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Vorgeschichte

[Photo: Engelbert Dollfuß, 1933]

Engelbert Dollfuß, austrofaschistischer österreichischer Bundeskanzler


Dollfuß lehnte sich eng an das faschistische Italien an. Mussolini verlangte, dass die österreichische Regierung strenger gegen Marxisten vorgehen solle. Der „Republikanische Schutzbund“, die illegale Kommunistische Partei, die Gewerkschaften und große Teile der SPÖ stellten sich konsequent gegen die Austro-Faschisten.

Am 20. Mai 1932 wird Engelbert Dollfuß österreichische Bundeskanzler. Unter ihm entwickelt sich in Österreich eine besonders Spielart des Faschismus, der Austro-Faschismus. Dollfuß schaffte alle wichtigen Bereiche der parlamentarischen bürgerlichen Demokratie ab, der Nationalrat wurde entmachtet und die Verfassung suspendiert.

Die KPÖ war seit dem 26. Mai 1933, als sie von der Regierung Dollfuß verboten wurde, im Untergrund tätig. „Durch die Ereignisse des Februar 1934 erlebte sie einen starken Zustrom aus den Reihen der Sozialdemokratie und entwickelte sich von einer kleinen Partei zu einem tragenden politischen Faktor innerhalb der illegalen Arbeiterbewegung der Jahre 1934 bis 1938. Entscheidend war, daß sie – basierend auf den theoretischen Arbeiten von Alfred Klahr – seit 1937 den Gedanken einer eigenständigen österreichischen Nation propagierte und damit jene feste Orientierung besaß, die sie in der Zeit der NS-Herrschaft befähigte, dem Widerstandskampf ein klares Ziel zu geben: die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Österreichs, eine Aufgabe, die sich auch die Alliierten in der Moskauer Deklaration vom Oktober 1943 stellten.“  (Alfred-Klahr-Gesellschaft)


12. Februar 1934 - das Hotel Schiff wird zum Ausgangspunkt des letzten verzweifelten Kampfes von Einheiten des Republikanischen Schutzbundes um die Erhaltung von Republik und Demokratie, als Anfang Februar die faschistischen Heimwehren offen die Übernahme der Macht im Staate und den Bundesländern und die Zerschlagung der Sozialdemokratie fordern.

Februarkämpfe 1934

Die faschistischen Heimwehren, von der Dollfuß-Regierung als Hilfspolizei einegesetzt, wollte die Zentren der Arbeiterbewegung besetzen. Man wolle, wurde gesagt, die Gebäude nach Waffen durchsuchen.

Die österreichische Arbeiterklasse war zum Widerstand entschlossen. Richard Bernaschek, Landesparteisekretär der Sozialdemokratischen Partei in Oberösterreich und Führer des Republikanischen Schutzbundes schreibt am 11. Februar 1934 die seine Parteizentrale nach Wien:

Genosse Richard Bernaschek (Foto etwa 1930) wurde in Mauthausen im April 1945 von den Hitlerfaschisten ermordet

„Wenn morgen, Montag, in einer oberösterreichischen Stadt mit einer Waffensuche begonnen wird, oder wenn Vertrauensmänner der Partei bzw. des Schutzbundes verhaftet werden sollten, wird gewaltsamer Widerstand geleistet und in Fortsetzung dieses Widerstandes zum Angriff übergegangen werden. Dieser Beschluß sowie die Durchführung ist unabänderlich.“

Richard Bernaschek (Foto links), Landesparteisekretär und Führer des Republikanischen Schutzbundes, hat am 11. Februar in einem Schreiben an die Wiener Parteiführung seine Entschlossenheit zum bewaffneten Widerstand gegen ein Vorgehen der Heimwehren oder der Polizei bekanntgegeben.

Als am Morgen des 12. Februar die Polizei im Hotel Schiff eine Waffensuche vornehmen will, kommt es zur angekündigten Gegenwehr. Richard Bernaschek kann noch telefonisch Verbindung mit Theodor Grill aufnehmen sowie Landeshauptmann Josef Schlegel erreichen, den er beschwört, die Aktion der Exekutive zu verhindern. Dann werden er und zwei andere Schutzbundführer verhaftet. 

Daraufhin eröffnet der MG-Schütze Rudolf Kunst das Feuer auf die Polizeieinheiten, die sich zurückziehen müssen, von der Polizei angeforderte Bundesheereinheiten umstellen das Hotel und nehmen es schließlich im Feuerschutz einer Maschinengewehreinheit gegen 13 Uhr ein, nachdem Kunst gefallen ist (Foto oben) .

Die Auseinandersetzungen am 12. Februar brachen bei einer Waffensuchaktion der Heimwehr in einem sozialdemokratischen Parteiheim in Linz aus. Eine Schutzbund-Gruppe um Richard Bernaschek leistete den faschistischen Einheiten Widerstand und löste dadurch bewaffnete Auseinandersetzungen in ganz Österreich aus – so neben Linz u.a. auch in Wien, Graz, Sankt Pölten, Steyr, Kapfenberg, Wörgl und anderen Industrieregionen. Zentren des mit Artillerieeinsatz niedergekämpften Widerstands in Wien waren Arbeiterheime und Gemeindebauten (Karl-Marx-Hof, Goethe-, Sandleiten-, Reumannhof u.a.), besonders in Floridsdorf (z.B. Schlingerhof). Die Aufstandsbewegung scheiterte hauptsächlich daran, dass sie keine zentral organisierte Führung hatte und der intendierte Generalstreik nicht durchgeführt wurde. Auch muss hier kritisch angemerkt werden, dass durch die vorangegangene zögerliche Politik der SDAP gegenüber dem drohenden Faschismus die Kämpfe bereits in einer solchen Defensivsituation stattfanden, dass sie von vornherein kaum zu gewinnen waren – schon gar nicht gegen das bezüglich Bewaffnung, Taktik, Logistik und natürlich auch Anzahl der Soldaten weitaus überlegene Bundesheer in der Hand der Faschisten. Nach nur zwei Tagen brach der sozialdemokratische Widerstand gegen die Übermacht von Armee, Polizei, Gendarmerie und Heimwehr zusammen. Der politische Kampf war durch das Zurückweichen der Sozialdemokratie bereits längst verloren gewesen. Die kämpfenden ArbeiterInnen hatten längst kein offensives Ziel mehr gehabt, sondern nur noch, es nicht zuzulassen, dass die ArbeiterInnenbewegung widerstandslos zerschlagen würde. Nach den Kämpfen hatte allein der Wiener Schutzbund mehr als 1000 Tote und Verwundete zu beklagen, die Zivilbevölkerung über 100 Tote und auf Seiten der „Regierungstruppen“ gab es 47 Tote. Einige Führer des Aufstands wurden hingerichtet (z.B. Georg Weissel), viele SozialdemokratInnen wurden ins „Anhaltelager“ Wöllersdorf deportiert, andere konnten ins Ausland fliehen (Julius Deutsch, Otto Bauer, Richard Bernaschek). Das Vorgehen der Austrofaschisten sorgte international für Aufsehen, so sprach die „Chicago Daily News“ von der „blutrünstigsten, unnötigsten und unentschuldbarsten Verwendung bewaffneter Macht gegen hilflose Frauen und Kinder, die die Geschichte kennt.“ Die „New York Times“ schrieb: „Der Wahnsinn und die Gemeinheit der ganzen Angelegenheit wird mit jedem Detail offensichtlicher“. Doch dieser Schock war nur von kurzer Dauer, Österreich blieb politischer Nebenschauplatz und tatsächlich lieferte der Faschismus in Europa ja noch größere Verbrechen. Bereits kurze Zeit später war die Betroffenheit des Westens beim Einmarsch deutscher Truppen in Österreich wieder nüchterner Kalkulation gewichen und die „Apeasement-Politik“ gegenüber Hitler zum Dogma erhoben.

Als unmittelbare Konsequenz der Niederlage der ArbeiterInnen bei den Februarkämpfen wurden SDAP, Gewerkschaft und alle sozialdemokratischen Organisationen für illegal erklärt sowie allen Mitgliedern der SDAP ihre Mandate in den Vertretungskörpern aberkannt, womit auch sozialdemokratisch geführte Gemeindeverwaltungen – wie z.B. in der Bundeshauptstadt Wien – abgesetzt wurden. Mit der „Maiverfassung“ von 1934 war der austrofaschistische Ständestaat Realität.

Quelle:

http://www.sj-burgenland.at/theorie/austrofaschismus.htm

Der Austrofaschismus hatte keine Basis im österreichichem Volk.Obwohl es dem Regime nochmal gelang im Sommer 1934 einen Putschversuch der Nazis abzuwehren - dabei wurde allerdings Dollfuß erschossen - fiel Österreich 1938 wie eine reine Frucht in Hitlers Hände und wurde "Ostmark".

Der Widerstand der Arbeiterbewegung aber ging weiter - auch bewaffnet. Die Kommunisten waren dabei - wie in allen von den Hitlerfaschisten unterdrückten Länder, auch in Deutschland - in der ersten Reihe. Kommunisten zahlten einen hohen Blutzoll, in Österreich und anderswo.

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