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„Um sich von der Ausbeutung und Unterdrückung zu befreien, muß die Arbeiterklasse der Bourgeoisie nicht bloß die Produktionsmittel des Lebens entreißen, sondern auch die Produktionsmittel des Todes. Gewalt läßt sich nicht wegdisputieren und nicht wegbeten. Gewalt kann nur durch Gewalt gebrochen werden. das sprechen wir Kommunisten offen aus, nicht weil wir ,Anbeter der Gewalt' sind, wie sanfte bürgerliche und sozialdemokratische pazifistische Gemüter uns beschuldigen. Nein, wir beten die Gewalt nicht an, jedoch wir rechnen mit ihr, weil wir mit ihr rechnen müssen. Sie ist da und spielt ihre geschichtliche Rolle, ob wir wollen oder nicht. Es fragt sich nur, ob wir sie widerstandslos erdulden oder ob wir sie kämpfend überwinden wollen.“[1]

„Der Pazifismus ist seinem Wesen nach bürgerliche Sozialreform, ist eine spezifische Form der bürgerlichen Sozialreform und ebenso ohnmächtig wie diese, die Widersprüche, Gegensätze und Übel des Kapitalismus zu überwinden.“[2]

Zum 150. Geburtstag von Clara Zetkin

Geboren am 5. Juli 1857 in Wiederau

gestorben am 20. Juni 1933 in Archangelskoje bei Moskau

Quelle: Schnitzler-Aachen

Die große Revolutionärin setzte all ihre Kraft für die Verbreitung der Ideen des Sozialismus ein. Sie wirkte für den Zusammenschluß der deutschen und internationalen Arbeiterklasse und vertrat stets eine konsequent revolutionäre Politik. CLARA ZETKIN schloß sich 1878 als junge Lehrerin der Sozialdemokratie an. 1889 referierte die bereits erprobte Klassenkämpferin auf dem Gründungskongreß der II. Internationale über die Organisierung der proletarischen Frauenbewegung, deren Begründerin und 6

Führerin sie war. Sie erwarb sich bleibende Verdienste, indem sie die marxistische Frauenpolltik ausarbeitete, die Rolle von Ideologie und Kultur im Klassenkampf untersuchte und einen grundlegenden Beitrag für die marxistische Schul-, Bildungs- und Jugendpolitik leistete. Unter ihrer Redaktion (1892-1917) wurde die sozialistische Frauenzeitung 'Die Gleichheit' zu einem bedeutenden marxistischen Organ. Eng verbunden mit KARL LIEBKNECHT und ROSA LUXEMBURG führte CLARA ZETKIN einen energischen Kampf gegen Imperialismus, Militarismus, Opportunismus und Krieg. Mit W. I. LENIN und N. K. KRUPSKAJA verband sie eine tiefe Freundschaft. CLARA ZETKIN begrüßte die Große Sozialistische Oktoberrevolution als Beginn einer neuen Ära. Für sie war die Stellung zur Sowjetunion Maßstab revolutionären Handelns. Sie wurde zu einer leidenschaftlichen Propagandistin des sozialistischen Aufbaus In der UdSSR, der Solidarität der deutschen mit den sowjetischen Werktätigen, der Ideen LENINs und des proletatrischen Internationalismus. 1921 wurde CLARA ZETKIN Präsidentin der Internationalen Arbeiterhilfe und 1925 Vorsitzende der Internationalen Roten Hilfe. Als eine der führenden Persönlichkeiten der KPD und der Kommunistischen Internationale war sie maßgeblich an der Gestaltung der kommunistischen Einheitsfront- und Bündnispolitik im Kampf gegen Imperialismus, Faschismus und Kriegsgefahr beteiligt. Seit 1920 Mitglied des Reichstages, leistete sie einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der kommunistischen Parlamentspolitik. CLARA ZETKIN wurde 1927 mit dem Rotbannerorden und 1933 mit dem Leninorden geehrt.


[1]  Quelle: Clara Zetkin, Gegen den Pazifismus. Aus der „Kommunistischen Fraueninternationale“ 1922; Seite 13/14.

[2]  ebenda

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Wider die sozialdemokratische Theorie und Taktik

von Clara Zetkin, (April 1899)

Clara Zetkin, Ausgewählte Reden und Schriften, Bd.1, Berlin 1957, S.149-156.

Quelle: Marxists’ Internet Archive – Deutschsprachiger Teil siehe

Die von Freund und Feind mit gleicher Spannung erwartete Schrift Bernsteins [1] zur Kritik der sozialdemokratischen Theorie und Taktik ist kürzlich erschienen. Was die Freunde befürchtet, was die Feinde erhofft, das bestätigt sie mit wünschenswertester Klarheit: die vollzogene Schwenkung des Verfassers nach rechts hin. Wo Bernstein auf Grund seiner jetzigen Überzeugung steht, darüber können sich nach der Veröffentlichung seiner Schrift nur die täuschen, die aus Liebhaberei oder Beruf die Blinden spielen wollen. Was dagegen die Gründe anbelangt, welche die Preisgabe des alten Standpunkts, die Richtigkeit der veränderten Auffassung stützen sollen, so bleibt die Schrift erheblich hinter den Ansprüchen zurück, die man billigerweise an einen Mann von der Fähigkeit, dem Wissen und der Gewissenhaftigkeit Bernsteins stellen durfte. Sie ist in dieser Hinsicht geradezu dürftig und enthält weder neue beweiskräftige Tatsachen noch neue beweiskräftige Gedankengänge. Was Bernstein gegen die Marx-Engelssche Geschichtsauffassung einwendet, was gegen die darauf beruhende Auffassung von den geschichtlichen Kräften, die mit Naturnotwendigkeit zum Sozialismus führen müssen, was in der Folge gegen die prinzipielle Grundlage des sozialdemokratischen Programms und bezüglich der Taktik der Sozialdemokratischen Partei: das alles ist von bürgerlichen Sozialreformlern, Ethikern, Kathedersozialisten usw. wiederholt gesagt worden, zum Teil präziser und besser gesagt worden, als es in der vorliegenden Schrift geschieht.

Nun ist das ganz gewiß an und für sich noch kein Beweis für die Unrichtigkeit der Bernsteinschen Kritik und Auffassung. Aber die in Betracht kommenden Gründe, die bisher von bürgerlicher Seite geltend gemacht worden sind, um die marxistische Auffassung zu bekämpfen und die deutsche Sozialdemokratie von dem Wege des Klassenkampfes zur Eroberung der politischen Macht abzudrängen und in die sanften Bahnen ausschließlicher Reformlerei zu weisen, sind recht ausgiebig widerlegt worden, und zwar nicht bloß von den besten sozialistischen Theoretikern, darunter von Bernstein selbst, sondern auch und vor allem von den Tatsachen. Die Entwicklung unseres wirtschaftlichen und politischen Lebens bestätigt im großen ganzen geradezu glänzend die Marx-Engelssche Theorie des geschichtlichen Werdegangs zur sozialistischen Gesellschaft. Die zehnmal widerlegten Ansichten gewinnen dadurch nichts an beweisender Kraft, daß mit ihnen zur Abwechslung ein Mann aufwartet, der bisher einer der angesehensten Vorkämpfer für die Theorie von Marx und Engels gewesen ist und im Vordertreffen des Klassenkampfes gestanden hat. Wenn Bernstein heute verbrennt, was er früher angebetet, und anbetet, was er früher verbrannt hat, so ist dieser Umstand allein wahrlich nicht hinreichend, das als anbetungs- oder verbrennungswürdig zu begründen, wie bürgerliche Blätter frohlockend ausposaunen. Es spricht nur für eins: dafür, daß Bernstein heute Tatsachen und Theorien mit einem anderen Maßstab mißt als früher, und zwar mit einem Maßstab, der uns durchaus falsch dünkt.

Der von Marx und Engels begründete moderne wissenschaftliche Sozialismus ist sicher nicht ein schwächliches Treibhauspflänzchen, das den leisesten Lufthauch freier Kritik fürchten muß. Aber was Bernsteins Schrift bringt, ist in der Hauptsache nicht eine kritische Sichtung, Weiterführung und Vertiefung der einschlägigen Theorien, es ist vielmehr die unzweideutige Preisgabe der prinzipiellen Auffassung, in der das sozialdemokratische Programm gründet. Bezüglich der Taktik der sozialdemokratischen Bewegung aber enthalten des Verfassers Ausführungen nicht bloß die Mahnung, jede Gelegenheit zu positiver Reformarbeit zu ergreifen, den Hinweis aufrichtigere Bewertung und bessere Nutzung dieses und jenes Wirkungsgebiets, sondern sie gipfeln in dem Anraten einer entschiedenen Frontänderung, in dem Befürworten einer Mauserung der Sozialdemokratie aus der revolutionären Partei des klassenbewußten Proletariats zu einer demokratisch-sozialistischen Reformpartei. Über anregenden und zutreffenden Einzelheiten diese Hauptzüge der Bernsteinschen Schrift übersehen, hieße ihre Bedeutung nicht voll „würdigen“.

Berufenere werden sich an anderer Stelle mit des Verfassers Einwänden gegen die materialistische Geschichtsauffassung, die Dialektik und die Werttheorie auseinandersetzen. Bereits hat Kautsky in der Neuen Zeit durch eine treffliche Arbeit eine Artikelserie eingeleitet, in welcher er die aufgeworfenen Streitpunkte behandelt.

Unseres Erachtens hat Bernstein bezüglich dieser Materien einen donquichottischen Kampf gegen Windmühlenflügel aufgenommen. Das Bedürfnis nach einer wissenschaftlichen Rechtfertigung seines veränderten Standpunkts läßt vor seinen Blicken Auffassungen und Tatsachen in ganz wundersam phantastischen und verzerrten Formen auftauchen und treibt seine Beweisführung zu den absonderlichsten Purzelbäumen. So kämpft er gegen eine materialistische Geschichtsauffassung, welche die geschichtliche Entwicklung als einen sich mechanisch vollziehenden Prozeß begreift und die in ihrer äußersten Konsequenz zum „Quietismus“ führen müßte, zu dem Glauben an die alleinseligmachende Kraft der wirtschaftlichen Entwicklung und den Verzicht auf jede proletarische Aktion zur Umgestaltung der Gesellschaftsverhältnisse. So läßt er den lächerlichen Popanz des „Blanquismus“ von Marx und Engels [2] aufmarschieren, der nach ihm bis heute noch in der „revolutionären Phraseologie“ der deutschen Sozialdemokratie nachspuken soll. Mit dem Eifer des Neubekehrten bemüht er sich, bei Marx und Engels eine Entwicklung zur 7

Verschwommenheit und Zerfahrenheit und in der Folge Widersprüche zu sich selbst nachzuweisen. Aber diese Widersprüche werden mittels Haarspaltereien und Unterstellungen aus einzelnen Worten und aus dem Zusammenhang gerissenen Sätzen zusammengeklaubt. Sie sind nur ein Widerschein der Widersprüche, in die sich Bernstein bei der vergeblichen Liebesmüh’ verstrickt, seine jetzige Überzeugung eines bürgerlichen Sozialreformlers mit seiner alten sozialistischen Auffassung zusammenzuflicken. Wir verweisen unsere Leserinnen und Leser auf die ausführlichen Auseinandersetzungen über die aufgerollten Fragen in der Neuen Zeit, der Sächsischen Arbeiter-Zeitung, der Leipziger Volkszeitung usw. Wir begnügen uns, in einem folgenden Artikel [3] die Hauptpunkte zu erörtern, in denen sich Bernstein gegen die theoretischen Grundlagen des Sozialismus und gegen die sozialdemokratische Taktik wendet. Diese Punkte sind der entschiedene Nachweis für das vollzogene Abschwenken in das bürgerliche Lager.

Bernstein setzt an die Stelle der Wissenschaft die Utopie, er läßt die Gründe für die Verwirklichung des Sozialismus als einer wirtschaftlichen Notwendigkeit fallen und sucht das Proletariat mit dem frommen Glauben zu trösten, daß der Sozialismus eine sittliche, eine kulturelle Notwendigkeit sei. Er weist den Gedanken an den Zusammenbruch der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung als eine der unerläßlichen Voraussetzungen für die sozialistische Gesellschaft zurück und hofft auf eine allmähliche stückweise Einschmuggelung des Sozialismus in die kapitalistische Gesellschaft durch soziale Reformen, Gewerkschaften, Konsumvereine, Produktivgenossenschaften. Genau betrachtet, erweist sich die von ihm ins Auge gefaßte allmähliche Sozialisierung nicht als ein Mittel zur Zertrümmerung des Kapitalismus, sondern als Mittel zu seiner Befestigung durch die Verbürgerlichung des Proletariats. Mit ethisch-demokratischem Gruseln schiebt Bernstein den proletarischen Klassenkampf beiseite und trägt dessen geschichtliche Mission auf das „Rechtsbewußtsein“ über, auf den steigenden Einfluß der „Ethik“ und des „Allgemeininteresses“ innerhalb der ausbeutenden und herrschenden Klassen. Statt des Kampfes wider die Bourgeoisie predigt er die Aussöhnung mit ihr im Zeichen des „Liberalismus“, das heißt, er vertröstet das Proletariat mit dem Schaugericht einer abstrakten Formel, statt ihm die Notwendigkeit des festen Zugreifens nach dem sicheren Brot seiner wirtschaftlichen Befreiung einzuschärfen. Nachdem er den Klassenkampf verpönt hat, verflüchtigen sich unter seiner fingerfertigen Beweisführung die Klassen selbst. Das Proletariat wird in Personen und Gruppen aufgelöst, die von Interessengegensätzen beherrscht sind und kaum je unter den Hut eines gemeinsamen Klasseninteresses gebracht werden können. Auch die Bourgeoisie erscheint lediglich als buntes Zusammengewürfel von verschiedenen Interessengruppen, die zusammengehalten werden durch den Druck von oben oder die Furcht vor dem unten drohenden revolutionären Gespenst, die Furcht vor der „Freßlegende“ [4] vom kämpfenden Proletariat.

Bernstein fordert eine dieser Auffassung entsprechende Umänderung der sozialdemokratischen Taktik. Für ihn freilich beschränkt sich diese Umänderung bloß auf eine andere, richtigere Etikettierung der Partei und auf die Entwöhnung von der lasterhaften „revolutionären Phraseologie“, dem leidigen Erbstück des „Blanquismus“ von Marx und Engels. Die Mauserung, die er selbst durchgemacht hat, dichtet er nämlich auch der Sozialdemokratie an. Nach seiner Ansicht hat sich dieselbe bereits tatsächlich zu einer „demokratisch-sozialistischen Reformpartei“ entwickelt, und es handelt sich für sie nur darum, das bißchen moralischen Wagemut aufzubringen, um unbeirrt durch das Geschrei der Fanatiker des „Gewaltkollers“ „zu scheinen, was sie ist“. Die Entdeckung, daß die Sozialdemokratie eine nichts als reformlerische Partei ist, mußte Bernstein leichtfallen. Er begreift nämlich das Wort Revolution in dem allervulgärsten Polizeisinne und findet deshalb in dem Wirken der Sozialdemokratie nicht die geringste revolutionäre Spur. Daß er trotzdem den warnenden Schulmeisterfinger erhebt und ganz ernsthaft den Gebrauch des für zartnervige Ohren schreckhaften Wortes revolutionär widerrät, bekundet einen geradezu abergläubischen Respekt vor dessen bindender und lösender Kraft. Die Partei verbanne das Wort revolutionär aus ihrer Sprache, meint Bernstein, und es erstehen den proletarischen Interessen kräftige Verteidiger und Förderer in Gestalt der brünstig nach Betätigung schreienden „Ethik“ der besitzenden Klassen, in Gestalt des diese durchglühenden „Allgemeininteresses“. An Stelle des proletarischen Klassenkampfes gegen die Bourgeoisie zur Eroberung der politischen Macht tritt nun die Reformarbeit auf dem Gebiet der Gesetzgebung, des Gewerkschafts- und Genossenschaftswesens, der Gemeindeverwaltung usw. im Bunde mit dem anständig und gerecht denkenden Teil der Bourgeoisie zum Zwecke der Demokratisierung der Gesellschaft. Auf den friedlichen Wellen dieser Demokratisierung gleitet die geschichtliche Entwicklung zum Sozialismus hinüber. Selbstverständlich zu einem Sozialismus, der auch den herrschenden Klassen mit harmloser Freundlichkeit entgegenlächelt. Denn offenbar hat Bernstein mit der „Freßlegende“ auch die charakteristischen Merkmale des Sozialismus zum alten Eisen geworfen: die Überführung der Produktionsmittel aus dem Privateigentum in den Gesellschaftsbesitz, die Beseitigung der Warenproduktion und der freien Konkurrenz. Er erklärt den Sozialismus als „Bewegung zur oder der Zustand der genossenschaftlichen Gesellschaftsordnung“. Wie andere Begriffe, so verliert auch der des Sozialismus bei ihm seine scharf umrissene geschichtliche Bedeutung und wird zu einem verschwommenen, nebelhaften, vieldeutigen, alles- und nichtssagenden Etwas, zu dem sich heutigentags jeder leidlich anständige und gutmütige Mensch bekennen kann, ohne deshalb befürchten zu müssen, salonunfähig oder gar „gerichtsnotorisch“ zu werden.

Die von Bernstein angepriesene Theorie und Taktik ist die Theorie und Taktik all der bürgerlichen Elemente, die ihr Zelt an der Grenze des geschichtlichen Kampfplatzes zwischen Proletariat und Bourgeoisie aufgeschlagen haben. Wollte die Sozialdemokratie sich diese Theorie und Taktik zu eigen machen, sie müßte aufhören, sie selbst zu sein, sie müßte mit Nationalsozialen, Reformlern jeder Schattierung, doktrinären Liberalen und bürgerlichen Demokraten den Bruderschmatz tauschen und sich mit ihnen zu einem großen Reformlerkuddelmuddel vermengen. Es mag dies das Ideal der sozialen und politischen Parteichen und Gruppen sein, die so gern den feurigen Renner der Sozialdemokratie mit etwas Reformhaber kapitalfromm machen möchten, um ihn vor ihren eigenen, nicht vom Flecke kommenden Karren zu spannen. Es mag dies als holder Traum die guten Leute und schlechten Musikanten umgaukeln, die sich zum Nachweis ihres verfeinerten Empfindens und Denkens wider die materialistische Geschichtsauffassung und den Klassenkampf sträuben und an der Lösung der sozialen Frage durch geistreichelnde „ethisch-psychologisch-literarische“ Debatten „arbeiten“. Es wäre der Selbstmord der Sozialdemokratie als einer politischen Partei als der Partei des klassenbewußten, revolutionären Proletariats. Durch die ihr angesonnene Frontänderung würde sie zwar ihre Gegner nicht versöhnen und entwaffnen, wohl aber das Vertrauen und die Gefolgschaft der proletarischen Massen verlieren. Wenn Bernsteins Schrift ein großes Verdienst unbestritten beanspruchen darf, so ist es das: klar zu zeigen, wohin die in der Partei vorhandenen possibilistischen Strömungen führen müssen, und dadurch eine kräftige Aktion hervorzurufen nicht etwa für die Verwischung des grundsätzlichen Charakters der Sozialdemokratie und für die Taktik der Nurpraktischen-Reformarbeit, sondern gegen die Verbannung ihrer Grundsätze in den Silberschrein und gegen die Taktik der Kompromisselei mit der bürgerlichen Gesellschaft.

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