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Genosse
Josef Wissarionowitsch
Stalin wurde am 21. Dezember 1879 in der Stadt Gori,
Gouvernement Tiflis, geboren. Sein Vater war Schuhmachen, seine
Mutter entstammte aus der Familie von leibeigenen Bauern.
Kommunisten-online
erinnert an Genossen Stalin als den Führer
des heldenhaften Sowjetvolkes, den Führer der ruhmreichen
Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) und an den
größten Kommunisten des 20. Jahrhunderts nach Lenin.
Unter
seiner Führung erstarkte die kommunistische Weltbewegung,
erreichte sie eine ideologische Klarheit, die sie befähigte,
ein sozialistisches Lager entstehen zu lassen. Stalin ist
unvergessen, sein Ruhm ist auch nicht durch die Hetze aller
Feinde des Kommunismus - von den Trotzkisten, über alles
Schattierungen des Revisionismus, der imperialistischen
Ideologen bin hin zu den Faschisten - zu schmälern.
Josef
Wissarionowitsch Stalin
Kurze
Lebensbeschreibung
VERFASSER:
G.
F. Alexandrow, M. P. Galaktionow, W S. Krushkow, M. B. Mitin, W. D.
Motschalow, P. N. Pospelow weiter
zum Text
Stalin über die Bedeutung der
Oktoberrevolution
Quelle: J.Stalin, Fragen des Leninismus,
Dietz Verlag Berlin, 1951, Der internationale Charakter der
Oktoberrevolution, S.215-223, (Auswahl V.M.)
Auf Kommunisten-online am 21. Dezember 2009 weiter
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Josef
Wissarionowitsch Stalin
Kurze
Lebensbeschreibung
VERFASSER:
G.
F. Alexandrow, M. P. Galaktionow, W S. Krushkow, M. B. Mitin, W. D.
Motschalow, P. N. Pospelow
Die
vorliegende Ausgabe der „Kurzen Lebensbeschreibung J. W. Stalins“
ist eine Übersetzung der vom Marx-Engels-Lenin-Institut in Moskau 1947
herausgegebenen zweiten verbesserten und ergänzten russischen Auflage.
VERLAG
FÜR FREMDSPRACHIGE LITERATUR MOSKAU 1947
INHALT
I.
Josef Wissarionowitsch Stalin (Dshugaschwili) wurde am 21. Dezember 1879
in der Stadt Gori, Gouvernement Tiflis, geboren.
II.
Fast zwei Jahre verbrachte Stalin im Gefängnis und in der Verbannung.
Das waren Jahre des weiter ansteigenden revolutionären Aufschwungs im
Lande.
III.
Die erste russische Revolution endete mit einer Niederlage. Vom Ende der
ersten bis zum Beginn der zweiten Revolution vergingen zehn Jahre.
IV.
Die Prager Konferenz sagte in ihren Beschlüssen voraus, dass in naher
Zukunft ein revolutionärer Aufschwung unvermeidlich ist, und traf alle
Maßnahmen, damit die Partei zu diesem Aufschwung in voller Rüstung
bereit sei.
V.
Am 3. April 1917 kehrte Lenin aus langjährigem Exil nach Russland zurück.
Die Nachricht von der Ankunft des geliebten Führers der Revolution
wurde von den fortgeschrittenen Arbeitern Petrograds mit großer
Begeisterung aufgenommen.
VI.
Die durch die Sozialistische Oktoberrevolution gestürzten russischen
Gutsbesitzer und Kapitalisten verständigten sich mit den Kapitalisten
anderer Länder über die Organisierung einer militärischen
Intervention gegen das Land der Sowjets.
VII.
Nachdem die Sowjetmacht den Krieg gegen die Interventen siegreich
beendet hatte, ging sie zum friedlichen wirtschaftlichen Aufbau über.
Das Land war durch den vierjährigen imperialistischen Krieg und den
dreijährigen Bürgerkrieg zerrüttet.
VIII.
Ein so riesiges und zugleich ökonomisch zurückgebliebenes Land, wie es
die Sowjetunion in jener Periode war, in der historisch kürzesten Frist
zu industrialisieren, war eine Aufgabe, die mit gigantischen
Schwierigkeiten verbunden war.
IX.
Am 27. Dezember 1929 sprach Stalin in der Konferenz marxistischer
Agrarsachverständiger.
X.
Dank den Erfolgen der Generallinie der Partei dauerte im Lande der
Aufstieg der Industrie und der Landwirtschaft unentwegt an.
XI.
Am 22. Juni 1941 hat das imperialistische Hitlerdeutschland den
Nichtangriffspakt brutal verletzt und wortbrüchig einen überraschenden
Überfall auf die Sowjetunion unternommen.
XII.
Das Leben und Wirken des Genossen Stalin ist unzertrennlich verbunden
mit dem Wirken W.I. Lenins, seines Lehrers und Erziehers, mit der
Geschichte unserer heroischen bolschewistischen Partei, mit der
Geschichte des großen Sowjetvolkes.
I
JOSEF
WISSARIONOWITSCH STALIN (Dshugaschwili) wurde am 21. Dezember 1879 in
der Stadt Gori, Gouvernement Tiflis, geboren. Sein Vater, Wissarion
Iwanowitsch Dshugaschwili, der Nationalität nach Georgier, stammte aus
einer Bauernfamilie des Dorfes Didi-Lilo, Gouvernement Tiflis, war von
Beruf Schuhmacher, späterhin Arbeiter der Schuhfabrik Adelchanow in
Tiflis. Die Mutter, Jekaterina Georgijewna, entstammte der Familie des
leibeigenen Bauern Geladse aus dem Dorfe Gambareuli.
Im
Herbst 1888 wurde Stalin in die geistliche Elementarschule von Gori
aufgenommen. Im Jahre 1894 beendete Stalin die Schule und bezog im
gleichen Jahre das griechisch-orthodoxe geistliche Seminar in Tiflis. In
diesen Jahren fand der Marxismus in Rußland, dank der Entwicklung des
industriellen Kapitalismus und dem Wachstum der Arbeiterbewegung, weite
Verbreitung. Der von Lenin geschaffene und geleitete Petersburger
„Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“ gab der Entwicklung der
sozialdemokratischen Bewegung im ganzen Lande einen mächtigen Anstoß.
Die Wellen der Arbeiterbewegung erfassten auch Transkaukasien, wohin der
Kapitalismus bereits vorgedrungen war und wo eine starke nationale und
koloniale Unterdrückung herrschte. Transkaukasien war eine typische
Kolonie des russischen Zarismus, ein wirtschaftlich rückständiges
Agrarland mit noch starken Überresten des Feudalismus, ein Land, das
von zahlreichen Nationalitäten bewohnt war, die in einem bunten Gemisch
nebeneinander lebten.
Im
letzten Viertel des 19. Jahrhunderts setzte in Transkaukasien eine
rasche Entwicklung des Kapitalismus ein; die Arbeiter und Bauern wurden
einer räuberischen Ausbeutung unterworfen, die nationale und koloniale
Unterdrückung wurde verschärft. Besonders rasch entwickelte sich der
Bergbau, die Gewinnung und Verarbeitung von Erdöl; hier hatte das ausländische
Kapital die entscheidenden Positionen an sich gerissen. „Der russische
Kapitalismus“, schrieb Lenin, „zog auf diese Weise den Kaukasus in
den Weltwarenverkehr hinein, er nivellierte seine örtlichen
Besonderheiten - Überreste der alten patriarchalischen
Abgeschlossenheit - und schuf sich einen Markt für seine Fabriken. Das
Land, das zu Beginn der Nachreformzeit noch schwach besiedelt oder von
Bergvölkern bewohnt war, die abseits der Weltwirtschaft und sogar
abseits der Geschichte standen, verwandelte sich in ein Land der Erdölindustriellen,
der Weinhändler, Großproduzenten von Weizen und Tabak…“ (Lenin,
Werke, Bd. III, 3. Aufl., S. 464 russ.) Mit dem Aufkommen der
Eisenbahnen und der ersten Fabriken und Werke im Kaukasus kam auch die
Arbeiterklasse auf. Besonders rasch entwickelte sich die Erdölstadt
Baku, das große Industrie- und Arbeiterzentrum des Kaukasus. Die
Entwicklung des Industriekapitalismus hatte ein Anwachsen der
Arbeiterbewegung im Gefolge. In den neunziger Jahren entfalteten in
Transkaukasien die dorthin verschickten russischen Marxisten eine
revolutionäre Tätigkeit. In Transkaukasien setzte die Propaganda des
Marxismus ein. Das Tifliser griechisch-orthodoxe Seminar war damals eine
Pflanzstätte für jede Art von Befreiungsideen unter der Jugend, sowohl
von volkstümlerischnationalistischen als auch von
marxistisch-internationalistischen, es wimmelte von verschiedenartigen
geheimen Zirkeln. Das im Seminar herrschende Jesuitenregime rief bei
Stalin stürmischen Protest hervor, nährte und verstärkte in ihm die
revolutionäre Gesinnung.
Der
fünfzehnjährige Stalin wird zum Revolutionär.
„In
die revolutionäre Bewegung“, erzählt Stalin, „trat ich im Alter
von 15 Jahren ein, als ich mit den illegalen Gruppen russischer
Marxisten, die damals in Transkaukasien lebten, Verbindung aufgenommen
hatte. Diese Gruppen übten großen Einfluss auf mich aus und brachten
mir Geschmack an der illegalen marxistischen Literatur bei.“ (J.
Stalin, Unterredung mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig, 1938,
S. 9 russ.) In den Jahren 1896 und 1897 leitet Stalin marxistische
Zirkel im Seminar. Im August 1898 tritt er auch formell der Tifliser
Organisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands bei.
Stalin wird Mitglied der Gruppe „Messame-Dassi“, der ersten
georgischen sozialdemokratischen Organisation, die in den Jahren
1893-1898 eine gewisse positive Rolle bei der Verbreitung der Ideen des
Marxismus spielte. Die „Messame-Dassi“ war politisch nicht
einheitlich: ihre Mehrheit vertrat den Standpunkt des „legalen
Marxismus“ und neigte zum bürgerlichen Nationalismus. Stalin,
Kezchoweli und Zulukidse bildeten in der „Messame-Dassi“ den führenden
Kern der revolutionären marxistischen Minderheit, die zur Keimzelle der
revolutionären Sozialdemokratie Georgiens wurde.
Stalin
arbeitet viel und beharrlich an seiner Bildung. Er studiert das
„Kapital“ von Marx, das „Manifest der Kommunistischen Partei“
und andere Werke von Marx und Engels, macht sich mit den gegen die
Volkstümlerrichtung, den „legalen Marxismus“ und „Ökonomismus“
gerichteten Schriften Lenins vertraut. Bereits damals machten die
Arbeiten Lenins einen tiefen Eindruck auf Stalin. Einer der Genossen,
die Stalin in dieser Zeit gut kannten, erinnert sich, wie Stalin, als er
eine Arbeit Tulins (Lenins) gelesen hatte, sagte: „Ich muss ihn um
jeden Preis sehen.“ („Erzählungen alter transkaukasischer Arbeiter
über den großen Stalin“, Erinnerungen des Genossen P. Kapanadse,
Verlag „Junge Garde“ 1937, S. 26 russ.) Der Kreis des theoretischen
Interesses Stalins ist außerordentlich umfassend: er studiert
Philosophie, politische Ökonomie, Geschichte, Naturwissenschaften,
liest die Werke der Klassiker der schönen Literatur. Stalin wird zu
einem gebildeten Marxisten. Stalin leistet in diesem Zeitabschnitt
intensive propagandistische Arbeit in Arbeiterzirkeln, nimmt an
illegalen Arbeiterversammlungen teil, verfasst Flugblätter und
organisiert Streiks.
Das
war für Stalin die erste Schule der praktischen revolutionären Arbeit
unter den fortgeschrittenen Proletariern von Tiflis.
„Ich
erinnere mich des Jahres 1898“, sagt Stalin, „als man mir zum
erstenmal einen Zirkel von Arbeitern der Eisenbahnwerkstätten zuteilte
... Hier, im Kreise dieser Genossen, erhielt ich damals meine erste
revolutionäre Feuertaufe ... Meine ersten Lehrer waren die Tifliser
Arbeiter.“ („Prawda“ Nr. 136 vom 16. Juni 1926.)
Dem
Unterricht in den marxistischen Arbeiterzirkeln von Tiflis lag ein von
Stalin verfasstes Schulungsprogramm zugrunde. Im Seminar, wo die „Verdächtigen“
unter scharfe Beobachtung gestellt wurden, kam man der illegalen
revolutionären Tätigkeit Stalins auf die Spur. Am 29. Mai 1899 wird er
wegen Propaganda des Marxismus aus dem Seminar ausgeschlossen. Stalin
schlägt sich einige Zeit mit Stundengeben durch und findet dann (im
Dezember 1899) Arbeit im Tifliser Physikalischen Observatorium als
Beobachter und Rechner, ohne die revolutionäre Tätigkeit auch nur für
einen Augenblick einzustellen.
Bereits
zu dieser Zeit ist Stalin einer der energischsten und hervorragendsten
Parteiarbeiter der Tifliser sozialdemokratischen Organisation. „In den
Jahren 1898-1900 bildete und konstituierte sich die leitende
sozialdemokratische Zentralgruppe der Tifliser Organisation ... Die
Tifliser sozialdemokratische Zentralgruppe leistete beim Aufbau der
illegalen sozialdemokratischen Parteiorganisation eine gewaltige
revolutionär-propagandistische und organisatorische Arbeit.“ (L.
Beria, „Zur Geschichte der bolschewistischen Organisationen in
Transkaukasien“, 1941, S. 17 russ.) Stalin stand an der Spitze dieser
Gruppe. Der Leninsche „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“
war das Vorbild, dem die Tifliser revolutionären Sozialdemokraten in
ihrer Arbeit unentwegt folgten. Unter Führung der revolutionären
Minderheit der „Messame-Dassi“ (Stalin, Kezchoweli, Zulukidse) überschreitet
die Arbeiterbewegung in Tiflis in diesem Zeitabschnitt den Rahmen der
alten, rein propagandistischen Arbeit „mit hervorragenden
Einzelpersonen“ aus den Reihen der Arbeiter. Die Agitation unter den
Massen durch Herausgabe von Flugblättern über aktuelle Themen, durch
fliegende Versammlungen und politische Demonstrationen gegen den
Zarismus wird durch das Leben in den Vordergrund gerückt.
Die
neue Taktik stößt auf den scharfen Widerstand der opportunistischen
Mehrheit der „Messame-Dassi“, die zum „Ökonomismus“ neigte, vor
revolutionären Methoden zurückschreckte und den politischen „Straßen“kampf
gegen die Selbstherrschaft ablehnte. Stalin und die revolutionäre
Minderheit der „Messame-Dassi“ führen einen heftigen und unversöhnlichen
Kampf gegen die Opportunisten, für die Durchsetzung der neuen Taktik,
der Taktik der politischen Massenagitation. Sie finden bei den
fortgeschrittenen Arbeitern von Tiflis begeisterte Unterstützung.
Beim
Übergang der Tifliser Sozialdemokraten zu neuen Arbeitsmethoden spielte
Viktor Kurnatowski eine hervorragende Rolle. Das war ein geschulter
Marxist, standhafter Anhänger und naher Kampfgefährte Lenins, ein
Verfechter der Leninschen Ideen in Transkaukasien. Im Sommer 1900 in
Tiflis eingetroffen, stellt er enge Beziehungen zu Stalin und der
revolutionären Minderheit der „Messame-Dassi“ her und wird zum nächsten
Freunde und Kampfgefährten Stalins.
Als
im Dezember 1900 die Leninsche „Iskra“ zu erscheinen begann, stellte
sich Stalin restlos auf ihren Standpunkt. Stalin erkannte in Lenin
sofort den Begründer einer wahrhaft marxistischen Partei, den Führer
und Lehrer. „Die Bekanntschaft mit Lenins revolutionärer Tätigkeit
seit Ende der neunziger Jahre, und besonders nach dem Jahre 1901, nach
der Herausgabe der ‚Iskra’“, sagt Stalin, „hatte mich zu der Überzeugung
gebracht, dass wir in Lenin einen außergewöhnlichen Menschen besitzen.
Er
war damals in meinen Augen nicht ein einfacher Führer der Partei,
sondern ihr tatsächlicher Schöpfer, denn er allein verstand das innere
Wesen und die dringenden Bedürfnisse unserer Partei. Wenn ich ihn mit
den übrigen Führern unserer Partei verglich, schien es mir immer, dass
Lenin seine Kampfgefährten - Plechanow, Martow, Axelrod und andere - um
einen ganzen Kopf überragt, dass Lenin im Vergleich zu ihnen nicht
einfach einer der Führer, sondern ein Führer höheren Typs ist, ein
Bergadler, der keine Furcht im Kampfe kennt und kühn die Partei vorwärts
führt auf den unerforschten Wegen der russischen revolutionären
Bewegung.“ (J. Stalin, „Über Lenin“, Moskau 1946, S. 38.)
Stalin
war von grenzenlosem Glauben an das revolutionäre Genie Lenins erfüllt
und ging den Weg Lenins. Er ist von diesem Weg niemals abgewichen und führt
nach dem Tode Lenins dessen Werk kühn und sicher fort.
Unter
den Bedingungen der einsetzenden Wirtschaftskrise, unter dem Einfluss
der Arbeiterbewegung Rußlands und als Folge der Tätigkeit der
Sozialdemokraten steigt in Tiflis in den Jahren 1900 und 1901 die Welle
wirtschaftlicher Streiks, die einen Betrieb nach dem anderen erfassen.
Im August 1900 bricht der grandiose Streik der Arbeiter der
Eisenbahnwerkstätten und des Eisenbahndepots aus. An diesem Streik
nimmt der aus Petersburg nach dem Kaukasus ausgewiesene M. I. Kalinin
aktiv teil. Am 22. April 1901 findet im Zentrum von Tiflis eine
Maidemonstration statt. Stalin ist der Organisator und Führer dieser
Demonstration. Die Leninsche „Iskra“ schätzte diese Demonstration
als ein Ereignis von historischer Bedeutung für den ganzen Kaukasus
ein; ihre Einwirkung auf die gesamte weitere Entwicklung der
Arbeiterbewegung des Kaukasus war außerordentlich groß.
So
wurde in diesen Jahren unter Leitung der revolutionären, von Stalin geführten
Minderheit der „Messame-Dassi“ der Übergang der Arbeiterbewegung
Georgiens von der Propaganda in kleinen Zirkeln zur politischen
Massenagitation vollzogen. Damit wurde auch im Kaukasus die Vereinigung
des Sozialismus mit der Arbeiterbewegung eingeleitet, genau so, wie
einige Jahre vorher der von Lenin geführte Petersburger „Kampfbund“
derselben Aufgabe in glänzender Weise gerecht worden war.
Die
durch das Anwachsen des revolutionären Kampfes des transkaukasischen
Proletariats beunruhigte zaristische Regierung verschärfte die Gewaltmaßnahmen
und glaubte dadurch der Bewegung Einhalt gebieten zu können. Am 21. März
1901 führte die Polizei eine Haussuchung im Physikalischen
Observatorium durch, wo Stalin wohnte und arbeitete. Die Haussuchung und
der später bekannt gewordene Haftbefehl der Ochrana veranlassten
Stalin, in die Illegalität
zu gehen. Von da an bis zur Februarrevolution von 1917 führt er in der
Illegalität das angestrengte und heldenhafte Leben eines
Berufsrevolutionärs Leninscher Schule.
Die
Satrapen des Zaren waren ohnmächtig vor der ansteigenden revolutionären
Bewegung. Auf Initiative Stalins und Kezchowelis begann im September
1901 die erste illegale georgische sozialdemokratische Zeitung „Brdsola“
(Der Kampf) zu erscheinen, die die Ideen der Leninschen „Iskra“
konsequent verfocht. Nach der „Iskra“ war „Brdsola“ die beste
marxistische Zeitung in Rußland.
Der
Leitartikel der ersten Nummer der „Brdsola“ (September 1901) unter
dem Titel „Geleitwort der Redaktion“ wurde von Stalin verfasst. Zur
Bestimmung der Aufgaben des Blattes schrieb Stalin: „Die georgische
sozialdemokratische Zeitung muss klare Antwort geben auf alle Fragen,
die mit der Arbeiterbewegung zusammenhängen, die prinzipiellen Fragen
klären, die Rolle der Arbeiterklasse im Kampf theoretisch erläutern
und jede Erscheinung, auf die der Arbeiter stößt, mit dem Lichte des
wissenschaftlichen Sozialismus beleuchten.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1,
S. 9 russ.)
In
diesem Leitartikel wies Stalin darauf hin, dass die Zeitung die
Arbeiterbewegung führen und den Arbeitermassen so nahe wie möglich
stehen muss, dass sie in der Lage sein muss, sie ständig zu
beeinflussen, ihr bewusstes und leitendes Zentrum zu sein. In der
folgenden Nummer (November-Dezember) brachte die „Brdsola“ den
wichtigen Artikel Stalins „Die Sozialdemokratische Partei Rußlands
und ihre nächsten Aufgaben“. In diesem Artikel unterstrich Stalin die
Notwendigkeit der Vereinigung des wissenschaftlichen Sozialismus mit der
spontanen Arbeiterbewegung, wies auf die führende Rolle der
Arbeiterklasse in der demokratischen Freiheitsbewegung hin und stellte
die Aufgabe, eine selbständige politische Partei des Proletariats zu
organisieren.
Auch
die Herausgabe von Flugblättern in den verschiedenen Sprachen der
vielen Nationalitäten Transkaukasiens nimmt weite Ausmaße an. „Prächtig
geschriebene Aufrufe sind in russischer, georgischer und armenischer
Sprache erschienen, und mit ihnen wurden alle Stadtviertel von Tiflis überflutet“,
schrieb die Leninsche „Iskra“ über die Tätigkeit der Tifliser
Sozialdemokraten. („Iskra“ Nr. 25 vom 15. September 1902.) Stalins nächster
Kampfgefährte, Lado Kezchoweli, gründete in Baku ein Komitee der
Leninschen „Iskra“- Richtung und organisierte eine illegale
Druckerei. Am 11. November 1901 fand eine Konferenz der Tifliser
sozialdemokratischen Organisation statt, auf der das Tifliser Komitee
der SDAPR gebildet wurde. In das Komitee wurde Stalin gewählt. Er
bleibt jedoch nur sehr kurze Zeit in Tiflis. Ende November reist Stalin
im Auftrage des Tifliser Komitees nach Batum, dem drittgrößten (nach
Baku und Tiflis) proletarischen Zentrum im Kaukasus, um dort eine
sozialdemokratische Organisation zu schaffen.
In
Batum entfaltet Stalin eine rastlose revolutionäre Tätigkeit: er
stellt Verbindungen mit fortgeschrittenen Arbeitern her, gründet
sozialdemokratische Zirkel, leitet selbst einige Zirkel, richtet eine
illegale Druckerei ein, schreibt zündende Flugblätter, druckt und
verbreitet sie, leitet den Kampf der Arbeiter der Betriebe von
Rothschild und Mantaschow, organisiert die revolutionäre Propaganda auf
dem Lande. Stalin schafft in Batum eine sozialdemokratische
Organisation, gründet das Batumer Komitee der SDAPR und leitet die
Streiks in den Betrieben. Am 9. März 1902 organisierte Stalin die berühmte
politische Demonstration der Batumer Arbeiter, die er leitete und an
deren Spitze er schritt. Hier wurde durch Stalin in der Tat die
Vereinigung des Streiks mit der politischen Demonstration verwirklicht.
So
entstand und entwickelte sich in diesem Zeitabschnitt im entschiedenen
und unversöhnlichen Kampf gegen den Opportunismus die Organisation der
Leninschen „Iskra“ - Richtung in Transkaukasien. Ihr
hervorragendster Organisator und Führer war Stalin, den die Batumer
Arbeiter schon damals den Lehrer der Arbeiter nannten. Die Organisation
der Leninschen “Iskra“-Richtung in Transkaukasien wurde auf den
festen Grundlagen des proletarischen Internationalismus aufgebaut, sie
vereinigte in ihren Reihen die fortgeschrittenen Proletarier der
verschiedenen Nationalitäten: Georgier, Armenier, Aserbaidshaner,
Russen. Lenin hat später wiederholt die transkaukasische Organisation
der Partei als Vorbild des proletarischen Internationalismus angeführt.
Der
Aufschwung des Kampfes der Arbeiter in Batum rief bei der Regierung
ernsthafte Beunruhigung hervor. Die Spürhunde der Polizei suchen eifrig
nach den „Rädelsführern“. Am 5. April 1902 wird Stalin verhaftet.
Doch auch im Gefängnis (zuerst in Batum, dann - vom 19. April 1903 an -
in dem durch sein hartes Regime berüchtigten Gefängnis von Kutais,
danach wieder in Batum) verliert Stalin nicht die Verbindung mit der
revolutionären Arbeit. Anfang März 1903 tagte der erste Kongress der
sozialdemokratischen Organisationen des Kaukasus, auf dem der
Kaukasische Bund der SDAPR gegründet wurde. Stalin, der sich in Haft
befand, wurde zum Mitglied des Kaukasischen Bundeskomitees der SDAPR gewählt.
Im Gefängnis erfährt Stalin von Genossen, die vom II. Parteitag zurückgekehrt
waren, dass zwischen den Bolschewiki und den Menschewiki überaus ernste
Meinungsverschiedenheiten bestehen. Stalin tritt entschieden auf die
Seite Lenins, der Bolschewiki.
Im
Herbst 1903 wird Stalin auf drei Jahre nach Ostsibirien verbannt, in das
Dorf Nowaja Uda, Kreis Balagansk, Gouvernement Irkutsk. Am 27. November
1903 kam Stalin im Verbannungsort an. In der Verbannung erhält er einen
Brief von Lenin. „Zum erstenmal lernte ich Lenin im Jahre 1903
kennen“, sagt Stalin. „Allerdings war es keine persönliche und
unmittelbare Bekanntschaft, sondern sie erfolgte auf schriftlichem Wege.
Aber sie hinterließ in mir einen unauslöschlichen Eindruck, der mich während
der ganzen Zeit meiner Arbeit in der Partei nicht verließ. Ich war
damals in Sibirien in der Verbannung ... Lenins Brief war verhältnismäßig
kurz, aber er gab eine kühne, furchtlose Kritik der Praxis unserer
Partei und eine ausgezeichnete, klare und gedrängte Darlegung des
ganzen Plans der Parteiarbeit für die nächste Periode.“ (J. Stalin,
„Über Lenin“, Moskau 1946, S. 38/39.) Stalin blieb nicht lange in
der Verbannung. Er brannte vor Ungeduld, möglichst rasch die Freiheit
wiederzuerlangen, um die Durchführung des Leninschen Plans des Aufbaus
der bolschewistischen Partei in Angriff zu nehmen. Am 5. Januar 1904 flüchtet
Stalin aus der Verbannung. Im Februar 1904 ist er wieder im Kaukasus,
zuerst in Batum und dann in Tiflis.
II
FAST
zwei Jahre verbrachte Stalin im Gefängnis und in der Verbannung. Das
waren Jahre des weiter ansteigenden revolutionären Aufschwungs im
Lande. Während dieser Zeit hatte der II. Parteitag der SDAPR
stattgefunden, der den Sieg des Marxismus über den „Ökonomismus „
verankerte. Aber an die Stelle der alten, von der Partei zerschlagenen
Opportunisten, der „ Ökonomisten „, traten neue Opportunisten, die
Menschewiki. Nach dem Parteitag entbrennt der heftige Kampf Lenins und
der Bolschewiki gegen die Menschewiki, gegen ihre opportunistischen
Ideen, ihre spalterische und desorganisierende Tätigkeit. Der Ausbruch
des Russisch-Japanischen Krieges und das Heranreifen der Revolution
verschärfen diesen Kampf noch mehr. Den Ausweg aus der entstandenen
Parteikrise sieht Lenin in der Einberufung des III. Parteitags. Der
Kampf für den Parteitag wurde zur zentralen Aufgabe aller Bolschewiki.
Im
Kaukasus war Stalin, der an der Spitze der transkaukasischen Bolschewiki
stand, die zuverlässige Stütze Lenins in diesem Kampf. Stalins Arbeit
in dieser Periode steht im Zeichen des erbitterten Kampfes gegen den
Menschewismus. Er ist Mitglied des Kaukasischen Bundeskomitees der SDAPR
und leitet dessen Arbeit gemeinsam mit dem Genossen Zchakaja.
Stalin
ist unermüdlich: er bereist systematisch die Bezirke Transkaukasiens (Batum,
Tschiatury, Kutais, Tiflis, Baku, die bäuerlichen Bezirke
West-Georgiens), festigt die alten und schafft neue
Parteiorganisationen. Er nimmt in zahlreichen Diskussionen an den
erbitterten Kämpfen mit den Menschewiki und anderen Feinden des
Marxismus teil, verteidigt energisch den bolschewistischen Standpunkt,
entlarvt das Politikantentum und den Opportunismus der Menschewiki und
der Versöhnler ihnen gegenüber.
Unter
der Leitung Stalins und Dshaparidses wurde „im Dezember 1904 der
grandiose Streik der Arbeiter von Baku durchgeführt, der vom 13. bis
zum 31. Dezember dauerte und mit dem Abschluss eines Kollektivvertrags
zwischen Arbeitern und Erdölindustriellen endete, des ersten
Kollektivvertrags in der Geschichte der Arbeiterbewegung Rußlands.
Der
Bakuer Streik war der Beginn des revolutionären Aufschwungs in
Transkaukasien. Der Bakuer Streik diente als Signal für die ruhmvollen
Januar-Februar-Aktionen in ganz Rußlands (Stalin).“ (L. Beria, „Zur
Geschichte der bolschewistischen Organisationen in Transkaukasiens, S.48
russ.) Dieser Streik - heißt es im „Kurzen Lehrgang der Geschichte
der KPdSU(B)“-war gleichsam ein gewitterkündender Blitz am Vorabend
des großen revolutionären Sturms in Rußland. Stalin führt beharrlich
die Direktiven Lenins durch, entwickelt und verteidigt die
bolschewistischen Ideen in den Massen und organisiert den Kampf für den
III. Parteitag. Zwischen Lenin und dem Kaukasischen Bundeskomitee wurde
ständig eine enge Verbindung aufrechterhalten. In den Jahren der ersten
russischen Revolution stand Stalin an der Spitze des gesamten
ideologischen und politischen Kampfes der kaukasischen Bolschewiki gegen
die Menschewiki, Sozialrevolutionäre, Nationalisten und Anarchisten.
Die wirksamste Waffe der Bolschewiki in diesem Kampfe war die
Parteiliteratur. Stalin war der Organisator und Initiator fast aller
bolschewistischen Publikationen im Kaukasus. Er entfaltete die
Herausgabe von illegalen Büchern, Zeitungen, Broschüren und Aufrufen
in einem unter den Verhältnissen des zaristischen Rußlands
beispiellosen Umfang.
Ein
ungemein kühnes Unternehmen des Kaukasischen Bundes der SDAPR und ein
hervorragendes Beispiel der bolschewistischen konspirativen Technik war
die Awlabarer Geheimdruckerei, die in Tiflis vom November 1903 bis April
1906 in Betrieb war. In ihr wurden gedruckt: Lenins Schriften „Die
revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der
Bauernschaft“ und „An die Dorfarmut“, Stalins Broschüren „Kurze
Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“, „Zwei
Schlachten“ und andere, das Programm und Statut der Partei sowie
Dutzende von Flugblättern, von denen ein bedeutender Teil von Stalin
verfasst war. In ihr wurden ferner die Zeitungen „Proletariatis
Brdsola“ (Der Kampf des Proletariats) und „Proletariatis Brdsolis
Purzeli“ (Kampfblatt des Proletariats) herausgegeben. Die Bücher,
Broschüren, Zeitungen und Flugblätter wurden in drei Sprachen gedruckt
und hatten Auflagen von je einigen tausend Exemplaren.
Entscheidende
Bedeutung für die Verfechtung der Positionen des Bolschewismus im
Kaukasus, für die Propaganda und Entwicklung der Ideen Lenins hatte das
Presseorgan des Kaukasischen Bundes der SDAPR, „Proletariatis Brdsola“,
das unter der Redaktion Stalins erschien und würdig die Traditionen der
„Brdsola“ fortsetzte. Nach dem „Proletari“, dem Leninschen
Zentralorgan der Partei, war „Proletariatis Brdsola“ die beste und
größte bolschewistische Zeitung. Fast in jeder Nummer der Zeitung
wurden Lenins Artikel aus dem „Proletari“ veröffentlicht. Viele der
wichtigsten Artikel wurden von Stalin geschrieben. In diesen Artikeln
tritt Stalin als talentvoller Polemiker hervor, als außerordentlich
starke literarische und theoretische Kraft der Partei, als politischer Führer
des Proletariats, als treuer Anhänger Lenins. In seinen Artikeln und
Broschüren bearbeitet Stalin eine Reihe theoretischer und politischer
Fragen. Er entlarvt die ideologische Falschheit der
antibolschewistischen Strömungen und Fraktionen, ihren Opportunismus
und Verrat, wobei seine Schläge gegen die Feinde stets ins Schwarze
treffen. Lenin äußerte sich begeistert über die Zeitung „Proletariatis
Brdsola“, ihre marxistische Standhaftigkeit, ihre bedeutenden
literarischen Vorzüge.
Als
treuester und restlos konsequenter Schüler und Kampfgefährte Lenins
spielt Stalin im Kaukasus eine hervorragende Rolle bei der ideologischen
Zerschlagung des Menschewismus und bei der Verfechtung der
ideologischen, organisatorischen und taktischen Grundlagen der
marxistischen Partei. Stalins Werke aus dieser Zeit sind Vorbilder der
folgerichtigen Verteidigung der Positionen des Leninismus und zeichnen
sich durch theoretische Tiefe und Unversöhnlichkeit gegenüber dem
Opportunismus aus.
In
seiner ausgezeichneten Broschüre „Kurze Darlegung der
Meinungsverschiedenheiten in der Partei“, in zwei „Briefen aus
Kutais“ und in dem Artikel „Antwort an den ‚Sozial- Demokrat’“
tritt Stalin als entschiedener Verfechter der ideologischen Grundlagen
der marxistischen Partei hervor. In den „Briefen aus Kutais“
(September-Oktober 1904) übt Stalin scharfe Kritik an den gegen Lenins
Buch „Was tun?“ gerichteten Artikeln Plechanows in der neuen „Iskra“.
In konsequenter Verfechtung der Leninschen Fragestellung über
Spontaneität und Bewusstsein in der Arbeiterbewegung schreibt Genosse
Stalin: „Die Schlussfolgerung (der praktische Schluss) hieraus ist
die: wir müssen das Proletariat bis zum Bewusstsein der wahren
Klasseninteressen, bis zur Erkenntnis des sozialistischen Ideals heben,
nicht aber dieses Ideal gegen Kleinigkeiten eintauschen oder es der
spontanen Bewegung anpassen. Lenin hat die theoretische Basis
geschaffen, auf der denn auch diese praktische Schlussfolgerung beruht.
Man braucht nur diese theoretische Voraussetzung anzunehmen, und
keinerlei Opportunismus wird an einen herankommen können. Darin liegt
die Bedeutung der Leninschen Idee. Ich nenne sie die Leninsche, weil
niemand in der russischen Literatur sie mit solcher Klarheit
ausgesprochen hat wie Lenin.“ (J. Stalin, Werke, Bd.I, S. 58 russ.)
Die
Broschüre „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der
Partei“ (geschrieben Anfang 1905, illegal erschienen im Mai 1905) gehört
zu den hervorragendsten Werken des bolschewistischen Denkens. Sie schließt
sich unmittelbar an „Was tun?“ - dieses historisch bedeutsame Werk
Lenins - an, verteidigt und entwickelt die genialen Ideen Lenins. In
Entwicklung der Ideen W. I. Lenins beweist Genosse Stalin, dass das
sozialistische Bewusstsein für die Arbeiterbewegung große Bedeutung
hat. Gleichzeitig warnt Genosse Stalin vor der einseitigen Überschätzung
der Rolle der Ideen, vor dem Außerachtlassen der ökonomischen
Entwicklungsbedingungen, der Rolle der Arbeiterbewegung. Kann man
behaupten, fragt Stalin, der Sozialismus sei alles, die Arbeiterbewegung
dagegen nichts?
„Natürlich
nicht! So sprechen nur Idealisten ... Irgendeinmal, nach sehr langer
Zeit, wird die ökonomische Entwicklung die Arbeiterklasse unvermeidlich
zur sozialen Revolution führen und sie folglich veranlassen, ganz und
gar mit der bürgerlichen Ideologie zu brechen. Es handelt sich nur
darum, dass dieser Weg sehr langwierig und schmerzhaft sein wird.“ (J.
Stalin, Werke, Bd. 1, S. 105 russ.)
In
der Broschüre „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der
Partei“ entwickelt Genosse Stalin seine tiefgründige und vielseitige
Argumentation zur Frage nach dem Verhältnis zwischen der spontanen
Arbeiterbewegung und dem sozialistischen Bewusstsein und fasst die
diesbezüglichen Ansichten des Leninschen Flügels der Sozialdemokratie
wie folgt zusammen: „Was ist wissenschaftlicher Sozialismus ohne
Arbeiterbewegung? Ein Kompass, der, macht man von ihm keinen Gebrauch,
nur verrosten kann, und dann müsste er über Bord geworfen werden.
Was
ist Arbeiterbewegung ohne Sozialismus? Ein Schiff ohne Kompass, das auch
so am anderen Ufer landen wird, das jedoch, wenn es einen Kompass hätte,
das Ufer bedeutend schneller erreichen und weniger Gefahren ausgesetzt
sein würde.
Vereinigt
beides, und ihr erhaltet ein prächtiges Schiff, das direkt nach dem
anderen Ufer steuert und den Hafen unbeschädigt erreicht.
Vereinigt
die Arbeiterbewegung mit dem Sozialismus, und ihr erhaltet die
sozialdemokratische Bewegung, die auf direktem Wege dem ‚gelobten
Land’ entgegenstreben wird.“ (Ebenda S. 102/03 russ.)
Die
ganze Geschichte des Kampfes der Arbeiterklasse in Rußland bestätigte
auf das glänzendste diese wichtige theoretische Schlussfolgerung des
Genossen Stalin. In der genannten Broschüre unterzieht Genosse Stalin
die opportunistische Spontaneitätstheorie einer vernichtenden Kritik
und begründet die Rolle und Bedeutung der revolutionären Partei und
der revolutionären Theorie für die Arbeiterklasse.
„Dis
Arbeiterbewegung“, schrieb Stalin, „muss mit dem Sozialismus
vereinigt werden, die praktische Tätigkeit und das theoretische Denken
müssen in eins verschmelzen und dadurch der spontanen Arbeiterbewegung
sozialdemokratischen Charakter verleihen... Es ist unsere Pflicht, die
Pflicht der Sozialdemokratie, die spontane Bewegung der Arbeiter von dem
tradeunionistischen Wege abzubringen und sie auf den
sozialdemokratischen Weg zu bringen.
Es
ist unsere Pflicht, in diese Bewegung das sozialistische Bewusstsein
(das Marx und Engels herausgearbeitet haben.) hineinzutragen und die
fortgeschrittenen Kräfte der Arbeiterklasse zu einer einzigen
zentralisierten Partei zu vereinigen. Es ist unsere Aufgabe, stets an
der Spitze der Bewegung zu marschieren und unermüdlich alle zu bekämpfen
- ob Feind oder ‚Freund’ -, die die Verwirklichung dieser Aufgaben
behindern.“ (J. Stalin, Werke, Bd. I, S. 105/06 russ.)
Stalins
Auftreten fand die volle Billigung Lenins. Bei der Einschätzung von
Stalins Artikel „Antwort an den ‚Sozial-Demokrat’“, der im
August 1905 im „Proletariatis Brdsola“ erschienen war, hob Lenin im
Zentralorgan der Partei, dem „Proletari“ (Nr. 22), die
„ausgezeichnete Behandlung der Frage des berühmten ‚Hineintragens
des Bewusstseins von außen’„ hervor.
In
einer Reihe von Artikeln begründet Stalin die Leninsche Linie auf und
nach dem II. Parteitag. In dem Artikel „Die Klasse der Proletarier und
die Partei der Proletarier (veröffentlicht am 1. Januar 1905 in Nr. 8
der „Proletariatis Brdsola“), der dem ersten Paragraphen des
Parteistatuts gewidmet ist, verteidigte Stalin die organisatorischen
Grundlagen der Partei, wobei er völlig auf dem Boden der Leninschen
Lehre von der Partei stand, die Leninschen Ideen entwickelte und begründete.
Dieser Artikel verficht die organisatorischen Ideen des Bolschewismus,
wie sie von Lenin in seinem berühmten Buch „Ein Schritt vorwärts,
zwei Schritte zurück“ dargelegt worden sind.
„Bis
zum heutigen Tage“, schrieb Stalin, „ähnelte unsere Partei einer
gastfreundlichen patriarchalischen Familie, die bereit war, alle
Sympathisierenden aufzunehmen. Nachdem unsere Partei aber zu einer
zentralisierten Organisation geworden ist, hat sie das patriarchalische
Gepräge abgestreift und ist restlos einer Festung gleich geworden,
deren Tore sich nur Würdigen öffnen. Das aber ist für uns von großer
Bedeutung. In einer Zeit, wo die Selbstherrschaft sich bemüht, das
Klassenbewusstsein des Proletariats durch ,Tradeunionismus’,
Nationalismus, Klerikalismus usw. zu zersetzen, während anderseits die
liberale Intelligenz hartnäckig bestrebt ist, die politische Selbständigkeit
des Proletariats zu ertöten und die Vormundschaft über das Proletariat
zu erlangen, in einer solchen Zeit müssen wir äußerst wachsam sein
und dürfen nicht vergessen, dass unsere Partei eine Festung ist, deren
Tore sich nur Erprobten öffnen.“ (Ebenda S. 67 russ.)
Der
Aufsatz „Welche Auffassung hat die Sozialdemokratie von der nationalen
Frage?“ (veröffentlicht in Nr. 7 der „Proletariatis Brdsola“ vom
1. September 1904) ist ein ausgezeichneter Kommentar zum nationalen
Programm der SDAPR. Stalin begründet und erläutert darin die Theorie
und das Programm der Partei in der nationalen Frage, unterzieht das
opportunistische Prinzip der nationalen Scheidung des Proletariats einer
vernichtenden Kritik und verficht konsequent den internationalistischen
Typus des Aufbaus proletarischer Klassenorganisationen. In diesem
Aufsatz tritt Stalin als bedeutender Theoretiker auf dem Gebiet der
nationalen Frage hervor, der die marxistische dialektische Methode
meisterhaft beherrscht. Der Aufsatz enthält in Keimform die Ideen, die
Stalin später in seiner Arbeit „Marxismus und nationale Frage“
entwickelte.
Vom
Anbeginn der ersten russischen Revolution verficht und verwirklicht
Stalin entschlossen die Leninsche Strategie und Taktik in der
Revolution, die Leninsche Idee von der Hegemonie des Proletariats in der
Revolution.
In
Bezug auf die Liberalen, die nicht die Revolution, sondern eine Versöhnung
mit dem Zaren anstrebten, schrieb Stalin noch am Vorabend des9. Januar
1905: „Jawohl, ihr Herren, eure Bemühungen sind vergebens! Die
russische Revolution ist unabwendbar. Sie ist ebenso unabwendbar, wie
der Sonnenaufgang unabwendbar ist! Könnt ihr der aufgehenden Sonne
Einhalt gebieten? Die Hauptmacht dieser Revolution ist das städtische
und ländliche Proletariat, ihr Bannerträger aber ist die
Sozialdemokratische Arbeiterpartei, und nicht ihr, meine Herren
Liberalen!“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 78 russ.)
Ebenso
entschieden verteidigt Stalin die Leninsche Idee des bewaffneten
Aufstandes als des Mittels zum Sturz der Selbstherrschaft und zur
Eroberung der Republik. In den Arbeiten Stalins aus den Jahren 1905-1907
wird die Idee des bewaffneten Aufstandes allseitig begründet. „Die
Rettung des Volkes liegt in dem siegreichen Aufstand des Volkes
selbst“, sagt Genosse Stalin. Ebenso wie Lenin maß er der technischen
Vorbereitung des Aufstandes, der Organisation von Kampfscharen, der
Waffenbeschaffung u.dgl. ungeheure Bedeutung bei. „Grade die
technische Führung und die organisatorische Vorbereitung des
allrussischen Aufstands“, betonte Genosse Stalin, „bilden jene neue
Aufgabe, die das Leben dem Proletariat gestellt hat.“ (J. Stalin,
Werke, Bd. 1, S. 133 russ.) Stalin leitete Tag um Tag die Tätigkeit der
bolschewistischen Organisationen Transkaukasiens zur Vorbereitung des
bewaffneten Aufstandes.
Stalin
begründet und entwickelt die Idee Lenins von der provisorischen
revolutionären Regierung. Die Schaffung einer provisorischen revolutionären
Regierung, so lehrt er, muss die natürliche Folge des siegreichen
bewaffneten Volksaufstandes sein. Da das Proletariat und die
Bauernschaft aus dem Aufstande als Sieger hervorgehen, muss auch die
provisorische revolutionäre Regierung der Vertreter ihrer Bestrebungen
und Interessen sein. Diese Regierung muss die revolutionäre Diktatur
des Proletariats und der Bauernschaft sein. Nur die Diktatur dieser
revolutionären Klassen wird imstande sein, die finsteren Mächte der
Reaktion zu zügeln und niederzuwerfen, das Volk zu bewaffnen, das
Minimalprogramm der SDAPR zu verwirklichen, den Sieg der Revolution zu
verankern und sie zu Ende zu führen. „Ist der Führer der Revolution
das fortgeschrittene Proletariat“, sagt Genosse Stalin, „und soll es
sich an der Organisierung des Aufstandes aktiv beteiligen, so ist es von
selbst klar, dass wir nicht unsere Hände in Unschuld waschen, uns nicht
von der provisorischen revolutionären Regierung ausschalten können,
wir müssen gemeinsam mit der Bauernschaft die politische Macht erobern
und uns an der provisorischen Regierung beteiligen: (Wir berühren hier
nicht die prinzipielle Seite dieser Frage. J. Stalin, Werke, Bd. 1, S.
258/59 russ.) der Führer der revolutionären Straße muss auch in der
Regierung der Revolution der Führer sein.“ (J. Stalin, Werke, Bd. I,
S.258/59 russ.)
Im
Kampfe gegen die zahlreichen Feinde der bolschewistischen Partei und der
Arbeiterklasse verteidigt und entwickelt Stalin konsequent die Leninsche
Revolutionstheorie, den taktischen Plan Lenins. Der größte Vorzug
dieses Planes bestand darin, dass er der russischen Wirklichkeit
vortrefflich entsprach, die breiten Volksmassen zum Kampfe erhob, sie
mit Siegeszuversicht erfüllte und die Revolution vorantrieb.
Das
Kaukasische Bundeskomitee propagierte unermüdlich die Beschlüsse des
III. Parteitags und rief die Arbeiter und Bauern zum bewaffneten
Aufstand auf. Stalins Flugblätter aus dem Jahre 1905 sind ein Vorbild für
die Propaganda der Ideen des Bolschewismus in den Massen. In seinen
Artikeln „Der bewaffnete Aufstand und unsere Taktik“, „Die
provisorische revolutionäre Regierung und die Sozialdemokratie“,
„Die Reaktion erstarkt“ und anderen übt Stalin vernichtende Kritik
an den menschewistischen Führern, verteidigt und propagiert konsequent
die Notwendigkeit des bewaffneten Aufstandes. Der Generalstreik im
Oktober 1905, der die Kraft und die Stärke der proletarischen Bewegung
offenbarte, zwang den zu Tode erschrockenen Zaren, das Manifest vom 17.
Oktober zu erlassen. Dieses Manifest, das dem Volke allerlei Freiheiten
versprach, war ein Betrug an den Volksmassen, ein Winkelzug des Zaren,
eine Art Atempause, die der Zar brauchte, um die Leichtgläubigen
einzuschläfern, Zeit zu gewinnen, Kräfte zu sammeln und dann gegen die
Revolution loszuschlagen. Die Bolschewiki klärten die Massen darüber
auf, dass das Manifest vom 17. Oktober eine Falle sei. Das
„Oktobermanifest“ trifft Stalin in Tiflis an, im Höhepunkt des
Kampfes für den Leninschen taktischen Plan, für die bolschewistischen
Revolutionslosungen. Am gleichen Tage sagte Stalin in einer Rede auf
einem Arbeitermeeting:
„Was
brauchen wir, um wirklich zu siegen? Dazu sind drei Dinge nötig:
erstens - Bewaffnung, zweitens - Bewaffnung, drittens - Bewaffnung und
noch einmal Bewaffnung.“ (Zitiert nach der „Geschichte der KPdSU(B)“,
Kurzer Lehrgang, 1946, S.98.)
In
der von Stalin im Oktober 1905 verfassten Proklamation des Tifliser
Komitees des Kaukasischen Bundes der SDAPR unter der Überschrift „Bürger““
verfocht er den Gedanken, dass für den Sieg der Revolution der
allgemeine bewaffnete Volksaufstand notwendig sei, und schrieb: „Der
in solcher Großartigkeit nicht nur in der Geschichte Rußlands, sondern
auch der ganzen Welt noch nie dagewesene, beispiellose politische
Generalstreik, der sich jetzt abspielt, kann vielleicht heute enden,
ohne in einen allgemeinen Volksaufstand auszumünden, aber nur, um
morgen erneut und mit noch größerer Gewalt das Land zu erschüttern
und in jenen grandiosen bewaffneten Aufstand auszumünden, der die
uralte Fehde des russischen Volkes mit der zaristischen Selbstherrschaft
entscheiden und diesem abscheulichen Ungeheuer den Kopf zerschmettern
muss ... Der allgemeine bewaffnete Volksaufstand - das ist die große
Aufgabe, vor der gegenwärtig das Proletariat Rußlands steht und die
gebieterisch ihre Lösung heischt!“ (J. Stalin, Werke, Bd. I, S. 186
russ.)
In
dieser Zeit leistete Stalin eine gewaltige revolutionäre Arbeit in
Transkaukasien. Unter Führung Stalins fasst die IV. bolschewistische
Konferenz des Kaukasischen Bundes der SDAPR (November 1905) den
Beschluss, den Kampf für die Vorbereitung und Durchführung des
bewaffneten Aufstands, für den Boykott der zaristischen Duma, für die
Entwicklung und Festigung der revolutionären Organisationen der
Arbeiter und Bauern - der Sowjets der Arbeiterdeputierten, der
Streikkomitees, der revolutionären Bauernkomitees - zu verstärken.
Stalin entlarvte und bekämpfte die Menschewiki als Gegner der
Revolution und des bewaffneten Aufstandes. Unentwegt bereitete er die
Arbeiter zum entschiedenen Kampf gegen die Selbstherrschaft vor. Ganz
Transkaukasien wurde von den Flammen des revolutionären Brandes
erfasst. Schon der III. Parteitag hatte in der von Lenin vorgeschlagenen
Resolution „Aus Anlass der Ereignisse im Kaukasus“ die Tätigkeit
der bolschewistischen Organisationen Transkaukasiens als der „kämpferischsten
Organisationen unserer Partei“ besonders hervorgehoben und die gesamte
Partei aufgerufen, sie mit allen Mitteln zu unterstützen.
Im
Dezember 1905 reist Stalin als Delegierter der transkaukasischen
Bolschewiki zur Ersten Allrussischen bolschewistischen Konferenz nach
Tammerfors (Finnland). Auf der Tammerforser Konferenz begegnen sich
Lenin und Stalin zum ersten Male persönlich. Die Konferenz wählte
Genossen Stalin in die politische Kommission zur Redaktion der
Konferenzresolutionen, wo er zusammen mit Lenin als ein hervorragender
Parteileiter arbeitete.
Nach
der Niederlage des Dezemberaufstandes beginnt die Wendung zum allmählichen
Rückzug der Revolution. In der Partei gehen die Vorbereitungen zum IV.
Parteitag der SDAPR vor sich. Der Kampf zwischen Bolschewiki und
Menschewiki entbrennt mit neuer Kraft. Auf dem Schauplatz tauchen
anarchosyndikalistische Elemente auf. Besonders geräuschvoll gebärden
sie sich in Tiflis. Stalin steht im Mittelpunkt des Kampfes gegen alle
antiproletarischen Strömungen in Transkaukasien.
Stalin
nimmt am IV. Parteitag der SDAPR (Stockholm, April 1906) aktiv teil, auf
dem er gemeinsam mit Lenin die bolschewistische Linie in der Revolution
gegen die Menschewiki verteidigte. In seiner Antwort an die Menschewiki
stellte Stalin die Frage mit aller Schärfe: „Entweder Hegemonie des
Proletariats oder Hegemonie der demokratischen Bourgeoisie - so steht
die Frage in der Partei, darin bestehen unsere
Meinungsverschiedenheiten.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 240 russ.)
Kurz
nach dem Parteitag schrieb Stalin die Broschüre „Die gegenwärtige
Lage und der Vereinigungsparteitag der Arbeiterpartei“. In dieser
Broschüre gab Stalin eine Analyse der Lehren des bewaffneten
Dezemberaufstands, begründete die bolschewistische Linie in der
Revolution und fasste die Ergebnisse der Arbeiten des IV. Parteitags der
SDAPR zusammen. Nach dem Parteitag ist Stalin wieder in Transkaukasien.
Er führt einen unversöhnlichen Kampf gegen den Menschewismus und die
anderen antiproletarischen Strömungen. Er leitet die legalen
bolschewistischen Zeitungen „Achali Zchowreba“ (Neues Leben), „Achali
Drojeba“ (Neue Zeit), „Tschweni Zchowreba“ (Unser Leben) und „Dro“
(Die Zeit), die in Tiflis in georgischer Sprache erschienen.
Aus
dieser Zeit stammt die Serie der ausgezeichneten Artikel Stalins
„Anarchismus oder Sozialismus?“ Der Anlass zu diesen Artikeln war
der Umstand, dass die Anarchisten Kropotkinscher Richtung in
Transkaukasien aktiv geworden waren.
Unter
den Bedingungen des Abebbens der revolutionären Welle und der hierauf
eingetretenen Reaktion stand als unmittelbare Aufgabe der Partei die
Verteidigung der theoretischen Grundlagen des Bolschewismus auf der
Tagesordnung. Im Jahre 1909 erscheint Lenins geniales Werk
„Materialismus und Empiriokritizismus“, in welchem er diejenigen,
die sich auf dem Gebiete der Theorie des Marxismus als entartet
erwiesen, bis zu Ende entlarvte und die theoretischen Grundlagen der
bolschewistischen Partei verteidigte.
Auch
Stalin verteidigt die theoretischen Grundlagen des Marxismus. In seinen
Artikeln verficht und entwickelt Stalin die theoretischen Grundlagen der
marxistischen Partei: den dialektischen und historischen Materialismus.
Diese Artikel Stalins wurden in den Jahren 1906-1907 in den georgischen
bolschewistischen Zeitungen veröffentlicht. In ihnen wird in verständlicher
und populärer Form erläutert, was Materialismus und Dialektik, was der
historische Materialismus ist. Mit außerordentlicher Tiefe werden in
dieser Arbeit die Grundfragen der marxistisch-leninistischen Theorie
gestellt und gelöst - die Unvermeidlichkeit und Unabwendbarkeit der
sozialistischen Revolution und der Diktatur des Proletariats, die
Notwendigkeit der proletarischen Kampfpartei, der Partei von neuem
Typus, die sich von den alten, reformistischen Parteien der II.
Internationale unterscheidet - und die Grundlagen der Strategie und
Taktik der Partei dargelegt. Diese Artikel Stalins gehören der
ideologischen Schatzkammer unserer Partei an als wertvoller Beitrag zur
Theorie des Marxismus-Leninismus. Sie sind ein Musterbeispiel tiefgründiger
Beleuchtung der Fragen der Theorie des Marxismus-Leninismus im
unzertrennlichen Zusammenhang mit den aktuellen Aufgaben des revolutionären
Klassenkampfes des Proletariats.
Im
April-Mai 1907 fand der V. (der Londoner) Parteitag der SDAPR statt, der
den Sieg der Bolschewiki über die Menschewiki verankerte. Stalin war
aktiver Teilnehmer des Parteitags. Vom Parteitag zurückgekehrt, veröffentlichte
er einen Artikel über dessen Arbeiten: „Der Londoner Parteitag der
Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands (Aufzeichnungen eines
Delegierten)“, in welchem er eine Einschätzung der Beschlüsse und
Ergebnisse des Parteitags gab, die ideologischen und taktischen-
Positionen des Bolschewismus verteidigte, die liberalbürgerliche Linie
der Menschewiki in der Revolution und deren Liquidatorentum gegenüber
der Partei entlarvte und die Klassennatur des Menschewismus als einer
kleinbürgerlichen politischen Strömung aufzeigte.
III
DIE
erste russische Revolution endete mit einer Niederlage. Vom Ende der
ersten bis zum Beginn der zweiten Revolution vergingen zehn Jahre, in
deren Verlauf die Bolschewiki heldenhaft und opfermutig, beharrlich und
unermüdlich die Massen organisierten, sie im revolutionären Geist
erzogen, ihren Kampf leiteten und den künftigen Sieg der Revolution
vorbereiteten.
Für
Lenin und Stalin waren das Jahre des unversöhnlichen Kampfes für die
Aufrechterhaltung und Festigung der illegalen revolutionären Partei, für
die Durchführung der bolschewistischen Linie unter neuen Bedingungen,
Jahre der angestrengten Arbeit zur Organisierung und Erziehung der
Arbeitermassen, Jahre des besonders hartnäckigen Kampfes mit der
zaristischen Polizei. Der Zarismus fühlte, dass er in Stalin einen der
größten Revolutionäre vor sich hatte, und suchte Stalin auf jede
Weise die Möglichkeit zu nehmen, seine revolutionäre Arbeit
fortzusetzen. Verhaftungen, Gefängnis und Verbannung lösten einander
ab. Von 1902-1913 wurde Stalin siebenmal verhaftet, sechsmal war er in
der Verbannung, aus der er fünfmal flüchtete. Kaum hatten die
zaristischen Schergen Stalin an einen neuen Verbannungsort gebracht, als
er auch schon erneut flüchtete und, wieder auf „freiem Fuß“, die
revolutionäre Energie der Massen schmiedete. Nur aus der letzten
Verbannung, aus Turuchansk, wurde Stalin durch die Februarrevolution
1917 befreit.
Im
Juli 1907 beginnt die Bakuer Periode in der revolutionären Tätigkeit
Stalins. Nach der Rückkehr vom V. (Londoner) Parteitag der SDAPR verlässt
Stalin Tiflis und lässt sich auf Anweisung der Partei in Baku nieder,
dem größten Industrierevier Transkaukasiens und einem der wichtigsten
Zentren der Arbeiterbewegung Rußlands. Hier entfaltet er eine rastlose
Tätigkeit zum Zusammenschluss der Bakuer Organisation um die Losungen
Lenins, zur Gewinnung der Arbeitermassen für den Bolschewismus. Stalin
organisiert den Kampf zur Verdrängung der Menschewiki aus den
Arbeitervierteln Bakus (Balachany, Bibi-Eibat, Tschorny Gorod, Bely
Gorod) und leitet die illegalen und legalen bolschewistischen Organe „Bakinski
Proletari“ (Der Bakuer Proletarier), „Gudok“ (Die Sirene), „Bakinski
Rabotschi((Der Bakuer Arbeiter). Stalin leitet die Wahlkampagne zur III.
Reichsduma. Der von Stalin verfasste „Wählerauftrag an die
sozialdemokratischen Abgeordneten der III. Reichsduma“ wurde am 22.
September in der Bevollmächtigtenversammlung der Arbeiterkurie in Baku
angenommen. Stalin gibt dem Kampf der Bakuer Arbeiter Richtung und Ziel.
Anlässlich der Konferenz der Arbeiter mit den Erdölindustriellen,
deren Zweck der Abschluss eines Kollektivvertrages war, leitet Stalin
eine große Kampagne und schafft ein glänzendes Vorbild für die Durchführung
der elastischen Leninschen Linie der Verbindung der illegalen mit der
legalen Arbeit unter den Verhältnissen der Reaktion. Durch geschickte
Anwendung der Leninschen Taktik, die darin bestand, die Arbeitermassen
zum politischen Kampf gegen die Zarenmonarchie zu mobilisieren, setzte
Stalin den Sieg der Bolschewiki in dieser Kampagne durch. In der
finsteren Nacht der Stolypinschen Reaktion bietet das proletarische Baku
ein beispielloses Schauspiel: der proletarische Kampf ist in vollem
Schwung, durch ganz Rußland schallt die Stimme der legalen
bolschewistischen Zeitungen, die Stalins Schöpfungen waren. „Die
letzten Mohikaner des politischen Massenstreiks!“, (Lenin, Werke, Bd.
XV, 3. Aufl., S. 33 russ.) so charakterisiert Lenin den heroischen Kampf
der Bakuer Arbeiter im Jahre 1908.
Stalin
schart einen festen Grundstock erprobter - Leninscher Bolschewiki um
sich: Fioletow, Saratowez (Jeflmow), Wazek, Bokow, Malygin,
Ordshonikidse, Dshaparidse, Schaumjan, Spandarjan, Chanlar, Memedow,
Asisbekow, Kiasi-Mamed u. a. Stalin erreicht schließlich den vollen
Sieg des Bolschewismus in den Reihen der Bakuer Organisation. Baku wird
zu einer Zitadelle des Bolschewismus. Unter Stalins Führung kämpft das
Bakuer Proletariat heldenhaft in den vordersten Reihen der
gesamtrussischen revolutionären Bewegung. 17 Die Bakuer Periode ist von
größter Bedeutung im Leben und Wirken Stalins. Stalin selbst sagt über
diese Periode:
„Zwei
Jahre revolutionärer Arbeit unter den Arbeitern der Erdölindustrie stählten
mich als praktischen Kämpfer und einen der praktischen Leiter. Im
Umgang mit so fortgeschrittenen Arbeitern Bakus wie Wazek, Saratowez u.
a. einerseits und im Wirbel der tiefsten Konflikte zwischen den
Arbeitern und den Erdölindustriellen anderseits erfuhr ich zum
erstenmal, was es heißt, große Arbeitermassen zu leiten. Dort, in
Baku, erhielt ich somit meine zweite revolutionäre Feuertaufe.“
(„Prawda“ Nr. 136 vom 16. Juni 1926.) Am 25. März 1908 wird Stalin
verhaftet und nach fast acht Monaten Gefängnishaft auf zwei Jahre nach
Solwytschegodsk im Gouvernement Wologda verbannt. Bereits am 24. Juni
1909 flüchtet er und kehrt zur illegalen Arbeit nach Baku zurück.
Stalin unterstützt völlig die Stellungnahme Lenins, tritt entschieden
gegen die Liquidatoren und Otsowisten auf. In den zentralen
Presseorganen der Partei erscheinen die Stalinschen „Briefe aus dem
Kaukasus“, denen historische Bedeutung zukommt, in der Zeitung „Bakinski
Proletari“ erscheinen die Artikel: „Die Parteikrise und unsere
Aufgaben“, „Aus dem Parteileben“ u. a., in denen Stalin den
Zustand der Parteiorganisationen mutig kritisiert und einen Plan für
die Überwindung der Parteikrise aufstellt. Diese Schriften Stalins
enthalten eine niederschmetternde Kritik an den Liquidatoren: am
Beispiel der Tifliser Menschewiki wird das Renegatentum der Liquidatoren
in programmatischen und taktischen Fragen entlarvt. In ihnen wird die
verräterische Haltung der Handlanger des Trotzkismus schärfstens
verurteilt und werden die nächsten Aufgaben umrissen, die in der Folge
durch die Prager Parteikonferenz erfüllt wurden: Einberufung einer
allgemeinen Parteikonferenz, Herausgabe einer legalen Parteizeitung und
Schaffung eines illegalen Parteizentrums für die praktische Arbeit in
Rußland. Am 23. März 1910 wird Stalin erneut in Baku verhaftet und
nach halbjähriger Gefängnishaft in die Verbannung nach Solwytschegodsk
zurückgeschickt. In der Verbannung setzt sich Stalin mit Lenin in
Verbindung und schreibt ihm Ende 1910 einen Brief, in dem er die
Leninsche Taktik des Parteiblocks der Anhänger der Aufrechterhaltung
und Festigung der illegalen proletarischen Partei in vollem Maße
unterstützt, die „faule Prinzipienlosigkeit“ Trotzkis scharf geißelt
und einen Plan für die Organisierung der Parteiarbeit in Rußland
vorschlägt.
Im
zweiten Halbjahr 1911 beginnt die Petersburger Periode der revolutionären
Tätigkeit des Genossen Stalin. Am 6. September 1911 reist Stalin
illegal aus Wologda nach Petersburg. Hier nimmt er Verbindungen mit der
Petersburger Parteiorganisation auf, leitet und organisiert den Kampf
gegen die Liquidatoren - die Menschewiki und die Trotzkisten -, sammelt
und festigt die bolschewistischen Organisationen Petersburgs. Am 9.
September 1911 wurde Genosse Stalin in Petersburg verhaftet und in das
Gouvernement Wologda verschickt. Von hier gelang es ihm, im Februar 1912
zu flüchten. Der Januar 1912 bringt ein höchst bedeutsames Ereignis im
Leben der Partei. Die Prager Konferenz der SDAPR, die die Menschewiki
aus der Partei verjagte, legte den Grundstein zur Partei von neuem
Typus, der Partei des Leninismus, der bolschewistischen Partei. Die
Bolschewiki hatten an der Vorbereitung einer solchen Partei, einer
Partei von neuem Typus, schon seit der Zeit der alten „Iskra“
gearbeitet. Sie taten das beharrlich und zäh, allen Widerständen zum
Trotz. Die gesamte Geschichte des Kampfes gegen die „Ökonomisten“,
Menschewiki, Trotzkisten, Otsowisten, Idealisten aller Schattierungen
bis zu den Empiriokritizisten - war die Geschichte der Vorbereitung -
ebendieser Partei. Die grundlegende und entscheidende Rolle spielten in
dieser Vorbereitungsarbeit die Werke Lenins „Was tun?“, „Ein
Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“, „Zwei Taktiken der
Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“, „Materialismus
und Empiriokritizismus“. Stalin war der treue Kampfgefährte Lenins in
diesem Kampfe gegen die zahlreichen Feinde, er war die sichere Stütze
im Kampfe für die Schaffung einer revolutionären marxistischen Partei,
der bolschewistischen Partei.
IV
DIE
Prager Konferenz sagte in ihren Beschlüssen voraus, dass in naher
Zukunft ein revolutionärer Aufschwung unvermeidlich ist, und traf alle
Maßnahmen, damit die Partei zu diesem Aufschwung in voller Rüstung
bereit sei. Die Konferenz wählte ein bolschewistisches Zentralkomitee,
schuf ein Zentrum zur praktischen Leitung der revolutionären Arbeit in
Rußland (Russisches Büro des Zentralkomitees) und nahm den Beschluss
über die Gründung der „Prawda“ an. Auf der Konferenz wurde Stalin,
der bereits seit dem Jahre 1910 Bevollmächtigter des Zentralkomitees
war, in Abwesenheit Zum Mitglied des Zentralkomitees der Partei gewählt.
Auf Vorschlag Lenins wird Stalin an die Spitze des Russischen Büros des
Zentralkomitees gestellt. Doch befand sich Stalin damals in der
Verbannung; es war notwendig, seine Flucht zu organisieren. Im Auftrag
Lenins reist Sergo Ordshonikidse nach Wologda zu Stalin und informiert
ihn über die Beschlüsse der Prager Konferenz. Und am 29. Februar 1912
flüchtet Stalin neuerlich aus der Verbannung. Während der kurzen Zeit
seiner „Freiheit“ entfaltet Stalin eine energische Tätigkeit: er
bereist im Auftrag des Zentralkomitees die wichtigsten Gebiete Rußlands,
arbeitet an der Vorbereitung der Maidemonstration, schreibt das bekannte
Flugblatt des Zentralkomitees zum 1. Mai, leitet in Petersburg die
bolschewistische Wochenzeitung „Swesda“ (Der Stern) in den Tagen der
Proteststreiks gegen das Blutbad an der Lena.
Eine
mächtige Waffe in der Hand der bolschewistischen Partei zur Festigung
ihrer Organisationen und zur Gewinnung des Einflusses in den Massen
wurde die für die breiten Massen bestimmte bolschewistische
Tageszeitung „Prawda“ (Die Wahrheit), die in Petersburg zu
erscheinen begann. Begründet wurde sie gemäß der Weisung Lenins, auf
Initiative Stalins. Unter Stalins Leitung wurde die erste Nummer der
„Prawda“ vorbereitet und ihre Richtung festgelegt.
Die
„Prawda“ trat zugleich mit dem neuen Aufschwung der revolutionären
Bewegung ins Leben.
Am
22. April (5. Mai neuen Stils) 1912 erschien ihre erste Nummer. Dies war
ein richtiger Festtag für
die Arbeiterschaft. Dem Erscheinen der „Prawda“ zu Ehren wurde
beschlossen, den 5. Mai als Festtag der Arbeiterpresse zu feiern. „Die
‚Prawda’ im Jahre 1912 - das war die Fundamentlegung für den Sieg
des Bolschewismus im Jahre 1917“, schrieb Genosse Stalin anlässlich
des zehnjährigen Jubiläums der „Prawda“. („Prawda“ Nr. 98 vom
5. Mai 1922.)
Am
22. April 1912 wurde Stalin in Petersburg auf der Straße verhaftet und
nach einigen Monaten Gefängnis auf drei Jahre, diesmal in eine noch
entlegenere Gegend, in die Narym- Region, verschickt. Aber bereits am 1.
September 1912 flüchtet Stalin abermals aus der Verbannung und kehrt
nach Petersburg zurück. Hier redigiert er die bolschewistische Zeitung
„Prawda“ und leitet die Tätigkeit der Bolschewiki in der
Wahlkampagne zur IV. Reichsduma. Von der Polizei auf Schritt und Tritt
verfolgt, spricht Stalin, obwohl er sich dadurch einer großen Gefahr
aussetzt, in einer Reihe von fliegenden Betriebsversammlungen. Doch
beschützen die Arbeiterorganisationen und die Arbeiter selbst Stalin
und bringen ihn vor der Polizei in Sicherheit.
Von
hervorragender Bedeutung war in dieser für die Partei siegreichen
Kampagne der von Stalin verfasste „Wählerauftrag der Petersburger
Arbeiter an ihren Arbeiterdeputierten“, der von Lenin überaus hoch
eingeschätzt wurde. Als Lenin den „Wählerauftrag“ in die Druckerei
zum Setzen schickte, versah er ihn mit dem Vermerk: „Unbedingt zurückgeben!!
Nicht schmutzig machen. Aufbewahrung dieses Dokuments äußerst
wichtig.“ In einem Brief an die Redaktion der „Prawda“ gab Lenin
die Anweisung: „Diesen Wählerauftrag an den Petersburger Deputierten
unbedingt an auffallender Stelle in großer Schrift bringen.“ (Lenin,
Werke, Bd. XXIX, 3. Aufl., S. 78 russ.) Der Stalinsche „Wählerauftrag“
brachte den Arbeitern die noch ungelösten Aufgaben des Jahres 1905 in
Erinnerung und rief sie zum revolutionären Zweifrontenkampf auf: zum
Kampf sowohl gegen die zaristische Regierung als auch gegen die liberale
Bourgeoisie, die eine Verständigung mit dem Zarismus suchte. Nach den
Wahlen ist Stalin mit der Leitung der bolschewistischen Gruppe der
Dumafraktion beschäftigt.
Zusammen
mit Stalin arbeiten in Petersburg J. Swerdlow und W. Molotow, die an der
Leitung der „Prawda“, der Wahlkampagne und der Dumafraktion aktiv
teilnehmen. In dieser Periode wird die Verbindung zwischen Lenin und
Stalin noch enger. Lenin billigt in seinen Briefen vollauf die Tätigkeit
Stalins, seine Reden und Aufsätze. Stalin reist zweimal nach Krakau zu
Lenin: im November und Ende Dezember 1912 zur Beratung des
Zentralkomitees mit Parteiarbeitern.
Während
des Aufenthalts im Ausland schreibt Stalin die Arbeit „Marxismus und
nationale Frage“, die Lenin sehr hoch bewertete. Lenin schrieb über
diese Arbeit des Genossen Stalin: „In letzter Zeit sind die Grundlagen
des nationalen Programms der Sozialdemokratie in der theoretischen
marxistischen Literatur ... bereits beleuchtet worden (in erster Linie
tritt hier der Aufsatz Stalins hervor).“ (Ebenda Bd. XVII, 3. Aufl.,
S. 116 russ.) Stalins Schrift „Marxismus und nationale Frage“ war
die bedeutendste Stellungnahme des Bolschewismus zur nationalen Frage
auf dem internationalen Schauplatz vor dem Kriege. Das war die Theorie
und die programmatische Deklaration des Bolschewismus zur nationalen
Frage. Scharf und nachdrücklich wurden in dieser Arbeit zwei Methoden,
zwei Programme, zwei Weltanschauungen in der nationalen Frage, die der
II. Internationale und die des Leninismus, einander gegenübergestellt.
Zusammen mit Lenin zerschlug Stalin die opportunistischen Auffassungen
und Dogmen der II. Internationale in der nationalen Frage. Von Lenin und
Stalin wurde das marxistische Programm in der nationalen Frage
ausgearbeitet. Stalin entwickelte in seiner Arbeit die marxistische
Theorie der Nation, formulierte die Grundlagen der bolschewistischen
Methode zur Lösung der nationalen Frage (die Forderung, die nationale
Frage als Teil der Gesamtfrage der Revolution und im unzertrennlichen
Zusammenhang mit der gesamten internationalen Lage in der Epoche des
Imperialismus zu betrachten) und begründete das bolschewistische
Prinzip des internationalen Zusammenschlusses der Arbeiter. Am 23.
Februar 1913 wurde Stalin bei einem Unterhaltungsabend verhaftet, der
vom Petersburger Komitee der Bolschewiki im Saal der Kalaschnikow-Börse
veranstaltet war. Diesmal verschickt die zaristische Regierung Stalin
auf vier Jahre in die ferne Turuchansk- Region. Stalin lebt zuerst in
der Siedlung Kostino und wird dann, Anfang 1914, von den zaristischen
Gendarmen, die eine neue Flucht befürchten, noch weiter nach Norden,
unmittelbar an den Polarkreis, in die Siedlung Kurejka überführt. Hier
verbringt er die Jahre 1914, 1915 und 1916. Das war das Allerschwerste,
was es an politischer Verbannung nach fernen, entlegenen Gebieten
Sibiriens nur geben konnte.
Im
Sommer 1914 begann der imperialistische Krieg. Die Parteien der II.
Internationale übten schändlichen Verrat am Proletariat, sie gingen
auf die Seite der imperialistischen Bourgeoisie über. Nur Lenin und die
Bolschewiki blieben dem Kampfbanner des Internationalismus treu, nur die
Partei der Bolschewiki erhob sofort und ohne zu schwanken das Banner des
entschlossenen Kampfes gegen den imperialistischen Krieg. Abgeschnitten
von aller Welt, getrennt von Lenin und den Parteizentren, stellt sich
Stalin in den Fragen des Krieges, des Friedens und der Revolution auf
den Leninschen internationalistischen Standpunkt. Er schreibt Briefe an
Lenin, spricht in Versammlungen verbannter Bolschewiki im Dorfe
Monastyrskoje (1915) und brandmarkt dort die feige und verräterische
Haltung Kamenews in dem Prozess gegen die bolschewistische „Fünfergruppe“
der Deputierten der IV. Reichsduma. Gemeinsam mit einer Gruppe
verbannter Bolschewiki begrüßt er (1916) die legale bolschewistische
Zeitschrift „Woprossy Strachowanija“ (Versicherungsfragen) und weist
darauf hin, dass die Aufgabe der Zeitschrift darin bestehe, „alle Bemühungen
und Kräfte aufzubieten zur ideologischen Versicherung der
Arbeiterklasse unseres Landes gegen die 20zutiefst zersetzende,
antiproletarische und den Prinzipien des Internationalismus von Grund
aus widersprechende Predigt der Herren Potressow, Lewizki und Plechanow“.
Im
Dezember 1916 wird Stalin, nach Einziehung zum Militärdienst, auf dem
Etappenwege nach Krasnojarsk und dann in die Stadt Atschinsk gebracht.
Hier erreicht ihn die Nachricht von der Februarrevolution. Am 8. März
1917 verlässt Stalin Atschinsk und sendet auf der Reise ein Begrüßungstelegramm
an Lenin in die Schweiz. Am 12. März 1917 ist Stalin, der allen
Unbilden der Turuchansker Verbannung mutig Trotz geboten hat, wieder in
Petrograd, der revolutionären Hauptstadt Rußlands. Das Zentralkomitee
der Partei beauftragt Stalin mit der Leitung der „Prawda“.
Die
Partei der Bolschewiki war eben erst aus der Illegalität
hervorgetreten. Viele der hervorragendsten und aktivsten
Parteimitglieder kehrten aus den fernen Verbannungsorten und Gefängnissen
zurück. Lenin befand sich in der Emigration. Die bürgerliche
Provisorische Regierung suchte seine Rückkehr mit allen möglichen
Mitteln aufzuhalten. In dieser verantwortungsvollen Periode schließt
Stalin die Partei zum Kampf für das Hinüberwachsen der bürgerlich-demokratischen
Revolution in die sozialistische zusammen. Stalin leitet gemeinsam mit
Molotow die Tätigkeit des Zentralkomitees und des Petrograder Komitees
der Bolschewiki. In den Artikeln Stalins erhalten die Bolschewiki
prinzipielle richtunggebende Anweisungen für ihre Arbeit. Bereits im
ersten Artikel, „Über die Sowjets der Arbeiter- und
Soldatendeputierten“, umreißt Stalin die Hauptaufgabe der Partei.
„Diese
Sowjets zu festigen, sie überall ins Leben zu rufen, sie untereinander
zu verbinden, mit dem zentralen Sowjet der Arbeiter- und
Soldatendeputierten, als Organ der revolutionären Macht des Volkes, an
der Spitze.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 3, S. 2 russ.)
Im
Artikel „Über den Krieg“ zeigte Stalin, dass der Charakter des
imperialistischen Krieges durch den Übergang der Macht in die Hände
der Provisorischen Regierung nicht verändert wurde, dass der Krieg von
1914-1917 auch unter der bürgerlichen Provisorischen Regierung ein
ungerechter Krieg, ein Raubkrieg bleibt. Stalin, Molotow und andere
verfochten gemeinsam mit der Mehrheit der Partei die Politik des
Misstrauens gegen die imperialistische Provisorische Regierung. Sie bekämpften
die menschewistisch-sozialrevolutionäre Politik der
Vaterlandsverteidigung sowie die halbmenschewistische Einstellung einer
bedingten Unterstützung der Provisorischen Regierung, die von Kamenew
und anderen Opportunisten vertreten wurde.
V
AM
3. April 1917 kehrte Lenin aus langjährigem Exil nach Rußland zurück.
Die Nachricht von der Ankunft des geliebten Führers der Revolution
wurde von den fortgeschrittenen Arbeitern Petrograds mit großer
Begeisterung aufgenommen. Genosse Stalin fuhr mit einer
Arbeiterdelegation Lenin bis zur Station Beloostrow entgegen. Die Begrüßung
Lenins am Finnländischen Bahnhof in Petrograd gestaltete sich zu einer
machtvollen revolutionären Kundgebung. Am Tage nach seiner Ankunft
hielt Lenin eine Rede, in der er seine berühmten Aprilthesen
entwickelte, die die Partei mit dem genialen Plan des Kampfes für den
Übergang von der bürgerlich-demokratischen Revolution zur
sozialistischen Revolution ausrüsteten. Die Thesen Lenins gaben der
Partei eine neue Orientierung unter den neuen Kampfbedingungen nach dem
Sturze des Zarismus. Am 24. April 1917 wurde die VII. (die April-)
Konferenz der Bolschewiki eröffnet, deren Arbeiten die Leninschen
Thesen zugrunde lagen. Die Aprilkonferenz stellte die Partei auf den
Kampf für das Hinüberwachsen der bürgerlichdemokratischen in die
sozialistische Revolution ein.
Auf
der Konferenz verfocht Stalin energisch die auf die sozialistische
Revolution gerichtete Leninsche Linie und entlarvte die
opportunistische, antileninistische Linie Kamenews, Rykows und ihrer
wenigen Gesinnungsgenossen. Außerdem hielt Stalin auf der Konferenz
auch das Referat über die nationale Frage. Die
marxistisch-leninistische Linie in der nationalen Frage konsequent
entwickelnd, begründete Stalin die bolschewistische Nationalitätenpolitik,
vertrat das Recht der Nationen auf Selbstbestimmung bis zur Lostrennung
und Bildung selbständiger Staaten. Die Lenin-Stalinsche Nationalitätenpolitik
sicherte der Partei in der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution die
Unterstützung der unterdrückten Nationalitäten.
Im
Mai 1917, nach der Konferenz, wird das Politische Büro des
Zentralkomitees gebildet, zu dessen Mitglied Stalin gewählt wird. Seit
dieser Zeit und bis zum heutigen Tag wird Stalin jedesmal zum Mitglied
des Politbüros des Zentralkomitees gewählt. Auf Grund der Beschlüsse
der Aprilkonferenz entfaltet die Partei eine gewaltige Arbeit zur
Gewinnung der Massen, zu ihrer Erziehung und Organisierung für den
Kampf.
In
dieser schwierigen Periode der Revolution, da die Ereignisse sich stürmisch
entwickelten und von oder Partei eine geschickte und bewegliche Taktik
erforderten, leiteten Lenin und Stalin den Kampf der Massen.
„Ich
denke an das Jahr 1917“, sagte Stalin, „als ich durch den Willen der
Partei, nach meinen Wanderungen durch Gefängnisse und Verbannungsorte,
nach Leningrad entsandt worden war. Dort, im Kreise der russischen
Arbeiter, in der unmittelbaren Nähe des großen Lehrers der Proletarier
aller Länder, des Genossen Lenin, im Donner der großen Schlachten
zwischen Proletariat und Bourgeoisie, unter den Verhältnissen des
imperialistischen Krieges, lernte ich zum erstenmal verstehen, was es
heißt, einer der Führer der großen Partei der Arbeiterklasse zu sein.
Dort,
im Kreise der russischen Arbeiter, der Befreier der unterdrückten Völker
und Vorkämpfer des Proletariats aller Länder und Völker, erhielt ich
meine dritte revolutionäre Feuertaufe. Dort, in Rußland, wurde ich
unter Lenins Leitung einer der Meister der Revolution.“ (Prawda Nr.
136 vom 16. Juni 1926.) Stalin steht im Mittelpunkt der gesamten
praktischen Arbeit der Partei. Als Mitglied des Zentralkomitees nimmt er
unmittelbar führenden Anteil an der Arbeit des Petrograder Komitees der
Partei, leitet die „Prawda“, schreibt Artikel für die „Prawda“
und „Soldatskaja Prawda“, leitet die Tätigkeit der Bolschewiki in
der Gemeindewahlkampagne in Petrograd. Zusammen mit Lenin nimmt Stalin
an den Arbeiten der Allrussischen Konferenz der Militärorganisationen
der Partei teil und hält dort ein Referat „über die nationale
Bewegung in den nationalen Regimentern“. Zusammen mit Lenin
organisiert Stalin die historische Demonstration vom 18. Juni, die unter
den Losungen der bolschewistischen Partei vor sich ging, schreibt im
Namen des Zentralkomitees den Aufruf an die Arbeiter und revolutionären
Soldaten Petrograds. Am 20. Juni wurde Genosse Stalin auf dem I.
Allrussischen Sowjetkongress zum Mitglied des Zentralexekutivkomitees
gewählt.
Nach
den Julitagen 1917, als Lenin, von der konterrevolutionären
Provisorischen Regierung gehetzt und verfolgt, sich in der Illegalität
befand, leitete Stalin unmittelbar das Zentralkomitee und das
Zentralorgan der Partei, das zu dieser Zeit unter verschiedenen Namen
erschien („Rabotschi i Soldat“ [Arbeiter und Soldat], „Proletari“,
„Rabotschi“, „Rabotschi Putj“ [Der Arbeiterweg]). Stalin rettete
das für die Partei, für unser Volk, für die gesamte Menschheit so
teure Leben Lenins, indem er sich entschieden dagegen wandte, dass sich
Lenin dem Gericht der Konterrevolutionäre stelle, und den Vorschlag der
Verräter Kamenew, Rykow, Trotzki zurückwies, die verlangten, dass
Lenin dem Gericht der konterrevolutionären Provisorischen Regierung
ausgeliefert werde. Die Niederschlagung der Julidemonstration führte
einen Umschwung in der Entwicklung der Revolution herbei. Lenin arbeitet
die neue Taktik der Partei für die neuen Kampfbedingungen aus. Zusammen
mit Swerdlow leitet Stalin die Arbeiten des illegal tagenden VI.
Parteitags (Juli-August 1917). Auf dem Parteitag erstattete Stalin den
Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees und das Referat über die
politische Lage. In diesen Referaten Stalins wurden die Aufgaben und die
Taktik der Partei im Kampfe für die sozialistische Revolution klar
formuliert. Stalin trat den Trotzkisten entgegen, die den Sieg des
Sozialismus in Rußland für unmöglich hielten.
Als
Erwiderung auf einen Ausfall der Trotzkisten, die versuchten, den auf
die sozialistische Revolution gerichteten Kurs der Partei von der
proletarischen Revolution im Westen abhängig zu machen, erklärte
Genosse Stalin: „Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass
gerade Rußland das Land sein wird, das den Weg zum Sozialismus bahnt
... Man muss die überlebte Vorstellung fallen lassen, dass nur Europa
uns den Weg weisen könne. Es gibt einen dogmatischen Marxismus und
einen schöpferischen Marxismus. Ich stehe auf dem Boden des
letzteren.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 3, S. 186 u. 187 russ.) Die Worte
Stalins haben sich als prophetisch erwiesen: Rußland zeigte als erstes
Land den Weg zum Sozialismus.
Der
Parteitag schloss sich um Stalin zusammen, der Lenins Lehre von der Möglichkeit
des Sieges des Sozialismus in unserem Lande verfocht. Unter Führung
Stalins wurde der VI. Parteitag, den Direktiven Lenins entsprechend, zu
dem Parteitag der Vorbereitung zum Aufstand. Der Parteitag orientierte
die Partei auf den bewaffneten Aufstand, auf die Eroberung der Diktatur
des Proletariats.
Im
August 1917 brach die Meuterei des Generals Kornilow aus, der den
Zarismus in Rußland wiederherstellen wollte. Die Bolschewiki
mobilisierten die Volksmassen zum Kampf gegen das Generalsabenteuer. Die
Niederwerfung des Kornilowputsches leitete eine neue Periode in der
Geschichte der Revolution ein: es begann die Periode der Organisierung
des Sturmes. Während der Zeit, die Lenin in der Illegalität zubrachte,
unterhält Genosse Stalin enge Verbindung und schriftlichen Verkehr mit
seinem Lehrer und Freund Lenin. Stalin besucht Lenin zweimal in seinem
Versteck in Rasliw.
Lenin
und Stalin führten die Partei und die Arbeiterklasse kühn und sicher,
fest und umsichtig zur sozialistischen Revolution, zum bewaffneten
Aufstand. Lenin und Stalin sind die Inspiratoren und Organisatoren des
Sieges der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Stalin war der nächste
Kampfgefährte Lenins. Er leitete unmittelbar die gesamte Vorbereitung
zum Aufstand. Seine richtunggebenden Artikel wurden in den
bolschewistischen Gebietszeitungen nachgedruckt. Stalin ließ Vertreter
der Gebietsorganisationen zu sich kommen, instruierte sie und legte die
Kampfaufgaben für die einzelnen Gebiete fest. Am 16. Oktober wählte
das Zentralkomitee das Parteizentrum zur Leitung des Aufstands mit
Genossen Stalin an der Spitze. Das Parteizentrum war der leitende Kern
des Revolutionären Militärkomitees beim Petrograder Sowjet und leitete
praktisch den ganzen Aufstand.
In
seiner am 16. Oktober in der Sitzung des Zentralkomitees der Partei
gehaltenen Rede wies Stalin die kapitulantischen Vorschläge der Verräter
Sinowjew und Kamenew zurück, die gegen den bewaffneten Aufstand
aufgetreten waren. Stalin erklärte: „Was Kamenew und Sinowjew
vorschlagen, führt objektiv dazu, dass die Konterrevolution die Möglichkeit
bekommt, sich vorzubereiten und zu organisieren. Wir würden endlos zurückweichen
und die Revolution verspielen. Warum sollen wir uns nicht die Möglichkeit
sichern, den Tag und die Bedingungen des Aufstandes selbst auszusuchen,
um der Konterrevolution, keine Gelegenheit zu geben, sich zu
organisieren?“ (J. Stalin, Werke, Bd. 3, S. 381 russ.)
Am
frühen Morgen des 24. Oktober verbot Kerenski durch einen Befehl die
Herausgabe des Zentralorgans der Partei, des „Rabotschi Putj“, und
entsandte Panzerautos zum Gebäude der Redaktion und der Druckerei des
„Rabotschi Putj“. Aber um 10 Uhr morgens zwangen die Rotgardisten
und die revolutionären Soldaten laut Weisung des Genossen Stalin die
Panzerautos zum Rückzug und stellten vor der Druckerei und der
Redaktion eine verstärkte Wache auf. Um 11 Uhr früh erschien der „Rabotschi
Putj“ mit dem von Stalin geschriebenen Leitartikel „Was brauchen
wir?“, der die Massen aufrief, die bürgerliche Provisorische
Regierung zu stürzen. Gleichzeitig wurden auf Anweisung des
Parteizentrums schleunigst Abteilungen der revolutionären Soldaten und
Rotgardisten zum Smolny herangezogen. Der Aufstand begann am 24.
Oktober. Am Abend des 25. Oktober wurde der II. Sowjetkongress eröffnet,
der die ganze Macht den Sowjets übergab.
Stalin
wurde Mitglied des ersten Rates der Volkskommissare, der mit Lenin an
der Spitze nach dem Siege der Oktoberrevolution auf dem II.
Allrussischen Sowjetkongress gewählt wurde. Die Große Sozialistische
Oktoberrevolution veränderte die Situation von Grund aus. Die
Oktoberrevolution spaltete die ganze Welt in zwei Systeme, in das System
des Kapitalismus und das System des Sozialismus. Die Partei der
Bolschewiki stand vor neuen Verhältnissen, hatte neue gigantische
Aufgaben zu lösen. Von Grund aus veränderten sich auch die Formen des
Kampfes der Arbeiterklasse.
Seit
den ersten Tagen des Bestehens der Sowjetregierung bis zum Jahre 1923
war Stalin Volkskommissar für die Angelegenheiten der Nationalitäten.
Er leitete unmittelbar die gesamte Arbeit der Partei und der Sowjetmacht
zur Lösung der nationalen Frage in der Sowjetunion. Unter Führung
Lenins und Stalins gingen die Arbeiter und Bauern daran, an Stelle der
zaristischen Kolonien Sowjetrepubliken zu errichten. Es gibt keine
einzige Sowjetrepublik, an deren Organisierung Stalin nicht aktiv und führend
teilgenommen hätte. Stalin leitet den Kampf um die Ukrainische
Sowjetrepublik, leitet die Errichtung der Bjelorussischen Republik und
der Sowjetrepubliken in Transkaukasien und Mittelasien, er hilft den
zahlreichen Nationalitäten des Sowjetlandes, ihre autonomen
Sowjetrepubliken und Gebiete aufzubauen. Lenin und Stalin sind die
Inspiratoren und Organisatoren dir großen Sowjetunion.
Stalin
ist zusammen mit Swerdlow der nächste Helfer Lenins beim Aufbau des
Sowjetstaates. Gemeinsam mit Lenin führt Stalin den Kampf gegen Kamenew,
Sinowjew, Rykow und die anderen Streikbrecher und Deserteure der
Revolution. Organisierung der Niederwerfung Kerenskis und Krasnows,
Brechung der Sabotage der Beamten und Angestellten, Liquidierung des
konterrevolutionären Hauptquartiers und der zaristischen Generalität,
Verbot der bürgerlichen Presse, Kampf gegen die konterrevolutionäre
Ukrainische Rada, Auseinanderjagung der Konstituierenden Versammlung,
Ausarbeitung der ersten Sowjetverfassung im Jahre 1918 - an allen diesen
entscheidenden Ereignissen nimmt Stalin aktivsten und führenden Anteil.
Im Auftrag des Zentralkomitees führt Stalin im Januar 1918 die Beratung
mit Vertretern des revolutionären Flügels der sozialistischen Parteien
verschiedener Länder Europas und Amerikas durch. Diese Beratung spielte
eine bedeutende Rolle im Kampfe für die Gründung der III., der
Kommunistischen Internationale.
In
den schweren Tagen der Brester Friedensverhandlungen, als sich das
Schicksal .der Revolution entschied, verteidigte Stalin gemeinsam mit
Lenin unerschütterlich die bolschewistische Strategie und Taktik gegen
den Verräter Trotzki und seinen Handlanger Bucharin, die im Verein mit
den englischen und französischen Imperialisten die junge, noch nicht
gefestigte Republik der Sowjets den Schlägen des deutschen
Imperialismus aussetzen wollten.
VI
DIE
durch die Sozialistische Oktoberrevolution gestürzten russischen
Gutsbesitzer und Kapitalisten verständigten sich mit den Kapitalisten
anderer Länder über die Organisierung einer militärischen
Intervention gegen das Land der Sowjets. Sie setzten sich das Ziel, die
Arbeiter und Bauern niederzuschlagen, die Sowjetmacht zu stürzen und
unser Land erneut zu unterjochen. Es begannen der Bürgerkrieg und die
Intervention. Die Sowjetregierung erklärte: „Das sozialistische
Vaterland ist in Gefahr!“ und rief das ganze Volk zum Kampf auf. Die
Partei der Bolschewiki mobilisierte die Arbeiter und Bauern zum vaterländischen
Krieg gegen die ausländischen Eroberer und gegen die Weißgardisten,
die im Dienste der Bourgeoisie und der Gutsbesitzer standen. Im Frühjahr
1918 organisierten die englischen und französischen Imperialisten die
Meuterei des tschechoslowakischen Korps, das aus Kriegsgefangenen der österreichisch-ungarischen
Armee formiert worden war und nach dem Friedensschluss mit Deutschland
über Sibirien nach Frankreich fuhr.
Der
Vorstoß der Tschechoslowaken und die für den gleichen Tag angesetzten
weißgardistisch-sozialrevolutionären Meutereien in 23 Städten des
Wolgagebiets, die Meuterei der linken Sozialrevolutionäre in Moskau,
die Landung englischer Truppen in Murmansk, all das entfesselte die
gesamten Kräfte der Konterrevolution. Die Tschechoslowaken meuterten in
einem äußerst kritischen Moment. Das Land hatte sich eben erst aus den
Fängen des imperialistischen Krieges befreit. Das Wirtschaften der
Kapitalisten und Gutsbesitzer hatte das Land an den Rand der Katastrophe
gebracht. Die Arbeiter der Hauptstädte erhielten nicht mehr als 50
Gramm Brot täglich. Die Republik war vom ukrainischen und sibirischen
Getreide abgeschnitten. Es blieb nur ein Gebiet, aus dem man Getreide
bekommen konnte - der Südosten, das Wolgagebiet und der Nordkaukasus,
von denen der Weg die Wolga aufwärts über Zarizyn führte. Die
Revolution konnte nur gerettet werden, indem man Brot beschaffte. Lenin
wandte sich an die Petrograder Arbeiterschaft mit dem Aufruf, eine
Kampagne zur Entsendung von Arbeitern in das Dorf zu organisieren, um
den armen Bauern gegen die Getreidespekulanten, die Kulaken, die
Blutsauger des Dorfes, zu helfen. Stalin wurde vom Zentralkomitee der
Partei, mit außerordentlichen Vollmachten ausgestattet, nach dem Süden
entsandt und mit der Gesamtleitung der Lebensmittelbeschaffung im Süden
Rußlands betraut.
Am
6. Juni 1918 traf Stalin mit einer Arbeiterabteilung in Zarizyn ein.
Stalin, der den Scharfblick des politischen Führers mit dem Talent des
Heerführers vereinigte, erkannte sogleich, dass Zarizyn der Ort war,
gegen den der Hauptstoß der Konterrevolution gerichtet sein würde.
Durch die Einnahme von Zarizyn wäre die Republik von den letzten
Getreideressourcen und vom Bakuer Erdöl abgeschnitten worden, und die
Weißen hätten die Möglichkeit erhalten, die Konterrevolution des
Dongebiets mit Koltschak und der tschechoslowakischen Konterrevolution
zu vereinigen und in gemeinsamer Front gegen Moskau zu marschieren.
Zarizyn musste um jeden Preis in den Händen der Sowjetmacht bleiben.
Nachdem Stalin mit eiserner Hand die Stadt von den weißgardistischen
Verschwörern gesäubert, in bedeutenden Mengen Lebensmittel aufgebracht
und in die hungernden Hauptstädte geschickt hatte, widmete er sich völlig
der Verteidigung Zarizyns. Stalin brach schonungslos den Widerstand der
konterrevolutionären Spezialisten, die von Trotzki geschickt und
unterstützt wurden, reorganisierte durch schnelle und entschlossene Maßnahmen
die zersplitterten Abteilungen und beschleunigte das Eintreffen der
Truppenteile Woroschilows aus dem Donezbecken, die zum Grundstock der
neugebildeten 10. Armee wurden. Dank dem eisernen Willen und dem
genialen Scharfblick Stalins wurde Zarizyn behauptet, und es gelang den
Weißen nicht, nach Moskau durchzubrechen.
Die
heldenhafte Verteidigung Zarizyns fiel in dieselbe Zeit wie der
Zusammenbruch des deutschen Imperialismus in der Ukraine. Im November
1918 brach die Revolution in Deutschland und in Österreich-Ungarn aus.
Das Zentralkomitee beauftragte Stalin, zur Unterstützung der
ukrainischen Arbeiter und Bauern die ukrainische Front zu organisieren.
Stalin wurden zwanzig führende Parteiarbeiter aus der 10. Armee, mit
Genossen Woroschilow an der Spitze, zur Verfügung gestellt. Ende
November rücken die ukrainischen aufständischen Truppen gegen Petljura
und die Deutschen vor und befreien Charkow. Im Westen wurde Minsk
befreit. Stalin leistete eine gewaltige Arbeit zur Befreiung der
westlichen Gebiete und zur Schaffung der Bjelorussischen Republik.
Am
30. November 1918 wurde der Rat der Arbeiter- und Bauernverteidigung mit
Lenin als Vorsitzendem geschaffen, und die gesamte Verteidigungsarbeit
an der Front und im Hinterland zu leiten, die Industrie und das
Verkehrswesen sowie alle Ressourcen des Landes zu mobilisieren. Das
Allrussische Zentralexekutivkomitee war im Rat der Verteidigung durch
Stalin vertreten, der faktisch zum Stellvertreter Lenins wurde.
Ende
1918 entstand an der Ostfront eine katastrophale Lage. Die
Koltschakarmee eilte, sich mit den englischen Truppen zu vereinigen, die
vom Norden her vorrückten. Im Namen des Rates der Verteidigung forderte
Lenin, die Positionen bei Perm zu festigen. Zur Abwendung der
Katastrophe schlug er dem Zentralkomitee vor, Stalin und Dzierzynski
dorthin zu entsenden. Schnell und entschlossen stellte Stalin die Lage
bei Perm wieder her. Im Süden, vor Zarizyn, hatte sein mächtiger Wille
der Konterrevolution des Dongebiets nicht gestattet, ihre Kräfte mit
der Konterrevolution des Urais und des Wolgagebiets zu vereinigen. Im
Norden durchkreuzte Stalin den Versuch der Interventen, die Verbindung
mit den Tschechen und Koltschak herzustellen. Die roten Truppen
richteten nun ihre Schläge gegen Koltschak, der sowohl im Süden wie im
Norden von seinen Bundesgenossen abgeschnitten war. Von der Ostfront zurückgekehrt,
nimmt Stalin die Organisierung der Staatlichen Kontrolle in Angriff und
wird auf Vorschlag Lenins im März 1919 zum Volkskommissar der
Staatlichen Kontrolle ernannt, die später zum Volkskommissariat der
Arbeiter- und Bauerninspektion reorganisiert wurde. Volkskommissar der
Arbeiter- und Bauerninspektion bleibt Stalin bis zum April 1922. Diese
Arbeit hatte größte Bedeutung für die Heranziehung der Werktätigen
zur Verwaltung des Staates.
Im
Mai 1919 rückte General Judenitsch mit Unterstützung finnischer und
estnischer weißer Truppen gegen Petrograd vor, mit dem Ziel, die roten
Truppen von Koltschak abzuziehen. Der Vorstoß Judenitschs wurde durch
ein englisches Geschwader unterstützt. Im Rücken der Roten Armee wurde
ein Aufstand in den Forts „Krasnaja Gorka“ (Roter Hügel) und „Seraja
Loschadj“ (Grauschimmel) organisiert. Die rote Front kam ins Wanken,
und der Feind drang bis dicht an Petrograd vor.
Das
Zentralkomitee entsandte Stalin, um die Abwehr der Weißen zu
organisieren. Die Kommunisten strömten an die Front. Stalin beseitigte
rasch die dort herrschende Ratlosigkeit, vernichtete schonungslos Feinde
und Verräter. Durch einen kombinierten Vorstoß der Infanterie vom
Lande und der Schiffe vom Meere her wurden die meuternden Forts besetzt
und die weißgardistischen Truppen zurückgeworfen. Die Bedrohung
Petrograds war beseitigt. Die Pläne der Entente, Petrograd zu nehmen,
waren vereitelt. Die Armee Judenitschs wurde zerschmettert, ihre Reste
flüchteten nach Estland. Im Sommer 1919 ist Stalin an der Westfront, in
Smolensk, tätig, wo er die Abwehr der polnischen Offensive organisiert.
Die
im ersten Feldzug geschlagene Entente unternahm nach der Niederwerfung
der Räte in Bayern, Ungarn, Estland und Lettland im Herbst 1919 den
zweiten Feldzug, in den sie außer den weißgardistischen Truppen und
ihren eigenen Formationen auch die Armeen der an Rußland grenzenden
Kleinstaaten hineinzog. Diesen Feldzug nannte der englische
Kriegsminister Churchill ruhmredig den „Feldzug der vierzehn
Staaten“.
Während
die Rote Armee im Osten Koltschak schlug, riss Denikin das Donezbecken
an sich und drang in breiter Front in die Ukraine ein. Trotzki brachte
in verräterischer Weise die Arbeit an der Südfront in Zerrüttung. Die
roten Truppen erlitten Niederlagen. Denikin kamen die weißen Polen zu
Hilfe, die Minsk besetzten. Judenitsch ergriff vor Petrograd neuerlich
die Offensive, während Koltschak sich am Tobol festzusetzen suchte.
Noch nie war der Feind der Sowjethauptstadt so nahe gekommen. Die
Donezkapitalisten setzten sogar einen Millionenpreis für dasjenige weiße
Regiment aus, das als erstes in Moskau einzieht. Als Antwort auf die
Offensive der Weißen wandte sich Lenin im Namen des Zentralkomitees an
die Parteiorganisationen mit dem leidenschaftlichen Aufruf: „Alle zum
Kampf gegen Denikin!“
Die
Südfront erhielt in Massen Verstärkungen und Kampfmittel, doch war ein
Führer notwendig, der es verstünde, die Hunderttausende von Kämpfern
zusammenzuschweißen, mit einheitlichem Willen zu beseelen und gegen den
Feind zu werfen. Das Zentralkomitee der Partei entsendet Stalin, um den
Sieg an der Südfront zu organisieren. Der Heerführer der Revolution
fand an der Front ein Durcheinander, völlige Ratlosigkeit vor, ein
strategischer Plan fehlte. Nachdem Stalin die bankrotten Kreaturen
Trotzkis aus den Stäben verjagt und gefordert hatte, dass sich Trotzki
in die Angelegenheiten der Front in keiner Weise einmische, verwarf er
den verbrecherischen alten Plan des Durchbruchs der Denikinschen Front
von der Wolga (Zarizyn) aus in Richtung auf Noworossijsk und stellte
seinen eigenen Kampfplan auf, der die Aufgabe genial löste. Stalin
schlug vor, den Hauptstoß gegen Denikin aus dem Raum von Woronesh über
Charkow, das Donezbecken und Rostow zu führen, um die Armee der
Konterrevolution in zwei Teile zu zerschneiden. Dieser Plan sicherte das
schnelle Vorrücken der Roten Armee durch Gebiete mit proletarischen
Zentren, wo die Bevölkerung die Rote Armee mit offenkundiger Sympathie
erwartete und ein dichtes Eisenbahnnetz vorhanden war, was die Möglichkeit
gab, die Truppen mit allem Notwendigen zu versorgen. Gleichzeitig
bedeutete dieser Plan die Befreiung des Donezbeckens, dieses mächtigen
Kohlengebiets, das die Versorgung des Landes mit Brennmaterial gewährleistet
und eine Quelle revolutionärer Kräfte darstellt.
Der
Plan Stalins wurde vom Zentralkomitee angenommen. Stalin entfaltete eine
gigantische Arbeit zur Organisierung des Sieges. Er verfolgte den Gang
der Operationen, griff unverzüglich ein, um Fehler zu korrigieren, wählte
Kommandeure und politische Funktionäre aus und begeisterte sie zum
Kampf. Unter der Anleitung Stalins wurde an der Südfront die
Instruktion für die Regimentskommissare ausgearbeitet, in der die
Aufgabe des Kommissars mit folgenden treffenden Worten formuliert wurde:
„Der
Regimentskommissar ist der politische und moralische Führer seines
Regiments, dessen materielle und geistige Interessen er als erster zu
wahren hat. Ist der Regimentskommandeur das Haupt des Regiments, so soll
der Kommissar der Vater und die Seele seines Regiments sein.“
(„Prawda“ Nr.344 vom 14.Dezember 1939 (Leitartikel „Militärkommissare“).)
Die
Realisierung des Stalinschen Plans führte zur völligen Zerschmetterung
Denikins. Auf Initiative des Genossen Stalin wurde die von Budjonny,
Woroschilow und Schtschadenko geführte Erste Reiterarmee geschaffen.
Die legendär gewordene Reiterarmee, unterstützt von den Armeen der Südfront,
rieb die Truppen Denikins endgültig auf.
Während
der kurzfristigen Atempause, die das Sowjetland nach der Niederwerfung
Denikins erhalten hatte, leitet Stalin im Auftrage Lenins den
Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten Wirtschaft der Ukraine. Im
Februar und März 1920 steht Stalin an der Spitze des Rates der
ukrainischen Arbeitsarmee und mobilisiert die Werktätigen zum Kampf um
die Kohle. In einem Appell an die Arbeitsarmee wies Stalin im März 1920
darauf hin, dass in der jetzigen Lage „die Kohle für Rußland ebenso
wichtig ist wie der Sieg über Denikin“. („Proletarskaja Revoluzija“
Nr. 3, 1940, S. 164.) Unter der Führung Stalins errangen die
ukrainischen Bolschewiki bedeutende Erfolge auf dem Gebiete der
Brennstoffversorgung und der Regelung des Verkehrswesens.
Im
Mai 1920 wird Stalin vom Zentralkomitee an die Südwestfront gegen die
polnischen Pans entsandt, die den dritten Feldzug der Entente gegen die
Sowjetrepublik begonnen hatten. Hier nimmt Stalin unmittelbar führenden
Anteil an der Durchbrechung der polnischen Front, an der Befreiung Kiews
und dem Vormarsch unserer Truppen unmittelbar vor Lwow. In demselben
Jahre 1920 ist Stalin mit der Verteidigung des Südens der Ukraine gegen
die Offensive Wrangels beschäftigt und entwirft den Plan zur
Vernichtung Wrangels. Die Stalinschen Hinweise lagen dem Operationsplan
Frunses zugrunde, der zur völligen Vernichtung Wrangels führte.
Die
Jahre des Bürgerkrieges verliefen alle im Zeichen der engsten
Zusammenarbeit zwischen Lenin und Stalin. Hand in Hand arbeiten sie am
Aufbau und an der Festigung der Roten Armee. In den wichtigsten Fragen
der Politik des Sowjetstaates und der militärischen Strategie und
Taktik zog Lenin Stalin zu Rate. Wenn Stalin zwecks Durchführung äußerst
wichtiger politischer und militärischer Aufträge Lenins in entlegenen
Orten des Sowjetlandes weilte, standen beide in ununterbrochener
Verbindung durch Briefe, Telegramme und kurze Mitteilungen. Stalin
informierte Lenin regelmäßig über die Lage an den Fronten. Die Briefe
und Telegramme Stalins enthielten meisterhafte Analysen der Kriegslage.
Wenn die Lage an der Front besonders bedrohlich wurde, wandte sich
Stalin stets an Lenin um Hilfe und Unterstützung. Lenin behandelte die
Ansuchen Stalins mit außerordentlicher Aufmerksamkeit.
Lenin
hielt Stalin stets über die Ereignisse auf dem Laufenden und
informierte ihn über die aktuellen politischen Geschehnisse. Stalin war
die Hauptstütze Lenins bei der Organisierung und Leitung der
Verteidigung des Sowjetlandes.
In
den Jahren des Bürgerkrieges wurde Stalin vom Zentralkomitee der Partei
und von Lenin persönlich an die entscheidendsten und für die
Revolution gefährlichsten Fronten geschickt. Genosse Stalin war
Mitglied des Revolutionären Kriegsrates der Republik sowie Mitglied der
Revolutionären Kriegsräte der Westfront, Südfront und Südwestfront.
Dorthin, wo infolge verschiedener Ursachen eine tödliche Gefahr für
die Rote Armee entstand, wo das Vorrücken der Armeen der
Konterrevolution und der Intervention unmittelbar die Existenz der
Sowjetmacht bedrohte, dorthin wurde Stalin entsandt. Dort, „Wo
Verwirrung und Panik zu beliebiger Minute sich in Hilflosigkeit, in eine
Katastrophe verwandeln konnten, dort tauchte Genosse Stalin auf“. (K.
E. Woroschilow, „Stalin und die Rote Armee“, 1940, S. 6/7 russ.)
Stalin organisierte die Massen der Parteimitglieder und der Arbeiter,
nahm die Führung in seine festen Hände; auf die Massen gestützt,
brach er schonungslos die Sabotage, unterdrückte mit eiserner Hand die
Verschwörungen der Verräter und Spione im Hinterland und an der Front;
durch das persönliche Beispiel selbstloser Arbeit und die klare
revolutionäre Perspektive hob er den Kampfgeist und den revolutionären
Enthusiasmus der Arbeiter und Bauern, der Rotarmisten; in den kürzesten
Fristen erzielte er einen radikalen Umschwung und den Sieg der Roten
Armee.
Er
durchschaute und durchkreuzte die raffiniertesten und arglistigsten
strategischen Pläne der Feinde und warf ihre gesamte
Kriegs“wissenschaft“, Kriegs“kunst“ und Schulung über den
Haufen.
In
Würdigung der Verdienste Stalins an den Fronten des Bürgerkrieges
wurde er auf Initiative Lenins durch Beschluss des Allrussischen
Zentralexekutivkomitees vom 27. November 1919 finit dem Orden des
„Roten Banners“ ausgezeichnet.
Schöpfer
der Roten Armee - der ersten Roten Armee der Welt, der Armee der
befreiten Arbeiter und Bauern, der Armee der Brüderlichkeit zwischen
den Völkern unseres Landes, der Armee, die im Geiste des
Internationalismus erzogen ist - war die Partei der Bolschewiki mit
Lenin und Stalin an der Spitze. Lenin und Stalin leiteten die
Landesverteidigung gemeinsam mit den besten Kräften der
bolschewistischen Partei.
Der
unmittelbare Inspirator und Organisator der wichtigsten Siege der Roten
Armee war Stalin. Überallhin, wo an den Fronten das Schicksal der
Revolution entschieden wurde, schickte die Partei Stalin. Er war der Schöpfer
der bedeutungsvollsten strategischen Pläne.
Stalin
leitete die entscheidenden Kampfoperationen. Vor Zarizyn und Perm, vor
Petrograd und gegen Denikin, im Westen gegen das Polen der Pans und im Süden
gegen Wrangel - überall sicherte der eiserne Wille und das strategische
Genie Stalins den Sieg der Revolution. Stalin war der Erzieher und
Leiter der Militärkommissare, ohne die es, nach den Worten Lenins,
keine Rote Armee gegeben hätte. Mit dem Namen Stalin sind die
ruhmvollsten Siege unserer Roten Armee verbunden.
VII
NACHDEM
die Sowjetmacht den Krieg gegen die Interventen siegreich beendet hatte,
ging sie zum friedlichen wirtschaftlichen Aufbau über. Das Land war
durch den vierjährigen imperialistischen Krieg und den dreijährigen Bürgerkrieg
zerrüttet. Nach Beendigung des Bürgerkriegs äußerte die Bauernschaft
Unzufriedenheit mit der Einziehung aller Lebensmittelüberschüsse, mit
dem System der Ablieferungspflicht und forderte, dass sie mit einer
ausreichenden Menge von Waren versorgt werde. Der Hunger und die Ermüdung
bewirkten, dass sich auch bei einem Teil der Arbeiter Unzufriedenheit
bemerkbar machte. Der Klassenfeind suchte die schwere Wirtschaftslage
des Landes auszunutzen. Vor der Partei erhob sich die Frage der
Ausarbeitung einer neuen Einstellung zu allen Problemen des
Wirtschaftslebens des Landes. Das Zentralkomitee war sich klar darüber,
dass nach der Beendigung des Krieges und dem Übergang zum friedlichen
Aufbau das System des Kriegskommunismus nunmehr überholt war. Die
Notwendigkeit der Ablieferungspflicht war entfallen, den Bauern musste
die Möglichkeit gegeben werden, einen großen Teil der Überschüsse
ihrer Produktion zu verwerten. Dadurch würde es ermöglicht werden, die
Landwirtschaft, den Warenumsatz zu beleben, die Industrie zu heben, die
Versorgung der Städte zu verbessern, eine neue wirtschaftliche
Grundlage für das Bündnis der Arbeiter und Bauern zu schaffen.
Die
parteifeindlichen Gruppierungen suchten jedoch die Partei an der
Ausarbeitung der neuen Einstellung zu hindern. Ende 1920 zwangen sie der
Partei die so genannte Gewerkschaftsdiskussion auf. In der Tat ging ihre
Bedeutung weit über den Rahmen der Gewerkschaftsfrage hinaus. Im Grunde
genommen ging der Kampf um die Frage der Beziehungen zur Bauernschaft,
der Beziehungen der Partei zu den Massen der parteilosen Arbeiter, überhaupt
um das Herangehen der Partei an die Massen in der neuen Situation. Die
Trotzkisten schlugen ein „festeres Anziehen der Schrauben“ des
Kriegskommunismus vor.
Mit
ihrer verräterischen Politik des nackten Zwanges und Kommandierens
gegenüber den Massen hatten sie es darauf abgesehen, die Masse der
parteilosen Arbeiter gegen die Partei aufzubringen und die Existenz der
Sowjetmacht zu gefährden. Nach den Trotzkisten traten auch andere
parteifeindliche Grüppchen hervor: die „Arbeiteropposition“, die
„demokratischen Zentralisten“, die „linken Kommunisten“.
Gemeinsam
mit Lenin verwirklichte und verfocht Stalin konsequent die Parteilinie
und bekämpfte alle diese Feinde der Partei. Stalin leitete in der Zeit
der Gewerkschaftsdiskussion organisatorisch den Kampf gegen die
antileninistischen Gruppierungen und schloss die Partei um die Leninsche
Plattform zusammen. Bei Stalin liefen alle Mitteilungen aus dem Lande über
den Verlauf des Kampfes für die Linie der Partei zusammen. Stalin
leitete damals die Mitteilungen über die Ergebnisse der Diskussion in
den Ortsorganisationen, die den Sieg der Partei und die Niederlage der
antileninistischen Gruppierungen demonstrierten, an die „Prawda“
weiter.
Von
großer Bedeutung für den Sieg der Parteilinie und den Zusammenschluss
der Partei um Lenin, um die Leninsche Mehrheit des Zentralkomitees, war
der am 19. Januar 1921 in der „Prawda“ veröffentlichte Artikel
Stalins „Unsere Meinungsverschiedenheiten“. Gemeinsam mit Lenin
sicherte Stalin die Einheit der Partei gegen alle Angriffe der
parteifeindlichen Fraktionen und Gruppierungen.
Um
die Leninschen Positionen zusammengeschlossen, kam die Partei zu ihrem
X. Parteitag, der die Grundfragen des weiteren siegreichen Vormarsches
der Revolution lösen sollte. Der X. Parteitag (März bis April 1921)
fasste die Ergebnisse der Diskussion über die Gewerkschaften zusammen
und billigte mit überwältigender Stimmenmehrheit die Leninsche
Plattform. Von außerordentlicher Bedeutung war der Beschluss des
Parteitags über den Übergang von der Ablieferungspflicht zur
Naturalsteuer, über den Übergang zur Neuen Ökonomischen Politik,
deren Schöpfer und Initiator Lenin war. Der Beschluss des X. Parteitags
über den Übergang zur Neuen Ökonomischen Politik sicherte das feste Bündnis
der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft für den Aufbau des Sozialismus.
Der
gleichen Grundaufgabe diente auch der Beschluss des Parteitags über die
nationale Frage. Das Referat über „Die nächsten Aufgaben der Partei
in der nationalen Frage“ wurde auf dem Parteitag von Stalin gehalten.
Im
Referat Stalins und in der Resolution des Parteitags war die
grundlegende praktische Aufgabe in der nationalen Frage klar und genau
formuliert. Wir haben die nationale Unterdrückung beseitigt, sagte
Stalin, aber das genügt nicht: das schwere Erbe der Vergangenheit, die
wirtschaftliche, politische und kulturelle Rückständigkeit der früher
unterdrückten Nationen, muss beseitigt werden; man muss ihnen helfen,
in dieser Beziehung Zentralrußland einzuholen. Stalin rief die Partei
auf, den Kampf gegen den Großmachtschauvinismus, den großrussischen
Chauvinismus als gegen die Hauptgefahr, sowie gegen den lokalen
Nationalismus zu führen.
Das
erste Jahr der NÖP war verflossen. Auf dem XI. Parteitag (März-April
1922) zog die Partei die Bilanz des ersten Jahres der Neuen Ökonomischen
Politik. Auf Grund dieser Bilanz konnte Lenin mit Recht erklären:
„Ein
Jahr lang befanden wir uns auf dem Rückzug. Wir müssen jetzt im Namen
der Partei sagen: Genug! Das Ziel, das mit dem Rückzug verfolgt wurde,
ist erreicht. Diese Periode geht zu Ende oder ist zu Ende. Nun setzen
wir uns ein anderes Ziel: die Kräfte umzugruppieren.“ (Lenin, Werke,
Bd. XXVII, ;. Aufl., S. 238 russ.)
Die
von Lenin auf dem Parteitag gestellten historischen Aufgaben mussten in
die Tat umgesetzt werden. Auf Vorschlag Lenins wurde in der
Plenarsitzung des Zentralkomitees der Partei vom 3. April 1922 Stalin,
der beste und treueste Schüler und Kampfgefährte Lenins, zum
Generalsekretär des Zentralkomitees gewählt. Seit dieser Zeit ist
Stalin ununterbrochen auf diesem Posten tätig.
Die
Verwundung, die Lenin im Jahre 1918 durch das Attentat erhielt, und die
ununterbrochene angestrengte Arbeit hatten seine Gesundheit untergraben.
Seit Ende .1921 war Lenin immer häufiger und häufiger gezwungen, seine
Arbeit zu unterbrechen. Die Hauptarbeit zur Leitung der Partei hatte
Stalin zu leisten.
In
diesen Jahren vollbrachte Stalin eine gewaltige Arbeit zur Schaffung der
nationalen Sowjetrepubliken und später zur Vereinigung aller
Sowjetrepubliken zu einem Bundesstaat - der UdSSR. Am 30. Dezember 1922
fasste der I. Sowjetkongress der Union auf Antrag Lenins und Stalins den
historischen Beschluss über die freiwillige staatliche Vereinigung der
Sowjetvölker zur Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken - UdSSR.
Stalin sagte in seiner Rede auf dem Kongress:
„Der
heutige Tag bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte der Sowjetmacht.
Er setzt einen Markstein zwischen der alten, nunmehr hinter uns
liegenden Periode, da die Sowjetrepubliken, vor allem mit der Frage
ihrer Existenz beschäftigt, zwar gemeinsam handelten, aber getrennt
marschierten, und der neuen, bereits begonnenen Periode, da dem
gesonderten Bestehen der Sowjetrepubliken ein Ende gesetzt wird, da die
Republiken sich zum erfolgreichen Kampf gegen die wirtschaftliche Zerrüttung
in einem einheitlichen Bundesstaat vereinigen, da die Sowjetmacht
bereits nicht mehr bloß daran denkt fortzubestehen, sondern auch daran,
sich zu einer bedeutsamen internationalen Kraft zu entwickeln, die
imstande ist, auf die internationale Lage einzuwirken, sie im Interesse
der Werktätigen zu verändern.“ (J. Stalin, „Der Marxismus und die
nationale und koloniale Frage“, 1939, S.126 russ.)
Die
Schaffung der UdSSR bedeutete einen großen Sieg der Lenin-Stalinschen
Nationalitätenpolitik. Die Sowjetunion wurde errichtet auf dem unerschütterlichen
Fundament des Vertrauens der früher vom Zarismus unterdrückten Völker
zum großen russischen Volk, auf der festen Grundlage der Freundschaft
der Völker des Sowjetlandes.
Im
April 1923 fand der XII. Parteitag statt. Das war der erste Parteitag
nach dem Sieg der Sozialistischen Oktoberrevolution, dem Lenin
krankheitshalber nicht beiwohnen konnte. Der Parteitag nahm in seinen
Beschlüssen alle Weisungen Lenins zur Richtschnur, die er in seinen
letzten Artikeln und Briefen gegeben hatte. Der Parteitag wies alle
diejenigen aufs schärfste zurück, die die NÖP als einen Rückzug von
den sozialistischen Positionen darzustellen suchten, die vorschlugen,
sich unter das Sklavenjoch des Kapitalismus zu begeben. Der Parteitag
brandmarkte die verräterischen, kapitulantenhaften Vorschläge der
Trotzkisten und Bucharinleute.
Auf
dem Parteitag erstattete Stalin den organisatorischen
Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees und hielt das Referat über
„Die nationalen Momente im Partei- und Staatsaufbau“. Im
Rechenschaftsbericht gab Stalin eine umfassende Darstellung der Tätigkeit
der Partei, ihres Wachstums, der Verstärkung der Transmissionsriemen
zwischen der Partei und den Massen (der Gewerkschaften, des
Kommunistischen Jugendverbandes, der Sowjets, usw.), zog die Bilanz von
zwei Jahren der NÖP und legte die Aufgaben des weiteren Vormarsches
fest. „Unsere Partei ist eine fest geschlossene, zusammengeschweißte
Partei geblieben, die bei einer der größten Wendungen die Probe
bestanden hat und mit breit entrolltem Banner vorwärts schreitet“
(„Geschichte der KPdSU (B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S. 319.), so
schloss Stalin seinen Bericht.
Große
Aufmerksamkeit widmete der Parteitag der nationalen Frage. Im Referat
zur nationalen Frage hob Stalin die gewaltige internationale Bedeutung
unserer Politik in der nationalen Frage hervor, verwies darauf, dass die
unterdrückten Völker des Ostens und Westens in der Sowjetunion das
Vorbild für die Lösung der nationalen Frage sehen. Stalin wies auf die
Notwendigkeit hin, energisch an der Beseitigung der Ungleichheit in der
wirtschaftlichen und kulturellen Lage der Völker der Sowjetunion zu
arbeiten. Er rief die gesamte Partei zum entschiedenen Kampf gegen den
großrussischen Chauvinismus und den lokalen Nationalismus auf, die sich
im Zusammenhang mit der teilweisen Belebung des Kapitalismus verstärkt
hatten. Stalin entlarvte die Vertreter der georgischen nationalen
Abweichung, die von den Trotzkisten unterstützt wurden.
Der
XII. Parteitag war noch nicht zu Ende, als am Horizont eine ernste
Gefahr für die Sowjetrepublik auftauchte. Die in England und Frankreich
zur Macht gelangten reaktionärsten und interventionistischen Elemente
der Bourgeoisie suchten einen neuen Feldzug gegen die Sowjetunion zu
organisieren. Unter Führung Stalins ging die Partei aus dieser
zugespitzten Situation in ehrenvoller Weise hervor und errang einen großen
Sieg an der diplomatischen Front. Die Drohungen und Ultimaten wurden im
Jahre 1924 durch die Anerkennung der Sowjetunion seitens aller großen
kapitalistischen Staaten Europas abgelöst. „Die Tatsache, dass wir
damals aus den Schwierigkeiten ohne Schaden für unsere Sache
hervorgingen“, sagte Stalin später, „zeugt unzweifelhaft davon,
dass die Schüler des Genossen Lenin bereits manches von ihrem Lehrer
gelernt hatten.“ (J. Stalin, „Über die Opposition“, Aufsätze und
Reden 1921- 1927, S. 74 russ.)
Im
Januar 1924 trat die XIII. Parteikonferenz zusammen. Sie nahm Stalins
Bericht entgegen, der die Bilanz der Diskussion zog. Die Konferenz
verurteilte die Trotzkisten ganz entschieden. Die Beschlüsse der
Konferenz wurden vom XIII. Parteitag (Mai 1924) und vom V. Kongress der
Kommunistischen Internationale (Sommer 1924) gutgeheißen. Am 21. Januar
1924 starb in Gorki bei Moskau Lenin, der Führer und Begründer der
Partei der Bolschewiki, der Führer der Werktätigen der ganzen Welt.
Das Banner Lenins, das Banner der Partei wurde von Stalin, dem
hervorragenden Schüler Lenins, dem besten Sohn der bolschewistischen
Partei, dem würdigen Nachfolger und großen Fortsetzer des Werkes
Lenins, hoch erhoben und vorwärts getragen.
Am
26. Januar wurde die Trauersitzung des II. Sowjetkongresses der Union eröffnet.
In ihr ergriff Stalin das Wort. Er legte im Namen der Partei den großen
Schwur ab:
„Wir
Kommunisten sind Menschen von besonderem Schlag. Wir sind aus besonderem
Material geformt. Wir sind diejenigen, die die Armee des großen
proletarischen Strategen bilden, die Armee des Genossen Lenin. Es gibt
nichts Höheres als die Ehre, dieser Armee anzugehören. Es gibt nichts
Höheres als den Namen Mitglied der Partei, deren Gründer und Führer
Genosse Lenin ist...
Als
Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, den
erhabenen Namen Mitglied der Partei hochzuhalten und in Reinheit zu
bewahren. Wir schwören dir, Genosse Lenin, dass wir dieses dein Gebot
in Ehren erfüllen werden! ...
Als
Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, die
Einheit der Partei wie unseren Augapfel zu hüten. Wir schwören dir,
Genosse Lenin, dass wir auch dieses dein Gebot in Ehren erfüllen
werden! ...
Als
Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, die
Diktatur des Proletariats zu schützen und zu festigen. Wir schwören
dir, Genosse Lenin, dass wir unsere Kräfte nicht schonen werden, um
auch dieses dein Gebot in Ehren zu erfüllen! ...
Als
Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, mit
allen Kräften das Bündnis der Arbeiter und Bauern zu festigen. Wir
schwören dir, Genosse Lenin, dass wir auch dieses dein Gebot in Ehren
erfüllen werden! ...
Genosse
Lenin sprach uns unermüdlich von der Notwendigkeit eines freiwilligen
Bundes der Völker unseres Landes, von der Notwendigkeit ihrer brüderlichen
Zusammenarbeit im Rahmen der Union der Republiken.
Als
Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, die
Union der Republiken zu festigen und zu erweitern. Wir schwören dir,
Genosse? Lenin, dass wir auch dieses dein Gebot in Ehren erfüllen
werden! ...
Lenin
hat uns wiederholt darauf verwiesen, dass die Stärkung der Roten Armee
und ihre Vervollkommnung eine der wichtigsten Aufgaben unserer Partei
ist ... Schwören wir denn, Genossen, dass wir unsere Kräfte nicht
schonen werden, um unsere Rote Armee und unsere Rote Flotte zu stärken...
Als
Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, den
Grundsätzen der Kommunistischen Internationale die Treue zu bewahren.
Wir schwören dir, Genosse Lenin, dass wir unser Leben nicht schonen
werden, um den Bund der Werktätigen der ganzen Welt, die Kommunistische
Internationale, zu festigen und zu erweitern! (J. Stalin, „Über
Lenin“, Moskau 1946, S. 27-34.)
Dies
war der Schwur, den die bolschewistische Partei ihrem Lehrer und Führer
Lenin leistete, - Lenin, der durch die Jahrhunderte leben wird. Diesen
Schwur hat die Partei unter Führung Stalins in Ehren erfüllt und erfüllt
ihn weiter. Am ersten Jahrestag des Todes Lenins schrieb Stalin in einem
Briefe an die Redaktion der „Rabotschaja Gaseta“:
„Gedenkt
Iljitschs, liebt, studiert Iljitsch, unseren Lehrer, unseren Führer.
Kämpft
und siegt über die inneren und auswärtigen Feinde - nach Iljitschs
Vorbild.
Baut
das neue Leben, die neue Lebensweise, - die neue Kultur auf - nach
Iljitschs Vorbild.
Lehnt
niemals die Kleinarbeit ab, denn aus dem Kleinen entsteht das Große -
darin besteht eines der wichtigsten Vermächtnisse Lenins.“ („Rabotschaja
Gaseta“ Nr. 17 vom 21. Januar 1925.)
Das
Sowjetvolk folgte und folgt unentwegt diesen Worten Stalins. Die Feinde
des Sozialismus suchten zuerst die Krankheit und dann den Tod Lenins
auszunutzen, um die Partei vom Leninschen Wege abzubringen und damit die
Bedingungen für die Wiederherstellung des Kapitalismus in unserem Lande
zu schaffen. Besonders heftig wurde die Partei von Trotzki, dem Erzfeind
des Leninismus, und seinen Handlangern angegriffen. Die Trotzkisten
zwangen der Partei eine neue Diskussion auf. Der Kampf trug erbitterten
Charakter. Stalin deckte das politische Wesen der Vorstöße der
Trotzkisten auf und zeigte, dass es um Leben und Tod der Partei gehe; er
schweißte die Parteikader zusammen und organisierte die Zerschmetterung
des Trotzkismus.
In
seiner Rede über „Trotzkismus oder Leninismus?“, gehalten in der
Plenarsitzung der kommunistischen Fraktion des Zentralen
Gewerkschaftsrates der Sowjetunion, wies Stalin im November 1924 darauf
hin, dass im Kampfe gegen den Trotzkismus in diesem Zeitabschnitt „die
Aufgabe der Partei darin besteht, den Trotzkismus als ideologische Strömung
zu begraben“. Er verwies die Partei darauf, dass unter den damaligen
Bedingungen der Trotzkismus die Hauptgefahr war.
„Im
gegebenen Moment“, sagte Stalin, „nach dem Siege der
Oktoberrevolution, unter den gegenwärtigen Bedingungen der NÖP, muss
der Trotzkismus als die größte Gefahr angesehen werden, denn er sucht
Unglauben an die Kräfte unserer Revolution, Unglauben an das Bündnis
der Arbeiter und Bauern zu verbreiten, Unglauben an das Werk der
Verwandlung des Rußland der NOP in ein sozialistisches Rußland.“ (J.
Stalin, „Die Bauernfrage“. Eine Sammlung von Artikeln, 1926, S. 55
russ.)
Stalin
wies nach, dass die ideologische Zerschlagung des Trotzkismus eine
notwendige Voraussetzung ist, um den weiteren siegreichen Vormarsch zum
Sozialismus zu sichern. Stalin sagte:
„Ohne
den Trotzkismus zu zerschlagen, kann man unter den Bedingungen der NÖP
nicht den Sieg erringen, kann man nicht die Verwandlung des heutigen Rußland
in ein sozialistisches Rußland erreichen.“ (Ebenda.)
In
den Kämpfen gegen den Trotzkismus schloss Stalin die Partei um das
Zentralkomitee zusammen und mobilisierte sie zum weiteren Kampf für den
Sieg des Sozialismus in unserem Lande. Von außerordentlich großer
Bedeutung für die ideologische Zerschlagung des Trotzkismus, für die
Verteidigung, Begründung und Entwicklung des Leninismus war Stalins
theoretische Schrift „Über die Grundlagen des Leninismus“, die im
Jahre 1924 erschien. Diese Schrift ist eine meisterhafte Darlegung und
eine tiefgehende theoretische Begründung des Leninismus.
Es
wappnete damals und wappnet heute die Bolschewiki in der ganzen Welt mit
der scharfen Waffe der marxistisch-leninistischen Theorie. In dieser
Schrift werden die Grundlagen des Leninismus dargelegt, d. h. jenes
Neuen und Besonderen, das mit dem Namen Lenins verbunden ist und das
Lenin zur Entwicklung der marxistischen Theorie beigetragen hat. Die
Tatsache allein, dass eine solche Verallgemeinerung der Fragen des
Leninismus gegeben wurde, dass der gesamte Ideengehalt des Leninschen
Erbes zusammengefasst und unter dem Gesichtswinkel der neuen
historischen Epoche betrachtet wurde, bedeutete einen gigantischen
Schritt vorwärts in der Entwicklung der Wissenschaft des
Marxismus-Leninismus. Alle Fragen der Leninschen Lehre wurden in diesem
Werk auf eine enorme prinzipielle Höhe gehoben. Stalin gibt in seinem
Werk die klassische Definition des Leninismus. Stalin zeigt, wie Lenin
den Marxismus unter den Verhältnissen der neuen Epoche, der Epoche des
Imperialismus und der proletarischen Revolutionen, weiterentwickelte.
Die
Arbeit zur Wiederherstellung der Volkswirtschaft näherte sich ihrem
Abschluss. Die internationale und die innere Lage der Sowjetunion hatten
sich verändert. In den kapitalistischen Ländern war ein zeitweiliges
Abflauen der Revolution, eine zeitweilige, teilweise Stabilisierung des
Kapitalismus eingetreten. In der Sowjetunion war das Vorkriegsniveau der
Wirtschaft erreicht. Es war notwendig, weiter voranzuschreiten. In aller
Schärfe erhob sich die Frage nach den Perspektiven unseres Aufbaus,
nach dem Schicksal des Sozialismus in der Sowjetunion.
Mit
genialem Weitblick bestimmte Stalin die Perspektive und die konkreten
Wege der weiteren Entwicklung der Revolution. „Ich wünsche den
Arbeitern der ‚Dynamo-Werke’, schrieb er 1924, „wie auch den
Arbeitern ganz Rußlands, dass es mit der Industrie bergauf gehe, dass
die Zahl der Proletarier Rußlands in der nächsten Zeit auf 20 bis 30
Millionen ansteige, dass die kollektive Wirtschaft im Dorfe aufblühe
und die private Wirtschaft ihrem Einfluss unterordne, dass die
kochentwickelte Industrie und die kollektive Wirtschaft im Dorfe die
Proletarier der Fabriken und die Werktätigen der Äcker endgültig zu
einer einheitlichen sozialistischen Armee zusammenschließe, dass der
Sieg in Rußland durch den Sieg in der ganzen Welt gekrönt werde.“
(G. K. Ordshonikidse, „Ausgewählte Reden und Aufsätze von
1911-1937“, 1939, S. 450 russ.)
Durch
seine theoretische Verallgemeinerung der Erfahrungen der Großen
Sozialistischen Oktoberrevolution, der Erfahrungen der ersten Jahre des
sozialistischen Aufbaus in kapitalistischer Umwelt, verfocht Stalin die
Leninsche Lehre vom Siege des Sozialismus in einem Lande und entwickelte
sie weiter.
Im
Dezember 1924 erschien Stalins berühmte Schrift „Die
Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten“: In
dieser Schrift begründete Stalin den Leninschen Leitsatz vom Siege des
Sozialismus in einem Lande und zeigte, dass man zwei Seiten dieser
Frage, die innere und die internationale, auseinander halten müsse. Die
innere Seite - das ist die Frage der Wechselbeziehungen der Klassen
innerhalb des Landes, das den Sozialismus aufbaut; die internationale
Seite - das ist die Frage der Beziehungen zwischen der Sowjetunion, dem
bis jetzt noch einzigen Lande des Sozialismus, und der kapitalistischen
Umwelt. Mit den inneren Schwierigkeiten können die Arbeiter und Bauern
der Sowjetunion völlig mit eigenen Kräften fertig werden; sie sind
durchaus imstande, ihre eigene Bourgeoisie ökonomisch zu überwinden
und die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten. Solange
aber die kapitalistische Umkreisung besteht, solange besteht auch die
Gefahr der kapitalistischen Intervention gegen die Sowjetunion und der
Wiederherstellung des Kapitalismus. Um diese Gefahr auszuschalten, muss
die kapitalistische Umkreisung selbst beseitigt werden. Die Beseitigung
der kapitalistischen Umkreisung ist aber nur durch den Sieg der
proletarischen Revolution mindestens in einigen Ländern möglich. Nur
dann kann der Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion als völliger, als
endgültiger Sieg betrachtet werden.
Diese
Leitsätze Stalins lagen der historischen Resolution der XIV.
Parteikonferenz (April 1925) zugrunde. Die Konferenz bestätigte die
Lenin-Stalinsche Einstellung auf den Sieg des Sozialismus in der
Sowjetunion als ein für alle Parteimitglieder bindendes Gesetz der
Partei. In einem Referat auf der Funktionärversammlung der Moskauer
Parteiorganisation „Zu den Ergebnissen der XIV. Konferenz der KPR(B)“
machte Stalin ganz besonders darauf aufmerksam, dass es notwendig ist,
die Mittelbauern in den Aufbau des Sozialismus einzubeziehen. Stalin
sagte:
„Die
Hauptsache besteht jetzt darin, die Mittelbauern um das Proletariat
zusammenzuscharen, sie erneut zu gewinnen. Das Wichtigste besteht jetzt
darin, sich mit der Hauptmasse der Bauernschaft zusammen zuschließen,
ihr materielles und kulturelles Niveau zu heben und zusammen mit dieser
Hauptmasse auf dem Weg zum Sozialismus vorwärts zu schreiten. Die
Hauptsache besteht darin, den Sozialismus zusammen mit der Bauernschaft
aufzubauen, unbedingt zusammen mit der Bauernschaft und unbedingt unter
der Führung der Arbeiterklasse, denn die Führung seitens der
Arbeiterklasse ist die wichtigste Garantie dafür, dass der Aufbau den
Weg zum Sozialismus gehen wird.“ (J. Stalin, „Fragen des
Leninismus“, 9.Aufl., S. 127/28 russ.)
Im
Dezember 1925 wurde der XIV. Parteitag eröffnet. Im politischen Bericht
des Zentralkomitees entwarf Stalin ein glänzendes Bild vom Wachstum der
politischen und wirtschaftlichen Macht der Sowjetunion. Dennoch können
wir uns, sagte Stalin, mit diesen Erfolgen nicht zufrieden geben, denn
unser Land bleibt immer noch ein rückständiges Land, ein Agrarland. Um
die wirtschaftliche Selbständigkeit unseres Landes zu sichern und seine
Wehrfähigkeit zu stärken, um die für den Sieg des Sozialismus
notwendige wirtschaftliche Basis zu schaffen, muss unser Land aus einem
Agrarland in ein Industrieland verwandelt werden.
Von
der Tribüne des XIV. Parteitags erklärte der Führer der Partei:
„Unser
Land aus einem Agrarland in ein Industrieland zu verwandeln, das
imstande ist, aus eigener Kraft die notwendige Produktionsausrüstung zu
erzeugen, darin besteht das Wesen, die Grundlage unserer
Generallinie.“ (Zitiert nach der „Geschichte der KPdSU(B)“, Kurzer
Lehrgang, 1946, S. 334.)
Dem
Stalinschen Plan der sozialistischen Industrialisierung suchten die
Kapitulanten Sinowjew und Kamenew ihren „Plan“ entgegenzustellen,
demzufolge die Sowjetunion ein Agrarland bleiben sollte. Das war ein
verräterischer Plan, der die Sowjetunion versklaven und sie, an Händen
und Füßen gebunden, den imperialistischen Räubern ausliefern sollte.
Stalin riss diesen verabscheuungswürdigen Kapitulanten die Maske vom
Gesicht, enthüllte ihr trotzkistisch-menschewistisches Wesen.
Auf
dem XIV. Parteitag hob Stalin hervor, dass das feste Bündnis der
Arbeiterklasse mit den Mittelbauern beim Aufbau des Sozialismus die
wichtigste Aufgabe der Partei ist. Als Hauptaufgabe der Partei bestätigte
der XIV. Parteitag die Durchführung der sozialistischen
Industrialisierung, den Kampf für den Sieg des Sozialismus in der
Sowjetunion.
Nach
dem Parteitag, Anfang 1926, erschien Stalins Werk „Zu den Fragen des
Leninismus“. In dieser historisch bedeutsamen Schrift rechnete Stalin
mit der liquidatorischen und kapitulantenhaften „Philosophie“ der
Sinowjewleute ideologisch ab und begründete die Linie des XIV.
Parteitags, die Linie der sozialistischen Industrialisierung des Landes
und der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft. Er wappnete die
Partei und die Arbeiterklasse mit dem unerschütterlichen Glauben an den
Sieg des sozialistischen Aufbaus. Die Partei der Bolschewiki hatte Kräfte
und Mittel gesammelt, die Kapitulanten und Kleingläubigen beiseite
geworfen und das Land so an die neue historische Etappe - die Etappe der
sozialistischen Industrialisierung - herangeführt.
In
diesem Kampfe gegen die Kleingläubigen und Kapitulanten, die
Trotzkisten und Sinowjewleute, die Bucharin und Kamenew, formte sich,
nachdem Lenin aus den Kampfreihen geschieden war, endgültig jener
leitende Kern unserer Partei, bestehend aus Stalin, Molotow, Kalinin,
Woroschilow, Kujbyschew, Frunse, Dzierzynski, Kaganowitsch,
Ordshonikidse, Kirow, Jaroslawski, Mikojan, Andrejew, Schwernik, Shdanow,
Schkirjatow und anderen, der das große Banner Lenins hochhielt, die
Partei um die Vermächtnisse Lenins zusammenschloss und das Sowjetvolk
auf den breiten Weg der Industrialisierung des Landes und der
Kollektivierung der Landwirtschaft geführt hat. Der Leiter dieses
Kerntrupps und die führende Kraft der Partei und des Staates war
Genosse Stalin.
Stalin,
der in meisterhafter Weise den Aufgaben eines Führers der Partei und
des Volkes gerecht wird und die volle Unterstützung des ganzen
Sowjetvolkes genießt, hat in seiner Tätigkeit niemals auch nur einen
Schatten von Eigendünkel, Überheblichkeit, Selbstlob an den Tag
gelegt. In der Unterredung mit dem deutsc1ien Schriftsteller Emil
Ludwig, in welcher Stalin die immense Rolle des genialen Lenin bei der
Umgestaltung des Sowjetlandes hervorhebt, sagt er über sich selbst nur
ganz schlicht: „Was mich betrifft, so bin ich nur ein Schüler Lenins,
und mein Ziel ist es, sein würdiger Schüler zu sein.“ (J. Stalin,
„über Lenin“, Moskau 1946, S. 68).
VIII
EIN
so riesiges und zugleich ökonomisch zurückgebliebenes Land, wie es die
Sowjetunion in jener Periode war, in der historisch kürzesten Frist zu
industrialisieren, war eine Aufgabe, die mit gigantischen
Schwierigkeiten verbunden war. Es galt, eine ganze Reihe von
Industriezweigen, die das alte, zaristische Rußland nicht kannte, neu
aufzubauen. Es galt, eine neue Verteidigungsindustrie zu schaffen, die
es im früheren Rußland nicht gegeben hatte. Es galt, Werke für den
Bau moderner landwirtschaftlicher Maschinen zu errichten, wie sie das
alte Dorf nie gesehen hatte. Das erforderte kolossale Mittel. Die
kapitalistischen Staaten beschafften sich solche Mittel durch
schonungslose Ausbeutung des Volkes, durch Eroberungskriege, durch
blutige Ausplünderung der Kolonien und abhängigen Länder sowie durch
Auslandsanleihen. Das Sowjetland konnte nicht aus diesen schmutzigen
Quellen schöpfen, der Weg zu Auslandsanleihen aber war ihm durch die
Kapitalisten versperrt. Es blieb nur übrig, die Mittel innerhalb des
Sowjetlandes aufzubringen.
Gestützt
auf die Hinweise Lenins, arbeitete Stalin die Leitsätze für die
sozialistische Industrialisierung unseres Landes aus. Er zeigte:
1.
dass das Wesen der Industrialisierung nicht einfach im Wachstum der
Industrie besteht, sondern in der Entwicklung der Schwerindustrie und
vor allem ihres Kernstücks, des Maschinenbaus, denn nur die Schaffung
einer Schwerindustrie und eines eigenen Maschinenbaus sichert die
materielle Basis des Sozialismus und macht das Land des Sozialismus von
der kapitalistischen Welt unabhängig;
2.
dass die in unserem Lande vollzogene Expropriation der Gutsbesitzer und
Kapitalisten als Ergebnis der sozialistischen Oktoberrevolution, die
Aufhebung des Privateigentums an Grund und Boden, Fabriken, Werken,
Banken usw. und ihr Übergang in den Gemeinbesitz des Volkes eine mächtige
Quelle für die sozialistische Akkumulation zur Entwicklung der
Industrie geschaffen haben;
3.
dass sich die sozialistische Industrialisierung von Grund aus von der
kapitalistischen Industrialisierung unterscheidet - die letztere beruht
auf kolonialen Eroberungen und Plünderungen, militärischen
Gewalttaten, versklavenden Anleihen und schonungsloser Ausbeutung der
Arbeitermassen und der Kolonialvölker, während die sozialistische
Industrialisierung auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den
Produktionsmitteln beruht, auf der Ansammlung und Erhaltung der durch
die Arbeit der Arbeiter und Bauern geschaffenen Reichtümer; die
sozialistische Industrialisierung ist unlösbar verbunden mit der ständigen
Verbesserung der materiellen Lage der werktätigen Massen;
4.
dass daher die grundlegenden Aufgaben im Kampfe für die
Industrialisierung in der Erhöhung der Arbeitsproduktivität, in der
Senkung der Selbstkosten, im Kampfe für die Arbeitsdisziplin, im
Sparsamkeitsregime usw. bestehen;
5.
dass die Bedingungen des Aufbaus des Sozialismus in der Sowjetunion, der
Arbeitsenthusiasmus der Arbeiterklasse es ermöglichen, das
erforderliche hohe Tempo der Industrialisierung zu erzielen;
6.
dass der Weg zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft über
die Industrialisierung des Landes führt, die die technische Basis für
diese Umgestaltung schaffen soll.
Mit
diesem präzisen und klaren Programm ausgerüstet, nahmen die Werktätigen
der Sowjetunion die sozialistische Industrialisierung des Landes in
Angriff.
Durch
die Erfolge des sozialistischen Aufbaus erschreckt, suchten die
Imperialisten die Industrialisierung des Landes zu vereiteln oder
wenigstens zu hemmen, indem sie die diplomatischen und
Handelsbeziehungen zur UdSSR abbrachen (England), Sowjetbotschafter
ermorden ließen (Polen), ihre Spione und Diversanten zu verstärkter Tätigkeit
antrieben. Im Lande selbst vereinigten sich die Trotzkisten, die
Sinowjewleute und die Überreste früher zerschlagener parteifeindlicher
Gruppen zu einem Verräterblock, der einen wütenden Angriff gegen die
Partei eröffnete. Genosse Stalin wies damals darauf hin, dass sich
„eine Art Einheitsfront von Chamberlain bis Trotzki bildet“. Man
konnte den Sieg der sozialistischen Industrialisierung nicht erringen,
ohne den trotzkistisch-sinowjewistischen Block ideologisch und
organisatorisch zerschlagen zu haben. Unter Führung des Genossen Stalin
zerschlug die Partei den trotzkistisch-sinowjewistischen Block. Stalins
Referat auf der XV. Parteikonferenz „Über die sozialdemokratische
Abweichung in unserer Partei“ (November 1926) und sein Referat auf dem
VII. Erweiterten Plenum des Exekutivkomitees der Komintern „Noch
einmal über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“
(Dezember 1926) wappneten die KPdSU(B) und die Komintern ideologisch und
sicherten die granitene Einheit und Geschlossenheit der Parteireihen.
Das
Erweiterte Plenum des Exekutivkomitees der Komintern brandmarkte in
seinen Beschlüssen die Anhänger des trotzkistisch-sinowjewistischen
Blocks als Spalter, die auf menschewistische Positionen hinabgesunken
sind.
Nachdem
die Bolschewiki die Kapitulanten und Verteidiger des Kapitalismus
geschlagen und beiseite geworfen hatten, setzten sie das Werk der
sozialistischen Industrialisierung unseres Landes fort. Kein einziges
Gebiet, keine einzige Frage der Industrialisierung entzog sich dem
Gesichtskreis Stalins. Stalin ist der Initiator des Aufbaus neuer
Industriezweige, der Entwicklung und Rekonstruktion früher rückständiger
Zweige. Stalin ist der Inspirator der Errichtung der zweiten Kohlen- und
Hüttenbasis unseres Landes, der Schaffung des Kusnezkbeckens. Stalin
ist der Organisator und Leiter der sozialistischen Bautätigkeit. Der
Bau des Stalingrad er Traktorenwerks, des Dnjepr-Wasserkraftwerks, der Hüttenwerke
von Magisitogorsk, der Uraler Maschinenwerke, der Rostower Werke für
landwirtschaftliche Maschinen, der Hüttenwerke von Kusnezk, der
Turkestan-Sibirischen Eisenbahn, der Saratower Combinewerke, der Bau der
Automobilwerke in Moskau und Gorki und eine Reihe anderer Bauten - sie
alle sind mit dem Namen Stalins verbunden.
Das
grandiose Bild des herrlichen Gebäudes des Sozialismus, das in der
Sowjetunion gebaut wurde, übte einen unwiderstehlichen Einfluss auf die
Arbeiter der kapitalistischen Länder aus. Es begannen wahre Wallfahrten
nach der Sowjetunion. Dutzende und Hunderte von Arbeiterdelegationen
kamen und sahen mit riesigem Interesse und tief bewegt, wie die
Arbeiter, die ihre Ausbeuter verjagt haben, die neue, die sozialistische
Gesellschaft aufbauen. Sie interessierten sich für alles, sie wollten
alles wissen. Am 5. November 1927 fand eine lange Unterredung Stalins
mit Arbeiterdelegationen aus Deutschland, Frankreich, Osterreich, der
Tschechoslowakei, China, Belgien und anderen Ländern statt.
Bereits
Ende 1927 konnten entscheidende Erfolge der Politik der sozialistischen
Industrialisierung festgestellt werden. Die erste Bilanz wurde vom XV.
Parteitag gezogen, der im Dezember 1927 zusammentrat. Stalin gab in
seinem Rechenschaftsbericht ein anschauliches Bild der Erfolge der
sozialistischen Industrialisierung und hob die Notwendigkeit hervor, die
sozialistischen Kommandohöhen in Stadt und Land noch mehr zu erweitern
und zu festigen, auf die Liquidierung der kapitalistischen Elemente in
der Volkswirtschaft Kurs zu nehmen. Auf dem XV. Parteitag verwies Stalin
auf das Zurückbleiben der Landwirtschaft hinter der Industrie und
zeigte den Ausweg aus dieser für die gesamte Volkswirtschaft
bedrohlichen Lage.
„Der
Ausweg“, sagte Stalin, „liegt im Übergang der kleinen,
zersplitterten Bauernwirtschaften zu großen, zusammengeschlossenen
Wirtschaften auf der Grundlage der gesellschaftlichen Bodenbestellung,
im Übergang zur kollektiven Bodenbestellung, auf der Grundlage der
modernen, höheren Technik. Der Ausweg liegt darin, die bäuerlichen
Klein- und Zwergwirtschaften allmählich, aber unentwegt, nicht durch
Zwang, sondern durch Beispiel und Überzeugung zu Großwirtschaften
zusammenzuschließen auf der Grundlage der gesellschaftlichen,
gemeinschaftlichen, kollektiven Bodenbestellung, unter Anwendung
landwirtschaftlicher Maschinen und Traktoren, unter Anwendung
wissenschaftlicher Methoden zur Intensivierung der Landwirtschaft. Einen
anderen Ausweg gibt es nicht.“ (Zitiert nach der „Geschichte der
KPdSU(B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S.349.)
Warum
beschritt unser Land den Weg des Aufbaus von Kollektivwirtschaften?
Bereits in der Periode vor dem XV. Parteitag machte sich das Zurückbleiben
der Landwirtschaft, besonders der Getreidewirtschaft, immer stärker
bemerkbar. Die Gesamtproduktion an Getreide näherte sich dem
Vorkriegsniveau, doch machte der Warenanteil der Getreideproduktion, der
zur Versorgung der Städte und der Armee zum Verkauf gelangte, nur wenig
mehr als ein Drittel des Vorkriegsniveaus aus (37 Prozent). Im Dorfe
wurden ungefähr 25 Millionen bäuerlicher Klein- und Zwergwirtschaften
gezählt. Die bäuerliche Kleinwirtschaft aber war schon ihrer Natur
nach eine Halbnaturalwirtschaft, die nur ein Minimum an Warengetreide
liefern konnte und nicht imstande war, die Produktion zu erweitern,
Traktoren und Maschinen anzuwenden, den Ernteertrag zu erhöhen. Die
Zersplitterung der bäuerlichen Wirtschaften und das Sinken des
Warenanteils der Getreideproduktion dauerten an.
„Es
unterlag keinem Zweifel, dass die Armee und die Städte der Sowjetunion
bei einem solchen Stand der Getreidewirtschaft in eine Lage chronischen
Hungers geraten mussten.“ (Ebenda S. 347.)
Das
Land stand vor zwei Möglichkeiten, in der Landwirtschaft zur Großproduktion
überzugehen, die imstande wäre, Traktoren und landwirtschaftliche
Maschinen anzuwenden und den Warenanteil der Getreidewirtschaft um ein
Mehrfaches zu steigern. Die erste Möglichkeit war: zur kapitalistischen
Großproduktion im Dorfe überzugehen, was den Ruin der Bauernmassen,
die Herbeiführung einer Massenarbeitslosigkeit in der Stadt, den
Zusammenbruch des Bündnisses zwischen der Arbeiterklasse und der
Bauernschaft, die Stärkung des Kulakentums und die Niederlage des
Sozialismus bedeutet hätte. Auf diesen verderblichen Weg bemühten sich
die rechten Kapitulanten und Verräter aus allen Kräften die Partei zu
drängen.
Die
zweite Möglichkeit war: den Weg der Vereinigung der kleinen
Bauernwirtschaften zu sozialistischen Großwirtschaften, zu
Kollektivwirtschaften zu beschreiten, die imstande wären, im größten
Umfang Traktoren und andere moderne Maschinen anzuwenden, um die
Getreidewirtschaft und den Warenanteil ihrer Produktion rasch zu heben.
Es ist klar, dass die Partei der Bolschewiki und der Sowjetstaat nur den
zweiten Weg, den Weg der kollektivwirtschaftlichen Entwicklung der
Landwirtschaft, beschreiten konnten.
Die
Partei der Bolschewiki ging von dem weisen Rat Lenins aus, dass es
notwendig sei, von den bäuerlichen Kleinwirtschaften zur kollektiven,
maschinell betriebenen Großlandwirtschaft überzugehen, die allein die
Dutzende von Millionen bäuerlichen Wirtschaften aus der Jahrhunderte währenden
Not erlösen konnte. „Mit der Kleinwirtschaft kann man aus der Not
nicht herauskommen“, hatte Lenin gesagt. (Lenin, Werke, Bd. XXIV, 3.
Aufl., S. 540 russ.)
Das
dringendste wirtschaftliche Erfordernis, die Bedürfnisse des Volkes
erheischten den Übergang auf den Weg der Kollektivierung. Und die
Partei der Bolschewiki unter Führung Stalins verstand dieses dringende
wirtschaftliche Erfordernis richtig und vermochte es, die
Millionenmassen der Bauernschaft auf den Weg der Kollektivierung zu
lenken. Der XV. Parteitag fasste den Beschluss über die allseitige
Entfaltung der Kollektivierung der Landwirtschaft. Gleichzeitig gab der
Parteitag die Direktive, den ersten Fünfjahrplan der Volkswirtschaft
aufzustellen. So wurde, als der Aufbau der sozialistischen Industrie in
vollem Gange war, von Stalin eine neue grandiose Aufgabe gestellt - die
Kollektivierung der Landwirtschaft. Die Erfüllung dieser historischen
Aufgabe erforderte die allersorgfältigste Vorbereitung, die ihrer Gründlichkeit
und ihrem Ausmaß nach durchaus in eine Reihe mit der Vorbereitung der
Großen Sozialistischen Oktoberrevolution gestellt werden kann. Der
geniale Stratege der proletarischen Revolution führte die Partei kühn
und unbeugsam, sorgfältig und umsichtig vorwärts, indem er alle
Hindernisse auf dem Wege zum gesteckten Ziel überwand, wachsam die Manöver
des Klassenfeindes verfolgte und dessen Aktionen in der nächsten
Zukunft glänzend voraussah, im Verlaufe der Offensive selbst
meisterhaft die Kräfte umgruppierte, die eroberten Positionen festigte
und die Reserven für die Entwicklung der Erfolge einsetzte.
Die
Partei bereitete alle materiellen Bedingungen vor, die zum
Masseneintritt der Bauernschaft in die Kollektivwirtschaften notwendig
waren. Es wurde die industrielle Basis geschaffen, um das Dorf mit
Maschinen und Traktoren zu versorgen, die Basis für die technische
Neuausrüstung der Landwirtschaft. Es waren genügend Mittel
angesammelt, um den Aufbau von Kollektivwirtschaften und Sowjetgütern
zu finanzieren. Zu diesem Aufbau wurden die besten Kräfte der Partei
und der Arbeiterklasse entsandt. Die ersten Kollektivwirtschaften wurden
gefestigt und boten den Einzelbauern Musterbeispiele für die Führung
der kollektiven Landwirtschaft. Es wurden Maschinen- und
Traktorenstationen sowie Sowjetgüter geschaffen, die den Bauern bei der
Verbesserung der Wirtschaft halfen. Das Kulakentum, das seinen Untergang
witterte, suchte Widerstand zu leisten, organisierte den
„Getreidestreik“ und glaubte, auf diese Weise die Partei wenn nicht
zur Kapitulation, so doch mindestens zum Rückzug zwingen zu können. Im
gleichen Jahre 1928 wurde eine große Schädlingsorganisation bürgerlicher
Spezialisten im Schachty-Rayon des Donezbeckens aufgedeckt, später auch
in anderen Gebieten. Die Schädlinge standen mit imperialistischen
Staaten in Verbindung.
Geführt
von Stalin, wendete die Partei außerordentliche Maßnahmen gegen das
Kulakentum an und brach seinen Widerstand. Die Schädlinge wurden streng
bestraft. Genosse Stalin mahnte die Partei, aus der Schachty-Affäre die
Lehren zu ziehen, vor allem aber forderte er die bolschewistischen
Wirtschaftsleiter auf, selbst technische Fachkenntnisse zu erwerben,
Spezialisten zu werden und die Ausbildung neuer technischer Kader aus
den Reihen der Arbeiterschaft zu beschleunigen.
Mit
dem Übergang der Partei zur Offensive gegen das Kulakentum traten in
den Jahren 1928 und 1929 Bucharin, Rykow, Tomski und ihre ganze
parteifeindliche Gruppe der rechten Kapitulanten und Restauratoren des
Kapitalismus an die Stelle der von der Partei zerschlagenen Trotzkisten
und Sinowjewleute. Zur gleichen Zeit machten die Imperialisten, gestützt
auf die Kapitulantenarbeit der Rechten, einen neuen Versuch, die
Sowjetunion in einen Krieg hineinzuziehen. In den Generalstäben
Englands und Frankreichs wurden die Pläne einer neuen Intervention
gegen die Sowjetunion ausgearbeitet, die 1929/30 stattfinden sollte.
Ebenso
wie der Sieg der Großen Sozialistischen Revolution im Oktober 1917 unmöglich
gewesen wäre ohne die Zerschlagung der Kapitulanten und Streikbrecher,
der Menschewiki und Sozialrevolutionäre, wäre auch der Sieg des
Sozialismus im Dorfe unmöglich gewesen ohne die Zerschlagung der
rechten Kapitulanten in den Jahren 1928 und 1929. Von besonderer
Bedeutung für den Sieg der Partei über die parteifeindliche Gruppe
Bucharin- Rykow waren Stalins Reden „Über die rechte Gefahr in der
KPdSU(B)“ (auf dem Plenum des Moskauer Komitees und der Moskauer
Kontrollkommission im Oktober 1928) und „Über die rechte Abweichung
in der KPdSU(B) (auf dem Plenum des Zentralkomitees der KPdSU(B) im
April 1929).
In
diesen Reden Stalins wurden die Rechten restlos als Feinde des
Leninismus entlarvt; es wurde gezeigt, dass die Rechten eine
Kulakenagentur in der Partei sind. In den Kämpfen gegen die Rechten
schweißte Stalin die gesamte Partei zusammen und führte sie zum Sturm
auf das letzte Bollwerk der kapitalistischen Ausbeutung in unserem
Lande. Das Genie Stalins, sein unbeugsamer Wille und sein weiser
Weitblick sicherten den Aufstieg der Revolution auf eine neue, höhere
Stufe. Stalin schrieb in seinem historisch gewordenen Aufsatz „Das
Jahr des großen Umschwungs“ im Jahre 1929 anlässlich des XII.
Jahrestages der Oktoberrevolution:
„Das
verflossene Jahr war ein Jahr des großen Umschwungs an allen Fronten
des sozialistischen Aufbaus. Dieser Umschwung ging und geht im Zeichen
der entschiedenen 0ffensive des Sozialismus gegen die kapitalistischen
Elemente in Stadt und Land vor sich. Die charakteristische Besonderheit
dieser Offensive besteht darin, dass sie uns bereits eine Reihe von
entscheidenden Erfolgen auf den grundlegenden Gebieten des
sozialistischen Umbaus (der Rekonstruktion) unserer Volkswirtschaft
gebracht hat.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946,
S. 321.)
Die
Partei erzielte einen entscheidenden Umschwung auf dem Gebiete der
Arbeitsproduktivität. Eine der schwierigsten Aufgaben der
sozialistischen Industrialisierung, die Aufgabe der Akkumulation von
Mitteln für den Aufbau der Schwerindustrie, war im Wesentlichen gelöst.
Die Partei hatte einen radikalen Umschwung in der Entwicklung unserer
Landwirtschaft, in der Entwicklung unserer Bauernschaft erreicht. Die
Kollektivierungsbewegung begann sich stürmisch zu entfalten, in ihrem
Entwicklungstempo überholte sie sogar die Großindustrie. Das war der
Beginn der kollektivwirtschaftlichen Massenbewegung.
„Das
Neue und Entscheidende in der jetzigen kollektivwirtschaftlichen
Bewegung besteht darin“, schrieb Stalin, „dass die Bauern nicht wie
früher in einzelnen Gruppen, sondern dass ganze Dörfer, Landbezirke
und Rayons, ja sogar Kreise in die Kollektivwirtschaften eintreten. Was
aber bedeutet das? Das bedeutet, dass der Mittelbauer in die
Kollektivwirtschaft gegangen ist. Das ist die Grundlage jenes radikalen
Umschwungs in der Entwicklung der Landwirtschaft, der die wichtigste
Errungenschaft der Sowjetmacht darstellt...“ (J. Stalin, „Fragen des
Leninismus“‘ Moskau 1946, S. 331.)
So
wurde unter Stalins Führung die historische Wendung von der Politik der
Einschränkung und Verdrängung der Kulakenelemente zur Politik der
Liquidierung des Kulakentums als Klasse auf der Grundlage der durchgängigen
Kollektivierung vorbereitet. Als ein großes Verdienst Stalins ist es zu
betrachten, dass er während dieses Zeitabschnitts der ersten Entfaltung
der Industrialisierung und der Kollektivierung, als alle Arbeitskräfte
des Landes zur Lösung so großer Aufgaben mobilisiert werden mussten,
die Frauenfrage in ihrer ganzen Größe aufrollte, die Frage über die
Lage der Frauen, über die Frauenarbeit, über die äußerst wichtige
Rolle der Frauen, der Arbeiterinnen und Bäuerinnen im wirtschaftlichen
und öffentlich-politischen Gesellschaftsleben auf die gebührende Höhe
hob und einer richtigen Lösung zuführte.
„Keine
einzige große Bewegung der Unterdrückten in der Geschichte der
Menschheit“, sagte Stalin, „ist ohne Teilnahme der werktätigen
Frauen ausgekommen. Die werktätigen Frauen, die unter allen Unterdrückten
am meisten unterdrückt sind, wollten und konnten niemals abseits der
großen Heerstraße der Befreiungsbewegung bleiben. Es ist bekannt, dass
die Befreiungsbewegung der Sklaven Hunderte und Tausende Märtyrerinnen
und Heldinnen hervorgebracht hat. Zehntausende werktätige Frauen waren
in den Reihen der Kämpfer für die Befreiung der Leibeigenen. Es ist
nicht verwunderlich, dass die revolutionäre Bewegung der
Arbeiterklasse, die machtvollste aller Befreiungsbewegungen der unterdrückten
Massen, Millionen von werktätigen Frauen unter ihrem Kampfbanner
sammelte.“ („Prawda“ Nr. 56 vom 8.März 1925.)
„Die
werktätigen Frauen“, sagt Genosse Stalin weiter, „die Arbeiterinnen
und Bäuerinnen, bilden eine ungemein große Reserve der Arbeiterklasse.
Diese Reserve macht mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus. Ob diese
Frauenreserve für oder gegen die Arbeiterklasse sein wird - davon hängt
das Schicksal der proletarischen Bewegung ab, der Sieg oder die
Niederlage der proletarischen Revolution, der Sieg oder die Niederlage
der proletarischen Staatsmacht. Die erste Aufgabe des Proletariats und
seines Vortrupps, der Kommunistischen Partei, besteht daher darin, einen
entschiedenen Kampf zu führen, um die Frauen, die Arbeiterinnen und Bäuerinnen,
dem Einfluss der Bourgeoisie zu entziehen, die Arbeiterinnen und Bäuerinnen
politisch aufzuklären und sie unter dem Banner des Proletariats zu
organisieren.“ („Prawda“ Nr. 56 vom 8. März 1925.)
„Aber
die werktätigen Frauen“, so fährt Stalin fort, „sind nicht bloß
eine Reserve. Eine richtige Politik der Arbeiterklasse vorausgesetzt, können
und müssen die werktätigen Frauen zu einer wirklichen Armee der
Arbeiterklasse im Kampf gegen die Bourgeoisie werden. Aus der
Arbeitsreserve der Frauen eine Armee der Arbeiterinnen und Bäuerinnen
zu schmieden, die an der Seite der großen Armee des Proletariats kämpft
- darin besteht die zweite und entscheidende Aufgabe der
Arbeiterklasse.“ (Ebenda)
Bezüglich
der Rolle und Bedeutung der Frauen in den Kollektivwirtschaften sagte
Stalin in seiner Rede auf dem Ersten Unionskongress der Stoßarbeiter
der Kollektivwirtschaften folgendes:
„Die
Frauenfrage in den Kollektivwirtschaften ist eine sehr wichtige Frage,
Genossen. Ich weiß, dass viele von euch die Frauen unterschätzen und
sich sogar über sie lustig machen. Aber das ist ein Fehler, Genossen,
ein großer Fehler. Es handelt sich hier nicht nur darum, dass die
Frauen die Hälfte der Bevölkerung bilden. Es handelt sich vor allem
darum, dass die kollektivwirtschaftliche Bewegung eine ganze Reihe von
ausgezeichneten und fähigen Frauen auf führende Posten gestellt hat.
Seht euch diesen Kongress, seine Zusammensetzung an, und ihr werdet
erkennen, dass die Frauen schon längst aus Rückständigen zu
Fortgeschrittenen aufgerückt sind. Die Frauen in den
Kollektivwirtschaften sind eine große Kraft. Diese Kraft ungenutzt
lassen, heißt ein Verbrechen begehen. Unsere Pflicht besteht darin, die
Frauen in den Kollektivwirtschaften aufrücken zu lassen und diese Kraft
auszuwerten.“ (J . Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946,
S. 508.)
Stalin
sagt weiter: „Was die Kollektivwirtschaftlerinnen selbst anbelangt, so
müssen sie der Kraft der Kollektivwirtschaften und der Bedeutung
eingedenk sein, die diese für die Frauen haben; sie müssen dessen
eingedenk sein, dass sie nur in der Kollektivwirtschaft die Möglichkeit
haben, mit den Männern auf gleichem Fuße zu stehen. Ohne
Kollektivwirtschaften - Ungleichheit, in den Kollektivwirtschaften -
Gleichheit der Rechte. Mögen die Genossinnen
Kollektivwirtschaftlerinnen dessen eingedenk sein und mögen sie die
kollektivwirtschaftliche Ordnung wie ihren Augapfel hüten.“ (Ebenda
S. 509.)
Die
Einbeziehung der breitesten Volksmassen unseres Landes in den
sozialistischen Aufbau, darunter auch der werktätigen Massen der ehedem
unterdrückten und rückständigen Nationen, bedeutete einen gewaltigen
Sieg der sowjetischen Ideologie, die in den Massen die wahren Schöpfer
der Geschichte sieht, über die bürgerliche Ideologie, die allerlei
Legenden darüber verbreitet, als seien die Massen unfähig, selbständig
auf allen Lebensgebieten schöpferisch zu wirken. Genosse Stalin
entlarvte den reaktionären Wesensinhalt der „Theorie“, die
behauptet, dass die Ausgebeuteten nicht ohne die Ausbeuter auskommen könnten.
„Eines der wichtigsten Ergebnisse der Oktoberrevolution“, schrieb
Genosse Stalin, „ist die Tatsache, dass sie dieser verlogenen
‚Theorie’ den Todesstoß versetzt hat.“ (J. Stalin, „Fragen des
Leninismus“, Moskau 1946, S. 217.)
Genosse
Stalin entlarvte auch die reaktionäre Legende, dass die Völker
angeblich in höhere und niedere Rassen zerfallen.
„Früher
‚war es üblich’ zu glauben, die Welt sei von jeher in niedere und höhere
Rassen, in Farbige und Weiße, eingeteilt, die einen zur Zivilisation
unfähig und vom Schicksal verdammt, Ausbeutungsobjekte zu sein, die
anderen aber, die einzigen Träger der Zivilisation, berufen, die
ersteren auszubeuten. Jetzt muss diese Legende als zerschlagen und
erledigt betrachtet werden. Eines der wichtigsten Ergebnisse der
Oktoberrevolution ist die Tatsache, dass sie dieser Legende den Todesstoß
versetzt hat, indem sie in der Praxis zeigte, dass die befreiten,
nichteuropäischen Völker, in den Strom der Sowjetentwicklung
einbezogen, nicht minder als die europäischen Völker befähigt sind,
eine wirklich fortschrittliche Kultur und eine wirklich fortschrittliche
Zivilisation zu entwickeln.“ (Ebenda S. 218.)
IX
AM
27. Dezember 1929 sprach Stalin in der Konferenz marxistischer
Agrarsachverständiger. In seiner Rede entlarvte Genosse Stalin die bürgerliche
Theorie des „Gleichgewichts“ der Sektoren der Volkswirtschaft,
widerlegte gründlich die antimarxistische Theorie vom „Selbstlauf“
im sozialistischen Aufbau und die antimarxistische Theorie von der
„Stabilität“ der kleinbäuerlichen Wirtschaft. Nachdem Genosse
Stalin alle diese bürgerlichen, antimarxistischen,
rechtsopportunistischen Theorien einer vernichtenden Kritik unterzogen
hatte, gab er eine tiefgründige Analyse der Natur der
Kollektivwirtschaften als einer sozialistischen Wirtschaftsform und begründete
den Übergang zur Politik der durchgängigen Kollektivierung der
Landwirtschaft und der Liquidierung des Kulakentums als Klasse auf
dieser Grundlage.
Lenin
hatte bereits auf dem XI. Parteitag von der letzten und entscheidenden
Schlacht gegen den russischen Kapitalismus gesprochen, der aus der
kleinbäuerlichen Wirtschaft hervor wächst, doch konnte damals der
Zeitpunkt dieser Schlacht noch nicht genau bestimmt werden. Genosse
Stalin wies mit dem ihm eigenen genialen Weitblick wissenschaftlich
nach, dass der Zeitpunkt dieser letzten entscheidenden Schlacht gegen
den inneren Kapitalismus bereits eingetreten ist. Stalin, der große
Dialektiker, zeigte, dass die Liquidierung des Kulakentums als Klasse
keine Fortsetzung der früheren Politik der Einschränkung und Verdrängung
des Kulakentums, sondern eine schroffe Wendung in der Politik der Partei
ist.
„War
die Konfiskation des Bodens der Gutsbesitzer der erste Schritt der
Oktoberrevolution im Dorfe“, so heißt es in den Beschlüssen des XVI.
Parteitags, „so ist der Übergang zu Kollektivwirtschaften der zweite
und dabei entscheidende Schritt, der eine der wichtigsten Etappen bei
der Erbauung des Fundaments der sozialistischen Gesellschaft in der
Sowjetunion bildet.“ („Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen
der Parteitage, Konferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 6.
Aufl., 1941, S. 428 russ.)
Zur
sozialistischen Wirtschaft kam das Dorf dank dem Umstand, dass die
wirtschaftlichen Erfordernisse den Übergang zur artelmäßigen Großwirtschaft,
zur kollektiven, maschinell betriebenen Landwirtschaft erheischten. Die
Partei der Bolschewiki und der Sowjetstaat schufen in einigen Jahren im
Dorfe neue Produktivkräfte, sie führten die neue Technik - Traktoren,
Mähdrescher usw. - ein, bildeten die Kader für die sozialistische
Landwirtschaft aus, Millionen von Menschen, die die neue Technik
meisterten.
In
seiner historischen Begrüßung an die Arbeiter des Stalingrader
Traktorenwerks am Tage seiner Inbetriebsetzung (17. Juni 1930) schrieb
Genosse Stalin:
„Ich
begrüße und beglückwünsche die Arbeiter und das leitende Personal
der gigantischen Rotbanner-Traktorenwerke, der ersten in der
Sowjetunion, zu ihrem Siege. Die 50000 Traktoren, die ihr dem Lande jährlich
liefern sollt, werden 50000 Geschosse sein, die die alte bürgerliche
Welt in die Luft sprengen und der neuen, der sozialistischen Ordnung im
Dorfe den Weg bahnen. Ich wünsche euch Erfolg bei der Erfüllung eures
Programms.“ („Prawda“ Nr.166 vom 18. Juni 1930.)
Die
neuen im Dorfe geschaffenen Produktivkräfte führten unvermeidlich zu
neuen, sozialistischen Beziehungen zwischen den Menschen.
Indem
Stalin die marxistisch-leninistische Theorie vom Sozialismus allseitig
entwickelte, zeigte er, dass der Übergang zur Kollektivierung nicht
durch den einfachen und friedlichen Eintritt der Bauern in die
Kollektivwirtschaften zu erreichen ist, sondern durch den Massenkampf
der Bauern gegen das Kulakentum. Das Kulakentum musste in offenem Kampf
vor den Augen der gesamten Bauernschaft geschlagen werden, damit die
Bauernmassen sich von der Schwäche der kapitalistischen Elemente überzeugen,
und deshalb war der Übergang zur durchgängigen Kollektivierung
unzertrennlich mit der Aufgabe der Liquidierung des Kulakentums als
Klasse verbunden.
Die
Weisungen des Genossen Stalin, dass eine Wendung in der Politik der
Partei von der Einschränkung der ausbeuterischen Tendenzen des
Kulakentums zur Liquidierung des Kulakentums als Klasse erforderlich
ist, lagen dem Beschluss des Zentralkomitees vom 5. Januar 1930 „Über
das Tempo der Kollektivierung und die Hilfsmaßnahmen des Staates für
den kollektivwirtschaftlichen Aufbau“ zugrunde.
Die.
Feinde der Partei suchten auf jede Weise, den von der Partei
eingeschlagenen Kurs auf die Kollektivierung der Landwirtschaft zu
vereiteln. Diese feindlichen Anschläge kamen nicht nur in direkten
Vorstößen der rechten Kapitulanten gegen die Kollektivierung zum
Ausdruck, sondern auch in „linken“ Verzerrungen der Parteilinie, in
der Durchbrechung des von der Partei festgelegten Tempos der
Kollektivierung, in der Verletzung des Lenin-Stalinschen Prinzips der
Freiwilligkeit im kollektivwirtschaftlichen Aufbau, in dem törichten
Bestreben, das Artel zu überspringen und direkt zur Kommune zu
gelangen, in der zwangsweisen Vergesellschaftung der Wohngebäude, des
Kleinviehs, des Geflügels usw.
Die
inneren und äußeren Feinde, die Interventen und ihre Agenten hofften,
dass diese „linke“, manchmal aber auch bewusst provokatorische
Praxis die Bauernschaft mit der Sowjetmacht verfeinden werde. In den Stäben
der imperialistischen Staaten wurde schon der Zeitpunkt einer neuen
Intervention festgesetzt. Doch bemerkte der Führer der Partei
rechtzeitig die neue Gefahr.
Am
2. März 1930 wurde auf Beschluss des Zentralkomitees Stalins Artikel
„Vor Erfolgen von Schwindel befallen“ veröffentlicht, in dem sich
Stalin scharf gegen die „linken“ Überspitzungen wandte, die die
kollektivwirtschaftliche Bewegung zugrunde zu richten drohten. „In dem
Artikel wurde mit allem Nachdruck das Prinzip der Freiwilligkeit des
kollektivwirtschaftlichen Aufbaus betont und auf die Notwendigkeit
hingewiesen, der Mannigfaltigkeit der Bedingungen in den verschiedenen
Gebieten der Sowjetunion bei der Bestimmung des Tempos und der Methoden
der Kollektivierung Rechnung zu tragen.
Genosse
Stalin erinnerte daran, dass das wichtigste Kettenglied der
Kollektivwirtschaftsbewegung das landwirtschaftliche Artel ist ... Der
Artikel des Genossen Stalin war von größter politischer Bedeutung.
Dieser Artikel half den Parteiorganisationen, ihre Fehler zu
korrigieren, und führte einen mächtigen Schlag gegen die Feinde der
Sowjetmacht, die gehofft hatten, dass es ihnen infolge der Überspitzungen
gelingen würde, die Bauernschaft gegen die Sowjetmacht aufzuwiegeln.“
(„Geschichte der KPdSU (B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S.373.)
Genosse
Stalin, der den „linken“ Verzerrungen einen vernichtenden Schlag
versetzte und zugleich die Hoffnungen der Interventen zunichte machte,
erläuterte als Lehrer der Millionenmassen den Kadern der
Parteimitglieder und der Parteilosen, worin die Kunst der Führung
besteht.
„Die
Kunst der Führung“, schrieb Stalin, „ist eine ernste Sache. Man
darf nicht hinter der Bewegung zurückbleiben, denn zurückbleiben heißt
sich von den Massen loslösen. Man darf aber auch nicht vorauseilen,
denn vorauseilen heißt die Verbindung mit den Massen verlieren. Wer die
Bewegung führen und zu gleicher Zeit die Verbindung mit den
Millionenmassen bewahren will, der muss den Kampf an zwei Fronten führen
- sowohl gegen die Zurückbleibenden als auch gegen die
Vorauseilenden.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946,
S. 369.)
In
dem Artikel „Antwort an die Genossen Kollektivbauern“, der
unmittelbar darauf, am 3. April 1930, veröffentlicht wurde und an die
Millionen Kollektivbauern gerichtet war, erläuterte Stalin, indem er
die Wurzel der Fehler in der Bauernfrage und die Hauptfehler in der
Kollektivwirtschaftsbewegung aufzeigte, mit außerordentlicher Überzeugungskraft,
worin das Wesen der Gesetze der Offensive an der Front des
Klassenkampfes besteht. Man kann keine Offensive fuhren, ohne die
eroberten Positionen zu befestigen, erklärte Genosse Stalin, ohne die
Kräfte umzugruppieren, ohne der Front Reserven zu sichern, ohne die
Etappen nachzuschieben. Die Opportunisten begreifen nicht die
Klassennatur der Offensive: Offensive gegen welche Klasse, im Bündnis
mit welcher Klasse? Wir brauchen, sagte Stalin, nicht jede Offensive,
sondern eine Offensive gegen die Kulaken im Bündnis mit den
Mittelbauern. Dank der Stalinschen Führung wurde durch Richtigstellung
der Überspitzungen die feste Grundlage für ein neues mächtiges
Anwachsen der kollektivwirtschaftlichen Bewegung geschaffen. Die Partei
mit Genossen Stalin an der Spitze löste die nach der Machteroberung
schwierigste Aufgabe der proletarischen Revolution, die Aufgabe, die bäuerlichen
Kleinwirtschaften auf das Geleise des Sozialismus überzuleiten, die
Aufgabe, das Kulakentum als die zahlreichste Ausbeuterklasse zu
liquidieren.
„Das
war eine außerordentlich tiefgehende revolutionäre Umwälzung, ein
Sprung aus einem alten qualitativen Zustand der Gesellschaft in einen
neuen qualitativen Zustand, eine Umwälzung, die in ihren Auswirkungen
der revolutionären Umwälzung vom Oktober 1917 gleichkam.
Die
Eigenart dieser Revolution bestand darin, dass sie von oben, auf
Initiative der Staatsmacht, mit direkter Unterstützung von unten, durch
die Millionenmassen der gegen das Kulakenjoch und für ein freies
kollektivwirtschaftliches Leben kämpfenden Bauern, vollzogen wurde.“
(„Geschichte der KPdSU (B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S. 369.)
Gestützt
auf die Hinweise Lenins über die Notwendigkeit des Übergangs von den bäuerlichen
Kleinwirtschaften zum artelmäßigen, kollektiven Großbetrieb in der
Landwirtschaft, gestützt auf den Genossenschaftsplan Lenins, hat Stalin
die Theorie der Kollektivierung der Landwirtschaft ausgearbeitet und
praktisch verwirklicht. Das Neue auf diesem Gebiet besteht bei Stalin
darin, dass er:
die
Frage der kollektivwirtschaftlichen Form der sozialistischen Wirtschaft
im Dorfe allseitig ausgearbeitet hat; 2. gezeigt hat, dass das hauptsächlichste
und wichtigste Kettenglied des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus in der
gegenwärtigen Etappe das landwirtschaftliche Artel
ist
als die richtigste und dem Bauern verständlichste Form, die es ermöglicht,
die persönlichen Interessen der Kollektivbauern mit ihren
gesellschaftlichen Interessen zu verbinden, die persönlichen Interessen
der Kollektivbauern den gesellschaftlichen Interessen anzupassen;
3.
den Übergang von der Politik der Einschränkung und Verdrängung des
Kulakentums zur Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse auf
der Grundlage der durchgängigen Kollektivierung begründet hat;
4.
die Bedeutung der Maschinen- und Traktorenstationen aufgezeigt hat als
der Stützpunkte bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft
und bei der Hilfeleistung des sozialistischen Staates für die
Landwirtschaft und die Bauernschaft.
Im
Februar 1930 beschloss das Zentralexekutivkomitee der UdSSR auf Grund
zahlreicher Anträge von Organisationen, öffentlichen Versammlungen der
Arbeiter, Bauern und Rotarmisten, J. W. Stalin für seine gewaltigen
Verdienste an der Front des sozialistischen Aufbaus mit dem zweiten
Rotbannerorden auszuzeichnen.
Der
XVI. Parteitag (26. Juni bis 13. Juli 1930) ging in die Geschichte ein
als der Parteitag der voll entfalteten Offensive des Sozialismus an der
ganzen Front. Stalin zeigte in seinem Bericht das Wesen der voll
entfalteten Offensive des Sozialismus gegen die kapitalistischen
Elemente an der ganzen Front auf und stellte fest, dass unser Land
bereits in die Periode des Sozialismus eingetreten ist.
Stalin
berichtete dem Parteitag über die Errungenschaften bei der
Industrialisierung des Landes und der Kollektivierung der Landwirtschaft
und wies zugleich auf die Aufgaben hin, die uns die neue
Entwicklungsperiode stellt. Haben wir die fortgeschrittenen
kapitalistischen Länder im Entwicklungstempo eingeholt und überholt,
so bleiben wir in Bezug auf die Höhe der Industrieproduktion noch stark
hinter ihnen zurück. Daraus ergibt sich die Aufgabe der weiteren
Steigerung des Tempos, die Aufgabe, die kapitalistischen Länder auch
hinsichtlich der Höhe der Industrieproduktion einzuholen und zu überholen.
In seinem Bericht umriss Genosse Stalin die Aufgaben der Partei bei der
Durchführung des ersten Fünfjahrplans in vier Jahren.
Die
Werktätigen des ganzen Landes gingen mit Begeisterung daran, die vom
Parteitag gestellten gigantischen Aufgaben zu erfüllen. Der
sozialistische Wettbewerb und die Stoßbrigadenbewegung kamen zu voller
Entfaltung Zur Zeit des XVI. Parteitags waren vom sozialistischen
Wettbewerb nicht weniger als zwei Millionen Arbeiter erfasst, die Stoßbrigaden
zählten über eine Million Arbeiter.
„Das
Großartigste am Wettbewerb ist“, sagte Genosse Stalin auf dem XVI.
Parteitag, „dass er in den Ansichten der Menschen über die Arbeit
eine radikale Umwälzung hervorruft, denn er verwandelt die Arbeit aus
einer schimpflichen und schweren Last, als die sie früher galt, in eine
Sache der Ehre, des Ruhmes, der Tapferkeit und des Heldentums. In den
kapitalistischen Ländern gibt es nichts Derartiges und kann es nichts
Derartiges geben.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau
1938, S. 543)
Die
Durchführung des ersten Fünfjahrplans erforderte die Rekonstruktion
aller Zweige der Volkswirtschaft auf der Grundlage der neuen, der
modernen Technik. Die Technik gewann entscheidende Bedeutung. Im
Zusammenhang damit gab der Führer der Partei am 4. Februar 1931 in der
Rede „Über die Aufgaben der Wirtschaftler“ in der ersten
Unionskonferenz der Funktionäre der sozialistischen Industrie die neue
Losung aus: „Die Bolschewiki müssen die Technik meistern“, „Die
Technik entscheidet in der Rekonstruktionsperiode alles“. In der
Periode der angestrengten Arbeit der Partei am Aufbau des Sozialismus
gewann die marxistisch-leninistische Erziehung der Mitglieder und
Kandidaten der Partei, das Studium der historischen Erfahrung der
bolschewistischen Partei, der Kampf gegen die Verfälscher ihrer
Geschichte immer größere Bedeutung.
Im
November 1931 veröffentlichte Stalin den bekannten Brief an die
Redaktion der Zeitschrift „Proletarskaja Rewoluzija“, der für den
weiteren ideologischen Zusammenschluss der Parteireihen von
hervorragender Bedeutung war. In diesem Brief entlarvte Stalin die
trotzkistischen Verfälscher der Geschichte des Bolschewismus und
zeigte, dass der Leninismus im schonungslosen Kampf gegen den
Opportunismus aller Spielarten entstanden, gewachsen und erstarkt ist,
dass die Bolschewiki die einzige revolutionäre Organisation der Welt
sind, die die Opportunisten und Zentristen restlos zerschmettert und aus
der Partei verjagt hatte. In diesem Brief zeigte Stalin mit allem
Nachdruck, dass der Trotzkismus der Vortrupp der konterrevolutionären
Bourgeoisie ist, der den Kampf gegen den Kommunismus, gegen die
Sowjetmacht, gegen den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion führt.
Anfang 1933 war der erste Fünfjahrplan vor Ablauf der Frist erfüllt.
Im Januar 1933 erstattete Stalin auf dem Plenum des Zentralkomitees und
der Zentralen Kontrollkommission den Bericht über „Die Ergebnisse des
ersten Fünfjahrplans“. Unser Land, sagte er, ist aus einem Agrarland
zu einem Industrieland geworden, aus einem kleinbäuerlichen Land zu
einem Land der fortgeschrittensten, sozialistischen Großlandwirtschaft.
Die Ausbeuterklassen sind aus ihren Stellungen in der Produktion
hinausgeworfen worden. Ihre Überreste haben sich über das ganze Land
verstreut und haben begonnen, den Kampf gegen die Sowjetmacht durch eine
versteckte Wühlarbeit zu führen. Deshalb war es notwendig, die
Wachsamkeit zu erhöhen, den Kampf für den Schutz des sozialistischen
Eigentums, der Grundlage der Sowjetordnung, zu führen, die Diktatur des
Proletariats in jeder Weise zu stärken.
In
einer anderen Rede auf dem Plenum des Zentralkomitees „Über die
Arbeit auf dem Lande“ gab Stalin eine tiefgründige Analyse der Mängel
der Parteiarbeit auf dem Lande und entwickelte ein ganzes
Arbeitsprogramm zur Festigung der Kollektivwirtschaftsordnung. Die
Partei stand vor einer neuen Aufgabe: es galt, den Kampf zu führen für
die Festigung der Kollektivwirtschaften, für die Organisierung der
Arbeit in den Kollektivwirtschaften, es galt, die Kollektivwirtschaften
bolschewistisch zu machen, sie von feindlichen Kulaken- und Schädlingselementen
zu säubern. Zu diesem Zweck schlug Genosse Stalin vor, bei den
Maschinen- und Traktorenstationen sowie bei den Sowjetgütern politische
Abteilungen zu schaffen. Die politischen Abteilungen der Maschinen- und
Traktorenstationen vermochten in zwei Jahren (1933 und 1934) eine große
Arbeit zur Festigung der Kollektivwirtschaften zu leisten.
Auf
dem Ersten Unionskongress der Stoßarbeiter der Kollektivwirtschaften am
19. Februar 1933 formulierte und begründete Genosse Stalin die Losung:
die Kollektivwirtschaften bolschewistisch und die Kollektivbauern
wohlhabend zu machen.
„Damit
die Kollektivbauern wohlhabend werden“, führte Stalin aus, „dazu
ist jetzt nur eins erforderlich - in der Kollektivwirtschaft ehrlich zu
arbeiten, die Traktoren und Maschinen richtig auszunutzen, das
Arbeitsvieh richtig auszunutzen, den Boden richtig zu bearbeiten, mit
dem Eigentum der Kollektivwirtschaften sorgfältig umzugehen.“ (J.
Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 506.)
Die
Rede Stalins drang tief in das Bewusstsein der Millionen
Kollektivbauern, sie wurde zum praktischen Kampfprogramm der
Kollektivwirtschaften.
Auf
Grund einer Verallgemeinerung der beim sozialistischen Aufbau gewonnenen
Erfahrungen entwickelte Genosse Stalin die Frage vom Sowjethandel als
einer Form, in der sich unter den Bedingungen des Sozialismus Verteilung
und Austausch der Arbeitsprodukte vollzieht. Genosse Stalin sagte:
„Sowjethandel ist Handel ohne Kapitalisten, ohne kleine und große
Kapitalisten, Handel ohne Spekulanten, ohne kleine und große
Spekulanten. Das ist eine besondere Art Handel, wie ihn die Geschichte
bis jetzt noch nicht gekannt hat und den nur wir Bolschewiki unter
sowjetischen Entwicklungsbedingungen betreiben.“ (Ebenda. S. 471.)
Genosse Stalin sagte ferner:
„Damit
sich das Wirtschaftsleben des Landes voll entfalten könne, Industrie
und Landwirtschaft aber einen Ansporn zur weiteren Steigerung ihrer
Produktion erhalten, bedarf es noch einer Bedingung, nämlich eines
entfalteten Wagenumsatzes zwischen Stadt und Land, zwischen den
einzelnen Bezirken und Gebieten des Landes, zwischen den verschiedenen
Zweigen der Volkswirtschaft.“ (Ebenda S. 558.)
Genosse
Stalin übte scharfe Kritik an den Leuten, die den Sowjethandel gering
schätzten oder missachteten. Genosse Stalin sagte, „dass unter einem
Teil der Kommunisten immer noch ein hochmütiges, geringschätziges
Verhalten zum Handel überhaupt und zum Sowjethandel im besonderen
herrscht. Diese, mit Verlaub zu sagen, Kommunisten halten den
Sowjethandel für eine untergeordnete, unwesentliche Angelegenheit, die
im Handel Tätigen aber für verlorene Menschen ... Diese Leute
verstehen nicht, dass der Sowjethandel unsere ureigene, bolschewistische
Sache ist und dass die im Handel Tätigen, auch die Ladenangestellten,
wenn sie nur ehrlich arbeiten, für unsere revolutionäre,
bolschewistische Sache wirken.“ (J. Stalin, „Fragen des
Leninismus“, Moskau 1946, S. 559)
Diese
Hinweise des Genossen Stalin waren von wesentlicher Bedeutung für die
Festigung des Sowjethandels und für die Entfaltung des Warenumsatzes im
Lande. Der begeisterte Tribun der Revolution und Liebling der Partei, S.
M. Kirow, charakterisierte in seinem Referat über die Arbeit des
Zentralkomitees der KPdSU(B), das er in Leningrad am Vorabend des XVII.
Parteitags hielt, den großen Organisator der sozialistischen Siege der
Arbeiterklasse mit folgenden Worten:
„Genossen,
man kann über die Verdienste unserer Partei, über die Erfolge unserer
Partei nicht reden, ohne über den großen Organisator der von uns
errungenen gigantischen Siege zu sprechen. Ich meine Genossen Stalin.
Ich
muss euch sagen, dass er der wirklich vollkommene, wirklich allseitige
Verfechter, der Fortsetzer des Werkes ist, das uns der nunmehr schon vor
zehn Jahren von uns geschiedene große Begründer unserer Partei
hinterlassen hat.
Es
ist schwer, sich die Gestalt eines Giganten vorzustellen, wie Stalin es
ist. In den letzten Jahren, seit dem Zeitpunkt, da wir ohne Lenin
arbeiten, kennen wir keine einzige Wendung in unserer Arbeit, kein
einziges größeres Beginnen, keine Losung, keine Neuorientierung in
unserer Politik, deren Urheber nicht Genosse Stalin, sondern irgendein
anderer gewesen wäre.
Die
gesamte grundlegende Arbeit - das muss die Partei wissen - verläuft
nach den Hinweisen, auf Initiative und unter Führung, des Genossen
Stalin. Die größten Fragen der internationalen Politik werden nach
seinen Weisungen entschieden, und nicht bloß diese großen Fragen,
sondern auch scheinbar drittrangige oder sogar zehntrangige Fragen
interessieren ihn, wenn sie die Arbeiter, die Bauern und alle übrigen
Werktätigen unseres Landes betreffen.
Ich
muss sagen, dass sich das nicht nur auf den Aufbau des Sozialismus im
Allgemeinen, sondern auch auf die Einzelfragen unserer Arbeit bezieht.
Nehmen wir z. B. die Fragen der Verteidigung unseres Landes, so muss mit
allem Nachdruck betont werden, dass wir alle unsere Erfolge, von denen
ich gesprochen habe, voll und ganz Stalin zu verdanken haben. Der mächtige
Wille, das kolossale organisatorische Talent dieses Mannes sichern der
Partei die rechtzeitige Durchführung großer historischer Wendungen,
die mit dem siegreichen Aufbau des Sozialismus verbunden sind.
Nehmt
die Losungen des Genossen Stalin: ,Die Kollektivbauern wohlhabend
machen’, ,Die Kollektivwirtschaften bolschewistisch machen’, ,Die
Technik meistern’, die sechs historischen Bedingungen des Genossen
Stalin - alles, was dem Aufbau des Sozialismus im gegenwärtigen Stadium
unserer Arbeit als Leitlinie dient, geht von diesem Manne aus, und
alles, was wir während des ersten Planjahrfünfts erreicht haben, wurde
auf Grund seiner Weisungen errungen.“ (S. M. Kirow, „Ausgewählte
Reden und Aufsätze von 1912-1934“, 1939, S.609/10 russ.)
Anfang
1934 leitete Stalin die Arbeiten des XVII. Parteitags, der in die
Geschichte als der Parteitag der Sieger eingegangen ist. In seinem
Rechenschaftsbericht an den Parteitag über die Tätigkeit des ZK der
KPdSU(B) zog Genosse Stalin die Bilanz der historischen Siege der
Partei, der Siege des Sozialismus in der Sowjetunion.
Gesiegt
hat die Politik der Industrialisierung des Landes, der durchgängigen
Kollektivierung der Landwirtschaft, der Liquidierung des Kulakentums als
Klasse. Gesiegt hat die Lehre von der Möglichkeit des Aufbaus des
Sozialismus in einem Lande. Die sozialistische Formation ist in der
gesamten Volkswirtschaft zur unumschränkt herrschenden Kraft geworden,
alle übrigen Formationen sind zugrunde gegangen. Die
Kollektivwirtschaften haben endgültig und unwiderruflich gesiegt.
Stalin
warnte jedoch, dass der Kampf bei weitem noch nicht zu Ende sei. Obwohl
die Feinde geschlagen sind, leben dennoch Überreste ihrer Ideologie
fort und machen sich nicht selten bemerkbar. Geblieben ist die
kapitalistische Umwelt. Sie belebt die Überreste des Kapitalismus im
Bewusstsein der Menschen und nutzt sie aus.
Genosse
Stalin wies darauf hin, dass die Überreste des Kapitalismus im
Bewusstsein der Menschen auf dem Gebiet der nationalen Frage viel zählebiger
sind als auf irgendeinem anderen Gebiet. Auf die Frage, welche
Abweichung die Hauptgefahr darstelle - die Abweichung zum großrussischen
Nationalismus oder die Abweichung zum lokalen Nationalismus -,
antwortete Genosse Stalin, dass unter den heutigen Verhältnissen „die
Hauptgefahr jene Abweichung darstellt, gegen die man zu kämpfen aufgehört
und die man dadurch zu einer staatsgefährlichen Erscheinung hat
anwachsen lassen“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau
1946, S. 575.)
Notwendig
ist eine systematische Arbeit zur Überwindung der Überreste des
Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen; notwendig ist eine
systematische Kritik der Ideologie aller dem Leninismus feindlichen Strömungen;
notwendig ist eine unermüdliche Propaganda des Leninismus, die Erhöhung
des ideologischen Niveaus der Parteimitglieder, die Erziehung der Werktätigen
im Geiste des Internationalismus. Mit besonderem Nachdruck betonte
Stalin die Notwendigkeit, die Wachsamkeit der Partei zu erhöhen:
„Man
darf ... die Partei nicht einlullen, sondern muss in ihr die Wachsamkeit
entwickeln, darf sie nicht einschläfern, sondern muss sie im Zustand
der Kampfbereitschaft halten, darf sie nicht entwaffnen, sondern muss
sie bewaffnen, darf sie nicht demobilisieren, sondern muss sie im
Zustand der Mobilisierung zur Verwirklichung des zweiten Fünfjahrplans
halten.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S.
586.)
In
Stalins Bericht wurde ein konkretes Programm der weiteren Arbeit der
Partei auf dem Gebiete der Industrie, der Landwirtschaft, des Handels,
des Verkehrswesens gegeben, ein Programm der Organisationsarbeit (Kader,
Prüfung und Kontrolle der Durchführung); es wurde die Aufgabe
gestellt: „die organisatorische Leitung auf das Niveau der politischen
Leitung zu heben“. In Stalins Bericht wurde ein Programm der Arbeit
auf dem Gebiete der Kultur, der Wissenschaft, der Volksbildung und des
ideologischen Kampfes gegeben. In dem Teile seines Berichts, der die Außenpolitik
der UdSSR behandelte, bemerkte Genosse Stalin, dass in der
kapitalistischen Welt die Wirtschaftskrise tobt und in einer Anzahl von
Ländern eine fieberhafte Kriegsvorbereitung vor sich geht, insbesondere
in Deutschland nach dem Machtantritt der Faschisten. Inmitten dieser ökonomischen
Erschütterungen und kriegspolitischen Katastrophen behauptet die
Sowjetunion weiterhin fest und unerschütterlich ihre
Friedenspositionen, kämpft gegen die Kriegsgefahr und führt beharrlich
eine Politik des Friedens.
„Unsere
Außenpolitik ist klar. Sie ist eine Politik der Erhaltung des Friedens
und der Verstärkung der Handelsbeziehungen mit allen Ländern. Die
Sowjetunion denkt nicht daran, irgendjemanden zu bedrohen, und erst
recht nicht, irgendjemanden zu überfallen. Wir sind für den Frieden
und verteidigen die Sache des Friedens. Aber wir fürchten keine
Drohungen und sind bereit, auf einen Schlag der Kriegshetzer mit einem
Gegenschlag zu antworten ... Denjenigen aber, die versuchen sollten,
unser Land zu überfallen, wird eine vernichtende Abfuhr zuteil werden,
damit ihnen in Zukunft die Lust vergehe, ihre Schweineschnauze in
unseren Sowjetgarten zu stecken.“ (J. Stalin, „Fragen des
Leninismus“, Moskau 1946, S. S31.) Auf Vorschlag S. M. Kirows nahm der
XVII. Parteitag den Bericht des Genossen Stalin als Beschluss des
Parteitags, als Gesetz und Arbeitsprogramm der Partei für die nächste
Periode an. Vom Parteitag wurde auch der zweite Fünfjahrplan der
Entwicklung der Volkswirtschaft bestätigt.
X
DANK
den Erfolgen der Generallinie der Partei dauerte im Lande der Aufstieg
der Industrie und der Landwirtschaft unentwegt an. Der zweite Stalinsche
Fünfjahrplan war in der Industrie im April 1937, vor Ablauf der Frist -
in vier Jahren und drei Monaten -, erfüllt. Die Vollendung der
Rekonstruktion der Industrie und der Landwirtschaft hatte zur Folge,
dass unsere Volkswirtschaft mit der modernsten Technik der Welt ausgerüstet
wurde. Unsere Industrie erhielt in riesiger Anzahl Maschinen, Werkbänke
und andere Produktionsmittel. Unsere Landwirtschaft erhielt erstklassige
Sowjettraktoren, Mähdrescher und andere landwirtschaftliche Maschinen.
Das Verkehrswesen erhielt erstklassige Kraftfahrzeuge, Lokomotiven,
Dampfer und Flugzeuge. Die Rote Armee erhielt eine neue, ausgezeichnete
technische Ausrüstung: Artillerie, Panzer, Flugzeuge und Kriegsschiffe.
Diese
gesamte gigantische Arbeit zur technischen Neuausrüstung unserer
Volkswirtschaft verläuft unter der unmittelbaren Führung des Genossen
Stalin. Neue Maschinentypen, bedeutende technische Neuerungen oder
Erfindungen wurden und werden nach den unmittelbaren Weisungen des
Genossen Stalin eingeführt. Er dringt persönlich in alle Einzelheiten
der technischen Rekonstruktion der Industrie und der Landwirtschaft ein
und beseelt und beflügelt die Arbeiter und Ingenieure, die Leiter der
Betriebe und Hauptverwaltungen, die Erfinder und Konstrukteure.
Besonders große und liebevolle Aufmerksamkeit widmet er der technischen
Ausrüstung unserer Roten Armee, der Luftflotte und der Kriegsmarine,
wodurch die Rote Armee zu einer den Feinden des Sozialismus Furcht einflößenden
Kraft geworden ist.
Eine
der wichtigsten Fragen des sozialistischen Aufbaus, vor denen die Partei
stand, war das Problem, wie die Sowjetgesellschaftsordnung ihre eigenen
Kader, wie das Sowjetvolk, und vor allem die Arbeiterklasse, eine eigene
Intelligenz heranbilden sollen. Gestützt auf die Hinweise Lenins, dass
die sozialistische Revolution die Hauptbedingung ist für den
machtvollen Kulturaufschwung der Volksmassen, bewertete Genosse Stalin
die Frage der kulturellen Kräfte der Arbeiterklasse als eine
entscheidende Frage des sozialistischen Aufbaus.
Genosse
Stalin sagte:
„Unter
allen bisher dagewesenen herrschenden Klassen nimmt die als herrschende
Klasse auftretende Arbeiterklasse in der Geschichte eine einigermaßen
besondere und nicht ganz günstige Stellung ein. Alle bisher
aufgetretenen herrschenden Klassen - die Sklavenhalter, die
Grundbesitzer, die Kapitalisten - waren gleichzeitig die Klassen der
Reichen. Sie hatten die Möglichkeit, ihre Söhne in den für die
Verwaltung notwendigen Kenntnissen und Erfahrungen zu schulen. Die
Arbeiterklasse unterscheidet sich von ihnen unter anderem dadurch, dass
sie eine nicht reiche Klasse ist, dass sie vorher nicht die Möglichkeit
hatte, ihre Söhne in den für die Verwaltung notwendigen Kenntnissen
und Erfahrungen zu schulen, sie hat diese Möglichkeit erst jetzt, nach
ihrem Machtantritt, erhalten. Darauf beruht eben, unter anderem, die
Dringlichkeit, die bei uns der Frage der Kulturrevolution zukommt.“
(J. Stalin, „Über die Apriltagung des gemeinsamen Plenums des ZK und
der ZKK. Bericht auf der Funktionärversammlung der Moskauer
Organisation der KPdSU (B) vom 13. April 1928“, 1928, S. 15 russ.)
Die
Frage der eigenen Kader der Werktätigen erlangte bei uns ganz besondere
Bedeutung, als unser Land bereits reichlich mit neuer Technik ausgerüstet
war und als das dringende Erfordernis fühlbar wurde nach Menschen, die
die Technik gemeistert haben und sie in vollem Umfange zum Wohl unserer
Heimat auszunutzen vermögen.
Die
neue, mächtige Technik erheischte Menschen, die diese Technik zu
meistern, aus ihr alles herauszuholen vermögen, was sie leisten kann.
Es war notwendig, die Aufmerksamkeit unserer Kader in entschiedener
Weise auf die Meisterung der neuen Technik, die allseitige Verstärkung
der Arbeit zur Heranbildung zahlreicher Kader zu lenken, die fähig
sind, mit dieser Technik Höchstleistungen zu erzielen. In dieser
Hinsicht hatte die Rede des Genossen
Stalin
an die Absolventen der Akademien der Roten Armee im Mai 1935 außerordentliche
Bedeutung. „Um die Technik in Bewegung zu setzen und sie restlos
auszunutzen“, sagte Genosse Stalin, „braucht man Menschen, die diese
Technik meistern, braucht man Kader, die fähig sind, sich diese Technik
anzueignen und sie nach allen Regeln der Kunst auszunutzen. Eine Technik
ohne Menschen, die sie gemeistert haben, ist tot. Eine Technik mit
Menschen an der Spitze, die die Technik gemeistert haben, kann und muss
Wunder vollbringen. Hätten wir in unseren erstklassigen Werken und
Fabriken, in unseren Sowjet- und Kollektivwirtschaften, in unserem
Verkehrswesen, in unserer Roten Armee die genügende Anzahl von Kadern,
die fähig sind, diese Technik zu bewältigen, so würde unser Land
dreimal und viermal so große Leistungen erzielen wie heute ... Man muss
endlich begreifen, dass von allen wertvollen Kapitalien, die es in der
Welt gibt, das wertvollste und entscheidendste Kapital die Menschen, die
Kader sind.
Man
muss begreifen, dass unter unseren heutigen Verhältnissen ‚die Kader
alles entscheiden’. Haben wir gute und zahlreiche Kader in der
Industrie, in der Landwirtschaft, im Verkehrswesen, in der Armee, so
wird unser Land unbesiegbar sein. Haben wir solche Kader nicht, so
werden wir auf beiden Beinen hinken.“ (J. Stalin, „Fragen des
Leninismus“, Moskau 1946, S.593-595.)
Die
Rede des Genossen Stalin wurde zu einem mächtigen Anstoß für die Lösung
einer der wichtigsten Aufgaben des sozialistischen Aufbaus, des Problems
der Kader. Die Bedeutung dieser Weisung des Führers der Partei bestand
nicht nur darin, dass sie die Aufmerksamkeit aller Partei- und
Sowjetorganisationen auf das Kaderproblem lenkte. Ihre Bedeutung bestand
auch darin, dass sie unten, in den Massen, einen mächtigen Widerhall
fand, einen neuen Arbeitsenthusiasmus auslöste.
Auf
Initiative der fortgeschrittenen Arbeiter entwickelte sich von unten mit
machtvollem Schwung die Stachanowbewegung. Sie nahm ihren Ausgang im
Donezbecken, in der Kohlenindustrie, und erfasste mit unglaublicher
Schnelligkeit das ganze Land, alle Zweige der Volkswirtschaft.
Zehntausende und Hunderttausende hervorragender Helden der Arbeit gaben
Musterbeispiele, wie man die Technik meistert und in der Industrie, im
Verkehrswesen und in der Landwirtschaft eine hohe sozialistische
Arbeitsproduktivität erzielt.
Genosse
Stalin kennzeichnete vor der Partei und dem ganzen Lande die große
historische Bedeutung dieser neuen Bewegung. In der Rede auf der Ersten
Unionsberatung der Stachanowleute im November 1935 sagte Stalin, dass
die Stachanowbewegung „einen neuen Aufschwung des sozialistischen
Wettbewerbs, eine neue, eine höhere Etappe des sozialistischen
Wettbewerbs zum Ausdruck bringt … Die Bedeutung der Stachanowbewegung
besteht darin, dass sie eine Bewegung ist, die mit den alten technischen
Normen bricht, weil sie unzulänglich sind, die die Arbeitsproduktivität
der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder in einer ganzen Reihe von
Fällen übertrifft und somit die praktische Möglichkeit eröffnet, den
Sozialismus in unserem Lande weiter zu festigen und unser Land zum
wohlhabendsten Land zu machen.“ (J. Stalin, „Fragen des
Leninismus“, Moskau 1946, S. 597 und 599.)
Genosse
Stalin zeigte, dass die Stachanowbewegung den Weg zum Kommunismus bahnt,
dass sie den Keim eines solchen kulturellen und technischen Aufschwungs
der Arbeiterklasse in sich birgt, der zur Aufhebung des Gegensatzes
zwischen geistiger und körperlicher Arbeit führt.
Auf
die Voraussetzungen der Stachanowbewegung eingehend, zeigte Genosse
Stalin, worin die große Kraft und Unbesiegbarkeit unserer Revolution
besteht: „Unsere Revolution ist die einzige, die nicht nur die Fesseln
des Kapitalismus gesprengt und dem Volke die Freiheit gegeben hat,
sondern dem Volke auch die materiellen Bedingungen für ein wohlhabendes
Leben bieten konnte. Darin liegt die Kraft und Unbesiegbarkeit unserer
Revolution.“ (Ebenda S. 604.)
Stalin
leitete unmittelbar die Arbeiten der Unionsberatung der Stachanowleute
und anderer Beratungen vorbildlicher Arbeiter der Industrie, des
Verkehrswesens und der Landwirtschaft, die im Kreml stattfanden.
Zusammen mit Stachanowleuten der Industrie und des Verkehrswesens, mit
Combine- und Traktorenführern, mit Melkerinnen und Arbeitsheldinnen der
Zuckerrübenfelder beriet er bis ins einzelne die Frage der Technik und
der Produktion
aller
Zweige der Volkswirtschaft.
Im
Kreml empfing Stalin zusammen mit Mitgliedern des Zentralkomitees und
der Regierung zahlreiche Delegationen der sozialistischen
Bruderrepubliken. Das war eine eindrucksvolle Demonstration der großen
Freundschaft der Völker der Sowjetunion, die dank der Durchführung der
Lenin-Stalinschen Nationalitätenpolitik erzielt wurde. Gemeinsam mit
den vorbildlichen Arbeitern und Kollektivbauern arbeiteten Genosse
Stalin und seine Kampfgefährten überaus wichtige Beschlüsse zu den
bedeutendsten Fragen des sozialistischen Aufbaus aus.
„Lenin
lehrte, dass nur solche Führer wirkliche bolschewistische Führer sein
können, die es nicht nur verstehen, die Arbeiter und Bauern zu lehren,
sondern auch von ihnen zu lernen“, sagte Genosse Stalin in seiner Rede
auf der Beratung der Stachanowleute. Er selbst gab von den ersten
Schritten seiner revolutionären Tätigkeit an das beste Beispiel einer
solchen Verbundenheit mit den Massen. Die sozialistische Rekonstruktion
der gesamten Volkswirtschaft hatte im Lande das Wechselverhältnis der
Klassen grundlegend verändert. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, die
im Jahre 1924 angenommene Verfassung abzuändern. Auf Initiative des
Genossen Stalin brachte das Zentralkomitee der Partei auf dem VII.
Sowjetkongress der UdSSR den Antrag ein, die Verfassung abzuändern.
Eine
besondere Verfassungskommission unter Vorsitz des Genossen Stalin
arbeitete den Entwurf der neuen Verfassung aus. Der Entwurf wurde dem
gesamten Volk zur Erörterung unterbreitet, die 5½ Monate dauerte. Es
gibt keinen Winkel in unserem Lande, wo die Werktätigen dieses
bedeutsamste Dokument in der Geschichte der Menschheit nicht studiert
und erörtert hätten. Das ganze Sowjetvolk begrüßte und billigte mit
großer Freude und großem Stolz den Verfassungsentwurf.
Genosse
Stalin gab am 25. November 1936 auf dem Außerordentlichen VIII.
Sowjetkongress in seinem Bericht über den Entwurf der neuen Verfassung
eine tiefgehende Begründung dieses Verfassungsentwurfs und zeigte die
gewaltigen Veränderungen auf, die in unserem Lande seit der Annahme der
Verfassung vom Jahre 1924 vor sich gegangen waren. Der Sieg des
Sozialismus ermöglichte es, zur weiteren Demokratisierung des
Wahlsystems, zur Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten
Wahlrechts bei geheimer Abstimmung überzugehen.
All
die gewaltigen Siege des Sozialismus sind in der Verfassung der UdSSR
verankert. Gemäß der Verfassung besteht die Sowjetgesellschaft aus
zwei befreundeten Klassen, den Arbeitern und den Bauern. Die politische
Grundlage der UdSSR bilden die Sowjets der Deputierten der Werktätigen.
Die ökonomische Grundlage der Sowjetunion bildet das so Eigentum an den
Produktionsmitteln. Allen Bürgern der Sowjetunion ist das Recht auf
Arbeit, auf Erholung, auf Bildung, auf materielle Versorgung im Alter
sowie im Falle von Krankheit und Invalidität gewährleistet. Die
Gleichberechtigung der Bürger, unabhängig von Nationalität, Rasse und
Geschlecht, ist unverbrüchliches Gesetz. Die Verfassung garantiert - im
Interesse der Festigung der sozialistischen Gesellschaft - die Rede-,
die Presse-, die Meetings- und Versammlungsfreiheit, das Recht auf
Vereinigung in gesellschaftlichen Organisationen, die Unverletzlichkeit
der Person, die Unverletzlichkeit der Wohnung und das Briefgeheimnis,
das Asylrecht für ausländische Bürger, die wegen Verfechtung der
Interessen der Werktätigen oder wegen wissenschaftlicher Betätigung
oder wegen Teilnahme am nationalen Befreiungskampfe verfolgt werden.
Diese grandiosen Rechte und Freiheiten, wie sie die Werktätigen in der
Geschichte noch nie besaßen, sind materiell, ökonomisch durch das
gesamte System der sozialistischen Wirtschaft gesichert, das keine
Krisen, keine Anarchie und keine Arbeitslosigkeit kennt.
Durch
die Verfassung der Sowjetunion werden zugleich allen Bürgern ernste
Verpflichtungen auferlegt: die Gesetze zu befolgen, die Arbeitsdisziplin
zu wahren, ihren gesellschaftlichen Pflichten ehrlich nachzukommen, die
Regeln des sozialistischen Gemeinschaftslebens zu achten, das
sozialistische Eigentum zu hüten und zu festigen, das sozialistische
Vaterland zu verteidigen.
Wovon
die besten, fortgeschrittensten Geister der Menschheit Jahrhunderte
hindurch träumten, das ist in der Verfassung der Sowjetunion, der
Verfassung des siegreichen Sozialismus und der voll entfalteten
sozialistischen Demokratie, zum unverbrüchlichen Gesetz geworden. Diese
Verfassung wurde am 5. Dezember 1936 vom VIII. Sowjetkongress gebilligt
und bestätigt. Die Völker der Sowjetunion nannten die neue Verfassung
der UdSSR ihrem Schöpfer zu Ehren einmütig die Stalinsche Verfassung.
Für die Werktätigen der Sowjetunion ist sie das Ergebnis der Kämpfe
und Siege, für die Werktätigen aller kapitalistischen Länder das große
Kampfprogramm. Sie verankerte die weltgeschichtliche Tatsache, dass die
Sowjetunion in eine neue Entwicklungsphase eingetreten ist, in die Phase
der Vollendung der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft und des
allmählichen Übergangs zum Kommunismus. Sie wappnet die Werktätigen
der ganzen Welt moralisch und politisch zum Kampf gegen die bürgerliche
Reaktion. Sie zeigt, dass alles, was in der Sowjetunion verwirklicht
worden ist, auch in den anderen Ländern verwirklicht werden kann.
Zur
Kennzeichnung der internationalen Bedeutung der Verfassung der UdSSR
sagte Genosse Stalin:
„Jetzt,
da die trübe Welle des Faschismus die sozialistische Bewegung der
Arbeiterklasse mit Schmutz bespritzt Und die demokratischen Bestrebungen
der Besten der zivilisierten Welt in den Kot zieht, wird die neue
Verfassung der UdSSR ein Anklageakt gegen den Faschismus sein und davon
zeugen, dass Sozialismus und Demokratie unbesiegbar sind. Die neue
Verfassung der UdSSR wird eine moralische Hilfe und eine reale Stütze für
alle diejenigen sein, die jetzt den Kampf gegen die faschistische
Barbarei führen.“ (J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau
1946, S. 645.)
Die
von der Partei errungenen Siege des Sozialismus versetzten die
Volksfeinde in noch größere Raserei. Das Jahr 1937 brachte neue Enthüllungen
über die Scheusale aus der bucharinschen-trotzkistischen Bande von
Spionen, Schädlingen und Mördern im Dienste der Spionageorgane
kapitalistischer Staaten. Die Gerichtsprozesse zeigten, dass dieser
Abschaum der Menschheit bereits seit den ersten Tagen der
Oktoberrevolution in einer Verschwörung gegen Lenin gestanden hatte,
den sie zu verhaften beabsichtigten, in einer Verschwörung gegen die
Partei, gegen den Sowjetstaat. Gemäß dem Willen ihrer
imperialistischen Auftraggeber steckten sie sich das Ziel, die Partei
und den Sowjetstaat zu zerstören, die Landesverteidigung zu
untergraben, die auswärtige Intervention zu begünstigen, die
Niederlage der Roten Armee vorzubereiten, die Sowjetunion zu zerstückeln,
sie in eine Kolonie des Imperialismus zu verwandeln und in der
Sowjetunion die kapitalistische Sklaverei wiederherzustellen. Die Partei
und die Sowjetmacht vernichteten diese Wespennester der Volksfeinde. In
seinem Referat auf dem Plenum des Zentralkomitees im März 1937, „Über
die Mängel der Parteiarbeit“, gab Stalin ein klares Programm für die
Verstärkung der Partei- und Sowjetorgane, ein Programm von Maßnahmen
zur Erhöhung der politischen Wachsamkeit und stellte die Losung auf,
„den Bolschewismus zu meistern“. Stalin wappnete die Partei für den
Kampf gegen die Volksfeinde und lehrte sie, ihnen die Maske
herunterzureißen.
Das
Sowjetgericht deckte ihre Verbrechen auf und verurteilte die
trotzkistisch-bucharinschen Scheusale zur Erschießung. Das Sowjetvolk
billigte die Vernichtung der trotzkistisch-bucharinschen Bande und ging
zur Tagesordnung über, zur Vorbereitung der Wahlen in den Obersten
Sowjet der UdSSR. Unter Führung des Zentralkomitees und des Genossen
Stalin entfaltete die Partei die Vorbereitungsarbeit zu den Wahlen in
vollem Umfang. Die Einführung der neuen Verfassung
bedeutete eine Wendung im politischen Leben des Landes, die
weitere Demokratisierung seines gesamten politischen Lebens. Das neue
Wahlsystem führte zu einer Verstärkung der politischen Aktivität der
Massen sowie ihrer Kontrolle über die Organe der Sowjetmacht, zur Verstärkung
der Verantwortlichkeit der Organe der Sowjetmacht vor dem Volke. Unter Führung
des Zentralkomitees, unter Führung Stalins vollzog die Partei eine
Umstellung der Formen ihrer Arbeit entsprechend den neuen Aufgaben, im
Geiste der Entfaltung der innerparteilichen Demokratie, der Festigung
der Grundsätze des demokratischen Zentralismus, der Förderung der
Kritik und Selbstkritik, der Verstärkung der Verantwortlichkeit der
Parteiorgane vor den Parteimassen. Zur Hauptachse der Wahlkampagne
machte die Partei die Stalinsche Idee des Blocks der Kommunisten und
Parteilosen.
Am
11. Dezember 1937, am Vorabend der Wahlen, hielt Stalin in seinem
Wahlbezirk eine Rede. In dieser Rede zeigte er den grundsätzlichen
Unterschied zwischen den wirklich freien, wirklich demokratischen Wahlen
in der Sowjetunion und den Wahlen in den kapitalistischen Ländern, wo
das Volk von den Ausbeuterklassen niedergehalten wird. Bei uns in der
Sowjetunion sind die Ausbeuterklassen liquidiert, der Sozialismus ist
bereits ins Alltagsleben eingegangen, und auf dieser Grundlage gehen die
Wahlen vor sich. Stalin gab ferner die Definition, welcher Art Politiker
die Erwählten des Volkes, die Deputierten des Obersten Sowjets sein
sollen. Das Volk muss fordern, dass sie Politiker von Leninschem Typus
seien, dass sie von ebensolcher Klarheit und Bestimmtheit, ebenso
furchtlos im Kampfe, frei von jeder Spur einer Panik, schonungslos gegen
die Feinde des Volkes, weise und bedachtsam bei der Entscheidung
komplizierter politischer Fragen seien, bei der allseitige Orientierung
nötig ist, dass sie ebenso wahrhaft seien, wie Lenin es war, dass sie
ihr Volk ebenso lieben, wie Lenin es liebte.
Das
ganze Land lauschte der Rede seines weisen und genialen Führers. Seine
Worte prägten sich tief dem Bewusstsein der Werktätigen ein. Die Rede
Stalins bestimmte die Prinzipien der Tätigkeit der Erwählten des
Volkes, sie begeisterte das Volk und schweißte den Block der
Kommunisten und Parteilosen noch fester zusammen.
Am
12. Dezember fanden die Wahlen zum Obersten Sowjet der UdSSR statt. Sie
wurden zu einem allgemeinen Festtag, zu einem Triumph für das ganze
Sowjetvolk. Von den 94 Millionen Wählern nahmen mehr als 91 Millionen
an den Wahlen teil (96,8 Prozent); 90 Millionen Menschen bekräftigten
durch ihre einmütige Stimmabgabe für die Kandidaten des Blocks der
Kommunisten und Parteilosen den Sieg des Sozialismus. Das war ein
herrlicher Sieg des Stalinschen Blocks der Kommunisten und Parteilosen,
ein Triumph der Partei Lenins-Stalins, ein Triumph der Lenin-Stalinschen
Parteiführung.
Die
moralisch-politische Einheit des Sowjetvolkes fand hier ihre glänzende
Bestätigung. Stalin ist der erste Erwählte des Volkes, der erste
Deputierte des Obersten Sowjets der UdSSR. Die in gigantischem Maße
gestiegene Aktivität der Massen und die gewaltigen Aufgaben des
weiteren sozialistischen Aufbaus stellten die Frage der ideologischen
und politischen Schulung unserer Kader auf neue Art. Genosse Stalin
stellte in einer Reihe seiner Reden mit allem Nachdruck unsere Kader vor
die Aufgabe der Meisterung des Bolschewismus. Er wies darauf hin, dass
wir alle Mittel und Möglichkeiten haben, die notwendig sind, um unsere
Kader ideologisch zu schulen und politisch zu stählen, und dass davon
zu neun Zehnteln die Lösung aller unserer praktischen Aufgaben abhänge.
1938
erschien das Buch „Geschichte der Kommunistischen Partei der
Sowjetunion (Bolschewiki), Kurzer Lehrgang“, das von Stalin verfasst
und von einer Kommission des Zentralkomitees der KPdSU(B) bestätigt
wurde.
Das
Erscheinen dieses Buches wurde zu einem der größten Ereignisse im
ideologischen Leben der bolschewistischen Partei. Die Partei erhielt
eine neue mächtige ideologische Waffe des Bolschewismus, eine wahre
Enzyklopädie des Grundwissens auf dem Gebiet des Marxismus-Leninismus.
Mit Stalinscher Klarheit und Tiefgründigkeit wird in diesem Buch die
gigantische historische Erfahrung der kommunistischen Partei dargelegt
und verallgemeinert, eine Erfahrung, wie sie keine einzige Partei der
Welt je aufzuweisen hatte. In dem „Kurzen Lehrgang der Geschichte der
KPdSU(B)“ wird die Weiterentwicklung des Marxismus unter den neuen
Bedingungen des Klassenkampfes des Proletariats dargestellt, des
Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen
Revolutionen, des Marxismus der Epoche des Sieges des Sozialismus auf
einem Sechstel der Erde. Dieses Buch wurde in kurzer Frist in einer
riesigen Auflage abgesetzt. „Man kann mit Bestimmtheit sagen“, heißt
es in der Rede des Genossen Shdanow auf dem XVIII. Parteitag, „dass
dies seit Bestehen des Marxismus das erste marxistische Buch ist, das so
weite Verbreitung gefunden hat.“
Der
„Kurze Lehrgang der Geschichte der KPdSU(B)“ bringt im Abschnitt „Über
dialektischen und historischen Materialismus“ in äußerst klarer und
gedrängter Form eine geniale Darstellung der Grundlagen des
dialektischen und historischen Materialismus. In dieser Arbeit gibt
Genosse Stalin eine Verallgemeinerung all dessen, was Marx, Engels und
Lenin zur Lehre der dialektischen Methode und der materialistischen
Theorie beigetragen haben, und entwickelt die Lehre des dialektischen
und historischen Materialismus auf Grund der neuesten Errungenschaften
der Wissenschaft und der revolutionären Praxis.
Genosse
Stalin entwickelt den dialektischen Materialismus als theoretische
Grundlage des Kommunismus, als Weltanschauung der
marxistisch-leninistischen Partei, als ideologische Waffe der
Arbeiterklasse in ihrem Kampf für die Eroberung der Diktatur des
Proletariats und die Errichtung des Kommunismus. Mit besonderer Kraft
wird in dieser Arbeit der innere Zusammenhang aufgezeigt, der zwischen
der Philosophie des Marxismus-Leninismus und der praktischen revolutionären
Tätigkeit der bolschewistischen Partei besteht. Um in der Politik nicht
fehlzugehen, lehrt Genosse Stalin, muss man sich von den Grundsätzen
der marxistischen dialektischen Methode leiten lassen, muss man die
Gesetze der geschichtlichen Entwicklung kennen.
Die
Arbeit J. W. Stalins „Über dialektischen und historischen
Materialismus“, von einem unübertrefflichen Meister der
marxistisch-dialektischen Methode geschrieben, verallgemeinert die
gigantische, praktische und theoretische Erfahrung des Bolschewismus,
sie erhebt den dialektischen Materialismus auf eine neue, höhere Stufe
und bildet einen wahren Gipfel des marxistisch-leninistischen
philosophischen Denkens. Im März 1939 leitet Stalin die Arbeiten des
XVIII. Parteitags. Der Parteitag wurde zur machtvollen Demonstration
einer noch nie gesehenen Einheit und Geschlossenheit der gesamten
Partei, ihres Zusammenschlusses um das Lenin-Stalinsche Zentralkomitee.
In seinem Rechenschaftsbericht gab Stalin eine tiefgründige Analyse der
internationalen Lage der Sowjetunion und entlarvte die Pläne der
Brandstifter des Krieges und der Intervention gegen die Sowjetunion.
Seit dem XVII. Parteitag waren fünf Jahre verflossen. Für die
kapitalistischen Länder war dies eine Periode ernstester Erschütterungen
sowohl auf dem Gebiet der Wirtschaft als auch auf dem Gebiet der
Politik. Auf die Wirtschaftskrise von 1929- 1932 und die Depression
besonderer Art folgte seit der zweiten Hälfte 1937 eine neue
Wirtschaftskrise, die die Vereinigten Staaten von Amerika, England,
Frankreich und eine Reihe anderer kapitalistischer Länder erfasste. Die
internationale Lage verschärfte sich bis zum äußersten, das
Nachkriegssystem der Friedensverträge brach zusammen, es begann ein
neuer Krieg, der zweite Weltkrieg.
Der
neue Krieg wurde von den beiden aggressivsten imperialistischen Staaten,
von Deutschland und Japan, entfesselt. Genosse Stalin wies darauf hin,
dass dieser Krieg mehr als 500 Millionen Menschen in seinen Bannkreis
gezogen, dass er seine Aktionssphäre auf das gewaltige Gebiet von
Tientsin, Schanghai und Kanton, über Abessinien bis Gibraltar
ausgedehnt hat. Der Krieg beeinträchtigte immer mehr die Interessen der
nichtaggressiven Staaten, vor allem Englands, Frankreichs, der USA. Doch
die Regierungen dieser Länder setzten den Aggressoren nicht den
erforderlichen Widerstand entgegen. Sie sagten sich von der Politik der
kollektiven Sicherheit los und bezogen die Position der „Neutralität“,
die Position der Nichteinmischung. Die Nichteinmischungspolitik
bedeutete eine Begünstigung der Aggression, die Entfesselung des
Weltkrieges. Die Inspiratoren des berüchtigten „Münchner
Abkommens“, die Staatslenker Englands und Frankreichs, Chamberlain und
Daladier, wollten die Aggression des deutschen Faschismus gegen Osten
lenken, gegen die Sowjetunion.
Genosse
Stalin entlarvte die gegen die UdSSR gerichteten Machenschaften der
Kriegsbrandstifter, die behaupteten, die Münchner Zugeständnisse an
die Aggressoren und das Münchner Abkommen über die Nichteinmischung wären
der Beginn einer neuen Ära der „Befriedung“. Genosse Stalin warnte,
„dass das große und gefährliche politische Spiel, das die Anhänger
der Nichteinmischungspolitik begonnen haben, für sie mit einem ernsten
Fiasko enden kann“. (Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946,
S. 690.)
Mit
außerordentlicher Klarheit zeigte Genosse Stalin der Partei und dem
Sowjetvolke, wie kompliziert und gefahrdrohend sich zu jenem Zeitpunkte
die internationale Lage gestaltet hatte, und legte die Prinzipien der
sowjetischen Außenpolitik dar. Er sagte: „Die Aufgaben der Partei auf
dem Gebiet der Außenpolitik bestehen in folgendem: 1. auch in Zukunft
eine Politik des Friedens und der Festigung sachlicher Beziehungen mit
allen Ländern zu betreiben;
2.
Vorsicht zu beobachten und den Kriegsprovokateuren, die es gewohnt sind,
sich von anderen die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen, nicht die
Möglichkeit zu geben, unser Land in Konflikte hineinzuziehen;
3.
die Kampfkraft unserer Roten Armee und unserer Roten Kriegsmarine mit
allen Mitteln zu stärken;
4.
die internationalen Freundschaftsbeziehungen mit den Werktätigen aller
Länder, die am Frieden und an der Freundschaft zwischen den Völkern
interessiert sind, zu festigen.“ (Ebenda, S. 692.)
Genosse
Stalin kennzeichnete die Errungenschaften und Erfolge des Sozialismus,
das Wachstum der sozialistischen Wirtschaft, die Hebung des materiellen
und kulturellen Niveaus des Volkes, die weitere Festigung der
Sowjetordnung und stellte der Partei und dem ganzen Sowjetvolke eine
neue große historische Aufgabe: im Laufe der nächsten zehn bis fünfzehn
Jahre die wichtigsten kapitalistischen Länder ökonomisch, d. h.
hinsichtlich der erzeugten Menge von Industrieprodukten, pro Kopf der
Bevölkerung gerechnet, einzuholen und zu überholen.
„Wir
haben“, sagte Genosse Stalin, „die wichtigsten kapitalistischen Länder
in der Produktionstechnik und im Entwicklungstempo der Industrie überholt.
Das ist sehr gut. Das genügt aber nicht. Man muss sie auch in ökonomischer
Hinsicht überholen. Wir können das tun, und wir müssen das tun. Nur
dann, wenn wir die wichtigsten kapitalistischen Länder ökonomisch überholt
haben, können wir darauf rechnen, dass unser Land mit Bedarfsgegenständen
vollauf gesättigt sein wird, dass wir einen Überfluss an Produkten
haben und die Möglichkeit erhalten werden, den Übergang von der ersten
Phase des Kommunismus zu seiner zweiten Phase zu vollziehen.“ (J.
Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 697.)
Als
eine der zentralen Aufgaben der Partei entwickelte Genosse Stalin in
seinem Bericht ein ganzes wissenschaftlich begründetes
bolschewistisches Arbeitsprogramm zur Heranbildung, Erziehung, Auslese,
Beförderung und Kontrolle der Kader.
Genosse
Stalin umriss den Weg, den die Partei in der Periode zwischen dem XVII.
und dem XVIII. Parteitag zurückgelegt hatte, und sagte: „Das
Hauptergebnis besteht darin, dass die Arbeiterklasse unseres Landes
durch die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und
die Verankerung des sozialistischen Systems die Richtigkeit ihrer Sache
der ganzen Welt bewiesen hat. Darin liegt das Hauptergebnis, da es den
Glauben an die Kraft der Arbeiterklasse und an die Unvermeidlichkeit
ihres endgültigen Sieges festigt.“ (Ebenda, S. 732.)
Stalins
Bericht auf dem XVIII. Parteitag der KPdSU(B) ist ein programmatisches
Dokument des Kommunismus, ein weiterer Schritt vorwärts in der
Entwicklung der marxistischleninistischen Theorie. Stalin hat die
Leninsche Theorie der sozialistischen Revolution weiterentwickelt. Er
konkretisierte die Theorie von der Möglichkeit der Errichtung des
Sozialismus in einem Lande und gelangte zur Schlussfolgerung, dass die
Errichtung des Kommunismus in unserem Lande auch dann möglich ist, wenn
die kapitalistische Umkreisung bestehen bleibt. Diese Schlussfolgerung
des Genossen Stalin bereichert den Leninismus, rüstet die
Arbeiterklasse mit einer neuen ideologischen Waffe aus, eröffnet der
Partei die gewaltige Perspektive des Kampfes für den Sieg des
Kommunismus, bringt die marxistisch-leninistische Theorie voran.
Lenin
schrieb sein berühmtes Werk „Staat und Revolution“ im August 1917,
d. h. wenige Monate vor der Oktoberrevolution und der Errichtung des
Sowjetstaates. Lenin verteidigte in diesem Buch Marx’ und Engels’
Lehre vom Staat gegen die Entstellung und Verflachung durch die
Opportunisten. Lenin beabsichtigte, einen zweiten Teil von „Staat und
Revolution“< zu schreiben, in dem er die Hauptlehren aus den
Erfahrungen der russischen Revolutionen von 1905 und 1917 ziehen wollte.
Doch hinderte ihn der Tod an der Erfüllung dieser Aufgabe. Aber was
Lenin auf dem Gebiete der Staatstheorie nicht mehr zu vollbringen
vermochte, das vollbrachte Stalin!
Gestützt
auf die gigantische Erfahrung des mehr als zwanzigjährigen Bestehens
des sozialistischen Sowjetstaates unter den Bedingungen der
kapitalistischen Umwelt, schuf Genosse Stalin eine einheitliche und
geschlossene Lehre vom sozialistischen Staat. Stalin gab eine umfassende
Analyse der Entwicklungsetappen des sozialistischen Staates, der Veränderungen
in seinen Funktionen im Zusammenhang mit den Veränderungen in den Verhältnissen,
verallgemeinerte die gesamte Erfahrung des Aufbaus des Sowjetstaates und
kam zu der Schlussfolgerung, dass der Staat unter dem Kommunismus in dem
Falle erhalten bleiben muss, wenn die kapitalistische Umwelt
fortbestehen wird. Stalin unterstrich mit aller Schärfe die ungeheure
Wichtigkeit und Bedeutung der Parteipropaganda und der
marxistisch-leninistischen Erziehung der Funktionäre des
Parteiapparats, der Funktionäre der Komsomolorganisationen, der
Gewerkschaften, der Handels-, Genossenschafts-, Wirtschafts-, Sowjet-,
Bildungs-, Militär- und sonstigen Organisationen. Er sagte: „Wenn die
marxistisch-leninistische Erziehung unserer Kader zu verkümmern
beginnt, wenn unsere Arbeit zur Hebung des politischen und theoretischen
Niveaus dieser Kader nachlässt und die Kader selber im Zusammenhang
damit aufhören, sich für die Perspektive unseres Vormarsches zu
interessieren, wenn sie aufhören zu begreifen, dass unsere Sache die
einzig gerechte Sache ist, und sich in engstirnige Praktiker ohne
Perspektive verwandeln, die die Weisungen von oben blind und mechanisch
befolgen, dann muss unsere gesamte Staats- und Parteiarbeit unbedingt
verkümmern. Es muss als Axiom gelten: je höher das politische Niveau
und je bewusster die marxistisch-leninistische Einstellung der Funktionäre
des betreffenden Zweiges der Staats- und Parteiarbeit, um so höher
steht die Arbeit, um so fruchtbringender ist sie, um so wirksamer ihre
Resultate, und umgekehrt: je niedriger das politische Niveau und je
weniger bewusst die marxistisch-leninistische Einstellung der Funktionäre,
um so wahrscheinlicher sind Versagen und Fehlschläge in der Arbeit,
umso wahrscheinlicher ist es, dass die Funktionäre selber verflachen
und zu kleinlichen Wichtigtuern werden, um so wahrscheinlicher ist es,
dass sie entarten. Man kann mit Gewissheit sagen: wenn wir es verstünden,
unsere Kader in allen Zweigen der Arbeit ideologisch zu rüsten und sie
in solchem Maße politisch zu stählen, dass sie sich in der inneren und
internationalen Situation frei orientieren können, wenn wir es verstünden,
sie zu völlig reifen Marxisten-Leninisten zu machen, fähig, die Frage
der Leitung des Landes ohne ernsthafte Fehler zu unterscheiden, so würden
wir allen Grund haben, neun Zehntel aller unserer Fragen als bereits gelöst
zu betrachten. Und diese Aufgabe können wir unbedingt lösen, denn wir
haben alle Mittel und Möglichkeiten, die notwendig sind, um sie zu lösen.“
(J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Moskau 1946, S. 718/19.)
Stalin
sagte ferner: „Es gibt aber einen Zweig der Wissenschaft, dessen
Beherrschung für die Bolschewiki aller Zweige der Wissenschaft
obligatorisch sein muss. Das ist die marxistischleninistische
Wissenschaft von der Gesellschaft, von den Entwicklungsgesetzen der
Gesellschaft, von den Entwicklungsgesetzen der proletarischen
Revolution, von den Entwicklungsgesetzen des sozialistischen Aufbaus,
vom Siege des Kommunismus. Denn man kann doch einen Menschen, der sich
Leninist nennt, sich aber in seinem Spezialfach, zum Beispiel
Mathematik, Botanik oder Chemie, abkapselt und über sein Spezialfach
hinaus nichts weiter sieht, nicht für einen wirklichen Leninisten
halten. Ein Leninist soll nicht bloß Spezialist auf dem von ihm
bevorzugten wissenschaftlichen Gebiete sein, er muss zugleich auch ein
politisch und gesellschaftlich aktiver Mensch sein, der sich für das
Schicksal seines Landes lebhaft interessiert, der in den
Entwicklungsgesetzen der Gesellschaft bewandert ist, der es versteht,
von diesen Gesetzen Gebrauch zu machen, und bestrebt ist, aktiver
Teilnehmer an der politischen Leitung des Landes zu sein. Das bedeutet
natürlich für die Spezialisten unter den Bolschewiki eine zusätzliche
Arbeit. Doch ist das eine Arbeit, die hundertfach Früchte trägt.
Die
Aufgabe der Parteipropaganda, die Aufgabe der marxistisch-leninistischen
Erziehung der Kader besteht darin, unseren Kadern in allen
Arbeitszweigen behilflich zu sein, sich die marxistisch-leninistische
Wissenschaft von den Entwicklungsgesetzen der Gesellschaft
anzueignen.“ (Ebenda S. 719/20.)
Der
Bericht des Genossen Stalin auf dem XVIII. Parteitag der KPdSU(B) ist
das Programm der Vollendung der Errichtung der klassenlosen
sozialistischen Gesellschaft und des allmählichen Überganges vom
Sozialismus zum Kommunismus. Der Parteitag der Bolschewiki billigte einmütig
den Rechenschaftsbericht des Führers der Partei und bestätigte diesen
Bericht als Direktive, als Gesetz für die gesamte Tätigkeit der
Partei.
Der
Bericht des Genossen Stalin auf dem XVIII. Parteitag der KPdSU(B) ist
ein glänzendes Beispiel der marxistisch-leninistischen
wissenschaftlichen Voraussicht auf dem Gebiet der internationalen
Beziehungen. Die weisen Stalinschen Richtlinien über die Aufgaben
unserer Außenpolitik, die Stalinsche Kunst der Führung sicherten der
Außenpolitik der Sowjetunion gewaltige Siege, erhöhten noch mehr die
Bedeutung der Sowjetunion als eines bedeutsamen internationalen
Machtfaktors, der die internationale Lage zu beeinflussen und sie im
Interesse der Werktätigen zu verändern vermag. Von den Weisungen des
Genossen Stalin geleitet, durchkreuzte die Sowjetregierung die heimtückischen
Pläne der Kriegsbrandstifter, die es lieben, sich von anderen die
Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen, und sicherte den Völkern der
Sowjetunion die friedliche Arbeit. Durch den Abschluss der
Beistandspakte mit den baltischen Staaten hat die Sowjetunion die
Verteidigungspositionen des Landes des Sozialismus unermesslich verstärkt
und ihre internationale Stellung gefestigt.
Die
Sowjetregierung war bestrebt, einer weiteren Entfesselung des Krieges
vorzubeugen, und kämpfte für die Verwirklichung einer Politik der
kollektiven Sicherheit. Aber diese Politik fand keine Unterstützung bei
den regierenden Kreisen Englands und Frankreichs. Die Münchner
Nichteinmischungspolitik ist den nichtaggressiven Ländern teuer zu
stehen gekommen. Schon im März 1939 bemächtigte sich Hitlerdeutschland
der Tschechoslowakei bei Vorschubleistung durch die englisch-französische
Diplomatie. Bald darauf begann der Angriff der deutschen Aggressoren auf
die Länder Osteuropas. Auch das imperialistische Japan, Deutschlands
Verbündeter im Fernen Osten, wurde aktiver. Im Mai 1939 unternahm Japan
mehrere provokatorische Ausfälle an der Grenze der Mongolischen
Volksrepublik, doch im Raume von Halchyn Gol wurden die
japanisch-mandschurischen Truppen von den Verbänden der Roten Armee
aufs Haupt geschlagen. Die englisch-französische Diplomatie trieb
damals der UdSSR gegenüber eine unehrliche Politik. Sie verzögerte auf
jegliche Weise die Verhandlungen mit der Sowjetunion über die
Organisierung der kollektiven Abwehr gegen einen etwaigen Aggressor,
indem sie der Sowjetunion offenkundig unannehmbare Bedingungen für den
Abschluss eines Abkommens vorschlug.
Da
die Regierung der UdSSR sah, dass die Regierungen Englands und
Frankreichs mit der Sowjetunion im Kampfe um den Frieden nicht
zusammenzuarbeiten wünschten, musste sie Schritte unternehmen, um für
die Sicherheit unseres Landes zu sorgen.
Im
August 1939 schloss die Sowjetregierung den Nichtangriffspakt mit
Deutschland. Dieser Vertrag berührte, wie Genosse Stalin später
vermerkte, weder direkt noch indirekt die territoriale Integrität, die
Unabhängigkeit und die Ehre unseres Staates. Aber er sicherte dem
Sowjetlande für den nächsten Zeitabschnitt den Frieden und bot ihm die
Möglichkeit, seine Kräfte zur Abwehr vorzubereiten für den Fall, dass
die Sowjetunion angegriffen werden sollte. Auf Grund der Weisungen
Stalins, dass es notwendig ist, das Land für den Fall eines bewaffneten
Überfalls in Mobilisierungsbereitschaft zu halten, hatte die
bolschewistische Partei lange Zeit hindurch konsequent und unentwegt die
Sowjetunion in jeder Hinsicht zur aktiven Verteidigung vorbereitet. Dank
der in den Stalinschen Planjahrfünften verwirklichten Sowjetpolitik der
Industrialisierung des Landes und der Kollektivierung der
Landwirtschaft, war die machtvolle ökonomische Basis geschaffen worden,
die zur aktiven Verteidigung unseres Staates ausgenutzt werden konnte.
Diese Politik der Partei ermöglichte es, in unserem Lande in genügender
Menge Metall für die Erzeugung von Waffen, Ausrüstungsgegenständen
und Betriebseinrichtungen zu gewinnen, ebenso Brennstoff für die
Aufrechterhaltung der Arbeit der Betriebe und des Verkehrswesens,
Baumwolle für die Einkleidung und Getreide für die Versorgung der
Armee. Dank der Politik der Industrialisierung des Landes und der
Kollektivierung der Landwirtschaft wurden in der Sowjetunion im Jahre
1940 erzeugt: 15 Millionen Tonnen Roheisen, d. i. fast viermal soviel
wie im zaristischen Rußland im Jahre 1913; 18,3 Millionen Tonnen Stahl,
d. i. viereinhalbmal soviel wie im Jahre 1913; 166 Millionen Tonnen
Kohle, d. i. fünfeinhalbmal soviel wie im Jahre 1913; 31 Millionen
Tonnen Erdöl, d. i. dreieinhalbmal soviel wie im Jahre 1913; 38,3
Millionen Tonnen Marktgetreide, d. i. um 17 Millionen Tonnen mehr als
1913; 2,7 Millionen Tonnen Rohbaumwolle, d. i. dreieinhalbmal soviel wie
1913.
„Ein
derartiges beispielloses Anwachsen der Produktion“, sagte Genosse
Stalin, „kann man nicht als eine einfache und gewöhnliche Entwicklung
des Landes von der Rückständigkeit zum Fortschritt betrachten. Das war
ein Sprung, durch den unser Heimatland aus einem rückständigen Lande
zu einem fortschrittlichen, aus einem Agrarland zu einem Industrieland
wurde.“ (J. Stalin, Rede in der Wählerversammlung des
Stalin-Wahlbezirks der Stadt Moskau am 9. Februar 1946, S. 15.)
Im
Herbst 1939 wurden auf Initiative des Genossen Stalin unsere
blutsverwandten Brüder, die Völker der Westukraine und des westlichen
Bjelorußlands, vom Joche der polnischen Gutsbesitzer befreit. Diese Völker
gliederten sich ein in die einheitliche brüderliche Familie der freien
Völker der UdSSR. Später wurden auch die baltischen Sowjetrepubliken
Litauen, Lettland und Estland wieder in die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken eingereiht.
Am
20. Dezember 1939 wurde J. W. Stalin durch Erlass des Präsidiums des
Obersten Sowjets der UdSSR, anlässlich seines 6o. Geburtstages und in Würdigung
seiner außerordentlichen Verdienste um die Organisierung der
bolschewistischen Partei, die Schaffung des Sowjetstaates, den Aufbau
der sozialistischen Gesellschaft in der UdSSR und die Festigung der
Freundschaft zwischen den Völkern der Sowjetunion, der Titel eines
Helden der sozialistischen Arbeit verliehen.
Am
22. Dezember 1939 wurde Genosse Stalin zum Ehrenmitglied der Akademie
der Wissenschaften der UdSSR gewählt. Vom 15. bis zum 20. Februar 1941
tagte die XVIII. Unionskonferenz der KPdSU(B). Die Konferenz behandelte
die Aufgaben der Parteiorganisation auf dem Gebiete der Industrie und
des Verkehrswesens, die Wirtschaftsergebnisse des Jahres 1940, den
Entwicklungsplan der Volkswirtschaft der UdSSR für das Jahr 1941 sowie
auch organisatorische Fragen.
Den
Weisungen des Genossen Stalin folgend, verlief die Konferenz im Zeichen
der weiteren Verstärkung der Verteidigungsmacht des Sowjetlandes. Auf
Initiative des Genossen Stalin beauftragten das Zentralkomitee der KPdSU
(B) und die Sowjetregierung auf Grund der Beschlüsse des XVIII.
Parteitages der KPdSU(B) die Staatliche Plankommission, mit der
Ausarbeitung des Generalwirtschaftsplans der UdSSR für 15 Jahre zu
beginnen. Dieser Plan trug der Aufgabe Rechnung, die wichtigsten
kapitalistischen Länder in ökonomischer Hinsicht zu überflügeln, d.
h. in Bezug auf die Produktion von Roheisen, Stahl, Brennstoff,
elektrischer Energie, Maschinen und anderen Produktionsmitteln und
Bedarfsartikeln pro Kopf der Bevölkerung.
Am
6. Mai 1941 wurde J. W. Stalin durch Erlass des Präsidiums des Obersten
Sowjets der UdSSR zum Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der
UdSSR ernannt.
Unter
Führung des großen Stalin schritt das Sowjetvolk vorwärts zu neuen
Siegen, vorwärts zum Kommunismus. Doch im Juni 1941 hat der Krieg
infolge des deutschen Überfalls auf die UdSSR die friedliche schöpferische
Arbeit des Sowjetvolkes jäh unterbrochen.
XI
AM
22. Juni 1941 hat das imperialistische Hitlerdeutschland den
Nichtangriffspakt brutal verletzt und wortbrüchig einen überraschenden
Überfall auf die Sowjetunion unternommen. Der Krieg bildete einen
Wendepunkt in der Entwicklung des Sowjetlandes. Die Periode des
friedlichen Aufbaus war zu Ende. Es begann die Periode des Vaterländischen
Befreiungskrieges des Sowjetvolkes gegen die deutschen Eindringlinge.
Zwecks rascher Mobilisierung aller Kräfte der Völker der UdSSR zur
Abwehr des Feindes wurde auf Beschluss des Präsidiums des Obersten
Sowjets der UdSSR, des Zentralkomitees der KPdSU(B) und des Rates der
Volkskommissare der UdSSR am 30. Juni 1941 das Staatliche
Verteidigungskomitee gebildet, in dessen Hand sich die ganze Machtfülle
des Staates konzentrierte. Zum Vorsitzenden des Staatlichen
Verteidigungskomitees wurde Josef Wissarionowitsch Stalin ernannt.
Der
Führer und Lehrer der Werktätigen, Genosse Stalin, trat an die Spitze
der Streitkräfte der UdSSR, übernahm die Führung des Kampfes des
Sowjetvolkes gegen den schlimmsten und tückischen Feind, den deutschen
Faschismus.
Hitlerdeutschland
begann seinen räuberischen Eroberungskrieg gegen die UdSSR unter
Bedingungen, die für Deutschland günstig waren. Die Hitlerarmee war
bereits völlig mobilisiert und hatte während der Kämpfe in Westeuropa
Kriegserfahrungen gesammelt. 170 deutsche Divisionen, mit tausenden
Panzern und Flugzeugen ausgerüstet, waren an den Grenzen der UdSSR
aufmarschiert und wurden überraschend gegen die Sowjetunion geworfen.
Die Streitkräfte der friedliebenden Sowjetunion waren in der ersten
Zeit des Krieges in einer ungünstigen Lage. Unter dem Druck der zahlenmäßig
überlegenen Kräfte und technischen Kampfmittel des Feindes, dem die
Vorteile des überraschenden Überfalls zugute kamen, war die
Sowjetarmee gezwungen, sich unter Kämpfen in das Landesinnere zurückzuziehen.
In
den ersten zehn Kriegstagen gelang es den Hitlertruppen, Litauen, einen
bedeutenden Teil Lettlands, den westlichen Teil Bjelorußlands und einen
Teil der Westukraine zu besetzen. Die Sowjetunion schwebte in ernster
Gefahr.
Am
3. Juli 1941 hielt Genosse Stalin eine Rundfunkansprache an das
Sowjetvolk, an die Kämpfer der Roten Armee und der Kriegsmarine. In
dieser historischen Rede gab Genosse Stalin eine tiefgründige Analyse
der vor sich gehenden Ereignisse und bestimmte die Aufgaben der Armee
und des Volkes bei der Verteidigung des sozialistischen Vaterlandes.
Genosse Stalin berichtete die raue Wahrheit über die entstandene
Kriegslage und rief die Sowjetbevölkerung auf, die ganze Größe der
dem Heimatlande drohenden Gefahr zu begreifen und die Stimmungen des
friedlichen Aufbaus aufzugeben. Genosse Stalin wies darauf hin, dass die
Sowjetmenschen im Kampf keine Milde, Sorglosigkeit und Furcht an den Tag
legen dürfen, dass für Miesmacher, Panikmacher und Deserteure kein
Platz sein darf. Genosse Stalin zeigte auf, für welches Kriegsziel
Hitlerdeutschland diesen Krieg gegen die Sowjetunion entfesselt hat:
„Der Feind ist grausam endunerbittlich. Er setzt sich das Ziel,
unseren Boden, der mit unserem Schweiß getränkt ist, zu okkupieren,
unser Getreide, unser Erdöl, die Früchte unserer Arbeit, an sich zu
reißen. Er setzt sich das Ziel, die Macht der Gutsbesitzer
wiederaufzurichten, den Zarismus wiederherzustellen, die nationale
Kultur und die nationale Eigenstaatlichkeit der Russen, Ukrainer,
Bjelorussen, Litauer, Letten, Esten, Usbeken, Tataren, Moldauer,
Georgier, Armenier, Aserbaidshaner und der anderen freien Völker der
Sowjetunion zu vernichten, sie zu germanisieren, sie zu Sklaven der
deutschen Fürsten und Barone zu machen. Es geht also um Leben oder Tod
des Sowjetstaates, um Leben oder Tod der Völker der Sowjetunion; es
geht darum, ob die Völker der Sowjetunion frei sein oder in Versklavung
geraten sollen.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 9/10.)
Bei
Festlegung der Kriegsziele der Sowjetunion im Kampfe gegen das
faschistische Deutschland wies Genosse Stalin darauf hin, dass dieser
Krieg der große Krieg des ganzen Sowjetvolkes gegen die faschistischen
deutschen Truppen ist. Ziel dieses Vaterländischen Volkskrieges ist
nicht nur die Beseitigung der über unser Land heraufgezogenen Gefahr,
sondern auch die Hilfeleistung an alle Völker Europas, die unter dem
Joch des deutschen Faschismus stöhnen.
Genosse
Stalin sagte prophetisch voraus, dass das Sowjetvolk in diesem
Befreiungskrieg nicht allein stehen wird. „Unser Krieg für die
Freiheit unseres Vaterlandes wird verschmelzen mit dem Kampf der Völker
Europas und Amerikas für ihre Unabhängigkeit, für die demokratischen
Freiheiten. Das wird die Einheitsfront der Völker sein, die für die
Freiheit, gegen die Versklavung und gegen die drohende Versklavung durch
die faschistischen Armeen Hitlers eintreten.“ (Ebenda S. 13.)
Diese
Vorhersage des Genossen Stalin bestätigte sich vollauf. Am 12. Juli
1941 schloss England mit der UdSSR das „Abkommen über ein gemeinsames
Vorgehen im Kampfe gegen Deutschland“. Später (Juni 1942)
unterzeichneten die Vereinigten Staaten Amerikas und die UdSSR das
„Abkommen über die Grundlagen der gegenseitigen Hilfe in der Kriegführung
gegen die Aggression“. Es bildete sich die
englisch-sowjetisch-amerikanische Koalition, die sich die Zerschlagung
der italienisch-deutschen Koalition zum Ziele setzte.
Genosse
Stalin rief das Sowjetvolk auf, die ganze Arbeit auf den Krieg
umzustellen und alles den Interessen der Front unterzuordnen, der
Aufgabe, die darin bestand, die Zerschmetterung des Feindes zu
organisieren. Die Rote Armee und Flotte und alle Sowjetbürger müssen
jeden Fußbreit Sowjetbodens verteidigen, müssen bis zum letzten
Blutstropfen um jede Stadt und jedes Dorf kämpfen. Genosse Stalin wies
darauf hin, dass es notwendig ist, die allseitige Unterstützung der
Roten Armee zu organisieren, ihr Hinterland zu festigen, die Armee mit
Waffen, Munition und Verpflegung zu versorgen.
Genosse
Stalin gab die Anweisung, dass bei einem erzwungenen Rückzug von
Truppenteilen der Roten Armee keine einzige Lokomotive, kein einziger
Eisenbahnwagen, kein Kilogramm Getreide, kein Liter Treibstoff dem
Feinde überlassen werde. Genosse Stalin rief auf zur Organisierung von
Partisanenabteilungen und zur Verschmelzung des Partisanenkrieges im Rücken
des Feindes mit den Kampfhandlungen der Roten Armee. „Alle Kräfte des
Volkes für die Zerschmetterung des Feindes! Vorwärts zum Sieg!“
sagte Genosse Stalin.
Auf
den Ruf der Partei erhoben sich alle Völker der Sowjetunion zur
Verteidigung des Heimatlandes.
Rasch
und energisch wurde die ganze Volkswirtschaft, die Arbeit aller Partei-,
Staats- und gesellschaftlichen Organisationen auf den Krieg, auf die
Versorgung der Front umgestellt. Die Front und das Hinterland
verwandelten sich in ein einheitliches, unteilbares Kampflager. Mehr als
je zuvor sammelte und vereinigte sich das Sowjetvolk um die
bolschewistische Partei und Regierung.
In
kurzer Frist wurde die ganze Industrie auf die Produktion für die Bedürfnisse
der Verteidigung umgestellt. Tausende Industrieunternehmen wurden aus
den vom Feinde bedrohten Gebieten ins Hinterland evakuiert und setzten
dort ihre Arbeit fort. In den Ostgebieten des Landes ging erfolgreich
der Bau neuer Industriebetriebe für die Landesverteidigung vor sich.
Neue Verstärkungen strömten in die Reihen der Roten Armee. In den Städten
und Landesteilen in unmittelbarer Nähe der Frontzone wurde die
Volkswehr organisiert. Auf den Sowjetterritorien, die zeitweilig vom
Feinde besetzt waren, begann gleich in den ersten Kriegstagen die Tätigkeit
der heldenmütigen Sowjetpartisanen, der Rächer des Volkes.
Am
19. Juli 1941 ernannte das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR J.
W. Stalin zum Volkskommissar für Verteidigung der Union der SSR.
Genosse Stalin leistete eine gewaltige Arbeit zur Festigung der Streitkräfte
der Sowjetunion. Unter Führung des Genossen Stalin realisierte die
Sowjetarmee die Taktik der aktiven Verteidigung mit dem Ziele, den
Gegner zu zermürben, sein Menschen-material und seine technischen
Kampfmittel in möglichst großem Maße zu vernichten und die
Bedingungen für den Übergang zur Offensive vorzubereiten.
Das
Hitlersche Oberkommando, das auf eine blitzschnelle Zerschmetterung der
UdSSR und auf eine rasche Eroberung Moskaus und Leningrads rechnete,
warf seine Reserven an die sowjetisch-deutsche Front ohne Rücksicht auf
die schweren Verluste der deutschen Armee an Menschen und Material. Um
den Preis ungeheurer Verluste gelang es den Deutschen im Oktober, in das
Moskauer Gebiet einzubrechen.
Es
entstand die gefährlichste Situation der ganzen Kampagne von 1941. Eine
tödliche Gefahr schwebte über Moskau. Am 19. Oktober 1941 wurde durch
einen vom Vorsitzenden des Staatlichen Verteidigungskomitees Genossen
Stalin unterzeichneten Beschluss in Moskau der Belagerungszustand erklärt.
Genosse Stalin entwarf den Plan der Verteidigung der Hauptstadt und der
Zerschmetterung der deutschen Truppen vor Moskau und verwirklichte
diesen Plan in glänzender Weise. Obgleich sich der Feind im Vorgelände
von Moskau befand, wurde am 6. November 1941 aus Anlass des 24.
Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution die
traditionelle Festsitzung des Moskauer Sowjets der Deputierten der Werktätigen
gemeinsam mit den Partei- und gesellschaftlichen Organisationen der
Stadt Moskau abgehalten. Den Bericht erstattete Genosse Stalin.
In
seinem Bericht zog Genosse Stalin das Fazit der vier Kriegsmonate. Mit
rauer Offenheit sagte der Führer der Armee und des Volkes, dass die
ernste Gefahr, die über das Land heraufgezogen war, nicht geringer,
sondern noch größer geworden ist. Doch gleichzeitig sah Genosse Stalin
mit äußerstem Weitblick voraus, dass die Zerschmetterung der deutschen
Imperialisten und ihrer Armeen unausbleiblich ist.
Der
Plan der faschistischen deutschen Landräuber, die die Sowjetunion in
anderthalb bis zwei Monaten durch „Blitzkrieg“ zu „erledigen“
gedacht hatten, war endgültig gescheitert. Die faschistischen deutschen
Strategen hatten damit gerechnet, dass sie eine allgemeine
antisowjetische Koalition zustande bringen und die UdSSR isolieren würden,
dass die Sowjetordnung und das sowjetische Hinterland nicht fest und
dass die Rote Armee und die Rote Flotte schwach seien - all diese
Berechnungen haben sich als falsch erwiesen.
Genosse
Stalin deckte die Ursachen für die zeitweiligen Misserfolge der Roten
Armee auf und zeigte, dass eine dieser Ursachen in dem Fehlen einer
zweiten Front in Europa zu suchen war. Eine andere Ursache lag darin,
dass es der Roten Armee an Panzern und teilweise an Flugzeugen mangelte,
wobei jedoch die sowjetischen Panzer und Flugzeuge den deutschen
qualitativ überlegen waren.
Genosse
Stalin stellte die Aufgabe, die zahlenmäßige Überlegenheit der
Deutschen an Panzern und Flugzeugen zu beseitigen und dadurch die Lage
unserer Armee von Grund aus zu verbessern.
Diese
Weisung Stalins war von größter Bedeutung für den Ausgang des
Krieges. In Durchführung dieser Weisung steigerte die Sowjetindustrie
von Monat zu Monat die Erzeugung von Flugzeugen, Panzern und
entsprechenden Abwehrmitteln, so dass im Verlaufe des Krieges die
zahlenmäßige Überlegenheit des Feindes an technischen Kampfmitteln
liquidiert wurde. Genosse Stalin riss den Hitlerfaschisten die Maske des
„Nationalsozialismus“ vom Gesicht und enthüllte sie er den Augen
der ganzen Welt als die Partei der räuberischsten Imperialisten, der
Feinde der demokratischen Freiheiten, als eine Partei mittelalterlicher
Reaktion und finsterster Pogrome, als eine Partei von Mördern, die
jedes menschliche Antlitz verloren haben und auf das Niveau wilder Tiere
gesunken sind.
„Und
diese Leute“, sagte Genosse Stalin, „die weder Gewissen noch Ehre
besitzen, Leute mit einer Moral von Bestien, haben die Stirn, zur
Vernichtung der großen russischen Nation aufzurufen, der Nation
Plechanows und Lenins, Belinskis und Tschernyschewskis, Puschkins und
Tolstois, Glinkas und Tschaikowskis, Gorkis und Tschechows, Setschenows
und Pawlows, Repins und Surikows, Suworows und Kutusows!...“ (J.
Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“,
3. Ausg., Moskau 1946, S. 31.)
Genosse
Stalin rief das ganze Sowjetvolk auf, die Hilfe an die Armee und Flotte
weiter zu verstärken und mit größter Selbstaufopferung für die Front
zu arbeiten. Er stellte die Aufgabe, die faschistischen deutschen Landräuber
zu vernichten. „Die deutschen Landräuber wollen den Vernichtungskrieg
gegen die Völker der Sowjetunion. Nun wohl, wenn die Deutschen einen
Vernichtungskrieg wollen, so werden sie ihn bekommen“ (Ebenda.), sagte
Genosse Stalin.
Die
Worte des Genossen Stalin: „Unsere Sache ist gerecht - der Sieg wird
unser sein!“ (J.Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg
der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 38.) waren der Ausdruck
des Denkens und Strebens aller Sowjetmenschen und ihrer tiefsten Überzeugung,
dass die Zerschmetterung des Feindes unausbleiblich ist. Am 7. November
1941 fand auf dem Roten Platz in Moskau die Truppenparade der Roten
Armee statt. Von der Tribüne des Lenin-Mausoleums sprach Genosse Stalin
über die große Befreiungsmission der Roten Armee und richtete sich an
die sowjetischen Krieger, Partisanen und Partisaninnen mit den Worten:
„Möge euch in diesem Krieg das heldenmütige Vorbild unserer großen
Vorfahren beseelen - Alexander Newskis, Dimitri Donskois, Kusma Minins,
Dimitri Posharskis, Alexander Suworows, Michael Kutusows! Möge euch das
siegreiche Banner des großen Lenin Kraft verleihen!“ (Ebenda)
Die
Rote Armee beantwortete diese Aufforderungen ihres Feldherrn mit noch größerer
Standhaftigkeit und Ausdauer und versetzte dem Feind noch stärkere Schläge.
Genosse Stalin leitete persönlich die Verteidigung von Moskau. Er
lenkte unmittelbar die Operationen der Roten Armee, beseelte die Kämpfer
und Kommandeure, überwachte den Bau der Verteidigungsanlagen auf den
Anmarschwegen zur Hauptstadt des Sowjetlandes. Auf Befehl des Genossen
Stalin ließen im Dezember mehrere bei Moskau zusammengezogene
sowjetische Armeen ihre Schläge überraschend auf die deutschen Truppen
niedersausen. Nach hartnäckigen Kämpfen konnten die Deutschen diesem
Ansturm nicht standhalten und begannen sich in Unordnung zurückzuziehen.
Die sowjetischen Truppen trieben die zerschlagenen deutschen Verbände
weiter vor sich her und rückten im Laufe des Winters stellenweise um
mehr als 400 km nach Westen vor. Hitlers Plan, Moskau zu umzingeln und
zu besetzen, war gescheitert. Die Zerschlagung der faschistischen
deutschen Truppen vor Moskau war das entscheidende militärische
Ereignis des ersten Kriegsjahres und die erste große Niederlage der
Deutschen im zweiten Weltkriege. Diese Niederlage zerstörte für immer
die von den Hitlerleuten ausgesprengte Legende von der Unbesiegbarkeit
des deutschen Heeres.
Die
Zerschlagung der Deutschen vor Moskau zeigte die Überlegenheit des von
Genossen Stalin ausgearbeiteten strategischen Plans der
Angriffsoperationen über die deutsche Strategie. Im Befehl Nr. 55 vom
23. Februar 1942 bezeichnete J. W. Stalin als das wichtigste Ergebnis
der verstrichenen acht Kriegsmonate, dass die Deutschen den militärischen
Vorsprung verloren haben, den sie sich durch den wortbrüchigen überraschenden
Überfall auf die UdSSR gesichert hatten.
„Die
Momente der Überraschung und des Unerwarteten als Reserven der
faschistischen deutschen Truppen sind vollständig verausgabt. Dadurch
ist jene Ungleichheit in den Kampfbedingungen beseitigt, die durch die
Überraschung des faschistischen deutschen Überfalls geschaffen worden
war. Nunmehr wird das Schicksal des Krieges nicht durch solch ein zufälliges
Moment wie das Moment der Überraschung entschieden werden, sondern
durch die ständig wirkenden Faktoren: die Festigkeit des Hinterlandes,
die Moral der Armee, die Quantität und Qualität der Divisionen, die
Bewaffnung der Armee, die organisatorischen Fähigkeiten des
Kommandobestands der Armee.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 46.)
Die
Stalinsche These von der Bedeutung der ständig wirkenden Kriegsfaktoren
als der entscheidenden Faktoren war eine schöpferische
Weiterentwicklung der marxistisch65 leninistischen Lehre vom Kriege, die
besagt, dass der Kriegsverlauf und der Kriegsausgang unmittelbar und
organisch zusammenhängen mit dem Grad und dem Charakter der ökonomischen
und politischen Entwicklung des Staates, seiner Ideologie und dem Grad
der Ausbildung und Reife seiner Kader. Die Stalinsche These von der
Rolle der ständig wirkenden Kriegsfaktoren ist von ungemein großer
theoretischer und praktischer Bedeutung. Die Berücksichtigung und
richtige Ausnutzung dieser Faktoren bietet die Möglichkeit, bei der
militärischen und organisatorischen Tätigkeit die Hauptaufmerksamkeit
auf die Lösung der Grundprobleme zu konzentrieren, von denen der
Ausgang des Krieges abhängt. Genosse Stalin legt besonderes Gewicht
darauf, dass die Kommandeure und Kämpfer sich die Kriegskunst aneignen.
Im Befehl zum 1. Mai 1942 hob Genosse Stalin hervor, dass die Rote Armee
über alles verfügt, was sie braucht, um den Feind zu schlagen und ihn
aus dem Sowjetlande zu vertreiben. „Es fehlt nur an einem - an der
Kunst, die erstklassigen technischen Kampfmittel, die unsere Heimat ihr
zur Verfügung stellt, restlos gegen den Feind auszunutzen. Darum
besteht die Aufgabe der Roten Armee, ihrer Kämpfer, ihrer
Maschinengewehrschützen, ihrer Artilleristen, ihrer Granatwerferschützen,
ihrer Panzermänner, ihrer Flieger und Kavalleristen darin, das
Kriegshandwerk zu erlernen, beharrlich zu lernen, ihre Waffen bis zur
Vollkommenheit zu beherrschen, zu Meistern ihrer Sache zu werden und
somit zu lernen, den Feind unfehlbar zu schlagen. Nur so kann man die
Kunst erlernen, den Feind zu besiegen.“ (J. Stalin, „Über den Großen
Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S.
62.)
Auch
im ganzen weiteren Verlauf des Krieges wies Genosse Stalin stets darauf
hin, dass es notwendig ist, die Kampfschulung zu vervollkommnen, die
Kenntnis der technischen Kampfmittel und ihrer Anwendung zu erhöhen und
sich die Kunst der Truppenführung anzueignen, die Kunst, den Feind nach
allen Regeln der modernen Kriegswissenschaft zu besiegen. Diesen
Weisungen folgend, arbeitete die Rote Armee beharrlich und mit Ausdauer
an der Meisterung des Kriegswesens und erlernte die Kunst, den Feind
unfehlbar zu schlagen. Im Sommer 1942 warfen die Deutschen, da es keine
zweite Front in Europa gab, ihre gesamten Reserven, einschließlich der
Truppen ihrer Verbündeten, an die sowjetisch-deutsche Front und zogen
eine große Anzahl von Truppen auf dem südwestlichen Frontabschnitt
zusammen.
Genosse
Stalin durchschaute rechtzeitig den Plan des deutschen Oberkommandos,
das den Anschein zu erwecken suchte, als sei der Vorstoß zur Besetzung
der Erdölgebiete von Grosny und Baku das Hauptziel und nicht bloß ein
Nebenziel der deutschen Sommeroffensive. Wie Genosse Stalin aufzeigte,
bestand das Hauptziel in Wirklichkeit darin, Moskau von Osten zu
umgehen, es vom Hinterland, dem Wolgagebiet und dem Ural, abzuschneiden
und dann einen Schlag gegen Moskau zu führen, um den Krieg im Jahre
1942 zu beenden. Auf Befehl des Obersten Befehlshabers Genossen Stalin
verlegten die Sowjettruppen dem Feinde den Weg nach Norden in den Rücken
Moskaus. Mitte Juli 1942 begannen die Deutschen den Vormarsch auf
Stalingrad. Sie rechneten darauf, Stalingrad zu überrennen, die
Sowjetfront zu zerreißen und, die Wolga entlang nach Norden vorrückend,
Moskau zu umgehen. Genosse Stalin befahl, Stalingrad um jeden Preis zu
halten. Am 5. Oktober 1942 richtete Genosse Stalin an den
Oberkommandierenden der Stalingrader Front einen Befehl, in dem es hieß:
„Ich fordere, dass Sie alle Maßnahmen zur Verteidigung Stalingrads
treffen. Stalingrad darf dem Feinde nicht überlassen werden.“
(„Prawda“ Nr. 28 vom 2. Februar 1944.)
Es
begann der Kampf um Stalingrad, die gewaltigste Schlacht der
Kriegsgeschichte. Die Rote Armee verteidigte heldenmütig diese berühmte,
nach Stalin benannte Stadt an der Wolga. Die Kampftraditionen des
heroischen Ringens von Zarizyn im Jahre 1918 erstanden in der Schlacht
um Stalingrad aufs Neue. Während die Kämpfe noch in vollem Gange
waren, wandten sich die Kämpfer, Kommandeure und politischen Funktionäre
der Stalingrader Front mit einem Schreiben an Genossen Stalin. Jedes
Wort war ein Schwur. „Vor unseren Kampfbannern, vor dem ganzen
Sowjetlande schwören wir, dass wir den Ruhm der russischen Waffen nicht
beflecken, dass wir uns bis zur letzten Möglichkeit schlagen werden.
Unter Ihrer Führung haben unsere Väter in der Schlacht von Zarizyn
gesiegt, und unter Ihrer Führung werden auch wir jetzt in der großen
Schlacht bei Stalingrad siegen!“ („Prawda“ Nr. 310 vom 6. November
1942.)
In
jenen Tagen, als der Feind bis Stalingrad und an die Ausläufer des
Kaukasus durchgebrochen war, beging das Sowjetland den 25. Jahrestag der
Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Auf der Festsitzung des
Moskauer Sowjets vom 6. November 1942 erstattete Stalin einen Bericht.
Genosse
Stalin schilderte ausführlich die im abgelaufenen Jahre geleistete Tätigkeit
der Staats- und Parteiorgane auf dem Gebiet des friedlichen Aufbaus und
der Organisierung eines festen Hinterlandes für die Front, sowie auf
dem Gebiet der Durchführung der Verteidigungsund Angriffsoperationen
der Roten Armee.
Zur
Charakteristik der Organisationsarbeit im Hinterlande wies Genosse
Stalin darauf hin, dass während des Krieges die äußerst schwierige
und komplizierte organisatorische Arbeit vollbracht wurde, die
erforderlich war, um den Schwerpunkt der Rüstungs- und Zivilindustrie
in die Ostgebiete des Landes zu verlegen und die Arbeit der die Front
versorgenden Betriebe umzustellen und von Grund aus zu verbessern.
„Man muss anerkennen“, sagte Genosse Stalin, „dass unser Land noch
nie ein so festes und so gut organisiertes Hinterland gehabt hat.“ (J.
Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“,
3. Ausg., Moskau 1946, S. 68.)
Dass
es den Deutschen gelungen war, im Sommer 1942 ernste taktische Erfolge
zu erzielen, war, wie Genosse Stalin hervorhob, dadurch zu erklären,
dass die Deutschen infolge des Fehlens einer zweiten Front in Europa die
Möglichkeit hatten, im südwestlichen Abschnitt ein großes Kräfteübergewicht
zu schaffen.
Das
Problem der zweiten Front in Europa vom historischen Gesichtspunkt
betrachtend, führte Genosse Stalin folgende charakteristische Zahlen
an: im ersten Weltkrieg konnte Deutschland, das damals einen
Zweifrontenkrieg führte, nur 127 deutsche und verbündete Divisionen an
der russischen Front aufstellen. Im jetzigen Krieg warf Deutschland, da
es nur an einer Front kämpft, bis zu 240 Divisionen an die
sowjetisch-deutsche Front, d. i. fast doppelt soviel als im ersten
Weltkrieg.
Nur
dank dem Heroismus der Sowjetarmee und der Partisanen, dank der
aufopferungsvollen Arbeit der Sowjetpatrioten im Hinterland und dank der
richtigen Führung durch den Obersten Befehlshaber, den Leiter der
Partei und des Sowjetstaates, Genossen Stalin, konnten die ungeheuren
Schwierigkeiten überwunden werden, die mit der Abwehr des Einbruches
der Hitlerhorden verbunden waren. Voller Stolz auf das Sowjetland, das
Sowjetvolk und dessen Armee erklärte Genosse Stalin:
„Ich
denke, kein anderes Land und keine andere Armee hätten einem derartigen
Ansturm der vertierten Banden der faschistischen deutschen Räuber und
ihrer Bundesgenossen standhalten können. Nur unser Sowjetland und nur
unsere Rote Armee sind befähigt, einem solchen Ansturm standzuhalten.
Und nicht nur ihm standzuhalten, sondern ihn auch zu überwinden.“ (J.
Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“,
3. Ausg., Moskau 1946, S. 76.)
Genosse
Stalin stellte der Roten Armee die Aufgabe, den Feind nicht weiter vorrücken
zu lassen, sich beharrlich und hartnäckig zum Schlag gegen den Feind
vorzubereiten. Die Rote Armee und das ganze Sowjetvolk haben die Rede
ihres Lehrers und Feldherrn mit größter Begeisterung aufgenommen. Die
Millionen der Arbeiter und Kolchosbauern erhöhten noch mehr die
Erzeugung von Kriegsmaterial und Nahrungsmitteln für die Armee. Nach
dem Beispiel der Kolchosbauern und -bäuerinnen des Tambower Gebiets
entfaltete sich im ganzen Lande eine Bewegung zur Sammlung von
freiwilligen Spenden für den Fonds der Roten Armee.
Mit
unbedingter Siegeszuversicht erfüllte die Herzen der Sowjetbevölkerung
der Befehl des Volkskommissars für Verteidigung, J. W. Stalins, vom 7.
November 1942: „Der Feind hat schon einmal die Wucht der Schläge der
Roten Armee bei Rostow, Moskau und Tichwin zu spüren bekommen. Nicht
fern ist der Tag, da der Feind die Wucht neuer Schläge der Roten Armee
kennen lernen wird. Dann werden auch unsere Straßen wieder im
Festschmuck prangen!“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S.90.)
Die
Zerschmetterung der Deutschen bei Stalingrad war eine glänzende Bestätigung
dieser Worte des Genossen Stalin. Der weise Feldherr, mit dessen Namen
auf den Lippen die Sowjetkämpfer sich ins Gefecht stürzten, hatte den
Gang der Ereignisse vorausgesehen und den Verlauf der gigantischen
Schlacht seinem stählernen Willen untergeordnet. Auf Befehl Stalins
gingen die Sowjettruppen am 19. November 1942 im Raume des Vorgeländes
von Stalingrad zum Angriff über. Die deutschen Truppen wurden in den
Flanken und nachher im Rücken gefasst. Auf Grund des unter Leitung des
Genossen Stalin ausgearbeiteten und durchgeführten strategischen Plans
der Flankenstöße errang die Rote Armee einen neuen glänzenden Sieg.
In kurzer Frist umzingelten die Sowjettruppen im Raume von Stalingrad
die 300000 Mann starke Armee der Deutschen, von der ein Teil vernichtet,
der Rest gefangen genommen wurde.
Das
war der bedeutendste Sieg in der Geschichte der großen Kriege. Die
Schlacht um Stalingrad stellte den Gipfel der Kriegskunst dar. Sie bot
ein neues Beispiel der vollendeten, vorbildlichen sowjetischen
Kriegswissenschaft. Der hier errungene historische Sieg ist ein glänzender
Triumph der Stalinschen Strategie und Taktik, ein Triumph des genialen
Plans und der weisen Voraussicht des großen Feldherrn, der
scharfblickend die Absichten des Gegners erkannte und die Schwächen der
abenteuerlichen Strategie des Feindes ausnutzte.
Genosse
Stalin gab folgende Einschätzung: „Bei Stalingrad ging der Stern der
faschistischen deutschen Armee unter. Nach der blutigen Schlacht von
Stalingrad konnten sich die Deutschen bekanntlich nicht mehr erholen.“
(Ebenda S. 127.)
Nachdem
die Sowjetarmee in den Tagen der Schlacht von Stalingrad die Initiative
an sich gerissen hatte, setzte sie die Offensivoperationen fort. Es
begann die Massenvertreibung des Feindes aus dem Sowjetlande. Die
Erfolge der Sowjettruppen und den Heldenmut der Sowjetbürger bewertend,
schrieb Genosse Stalin im Befehl vom 23. Februar 1943: „Unser Volk
wird für immer das Andenken an die heldenhafte Verteidigung Sewastopols
und Odessas bewahren, an die hartnäckigen Kämpfe bei Moskau und im
Vorgebirge des Kaukasus, im Raum von Rshew und bei Leningrad, an die
Schlacht unter den Mauern Stalingrads, die gewaltigste Schlacht der
Kriegsgeschichte. In diesen gewaltigen Schlachten haben unsere heldenmütigen
Kämpfer, Kommandeure und politischen Funktionäre die Kampfbanner der
Roten Armee mit unvergänglichem Ruhm bedeckt und ein festes Fundament für
den Sieg über die faschistischen deutschen Heere gelegt.“ (J. Stalin,
„Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3.
Ausg., Moskau 1946, S. 99.)
Gleichzeitig
warnte der Oberste Befehlshaber die Kämpfer und Kommandeure der
Sowjetarmee vor schädlicher Überheblichkeit wegen der Erfolge. Genosse
Stalin rief dazu auf, stets der Weisungen des großen Lenin eingedenk zu
sein: „Erstens darf man sich von einem Sieg nicht hinreißen lassen
und nicht überheblich werden, zweitens muss man den Sieg verankern, und
drittens gilt es, den Gegner endgültig zu schlagen.“ (Ebenda S. 105.)
Das Ergebnis des Winterfeldzugs 1942/43 war, dass die Sowjettruppen
nicht bloß die taktischen Erfolge zunichte machten, die der Feind im
Sommer 1942 erzielt hatte, sondern darüber hinaus mit der Befreiung
jener Gebiete begannen, die den Deutschen gleich zu Kriegsbeginn in die
Hände gefallen waren. Der Sowjetstaat zollte den hervorragenden
Verdiensten des Genossen Stalin, des Obersten Befehlshabers der Streitkräfte
der UdSSR, hohe Anerkennung. Am 6. März 1943 verlieh ihm das Präsidium
des Obersten Sowjets den militärischen Rang eines Marschalls der
Sowjetunion.
Trotz
der Niederlagen und der ungeheuren Verluste unternahmen die Deutschen im
Sommer 1943 eine neue Offensive. Genosse Stalin durchschaute rechtzeitig
den Plan des Feindes, der durch einen Vorstoß aus zwei Richtungen, aus
dem Raum von Orel und von Belgorod aus die im Bogen des Kursker
Frontvorsprungs konzentrierten sowjetischen Truppen zu umzingeln und zu
vernichten und nachher den Vormarsch auf Moskau durchzuführen
beabsichtigte. Am 2. Juli warnte Genosse Stalin das Oberkommando der
Sowjettruppen im Raume Orel- Kursk vor der Möglichkeit einer deutschen
Offensive zwischen dem 3. und 6. Juli. Als dann die
deutsch-faschistischen Truppen am 5. Juli mit großen Streitkräften im
Raume von Orel- Kursk, sowie in der Richtung Belgorod zum Angriff übergingen,
stießen sie auf den hartnäckigen Widerstand der Sowjettruppen. Der
deutsche Offensivplan brach zusammen, die sowjetische Abwehr erwies sich
als überlegen.
Das
Ergebnis der berühmten Schlacht von Kursk war, dass die Sowjettruppen
erst die faschistischen Elitedivisionen zermürbten und ihnen blutige
Verluste beibrachten, die feindliche Front durchbrachen und dann selbst
zur Offensive übergingen. Am 24. Juli erließ der Oberste Befehlshaber,
Marschall der Sowjetunion J. W. Stalin, aus Anlass der Beendigung der
Operationen zur Liquidierung der deutschen Julioffensive einen Befehl.
In diesem Befehl wurde festgestellt, dass der deutsche Plan einer
Sommeroffensive völlig gescheitert war, und „eben dadurch ist die
Legende zerstört, dass die Deutschen im Sommer bei Offensiven stets
Erfolg haben, während die Sowjettruppen angeblich gezwungen seien, sich
zurückzuziehen“. („Prawda“ Nr. 185 vom 25. Juli 1943.)
Die
Offensive der Sowjetarmee wurde erfolgreich fortgesetzt. Am 5. August
1943 nahmen die Sowjettruppen die Städte Orel und Belgorod. Der Oberste
Befehlshaber, Marschall der Sowjetunion J. W. Stalin, kennzeichnete
diesen neuen hervorragenden Sieg der Sowjettruppen in einem besonderen
Befehl. In Moskau, der Hauptstadt unseres Heimatlandes, wurde zu Ehren
der tapferen Truppen, die Orel und Belgorod befreit hatten, ein
Artilleriesalut abgefeuert. Von diesem Zeitpunkt an wurden die Salutschüsse
in Moskau zur Tradition der Kriegszeit.
Die
Zerschlagung der Deutschen bei Kursk war für den weiteren Verlauf des
Krieges von entscheidender Bedeutung. „War die Schlacht bei Stalingrad
ein Vorbote des Untergangs der faschistischen deutschen Armee, so führte
die Schlacht bei Kursk sie vor die Katastrophe.“ (J.Stalin, „Über
den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion, 3. Ausg., Moskau
1946, S.128.)
Mit
der Schlacht bei Kursk und der Liquidierung des deutschen
Aufmarschplatzes bei Orel begann die neue machtvolle Offensive der
Sowjetarmee. Bis November 1943 befreiten unsere Truppen etwa zwei
Drittel des vom Feinde zeitweilig eroberten Sowjetterritoriums. Für die
richtige Leitung der Operationen der Roten Armee im Vaterländischen
Krieg gegen die deutschen Eindringlinge und die dabei erzielten Erfolge
verlieh das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR am 6. November
1943 dem Genossen Stalin den Suworow- Orden erster Klasse.
Bei
der Offensive von 1943 leisteten die Partisanen den Sowjettruppen große
Hilfe. Die Aufforderung des Genossen Stalin: „die Flamme der
Partisanen-Volksbewegung im Rücken des Feindes zu entfachen, seine rückwärtigen
Einrichtungen und Dienste zu zerstören und die faschistischen deutschen
Schurken auszurotten“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 90.); hatte eine
machtvolle Partisanenbewegung ins Leben gerufen. Die Partisanen führten
im Rücken der Deutschen aktive Operationen durch, zerstörten ihre
Nachschublinien und vernichteten faschistische Soldaten und Offiziere.
Stalin leitete die Partisanenbewegung. Er veranstaltete in Moskau
Beratungen der Kommandeure der Partisanenverbände.
Ein
großartiges Bild der vom Sowjetvolke und seiner Armee errungenen
historischen Siege entwarf Genosse Stalin in seinem Bericht auf der
Festsitzung des Moskauer Sowjets vom 6. November 1943. Genosse Stalin
sagte, das Jahr 1943 „ist das Jahr des Umschwungs im Vaterländischen
Krieg“. (Ebenda S. 124.)
„Die
Ergebnisse und die Folgen der Siege der Roten Armee gingen weit über
den Rahmen der sowjetisch-deutschen Front hinaus. Sie veränderten den
ganzen weiteren Verlauf des Weltkrieges und erlangten große
internationale Bedeutung.“ (Ebenda S. 137.) Durch die Siege der
Sowjettruppen wurde die internationale Lage der UdSSR noch mehr
gefestigt. Das Jahr 1943 war ein Jahr des Umschwungs nicht nur im Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion, sondern auch im ganzen Weltkrieg. Die Offensive
der Roten Armee von 1943 wurde unterstützt durch die Kampfhandlungen
der alliierten Truppen in Nordafrika und in Italien und auch durch die
Bombardierung der Zentren der deutschen Kriegsindustrie seitens der
Luftstreitkräfte der Alliierten. Der Hauptverbündete Deutschlands, das
faschistische Italien, erlebte bald seinen militärischen und
politischen Zusammenbruch und musste im September 1943 bedingungslos
kapitulieren. Das war ein ernster Schlag gegen die Hitlerkoalition.
Infolge
der weisen Stalinschen Außenpolitik scheiterten die Versuche des
Feindes, die zur Zerschlagung Hitlerdeutschlands verbündeten Großmächte
zu entzweien. Auf der im November 1943 abgehaltenen Konferenz der Leiter
der drei verbündeten Mächte in Teheran, wo Genosse Stalin sich mit dem
Präsidenten der USA und dem Premierminister Großbritanniens traf,
wurde eine Deklaration angenommen über die gemeinsamen Operationen im
Kriege gegen Deutschland und die Zusammenarbeit der drei Mächte nach
dem Kriege. 1943 war auch in der Arbeit des Sowjethinterlandes ein Jahr
des Umschwunges. Durch die Anstrengungen des Sowjetvolkes geschaffen und
reibungslos in Gang gehalten, wuchs die Kriegswirtschaft und sicherte
die quantitative und qualitative Überlegenheit der technischen
Kampfmittel der Sowjetarmee über die deutschen. Auf unmittelbare
Weisungen des Genossen Stalin arbeiteten die sowjetischen Konstrukteure
mit Erfolg an der Vervollkommnung der Waffen und der Schaffung neuer
Bewaffnungstypen. Während der Kriegsjahre hat das Sowjetland gekämpft
und gebaut. Keinen Tag ruhte die Arbeit am Bau neuer Industriebetriebe,
Bergwerke, Hochöfen und Elektrizitätswerke. Neue Hüttenwerke wurden
in Tscheljabinsk und in Usbekistan in Betrieb gesetzt, neue Hochöfen in
Tagil, Magnitogorsk usw. In Stalinsk wurde ein neues Aluminiumwerk in
Betrieb genommen, neue Elektrizitätswerke in Tscheljabinsk, Stalinsk
und vielen anderen Orten eröffnet. Genosse Stalin beseelte die
Betriebsbelegschaften zu noch höheren Leistungen im Aufbau und in der
Meisterung der neuen Industriebetriebe. Im Dezember 1943 beglückwünschte
Genosse Stalin die Bau- und Hüttenarbeiter des Industriekombinats von
Magnitogorsk, die unter den schwierigen Verhältnissen der Kriegszeit
einen der größten Hochöfen in beispiellos kurzer Zeit erbaut hatten.
Zur selben Zeit zollte Genosse Stalin den Erfolgen der Arbeiter des
Jenakijewer Hüttenbetriebs seine Anerkennung. In seinem Glückwunsch an
die Jenakijewer wies Genosse Stalin darauf hin, dass ihre Arbeit den
Beweis erbrachte, dass „die schwierige Aufgabe der Wiederherstellung
der Industrie und der Behebung der Folgen der deutschen
Barbarenwirtschaft in kurzer Frist gelöst werden kann“. („Prawda“
Nr. 321 vom 31. Dezember 1943.) Besondere Aufmerksamkeit widmete Genosse
Stalin der Wiederherstellung der Volkswirtschaft in den durch die
Sowjetarmee befreiten Gebieten. Auf Vorschlag des Genossen Stalin
fassten der Rat der Volkskommissare der UdSSR und das Zentralkomitee der
Kommunistischen Partei der Sowjetunion den Beschluss „über die
sofortigen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Wirtschaft in den aus
deutscher Okkupation befreiten Gebieten“. Das Sowjetvolk unterstützte
heldenmütig die Operationen seiner Streitkräfte. Die aufopferungsvolle
Arbeit der Sowjetbevölkerung im Hinterland, die Verdienste der
Arbeiterklasse, der Kollektivbauernschaft und der Sowjetintellektuellen
während der Kriegsjahre bezeichnete Genosse Stalin als eine
beispiellose Ruhmestat zur Verteidigung des Heimatlandes.
Im
Verlaufe des Vaterländischen Krieges festigte sich die Völkerfreundschaft
in der Sowjetunion immer mehr. Alle Völker des Sowjetlandes erhoben
sich einmütig zur Verteidigung ihrer Heimat.
Zu
Beginn des Jahres 1944 fasste der Oberste Sowjet der UdSSR auf Vorschlag
des Genossen Stalin die Beschlüsse über die Umwandlung des
Volkskommissariats für Verteidigung und des Volkskommissariats für
auswärtige Angelegenheiten aus Unions-Volkskommissariaten in Unions-
und Republik-Volkskommissariate, und über die Schaffung von
Volkskommissariaten für Verteidigung und für auswärtige
Angelegenheiten in den einzelnen Unionsrepubliken.
Die
Annahme dieser Beschlüsse bedeutete einen weiteren Schritt bei der Lösung
der nationalen Frage in der Sowjetunion, eine Weiterentwicklung der
Lenin-Stalinschen Nationalitätenpolitik, die den erfolgreichen Ausbau
der nationalen Staatlichkeit aller Völker der Sowjetunion gewährleistet.
Das
Jahr 1944 war ein Jahr entscheidender Siege der Sowjetarmee. Gemäß dem
genialen strategischen Plan des Genossen Stalin versetzte die
Sowjetarmee den deutschen Truppen nacheinander zehn mächtige Schläge.
Eine eingehende Schilderung dieser Operationen gab Genosse Stalin in
seinem Bericht zum 27. Jahrestage der Großen Sozialistischen
Oktoberrevolution. Durch diese Schläge wurden die von den
faschistischen deutschen Eindringlingen zeitweilig okkupierten Gebiete
der Sowjetunion völlig befreit und der Feind aus dem Bereich des
Sowjetlandes vertrieben. Die Kampfhandlungen der Sowjetarmee wurden auf
das Gebiet Deutschlands und seiner Komplizen verlegt.
Am
20. Juni 1944 überreichte der Vorsitzende des Exekutivkomitees des
Moskauer Stadtsowjets der Werktätigendeputierten im Namen des Präsidiums
des Obersten Sowjets der Union der SSR im Kreml dem Vorsitzenden des
Staatlichen Verteidigungskomitees und Obersten Befehlshaber, Marschall
der Sowjetunion J. W. Stalin, die ihm als erstem verliehene Medaille
„Für die Verteidigung Moskaus“ für die Leitung der heldenhaften
Verteidigung Moskaus und die Organisierung der Zerschlagung der
deutschen Truppen vor Moskau. In Anerkennung der außerordentlichen
Verdienste des Genossen Stalin um die Organisierung und Durchführung
der Angriffsoperationen der Roten Armee, die mit einer fürchterlichen
Niederlage der deutschen Truppen endeten und eine grundlegende Veränderung
der Lage an der Kampffront gegen die faschistischen deutschen
Eindringlinge zugunsten der Roten Armee zur Folge hatten, zeichnete das
Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR durch Beschluss vom 29. Juli
1944 Josef Wissarionowitsch Stalin mit dem „Sieges-Orden“ aus. Die
erfolgreiche Durchführung des strategischen Plans Stalins für 1944
zeitigte bedeutende militärische und politische Ergebnisse. Unter den
Schlägen der Sowjettruppen streckten die früheren Verbündeten
Hitlerdeutschlands - Rumänien, Finnland und Bulgarien - die Waffen und
sind selbst in den Krieg gegen Deutschland eingetreten. Ungarn stand
unmittelbar vor der Kapitulation. Auf diese Weise war die Isolierung
Deutschlands in der Hauptsache vollzogen. In der so entstandenen militärischen
Situation war es klar, dass die Sowjetunion auch ohne Hilfe der Verbündeten,
mit eigenen Kräften imstande ist, ganz Deutschland zu besetzen und auch
Frankreich zu befreien. Der englische Premierminister Churchill, der
sich bis dahin einer Eröffnung der zweiten Front in Europa widersetzte,
sah sich unter diesen Umständen veranlasst, die Invasion nach
Westeuropa durchzuführen.Im Juni 1944 vollzogen die Alliierten die
erfolgreiche Ausschiffung starker Landungstruppen in Nordfrankreich. Wie
Genosse Stalin es vorausgesehen hatte, war Hitlerdeutschland von zwei
Fronten aus in die Zange genommen.
In
seinem Bericht zum 27. Jahrestag der Großen Sozialistischen
Oktoberrevolution am 6. November 1944 drückte Genosse Stalin seine
Zuversicht aus, dass die Rote Armee, die ihre patriotische Pflicht der
Befreiung des Vaterlandes von den Feinden erfüllt hat, ihre historische
Mission bis zuletzt vollenden, die faschistische Bestie in ihrer eigenen
Höhle zur Strecke bringen und über Berlin die Siegesfahne hissen wird.
Die
Stalinsche Wertung des vom Sowjetland und der Sowjetarmee zurückgelegten
Weges und die Stalinsche Zielweisung „Nach Berlin!“ wurden vom
Sowjetvolk an der Front und im Hinterland mit größter Begeisterung
aufgenommen.
Es
begann der entscheidende Vormarsch der Sowjettruppen in die Höhle der
faschistischen Bestie. In raschem Tempo befreite die Sowjetarmee die
polnische Hauptstadt Warschau vom Joch der Deutschen und drang tief in
Ostpreußen ein. Auf der ganzen Front entfaltete sich die Offensive der
Sowjettruppen.
Anfang
Februar 1945 tagte in der Krim die Konferenz der Regierungshäupter der
drei alliierten Mächte: der UdSSR, der USA und Großbritanniens. Auf
der Konferenz wurden militärische und politische Beschlüsse von größter
Wichtigkeit gefasst. Sie betrafen die Zerschmetterung Deutschlands und
seine Nachkriegslage sowie auch die wichtigsten politischen und ökonomischen
Probleme des befreiten Europas. Es wurden Abmachungen getroffen und
detaillierte Pläne ausgearbeitet über die Fristen, den Umfang und die
Koordinierung neuer machtvoller Schläge der alliierten Armeen gegen
Deutschland aus dem Osten, Westen, Norden und Süden. Auf der
Krimkonferenz wurde auch die Vorentscheidung über den Eintritt der
UdSSR in den Krieg gegen Japan getroffen.
Im
Zeichen der hervorragenden historischen Siege beging das Sowjetland den
27. Jahrestag der Roten Armee. In den 40 Tagen der Offensive im Januar
und Februar 1945 hatten die Sowjettruppen durch ihre wuchtigen und
kunstvollen Operationen den Feind weit nach dem Westen zurückgeworfen,
ganz Polen und einen beträchtlichen Teil der Tschechoslowakei befreit,
einen großen Teil Ostpreußens und Deutsch-Schlesiens erobert. Unter
dem Druck der Sowjettruppen war Ungarn, der letzte Verbündete
Deutschlands in Europa, aus dem Krieg ausgeschieden.
Die
Erfolge der Winteroffensive der Roten Armee wurden vom Genossen Stalin
in seinem Befehl vom 23. Februar 1945 vermerkt. „Der volle Sieg über
die Deutschen ist nun schon nahe“, schrieb Genosse Stalin. (J. Stalin,
„Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3.Ausg.,
Moskau 1946, S. 203.)
Genosse
Stalin wies darauf hin, dass die Rote Armee gelernt hat, den Feind nach
allen Regeln der modernen Kriegswissenschaft zu schlagen und zu
vernichten. „Die Generale und Offiziere der Roten Armee kombinieren
meisterhaft massierte Schläge des machtvollen Kriegsgeräts mit
kunstvollen und wuchtigen Manövern.“ (Ebenda) In weiterer Erfüllung
des strategischen Plans Stalins eroberte die Rote Armee die wichtigsten
Stützpunkte der faschistischen deutschen Truppen im Süden, zerschlug
nach Eroberung der österreichischen Hauptstadt Wien die in Ostpreußen
abgeschnittene Armeegruppe der Deutschen, eroberte das für Deutschland
lebenswichtige schlesische Industriegebiet und drang in das Vorgelände
von Berlin vor. Auf diese Weise waren die Vorbedingungen geschaffen für
den letzten entschiedenen Sturm gegen Hitlerdeutschland.
Der
Kampfruf des Genossen Stalin „Über Berlin die Fahne des Sieges zu
hissen“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der
Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 191.) beseelte die Völker der
Sowjetunion zu neuen Heldentaten in der Arbeit und auf den
Schlachtfeldern. Unmittelbar vor dem Sturm auf Berlin unterzeichnete J.
W. Stalin im Auftrag der Regierung der UdSSR den Vertrag zwischen der
Sowjetunion und der polnischen Republik über Freundschaft,
gegenseitigen Beistand und Zusammenarbeit nach dem Krieg. In seiner Rede
bei der Unterzeichnung dieses Vertrages am 21. April 1945 sagte Genosse
Stalin:
„...
dass die freiheitsliebenden Nationen und vor allem die slawischen
Nationen mit Ungeduld auf den Abschluss dieses Vertrages warten, denn
sie sehen wohl: dieser Vertrag bedeutet die Festigung der Einheitsfront
der Vereinten Nationen gegen den gemeinsamen Feind in Europa.“ (Ebenda
S. 207/08.)
Am
2. Mai 1945 verkündete der Rundfunk in die ganze Welt den Befehl des
Obersten Befehlshabers an die Truppen der Roten Armee und Kriegsmarine,
in dem es hieß, dass die Sowjettruppen „die Zerschmetterung der
Berliner deutschen Armeegruppe vollendet haben und heute, am 2. Mai, die
deutsche Hauptstadt Berlin, dieses Zentrum des deutschen Imperialismus
und den Brandherd der deutschen Aggression besetzt haben“.
(„Prawda“ Nr. 106 vom 3. Mai 1945. 229) Die Rote Armee hatte den
Kampfruf Stalins zur Wirklichkeit gemacht: über Berlin wehte die
Siegesfahne. Das Schicksal Hitlerdeutschlands war besiegelt. Am 8. Mai
1945 unterschrieben Vertreter - des deutschen Oberkommandos in Berlin
die Urkunde über die bedingungslose Kapitulation der deutschen
Wehrmacht. Zum Gedenken der siegreichen Beendigung des Großen Vaterländischen
Krieges des Sowjetvolkes, der die volle Zerschmetterung
Hitlerdeutschlands brachte, wurde der 9. Mai zum allgemeinen
Volksfeiertag, zum Tag der Siegesfeier, erklärt. An diesem historischen
Tag wandte sich Stalin durch den Rundfunk mit einer Ansprache an das
Volk. „Genossen! Mitbürger und Mitbürgerinnen!
Der
große Tag des Sieges über Deutschland ist gekommen. Von der Roten
Armee und den Truppen unserer Verbündeten auf die Knie gezwungen, hat
sich das faschistische Deutschland für besiegt erklärt und
bedingungslos kapituliert...
...Jetzt
haben wir vollen Grund zu erklären, dass der historische Tag der endgültigen
Niederwerfung Deutschlands, der Tag des großen Sieges unseres Volkes über
den deutschen Imperialismus gekommen ist...
Ich
beglückwünsche euch zum Siege, meine lieben Mitbürger und Mitbürgerinnen!“
(J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg der
Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 217-19.)
Das
Sowjetvolk feierte seinen Sieg. Alle Gedanken, alle Gefühle der
Sowjetmenschen waren dem großen Stalin zugewandt, ihm, der unser Land
durch die Schwierigkeiten und Prüfungen des Krieges hindurchgeführt,
der unser Land vor dem Untergang gerettet, dessen Genie den Weg zum
Siege gezeigt, dessen Willen das Land zum Sieg geführt. Als ein großes
Verdienst des Genossen Stalin vor der Heimat muss die Tatsache gewertet
werden, dass er es verstanden hat, im Verlauf des Vaterländischen
Krieges neue führende militärische Kader heranzuziehen, sie zu lehren
und auf verantwortliche Posten zu stellen. Auf den Schultern dieser
Kader ruhte die ganze Last des Krieges gegen Deutschland und seine Verbündeten.
Solche Kader waren: Bulganin, Wassilewski, Konew, Goworow, Shukow,
Watutin, Tschernjachowski, Antonow, Sokolowski, Merezkow, Rokossowski,
Malinowski, Woronow, Tolbuchin, Jakowlew, Malinin, Galizki, Trofimenko,
Gorbatow, Stemenko, Kurassow, Werschinin, Golowanow, Fedorenko, Rybalko,
Bogdanow, Katukow, Leluschenko und viele andere.
Am
24. Mai veranstaltete die Regierung der UdSSR im Kreml einen Empfang zu
Ehren der Befehlshaber der Truppen der Roten Armee, der Heerführer
Stalinscher Schule. Auf dem Empfang feierte Stalin in einer Rede die
Verdienste des Sowjetvolkes im Vaterländischen Krieg und vor allem die
Verdienste des russischen Volkes, als der hervorragendsten Nation unter
allen zur Sowjetunion gehörenden Nationen. Das russische Volk, sagte
Genosse Stalin, hat sich in diesem Kriege die allgemeine Anerkennung als
die führende Kraft der Sowjetunion unter den Völkern unseres Landes
verdient. Genosse Stalin erhob seinen Pokal auf das Wohl und zu Ehren
des russischen Volkes nicht nur, weil es das führende Volk ist, sondern
auch weil es einen klaren Verstand, einen standhaften Charakter besitzt
und keine Übereilung, sondern vernünftige Geduld an den Tag legt. Das
grenzenlose Vertrauen des russischen Volkes zur Sowjetregierung, der
Glaube an die Richtigkeit ihrer Politik und die allseitige Unterstützung
der Sowjetregierung und der bolschewistischen Partei durch das russische
Volk haben sich, wie Genosse Stalin sagte, „als der entscheidende
Faktor erwiesen, der den historischen Sieg über den Feind der
Menschheit, über den Faschismus, gesichert hat“. (J. Stalin, „über
den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau
1946, S. 223.)
Auf
Befehl des Obersten Befehlshabers, Genossen Stalin, wurde am 24. Juni
1945 auf dem Roten Platz in Moskau eine Parade von Truppen aus der
Feldarmee, der Kriegsmarine und der Moskauer Garnison abgehalten. Das
war die Siegesparade. Hierher auf den Roten Platz brachte die
Sowjetarmee die Fahnen der von ihr zerschmetterten und vernichteten
faschistischen deutschen Armeen und Divisionen. Diese Fahnen wurden vor
dem siegreichen Sowjetvolk zu Boden geworfen, vor den Sockel des
Lenin-Mausoleums, auf dessen Tribüne der große Feldherr Genosse Stalin
stand.
Dem
Willen des ganzen Sowjetvolkes Ausdruck verleihend, beschloss das Präsidium
des Obersten Sowjets der UdSSR am 26. Juni 1945 in Anerkennung der außerordentlichen
Verdienste um die Organisierung aller Streitkräfte der Sowjetunion und
der geschickten Führung dieser Kräfte im Großen Vaterländischen
Krieg, der mit dem vollen Siege über Hitlerdeutschland geendet hat, dem
Marschall der Sowjetunion J. W. Stalin den zweiten „Sieges-Orden“ zu
verleihen.
Ferner
wurde dem Marschall der Sowjetunion J. W. Stalin, der in den schweren
Tagen der Verteidigung unseres Heimatlandes und seiner Hauptstadt Moskau
mit außerordentlichem Heldenmut und Entschlossenheit an der Spitze der
Roten Armee den Kampf gegen Hitlerdeutschland geführt hat, der Titel
„Held der Sowjetunion“ verliehen und der damit verbundene
„Lenin-Orden“ und die Medaille des „Goldenen Sterns“ zuerkannt.
Am
27. Juni 1945 wurde dem Obersten Befehlshaber aller Streitkräfte der
UdSSR, J. W. Stalin, der höchste militärische Rang verliehen: Stalin
wurde zum Generalissimus der Sowjetunion ernannt.
Am
16. Juli 1945 traf J. W. Stalin in Berlin ein, wo vom 17. Juli bis zum
2. August die Dreimächtekonferenz der UdSSR, USA und Großbritanniens
vor sich ging. Die Berliner Konferenz fasste wichtige Beschlüsse, die
zur Festigung des errungenen Sieges dienen sollten, darunter die Beschlüsse
über Deutschland, über Osterreich und Polen. Nach siegreicher
Beendigung des Krieges gegen Hitlerdeutschland ging das Sowjetland
intensiv an die Arbeit zur Wiederherstellung der von den deutschen
Eindringlingen zerstörten Wirtschaft, an den Aufbau neuer Fabriken und
Werke.
Aber
das Sowjetland konnte seine Sicherheit nicht als gewährleistet
betrachten, solange der zweite Kriegsbrandherd noch bestehen blieb, nämlich
das imperialistische Japan, welches die ihm von den USA, Großbritannien
und China gestellte Forderung der bedingungslosen Kapitulation ablehnte.
Die Alliierten wandten sich an die Sowjetregierung mit dem Vorschlag,
sich dem Kriege gegen die japanische Aggression anzuschließen. Seiner
Bundespflicht getreu, nahm die Sowjetregierung diesen Vorschlag seiner
Verbündeten an und erklärte Japan den Krieg.
Das
Sowjetvolk billigte und unterstützte diesen Entschluss als den einzig
richtigen Schritt, der imstande war, die Sicherheit unseres Landes nicht
nur im Westen, sondern auch im Osten zu gewährleisten, die Beendigung
des Krieges näher zu bringen und die rascheste Wiederherstellung des
Weltfriedens zu fördern. Am Morgen des 9. August 1945 eröffneten die
Sowjettruppen, die Kriegsschiffe und Formationen der Sowjetflotte im
Stillen Ozean die Kampfoperationen gegen die japanischen Truppen im
Fernen Osten.
Die
Kwangtung-Armee der Japaner musste nach verzweifelten, aber erfolglosen
Gegenangriffen den Widerstand aufgeben; sie streckte die Waffen und
wurde von den Sowjettruppen gefangen genommen. Die Sowjetarmee befreite
die Mandschurei, Südsachalin, Nordkorea und die Kurilen von der
Herrschaft der Japaner.
Der
Eintritt der Sowjetunion in den Krieg gegen Japan, der wuchtige
Vormarsch der Sowjettruppen und die Zerschmetterung eines beträchtlichen
Teiles der japanischen Truppen zwangen Japan zur Kapitulation. Am 2.
September 1945 unterzeichneten die Staats- und Heeresvertreter Japans in
Tokio die Urkunde der bedingungslosen Kapitulation. Am Tage des Sieges
über Japan hielt Genosse Stalin eine Rundfunkansprache. Er teilte dem
Sowjetvolke die Freudenbotschaft mit: „Von nun an können wir unser
Vaterland als befreit ansehen von der Bedrohung durch eine deutsche
Invasion im Westen und eine japanische Invasion im Osten. Der lang
erwartete Friede für die Völker der ganzen Welt ist eingetreten.“
(J. Stalin, Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“,
3. Ausg., Moskau 1946, S. 232.)
Das
war der Sieg der sowjetischen Gesellschaftsordnung, das war der Sieg der
sowjetischen Staatsordnung, das war der Sieg der Sowjetstreitkräfte,
das war der Sieg der weisen Politik der Kommunistischen Partei der
Bolschewiki.
In
den Jahren des Vaterländischen Krieges erkannte das Sowjetvolk noch gründlicher
die ganze Größe seines Lenkers, Lehrers, Feldherrn und Freundes Josef
Wissarionowitsch Stalin, seine selbstlose Hingabe zum Nutzen der
Sowjetheimat, seine unermüdliche Fürsorge für das Wachsen und
Gedeihen des sozialistischen Staates.
Stalin
hat das Sowjetvolk zur Abwehr des Feindes beseelt, Stalin hat das
Sowjetvolk zum Siege geführt.
Während
Genosse Stalin die Kriegsoperationen der Sowjetstreitkräfte und auch
die ökonomische und organisatorische Arbeit im Hinterland leitete,
setzte er gleichzeitig auch in der Kriegsperiode seine weit ausgedehnte
Tätigkeit auf dem Gebiet der Theorie fort und arbeitete an der
Weiterentwicklung der marxistisch-leninistischen Wissenschaft. In den
Reden und Befehlen des Genossen Stalin, die im Buche „Über den Großen
Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“ zusammengefasst sind, werden
die sowjetische Kriegswissenschaft, die Theorie vom sozialistischen
Sowjetstaat, seinen Funktionen und seinen Kraftquellen weiterentwickelt.
Genosse Stalin verallgemeinerte die Erfahrungen der sowjetischen Staatstätigkeit
unter den Kriegsverhältnissen und wies den Weg zur weiteren Festigung
der ökonomischen und militärischen Macht des Sowjetstaates. In seinem
Bericht zum 26. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution
zeigte Genosse Stalin auf, welch große Bedeutung die bolschewistische
Partei, die sowjetische Staatsordnung, die Völkerfreundschaft in der
Sowjetunion und der Patriotismus der Sowjetvölker für den Sieg über
die faschistischen Eindringlinge hatten.
„In
den Tagen des Vaterländischen Krieges steht die Partei vor uns als der
Inspirator und Organisator des allgemeinen Volkskampfes gegen die
faschistischen Okkupanten. Durch die Organisationsarbeit der Partei
wurden alle Anstrengungen der Sowjetmenschen in eins zusammengefasst und
auf das gemeinsame Ziel gelenkt, alle unsere Kräfte und Mittel der
Zerschmetterung des Feindes dienstbar gemacht. Während des Krieges ist
die Partei noch mehr mit dem Volk verwachsen, hat sich noch fester mit
den breiten Massen der Werktätigen verbunden. Darin liegt eine
Kraftquelle unseres Staates.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 134)
Eine
Kraftquelle der Sowjetunion bildet die sozialistische Sowjetordnung.
„Die Lehren des Krieges zeugen davon, dass die Sowjetordnung sich
nicht nur in den Jahren des friedlichen Aufbaus als die beste
Organisationsform für den wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg des
Landes erwiesen hat, sondern auch als die beste Form für die
Mobilisierung aller Kräfte des Volkes zur Abwehr des Feindes in
Kriegszeiten.“ (Ebenda S. 135.) „Die von der Oktoberrevolution
hervorgebrachte sozialistische Gesellschaftsordnung hat unserem Volk und
unserer Armee eine große und unüberwindliche Kraft verliehen.“
(Ebenda S.179.)
Der
Krieg stellte alle materiellen und geistigen Kräfte des Sowjetstaates
auf eine harte Probe. Er war eine Überprüfung seiner Festigkeit und
Lebensfähigkeit. Der sozialistische Sowjetstaat hat diese Probe in
Ehren bestanden und ist aus dem Kriege noch gekräftigter, stärker und
fester hervorgegangen, wie das Genosse Stalin auch vorausgesehen hatte.
Genosse
Stalin gelangte auch zu neuen Schlussfolgerungen und Verallgemeinerungen
in Bezug auf die Bedeutung der Wirtschaftsstruktur des Sowjetstaates.
Die Erfahrungen des Krieges, sagte Genosse Stalin, haben gezeigt,
„dass die wirtschaftliche Grundlage des Sowjetstaates sich
unvergleichlich lebensfähiger gezeigt hat als die Wirtschaft der
feindlichen Staaten.“ (Ebenda) 75
Während
die Wirtschaft der Feindesstaaten im Verlaufe des Krieges in Verfall
geriet, hatte sich die Sowjetunion die Möglichkeit verschafft, nicht
nur die Front in genügender Menge mit Waffen und Munition zu versorgen,
sondern auch noch Vorräte in Reserve zu stellen. In den letzten drei
Kriegsjahren erzeugte die Panzerindustrie der Sowjetunion alljährlich
durchschnittlich mehr als 30000 Panzer, Sturmgeschütze und Panzerspähwagen;
die Flugzeugindustrie erzeugte im Jahresdurchschnitt bis zu 40000
Flugzeuge; die Artillerie- Industrie an die 120000 Geschütze aller
Kaliber, 450000 leichte und schwere Maschinengewehre, über 3000000
Infanteriegewehre und rund 2000000 Maschinenpistolen; die
Granatwerferindustrie bis zu 100000 Granatwerfer. Der Qualität nach
blieben die Sowjetwaffen keineswegs hinter den deutschen Waffen zurück,
sondern waren ihnen überlegen.
Bei
der Einschätzung der Bedeutung des Kampfes der Sowjetmenschen gegen die
faschistischen deutschen Eindringlinge zog Genosse Stalin die äußerst
wichtige Schlussfolgerung über das große historische Verdienst des
Sowjetvolkes vor der Geschichte der Menschheit: „Das Sowjetvolk hat
durch seinen aufopfernden Kampf die Zivilisation Europas vor den
faschistischen Pogromhelden gerettet.“ (J. Stalin, „Über den Großen
Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S.
183.)
Genosse
Stalin bewertete das Sowjetvolk als ein Heldenvolk, das imstande ist,
Wunder zu vollbringen und aus den schwersten Prüfungen als Sieger
hervorzugehen. Eine der Hauptkraftquellen der Sowjetunion, sagte Genosse
Stalin, bildet die Freundschaft der Völker unseres Landes, die alle
Schwierigkeiten und Prüfungen des Krieges überstanden hat, die sich im
gemeinsamen Kampf aller Sowjetmenschen gegen die faschistischen
Eindringlinge noch mehr gestählt hat. Die große und unverbrüchliche
Freundschaft der Völker unseres Landes kam zustande auf der festen
Grundlage der Lenin-Stalinschen Nationalitätenpolitik und ist das in
der Geschichte der Menschheit beispiellos dastehende Vorbild einer
gerechten Lösung der nationalen Frage.
Die
Hitlersche Ideologie des bestialischen Nationalismus und des
Rassenhasses wurde geschlagen von der sowjetischen Ideologie der
Gleichberechtigung aller Rassen und Nationen, von der Ideologie der Völkerfreundschaft.
Das Sowjetvolk hat nicht nur einen militärischen und ökonomischen Sieg
über Hitlerdeutschland davongetragen, sondern hat ihm auch eine
moralische und politische Niederlage beigebracht. Von größter
Bedeutung ist auch die von Genossen Stalin entwickelte These vom
Sowjetpatriotismus als der Quelle der Arbeitsgroßtaten des Sowjetvolkes
im Hinterlande und der Heldentaten der Sowjetsoldaten an der Front.
„Die Kraft des Sowjetpatriotismus“, sagt Genosse Stalin, „liegt
darin, dass ihm nicht rassenmäßige oder nationalistische Vorurteile
zugrunde liegen, sondern die tiefe Hingabe des Volkes an seine
Sowjetheimat und seine Treue zu ihr, die brüderliche Gemeinschaft der
Werktätigen aller Nationen unseres Landes. Im Sowjetpatriotismus paaren
sich harmonisch die nationalen Traditionen der Völker und die
gemeinsamen Lebensinteressen aller Werktätigen der Sowjetunion ... Zu
gleicher Zeit achten die Völker der Sowjetunion die Rechte und die
Unabhängigkeit der Völker außerhalb unseres Landes und haben stets
ihre Bereitschaft bewiesen, mit den Nachbarstaaten in Frieden und
Freundschaft zu leben. Darin ist die Grundlage der wachsenden und
erstarkenden Verbindungen unseres Staates mit den freiheitsliebenden Völkern
zu erblicken.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen Krieg
der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 181/82.)
Genosse
Stalin hat auch die fortgeschrittene sowjetische Kriegswissenschaft
weiterentwickelt. Genosse Stalin hat die Lehre von den ständig
wirkenden Faktoren ausgearbeitet, die für das Schicksal des Krieges
entscheidend sind, ferner die Lehre von der aktiven Verteidigung und den
Gesetzen der Gegenoffensive und der Offensive, von dem Zusammenwirken
der verschiedenen Waffengattungen und der technischen Kampfmittel unter
den Bedingungen des modernen Krieges, von der Rolle großer Panzer- und
Flugzeugmassen im modernen Krieg, die Lehre von der Artillerie, als der
mächtigsten Waffengattung. In den verschiedensten Stadien des Krieges
fand das Genie Stalins die richtigen Lösungen, die allen Besonderheiten
der entstandenen Lage Rechnung trugen. Die Stalinsche Kriegskunst trat
sowohl bei der Verteidigung als auch beim Angriff in Erscheinung. Auf
Weisung des Genossen Stalin ging die aktive Verteidigung der
Sowjettruppen Hand in Hand mit der Vorbereitung der Gegenoffensive. Die
Offensive ging Hand in Hand mit zuverlässiger Verteidigung. Genosse
Stalin zeigte hohe Meisterschaft bei der Ausarbeitung und Anwendung der
neuen Manövriertaktik, der Taktik des gleichzeitigen Durchbruchs der
gegnerischen Front an mehreren Abschnitten, die darauf berechnet ist,
den Gegner daran zu hindern, seine Reserven zu einer Stoßgruppe zu
sammeln; der Taktik zeitlich getrennter Durchbrüche der gegnerischen
Front an mehreren Abschnitten, bei der ein Durchbruch dem anderen folgt,
darauf berechnet, den Feind zu Zeit und Kraft vergeudenden
Umgruppierungen zu zwingen, der Taktik der Flankendurchbrüche, der
Umgehung, der Einkesselung und Vernichtung großer feindlicher
Heeresgruppen. Mit genialem Scharfblick durchschaute Genosse Stalin die
Pläne des Feindes und durchkreuzte sie. Die Schlachten, in denen
Genosse Stalin die Leitung der Sowjettruppen innehatte, sind
hervorragende Musterbeispiele operativer Kriegskunst. Alle
Kampfoperationen, die von der Sowjetarmee unter der Leitung des
Generalissimus Stalin durchgeführt wurden, sind durch schöpferische
Eigenart und originelle Planung gekennzeichnet.
Genosse
Stalin fand vorbildliche wissenschaftliche Lösungen für die Probleme
der internationalen Beziehungen und Außenpolitik der UdSSR zur Kriegs-
und Nachkriegszeit. Genosse Stalin entwickelte ein konkretes praktisches
Programm der Maßnahmen und der Politik zur Organisierung und
Wiederherstellung des staatlichen, ökonomischen und kulturellen Lebens
der Völker Europas nach dem Siege über das faschistische Deutschland.
Im Jahre 1942, als der Krieg noch im vollen Gange war, formulierte
Genosse Stalin die wichtigsten Prinzipien des Aktionsprogramms der
Antihitler-Koalition: Vernichtung der Rassenexklusivität;
Gleichberechtigung der Nationen und Unantastbarkeit ihrer Territorien;
Befreiung der unterjochten Nationen und Wiederherstellung ihrer souveränen
Rechte; das Recht jeder Nation, sich nach eigenem Wunsche einzurichten;
Wiederherstellung der demokratischen Freiheiten.
In
seinem Bericht zum 27. Jahrestag der Großen Sozialistischen
Oktoberrevolution sagte Genosse Stalin: „Den Krieg gegen Deutschland
gewinnen bedeutet, ein großes historisches Werk vollbringen. Den Krieg
gewinnen bedeutet aber noch nicht, den Völkern einen dauerhaften
Frieden und eine verlässliche Sicherheit für die Zukunft gewährleisten.
Die Aufgabe besteht nicht nur darin, den Krieg zu gewinnen, sondern auch
darin, die Entstehung einer neuen Aggression und eines neuen Krieges
wenn nicht für immer, so doch wenigstens für einen längeren Zeitraum
unmöglich zu machen.“ (J. Stalin, „Über den Großen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion“, 3. Ausg., Moskau 1946, S. 187/88.)
Genosse
Stalin sprach von der Notwendigkeit, die Sicherheit in der ganzen Welt
zu gewährleisten und eine internationale Organisation zu schaffen, und
wies dabei darauf hin, dass die in dieser Richtung getroffenen Maßnahmen
der Vereinten Nationen „wirksam sein werden, wenn die Großmächte,
auf deren Schultern die Hauptlast des Krieges gegen Hitlerdeutschland
geruht hat, auch weiterhin im Geiste der Einmütigkeit und des
Einvernehmens vorgehen werden. Sie werden unwirksam sein, wenn diese
notwendige Bedingung verletzt wird“. (Ebenda S. 190) Ein großartiges
Bild der historischen Siege der Sowjetunion im Vaterländischen Kriege
und ein grandioses Programm der Weiterentwicklung der sozialistischen
Gesellschaftsordnung entwarf Stalin in seiner Rede auf der Wählerversammlung
des Stalin-Wahlbezirks in Moskau am 9. Februar 1946. Genosse Stalin
sprach über den neuen vierten Fünfjahrplan der Entwicklung unserer
Volkswirtschaft, dessen Hauptaufgabe darin besteht, das Vorkriegsniveau
der Industrie und Landwirtschaft wiederherzustellen und zu übertreffen.
Genosse
Stalin sprach über die zukünftigen Pläne, über den neuen machtvollen
Aufschwung der Wirtschaft des Sowjetlandes und seiner Wissenschaft, über
die Schaffung der notwendigen Bedingungen, um unsere Heimat gegen
jegliche Zufälligkeiten zu sichern, die wirtschaftliche und militärische
Macht der Sowjetunion noch viel höher emporzuheben, einen neuen
Aufschwung ihrer Kultur und das Wachstum der Wohlhabenheit des Volkes zu
gewährleisten.
Im
Februar 1946 führte das Sowjetvolk auf Grund der Stalinschen Verfassung
Neuwahlen in den Obersten Sowjet der UdSSR durch. Die Wahlen erbrachten
einen beredten und überzeugenden Beweis für die Treue des Sowjetvolkes
zur bolschewistischen Partei, zur Sowjetregierung, zum geliebten Stalin.
Für die Kandidaten des Blocks der Kommunisten und Parteilosen in den
Unionssowjet stimmten 99,18 Prozent, in den Nationalitätensowjet 99,16
Prozent der Wähler.
XII
Das
Leben und Wirken des Genossen Stalin ist unzertrennlich verbunden mit
dem Wirken W.I. Lenins, seines Lehrers und Erziehers, mit der Geschichte
unserer heroischen bolschewistischen Partei, mit der Geschichte des großen
Sowjetvolkes. Das Leben und Wirken Stalins ist ferner verbunden mit der
internationalen Arbeiterbewegung und mit dem nationalen Befreiungskampf
der Kolonialvölker gegen das imperialistische Joch. Unter Leitung der
großen Führer Lenin und Stalin wuchs und entwickelte sich die
Kommunistische Internationale. Wie die Geschichte der I. Internationale
unlöslich mit den Namen Marx und Engels verbunden ist, so ist die
Geschichte der III., der Kommunistischen Internationale mit den Namen
Lenin und Stalin verbunden. Die Kommunistische Internationale hat bei
der Sammlung der Vorhut der fortgeschrittenen Arbeiter zu wirklichen
Arbeiterparteien eine wichtige Rolle gespielt. Nach Erfüllung ihrer
historischen Mission hat die Kommunistische Internationale während des
zweiten Weltkrieges zu bestehen aufgehört. tim Mai 1943 beantragte das
Präsidium des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale die
Komintern als leitendes Zentrum der internationalen Arbeiterbewegung
aufzulösen. Die Sektionen der Komintern haben diesen Antrag bestätigt.
In Stalin sehen Millionen Arbeiter aller Länder ihren Lehrer, aus
dessen klassischen Werken sie lernten und lernen, wie man erfolgreich
gegen den Klassenfeind kämpft, wie die Voraussetzungen für den Endsieg
des Proletariats geschaffen werden. Der Einfluss Stalins, das ist der
Einfluss der großen, ruhmreichen bolschewistischen Partei, in der die
Arbeiter der kapitalistischen Länder die vorbildliche Partei der
Arbeiterklasse sehen, die der Nachahmung würdig ist. Unter Führung
dieser Partei wurde nicht nur der Kapitalismus gestürzt und die
Sowjetmacht, die Macht der Werktätigen, errichtet, sondern auch der
Sozialismus in der UdSSR aufgebaut.
Die
Arbeiter aller Länder wissen, dass jedes von Stalin gesprochene Wort
das Wort des Sowjetvolkes ist, dass auf jedes seiner Worte die Tat
folgt. Die werktätigen Massen der ganzen Welt haben sich auf Grund der
Erfahrungen der siegreichen sozialistischen Revolution, auf Grund der
Erfahrungen der Errichtung des Sozialismus in der UdSSR und der Siege
des Sowjetvolkes im Vaterländischen Krieg von der grundtiefen,
lebendigen Wahrheit der Sache Lenins und Stalins überzeugt. Gegenwärtig
sehen alle friedliebenden Völker in Stalin den treuen und standhaften
Verteidiger des Friedens, der Sicherheit und der demokratischen
Freiheiten.
J.
W. Stalin ist der geniale Führer und Lehrer der Partei, der große
Stratege der sozialistischen Revolution, der Lenker des Sowjetstaates
und sein Heerführer. Unversöhnlichkeit gegen die Feinde des
Sozialismus, äußerste Prinzipientreue, die in seinem Wirken bekundete
Vereinigung der klaren revolutionären Perspektive, der Zielklarheit mit
außergewöhnlicher Festigkeit und Beharrlichkeit im Erreichen des
Zieles, weise und konkrete Führung, unzertrennliche Verbundenheit mit
den Massen - das sind die kennzeichnenden Züge des Stalinschen
Arbeitsstils. 1lAußer Lenin hat noch kein einziger Führer in der Welt
so gewaltige Millionenmassen von Arbeitern und Bauern geführt wie J. W.
Stalin. Stalin versteht es wie kein anderer, die revolutionäre schöpferische
Erfahrung der Massen zusammenzufassen, ihre Initiative aufzugreifen und
zu entwickeln, von den Massen zu lernen und sie zu lehren, sie zum Siege
voranzuführen.
Das
gesamte Wirken Stalins ist für uns ein Musterbeispiel der Vereinigung
gewaltiger theoretischer Kraft mit einer in ihrem Umfang und Ausmaß außergewöhnlichen
praktischen Erfahrung des revolutionären Kampfes.
An
der Spitze der großen Partei der Bolschewiki leitet Stalin zusammen mit
seinen nächsten Kampfgefährten, den erprobten Leninisten, den viele
Nationen umfassenden sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern,
einen Staat, wie ihn die Geschichte bisher noch nicht gekannt hat. Auf
allen Gebieten des sozialistischen Aufbaus sind seine Weisungen die
Anleitung zum Handeln. Die Arbeit des Genossen Stalin ist außerordentlich
vielseitig, seine Energie wahrhaft erstaunlich. Der Kreis der Fragen,
denen Genosse Stalin seine Aufmerksamkeit widmet, ist unermesslich weit:
die schwierigsten Fragen der Theorie des Marxismus-Leninismus - und
Lehrbücher für Schulkinder; Probleme der Außenpolitik der Sowjetunion
- und die tagtägliche Sorge für die Ausgestaltung der proletarischen
Hauptstadt; die Erschließung des Großen Nördlichen Seeweges - und die
Trockenlegung der Sümpfe der Kolchis; Probleme der Entwicklung der
Sowjetliteratur und Sowjetkunst - und die Redigierung des Statuts der
kollektivwirtschaftlichen Lebensordnung, und schließlich die Lösung
der kompliziertesten Fragen der Theorie und Praxis der Kriegskunst.
Alle
kennen die unüberwindliche, bezwingende Kraft der Stalinschen Logik,
die kristallene Klarheit seines Verstandes, seinen stählernen Willen,
seine Ergebenheit für die Partei, seinen glühenden Glauben an das Volk
und seine Liebe zum Volk. Allen ist seine Bescheidenheit, Einfachheit,
Feinfühligkeit gegenüber den Menschen und Schonungslosigkeit gegen die
Volksfeinde bekannt. Alle kennen seine Unduldsamkeit gegen
Sensationsmacherei, gegen Phrasendrescher und Schwätzer, gegen Flenner
und Panikmacher. Stalin ist weise und bedachtsam bei der Entscheidung
schwieriger politischer Fragen, wo eine allseitige Erwägung aller Für
und Wider notwendig ist. Zugleich ist Stalin der größte Meister kühner
revolutionärer Entscheidungen und schroffer Wendungen.
Stalin
ist der würdige Fortsetzer des Werkes Lenins, oder wie man in unserer
Partei zu sagen pflegt: Stalin - das ist Lenin von heute. Als Antwort an
die Organisationen und Genossen, die ihn im Jahre 1929 zu seinem fünfzigsten
Geburtstag beglückwünschten, schrieb Stalin: „Eure Glückwünsche
und Begrüßungen beziehe ich auf die große Partei der Arbeiterklasse,
die mich nach ihrem Ebenbild erschaffen und erzogen hat ... Ihr braucht
nicht daran zu zweifeln, Genossen, dass ich bereit bin, auch in Zukunft
für die Sache der Arbeiterklasse, für die Sache der proletarischen
Revolution und des Weltkommunismus alle meine Kräfte, alle meine Fähigkeiten
und, wenn es notwendig ist, all mein Blut, Tropfen für Tropfen,
hinzugeben.“ („Prawda“ Nr. 302 vom 22. Dezember 1929.)
In
Stalin sehen die Völker der Sowjetunion die Verkörperung ihres
Heroismus, ihrer Liebe zur Heimat, ihres Patriotismus. „Für Stalin! Für
die Heimat!“ - unter dieser Losung haben die Kämpfer der ruhmreichen
Sowjetarmee ihren schlimmsten, tückischen Feind, das faschistische
Deutschland, zerschmettert und über Berlin die Fahne des Sieges
gehisst. Für Stalin! Für die Heimat! Unter dieser Losung haben die Kämpfer
der Sowjetarmee und Kriegsmarine das imperialistische Japan
zerschmettert und die Grenzen des Sowjetstaats im Fernen Osten
gesichert.
Mit
dem Namen Stalins im Herzen vollbrachte die Arbeiterklasse der
Sowjetunion im Großen Vaterländischen Krieg beispiellose Ruhmestaten
der Arbeit und versorgte die Rote Armee mit erstklassigem Kampfgerät
und mit Munition.
Mit
dem Namen Stalins im Herzen arbeitete die Bauernschaft der
Kollektivwirtschaften aufopferungsvoll auf den Feldern und versorgte die
Rote Armee und die Stadtbewohner mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen für
die Industrie. Mit dem Namen Stalins im Herzen arbeitete die
Sowjetintelligenz hingebungsvoll für die Landesverteidigung,
vervollkommnete die Waffen der Roten Armee, die Produktionstechnik und
-organisation und entwickelte die Wissenschaft und Kultur in der
Sowjetunion immer höher.
Mit
dem Namen Stalins im Herzen arbeitet jetzt das ganze Sowjetvolk
erfolgreich an der Heilung der vom Kriege geschlagenen Wunden und kämpft
für einen neuen mächtigen Aufschwung der Volkswirtschaft und der
Sowjetkultur. Der Name Stalins ist das Symbol des Mutes, das Symbol des
Ruhmes des Sowjetvolkes, der Ruf zu neuen heroischen Taten zum Wohle der
großen Sowjetheimat.
Den
Namen Stalins tragen in ihrem Herzen die Jünglinge und Mädchen des
Landes des Sozialismus, die Jungpioniere und -pionierinnen. Es ist ihr
sehnlichster Traum, wie Lenin, wie Stalin zu sein, Politiker von
Lenin-Stalinschem Typus zu werden. Auf den Ruf der Partei, auf den Ruf
des Genossen Stalin schuf die Sowjetjugend Giganten der sozialistischen
Industrie, Städte in der Taiga, baute und baut wundervolle Schiffe,
bezwingt die Arktis, meistert die neue Technik in Industrie und
Landwirtschaft, stärkt die Wehrfähigkeit unserer Heimat, leistet schöpferische
Arbeit in Kunst und Wissenschaft, zeigte Musterbeispiele an Heroismus
und Tapferkeit auf den Schlachtfeldern des Vaterländischen Krieges und
Musterbeispiele der selbstaufopfernden Arbeit im Hinterland für den
Sieg der Sowjetarmee. Der von Lenin und Stalin erzogene Kommunistische
Jugendverband ist der treue Helfer der bolschewistischen Partei, die
zuverlässige Ablösung der älteren Generationen der Kämpfer für den
Kommunismus.
In
zahlreichen Sprachen wird Stalin von den Völkern der Sowjetunion in
Liedern besungen. Diese Lieder sind der Ausdruck der großen Liebe und
grenzenlosen Ergebenheit der Völker der Sowjetunion für ihren großen
Führer, Lehrer, Freund und Feldherrn. Der Name Stalins verschmilzt in
der Volkskunst mit dem Namen Lenins. „Wir gehen mit Stalin wie mit
Lenin, wir sprechen mit Stalin wie mit Lenin, er kennt alle unsere
Gedanken, er sorgt sein ganzes Leben lang für uns“, heißt es in
einer schönen russischen Volkssage. Der Name Stalins ist das Symbol der
moralischen und politischen Einheit der Sowjetgesellschaft.
An
den Namen Stalins knüpfen die ganze fortschrittliche Menschheit, alle
freiheitsliebenden demokratischen Völker ihre Hoffnungen auf
dauerhaften Frieden und Sicherheit. „Es ist unser Glück, dass in den
schweren Kriegsjahren die Rote Armee und das Sowjetvolk vorangeführt
wurden von dem weisen und erprobten Lenker der Sowjetunion, dem Großen
Stalin. Unter dem Namen des Generalissimus Stalin werden die ruhmvollen
Siege unserer Armee in die Geschichte unserer Heimat und in die
Weltgeschichte eingehen. Unter der Leitung des Genossen Stalin, dieses
großen Führers und Organisators, haben wir uns jetzt an den
friedlichen Aufbau gemacht, um die Kräfte der sozialistischen
Gesellschaft zur vollen Blüte zu bringen und den besten Hoffnungen
unserer Freunde in der ganzen Welt gerecht zu werden.“ (W. M. Molotow,
„Der 28. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“,
Moskau 1945, S. 18/19 russ.)
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