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Vietnam:

56 JAHRE NACH DER SCHLACHT VON DIEN BIEN PHU

Eine eiserne revolutionäre Führung, ein der Volksmacht bewusstes Volk vereint und organisiert im Krieg für seine Souveränität, Unabhängigkeit und den Sozialismus konnten die mächtigsten Imperien besiegen

von Roso Grimau, KP Venezuela

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Caracas, 11. März 2010, Tribuna Popular TP. -   Das heldenhafte vietnamesische Volk hat eine lange Geschichte des Kampfes gegen ausländische Herrschaft. Schon von seiner frühesten Geschichte an erlitt es Invasionen durch etliche Dynastien des chinesischen Reiches im Verlaufe von mehr als zehn Jahrhunderten. Es folgten die Invasionen der Mongolen, der Christen. Im 19. Jahrhundert war das vietnamesische Volk Opfer auch des französischen Kolonialismus. Die Kolonialmacht Frankreich übergab seine Kolonie den japanischen Söldnern, als die Franzosen die koloniale Besatzung während des 2. Weltkrieges nicht mehr fortsetzen konnten.

Ho Chi Minh kehrte 1940 in sein Heimatland zurück. Das waren 28 Jahre, nachdem er es verlassen musste. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich bereits zu einer großartigen kommunistischen Führungspersönlichkeit entwickelt. Er stand an der Spitze des Guerillakrieges in den fünf Jahren der japanischen Besatzungszeit.

Um sein Heimatland von jener neuerlichen Invasion zu befreien, gründete er die Befreiungsfront Vietnams. Er schuf ein Guerilla-Heer unter der Leitung von General Vo Nguyen Giap, einem der angesehensten revolutionären Militärs der Welt, welcher zum großen Helden der Schlacht von Dien Bien Phu gegen die Franzosen wurde und später auch die Schlacht von Saigon gegen die US-Amerikaner leitete.

Als die Japaner schon geschlagen waren, beinhalteten die imperialistischen Planungen eine neue Aufteilung der Welt. Betreffend Vietnam wurde angenommen, dass die chinesischen Nationalisten den Norden des Landes und die Engländer den Süden Vietnams besetzen würden. Aber die Franzosen wollten ihr Kolonialreich wiederherstellen. Sie besetzten erneut Vietnam, als die vietnamesischen Guerilleros im Norden des Landes die Chinesen abwehrten und Nordvietnam befreiten. Dem folgte neue und harte neun Jahre andauernder Kampf des vietnamesischen Volkes gegen die französische Kolonialmacht, in welchem Ho Chi Minh den allgemeinen Aufstand des gesamten vietnamesischen Volkes organisierte und leitete.

Am 2. September 1945 brachte Ho Chi Minh seinen Aufruf heraus: „Seit über achtzig Jahren hat die Bande französischer Kolonialisten mit der die Freiheit, die Gleichheit und die Brüderlichkeit symbolisierenden Trikolore unser Territorium besetzt und unser Volk unterdrückt ... Die Franzosen haben uns keinerlei politische Freiheit gegeben. Sie haben eine barbarische Gesetzgebung hergestellt, mehr Gefängnisse als Schulen geschaffen, alle unsere Aufstände im Blut ertränkt, jede Meinungsäußerung zertreten, Blut und Alkohol zur Verrohung unseres Volkes benutzt“. Die Vietnamesen erkämpften ihre nationale Unabhängigkeit und gründeten die Demokratische Republik Vietnam als Arbeiter- und Bauernstaat, welcher den Sozialismus aufbaute und bis zum endgültigen Sieg über die französische Besatzungsmacht nicht anerkannt wurde.

Frankreich fand sich jahrelang nicht mit dem Vormarsch unter Ho Chi Minh und Leitung durch General Vo Nguyen Giap ab. Frankreich musste von den USA Unterstützung erbitten, was ihm rein gar nichts einbrachte. Schon 1954 wurden die Franzosen in der Schlacht von Dien Bien Phu geschlagen. Und obwohl sie mit den Vereinbarungen von Genf das Land zweiteilten, wurde Ho Chi Minh zum neuen vietnamesischen Staatschef im Norden. 18 Millionen freie Männer und Frauen hießen denjenigen willkommen, der den Weg zu nationaler und sozialer Befreiung für den Aufbau der Volksmacht und des Sozialismus aufgemacht hatte: „Onkel Ho“.

Dem Krieg gegen Frankreich folgte nun der Krieg gegen die USA, womit die Vietnamesen in Folge drei der größten imperialistischen Mächte schlugen: Japan, Frankreich, und die USA. Die erfolgreiche Nation, die heutige Sozialistische Republik Vietnam, ist sozialistische Avantgarde und Beispiel einer sozialistischen Gesellschaft. Sie wird von der Kommunistischen Partei Vietnams (KPV) geführt. Sie und das Volk sowie die Armee Vietnams schreiten vereint voran auf dem revolutionären Weg, welcher ausgewählt wurde, um die Ideale der nationalen Souveränität und Unabhängigkeit, des Sozialismus, zu erhalten und Vietnam zu einem Land zu machen, welches bereits mit festem Schritt zu einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung und sozialem Wohlstand vorankommt.

In der Ortschaft Dien Bien Phu in einem kleinen Tal westlich von Hanoi hatten die Franzosen eine gigantische Angriffsbasis errichtet. Dort waren 15.000 grünbarettige Elite-Fallschirmsoldaten, Artillerietruppen, leichte Panzereinheiten sowie NAPALM-Bomberstaffeln im Einsatz. Aber die Guerilla-Armee von General Vo Nguyen Giap sammelte immer größere Erfahrungen in der Rekrutierung, Ausbildung, dem Training, der Versorgung und vor allem bei der Festigung des Bewusstseins der Volksmassen. Dadurch gelang ihnen, die Franzosen überraschend zu besiegen. Die Vietnamesen waren Meister der Deckung. Sie untertunnelten und untergruben insgeheim alle Hügel, welche die französischen Verteidigungslinien im Osten des stark mit Gräben befestigten Militärstützpunktes ausmachten. Sie brachten ihre kleinen 200 Artilleriewerfer dergestalt in Stellung, dass nur die Mündungen aus den Schießscharten herausragten.

Im März 1954 begannen sie mit einem Dauerbeschuss, welcher die französischen Kolonialtruppen aufrieb und am Ende ihre Landepiste im Zentrum von Dien Bien Phu zerstörte. In 56 Tagen dieses Gefechts mit leichter Artillerie und inmitten von stürmischen Monsun-Regenfällen machten sie den Militärstützpunkt dem Lehmboden gleich. General Giap leitete alternativ den Sturm seiner Guerrillagruppen auf den Militärstützpunkt ein, welcher 25.000 Angreifer aus den geheimen Gräben- und Tunnelstellungen in den Unterhöhlungen unter intensivem französischen Bombardement umfasste und die Flächen vom Rande des Dschungels bis weit hinein in die befestigten Stellungen des Gegners einschloss.

Die Geschichte beschreibt, dass am 23. April 1954 John Foster Dulles als US-Außenminister in Paris bei der einberufenen Genfer Konferenz zur Lösung des Indochinakrieges dabei war. In Kenntnis der schwierigen Lage durch das Scheitern der Franzosen in Dien Bien Phu bat er um sofortigen Beginn der „Operation Geier“, welche einen Monat zuvor gemeinsam von den Generalstabschefs der USA und Frankreichs organisiert worden war, um 60 B-29-Bomber und 200 US-Jagdflugzeuge zu entsenden. All dies zur Niederwerfung der vietnamesischen Patrioten unter dem Kommando von General Giap. Es wurden sogar zwei Atombomben angeboten, um mit dem Widerstand und einem Großteil Vietnams Schluss zu machen.

Wir werden niemals erfahren, warum dieses verbrecherische Angebot der US-Amerikaner abgelehnt wurde. Denn wenn die Atombomben in Dien Bien Phu benutzt worden wären, hätte man sowohl die Patrioten als auch die Invasoren ausgelöscht. Und wenn man sie über den Versorgungswegen der kommunistischen Guerrillaverbände so nahe an China abgeworfen hätte, wäre man das Risiko eines dritten Weltkrieges eingegangen. Deshalb wurde die Geheim-Operation „Geier“ nicht umgesetzt. Aber die politische und militärische Unterstützung der USA für die Franzosen ging weiter.

Am Nachmittag des 7. Mai 1954 ermöglichte ein letzter Angriff den vietnamesischen Freiheitskämpfern die Ergreifung des gesamten Stabes der Garnison der französischen Besatzer, welcher sich mit geschwenkter weißer Fahne ergab. Abends wurde die gesamte Garnison in jenem Bereich gefangengenommen. Kein Mann konnte entkommen.

Die Franzosen haben in Dien Bien Phu ihre besten Einheiten verloren: insgesamt 117 Flugzeuge, 16.200 Mann - darunter einen General, 16 Obristen, 1.749 Offiziere und Unteroffiziere -. Der Sieg von Dien Bien Phu und die Erfolge der Winter-Frühjahrsoffensive von 1953/1954 zwangen die französische Regierung zur Unterzeichnung des Friedensschlusses. Am 8. Mai 1954, 24 Stunden nach dem Fall von Dien Bien Phu, wurde die Genfer Konferenz über Indochina eröffnet. In der Nacht vom 20. zum 21. Juli wurden die Vereinbarungen unterzeichnet, die den Krieg im Norden von Vietnam beendeten.

Am Tage nach dem spektakulären Sieg des Generals Vo Nguyen Giap erhielt er ein Glückwunschtelegramm von seinem Genossen Ho Chi Minh, welcher ihm mitteilte: „Das ist wirklich ein großer Sieg. Aber er ist nicht mehr als der Anfang.“

Und wirklich, nach dem Abzug der französischen Truppen setzte eine Interventionsspirale mit den Einsätzen von Beratern der USA, Agenten in „besonderer Kriegsführung“, in Vietnam ein. Diese Eskalation fand ihren Höhepunkt 1956 mit dem Anlanden von 550.000 Mann in modernster Kriegsausrüstung in Vietnam. Die gewaltigen Bomber vom Typ B-52 flogen konzentrierte Angriffe gegen Nordvietnam und warfen dort mehr Bomben ab als die Gesamtlast an abgeworfenen Bomben während des gesamten 2. Weltkrieges.

Trotz alldem sollte der eigentliche Sieger von Dien Bien Phu, jener legendäre General Vo Nguyen Giap, welcher die Franzosen geschlagen hatte, auch 21 Jahre später der Architekt der ersten militärischen Niederlage der USA in deren Geschichte werden, am 1.Mai 1975 in der Schlacht und Einnahme von Saigon, heute Ho Chi Minh Stadt.

Quelle: http://www.pcv-venezuela.org/

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