekannten Brief an die Redaktion der Zeitschrift „Proletarskaja Rewoluzija“, der für den weiteren ideologischen Zusammenschluss der Parteireihen von hervorragender Bedeutung war. In diesem Brief entlarvte Stalin die trotzkistischen Verfälscher der Geschichte des Bolschewismus und zeigte, dass der Leninismus im schonungslosen Kampf gegen den Opportunismus aller Spielarten entstanden, gewachsen und erstarkt ist, dass die Bolschewiki die einzige revolutionäre Organisation der Welt sind, die die Opportunisten und Zentristen restlos zerschmettert und aus der Partei verjagt hatte. In diesem Brief zeigte Stalin mit allem Nachdruck, dass der Trotzkismus der Vortrupp der konterrevolutionären Bourgeoisie ist, der den Kampf gegen den Kommunismus, gegen die Sowjetmacht, gegen den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion führt. Anfang 1933 war der erste Fünfjahrplan vor Ablauf der Frist erfüllt. Im Januar 1933 erstattete Stalin auf dem Plenum des Zentralkomitees und der Zentralen Kontrollkommission den Bericht über „Die Ergebnisse des ersten Fünfjahrplans“. Unser Land, sagte er, ist aus einem Agrarland zu einem Industrieland geworden, aus einem kleinbäuerlichen Land zu einem Land der fortgeschrittensten, sozialistischen Großlandwirtschaft. Die Ausbeuterklassen sind aus ihren Stellungen in der Produktion hinausgeworfen worden. Ihre Überreste haben sich über das ganze Land verstreut und haben begonnen, den Kampf gegen die Sowjetmacht durch eine versteckte Wühlarbeit zu führen. Deshalb war es notwendig, die Wachsamkeit zu erhöhen, den Kampf für den Schutz des sozialistischen Eigentums, der Grundlage der Sowjetordnung, zu führen, die Diktatur des Proletariats in jeder Weise zu stärken.

In einer anderen Rede auf dem Plenum des Zentralkomitees „Über die Arbeit auf dem Lande“ gab Stalin eine tiefgründige Analyse der Mängel der Parteiarbeit auf dem Lande und entwickelte ein ganzes Arbeitsprogramm zur Festigung der Kollektivwirtschaftsordnung. Die Partei stand vor einer neuen Aufgabe: es galt, den Kampf zu führen für die Festigung der Kollektivwirtschaften, für die Organisierung der Arbeit in den Kollektivwirtschaften, es galt, die Kollektivwirtschaften bolschewistisch zu machen, sie von feindlichen Kulaken- und Schädlingselementen zu säubern. Zu diesem Zweck schlug Genosse Stalin vor, bei den Maschinen- und Traktorenstationen sowie bei den Sowjetgütern politische Abteilungen zu schaffen. Die politischen Abteilungen der Maschinen- und Traktorenstationen vermochten in zwei Jahren (1933 und 1934) eine große Arbeit zur Festigung der Kollektivwirtschaften zu leisten.

Auf dem Ersten Unionskongress der Stoßarbeiter der Kollektivwirtschaften am 19. Februar 1933 formulierte und begründete Genosse Stalin die Losung: die Kollektivwirtschaften bolschewistisch und die Kollektivbauern wohlhabend zu machen.

„Damit die Kollektivbauern wohlhabend werden“, führte Stalin aus, „dazu ist jetzt nur eins erforderlich - in der Kollektivwirtschaft ehrlich zu arbeiten, die Traktoren und Maschinen richtig auszunutzen, das Arbeitsvieh richtig auszunutzen, den Boden richtig zu bearbeiten, mit dem Eigentum der Kollektivwirtschaften sorgfältig umzugehen.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 506.)

Die Rede Stalins drang tief in das Bewusstsein der Millionen Kollektivbauern, sie wurde zum praktischen Kampfprogramm der Kollektivwirtschaften.

Auf Grund einer Verallgemeinerung der beim sozialistischen Aufbau gewonnenen Erfahrungen entwickelte Genosse Stalin die Frage vom Sowjethandel als einer Form, in der sich unter den Bedingungen des Sozialismus Verteilung und Austausch der Arbeitsprodukte vollzieht. Genosse Stalin sagte: „Sowjethandel ist Handel ohne Kapitalisten, ohne kleine und große Kapitalisten, Handel ohne Spekulanten, ohne kleine und große Spekulanten. Das ist eine besondere Art Handel, wie ihn die Geschichte bis jetzt noch nicht gekannt hat und den nur wir Bolschewiki unter sowjetischen Entwicklungsbedingungen betreiben.“ (Ebenda. S. 471.) Genosse Stalin sagte ferner:

„Damit sich das Wirtschaftsleben des Landes voll entfalten könne, Industrie und Landwirtschaft aber einen Ansporn zur weiteren Steigerung ihrer Produktion erhalten, bedarf es noch einer Bedingung, nämlich eines entfalteten Wagenumsatzes zwischen Stadt und Land, zwischen den einzelnen Bezirken und Gebieten des Landes, zwischen den verschiedenen Zweigen der Volkswirtschaft.“ (Ebenda S. 558.)

Genosse Stalin übte scharfe Kritik an den Leuten, die den Sowjethandel gering schätzten oder missachteten. Genosse Stalin sagte, „dass unter einem Teil der Kommunisten immer noch ein hochmütiges, geringschätziges Verhalten zum Handel überhaupt und zum Sowjethandel im besonderen herrscht. Diese, mit Verlaub zu sagen, Kommunisten halten den Sowjethandel für eine untergeordnete, unwesentliche Angelegenheit, die im Handel Tätigen aber für verlorene Menschen ... Diese Leute verstehen nicht, dass der Sowjethandel unsere ureigene, bolschewistische Sache ist und dass die im Handel Tätigen, auch die Ladenangestellten, wenn sie nur ehrlich arbeiten, für unsere revolutionäre, bolschewistische Sache wirken.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 559)

Diese Hinweise des Genossen Stalin waren von wesentlicher Bedeutung für die Festigung des Sowjethandels und für die Entfaltung des Warenumsatzes im Lande. Der begeisterte Tribun der Revolution und Liebling der Partei, S. M. Kirow, charakterisierte in seinem Referat über die Arbeit des Zentralkomitees der KPdSU(B), das er in Leningrad am Vorabend des XVII. Parteitags hielt, den großen Organisator der sozialistischen Siege der Arbeiterklasse mit folgenden Worten:

„Genossen, man kann über die Verdienste unserer Partei, über die Erfolge unserer Partei nicht reden, ohne über den großen Organisator der von uns errungenen gigantischen Siege zu sprechen. Ich meine Genossen Stalin.

Ich muss euch sagen, dass er der wirklich vollkommene, wirklich allseitige Verfechter, der Fortsetzer des Werkes ist, das uns der nunmehr schon vor zehn Jahren von uns geschiedene große Begründer unserer Partei hinterlassen hat.

Es ist schwer, sich die Gestalt eines Giganten vorzustellen, wie Stalin es ist. In den letzten Jahren, seit dem Zeitpunkt, da wir ohne Lenin arbeiten, kennen wir keine einzige Wendung in unserer Arbeit, kein einziges größeres Beginnen, keine Losung, keine Neuorientierung in unserer Politik, deren Urheber nicht Genosse Stalin, sondern irgendein anderer gewesen wäre.

Die gesamte grundlegende Arbeit - das muss die Partei wissen - verläuft nach den Hinweisen, auf Initiative und unter Führung, des Genossen Stalin. Die größten Fragen der internationalen Politik werden nach seinen Weisungen entschieden, und nicht bloß diese großen Fragen, sondern auch scheinbar drittrangige oder sogar zehntrangige Fragen interessieren ihn, wenn sie die Arbeiter, die Bauern und alle übrigen Werktätigen unseres Landes betreffen.

Ich muss sagen, dass sich das nicht nur auf den Aufbau des Sozialismus im Allgemeinen, sondern auch auf die Einzelfragen unserer Arbeit bezieht. Nehmen wir z. B. die Fragen der Verteidigung unseres Landes, so muss mit allem Nachdruck betont werden, dass wir alle unsere Erfolge, von denen ich gesprochen habe, voll und ganz Stalin zu verdanken haben. Der mächtige Wille, das kolossale organisatorische Talent dieses Mannes sichern der Partei die rechtzeitige Durchführung großer historischer Wendungen, die mit dem siegreichen Aufbau des Sozialismus verbunden sind.

Nehmt die Losungen des Genossen Stalin: ,Die Kollektivbauern wohlhabend machen’, ,Die Kollektivwirtschaften bolschewistisch machen’, ,Die Technik meistern’, die sechs historischen Bedingungen des Genossen Stalin - alles, was dem Aufbau des Sozialismus im gegenwärtigen Stadium unserer Arbeit als Leitlinie dient, geht von diesem Manne aus, und alles, was wir während des ersten Planjahrfünfts erreicht haben, wurde auf Grund seiner Weisungen errungen.“ (S. M. Kirow, „Ausgewählte Reden und Aufsätze von 1912-1934“, 1939, S.609/10 russ.)

Anfang 1934 leitete Stalin die Arbeiten des XVII. Parteitags, der in die Geschichte als der Parteitag der Sieger eingegangen ist. In seinem Rechenschaftsbericht an den Parteitag über die Tätigkeit des ZK der KPdSU(B) zog Genosse Stalin die Bilanz der historischen Siege der Partei, der Siege des Sozialismus in der Sowjetunion.

Gesiegt hat die Politik der Industrialisierung des Landes, der durchgängigen Kollektivierung der Landwirtschaft, der Liquidierung des Kulakentums als Klasse. Gesiegt hat die Lehre von der Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande. Die sozialistische Formation ist in der gesamten Volkswirtschaft zur unumschränkt herrschenden Kraft geworden, alle übrigen Formationen sind zugrunde gegangen. Die Kollektivwirtschaften haben endgültig und unwiderruflich gesiegt.

Stalin warnte jedoch, dass der Kampf bei weitem noch nicht zu Ende sei. Obwohl die Feinde geschlagen sind, leben dennoch Überreste ihrer Ideologie fort und machen sich nicht selten bemerkbar. Geblieben ist die kapitalistische Umwelt. Sie belebt die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen und nutzt sie aus.

Genosse Stalin wies darauf hin, dass die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen auf dem Gebiet der nationalen Frage viel zählebiger sind als auf irgendeinem anderen Gebiet. Auf die Frage, welche Abweichung die Hauptgefahr darstelle - die Abweichung zum großrussischen Nationalismus oder die Abweichung zum lokalen Nationalismus -, antwortete Genosse Stalin, dass unter den heutigen Verhältnissen „die Hauptgefahr jene Abweichung darstellt, gegen die man zu kämpfen aufgehört und die man dadurch zu einer staatsgefährlichen Erscheinung hat anwachsen lassen“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 575.)

Notwendig ist eine systematische Arbeit zur Überwindung der Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen; notwendig ist eine systematische Kritik der Ideologie aller dem Leninismus feindlichen Strömungen; notwendig ist eine unermüdliche Propaganda des Leninismus, die Erhöhung des ideologischen Niveaus der Parteimitglieder, die Erziehung der Werktätigen im Geiste des Internationalismus. Mit besonderem Nachdruck betonte Stalin die Notwendigkeit, die Wachsamkeit der Partei zu erhöhen:

„Man darf ... die Partei nicht einlullen, sondern muss in ihr die Wachsamkeit entwickeln, darf sie nicht einschläfern, sondern muss sie im Zustand der Kampfbereitschaft halten, darf sie nicht entwaffnen, sondern muss sie bewaffnen, darf sie nicht demobilisieren, sondern muss sie im Zustand der Mobilisierung zur Verwirklichung des zweiten Fünfjahrplans halten.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 586.)

In Stalins Bericht wurde ein konkretes Programm der weiteren Arbeit der Partei auf dem Gebiete der Industrie, der Landwirtschaft, des Handels, des Verkehrswesens gegeben, ein Programm der Organisationsarbeit (Kader, Prüfung und Kontrolle der Durchführung); es wurde die Aufgabe gestellt: „die organisatorische Leitung auf das Niveau der politischen Leitung zu heben“. In Stalins Bericht wurde ein Programm der Arbeit auf dem Gebiete der Kultur, der Wissenschaft, der Volksbildung und des ideologischen Kampfes gegeben. In dem Teile seines Berichts, der die Außenpolitik der UdSSR behandelte, bemerkte Genosse Stalin, dass in der kapitalistischen Welt die Wirtschaftskrise tobt und in einer Anzahl von Ländern eine fieberhafte Kriegsvorbereitung vor sich geht, insbesondere in Deutschland nach dem Machtantritt der Faschisten. Inmitten dieser ökonomischen Erschütterungen und kriegspolitischen Katastrophen behauptet die Sowjetunion weiterhin fest und unerschütterlich ihre Friedenspositionen, kämpft gegen die Kriegsgefahr und führt beharrlich eine Politik des Friedens.

„Unsere Außenpolitik ist klar. Sie ist eine Politik der Erhaltung des Friedens und der Verstärkung der Handelsbeziehungen mit allen Ländern. Die Sowjetunion denkt nicht daran, irgendjemanden zu bedrohen, und erst recht nicht, irgendjemanden zu überfallen. Wir sind für den Frieden und verteidigen die Sache des Friedens. Aber wir fürchten keine Drohungen und sind bereit, auf einen Schlag der Kriegshetzer mit einem Gegenschlag zu antworten ... Denjenigen aber, die versuchen sollten, unser Land zu überfallen, wird eine vernichtende Abfuhr zuteil werden, damit ihnen in Zukunft die Lust vergehe, ihre Schweineschnauze in unseren Sowjetgarten zu stecken.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. S31.) Auf Vorschlag S. M. Kirows nahm der XVII. Parteitag den Bericht des Genossen Stalin als Beschluss des Parteitags, als Gesetz und Arbeitsprogramm der Partei für die nächste Periode an. Vom Parteitag wurde auch der zweite Fünfjahrplan der Entwicklung der Volkswirtschaft bestätigt.

X

DANK den Erfolgen der Generallinie der Partei dauerte im Lande der Aufstieg der Industrie und der Landwirtschaft unentwegt an. Der zweite Stalinsche Fünfjahrplan war in der Industrie im April 1937, vor Ablauf der Frist - in vier Jahren und drei Monaten -, erfüllt. Die Vollendung der Rekonstruktion der Industrie und der Landwirtschaft hatte zur Folge, dass unsere Volkswirtschaft mit der modernsten Technik der Welt ausgerüstet wurde. Unsere Industrie erhielt in riesiger Anzahl Maschinen, Werkbänke und andere Produktionsmittel. Unsere Landwirtschaft erhielt erstklassige Sowjettraktoren, Mähdrescher und andere landwirtschaftliche Maschinen. Das Verkehrswesen erhielt erstklassige Kraftfahrzeuge, Lokomotiven, Dampfer und Flugzeuge. Die Rote Armee erhielt eine neue, ausgezeichnete technische Ausrüstung: Artillerie, Panzer, Flugzeuge und Kriegsschiffe.

Diese gesamte gigantische Arbeit zur technischen Neuausrüstung unserer Volkswirtschaft verläuft unter der unmittelbaren Führung des Genossen Stalin. Neue Maschinentypen, bedeutende technische Neuerungen oder Erfindungen wurden und werden nach den unmittelbaren Weisungen des Genossen Stalin eingeführt. Er dringt persönlich in alle Einzelheiten der technischen Rekonstruktion der Industrie und der Landwirtschaft ein und beseelt und beflügelt die Arbeiter und Ingenieure, die Leiter der Betriebe und Hauptverwaltungen, die Erfinder und Konstrukteure. Besonders große und liebevolle Aufmerksamkeit widmet er der technischen Ausrüstung unserer Roten Armee, der Luftflotte und der Kriegsmarine, wodurch die Rote Armee zu einer den Feinden des Sozialismus Furcht einflößenden Kraft geworden ist.

Eine der wichtigsten Fragen des sozialistischen Aufbaus, vor denen die Partei stand, war das Problem, wie die Sowjetgesellschaftsordnung ihre eigenen Kader, wie das Sowjetvolk, und vor allem die Arbeiterklasse, eine eigene Intelligenz heranbilden sollen. Gestützt auf die Hinweise Lenins, dass die sozialistische Revolution die Hauptbedingung ist für den machtvollen Kulturaufschwung der Volksmassen, bewertete Genosse Stalin die Frage der kulturellen Kräfte der Arbeiterklasse als eine entscheidende Frage des sozialistischen Aufbaus.

Genosse Stalin sagte:

„Unter allen bisher dagewesenen herrschenden Klassen nimmt die als herrschende Klasse auftretende Arbeiterklasse in der Geschichte eine einigermaßen besondere und nicht ganz günstige Stellung ein. Alle bisher aufgetretenen herrschenden Klassen - die Sklavenhalter, die Grundbesitzer, die Kapitalisten - waren gleichzeitig die Klassen der Reichen. Sie hatten die Möglichkeit, ihre Söhne in den für die Verwaltung notwendigen Kenntnissen und Erfahrungen zu schulen. Die Arbeiterklasse unterscheidet sich von ihnen unter anderem dadurch, dass sie eine nicht reiche Klasse ist, dass sie vorher nicht die Möglichkeit hatte, ihre Söhne in den für die Verwaltung notwendigen Kenntnissen und Erfahrungen zu schulen, sie hat diese Möglichkeit erst jetzt, nach ihrem Machtantritt, erhalten. Darauf beruht eben, unter anderem, die Dringlichkeit, die bei uns der Frage der Kulturrevolution zukommt.“ (J. Stalin, „Über die Apriltagung des gemeinsamen Plenums des ZK und der ZKK. Bericht auf der Funktionärversammlung der Moskauer Organisation der KPdSU (B) vom 13. April 1928“, 1928, S. 15 russ.)

Die Frage der eigenen Kader der Werktätigen erlangte bei uns ganz besondere Bedeutung, als unser Land bereits reichlich mit neuer Technik ausgerüstet war und als das dringende Erfordernis fühlbar wurde nach Menschen, die die Technik gemeistert haben und sie in vollem Umfange zum Wohl unserer Heimat auszunutzen vermögen.

Die neue, mächtige Technik erheischte Menschen, die diese Technik zu meistern, aus ihr alles herauszuholen vermögen, was sie leisten kann. Es war notwendig, die Aufmerksamkeit unserer Kader in entschiedener Weise auf die Meisterung der neuen Technik, die allseitige Verstärkung der Arbeit zur Heranbildung zahlreicher Kader zu lenken, die fähig sind, mit dieser Technik Höchstleistungen zu erzielen. In dieser Hinsicht hatte die Rede des Genossen

Stalin an die Absolventen der Akademien der Roten Armee im Mai 1935 außerordentliche Bedeutung. „Um die Technik in Bewegung zu setzen und sie restlos auszunutzen“, sagte Genosse Stalin, „braucht man Menschen, die diese Technik meistern, braucht man Kader, die fähig sind, sich diese Technik anzueignen und sie nach allen Regeln der Kunst auszunutzen. Eine Technik ohne Menschen, die sie gemeistert haben, ist tot. Eine Technik mit Menschen an der Spitze, die die Technik gemeistert haben, kann und muss Wunder vollbringen. Hätten wir in unseren erstklassigen Werken und Fabriken, in unseren Sowjet- und Kollektivwirtschaften, in unserem Verkehrswesen, in unserer Roten Armee die genügende Anzahl von Kadern, die fähig sind, diese Technik zu bewältigen, so würde unser Land dreimal und viermal so große Leistungen erzielen wie heute ... Man muss endlich begreifen, dass von allen wertvollen Kapitalien, die es in der Welt gibt, das wertvollste und entscheidendste Kapital die Menschen, die Kader sind.

Man muss begreifen, dass unter unseren heutigen Verhältnissen ‚die Kader alles entscheiden’. Haben wir gute und zahlreiche Kader in der Industrie, in der Landwirtschaft, im Verkehrswesen, in der Armee, so wird unser Land unbesiegbar sein. Haben wir solche Kader nicht, so werden wir auf beiden Beinen hinken.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S.593-595.)

Die Rede des Genossen Stalin wurde zu einem mächtigen Anstoß für die Lösung einer der wichtigsten Aufgaben des sozialistischen Aufbaus, des Problems der Kader. Die Bedeutung dieser Weisung des Führers der Partei bestand nicht nur darin, dass sie die Aufmerksamkeit aller Partei- und Sowjetorganisationen auf das Kaderproblem lenkte. Ihre Bedeutung bestand auch darin, dass sie unten, in den Massen, einen mächtigen Widerhall fand, einen neuen Arbeitsenthusiasmus auslöste.

Auf Initiative der fortgeschrittenen Arbeiter entwickelte sich von unten mit machtvollem Schwung die Stachanowbewegung. Sie nahm ihren Ausgang im Donezbecken, in der Kohlenindustrie, und erfasste mit unglaublicher Schnelligkeit das ganze Land, alle Zweige der Volkswirtschaft. Zehntausende und Hunderttausende hervorragender Helden der Arbeit gaben Musterbeispiele, wie man die Technik meistert und in der Industrie, im Verkehrswesen und in der Landwirtschaft eine hohe sozialistische Arbeitsproduktivität erzielt.

Genosse Stalin kennzeichnete vor der Partei und dem ganzen Lande die große historische Bedeutung dieser neuen Bewegung. In der Rede auf der Ersten Unionsberatung der Stachanowleute im November 1935 sagte Stalin, dass die Stachanowbewegung „einen neuen Aufschwung des sozialistischen Wettbewerbs, eine neue, eine höhere Etappe des sozialistischen Wettbewerbs zum Ausdruck bringt … Die Bedeutung der Stachanowbewegung besteht darin, dass sie eine Bewegung ist, die mit den alten technischen Normen bricht, weil sie unzulänglich sind, die die Arbeitsproduktivität der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder in einer ganzen Reihe von Fällen übertrifft und somit die praktische Möglichkeit eröffnet, den Sozialismus in unserem Lande weiter zu festigen und unser Land zum wohlhabendsten Land zu machen.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 597 und 599.)

Genosse Stalin zeigte, dass die Stachanowbewegung den Weg zum Kommunismus bahnt, dass sie den Keim eines solchen kulturellen und technischen Aufschwungs der Arbeiterklasse in sich birgt, der zur Aufhebung des Gegensatzes zwischen geistiger und körperlicher Arbeit führt.

Auf die Voraussetzungen der Stachanowbewegung eingehend, zeigte Genosse Stalin, worin die große Kraft und Unbesiegbarkeit unserer Revolution besteht: „Unsere Revolution ist die einzige, die nicht nur die Fesseln des Kapitalismus gesprengt und dem Volke die Freiheit gegeben hat, sondern dem Volke auch die materiellen Bedingungen für ein wohlhabendes Leben bieten konnte. Darin liegt die Kraft und Unbesiegbarkeit unserer Revolution.“ (Ebenda S. 604.)

Stalin leitete unmittelbar die Arbeiten der Unionsberatung der Stachanowleute und anderer Beratungen vorbildlicher Arbeiter der Industrie, des Verkehrswesens und der Landwirtschaft, die im Kreml stattfanden. Zusammen mit Stachanowleuten der Industrie und des Verkehrswesens, mit Combine- und Traktorenführern, mit Melkerinnen und Arbeitsheldinnen der Zuckerrübenfelder beriet er bis ins einzelne die Frage der Technik und der Produktion

aller Zweige der Volkswirtschaft.

Im Kreml empfing Stalin zusammen mit Mitgliedern des Zentralkomitees und der Regierung zahlreiche Delegationen der sozialistischen Bruderrepubliken. Das war eine eindrucksvolle Demonstration der großen Freundschaft der Völker der Sowjetunion, die dank der Durchführung der Lenin-Stalinschen Nationalitätenpolitik erzielt wurde. Gemeinsam mit den vorbildlichen Arbeitern und Kollektivbauern arbeiteten Genosse Stalin und seine Kampfgefährten überaus wichtige Beschlüsse zu den bedeutendsten Fragen des sozialistischen Aufbaus aus.

„Lenin lehrte, dass nur solche Führer wirkliche bolschewistische Führer sein können, die es nicht nur verstehen, die Arbeiter und Bauern zu lehren, sondern auch von ihnen zu lernen“, sagte Genosse Stalin in seiner Rede auf der Beratung der Stachanowleute. Er selbst gab von den ersten Schritten seiner revolutionären Tätigkeit an das beste Beispiel einer solchen Verbundenheit mit den Massen. Die sozialistische Rekonstruktion der gesamten Volkswirtschaft hatte im Lande das Wechselverhältnis der Klassen grundlegend verändert. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, die im Jahre 1924 angenommene Verfassung abzuändern. Auf Initiative des Genossen Stalin brachte das Zentralkomitee der Partei auf dem VII. Sowjetkongress der UdSSR den Antrag ein, die Verfassung abzuändern.

Eine besondere Verfassungskommission unter Vorsitz des Genossen Stalin arbeitete den Entwurf der neuen Verfassung aus. Der Entwurf wurde dem gesamten Volk zur Erörterung unterbreitet, die 5½ Monate dauerte. Es gibt keinen Winkel in unserem Lande, wo die Werktätigen dieses bedeutsamste Dokument in der Geschichte der Menschheit nicht studiert und erörtert hätten. Das ganze Sowjetvolk begrüßte und billigte mit großer Freude und großem Stolz den Verfassungsentwurf.

Genosse Stalin gab am 25. November 1936 auf dem Außerordentlichen VIII. Sowjetkongress in seinem Bericht über den Entwurf der neuen Verfassung eine tiefgehende Begründung dieses Verfassungsentwurfs und zeigte die gewaltigen Veränderungen auf, die in unserem Lande seit der Annahme der Verfassung vom Jahre 1924 vor sich gegangen waren. Der Sieg des Sozialismus ermöglichte es, zur weiteren Demokratisierung des Wahlsystems, zur Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts bei geheimer Abstimmung überzugehen.

All die gewaltigen Siege des Sozialismus sind in der Verfassung der UdSSR verankert. Gemäß der Verfassung besteht die Sowjetgesellschaft aus zwei befreundeten Klassen, den Arbeitern und den Bauern. Die politische Grundlage der UdSSR bilden die Sowjets der Deputierten der Werktätigen. Die ökonomische Grundlage der Sowjetunion bildet das so Eigentum an den Produktionsmitteln. Allen Bürgern der Sowjetunion ist das Recht auf Arbeit, auf Erholung, auf Bildung, auf materielle Versorgung im Alter sowie im Falle von Krankheit und Invalidität gewährleistet. Die Gleichberechtigung der Bürger, unabhängig von Nationalität, Rasse und Geschlecht, ist unverbrüchliches Gesetz. Die Verfassung garantiert - im Interesse der Festigung der sozialistischen Gesellschaft - die Rede-, die Presse-, die Meetings- und Versammlungsfreiheit, das Recht auf Vereinigung in gesellschaftlichen Organisationen, die Unverletzlichkeit der Person, die Unverletzlichkeit der Wohnung und das Briefgeheimnis, das Asylrecht für ausländische Bürger, die wegen Verfechtung der Interessen der Werktätigen oder wegen wissenschaftlicher Betätigung oder wegen Teilnahme am nationalen Befreiungskampfe verfolgt werden. Diese grandiosen Rechte und Freiheiten, wie sie die Werktätigen in der Geschichte noch nie besaßen, sind materiell, ökonomisch durch das gesamte System der sozialistischen Wirtschaft gesichert, das keine Krisen, keine Anarchie und keine Arbeitslosigkeit kennt.

Durch die Verfassung der Sowjetunion werden zugleich allen Bürgern ernste Verpflichtungen auferlegt: die Gesetze zu befolgen, die Arbeitsdisziplin zu wahren, ihren gesellschaftlichen Pflichten ehrlich nachzukommen, die Regeln des sozialistischen Gemeinschaftslebens zu achten, das sozialistische Eigentum zu hüten und zu festigen, das sozialistische Vaterland zu verteidigen.

Wovon die besten, fortgeschrittensten Geister der Menschheit Jahrhunderte hindurch träumten, das ist in der Verfassung der Sowjetunion, der Verfassung des siegreichen Sozialismus und der voll entfalteten sozialistischen Demokratie, zum unverbrüchlichen Gesetz geworden. Diese Verfassung wurde am 5. Dezember 1936 vom VIII. Sowjetkongress gebilligt und bestätigt. Die Völker der Sowjetunion nannten die neue Verfassung der UdSSR ihrem Schöpfer zu Ehren einmütig die Stalinsche Verfassung. Für die Werktätigen der Sowjetunion ist sie das Ergebnis der Kämpfe und Siege, für die Werktätigen aller kapitalistischen Länder das große Kampfprogramm. Sie verankerte die weltgeschichtliche Tatsache, dass die Sowjetunion in eine neue Entwicklungsphase eingetreten ist, in die Phase der Vollendung der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft und des allmählichen Übergangs zum Kommunismus. Sie wappnet die Werktätigen der ganzen Welt moralisch und politisch zum Kampf gegen die bürgerliche Reaktion. Sie zeigt, dass alles, was in der Sowjetunion verwirklicht worden ist, auch in den anderen Ländern verwirklicht werden kann.

Zur Kennzeichnung der internationalen Bedeutung der Verfassung der UdSSR sagte Genosse Stalin:

„Jetzt, da die trübe Welle des Faschismus die sozialistische Bewegung der Arbeiterklasse mit Schmutz bespritzt Und die demokratischen Bestrebungen der Besten der zivilisierten Welt in den Kot zieht, wird die neue Verfassung der UdSSR ein Anklageakt gegen den Faschismus sein und davon zeugen, dass Sozialismus und Demokratie unbesiegbar sind. Die neue Verfassung der UdSSR wird eine moralische Hilfe und eine reale Stütze für alle diejenigen sein, die jetzt den Kampf gegen die faschistische Barbarei führen.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 645.)

Die von der Partei errungenen Siege des Sozialismus versetzten die Volksfeinde in noch größere Raserei. Das Jahr 1937 brachte neue Enthüllungen über die Scheusale aus der bucharinschen-trotzkistischen Bande von Spionen, Schädlingen und Mördern im Dienste der Spionageorgane kapitalistischer Staaten. Die Gerichtsprozesse zeigten, dass dieser Abschaum der Menschheit bereits seit den ersten Tagen der Oktoberrevolution in einer Verschwörung gegen Lenin gestanden hatte, den sie zu verhaften beabsichtigten, in einer Verschwörung gegen die Partei, gegen den Sowjetstaat. Gemäß dem Willen ihrer imperialistischen Auftraggeber steckten sie sich das Ziel, die Partei und den Sowjetstaat zu zerstören, die Landesverteidigung zu untergraben, die auswärtige Intervention zu begünstigen, die Niederlage der Roten Armee vorzubereiten, die Sowjetunion zu zerstückeln, sie in eine Kolonie des Imperialismus zu verwandeln und in der Sowjetunion die kapitalistische Sklaverei wiederherzustellen. Die Partei und die Sowjetmacht vernichteten diese Wespennester der Volksfeinde. In seinem Referat auf dem Plenum des Zentralkomitees im März 1937, „Über die Mängel der Parteiarbeit“, gab Stalin ein klares Programm für die Verstärkung der Partei- und Sowjetorgane, ein Programm von Maßnahmen zur Erhöhung der politischen Wachsamkeit und stellte die Losung auf, „den Bolschewismus zu meistern“. Stalin wappnete die Partei für den Kampf gegen die Volksfeinde und lehrte sie, ihnen die Maske herunterzureißen.

Das Sowjetgericht deckte ihre Verbrechen auf und verurteilte die trotzkistisch-bucharinschen Scheusale zur Erschießung. Das Sowjetvolk billigte die Vernichtung der trotzkistisch-bucharinschen Bande und ging zur Tagesordnung über, zur Vorbereitung der Wahlen in den Obersten Sowjet der UdSSR. Unter Führung des Zentralkomitees und des Genossen Stalin entfaltete die Partei die Vorbereitungsarbeit zu den Wahlen in vollem Umfang. Die Einführung der neuen Verfassung  bedeutete eine Wendung im politischen Leben des Landes, die weitere Demokratisierung seines gesamten politischen Lebens. Das neue Wahlsystem führte zu einer Verstärkung der politischen Aktivität der Massen sowie ihrer Kontrolle über die Organe der Sowjetmacht, zur Verstärkung der Verantwortlichkeit der Organe der Sowjetmacht vor dem Volke. Unter Führung des Zentralkomitees, unter Führung Stalins vollzog die Partei eine Umstellung der Formen ihrer Arbeit entsprechend den neuen Aufgaben, im Geiste der Entfaltung der innerparteilichen Demokratie, der Festigung der Grundsätze des demokratischen Zentralismus, der Förderung der Kritik und Selbstkritik, der Verstärkung der Verantwortlichkeit der Parteiorgane vor den Parteimassen. Zur Hauptachse der Wahlkampagne machte die Partei die Stalinsche Idee des Blocks der Kommunisten und Parteilosen.

Am 11. Dezember 1937, am Vorabend der Wahlen, hielt Stalin in seinem Wahlbezirk eine Rede. In dieser Rede zeigte er den grundsätzlichen Unterschied zwischen den wirklich freien, wirklich demokratischen Wahlen in der Sowjetunion und den Wahlen in den kapitalistischen Ländern, wo das Volk von den Ausbeuterklassen niedergehalten wird. Bei uns in der Sowjetunion sind die Ausbeuterklassen liquidiert, der Sozialismus ist bereits ins Alltagsleben eingegangen, und auf dieser Grundlage gehen die Wahlen vor sich. Stalin gab ferner die Definition, welcher Art Politiker die Erwählten des Volkes, die Deputierten des Obersten Sowjets sein sollen. Das Volk muss fordern, dass sie Politiker von Leninschem Typus seien, dass sie von ebensolcher Klarheit und Bestimmtheit, ebenso furchtlos im Kampfe, frei von jeder Spur einer Panik, schonungslos gegen die Feinde des Volkes, weise und bedachtsam bei der Entscheidung komplizierter politischer Fragen seien, bei der allseitige Orientierung nötig ist, dass sie ebenso wahrhaft seien, wie Lenin es war, dass sie ihr Volk ebenso lieben, wie Lenin es liebte.

Das ganze Land lauschte der Rede seines weisen und genialen Führers. Seine Worte prägten sich tief dem Bewusstsein der Werktätigen ein. Die Rede Stalins bestimmte die Prinzipien der Tätigkeit der Erwählten des Volkes, sie begeisterte das Volk und schweißte den Block der Kommunisten und Parteilosen noch fester zusammen.

Am 12. Dezember fanden die Wahlen zum Obersten Sowjet der UdSSR statt. Sie wurden zu einem allgemeinen Festtag, zu einem Triumph für das ganze Sowjetvolk. Von den 94 Millionen Wählern nahmen mehr als 91 Millionen an den Wahlen teil (96,8 Prozent); 90 Millionen Menschen bekräftigten durch ihre einmütige Stimmabgabe für die Kandidaten des Blocks der Kommunisten und Parteilosen den Sieg des Sozialismus. Das war ein herrlicher Sieg des Stalinschen Blocks der Kommunisten und Parteilosen, ein Triumph der Partei Lenins-Stalins, ein Triumph der Lenin-Stalinschen Parteiführung.

Die moralisch-politische Einheit des Sowjetvolkes fand hier ihre glänzende Bestätigung. Stalin ist der erste Erwählte des Volkes, der erste Deputierte des Obersten Sowjets der UdSSR. Die in gigantischem Maße gestiegene Aktivität der Massen und die gewaltigen Aufgaben des weiteren sozialistischen Aufbaus stellten die Frage der ideologischen und politischen Schulung unserer Kader auf neue Art. Genosse Stalin stellte in einer Reihe seiner Reden mit allem Nachdruck unsere Kader vor die Aufgabe der Meisterung des Bolschewismus. Er wies darauf hin, dass wir alle Mittel und Möglichkeiten haben, die notwendig sind, um unsere Kader ideologisch zu schulen und politisch zu stählen, und dass davon zu neun Zehnteln die Lösung aller unserer praktischen Aufgaben abhänge.

1938 erschien das Buch „Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki), Kurzer Lehrgang“, das von Stalin verfasst und von einer Kommission des Zentralkomitees der KPdSU(B) bestätigt wurde.

Das Erscheinen dieses Buches wurde zu einem der größten Ereignisse im ideologischen Leben der bolschewistischen Partei. Die Partei erhielt eine neue mächtige ideologische Waffe des Bolschewismus, eine wahre Enzyklopädie des Grundwissens auf dem Gebiet des Marxismus-Leninismus. Mit Stalinscher Klarheit und Tiefgründigkeit wird in diesem Buch die gigantische historische Erfahrung der kommunistischen Partei dargelegt und verallgemeinert, eine Erfahrung, wie sie keine einzige Partei der Welt je aufzuweisen hatte. In dem „Kurzen Lehrgang der Geschichte der KPdSU(B)“ wird die Weiterentwicklung des Marxismus unter den neuen Bedingungen des Klassenkampfes des Proletariats dargestellt, des Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolutionen, des Marxismus der Epoche des Sieges des Sozialismus auf einem Sechstel der Erde. Dieses Buch wurde in kurzer Frist in einer riesigen Auflage abgesetzt. „Man kann mit Bestimmtheit sagen“, heißt es in der Rede des Genossen Shdanow auf dem XVIII. Parteitag, „dass dies seit Bestehen des Marxismus das erste marxistische Buch ist, das so weite Verbreitung gefunden hat.“

Der „Kurze Lehrgang der Geschichte der KPdSU(B)“ bringt im Abschnitt „Über dialektischen und historischen Materialismus“ in äußerst klarer und gedrängter Form eine geniale Darstellung der Grundlagen des dialektischen und historischen Materialismus. In dieser Arbeit gibt Genosse Stalin eine Verallgemeinerung all dessen, was Marx, Engels und Lenin zur Lehre der dialektischen Methode und der materialistischen Theorie beigetragen haben, und entwickelt die Lehre des dialektischen und historischen Materialismus auf Grund der neuesten Errungenschaften der Wissenschaft und der revolutionären Praxis.

Genosse Stalin entwickelt den dialektischen Materialismus als theoretische Grundlage des Kommunismus, als Weltanschauung der marxistisch-leninistischen Partei, als ideologische Waffe der Arbeiterklasse in ihrem Kampf für die Eroberung der Diktatur des Proletariats und die Errichtung des Kommunismus. Mit besonderer Kraft wird in dieser Arbeit der innere Zusammenhang aufgezeigt, der zwischen der Philosophie des Marxismus-Leninismus und der praktischen revolutionären Tätigkeit der bolschewistischen Partei besteht. Um in der Politik nicht fehlzugehen, lehrt Genosse Stalin, muss man sich von den Grundsätzen der marxistischen dialektischen Methode leiten lassen, muss man die Gesetze der geschichtlichen Entwicklung kennen.

Die Arbeit J. W. Stalins „Über dialektischen und historischen Materialismus“, von einem unübertrefflichen Meister der marxistisch-dialektischen Methode geschrieben, verallgemeinert die gigantische, praktische und theoretische Erfahrung des Bolschewismus, sie erhebt den dialektischen Materialismus auf eine neue, höhere Stufe und bildet einen wahren Gipfel des marxistisch-leninistischen philosophischen Denkens. Im März 1939 leitet Stalin die Arbeiten des XVIII. Parteitags. Der Parteitag wurde zur machtvollen Demonstration einer noch nie gesehenen Einheit und Geschlossenheit der gesamten Partei, ihres Zusammenschlusses um das Lenin-Stalinsche Zentralkomitee. In seinem Rechenschaftsbericht gab Stalin eine tiefgründige Analyse der internationalen Lage der Sowjetunion und entlarvte die Pläne der Brandstifter des Krieges und der Intervention gegen die Sowjetunion. Seit dem XVII. Parteitag waren fünf Jahre verflossen. Für die kapitalistischen Länder war dies eine Periode ernstester Erschütterungen sowohl auf dem Gebiet der Wirtschaft als auch auf dem Gebiet der Politik. Auf die Wirtschaftskrise von 1929- 1932 und die Depression besonderer Art folgte seit der zweiten Hälfte 1937 eine neue Wirtschaftskrise, die die Vereinigten Staaten von Amerika, England, Frankreich und eine Reihe anderer kapitalistischer Länder erfasste. Die internationale Lage verschärfte sich bis zum äußersten, das Nachkriegssystem der Friedensverträge brach zusammen, es begann ein neuer Krieg, der zweite Weltkrieg.

Der neue Krieg wurde von den beiden aggressivsten imperialistischen Staaten, von Deutschland und Japan, entfesselt. Genosse Stalin wies darauf hin, dass dieser Krieg mehr als 500 Millionen Menschen in seinen Bannkreis gezogen, dass er seine Aktionssphäre auf das gewaltige Gebiet von Tientsin, Schanghai und Kanton, über Abessinien bis Gibraltar ausgedehnt hat. Der Krieg beeinträchtigte immer mehr die Interessen der nichtaggressiven Staaten, vor allem Englands, Frankreichs, der USA. Doch die Regierungen dieser Länder setzten den Aggressoren nicht den erforderlichen Widerstand entgegen. Sie sagten sich von der Politik der kollektiven Sicherheit los und bezogen die Position der „Neutralität“, die Position der Nichteinmischung. Die Nichteinmischungspolitik bedeutete eine Begünstigung der Aggression, die Entfesselung des Weltkrieges. Die Inspiratoren des berüchtigten „Münchner Abkommens“, die Staatslenker Englands und Frankreichs, Chamberlain und Daladier, wollten die Aggression des deutschen Faschismus gegen Osten lenken, gegen die Sowjetunion.

Genosse Stalin entlarvte die gegen die UdSSR gerichteten Machenschaften der Kriegsbrandstifter, die behaupteten, die Münchner Zugeständnisse an die Aggressoren und das Münchner Abkommen über die Nichteinmischung wären der Beginn einer neuen Ära der „Befriedung“. Genosse Stalin warnte, „dass das große und gefährliche politische Spiel, das die Anhänger der Nichteinmischungspolitik begonnen haben, für sie mit einem ernsten Fiasko enden kann“. (Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 690.)

Mit außerordentlicher Klarheit zeigte Genosse Stalin der Partei und dem Sowjetvolke, wie kompliziert und gefahrdrohend sich zu jenem Zeitpunkte die internationale Lage gestaltet hatte, und legte die Prinzipien der sowjetischen Außenpolitik dar. Er sagte: „Die Aufgaben der Partei auf dem Gebiet der Außenpolitik bestehen in folgendem: 1. auch in Zukunft eine Politik des Friedens und der Festigung sachlicher Beziehungen mit allen Ländern zu betreiben;

2. Vorsicht zu beobachten und den Kriegsprovokateuren, die es gewohnt sind, sich von anderen die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen, nicht die Möglichkeit zu geben, unser Land in Konflikte hineinzuziehen;

3. die Kampfkraft unserer Roten Armee und unserer Roten Kriegsmarine mit allen Mitteln zu stärken;

4. die internationalen Freundschaftsbeziehungen mit den Werktätigen aller Länder, die am Frieden und an der Freundschaft zwischen den Völkern interessiert sind, zu festigen.“ (Ebenda, S. 692.)

Genosse Stalin kennzeichnete die Errungenschaften und Erfolge des Sozialismus, das Wachstum der sozialistischen Wirtschaft, die Hebung des materiellen und kulturellen Niveaus des Volkes, die weitere Festigung der Sowjetordnung und stellte der Partei und dem ganzen Sowjetvolke eine neue große historische Aufgabe: im Laufe der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre die wichtigsten kapitalistischen Länder ökonomisch, d. h. hinsichtlich der erzeugten Menge von Industrieprodukten, pro Kopf der Bevölkerung gerechnet, einzuholen und zu überholen.

„Wir haben“, sagte Genosse Stalin, „die wichtigsten kapitalistischen Länder in der Produktionstechnik und im Entwicklungstempo der Industrie überholt. Das ist sehr gut. Das genügt aber nicht. Man muss sie auch in ökonomischer Hinsicht überholen. Wir können das tun, und wir müssen das tun. Nur dann, wenn wir die wichtigsten kapitalistischen Länder ökonomisch überholt haben, können wir darauf rechnen, dass unser Land mit Bedarfsgegenständen vollauf gesättigt sein wird, dass wir einen Überfluss an Produkten haben und die Möglichkeit erhalten werden, den Übergang von der ersten Phase des Kommunismus zu seiner zweiten Phase zu vollziehen.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 697.)

Als eine der zentralen Aufgaben der Partei entwickelte Genosse Stalin in seinem Bericht ein ganzes wissenschaftlich begründetes bolschewistisches Arbeitsprogramm zur Heranbildung, Erziehung, Auslese, Beförderung und Kontrolle der Kader.

Genosse Stalin umriss den Weg, den die Partei in der Periode zwischen dem XVII. und dem XVIII. Parteitag zurückgelegt hatte, und sagte: „Das Hauptergebnis besteht darin, dass die Arbeiterklasse unseres Landes durch die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und die Verankerung des sozialistischen Systems die Richtigkeit ihrer Sache der ganzen Welt bewiesen hat. Darin liegt das Hauptergebnis, da es den Glauben an die Kraft der Arbeiterklasse und an die Unvermeidlichkeit ihres endgültigen Sieges festigt.“ (Ebenda, S. 732.)

Stalins Bericht auf dem XVIII. Parteitag der KPdSU(B) ist ein programmatisches Dokument des Kommunismus, ein weiterer Schritt vorwärts in der Entwicklung der marxistischleninistischen Theorie. Stalin hat die Leninsche Theorie der sozialistischen Revolution weiterentwickelt. Er konkretisierte die Theorie von der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in einem Lande und gelangte zur Schlussfolgerung, dass die Errichtung des Kommunismus in unserem Lande auch dann möglich ist, wenn die kapitalistische Umkreisung bestehen bleibt. Diese Schlussfolgerung des Genossen Stalin bereichert den Leninismus, rüstet die Arbeiterklasse mit einer neuen ideologischen Waffe aus, eröffnet der Partei die gewaltige Perspektive des Kampfes für den Sieg des Kommunismus, bringt die marxistisch-leninistische Theorie voran.

Lenin schrieb sein berühmtes Werk „Staat und Revolution“ im August 1917, d. h. wenige Monate vor der Oktoberrevolution und der Errichtung des Sowjetstaates. Lenin verteidigte in diesem Buch Marx’ und Engels’ Lehre vom Staat gegen die Entstellung und Verflachung durch die Opportunisten. Lenin beabsichtigte, einen zweiten Teil von „Staat und Revolution“< zu schreiben, in dem er die Hauptlehren aus den Erfahrungen der russischen Revolutionen von 1905 und 1917 ziehen wollte. Doch hinderte ihn der Tod an der Erfüllung dieser Aufgabe. Aber was Lenin auf dem Gebiete der Staatstheorie nicht mehr zu vollbringen vermochte, das vollbrachte Stalin!

Gestützt auf die gigantische Erfahrung des mehr als zwanzigjährigen Bestehens des sozialistischen Sowjetstaates unter den Bedingungen der kapitalistischen Umwelt, schuf Genosse Stalin eine einheitliche und geschlossene Lehre vom sozialistischen Staat. Stalin gab eine umfassende Analyse der Entwicklungsetappen des sozialistischen Staates, der Veränderungen in seinen Funktionen im Zusammenhang mit den Veränderungen in den Verhältnissen, verallgemeinerte die gesamte Erfahrung des Aufbaus des Sowjetstaates und kam zu der Schlussfolgerung, dass der Staat unter dem Kommunismus in dem Falle erhalten bleiben muss, wenn die kapitalistische Umwelt fortbestehen wird. Stalin unterstrich mit aller Schärfe die ungeheure Wichtigkeit und Bedeutung der Parteipropaganda und der marxistisch-leninistischen Erziehung der Funktionäre des Parteiapparats, der Funktionäre der Komsomolorganisationen, der Gewerkschaften, der Handels-, Genossenschafts-, Wirtschafts-, Sowjet-, Bildungs-, Militär- und sonstigen Organisationen. Er sagte: „Wenn die marxistisch-leninistische Erziehung unserer Kader zu verkümmern beginnt, wenn unsere Arbeit zur Hebung des politischen und theoretischen Niveaus dieser Kader nachlässt und die Kader selber im Zusammenhang damit aufhören, sich für die Perspektive unseres Vormarsches zu interessieren, wenn sie aufhören zu begreifen, dass unsere Sache die einzig gerechte Sache ist, und sich in engstirnige Praktiker ohne Perspektive verwandeln, die die Weisungen von oben blind und mechanisch befolgen, dann muss unsere gesamte Staats- und Parteiarbeit unbedingt verkümmern. Es muss als Axiom gelten: je höher das politische Niveau und je bewusster die marxistisch-leninistische Einstellung der Funktionäre des betreffenden Zweiges der Staats- und Parteiarbeit, um so höher steht die Arbeit, um so fruchtbringender ist sie, um so wirksamer ihre Resultate, und umgekehrt: je niedriger das politische Niveau und je weniger bewusst die marxistisch-leninistische Einstellung der Funktionäre, um so wahrscheinlicher sind Versagen und Fehlschläge in der Arbeit, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Funktionäre selber verflachen und zu kleinlichen Wichtigtuern werden, um so wahrscheinlicher ist es, dass sie entarten. Man kann mit Gewissheit sagen: wenn wir es verstünden, unsere Kader in allen Zweigen der Arbeit ideologisch zu rüsten und sie in solchem Maße politisch zu stählen, dass sie sich in der inneren und internationalen Situation frei orientieren können, wenn wir es verstünden, sie zu völlig reifen Marxisten-Leninisten zu machen, fähig, die Frage der Leitung des Landes ohne ernsthafte Fehler zu unterscheiden, so würden wir allen Grund haben, neun Zehntel aller unserer Fragen als bereits gelöst zu betrachten. Und diese Aufgabe können wir unbedingt lösen, denn wir haben alle Mittel und Möglichkeiten, die notwendig sind, um sie zu lösen.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 718/19.)

Stalin sagte ferner: „Es gibt aber einen Zweig der Wissenschaft, dessen Beherrschung für die Bolschewiki aller Zweige der Wissenschaft obligatorisch sein muss. Das ist die marxistischleninistische Wissenschaft von der Gesellschaft, von den Entwicklungsgesetzen der Gesellschaft, von den Entwicklungsgesetzen der proletarischen Revolution, von den Entwicklungsgesetzen des sozialistischen Aufbaus, vom Siege des Kommunismus. Denn man kann doch einen Menschen, der sich Leninist nennt, sich aber in seinem Spezialfach, zum Beispiel Mathematik, Botanik oder Chemie, abkapselt und über sein Spezialfach hinaus nichts weiter sieht, nicht für einen wirklichen Leninisten halten. Ein Leninist soll nicht bloß Spezialist auf dem von ihm bevorzugten wissenschaftlichen Gebiete sein, er muss zugleich auch ein politisch und gesellschaftlich aktiver Mensch sein, der sich für das Schicksal seines Landes lebhaft interessiert, der in den Entwicklungsgesetzen der Gesellschaft bewandert ist, der es versteht, von diesen Gesetzen Gebrauch zu machen, und bestrebt ist, aktiver Teilnehmer an der politischen Leitung des Landes zu sein. Das bedeutet natürlich für die Spezialisten unter den Bolschewiki eine zusätzliche Arbeit. Doch ist das eine Arbeit, die hundertfach Früchte trägt.

Die Aufgabe der Parteipropaganda, die Aufgabe der marxistisch-leninistischen Erziehung der Kader besteht darin, unseren Kadern in allen Arbeitszweigen behilflich zu sein, sich die marxistisch-leninistische Wissenschaft von den Entwicklungsgesetzen der Gesellschaft anzueignen.“ (Ebenda S. 719/20.)

Der Bericht des Genossen Stalin auf dem XVIII. Parteitag der KPdSU(B) ist das Programm der Vollendung der Errichtung der klassenlosen sozialistischen Gesellschaft und des allmählichen Überganges vom Sozialismus zum Kommunismus. Der Parteitag der Bolschewiki billigte einmütig den Rechenschaftsbericht des Führers der Partei und bestätigte diesen Bericht als Direktive, als Gesetz für die gesamte Tätigkeit der Partei.

Der Bericht des Genossen Stalin auf dem XVIII. Parteitag der KPdSU(B) ist ein glänzendes Beispiel der marxistisch-leninistischen wissenschaftlichen Voraussicht auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen. Die weisen Stalinschen Richtlinien über die Aufgaben unserer Außenpolitik, die Stalinsche Kunst der Führung sicherten der Außenpolitik der Sowjetunion gewaltige Siege, erhöhten noch mehr die Bedeutung der Sowjetunion als eines bedeutsamen internationalen Machtfaktors, der die internationale Lage zu beeinflussen und sie im Interesse der Werktätigen zu verändern vermag. Von den Weisungen des Genossen Stalin geleitet, durchkreuzte die Sowjetregierung die heimtückischen Pläne der Kriegsbrandstifter, die es lieben, sich von anderen die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen, und sicherte den Völkern der Sowjetunion die friedliche Arbeit. Durch den Abschluss der Beistandspakte mit den baltischen Staaten hat die Sowjetunion die Verteidigungspositionen des Landes des Sozialismus unermesslich verstärkt und ihre internationale Stellung gefestigt.

Die Sowjetregierung war bestrebt, einer weiteren Entfesselung des Krieges vorzubeugen, und kämpfte für die Verwirklichung einer Politik der kollektiven Sicherheit. Aber diese Politik fand keine Unterstützung bei den regierenden Kreisen Englands und Frankreichs. Die Münchner Nichteinmischungspolitik ist den nichtaggressiven Ländern teuer zu stehen gekommen. Schon im März 1939 bemächtigte sich Hitlerdeutschland der Tschechoslowakei bei Vorschubleistung durch die englisch-französische Diplomatie. Bald darauf begann der Angriff der deutschen Aggressoren auf die Länder Osteuropas. Auch das imperialistische Japan, Deutschlands Verbündeter im Fernen Osten, wurde aktiver. Im Mai 1939 unternahm Japan mehrere provokatorische Ausfälle an der Grenze der Mongolischen Volksrepublik, doch im Raume von Halchyn Gol wurden die japanisch-mandschurischen Truppen von den Verbänden der Roten Armee aufs Haupt geschlagen. Die englisch-französische Diplomatie trieb damals der UdSSR gegenüber eine unehrliche Politik. Sie verzögerte auf jegliche Weise die Verhandlungen mit der Sowjetunion über die Organisierung der kollektiven Abwehr gegen einen etwaigen Aggressor, indem sie der Sowjetunion offenkundig unannehmbare Bedingungen für den Abschluss eines Abkommens vorschlug.

Da die Regierung der UdSSR sah, dass die Regierungen Englands und Frankreichs mit der Sowjetunion im Kampfe um den Frieden nicht zusammenzuarbeiten wünschten, musste sie Schritte unternehmen, um für die Sicherheit unseres Landes zu sorgen.

Im August 1939 schloss die Sowjetregierung den Nichtangriffspakt mit Deutschland. Dieser Vertrag berührte, wie Genosse Stalin später vermerkte, weder direkt noch indirekt die territoriale Integrität, die Unabhängigkeit und die Ehre unseres Staates. Aber er sicherte dem Sowjetlande für den nächsten Zeitabschnitt den Frieden und bot ihm die Möglichkeit, seine Kräfte zur Abwehr vorzubereiten für den Fall, dass die Sowjetunion angegriffen werden sollte. Auf Grund der Weisungen Stalins, dass es notwendig ist, das Land für den Fall eines bewaffneten Überfalls in Mobilisierungsbereitschaft zu halten, hatte die bolschewistische Partei lange Zeit hindurch konsequent und unentwegt die Sowjetunion in jeder Hinsicht zur aktiven Verteidigung vorbereitet. Dank der in den Stalinschen Planjahrfünften verwirklichten Sowjetpolitik der Industrialisierung des Landes und der Kollektivierung der Landwirtschaft, war die machtvolle ökonomische Basis geschaffen worden, die zur aktiven Verteidigung unseres Staates ausgenutzt werden konnte. Diese Politik der Partei ermöglichte es, in unserem Lande in genügender Menge Metall für die Erzeugung von Waffen, Ausrüstungsgegenständen und Betriebseinrichtungen zu gewinnen, ebenso Brennstoff für die Aufrechterhaltung der Arbeit der Betriebe und des Verkehrswesens, Baumwolle für die Einkleidung und Getreide für die Versorgung der Armee. Dank der Politik der Industrialisierung des Landes und der Kollektivierung der Landwirtschaft wurden in der Sowjetunion im Jahre 1940 erzeugt: 15 Millionen Tonnen Roheisen, d. i. fast viermal soviel wie im zaristischen Rußland im Jahre 1913; 18,3 Millionen Tonnen Stahl, d. i. viereinhalbmal soviel wie im Jahre 1913; 166 Millionen Tonnen Kohle, d. i. fünfeinhalbmal soviel wie im Jahre 1913; 31 Millionen Tonnen Erdöl, d. i. dreieinhalbmal soviel wie im Jahre 1913; 38,3 Millionen Tonnen Marktgetreide, d. i. um 17 Millionen Tonnen mehr als 1913; 2,7 Millionen Tonnen Rohbaumwolle, d. i. dreieinhalbmal soviel wie 1913.

„Ein derartiges beispielloses Anwachsen der Produktion“, sagte Genosse Stalin, „kann man nicht als eine einfache und gewöhnliche Entwicklung des Landes von der Rückständigkeit zum Fortschritt betrachten. Das war ein Sprung, durch den unser Heimatland aus einem rückständigen Lande zu einem fortschrittlichen, aus einem Agrarland zu einem Industrieland wurde.“ (J. Stalin, Rede in der Wählerversammlung des Stalin-Wahlbezirks der Stadt Moskau am 9. Februar 1946, S. 15.)

Im Herbst 1939 wurden auf Initiative des Genossen Stalin unsere blutsverwandten Brüder, die Völker der Westukraine und des westlichen Bjelorußlands, vom Joche der polnischen Gutsbesitzer befreit. Diese Völker gliederten sich ein in die einheitliche brüderliche Familie der freien Völker der UdSSR. Später wurden auch die baltischen Sowjetrepubliken Litauen, Lettland und Estland wieder in die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken eingereiht.

Am 20. Dezember 1939 wurde J. W. Stalin durch Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, anlässlich seines 6o. Geburtstages und in Würdigung seiner außerordentlichen Verdienste um die Organisierung der bolschewistischen Partei, die Schaffung des Sowjetstaates, den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft in der UdSSR und die Festigung der Freundschaft zwischen den Völkern der Sowjetunion, der Titel eines Helden der sozialistischen Arbeit verliehen.

Am 22. Dezember 1939 wurde Genosse Stalin zum Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR gewählt. Vom 15. bis zum 20. Februar 1941 tagte die XVIII. Unionskonferenz der KPdSU(B). Die Konferenz behandelte die Aufgaben der Parteiorganisation auf dem Gebiete der Industrie und des Verkehrswesens, die Wirtschaftsergebnisse des Jahres 1940, den Entwicklungsplan der Volkswirtschaft der UdSSR für das Jahr 1941 sowie auch organisatorische Fragen.

Den Weisungen des Genossen Stalin folgend, verlief die Konferenz im Zeichen der weiteren Verstärkung der Verteidigungsmacht des Sowjetlandes. Auf Initiative des Genossen Stalin beauftragten das Zentralkomitee der KPdSU (B) und die Sowjetregierung auf Grund der Beschlüsse des XVIII. Parteitages der KPdSU(B) die Staatliche Plankommission, mit der Ausarbeitung des Generalwirtschaftsplans der UdSSR für 15 Jahre zu beginnen. Dieser Plan trug der Aufgabe Rechnung, die wichtigsten kapitalistischen Länder in ökonomischer Hinsicht zu überflügeln, d. h. in Bezug auf die Produktion von Roheisen, Stahl, Brennstoff, elektrischer Energie, Maschinen und anderen Produktionsmitteln und Bedarfsartikeln pro Kopf der Bevölkerung.

Am 6. Mai 1941 wurde J. W. Stalin durch Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR zum Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der UdSSR ernannt.

Unter Führung des großen Stalin schritt das Sowjetvolk vorwärts zu neuen Siegen, vorwärts zum Kommunismus. Doch im Juni 1941 hat der Krieg infolge des deutschen Überfalls auf die UdSSR die friedliche schöpferische Arbeit des Sowjetvolkes jäh unterbrochen.

XI

AM 22. Juni 1941 hat das imperialistische Hitlerdeutschland den Nichtangriffspakt brutal verletzt und wortbrüchig einen überraschenden Überfall auf die Sowjetunion unternommen. Der Krieg bildete einen Wendepunkt in der Entwicklung des Sowjetlandes. Die Periode des friedlichen Aufbaus war zu Ende. Es begann die Periode des Vaterländischen Befreiungskrieges des Sowjetvolkes gegen die deutschen Eindringlinge. Zwecks rascher Mobilisierung aller Kräfte der Völker der UdSSR zur Abwehr des Feindes wurde auf Beschluss des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, des Zentralkomitees der KPdSU(B) und des Rates der Volkskommissare der UdSSR am 30. Juni 1941 das Staatliche Verteidigungskomitee gebildet, in dessen Hand sich die ganze Machtfülle des Staates konzentrierte. Zum Vorsitzenden des Staatlichen Verteidigungskomitees wurde Josef Wissarionowitsch Stalin ernannt.

Der Führer und Lehrer der Werktätigen, Genosse Stalin, trat an die Spitze der Streitkräfte der UdSSR, übernahm die Führung des Kampfes des Sowjetvolkes gegen den schlimmsten und tückischen Feind, den deutschen Faschismus.

Hitlerdeutschland begann seinen räuberischen Eroberungskrieg gegen die UdSSR unter Bedingungen, die für Deutschland günstig waren. Die Hitlerarmee war bereits völlig mobilisiert und hatte während der Kämpfe in Westeuropa Kriegserfahrungen gesammelt. 170 deutsche Divisionen, mit tausenden Panzern und Flugzeugen ausgerüstet, waren an den Grenzen der UdSSR aufmarschiert und wurden überraschend gegen die Sowjetunion geworfen. Die Streitkräfte der friedliebenden Sowjetunion waren in der ersten Zeit des Krieges in einer ungünstigen Lage. Unter dem Druck der zahlenmäßig überlegenen Kräfte und technischen Kampfmittel des Feindes, dem die Vorteile des überraschenden Überfalls zugute kamen, war die Sowjetarmee gezwungen, sich unter Kämpfen in das Landesinnere zurückzuziehen.

In den ersten zehn Kriegstagen gelang es den Hitlertruppen, Litauen, einen bedeutenden Teil Lettlands, den westlichen Teil Bjelorußlands und einen Teil der Westukraine zu besetzen. Die Sowjetunion schwebte in ernster Gefahr.

Am 3. Juli 1941 hielt Genosse Stalin eine Rundfunkansprache an das Sowjetvolk, an die Kämpfer der Roten Armee und der Kriegsmarine. In dieser historischen Rede gab Genosse Stalin eine tiefgründige Analyse der vor sich gehenden Ereignisse und bestimmte die Aufgaben der Armee und des Volkes bei der Verteidigung des sozialistischen Vaterlandes. Genosse Stalin berichtete die raue Wahrheit über die entstandene Kriegslage und rief die Sowjetbevölkerung auf, die ganze Größe der dem Heimatlande drohenden Gefahr zu begreifen und die Stimmungen des friedlichen Aufbaus aufzugeben. Genosse Stalin wies darauf hin, dass die Sowjetmenschen im Kampf keine Milde, Sorglosigkeit und Furcht an den Tag legen dürfen, dass für Miesmacher, Panikmacher und Deserteure kein Platz sein darf. Genosse Stalin zeigte auf, für welches Kriegsziel Hitlerdeutschland diesen Krieg gegen die Sowjetunion entfesselt hat: „Der Feind ist grausam endunerbittlich. Er setzt sich das Ziel, unseren Boden, der mit unserem Schweiß getränkt ist, zu okkupieren, unser Getreide, unser Erdöl, die Früchte unserer Arbeit, an sich zu reißen. Er setzt sich das Ziel, die Macht der Gutsbesitzer wiederaufzurichten, den Zarismus wiederherzustellen, die nationale Kultur und die nationale Eigenstaatlichkeit der Russen, Ukrainer, Bjelorussen, Litauer, Letten, Esten, Usbeken, Tataren, Moldauer, Georgier, Armenier, Aserbaidshaner und der anderen freien Völker der Sowjetunion zu vernichten, sie zu germanisieren, sie zu Sklaven der deutschen Fürsten und Barone zu machen. Es geht also um Leben oder Tod des Sowjetstaates, um Leben oder Tod der Völker der Sowjetunion; es geht darum, ob die Völker der Sowjetunion frei sein oder in Versklavung geraten sollen.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 9/10.)

Bei Festlegung der Kriegsziele der Sowjetunion im Kampfe gegen das faschistische Deutschland wies Genosse Stalin darauf hin, dass dieser Krieg der große Krieg des ganzen Sowjetvolkes gegen die faschistischen deutschen Truppen ist. Ziel dieses Vaterländischen Volkskrieges ist nicht nur die Beseitigung der über unser Land heraufgezogenen Gefahr, sondern auch die Hilfeleistung an alle Völker Europas, die unter dem Joch des deutschen Faschismus stöhnen.

Genosse Stalin sagte prophetisch voraus, dass das Sowjetvolk in diesem Befreiungskrieg nicht allein stehen wird. „Unser Krieg für die Freiheit unseres Vaterlandes wird verschmelzen mit dem Kampf der Völker Europas und Amerikas für ihre Unabhängigkeit, für die demokratischen Freiheiten. Das wird die Einheitsfront der Völker sein, die für die Freiheit, gegen die Versklavung und gegen die drohende Versklavung durch die faschistischen Armeen Hitlers eintreten.“ (Ebenda S. 13.)

Diese Vorhersage des Genossen Stalin bestätigte sich vollauf. Am 12. Juli 1941 schloss England mit der UdSSR das „Abkommen über ein gemeinsames Vorgehen im Kampfe gegen Deutschland“. Später (Juni 1942) unterzeichneten die Vereinigten Staaten Amerikas und die UdSSR das „Abkommen über die Grundlagen der gegenseitigen Hilfe in der Kriegführung gegen die Aggression“. Es bildete sich die englisch-sowjetisch-amerikanische Koalition, die sich die Zerschlagung der italienisch-deutschen Koalition zum Ziele setzte.

Genosse Stalin rief das Sowjetvolk auf, die ganze Arbeit auf den Krieg umzustellen und alles den Interessen der Front unterzuordnen, der Aufgabe, die darin bestand, die Zerschmetterung des Feindes zu organisieren. Die Rote Armee und Flotte und alle Sowjetbürger müssen jeden Fußbreit Sowjetbodens verteidigen, müssen bis zum letzten Blutstropfen um jede Stadt und jedes Dorf kämpfen. Genosse Stalin wies darauf hin, dass es notwendig ist, die allseitige Unterstützung der Roten Armee zu organisieren, ihr Hinterland zu festigen, die Armee mit Waffen, Munition und Verpflegung zu versorgen.

Genosse Stalin gab die Anweisung, dass bei einem erzwungenen Rückzug von Truppenteilen der Roten Armee keine einzige Lokomotive, kein einziger Eisenbahnwagen, kein Kilogramm Getreide, kein Liter Treibstoff dem Feinde überlassen werde. Genosse Stalin rief auf zur Organisierung von Partisanenabteilungen und zur Verschmelzung des Partisanenkrieges im Rücken des Feindes mit den Kampfhandlungen der Roten Armee. „Alle Kräfte des Volkes für die Zerschmetterung des Feindes! Vorwärts zum Sieg!“ sagte Genosse Stalin.

Auf den Ruf der Partei erhoben sich alle Völker der Sowjetunion zur Verteidigung des Heimatlandes.

Rasch und energisch wurde die ganze Volkswirtschaft, die Arbeit aller Partei-, Staats- und gesellschaftlichen Organisationen auf den Krieg, auf die Versorgung der Front umgestellt. Die Front und das Hinterland verwandelten sich in ein einheitliches, unteilbares Kampflager. Mehr als je zuvor sammelte und vereinigte sich das Sowjetvolk um die bolschewistische Partei und Regierung.

In kurzer Frist wurde die ganze Industrie auf die Produktion für die Bedürfnisse der Verteidigung umgestellt. Tausende Industrieunternehmen wurden aus den vom Feinde bedrohten Gebieten ins Hinterland evakuiert und setzten dort ihre Arbeit fort. In den Ostgebieten des Landes ging erfolgreich der Bau neuer Industriebetriebe für die Landesverteidigung vor sich. Neue Verstärkungen strömten in die Reihen der Roten Armee. In den Städten und Landesteilen in unmittelbarer Nähe der Frontzone wurde die Volkswehr organisiert. Auf den Sowjetterritorien, die zeitweilig vom Feinde besetzt waren, begann gleich in den ersten Kriegstagen die Tätigkeit der heldenmütigen Sowjetpartisanen, der Rächer des Volkes.

Am 19. Juli 1941 ernannte das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR J. W. Stalin zum Volkskommissar für Verteidigung der Union der SSR. Genosse Stalin leistete eine gewaltige Arbeit zur Festigung der Streitkräfte der Sowjetunion. Unter Führung des Genossen Stalin realisierte die Sowjetarmee die Taktik der aktiven Verteidigung mit dem Ziele, den Gegner zu zermürben, sein Menschen-material und seine technischen Kampfmittel in möglichst großem Maße zu vernichten und die Bedingungen für den Übergang zur Offensive vorzubereiten.

Das Hitlersche Oberkommando, das auf eine blitzschnelle Zerschmetterung der UdSSR und auf eine rasche Eroberung Moskaus und Leningrads rechnete, warf seine Reserven an die sowjetisch-deutsche Front ohne Rücksicht auf die schweren Verluste der deutschen Armee an Menschen und Material. Um den Preis ungeheurer Verluste gelang es den Deutschen im Oktober, in das Moskauer Gebiet einzubrechen.

Es entstand die gefährlichste Situation der ganzen Kampagne von 1941. Eine tödliche Gefahr schwebte über Moskau. Am 19. Oktober 1941 wurde durch einen vom Vorsitzenden des Staatlichen Verteidigungskomitees Genossen Stalin unterzeichneten Beschluss in Moskau der Belagerungszustand erklärt. Genosse Stalin entwarf den Plan der Verteidigung der Hauptstadt und der Zerschmetterung der deutschen Truppen vor Moskau und verwirklichte diesen Plan in glänzender Weise. Obgleich sich der Feind im Vorgelände von Moskau befand, wurde am 6. November 1941 aus Anlass des 24. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution die traditionelle Festsitzung des Moskauer Sowjets der Deputierten der Werktätigen gemeinsam mit den Partei- und gesellschaftlichen Organisationen der Stadt Moskau abgehalten. Den Bericht erstattete Genosse Stalin.

In seinem Bericht zog Genosse Stalin das Fazit der vier Kriegsmonate. Mit rauer Offenheit sagte der Führer der Armee und des Volkes, dass die ernste Gefahr, die über das Land heraufgezogen war, nicht geringer, sondern noch größer geworden ist. Doch gleichzeitig sah Genosse Stalin mit äußerstem Weitblick voraus, dass die Zerschmetterung der deutschen Imperialisten und ihrer Armeen unausbleiblich ist.

Der Plan der faschistischen deutschen Landräuber, die die Sowjetunion in anderthalb bis zwei Monaten durch „Blitzkrieg“ zu „erledigen“ gedacht hatten, war endgültig gescheitert. Die faschistischen deutschen Strategen hatten damit gerechnet, dass sie eine allgemeine antisowjetische Koalition zustande bringen und die UdSSR isolieren würden, dass die Sowjetordnung und das sowjetische Hinterland nicht fest und dass die Rote Armee und die Rote Flotte schwach seien - all diese Berechnungen haben sich als falsch erwiesen.

Genosse Stalin deckte die Ursachen für die zeitweiligen Misserfolge der Roten Armee auf und zeigte, dass eine dieser Ursachen in dem Fehlen einer zweiten Front in Europa zu suchen war. Eine andere Ursache lag darin, dass es der Roten Armee an Panzern und teilweise an Flugzeugen mangelte, wobei jedoch die sowjetischen Panzer und Flugzeuge den deutschen qualitativ überlegen waren.

Genosse Stalin stellte die Aufgabe, die zahlenmäßige Überlegenheit der Deutschen an Panzern und Flugzeugen zu beseitigen und dadurch die Lage unserer Armee von Grund aus zu verbessern.

Diese Weisung Stalins war von größter Bedeutung für den Ausgang des Krieges. In Durchführung dieser Weisung steigerte die Sowjetindustrie von Monat zu Monat die Erzeugung von Flugzeugen, Panzern und entsprechenden Abwehrmitteln, so dass im Verlaufe des Krieges die zahlenmäßige Überlegenheit des Feindes an technischen Kampfmitteln liquidiert wurde. Genosse Stalin riss den Hitlerfaschisten die Maske des „Nationalsozialismus“ vom Gesicht und enthüllte sie er den Augen der ganzen Welt als die Partei der räuberischsten Imperialisten, der Feinde der demokratischen Freiheiten, als eine Partei mittelalterlicher Reaktion und finsterster Pogrome, als eine Partei von Mördern, die jedes menschliche Antlitz verloren haben und auf das Niveau wilder Tiere gesunken sind.

„Und diese Leute“, sagte Genosse Stalin, „die weder Gewissen noch Ehre besitzen, Leute mit einer Moral von Bestien, haben die Stirn, zur Vernichtung der großen russischen Nation aufzurufen, der Nation Plechanows und Lenins, Belinskis und Tschernyschewskis, Puschkins und Tolstois, Glinkas und Tschaikowskis, Gorkis und Tschechows, Setschenows und Pawlows, Repins und Surikows, Suworows und Kutusows!...“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 31.)

Genosse Stalin rief das ganze Sowjetvolk auf, die Hilfe an die Armee und Flotte weiter zu verstärken und mit größter Selbstaufopferung für die Front zu arbeiten. Er stellte die Aufgabe, die faschistischen deutschen Landräuber zu vernichten. „Die deutschen Landräuber wollen den Vernichtungskrieg gegen die Völker der Sowjetunion. Nun wohl, wenn die Deutschen einen Vernichtungskrieg wollen, so werden sie ihn bekommen“ (Ebenda.), sagte Genosse Stalin.

Die Worte des Genossen Stalin: „Unsere Sache ist gerecht - der Sieg wird unser sein!“ (J.Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 38.) waren der Ausdruck des Denkens und Strebens aller Sowjetmenschen und ihrer tiefsten Überzeugung, dass die Zerschmetterung des Feindes unausbleiblich ist. Am 7. November 1941 fand auf dem Roten Platz in Moskau die Truppenparade der Roten Armee statt. Von der Tribüne des Lenin-Mausoleums sprach Genosse Stalin über die große Befreiungsmission der Roten Armee und richtete sich an die sowjetischen Krieger, Partisanen und Partisaninnen mit den Worten: „Möge euch in diesem Krieg das heldenmütige Vorbild unserer großen Vorfahren beseelen - Alexander Newskis, Dimitri Donskois, Kusma Minins, Dimitri Posharskis, Alexander Suworows, Michael Kutusows! Möge euch das siegreiche Banner des großen Lenin Kraft verleihen!“ (Ebenda)

Die Rote Armee beantwortete diese Aufforderungen ihres Feldherrn mit noch größerer Standhaftigkeit und Ausdauer und versetzte dem Feind noch stärkere Schläge. Genosse Stalin leitete persönlich die Verteidigung von Moskau. Er lenkte unmittelbar die Operationen der Roten Armee, beseelte die Kämpfer und Kommandeure, überwachte den Bau der Verteidigungsanlagen auf den Anmarschwegen zur Hauptstadt des Sowjetlandes. Auf Befehl des Genossen Stalin ließen im Dezember mehrere bei Moskau zusammengezogene sowjetische Armeen ihre Schläge überraschend auf die deutschen Truppen niedersausen. Nach hartnäckigen Kämpfen konnten die Deutschen diesem Ansturm nicht standhalten und begannen sich in Unordnung zurückzuziehen. Die sowjetischen Truppen trieben die zerschlagenen deutschen Verbände weiter vor sich her und rückten im Laufe des Winters stellenweise um mehr als 400 km nach Westen vor. Hitlers Plan, Moskau zu umzingeln und zu besetzen, war gescheitert. Die Zerschlagung der faschistischen deutschen Truppen vor Moskau war das entscheidende militärische Ereignis des ersten Kriegsjahres und die erste große Niederlage der Deutschen im zweiten Weltkriege. Diese Niederlage zerstörte für immer die von den Hitlerleuten ausgesprengte Legende von der Unbesiegbarkeit des deutschen Heeres.

Die Zerschlagung der Deutschen vor Moskau zeigte die Überlegenheit des von Genossen Stalin ausgearbeiteten strategischen Plans der Angriffsoperationen über die deutsche Strategie. Im Befehl Nr. 55 vom 23. Februar 1942 bezeichnete J. W. Stalin als das wichtigste Ergebnis der verstrichenen acht Kriegsmonate, dass die Deutschen den militärischen Vorsprung verloren haben, den sie sich durch den wortbrüchigen überraschenden Überfall auf die UdSSR gesichert hatten.

„Die Momente der Überraschung und des Unerwarteten als Reserven der faschistischen deutschen Truppen sind vollständig verausgabt. Dadurch ist jene Ungleichheit in den Kampfbedingungen beseitigt, die durch die Überraschung des faschistischen deutschen Überfalls geschaffen worden war. Nunmehr wird das Schicksal des Krieges nicht durch solch ein zufälliges Moment wie das Moment der Überraschung entschieden werden, sondern durch die ständig wirkenden Faktoren: die Festigkeit des Hinterlandes, die Moral der Armee, die Quantität und Qualität der Divisionen, die Bewaffnung der Armee, die organisatorischen Fähigkeiten des Kommandobestands der Armee.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 46.)

Die Stalinsche These von der Bedeutung der ständig wirkenden Kriegsfaktoren als der entscheidenden Faktoren war eine schöpferische Weiterentwicklung der marxistisch65 leninistischen Lehre vom Kriege, die besagt, dass der Kriegsverlauf und der Kriegsausgang unmittelbar und organisch zusammenhängen mit dem Grad und dem Charakter der ökonomischen und politischen Entwicklung des Staates, seiner Ideologie und dem Grad der Ausbildung und Reife seiner Kader. Die Stalinsche These von der Rolle der ständig wirkenden Kriegsfaktoren ist von ungemein großer theoretischer und praktischer Bedeutung. Die Berücksichtigung und richtige Ausnutzung dieser Faktoren bietet die Möglichkeit, bei der militärischen und organisatorischen Tätigkeit die Hauptaufmerksamkeit auf die Lösung der Grundprobleme zu konzentrieren, von denen der Ausgang des Krieges abhängt. Genosse Stalin legt besonderes Gewicht darauf, dass die Kommandeure und Kämpfer sich die Kriegskunst aneignen. Im Befehl zum 1. Mai 1942 hob Genosse Stalin hervor, dass die Rote Armee über alles verfügt, was sie braucht, um den Feind zu schlagen und ihn aus dem Sowjetlande zu vertreiben. „Es fehlt nur an einem - an der Kunst, die erstklassigen technischen Kampfmittel, die unsere Heimat ihr zur Verfügung stellt, restlos gegen den Feind auszunutzen. Darum besteht die Aufgabe der Roten Armee, ihrer Kämpfer, ihrer Maschinengewehrschützen, ihrer Artilleristen, ihrer Granatwerferschützen, ihrer Panzermänner, ihrer Flieger und Kavalleristen darin, das Kriegshandwerk zu erlernen, beharrlich zu lernen, ihre Waffen bis zur Vollkommenheit zu beherrschen, zu Meistern ihrer Sache zu werden und somit zu lernen, den Feind unfehlbar zu schlagen. Nur so kann man die Kunst erlernen, den Feind zu besiegen.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 62.)

Auch im ganzen weiteren Verlauf des Krieges wies Genosse Stalin stets darauf hin, dass es notwendig ist, die Kampfschulung zu vervollkommnen, die Kenntnis der technischen Kampfmittel und ihrer Anwendung zu erhöhen und sich die Kunst der Truppenführung anzueignen, die Kunst, den Feind nach allen Regeln der modernen Kriegswissenschaft zu besiegen. Diesen Weisungen folgend, arbeitete die Rote Armee beharrlich und mit Ausdauer an der Meisterung des Kriegswesens und erlernte die Kunst, den Feind unfehlbar zu schlagen. Im Sommer 1942 warfen die Deutschen, da es keine zweite Front in Europa gab, ihre gesamten Reserven, einschließlich der Truppen ihrer Verbündeten, an die sowjetisch-deutsche Front und zogen eine große Anzahl von Truppen auf dem südwestlichen Frontabschnitt zusammen.

Genosse Stalin durchschaute rechtzeitig den Plan des deutschen Oberkommandos, das den Anschein zu erwecken suchte, als sei der Vorstoß zur Besetzung der Erdölgebiete von Grosny und Baku das Hauptziel und nicht bloß ein Nebenziel der deutschen Sommeroffensive. Wie Genosse Stalin aufzeigte, bestand das Hauptziel in Wirklichkeit darin, Moskau von Osten zu umgehen, es vom Hinterland, dem Wolgagebiet und dem Ural, abzuschneiden und dann einen Schlag gegen Moskau zu führen, um den Krieg im Jahre 1942 zu beenden. Auf Befehl des Obersten Befehlshabers Genossen Stalin verlegten die Sowjettruppen dem Feinde den Weg nach Norden in den Rücken Moskaus. Mitte Juli 1942 begannen die Deutschen den Vormarsch auf Stalingrad. Sie rechneten darauf, Stalingrad zu überrennen, die Sowjetfront zu zerreißen und, die Wolga entlang nach Norden vorrückend, Moskau zu umgehen. Genosse Stalin befahl, Stalingrad um jeden Preis zu halten. Am 5. Oktober 1942 richtete Genosse Stalin an den Oberkommandierenden der Stalingrader Front einen Befehl, in dem es hieß: „Ich fordere, dass Sie alle Maßnahmen zur Verteidigung Stalingrads treffen. Stalingrad darf dem Feinde nicht überlassen werden.“ („Prawda“ Nr. 28 vom 2. Februar 1944.)

Es begann der Kampf um Stalingrad, die gewaltigste Schlacht der Kriegsgeschichte. Die Rote Armee verteidigte heldenmütig diese berühmte, nach Stalin benannte Stadt an der Wolga. Die Kampftraditionen des heroischen Ringens von Zarizyn im Jahre 1918 erstanden in der Schlacht um Stalingrad aufs Neue. Während die Kämpfe noch in vollem Gange waren, wandten sich die Kämpfer, Kommandeure und politischen Funktionäre der Stalingrader Front mit einem Schreiben an Genossen Stalin. Jedes Wort war ein Schwur. „Vor unseren Kampfbannern, vor dem ganzen Sowjetlande schwören wir, dass wir den Ruhm der russischen Waffen nicht beflecken, dass wir uns bis zur letzten Möglichkeit schlagen werden. Unter Ihrer Führung haben unsere Väter in der Schlacht von Zarizyn gesiegt, und unter Ihrer Führung werden auch wir jetzt in der großen Schlacht bei Stalingrad siegen!“ („Prawda“ Nr. 310 vom 6. November 1942.)

In jenen Tagen, als der Feind bis Stalingrad und an die Ausläufer des Kaukasus durchgebrochen war, beging das Sowjetland den 25. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Auf der Festsitzung des Moskauer Sowjets vom 6. November 1942 erstattete Stalin einen Bericht.

Genosse Stalin schilderte ausführlich die im abgelaufenen Jahre geleistete Tätigkeit der Staats- und Parteiorgane auf dem Gebiet des friedlichen Aufbaus und der Organisierung eines festen Hinterlandes für die Front, sowie auf dem Gebiet der Durchführung der Verteidigungsund Angriffsoperationen der Roten Armee.

Zur Charakteristik der Organisationsarbeit im Hinterlande wies Genosse Stalin darauf hin, dass während des Krieges die äußerst schwierige und komplizierte organisatorische Arbeit vollbracht wurde, die erforderlich war, um den Schwerpunkt der Rüstungs- und Zivilindustrie in die Ostgebiete des Landes zu verlegen und die Arbeit der die Front versorgenden Betriebe umzustellen und von Grund aus zu verbessern. „Man muss anerkennen“, sagte Genosse Stalin, „dass unser Land noch nie ein so festes und so gut organisiertes Hinterland gehabt hat.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 68.)

Dass es den Deutschen gelungen war, im Sommer 1942 ernste taktische Erfolge zu erzielen, war, wie Genosse Stalin hervorhob, dadurch zu erklären, dass die Deutschen infolge des Fehlens einer zweiten Front in Europa die Möglichkeit hatten, im südwestlichen Abschnitt ein großes Kräfteübergewicht zu schaffen.

Das Problem der zweiten Front in Europa vom historischen Gesichtspunkt betrachtend, führte Genosse Stalin folgende charakteristische Zahlen an: im ersten Weltkrieg konnte Deutschland, das damals einen Zweifrontenkrieg führte, nur 127 deutsche und verbündete Divisionen an der russischen Front aufstellen. Im jetzigen Krieg warf Deutschland, da es nur an einer Front kämpft, bis zu 240 Divisionen an die sowjetisch-deutsche Front, d. i. fast doppelt soviel als im ersten Weltkrieg.

Nur dank dem Heroismus der Sowjetarmee und der Partisanen, dank der aufopferungsvollen Arbeit der Sowjetpatrioten im Hinterland und dank der richtigen Führung durch den Obersten Befehlshaber, den Leiter der Partei und des Sowjetstaates, Genossen Stalin, konnten die ungeheuren Schwierigkeiten überwunden werden, die mit der Abwehr des Einbruches der Hitlerhorden verbunden waren. Voller Stolz auf das Sowjetland, das Sowjetvolk und dessen Armee erklärte Genosse Stalin:

„Ich denke, kein anderes Land und keine andere Armee hätten einem derartigen Ansturm der vertierten Banden der faschistischen deutschen Räuber und ihrer Bundesgenossen standhalten können. Nur unser Sowjetland und nur unsere Rote Armee sind befähigt, einem solchen Ansturm standzuhalten. Und nicht nur ihm standzuhalten, sondern ihn auch zu überwinden.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 76.)

Genosse Stalin stellte der Roten Armee die Aufgabe, den Feind nicht weiter vorrücken zu lassen, sich beharrlich und hartnäckig zum Schlag gegen den Feind vorzubereiten. Die Rote Armee und das ganze Sowjetvolk haben die Rede ihres Lehrers und Feldherrn mit größter Begeisterung aufgenommen. Die Millionen der Arbeiter und Kolchosbauern erhöhten noch mehr die Erzeugung von Kriegsmaterial und Nahrungsmitteln für die Armee. Nach dem Beispiel der Kolchosbauern und -bäuerinnen des Tambower Gebiets entfaltete sich im ganzen Lande eine Bewegung zur Sammlung von freiwilligen Spenden für den Fonds der Roten Armee.

Mit unbedingter Siegeszuversicht erfüllte die Herzen der Sowjetbevölkerung der Befehl des Volkskommissars für Verteidigung, J. W. Stalins, vom 7. November 1942: „Der Feind hat schon einmal die Wucht der Schläge der Roten Armee bei Rostow, Moskau und Tichwin zu spüren bekommen. Nicht fern ist der Tag, da der Feind die Wucht neuer Schläge der Roten Armee kennen lernen wird. Dann werden auch unsere Straßen wieder im Festschmuck prangen!“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S.90.)

Die Zerschmetterung der Deutschen bei Stalingrad war eine glänzende Bestätigung dieser Worte des Genossen Stalin. Der weise Feldherr, mit dessen Namen auf den Lippen die Sowjetkämpfer sich ins Gefecht stürzten, hatte den Gang der Ereignisse vorausgesehen und den Verlauf der gigantischen Schlacht seinem stählernen Willen untergeordnet. Auf Befehl Stalins gingen die Sowjettruppen am 19. November 1942 im Raume des Vorgeländes von Stalingrad zum Angriff über. Die deutschen Truppen wurden in den Flanken und nachher im Rücken gefasst. Auf Grund des unter Leitung des Genossen Stalin ausgearbeiteten und durchgeführten strategischen Plans der Flankenstöße errang die Rote Armee einen neuen glänzenden Sieg. In kurzer Frist umzingelten die Sowjettruppen im Raume von Stalingrad die 300000 Mann starke Armee der Deutschen, von der ein Teil vernichtet, der Rest gefangen genommen wurde.

Das war der bedeutendste Sieg in der Geschichte der großen Kriege. Die Schlacht um Stalingrad stellte den Gipfel der Kriegskunst dar. Sie bot ein neues Beispiel der vollendeten, vorbildlichen sowjetischen Kriegswissenschaft. Der hier errungene historische Sieg ist ein glänzender Triumph der Stalinschen Strategie und Taktik, ein Triumph des genialen Plans und der weisen Voraussicht des großen Feldherrn, der scharfblickend die Absichten des Gegners erkannte und die Schwächen der abenteuerlichen Strategie des Feindes ausnutzte.

Genosse Stalin gab folgende Einschätzung: „Bei Stalingrad ging der Stern der faschistischen deutschen Armee unter. Nach der blutigen Schlacht von Stalingrad konnten sich die Deutschen bekanntlich nicht mehr erholen.“ (Ebenda S. 127.)

Nachdem die Sowjetarmee in den Tagen der Schlacht von Stalingrad die Initiative an sich gerissen hatte, setzte sie die Offensivoperationen fort. Es begann die Massenvertreibung des Feindes aus dem Sowjetlande. Die Erfolge der Sowjettruppen und den Heldenmut der Sowjetbürger bewertend, schrieb Genosse Stalin im Befehl vom 23. Februar 1943: „Unser Volk wird für immer das Andenken an die heldenhafte Verteidigung Sewastopols und Odessas bewahren, an die hartnäckigen Kämpfe bei Moskau und im Vorgebirge des Kaukasus, im Raum von Rshew und bei Leningrad, an die Schlacht unter den Mauern Stalingrads, die gewaltigste Schlacht der Kriegsgeschichte. In diesen gewaltigen Schlachten haben unsere heldenmütigen Kämpfer, Kommandeure und politischen Funktionäre die Kampfbanner der Roten Armee mit unvergänglichem Ruhm bedeckt und ein festes Fundament für den Sieg über die faschistischen deutschen Heere gelegt.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 99.)

Gleichzeitig warnte der Oberste Befehlshaber die Kämpfer und Kommandeure der Sowjetarmee vor schädlicher Überheblichkeit wegen der Erfolge. Genosse Stalin rief dazu auf, stets der Weisungen des großen Lenin eingedenk zu sein: „Erstens darf man sich von einem Sieg nicht hinreißen lassen und nicht überheblich werden, zweitens muss man den Sieg verankern, und drittens gilt es, den Gegner endgültig zu schlagen.“ (Ebenda S. 105.) Das Ergebnis des Winterfeldzugs 1942/43 war, dass die Sowjettruppen nicht bloß die taktischen Erfolge zunichte machten, die der Feind im Sommer 1942 erzielt hatte, sondern darüber hinaus mit der Befreiung jener Gebiete begannen, die den Deutschen gleich zu Kriegsbeginn in die Hände gefallen waren. Der Sowjetstaat zollte den hervorragenden Verdiensten des Genossen Stalin, des Obersten Befehlshabers der Streitkräfte der UdSSR, hohe Anerkennung. Am 6. März 1943 verlieh ihm das Präsidium des Obersten Sowjets den militärischen Rang eines Marschalls der Sowjetunion.

Trotz der Niederlagen und der ungeheuren Verluste unternahmen die Deutschen im Sommer 1943 eine neue Offensive. Genosse Stalin durchschaute rechtzeitig den Plan des Feindes, der durch einen Vorstoß aus zwei Richtungen, aus dem Raum von Orel und von Belgorod aus die im Bogen des Kursker Frontvorsprungs konzentrierten sowjetischen Truppen zu umzingeln und zu vernichten und nachher den Vormarsch auf Moskau durchzuführen beabsichtigte. Am 2. Juli warnte Genosse Stalin das Oberkommando der Sowjettruppen im Raume Orel- Kursk vor der Möglichkeit einer deutschen Offensive zwischen dem 3. und 6. Juli. Als dann die deutsch-faschistischen Truppen am 5. Juli mit großen Streitkräften im Raume von Orel- Kursk, sowie in der Richtung Belgorod zum Angriff übergingen, stießen sie auf den hartnäckigen Widerstand der Sowjettruppen. Der deutsche Offensivplan brach zusammen, die sowjetische Abwehr erwies sich als überlegen.

Das Ergebnis der berühmten Schlacht von Kursk war, dass die Sowjettruppen erst die faschistischen Elitedivisionen zermürbten und ihnen blutige Verluste beibrachten, die feindliche Front durchbrachen und dann selbst zur Offensive übergingen. Am 24. Juli erließ der Oberste Befehlshaber, Marschall der Sowjetunion J. W. Stalin, aus Anlass der Beendigung der Operationen zur Liquidierung der deutschen Julioffensive einen Befehl. In diesem Befehl wurde festgestellt, dass der deutsche Plan einer Sommeroffensive völlig gescheitert war, und „eben dadurch ist die Legende zerstört, dass die Deutschen im Sommer bei Offensiven stets Erfolg haben, während die Sowjettruppen angeblich gezwungen seien, sich zurückzuziehen“. („Prawda“ Nr. 185 vom 25. Juli 1943.)

Die Offensive der Sowjetarmee wurde erfolgreich fortgesetzt. Am 5. August 1943 nahmen die Sowjettruppen die Städte Orel und Belgorod. Der Oberste Befehlshaber, Marschall der Sowjetunion J. W. Stalin, kennzeichnete diesen neuen hervorragenden Sieg der Sowjettruppen in einem besonderen Befehl. In Moskau, der Hauptstadt unseres Heimatlandes, wurde zu Ehren der tapferen Truppen, die Orel und Belgorod befreit hatten, ein Artilleriesalut abgefeuert. Von diesem Zeitpunkt an wurden die Salutschüsse in Moskau zur Tradition der Kriegszeit.

Die Zerschlagung der Deutschen bei Kursk war für den weiteren Verlauf des Krieges von entscheidender Bedeutung. „War die Schlacht bei Stalingrad ein Vorbote des Untergangs der faschistischen deutschen Armee, so führte die Schlacht bei Kursk sie vor die Katastrophe.“ (J.Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion, 3. Ausg., Moskau 1946, S.128.)

Mit der Schlacht bei Kursk und der Liquidierung des deutschen Aufmarschplatzes bei Orel begann die neue machtvolle Offensive der Sowjetarmee. Bis November 1943 befreiten unsere Truppen etwa zwei Drittel des vom Feinde zeitweilig eroberten Sowjetterritoriums. Für die richtige Leitung der Operationen der Roten Armee im Vaterländischen Krieg gegen die deutschen Eindringlinge und die dabei erzielten Erfolge verlieh das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR am 6. November 1943 dem Genossen Stalin den Suworow- Orden erster Klasse.

Bei der Offensive von 1943 leisteten die Partisanen den Sowjettruppen große Hilfe. Die Aufforderung des Genossen Stalin: „die Flamme der Partisanen-Volksbewegung im Rücken des Feindes zu entfachen, seine rückwärtigen Einrichtungen und Dienste zu zerstören und die faschistischen deutschen Schurken auszurotten“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 90.); hatte eine machtvolle Partisanenbewegung ins Leben gerufen. Die Partisanen führten im Rücken der Deutschen aktive Operationen durch, zerstörten ihre Nachschublinien und vernichteten faschistische Soldaten und Offiziere. Stalin leitete die Partisanenbewegung. Er veranstaltete in Moskau Beratungen der Kommandeure der Partisanenverbände.

Ein großartiges Bild der vom Sowjetvolke und seiner Armee errungenen historischen Siege entwarf Genosse Stalin in seinem Bericht auf der Festsitzung des Moskauer Sowjets vom 6. November 1943. Genosse Stalin sagte, das Jahr 1943 „ist das Jahr des Umschwungs im Vaterländischen Krieg“. (Ebenda S. 124.)

„Die Ergebnisse und die Folgen der Siege der Roten Armee gingen weit über den Rahmen der sowjetisch-deutschen Front hinaus. Sie veränderten den ganzen weiteren Verlauf des Weltkrieges und erlangten große internationale Bedeutung.“ (Ebenda S. 137.) Durch die Siege der Sowjettruppen wurde die internationale Lage der UdSSR noch mehr gefestigt. Das Jahr 1943 war ein Jahr des Umschwungs nicht nur im Vaterländischen Krieg der Sowjetunion, sondern auch im ganzen Weltkrieg. Die Offensive der Roten Armee von 1943 wurde unterstützt durch die Kampfhandlungen der alliierten Truppen in Nordafrika und in Italien und auch durch die Bombardierung der Zentren der deutschen Kriegsindustrie seitens der Luftstreitkräfte der Alliierten. Der Hauptverbündete Deutschlands, das faschistische Italien, erlebte bald seinen militärischen und politischen Zusammenbruch und musste im September 1943 bedingungslos kapitulieren. Das war ein ernster Schlag gegen die Hitlerkoalition.

Infolge der weisen Stalinschen Außenpolitik scheiterten die Versuche des Feindes, die zur Zerschlagung Hitlerdeutschlands verbündeten Großmächte zu entzweien. Auf der im November 1943 abgehaltenen Konferenz der Leiter der drei verbündeten Mächte in Teheran, wo Genosse Stalin sich mit dem Präsidenten der USA und dem Premierminister Großbritanniens traf, wurde eine Deklaration angenommen über die gemeinsamen Operationen im Kriege gegen Deutschland und die Zusammenarbeit der drei Mächte nach dem Kriege. 1943 war auch in der Arbeit des Sowjethinterlandes ein Jahr des Umschwunges. Durch die Anstrengungen des Sowjetvolkes geschaffen und reibungslos in Gang gehalten, wuchs die Kriegswirtschaft und sicherte die quantitative und qualitative Überlegenheit der technischen Kampfmittel der Sowjetarmee über die deutschen. Auf unmittelbare Weisungen des Genossen Stalin arbeiteten die sowjetischen Konstrukteure mit Erfolg an der Vervollkommnung der Waffen und der Schaffung neuer Bewaffnungstypen. Während der Kriegsjahre hat das Sowjetland gekämpft und gebaut. Keinen Tag ruhte die Arbeit am Bau neuer Industriebetriebe, Bergwerke, Hochöfen und Elektrizitätswerke. Neue Hüttenwerke wurden in Tscheljabinsk und in Usbekistan in Betrieb gesetzt, neue Hochöfen in Tagil, Magnitogorsk usw. In Stalinsk wurde ein neues Aluminiumwerk in Betrieb genommen, neue Elektrizitätswerke in Tscheljabinsk, Stalinsk und vielen anderen Orten eröffnet. Genosse Stalin beseelte die Betriebsbelegschaften zu noch höheren Leistungen im Aufbau und in der Meisterung der neuen Industriebetriebe. Im Dezember 1943 beglückwünschte Genosse Stalin die Bau- und Hüttenarbeiter des Industriekombinats von Magnitogorsk, die unter den schwierigen Verhältnissen der Kriegszeit einen der größten Hochöfen in beispiellos kurzer Zeit erbaut hatten. Zur selben Zeit zollte Genosse Stalin den Erfolgen der Arbeiter des Jenakijewer Hüttenbetriebs seine Anerkennung. In seinem Glückwunsch an die Jenakijewer wies Genosse Stalin darauf hin, dass ihre Arbeit den Beweis erbrachte, dass „die schwierige Aufgabe der Wiederherstellung der Industrie und der Behebung der Folgen der deutschen Barbarenwirtschaft in kurzer Frist gelöst werden kann“. („Prawda“ Nr. 321 vom 31. Dezember 1943.) Besondere Aufmerksamkeit widmete Genosse Stalin der Wiederherstellung der Volkswirtschaft in den durch die Sowjetarmee befreiten Gebieten. Auf Vorschlag des Genossen Stalin fassten der Rat der Volkskommissare der UdSSR und das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion den Beschluss „über die sofortigen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Wirtschaft in den aus deutscher Okkupation befreiten Gebieten“. Das Sowjetvolk unterstützte heldenmütig die Operationen seiner Streitkräfte. Die aufopferungsvolle Arbeit der Sowjetbevölkerung im Hinterland, die Verdienste der Arbeiterklasse, der Kollektivbauernschaft und der Sowjetintellektuellen während der Kriegsjahre bezeichnete Genosse Stalin als eine beispiellose Ruhmestat zur Verteidigung des Heimatlandes.

Im Verlaufe des Vaterländischen Krieges festigte sich die Völkerfreundschaft in der Sowjetunion immer mehr. Alle Völker des Sowjetlandes erhoben sich einmütig zur Verteidigung ihrer Heimat.

Zu Beginn des Jahres 1944 fasste der Oberste Sowjet der UdSSR auf Vorschlag des Genossen Stalin die Beschlüsse über die Umwandlung des Volkskommissariats für Verteidigung und des Volkskommissariats für auswärtige Angelegenheiten aus Unions-Volkskommissariaten in Unions- und Republik-Volkskommissariate, und über die Schaffung von Volkskommissariaten für Verteidigung und für auswärtige Angelegenheiten in den einzelnen Unionsrepubliken.

Die Annahme dieser Beschlüsse bedeutete einen weiteren Schritt bei der Lösung der nationalen Frage in der Sowjetunion, eine Weiterentwicklung der Lenin-Stalinschen Nationalitätenpolitik, die den erfolgreichen Ausbau der nationalen Staatlichkeit aller Völker der Sowjetunion gewährleistet.

Das Jahr 1944 war ein Jahr entscheidender Siege der Sowjetarmee. Gemäß dem genialen strategischen Plan des Genossen Stalin versetzte die Sowjetarmee den deutschen Truppen nacheinander zehn mächtige Schläge. Eine eingehende Schilderung dieser Operationen gab Genosse Stalin in seinem Bericht zum 27. Jahrestage der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Durch diese Schläge wurden die von den faschistischen deutschen Eindringlingen zeitweilig okkupierten Gebiete der Sowjetunion völlig befreit und der Feind aus dem Bereich des Sowjetlandes vertrieben. Die Kampfhandlungen der Sowjetarmee wurden auf das Gebiet Deutschlands und seiner Komplizen verlegt.

Am 20. Juni 1944 überreichte der Vorsitzende des Exekutivkomitees des Moskauer Stadtsowjets der Werktätigendeputierten im Namen des Präsidiums des Obersten Sowjets der Union der SSR im Kreml dem Vorsitzenden des Staatlichen Verteidigungskomitees und Obersten Befehlshaber, Marschall der Sowjetunion J. W. Stalin, die ihm als erstem verliehene Medaille „Für die Verteidigung Moskaus“ für die Leitung der heldenhaften Verteidigung Moskaus und die Organisierung der Zerschlagung der deutschen Truppen vor Moskau. In Anerkennung der außerordentlichen Verdienste des Genossen Stalin um die Organisierung und Durchführung der Angriffsoperationen der Roten Armee, die mit einer fürchterlichen Niederlage der deutschen Truppen endeten und eine grundlegende Veränderung der Lage an der Kampffront gegen die faschistischen deutschen Eindringlinge zugunsten der Roten Armee zur Folge hatten, zeichnete das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR durch Beschluss vom 29. Juli 1944 Josef Wissarionowitsch Stalin mit dem „Sieges-Orden“ aus. Die erfolgreiche Durchführung des strategischen Plans Stalins für 1944 zeitigte bedeutende militärische und politische Ergebnisse. Unter den Schlägen der Sowjettruppen streckten die früheren Verbündeten Hitlerdeutschlands - Rumänien, Finnland und Bulgarien - die Waffen und sind selbst in den Krieg gegen Deutschland eingetreten. Ungarn stand unmittelbar vor der Kapitulation. Auf diese Weise war die Isolierung Deutschlands in der Hauptsache vollzogen. In der so entstandenen militärischen Situation war es klar, dass die Sowjetunion auch ohne Hilfe der Verbündeten, mit eigenen Kräften imstande ist, ganz Deutschland zu besetzen und auch Frankreich zu befreien. Der englische Premierminister Churchill, der sich bis dahin einer Eröffnung der zweiten Front in Europa widersetzte, sah sich unter diesen Umständen veranlasst, die Invasion nach Westeuropa durchzuführen.Im Juni 1944 vollzogen die Alliierten die erfolgreiche Ausschiffung starker Landungstruppen in Nordfrankreich. Wie Genosse Stalin es vorausgesehen hatte, war Hitlerdeutschland von zwei Fronten aus in die Zange genommen.

In seinem Bericht zum 27. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution am 6. November 1944 drückte Genosse Stalin seine Zuversicht aus, dass die Rote Armee, die ihre patriotische Pflicht der Befreiung des Vaterlandes von den Feinden erfüllt hat, ihre historische Mission bis zuletzt vollenden, die faschistische Bestie in ihrer eigenen Höhle zur Strecke bringen und über Berlin die Siegesfahne hissen wird.

Die Stalinsche Wertung des vom Sowjetland und der Sowjetarmee zurückgelegten Weges und die Stalinsche Zielweisung „Nach Berlin!“ wurden vom Sowjetvolk an der Front und im Hinterland mit größter Begeisterung aufgenommen.

Es begann der entscheidende Vormarsch der Sowjettruppen in die Höhle der faschistischen Bestie. In raschem Tempo befreite die Sowjetarmee die polnische Hauptstadt Warschau vom Joch der Deutschen und drang tief in Ostpreußen ein. Auf der ganzen Front entfaltete sich die Offensive der Sowjettruppen.

Anfang Februar 1945 tagte in der Krim die Konferenz der Regierungshäupter der drei alliierten Mächte: der UdSSR, der USA und Großbritanniens. Auf der Konferenz wurden militärische und politische Beschlüsse von größter Wichtigkeit gefasst. Sie betrafen die Zerschmetterung Deutschlands und seine Nachkriegslage sowie auch die wichtigsten politischen und ökonomischen Probleme des befreiten Europas. Es wurden Abmachungen getroffen und detaillierte Pläne ausgearbeitet über die Fristen, den Umfang und die Koordinierung neuer machtvoller Schläge der alliierten Armeen gegen Deutschland aus dem Osten, Westen, Norden und Süden. Auf der Krimkonferenz wurde auch die Vorentscheidung über den Eintritt der UdSSR in den Krieg gegen Japan getroffen.

Im Zeichen der hervorragenden historischen Siege beging das Sowjetland den 27. Jahrestag der Roten Armee. In den 40 Tagen der Offensive im Januar und Februar 1945 hatten die Sowjettruppen durch ihre wuchtigen und kunstvollen Operationen den Feind weit nach dem Westen zurückgeworfen, ganz Polen und einen beträchtlichen Teil der Tschechoslowakei befreit, einen großen Teil Ostpreußens und Deutsch-Schlesiens erobert. Unter dem Druck der Sowjettruppen war Ungarn, der letzte Verbündete Deutschlands in Europa, aus dem Krieg ausgeschieden.

Die Erfolge der Winteroffensive der Roten Armee wurden vom Genossen Stalin in seinem Befehl vom 23. Februar 1945 vermerkt. „Der volle Sieg über die Deutschen ist nun schon nahe“, schrieb Genosse Stalin. (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3.Ausg., Moskau 1946, S. 203.)

Genosse Stalin wies darauf hin, dass die Rote Armee gelernt hat, den Feind nach allen Regeln der modernen Kriegswissenschaft zu schlagen und zu vernichten. „Die Generale und Offiziere der Roten Armee kombinieren meisterhaft massierte Schläge des machtvollen Kriegsgeräts mit kunstvollen und wuchtigen Manövern.“ (Ebenda) In weiterer Erfüllung des strategischen Plans Stalins eroberte die Rote Armee die wichtigsten Stützpunkte der faschistischen deutschen Truppen im Süden, zerschlug nach Eroberung der österreichischen Hauptstadt Wien die in Ostpreußen abgeschnittene Armeegruppe der Deutschen, eroberte das für Deutschland lebenswichtige schlesische Industriegebiet und drang in das Vorgelände von Berlin vor. Auf diese Weise waren die Vorbedingungen geschaffen für den letzten entschiedenen Sturm gegen Hitlerdeutschland.

Der Kampfruf des Genossen Stalin „Über Berlin die Fahne des Sieges zu hissen“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 191.) beseelte die Völker der Sowjetunion zu neuen Heldentaten in der Arbeit und auf den Schlachtfeldern. Unmittelbar vor dem Sturm auf Berlin unterzeichnete J. W. Stalin im Auftrag der Regierung der UdSSR den Vertrag zwischen der Sowjetunion und der polnischen Republik über Freundschaft, gegenseitigen Beistand und Zusammenarbeit nach dem Krieg. In seiner Rede bei der Unterzeichnung dieses Vertrages am 21. April 1945 sagte Genosse Stalin:

„... dass die freiheitsliebenden Nationen und vor allem die slawischen Nationen mit Ungeduld auf den Abschluss dieses Vertrages warten, denn sie sehen wohl: dieser Vertrag bedeutet die Festigung der Einheitsfront der Vereinten Nationen gegen den gemeinsamen Feind in Europa.“ (Ebenda S. 207/08.)

Am 2. Mai 1945 verkündete der Rundfunk in die ganze Welt den Befehl des Obersten Befehlshabers an die Truppen der Roten Armee und Kriegsmarine, in dem es hieß, dass die Sowjettruppen „die Zerschmetterung der Berliner deutschen Armeegruppe vollendet haben und heute, am 2. Mai, die deutsche Hauptstadt Berlin, dieses Zentrum des deutschen Imperialismus und den Brandherd der deutschen Aggression besetzt haben“. („Prawda“ Nr. 106 vom 3. Mai 1945. 229) Die Rote Armee hatte den Kampfruf Stalins zur Wirklichkeit gemacht: über Berlin wehte die Siegesfahne. Das Schicksal Hitlerdeutschlands war besiegelt. Am 8. Mai 1945 unterschrieben Vertreter - des deutschen Oberkommandos in Berlin die Urkunde über die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Zum Gedenken der siegreichen Beendigung des Großen Vaterländischen Krieges des Sowjetvolkes, der die volle Zerschmetterung Hitlerdeutschlands brachte, wurde der 9. Mai zum allgemeinen Volksfeiertag, zum Tag der Siegesfeier, erklärt. An diesem historischen Tag wandte sich Stalin durch den Rundfunk mit einer Ansprache an das Volk. „Genossen! Mitbürger und Mitbürgerinnen!

Der große Tag des Sieges über Deutschland ist gekommen. Von der Roten Armee und den Truppen unserer Verbündeten auf die Knie gezwungen, hat sich das faschistische Deutschland für besiegt erklärt und bedingungslos kapituliert...

...Jetzt haben wir vollen Grund zu erklären, dass der historische Tag der endgültigen Niederwerfung Deutschlands, der Tag des großen Sieges unseres Volkes über den deutschen Imperialismus gekommen ist...

Ich beglückwünsche euch zum Siege, meine lieben Mitbürger und Mitbürgerinnen!“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 217-19.)

Das Sowjetvolk feierte seinen Sieg. Alle Gedanken, alle Gefühle der Sowjetmenschen waren dem großen Stalin zugewandt, ihm, der unser Land durch die Schwierigkeiten und Prüfungen des Krieges hindurchgeführt, der unser Land vor dem Untergang gerettet, dessen Genie den Weg zum Siege gezeigt, dessen Willen das Land zum Sieg geführt. Als ein großes Verdienst des Genossen Stalin vor der Heimat muss die Tatsache gewertet werden, dass er es verstanden hat, im Verlauf des Vaterländischen Krieges neue führende militärische Kader heranzuziehen, sie zu lehren und auf verantwortliche Posten zu stellen. Auf den Schultern dieser Kader ruhte die ganze Last des Krieges gegen Deutschland und seine Verbündeten. Solche Kader waren: Bulganin, Wassilewski, Konew, Goworow, Shukow, Watutin, Tschernjachowski, Antonow, Sokolowski, Merezkow, Rokossowski, Malinowski, Woronow, Tolbuchin, Jakowlew, Malinin, Galizki, Trofimenko, Gorbatow, Stemenko, Kurassow, Werschinin, Golowanow, Fedorenko, Rybalko, Bogdanow, Katukow, Leluschenko und viele andere.

Am 24. Mai veranstaltete die Regierung der UdSSR im Kreml einen Empfang zu Ehren der Befehlshaber der Truppen der Roten Armee, der Heerführer Stalinscher Schule. Auf dem Empfang feierte Stalin in einer Rede die Verdienste des Sowjetvolkes im Vaterländischen Krieg und vor allem die Verdienste des russischen Volkes, als der hervorragendsten Nation unter allen zur Sowjetunion gehörenden Nationen. Das russische Volk, sagte Genosse Stalin, hat sich in diesem Kriege die allgemeine Anerkennung als die führende Kraft der Sowjetunion unter den Völkern unseres Landes verdient. Genosse Stalin erhob seinen Pokal auf das Wohl und zu Ehren des russischen Volkes nicht nur, weil es das führende Volk ist, sondern auch weil es einen klaren Verstand, einen standhaften Charakter besitzt und keine Übereilung, sondern vernünftige Geduld an den Tag legt. Das grenzenlose Vertrauen des russischen Volkes zur Sowjetregierung, der Glaube an die Richtigkeit ihrer Politik und die allseitige Unterstützung der Sowjetregierung und der bolschewistischen Partei durch das russische Volk haben sich, wie Genosse Stalin sagte, „als der entscheidende Faktor erwiesen, der den historischen Sieg über den Feind der Menschheit, über den Faschismus, gesichert hat“. (J. Stalin, „über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 223.)

Auf Befehl des Obersten Befehlshabers, Genossen Stalin, wurde am 24. Juni 1945 auf dem Roten Platz in Moskau eine Parade von Truppen aus der Feldarmee, der Kriegsmarine und der Moskauer Garnison abgehalten. Das war die Siegesparade. Hierher auf den Roten Platz brachte die Sowjetarmee die Fahnen der von ihr zerschmetterten und vernichteten faschistischen deutschen Armeen und Divisionen. Diese Fahnen wurden vor dem siegreichen Sowjetvolk zu Boden geworfen, vor den Sockel des Lenin-Mausoleums, auf dessen Tribüne der große Feldherr Genosse Stalin stand.

Dem Willen des ganzen Sowjetvolkes Ausdruck verleihend, beschloss das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR am 26. Juni 1945 in Anerkennung der außerordentlichen Verdienste um die Organisierung aller Streitkräfte der Sowjetunion und der geschickten Führung dieser Kräfte im Großen Vaterländischen Krieg, der mit dem vollen Siege über Hitlerdeutschland geendet hat, dem Marschall der Sowjetunion J. W. Stalin den zweiten „Sieges-Orden“ zu verleihen.

Ferner wurde dem Marschall der Sowjetunion J. W. Stalin, der in den schweren Tagen der Verteidigung unseres Heimatlandes und seiner Hauptstadt Moskau mit außerordentlichem Heldenmut und Entschlossenheit an der Spitze der Roten Armee den Kampf gegen Hitlerdeutschland geführt hat, der Titel „Held der Sowjetunion“ verliehen und der damit verbundene „Lenin-Orden“ und die Medaille des „Goldenen Sterns“ zuerkannt.

Am 27. Juni 1945 wurde dem Obersten Befehlshaber aller Streitkräfte der UdSSR, J. W. Stalin, der höchste militärische Rang verliehen: Stalin wurde zum Generalissimus der Sowjetunion ernannt.

Am 16. Juli 1945 traf J. W. Stalin in Berlin ein, wo vom 17. Juli bis zum 2. August die Dreimächtekonferenz der UdSSR, USA und Großbritanniens vor sich ging. Die Berliner Konferenz fasste wichtige Beschlüsse, die zur Festigung des errungenen Sieges dienen sollten, darunter die Beschlüsse über Deutschland, über Osterreich und Polen. Nach siegreicher Beendigung des Krieges gegen Hitlerdeutschland ging das Sowjetland intensiv an die Arbeit zur Wiederherstellung der von den deutschen Eindringlingen zerstörten Wirtschaft, an den Aufbau neuer Fabriken und Werke.

Aber das Sowjetland konnte seine Sicherheit nicht als gewährleistet betrachten, solange der zweite Kriegsbrandherd noch bestehen blieb, nämlich das imperialistische Japan, welches die ihm von den USA, Großbritannien und China gestellte Forderung der bedingungslosen Kapitulation ablehnte. Die Alliierten wandten sich an die Sowjetregierung mit dem Vorschlag, sich dem Kriege gegen die japanische Aggression anzuschließen. Seiner Bundespflicht getreu, nahm die Sowjetregierung diesen Vorschlag seiner Verbündeten an und erklärte Japan den Krieg.

Das Sowjetvolk billigte und unterstützte diesen Entschluss als den einzig richtigen Schritt, der imstande war, die Sicherheit unseres Landes nicht nur im Westen, sondern auch im Osten zu gewährleisten, die Beendigung des Krieges näher zu bringen und die rascheste Wiederherstellung des Weltfriedens zu fördern. Am Morgen des 9. August 1945 eröffneten die Sowjettruppen, die Kriegsschiffe und Formationen der Sowjetflotte im Stillen Ozean die Kampfoperationen gegen die japanischen Truppen im Fernen Osten.

Die Kwangtung-Armee der Japaner musste nach verzweifelten, aber erfolglosen Gegenangriffen den Widerstand aufgeben; sie streckte die Waffen und wurde von den Sowjettruppen gefangen genommen. Die Sowjetarmee befreite die Mandschurei, Südsachalin, Nordkorea und die Kurilen von der Herrschaft der Japaner.

Der Eintritt der Sowjetunion in den Krieg gegen Japan, der wuchtige Vormarsch der Sowjettruppen und die Zerschmetterung eines beträchtlichen Teiles der japanischen Truppen zwangen Japan zur Kapitulation. Am 2. September 1945 unterzeichneten die Staats- und Heeresvertreter Japans in Tokio die Urkunde der bedingungslosen Kapitulation. Am Tage des Sieges über Japan hielt Genosse Stalin eine Rundfunkansprache. Er teilte dem Sowjetvolke die Freudenbotschaft mit: „Von nun an können wir unser Vaterland als befreit ansehen von der Bedrohung durch eine deutsche Invasion im Westen und eine japanische Invasion im Osten. Der lang erwartete Friede für die Völker der ganzen Welt ist eingetreten.“ (J. Stalin, Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 232.)

Das war der Sieg der sowjetischen Gesellschaftsordnung, das war der Sieg der sowjetischen Staatsordnung, das war der Sieg der Sowjetstreitkräfte, das war der Sieg der weisen Politik der Kommunistischen Partei der Bolschewiki.

In den Jahren des Vaterländischen Krieges erkannte das Sowjetvolk noch gründlicher die ganze Größe seines Lenkers, Lehrers, Feldherrn und Freundes Josef Wissarionowitsch Stalin, seine selbstlose Hingabe zum Nutzen der Sowjetheimat, seine unermüdliche Fürsorge für das Wachsen und Gedeihen des sozialistischen Staates.

Stalin hat das Sowjetvolk zur Abwehr des Feindes beseelt, Stalin hat das Sowjetvolk zum Siege geführt.

Während Genosse Stalin die Kriegsoperationen der Sowjetstreitkräfte und auch die ökonomische und organisatorische Arbeit im Hinterland leitete, setzte er gleichzeitig auch in der Kriegsperiode seine weit ausgedehnte Tätigkeit auf dem Gebiet der Theorie fort und arbeitete an der Weiterentwicklung der marxistisch-leninistischen Wissenschaft. In den Reden und Befehlen des Genossen Stalin, die im Buche „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“ zusammengefasst sind, werden die sowjetische Kriegswissenschaft, die Theorie vom sozialistischen Sowjetstaat, seinen Funktionen und seinen Kraftquellen weiterentwickelt. Genosse Stalin verallgemeinerte die Erfahrungen der sowjetischen Staatstätigkeit unter den Kriegsverhältnissen und wies den Weg zur weiteren Festigung der ökonomischen und militärischen Macht des Sowjetstaates. In seinem Bericht zum 26. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution zeigte Genosse Stalin auf, welch große Bedeutung die bolschewistische Partei, die sowjetische Staatsordnung, die Völkerfreundschaft in der Sowjetunion und der Patriotismus der Sowjetvölker für den Sieg über die faschistischen Eindringlinge hatten.

„In den Tagen des Vaterländischen Krieges steht die Partei vor uns als der Inspirator und Organisator des allgemeinen Volkskampfes gegen die faschistischen Okkupanten. Durch die Organisationsarbeit der Partei wurden alle Anstrengungen der Sowjetmenschen in eins zusammengefasst und auf das gemeinsame Ziel gelenkt, alle unsere Kräfte und Mittel der Zerschmetterung des Feindes dienstbar gemacht. Während des Krieges ist die Partei noch mehr mit dem Volk verwachsen, hat sich noch fester mit den breiten Massen der Werktätigen verbunden. Darin liegt eine Kraftquelle unseres Staates.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 134)

Eine Kraftquelle der Sowjetunion bildet die sozialistische Sowjetordnung. „Die Lehren des Krieges zeugen davon, dass die Sowjetordnung sich nicht nur in den Jahren des friedlichen Aufbaus als die beste Organisationsform für den wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg des Landes erwiesen hat, sondern auch als die beste Form für die Mobilisierung aller Kräfte des Volkes zur Abwehr des Feindes in Kriegszeiten.“ (Ebenda S. 135.) „Die von der Oktoberrevolution hervorgebrachte sozialistische Gesellschaftsordnung hat unserem Volk und unserer Armee eine große und unüberwindliche Kraft verliehen.“ (Ebenda S.179.)

Der Krieg stellte alle materiellen und geistigen Kräfte des Sowjetstaates auf eine harte Probe. Er war eine Überprüfung seiner Festigkeit und Lebensfähigkeit. Der sozialistische Sowjetstaat hat diese Probe in Ehren bestanden und ist aus dem Kriege noch gekräftigter, stärker und fester hervorgegangen, wie das Genosse Stalin auch vorausgesehen hatte.

Genosse Stalin gelangte auch zu neuen Schlussfolgerungen und Verallgemeinerungen in Bezug auf die Bedeutung der Wirtschaftsstruktur des Sowjetstaates. Die Erfahrungen des Krieges, sagte Genosse Stalin, haben gezeigt, „dass die wirtschaftliche Grundlage des Sowjetstaates sich unvergleichlich lebensfähiger gezeigt hat als die Wirtschaft der feindlichen Staaten.“ (Ebenda) 75

Während die Wirtschaft der Feindesstaaten im Verlaufe des Krieges in Verfall geriet, hatte sich die Sowjetunion die Möglichkeit verschafft, nicht nur die Front in genügender Menge mit Waffen und Munition zu versorgen, sondern auch noch Vorräte in Reserve zu stellen. In den letzten drei Kriegsjahren erzeugte die Panzerindustrie der Sowjetunion alljährlich durchschnittlich mehr als 30000 Panzer, Sturmgeschütze und Panzerspähwagen; die Flugzeugindustrie erzeugte im Jahresdurchschnitt bis zu 40000 Flugzeuge; die Artillerie- Industrie an die 120000 Geschütze aller Kaliber, 450000 leichte und schwere Maschinengewehre, über 3000000 Infanteriegewehre und rund 2000000 Maschinenpistolen; die Granatwerferindustrie bis zu 100000 Granatwerfer. Der Qualität nach blieben die Sowjetwaffen keineswegs hinter den deutschen Waffen zurück, sondern waren ihnen überlegen.

Bei der Einschätzung der Bedeutung des Kampfes der Sowjetmenschen gegen die faschistischen deutschen Eindringlinge zog Genosse Stalin die äußerst wichtige Schlussfolgerung über das große historische Verdienst des Sowjetvolkes vor der Geschichte der Menschheit: „Das Sowjetvolk hat durch seinen aufopfernden Kampf die Zivilisation Europas vor den faschistischen Pogromhelden gerettet.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 183.)

Genosse Stalin bewertete das Sowjetvolk als ein Heldenvolk, das imstande ist, Wunder zu vollbringen und aus den schwersten Prüfungen als Sieger hervorzugehen. Eine der Hauptkraftquellen der Sowjetunion, sagte Genosse Stalin, bildet die Freundschaft der Völker unseres Landes, die alle Schwierigkeiten und Prüfungen des Krieges überstanden hat, die sich im gemeinsamen Kampf aller Sowjetmenschen gegen die faschistischen Eindringlinge noch mehr gestählt hat. Die große und unverbrüchliche Freundschaft der Völker unseres Landes kam zustande auf der festen Grundlage der Lenin-Stalinschen Nationalitätenpolitik und ist das in der Geschichte der Menschheit beispiellos dastehende Vorbild einer gerechten Lösung der nationalen Frage.

Die Hitlersche Ideologie des bestialischen Nationalismus und des Rassenhasses wurde geschlagen von der sowjetischen Ideologie der Gleichberechtigung aller Rassen und Nationen, von der Ideologie der Völkerfreundschaft. Das Sowjetvolk hat nicht nur einen militärischen und ökonomischen Sieg über Hitlerdeutschland davongetragen, sondern hat ihm auch eine moralische und politische Niederlage beigebracht. Von größter Bedeutung ist auch die von Genossen Stalin entwickelte These vom Sowjetpatriotismus als der Quelle der Arbeitsgroßtaten des Sowjetvolkes im Hinterlande und der Heldentaten der Sowjetsoldaten an der Front. „Die Kraft des Sowjetpatriotismus“, sagt Genosse Stalin, „liegt darin, dass ihm nicht rassenmäßige oder nationalistische Vorurteile zugrunde liegen, sondern die tiefe Hingabe des Volkes an seine Sowjetheimat und seine Treue zu ihr, die brüderliche Gemeinschaft der Werktätigen aller Nationen unseres Landes. Im Sowjetpatriotismus paaren sich harmonisch die nationalen Traditionen der Völker und die gemeinsamen Lebensinteressen aller Werktätigen der Sowjetunion ... Zu gleicher Zeit achten die Völker der Sowjetunion die Rechte und die Unabhängigkeit der Völker außerhalb unseres Landes und haben stets ihre Bereitschaft bewiesen, mit den Nachbarstaaten in Frieden und Freundschaft zu leben. Darin ist die Grundlage der wachsenden und erstarkenden Verbindungen unseres Staates mit den freiheitsliebenden Völkern zu erblicken.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 181/82.)

Genosse Stalin hat auch die fortgeschrittene sowjetische Kriegswissenschaft weiterentwickelt. Genosse Stalin hat die Lehre von den ständig wirkenden Faktoren ausgearbeitet, die für das Schicksal des Krieges entscheidend sind, ferner die Lehre von der aktiven Verteidigung und den Gesetzen der Gegenoffensive und der Offensive, von dem Zusammenwirken der verschiedenen Waffengattungen und der technischen Kampfmittel unter den Bedingungen des modernen Krieges, von der Rolle großer Panzer- und Flugzeugmassen im modernen Krieg, die Lehre von der Artillerie, als der mächtigsten Waffengattung. In den verschiedensten Stadien des Krieges fand das Genie Stalins die richtigen Lösungen, die allen Besonderheiten der entstandenen Lage Rechnung trugen. Die Stalinsche Kriegskunst trat sowohl bei der Verteidigung als auch beim Angriff in Erscheinung. Auf Weisung des Genossen Stalin ging die aktive Verteidigung der Sowjettruppen Hand in Hand mit der Vorbereitung der Gegenoffensive. Die Offensive ging Hand in Hand mit zuverlässiger Verteidigung. Genosse Stalin zeigte hohe Meisterschaft bei der Ausarbeitung und Anwendung der neuen Manövriertaktik, der Taktik des gleichzeitigen Durchbruchs der gegnerischen Front an mehreren Abschnitten, die darauf berechnet ist, den Gegner daran zu hindern, seine Reserven zu einer Stoßgruppe zu sammeln; der Taktik zeitlich getrennter Durchbrüche der gegnerischen Front an mehreren Abschnitten, bei der ein Durchbruch dem anderen folgt, darauf berechnet, den Feind zu Zeit und Kraft vergeudenden Umgruppierungen zu zwingen, der Taktik der Flankendurchbrüche, der Umgehung, der Einkesselung und Vernichtung großer feindlicher Heeresgruppen. Mit genialem Scharfblick durchschaute Genosse Stalin die Pläne des Feindes und durchkreuzte sie. Die Schlachten, in denen Genosse Stalin die Leitung der Sowjettruppen innehatte, sind hervorragende Musterbeispiele operativer Kriegskunst. Alle Kampfoperationen, die von der Sowjetarmee unter der Leitung des Generalissimus Stalin durchgeführt wurden, sind durch schöpferische Eigenart und originelle Planung gekennzeichnet.

Genosse Stalin fand vorbildliche wissenschaftliche Lösungen für die Probleme der internationalen Beziehungen und Außenpolitik der UdSSR zur Kriegs- und Nachkriegszeit. Genosse Stalin entwickelte ein konkretes praktisches Programm der Maßnahmen und der Politik zur Organisierung und Wiederherstellung des staatlichen, ökonomischen und kulturellen Lebens der Völker Europas nach dem Siege über das faschistische Deutschland. Im Jahre 1942, als der Krieg noch im vollen Gange war, formulierte Genosse Stalin die wichtigsten Prinzipien des Aktionsprogramms der Antihitler-Koalition: Vernichtung der Rassenexklusivität; Gleichberechtigung der Nationen und Unantastbarkeit ihrer Territorien; Befreiung der unterjochten Nationen und Wiederherstellung ihrer souveränen Rechte; das Recht jeder Nation, sich nach eigenem Wunsche einzurichten; Wiederherstellung der demokratischen Freiheiten.

In seinem Bericht zum 27. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution sagte Genosse Stalin: „Den Krieg gegen Deutschland gewinnen bedeutet, ein großes historisches Werk vollbringen. Den Krieg gewinnen bedeutet aber noch nicht, den Völkern einen dauerhaften Frieden und eine verlässliche Sicherheit für die Zukunft gewährleisten. Die Aufgabe besteht nicht nur darin, den Krieg zu gewinnen, sondern auch darin, die Entstehung einer neuen Aggression und eines neuen Krieges wenn nicht für immer, so doch wenigstens für einen längeren Zeitraum unmöglich zu machen.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 187/88.)

Genosse Stalin sprach von der Notwendigkeit, die Sicherheit in der ganzen Welt zu gewährleisten und eine internationale Organisation zu schaffen, und wies dabei darauf hin, dass die in dieser Richtung getroffenen Maßnahmen der Vereinten Nationen „wirksam sein werden, wenn die Großmächte, auf deren Schultern die Hauptlast des Krieges gegen Hitlerdeutschland geruht hat, auch weiterhin im Geiste der Einmütigkeit und des Einvernehmens vorgehen werden. Sie werden unwirksam sein, wenn diese notwendige Bedingung verletzt wird“. (Ebenda S. 190) Ein großartiges Bild der historischen Siege der Sowjetunion im Vaterländischen Kriege und ein grandioses Programm der Weiterentwicklung der sozialistischen Gesellschaftsordnung entwarf Stalin in seiner Rede auf der Wählerversammlung des Stalin-Wahlbezirks in Moskau am 9. Februar 1946. Genosse Stalin sprach über den neuen vierten Fünfjahrplan der Entwicklung unserer Volkswirtschaft, dessen Hauptaufgabe darin besteht, das Vorkriegsniveau der Industrie und Landwirtschaft wiederherzustellen und zu übertreffen.

Genosse Stalin sprach über die zukünftigen Pläne, über den neuen machtvollen Aufschwung der Wirtschaft des Sowjetlandes und seiner Wissenschaft, über die Schaffung der notwendigen Bedingungen, um unsere Heimat gegen jegliche Zufälligkeiten zu sichern, die wirtschaftliche und militärische Macht der Sowjetunion noch viel höher emporzuheben, einen neuen Aufschwung ihrer Kultur und das Wachstum der Wohlhabenheit des Volkes zu gewährleisten.

Im Februar 1946 führte das Sowjetvolk auf Grund der Stalinschen Verfassung Neuwahlen in den Obersten Sowjet der UdSSR durch. Die Wahlen erbrachten einen beredten und überzeugenden Beweis für die Treue des Sowjetvolkes zur bolschewistischen Partei, zur Sowjetregierung, zum geliebten Stalin. Für die Kandidaten des Blocks der Kommunisten und Parteilosen in den Unionssowjet stimmten 99,18 Prozent, in den Nationalitätensowjet 99,16 Prozent der Wähler.

XII

Das Leben und Wirken des Genossen Stalin ist unzertrennlich verbunden mit dem Wirken W.I. Lenins, seines Lehrers und Erziehers, mit der Geschichte unserer heroischen bolschewistischen Partei, mit der Geschichte des großen Sowjetvolkes. Das Leben und Wirken Stalins ist ferner verbunden mit der internationalen Arbeiterbewegung und mit dem nationalen Befreiungskampf der Kolonialvölker gegen das imperialistische Joch. Unter Leitung der großen Führer Lenin und Stalin wuchs und entwickelte sich die Kommunistische Internationale. Wie die Geschichte der I. Internationale unlöslich mit den Namen Marx und Engels verbunden ist, so ist die Geschichte der III., der Kommunistischen Internationale mit den Namen Lenin und Stalin verbunden. Die Kommunistische Internationale hat bei der Sammlung der Vorhut der fortgeschrittenen Arbeiter zu wirklichen Arbeiterparteien eine wichtige Rolle gespielt. Nach Erfüllung ihrer historischen Mission hat die Kommunistische Internationale während des zweiten Weltkrieges zu bestehen aufgehört. tim Mai 1943 beantragte das Präsidium des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale die Komintern als leitendes Zentrum der internationalen Arbeiterbewegung aufzulösen. Die Sektionen der Komintern haben diesen Antrag bestätigt. In Stalin sehen Millionen Arbeiter aller Länder ihren Lehrer, aus dessen klassischen Werken sie lernten und lernen, wie man erfolgreich gegen den Klassenfeind kämpft, wie die Voraussetzungen für den Endsieg des Proletariats geschaffen werden. Der Einfluss Stalins, das ist der Einfluss der großen, ruhmreichen bolschewistischen Partei, in der die Arbeiter der kapitalistischen Länder die vorbildliche Partei der Arbeiterklasse sehen, die der Nachahmung würdig ist. Unter Führung dieser Partei wurde nicht nur der Kapitalismus gestürzt und die Sowjetmacht, die Macht der Werktätigen, errichtet, sondern auch der Sozialismus in der UdSSR aufgebaut.

Die Arbeiter aller Länder wissen, dass jedes von Stalin gesprochene Wort das Wort des Sowjetvolkes ist, dass auf jedes seiner Worte die Tat folgt. Die werktätigen Massen der ganzen Welt haben sich auf Grund der Erfahrungen der siegreichen sozialistischen Revolution, auf Grund der Erfahrungen der Errichtung des Sozialismus in der UdSSR und der Siege des Sowjetvolkes im Vaterländischen Krieg von der grundtiefen, lebendigen Wahrheit der Sache Lenins und Stalins überzeugt. Gegenwärtig sehen alle friedliebenden Völker in Stalin den treuen und standhaften Verteidiger des Friedens, der Sicherheit und der demokratischen Freiheiten.

J. W. Stalin ist der geniale Führer und Lehrer der Partei, der große Stratege der sozialistischen Revolution, der Lenker des Sowjetstaates und sein Heerführer. Unversöhnlichkeit gegen die Feinde des Sozialismus, äußerste Prinzipientreue, die in seinem Wirken bekundete Vereinigung der klaren revolutionären Perspektive, der Zielklarheit mit außergewöhnlicher Festigkeit und Beharrlichkeit im Erreichen des Zieles, weise und konkrete Führung, unzertrennliche Verbundenheit mit den Massen - das sind die kennzeichnenden Züge des Stalinschen Arbeitsstils. 1lAußer Lenin hat noch kein einziger Führer in der Welt so gewaltige Millionenmassen von Arbeitern und Bauern geführt wie J. W. Stalin. Stalin versteht es wie kein anderer, die revolutionäre schöpferische Erfahrung der Massen zusammenzufassen, ihre Initiative aufzugreifen und zu entwickeln, von den Massen zu lernen und sie zu lehren, sie zum Siege voranzuführen.

Das gesamte Wirken Stalins ist für uns ein Musterbeispiel der Vereinigung gewaltiger theoretischer Kraft mit einer in ihrem Umfang und Ausmaß außergewöhnlichen praktischen Erfahrung des revolutionären Kampfes.

An der Spitze der großen Partei der Bolschewiki leitet Stalin zusammen mit seinen nächsten Kampfgefährten, den erprobten Leninisten, den viele Nationen umfassenden sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern, einen Staat, wie ihn die Geschichte bisher noch nicht gekannt hat. Auf allen Gebieten des sozialistischen Aufbaus sind seine Weisungen die Anleitung zum Handeln. Die Arbeit des Genossen Stalin ist außerordentlich vielseitig, seine Energie wahrhaft erstaunlich. Der Kreis der Fragen, denen Genosse Stalin seine Aufmerksamkeit widmet, ist unermesslich weit: die schwierigsten Fragen der Theorie des Marxismus-Leninismus - und Lehrbücher für Schulkinder; Probleme der Außenpolitik der Sowjetunion - und die tagtägliche Sorge für die Ausgestaltung der proletarischen Hauptstadt; die Erschließung des Großen Nördlichen Seeweges - und die Trockenlegung der Sümpfe der Kolchis; Probleme der Entwicklung der Sowjetliteratur und Sowjetkunst - und die Redigierung des Statuts der kollektivwirtschaftlichen Lebensordnung, und schließlich die Lösung der kompliziertesten Fragen der Theorie und Praxis der Kriegskunst.

Alle kennen die unüberwindliche, bezwingende Kraft der Stalinschen Logik, die kristallene Klarheit seines Verstandes, seinen stählernen Willen, seine Ergebenheit für die Partei, seinen glühenden Glauben an das Volk und seine Liebe zum Volk. Allen ist seine Bescheidenheit, Einfachheit, Feinfühligkeit gegenüber den Menschen und Schonungslosigkeit gegen die Volksfeinde bekannt. Alle kennen seine Unduldsamkeit gegen Sensationsmacherei, gegen Phrasendrescher und Schwätzer, gegen Flenner und Panikmacher. Stalin ist weise und bedachtsam bei der Entscheidung schwieriger politischer Fragen, wo eine allseitige Erwägung aller Für und Wider notwendig ist. Zugleich ist Stalin der größte Meister kühner revolutionärer Entscheidungen und schroffer Wendungen.

Stalin ist der würdige Fortsetzer des Werkes Lenins, oder wie man in unserer Partei zu sagen pflegt: Stalin - das ist Lenin von heute. Als Antwort an die Organisationen und Genossen, die ihn im Jahre 1929 zu seinem fünfzigsten Geburtstag beglückwünschten, schrieb Stalin: „Eure Glückwünsche und Begrüßungen beziehe ich auf die große Partei der Arbeiterklasse, die mich nach ihrem Ebenbild erschaffen und erzogen hat ... Ihr braucht nicht daran zu zweifeln, Genossen, dass ich bereit bin, auch in Zukunft für die Sache der Arbeiterklasse, für die Sache der proletarischen Revolution und des Weltkommunismus alle meine Kräfte, alle meine Fähigkeiten und, wenn es notwendig ist, all mein Blut, Tropfen für Tropfen, hinzugeben.“ („Prawda“ Nr. 302 vom 22. Dezember 1929.)

In Stalin sehen die Völker der Sowjetunion die Verkörperung ihres Heroismus, ihrer Liebe zur Heimat, ihres Patriotismus. „Für Stalin! Für die Heimat!“ - unter dieser Losung haben die Kämpfer der ruhmreichen Sowjetarmee ihren schlimmsten, tückischen Feind, das faschistische Deutschland, zerschmettert und über Berlin die Fahne des Sieges gehisst. Für Stalin! Für die Heimat! Unter dieser Losung haben die Kämpfer der Sowjetarmee und Kriegsmarine das imperialistische Japan zerschmettert und die Grenzen des Sowjetstaats im Fernen Osten gesichert.

Mit dem Namen Stalins im Herzen vollbrachte die Arbeiterklasse der Sowjetunion im Großen Vaterländischen Krieg beispiellose Ruhmestaten der Arbeit und versorgte die Rote Armee mit erstklassigem Kampfgerät und mit Munition.

Mit dem Namen Stalins im Herzen arbeitete die Bauernschaft der Kollektivwirtschaften aufopferungsvoll auf den Feldern und versorgte die Rote Armee und die Stadtbewohner mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen für die Industrie. Mit dem Namen Stalins im Herzen arbeitete die Sowjetintelligenz hingebungsvoll für die Landesverteidigung, vervollkommnete die Waffen der Roten Armee, die Produktionstechnik und -organisation und entwickelte die Wissenschaft und Kultur in der Sowjetunion immer höher.

Mit dem Namen Stalins im Herzen arbeitet jetzt das ganze Sowjetvolk erfolgreich an der Heilung der vom Kriege geschlagenen Wunden und kämpft für einen neuen mächtigen Aufschwung der Volkswirtschaft und der Sowjetkultur. Der Name Stalins ist das Symbol des Mutes, das Symbol des Ruhmes des Sowjetvolkes, der Ruf zu neuen heroischen Taten zum Wohle der großen Sowjetheimat.

Den Namen Stalins tragen in ihrem Herzen die Jünglinge und Mädchen des Landes des Sozialismus, die Jungpioniere und -pionierinnen. Es ist ihr sehnlichster Traum, wie Lenin, wie Stalin zu sein, Politiker von Lenin-Stalinschem Typus zu werden. Auf den Ruf der Partei, auf den Ruf des Genossen Stalin schuf die Sowjetjugend Giganten der sozialistischen Industrie, Städte in der Taiga, baute und baut wundervolle Schiffe, bezwingt die Arktis, meistert die neue Technik in Industrie und Landwirtschaft, stärkt die Wehrfähigkeit unserer Heimat, leistet schöpferische Arbeit in Kunst und Wissenschaft, zeigte Musterbeispiele an Heroismus und Tapferkeit auf den Schlachtfeldern des Vaterländischen Krieges und Musterbeispiele der selbstaufopfernden Arbeit im Hinterland für den Sieg der Sowjetarmee. Der von Lenin und Stalin erzogene Kommunistische Jugendverband ist der treue Helfer der bolschewistischen Partei, die zuverlässige Ablösung der älteren Generationen der Kämpfer für den Kommunismus.

In zahlreichen Sprachen wird Stalin von den Völkern der Sowjetunion in Liedern besungen. Diese Lieder sind der Ausdruck der großen Liebe und grenzenlosen Ergebenheit der Völker der Sowjetunion für ihren großen Führer, Lehrer, Freund und Feldherrn. Der Name Stalins verschmilzt in der Volkskunst mit dem Namen Lenins. „Wir gehen mit Stalin wie mit Lenin, wir sprechen mit Stalin wie mit Lenin, er kennt alle unsere Gedanken, er sorgt sein ganzes Leben lang für uns“, heißt es in einer schönen russischen Volkssage. Der Name Stalins ist das Symbol der moralischen und politischen Einheit der Sowjetgesellschaft.

An den Namen Stalins knüpfen die ganze fortschrittliche Menschheit, alle freiheitsliebenden demokratischen Völker ihre Hoffnungen auf dauerhaften Frieden und Sicherheit. „Es ist unser Glück, dass in den schweren Kriegsjahren die Rote Armee und das Sowjetvolk vorangeführt wurden von dem weisen und erprobten Lenker der Sowjetunion, dem Großen Stalin. Unter dem Namen des Generalissimus Stalin werden die ruhmvollen Siege unserer Armee in die Geschichte unserer Heimat und in die Weltgeschichte eingehen. Unter der Leitung des Genossen Stalin, dieses großen Führers und Organisators, haben wir uns jetzt an den friedlichen Aufbau gemacht, um die Kräfte der sozialistischen Gesellschaft zur vollen Blüte zu bringen und den besten Hoffnungen unserer Freunde in der ganzen Welt gerecht zu werden.“ (W. M. Molotow, „Der 28. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“, Moskau 1945, S. 18/19 russ.)

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Stalin über die Bedeutung der Oktoberrevolution

Quelle: J.Stalin, Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin, 1951, Der internationale Charakter der Oktoberrevolution, S.215-223, (Auswahl V.M.)

Auf Kommunisten-online am 21. Dezember 2009 – Die Revolutionen der Vergangenheit endeten gewöhnlich damit, daß am Regierungsruder eine Ausbeutergruppe durch eine andere Ausbeutergruppe abgelöst wurde. Die Ausbeuter wechselten, die Ausbeutung blieb. (…)

Die Oktoberrevolution unterscheidet sich grundsätzlich von diesen Revolutionen. Sie setzt sich nicht das Ziel, eine Ausbeutungsform durch eine andere Ausbeutungsform, eine Ausbeutergruppe durch eine andere Ausbeutergruppe zu ersetzen, sondern jede Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aufzuheben, alle und jede Ausbeutergruppen zu vernichten, die Diktatur des Proletariats aufzurichten, die Macht jener Klasse aufzurichten, die von allen bisher dagewesenen unterdrückten Klassen die revolutionärste ist, eine neue, klassenlose, sozialistische Gesellschaft zu organisieren.

Eben deshalb bedeutet der Sieg der Oktoberrevolution eine grundlegende Wendung in der Geschichte der Menschheit, eine grundlegende Wendung im historischen Schicksalslauf des Weltkapitalismus, eine grundlegende Wendung in der Befreiungsbewegung des Weltproletariats, eine grundlegende Wendung in den Kampfmethoden und den Organisationsformen, in der Lebensart und den Traditionen, in der Kultur und Ideologie der ausgebeuteten Massen der ganzen Welt.

Das ist der Grund, weshalb die Oktoberrevolution eine Revolution von internationaler, von Weltbedeutung ist. (…) Die Oktoberrevolution ist vor allem dadurch so bedeutsam, daß sie die Front des Weltimperialismus durchbrochen, die imperialistische Bourgeoisie in einem der größten kapitalistischen Ländergestürzt und das sozialistische Proletariat an die Macht gebracht hat.

Die Klasse der Lohnsklaven, die Klasse der Gehetzten, die Klasse der Unterdrückten und Ausgebeuteten ist zum ersten Male in der Geschichte der Menschheit zur Stellung einer herrschenden Klasse emporgestiegen (…)

Sie hat den Gutsbesitzern und Kapitalisten die Produktionsmittel und –instrumente weggenommen und in gesellschaftliches Eigentum verwandelt, und auf diese Weise dem bürgerlichen Eigentum das sozialistische entgegengestellt. Sie hat damit die Lüge der Kapitalisten entlarvt, daß das bürgerliche Eigentum unantastbar, heilig und ewig sei.

Sie hat der Bourgeoisie die Macht entrissen, hat der Bourgeoisie die politischen Rechte genommen, den bürgerliche  Staatsapparat zerstört und die Macht den Sowjets übergeben; auf diese Weise hat sie dem bürgerlichen Parlamentarismus, der kapitalistischen Demokratie die sozialistische Macht der Sowjets, die proletarische Demokratie entgegengestellt.

Lafargue hatte recht, als er schon 1887 sagte, daß am Tage nach der Revolution „allen ehemaligen Kapitalisten das Wahlrecht genommen werden wird“. Dadurch hat die Oktoberrevolution die Lüge der Sozialdemokratie entlarvt, daß heute ein friedlicher Übergang zum Sozialismus auf dem Wege über den bürgerlichen Parlamentarismus möglich sein.

Doch ist die Oktoberrevolution dabei nicht stehengeblieben und konnte dabei nicht stehenbleiben. Nachdem sie das Alte, das Bürgerliche zerstört hatte, ging sie daran, das Neue, das Sozialistische aufzubauen. (…)

…die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit des brüderlichen Bundes der Arbeiter und Bauern der verschiedensten Völker auf der Grundlage der Freiwilligkeit und des Internationalismus. (…)

Das Bestehen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, die in Vorbild des zukünftigen Zusammenschlusses der Werktätigen aller Länder zu einer einheitlichen Weltwirtschaft ist, muß unweigerlich als direkter Beweis dafür gelten. (…)

Die Ära der „Stabilität“ des Kapitalismus ist vorbei, und mit ihr auch die Legende von der Unerschütterlichkeit der bürgerlichen Ordnung. (…)

Die Oktoberrevolution, die zwischen der Sozialdemokratie und dem Marxismus eine Trennungslinie zog, hatte weiter zur Folge, daß die Sozialdemokratie im Lager der direkten Verteidige rdes Kapitalismus gegen die erste proletarische Diktatur der Welt landete.

Der gegenwärtige Sozialdemokratismus ist eine ideologische Stütze des Kapitalismus. Lenin hatte tausendmal recht, als er sagte, daß die heutigen sozialdemokratischen Politiker „wirkliche Agenten der Bourgeoisie innerhalb der Arbeiterbewegung, die Arbeiterkommis der Kapitalistenklasse sind… (Hervorhebung V.M.)

Quelle: J.Stalin, Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin, 1951, Der internationale Charakter der Oktoberrevolution, S.215-223, (Auswahl V.M.)

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