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CLARA ZETKIN
Für
die Befreiung der Frau!
Rede auf dem Internationalen Arbeiterkongress zu Paris (19. Juli 1889)
Aus dem Protokoll des Internationalen Arbeiter-Congresses zu Paris. Abgehalten vom 14. bis 20. Juli 1889, Nürnberg 1890, S.80-85.
Bürgerin
Zetkin, Abgeordnete der Arbeiterinnen von Berlin, ergreift unter
lebhaftem Beifall das Wort über die Frage der Frauenarbeit. Sie erklärt,
sie wolle keinen Bericht erstatten über die Lage der Arbeiterinnen, da
diese die gleiche ist wie die der männlichen Arbeiter. Aber im Einverständnis
mit ihren Auftraggeberinnen werde sie die Frage der Frauenarbeit vom
prinzipiellen Standpunkt beleuchten. Da über diese Frage keine Klarheit
herrsche, sei es durchaus notwendig, dass ein internationaler
Arbeiterkongress sich klipp und klar über diesen Gegenstand ausspreche,
indem er die Prinzipienfrage behandelt. Es ist, führt die Rednerin aus,
nicht zu verwundern, dass die reaktionären Elemente eine reaktionäre
Auffassung haben über die Frauenarbeit. Im höchsten Grade überraschend
aber ist es, dass man auch im sozialistischen Lager einer irrtümlichen
Auffassung begegnet, indem man die Abschaffung der Frauenarbeit
verlangt. Die Frage der Frauenemanzipation, das heißt in letzter
Instanz die Frage der Frauenarbeit, ist eine wirtschaftliche, und mit
Recht erwartet man bei den Sozialisten ein höheres Verständnis für
wirtschaftliche Fragen als das, welches sich in der eben angeführten
Forderung kundgibt.
Die Sozialisten müssen
wissen, dass bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung die
Frauenarbeit eine Notwendigkeit ist; dass die natürliche Tendenz der
Frauenarbeit entweder darauf hinausgeht, dass die Arbeitszeit, welche
jedes Individuum der Gesellschaft widmen muss, vermindert wird oder dass
die Reichtümer der Gesellschaft wachsen; dass es nicht die Frauenarbeit
an sich ist, welche durch Konkurrenz mit den männlichen Arbeitskräften
die Löhne herabdrückt, sondern die Ausbeutung der Geschlechts sind die
Sache einer kommunistischen Partei - oder sie hat keine Funktion mehr,
wie ihre Gegner seit ihrem Bestehen behaupten.
Für alle sonstigen
Interessen gibt es die unterschiedlichsten Parteien, Verbände,
Interessens- und Lobbygruppen und Vereine, für die Interessen der
Arbeiterklasse, der Lohnabhängigen, der Ausgebeuteten gibt es unabhängig
vom Geschlecht der Betroffenen nur die Kommunistische Partei. Und das
muss so bleiben!
Dabei können wir
KommunistInnen vom Feminismus lernen. Die feministische Differenztheorie
etwa hält fest, „dass die Befreiung der Frau nur die Befreiung sehr
verschiedener Frauen aus sehr unterschiedlichen Zwängen und Unterdrückungen
sein kann. Sie muss auch die Befreiung von der Vereinnahmung durch
Frauen höherer sozialer Schichten oder dominanter Ethnien oder Kulturen
sein. Schließlich wird die Frauenbewegung nur dann erfolgreich sein,
wenn in ihrem Gefolge auch der Mann von den Fesseln der industriellen
Leistungsgesellschaft befreit wird, die ihn zur Ausbeutung der Frau und
zum Verzicht auf gleichberechtigten Anteil an der Betreuung seines
Nachwuchses zwingt. Die marxistische Klassentheorie kann ihren
emanzipatorischen Anspruch nur erfüllen, wenn sie den Klassenbegriff
durch Berücksichtigung der Differenztheorie anreichert.“ (Hanna
Behrend)
„Es gibt keine Befreiung
der Menschheit ohne die soziale Unabhängigkeit und die Gleichstellung
der Geschlechter.“ (August Bebel)
„Eine wirkliche Gleichberechtigung von Frau und Mann kann nach meiner
Überzeugung erst eine Wahrheit werden, wenn die Ausbeutung beider durch
das Kapital beseitigt und die private Hausarbeit sozialisiert worden
ist.“ (Friedrich Engels) ❑
Frauenarbeit durch den
Kapitalisten, der sich dieselbe aneignet. Die Sozialisten müssen vor
allem wissen, dass auf der ökonomischen Abhängigkeit oder Unabhängigkeit
die soziale Sklaverei oder Freiheit beruht. Diejenigen, welche auf ihr
Banner die Befreiung alles dessen, was Menschenantlitz trägt,
geschrieben haben, dürfen nicht eine ganze Hälfte des
Menschengeschlechtes durch wirtschaftliche Abhängigkeit zu politischer
und sozialer Sklaverei verurteilen. Wie der Arbeiter vom Kapitalisten
unterjocht wird, so die Frau vom Manne; und sie wird unterjocht bleiben,
so lange sie nicht wirtschaftlich unabhängig dasteht. Die unerlässliche
Bedingung für diese ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit ist die
Arbeit. Will man die Frauen zu freien menschlichen Wesen, zu
gleichberechtigten Mitgliedern der Gesellschaft machen wie die Männer,
nun, so braucht man die Frauenarbeit weder abzuschaffen noch zu beschränken,
außer in gewissen, ganz vereinzelten Ausnahmefällen. Die
Arbeiterinnen, welche nach sozialer Gleichheit streben, erwarten für
ihre Emanzipation nichts von der Frauenbewegung der Bourgeoisie, welche
angeblich für die Frauenrechte kämpft. Dieses Gebäude ist auf Sand
gebaut und hat keine reelle Grundlage. Die Arbeiterinnen sind durchaus
davon überzeugt, dass die Frage der Frauenemanzipation keine isoliert für
sich bestehende ist, sondern ein Teil der großen sozialen Frage. Sie
geben sich vollkommen klare Rechenschaft darüber, dass diese Frage in
der heutigen Gesellschaft nun und nimmermehr gelöst werden wird,
sondern erst nach einer gründlichen Umgestaltung der Gesellschaft. Die
Frauenemanzipationsfrage ist ein Kind der Neuzeit, und die Maschine hat
dieselbe geboren.
Emanzipation der Frau heißt
die vollständige Veränderung ihrer sozialen Stellung von Grund aus,
eine Revolution ihrer Rolle im Wirtschaftsleben. Die alte Form der
Produktion mit ihren unvollkommenen Arbeitsmitteln fesselte die Frau an
die Familie und beschränkte ihren Wirkungskreis auf das Innere ihres
Hauses. Im Schoß der Familie stellte die Frau eine außerordentlich
produktive Arbeitskraft dar. Sie erzeugte fast alle Gebrauchsgegenstände
der Familie. Beim Stande der Produktion und des Handels von ehedem wäre
es sehr schwer, wenn nicht unmöglich gewesen, diese Artikel außerhalb
der Familie zu produzieren. Solange diese älteren Produktionsverhältnisse
in Kraft waren, solange war die Frau wirtschaftlich produktiv ...
Die maschinelle Produktion
hat die wirtschaftliche Tätigkeit der Frau in der Familie getötet. Die
Großindustrie erzeugt alle Artikel billiger, schneller und
massenhafter, als dies bei der Einzelindustrie möglich war, die nur mit
den unvollkommenen Werkzeugen einer Zwergproduktion arbeitete. Die Frau
musste oft den Rohstoff, den sie im Laden einkaufte, teurer bezahlen als
das fertige Produkt der maschinellen Großindustrie. Sie musste außer
dem Kaufpreis (des Rohstoffes) noch ihre Zeit und ihre Arbeit
dreingeben. Infolgedessen wurde die produktive Tätigkeit innerhalb der
Familie ein ökonomischer Unsinn, eine Vergeudung an Kraft und Zeit.
Obgleich ja einzelnen Individuen die im Schoß der Familie produzierende
Frau von Nutzen sein mag, bedeutet diese Art der Tätigkeit
nichtsdestoweniger für die Gesellschaft einen Verlust. Das ist der
Grund, warum die gute Wirtschafterin aus der guten alten Zeit fast gänzlich
verschwunden ist. Die Großindustrie hat die Warenerzeugung im Hause und
für die Familie unnütz gemacht, sie hat der häuslichen Tätigkeit der
Frau den Boden entzogen.
Zugleich hat sie eben auch
den Boden für die Tätigkeit der Frau in der Gesellschaft geschaffen.
Die mechanische Produktion, welche der Muskelkraft und qualifizierten
Arbeit entraten kann, machte es möglich, auf einem großen
Arbeitsgebiete Frauen einzustellen. Die Frau trat in die Industrie ein
mit dem Wunsche, die Einkünfte in der Familie zu vermehren. Die
Frauenarbeit in der Industrie wurde mit der Entwicklung der modernen
Industrie eine Notwendigkeit. Und mit jeder Verbesserung der Neuzeit
ward Männerarbeit auf diese Weise überflüssig, Tausende von Arbeitern
wurden aufs Pflaster geworfen, eine Reservearmee der Armen wurde
geschaffen, und die Löhne sanken fortwährend immer tiefer. Ehemals
hatte der Verdienst des Mannes unter gleichzeitiger produktiver Tätigkeit
der Frau im Hause ausgereicht, um die Existenz der Familie zu sichern;
jetzt reicht er kaum hin, um den unverheirateten Arbeiter
durchzubringen. Der verheiratete Arbeiter muss notwendigerweise mit auf
die bezahlte Arbeit der Frau rechnen. Durch diese Tatsache wurde die
Frau von der ökonomischen Abhängigkeit vom Manne befreit. Die in der
Industrie tätige Frau, die unmöglicher weise ausschließlich in der
Familie sein kann als ein bloßes wirtschaftli-ökonomische Kraft, die
vom Manne unabhängig ist, sich selbst genügen. Wenn aber die Frau
wirtschaftlich nicht mehr vom Manne abhängt, so gibt es keinen vernünftigen
Grund für ihre soziale Abhängigkeit von ihm. Gleichwohl kommt diese
wirtschaftliche Unabhängigkeit allerdings im Augenblick nicht der Frau
selbst zugute, sondern dem Kapitalisten. Kraft seines Monopols der
Produktionsmittel bemächtigte sich der Kapitalist des neuen ökonomischen
Faktors und ließ ihn zu seinem ausschließlichen Vorteil in Tätigkeit
treten. Die von ihrer ökonomischen Abhängigkeit dem Manne gegenüber
befreite Frau ward der ökonomischen Herrschaft des Kapitalisten
unterworfen; aus einer Sklavin des Mannes ward sie die des Arbeitgebers:
Sie hatte nur den Herrn gewechselt.
Immerhin gewann sie bei
diesem Wechsel; sie ist nicht länger mehr dem Mann gegenüber
wirtschaftlich minderwertig und ihm untergeordnet, sondern
seinesgleichen. Der Kapitalist aber begnügt sich nicht damit, die Frau
selbst auszubeuten, er macht sich dieselbe außerdem noch dadurch
nutzbar, dass er die männlichen Arbeiter mit ihrer Hilfe noch gründlicher
ausbeutet. Die Frauenarbeit war von vornherein billiger als die männliche
Arbeit. Der Lohn des Mannes war ursprünglich darauf berechnet, den
Unterhalt einer ganzen Familie zu decken; der Lohn der Frau stellte von
Anfang an nur die Kosten für den Unterhalt einer einzigen Person dar,
und selbst diese nur zum Teil, weil man darauf rechnete, dass die Frau
auch zu Hause weiterarbeitet außer ihrer Arbeit in der Fabrik. Ferner
entsprachen die von der Frau im Hause mit primitiven Arbeitsinstrumenten
hergestellten Produkte, verglichen mit den Produkten der Großindustrie,
nur einem kleinen Quantum mittlerer gesellschaftlicher Arbeit. Man ward
also darauf geführt, eine geringere Arbeitsfähigkeit bei der Frau zu
folgern, und diese Erwägung ließ der Frau eine geringere Bezahlung
zuteil werden für ihre Arbeitskraft. Zu diesen Gründen für billige
Bezahlung kam noch der Umstand, dass im ganzen die Frau weniger Bedürfnisse
hat als der Mann. Was aber dem Kapitalisten die weibliche Arbeitskraft
ganz besonders wertvoll machte, das war nicht nur der geringe Preis,
sondern auch die größere Unterwürfigkeit der Frau. Der Kapitalist
spekulierte auf diese beiden Momente: die Arbeiterin so schlecht wie möglich
zu entlohnen und den Lohn der Männer durch diese Konkurrenz so stark
wie möglich herabzudrücken. In gleicher Weise machte er sich die
Kinderarbeit zunutze, um die Löhne der Frauen herabzudrücken; und die
Arbeit der Maschinen, um die menschliche Arbeitskraft überhaupt
herabzudrücken. Das kapitalistische System allein ist die Ursache, dass
die Frauenarbeit die ihrer natürlichen Tendenz gerade entgegengesetzten
Resultate hat: dass sie zu einer längeren Dauer des Arbeitstages führt,
anstatt eine wesentliche Verkürzung zu bewirken; dass sie nicht
gleichbedeutend ist mit einer Vermehrung der Reichtümer der
Gesellschaft, das heißt mit einem größeren Wohlstand jedes einzelnen
Mitgliedes der Gesellschaft, sondern nur mit einer Erhöhung des
Profites einer Handvoll Kapitalisten und zugleich mit einer immer größeren
Massenverarmung. Die unheilvollen Folgen der Frauenarbeit, die sich
heute so schmerzlich bemerkbar machen, werden erst mit dem
kapitalistischen Produktionssystem verschwinden. Der Kapitalist muss, um
der Konkurrenz nicht zu unterliegen, sich bemühen, die Differenz
zwischen Einkaufs-(Herstellungs- )preis und Verkaufspreis seiner Waren
so groß wie möglich zu machen; er sucht also so billig wie möglich zu
produzieren und so teuer wie möglich zu verkaufen. Der Kapitalist hat
folglich alles Interesse daran, den Arbeitstag ins Endlose zu verlängern
und die Arbeiter mit so lächerlich geringfügigem Lohn abzuspeisen wie
nur irgend möglich. Dieses Bestreben steht in geradem Gegensatz zu den
Interessen der Arbeiterinnen, ebenso wie zu denen der männlichen
Arbeiter. Es gibt also einen wirklichen Gegensatz zwischen den
Interessen der Arbeiter und der Arbeiterinnen nicht; sehr wohl aber
existiert ein unversöhnlicher Gegensatz zwischen den Interessen des
Kapitals und denen der Arbeit.
Wirtschaftliche Gründe
sprechen dagegen, das Verbot der Frauenarbeit zu fordern. Die gegenwärtige
wirtschaftliche Lage ist so, dass weder der Kapitalist noch der Mann auf
die Frauenarbeit verzichten können. Der Kapitalist muss sie aufrecht
erhalten, um konkurrenzfähig zu bleiben, und der Mann muss auf sie
rechnen, wenn er eine Familie gründen will. Wollten wir selbst den Fall
setzen, dass die Frauenarbeit auf gesetzgeberischem Wege beseitigt
werde, so würden dadurch die Löhne der Männer nicht verbessert
werden. Der Kapitalist würde den Ausfall an billigen weiblichen
Arbeitskräften sehr bald durch Verwendung vervollkommneter Maschinen in
umfangreicherem Maße decken - und in kurzer Zeit würde alles wieder
sein wie vorher. Nach großen Arbeitseinstellungen, deren Ausgang für
die Arbeiter günstig war, hat man gesehen, dass die Kapitalisten mit
Hilfe vervollkommneter Maschinen die errungenen Erfolge der Arbeiter
zunichte gemacht haben.
Wenn man Verbot oder Beschränkung
der Frauenarbeit auf Grund der aus ihr erwachsenden Konkurrenz fordert,
dann ist es ebenso logisch begründet, Abschaffung der Maschinen und
Wiederherstellung des mittelalterlichen Zunftrechts zu fordern, welches
die Zahl der in jedem Gewerbebetriebe zu beschäftigenden Arbeiter
festsetzte. Allein, abgesehen von den ökonomischen Gründen sind es vor
allem prinzipielle Gründe, welche gegen ein Verbot der Frauenarbeit
sprechen. Eben auf Grund der prinzipiellen Seite der Frage müssen die
Frauen darauf bedacht sein, mit aller Kraft zu protestieren gegen jeden
derartigen Versuch; sie müssen ihm den lebhaftesten und zugleich
berechtigtsten Widerstand entgegensetzen, weil sie wissen, dass ihre
soziale und politische Gleichstellung mit den Männern einzig und allein
von ihrer ökonomischen Selbstständigkeit abhängt, welche ihnen ihre
Arbeit außerhalb der Familie in der Gesellschaft ermöglicht.
Vom Standpunkt des Prinzips
aus protestieren wir Frauen nachdrücklichst gegen eine Beschränkung
der Frauenarbeit. Da wir unsere Sache durchaus nicht von der
Arbeitersache im allgemeinen trennen wollen, werden wir also keine
besonderen Forderungen formulieren; wir verlangen keinen anderen Schutz
als den, welchen die Arbeit im allgemeinen gegen das Kapital fordert.
Nur eine einzige Ausnahme lassen wir zugunsten schwangerer Frauen zu,
deren Zustand besondere Schutzmaßregeln im Interesse der Frau selbst
und der Nachkommenschaft erheischt. Wir erkennen gar keine besondere
Frauenfrage an, wir erkennen keine besondere Arbeiterinnenfrage an! Wir
erwarten unsere volle Emanzipation weder von der Zulassung der Frau zu
dem, was man freie Gewerbe nennt, und von einem dem männlichen gleichen
Unterricht, obgleich die Forderung dieser beiden Rechte nur natürlich
und gerecht ist, noch von der Gewährung politischer Rechte. Die Länder,
in denen das angeblich allgemeine, freie und direkte Wahlrecht
existiert, zeigen uns, wie gering der wirkliche Wert desselben ist. Das
Stimmrecht ohne ökonomische Freiheit ist nicht mehr und nicht weniger
als ein Wechsel, der keinen Kurs hat. Wenn die soziale Emanzipation von
den politischen Rechten abhinge, würde in den Ländern mit allgemeinem
Stimmrecht keine soziale Frage existieren. Die Emanzipation der Frau wie
die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der
Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein. Nur in der sozialistischen
Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeiter in den Vollbesitz ihrer
Rechte gelangen.
In Erwägung dieser Tatsachen
bleibt den Frauen, denen es mit dem Wunsche ihrer Befreiung Ernst ist,
nichts anderes übrig, als sich der sozialistischen Arbeiterpartei
anzuschließen, der einzigen, welche die Emanzipation der Arbeiter
anstrebt.
Ohne Beihilfe der Männer,
ja, oft sogar gegen den Willen der Männer, sind die Frauen unter das
sozialistische Banner getreten; man muss sogar zugestehen, dass sie in
gewissen Fallen selbst gegen ihre eigene Absicht unwiderstehlich dahin
getrieben worden sind, einfach durch eine klare Erfassung der ökonomischen
Lage. Aber sie stehen nun unter diesem Banner, und sie werden unter ihm
bleiben! Sie werden unter ihm kämpfen für ihre Emanzipation, für ihre
Anerkennung als gleichberechtigte Menschen. Indem sie Hand in Hand gehen
mit der sozialistischen Arbeiterpartei, sind sie bereit, an allen Mühen
und Opfern des Kampfes teilzunehmen, aber sie sind auch fest
entschlossen, mit gutem Fug und Recht nach dem Siege alle ihnen
zukommenden Rechte zu fordern. In bezug auf Opfer und Pflichten sowohl
wie auf Rechte wollen sie nicht mehr und nicht weniger sein als
Waffengenossen, die unter gleichen Bedingungen in die Reihen der Kämpfer
aufgenommen worden sind.
(Lebhafter Beifall, der sich
wiederholt, nachdem Bürgerin Aveling diese Auseinandersetzung ins
Englische und Französische übersetzt hat.) Clara Zetkin, Ausgewählte
Reden und Schriften, Bd.I, Berlin 1957, S.3-11. |