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„Um
sich von der Ausbeutung und Unterdrückung
zu befreien, muß die Arbeiterklasse der Bourgeoisie nicht bloß die
Produktionsmittel des Lebens entreißen, sondern auch die
Produktionsmittel des Todes. Gewalt läßt sich nicht wegdisputieren
und nicht wegbeten. Gewalt kann nur durch Gewalt gebrochen werden.
das sprechen wir Kommunisten offen aus, nicht weil wir ,Anbeter der
Gewalt' sind, wie sanfte bürgerliche und sozialdemokratische
pazifistische Gemüter uns beschuldigen. Nein, wir beten die Gewalt
nicht an, jedoch wir rechnen mit ihr, weil wir mit ihr rechnen müssen.
Sie ist da und spielt ihre geschichtliche Rolle, ob wir wollen oder
nicht. Es fragt sich nur, ob wir sie widerstandslos erdulden oder ob
wir sie kämpfend überwinden wollen.“
„Der
Pazifismus ist seinem Wesen nach bürgerliche Sozialreform, ist eine
spezifische Form der bürgerlichen Sozialreform und ebenso ohnmächtig
wie diese, die Widersprüche, Gegensätze und Übel des Kapitalismus
zu überwinden.“ |
Zum
150. Geburtstag von Clara Zetkin
Geboren
am 5. Juli 1857 in Wiederau
gestorben
am 20. Juni 1933 in Archangelskoje bei Moskau
Quelle:
Schnitzler-Aachen
Die
große Revolutionärin setzte all ihre Kraft für die Verbreitung der
Ideen des Sozialismus ein. Sie wirkte für den Zusammenschluß der
deutschen und internationalen Arbeiterklasse und vertrat stets eine
konsequent revolutionäre Politik. CLARA ZETKIN schloß sich 1878 als
junge Lehrerin der Sozialdemokratie an. 1889 referierte die bereits
erprobte Klassenkämpferin auf dem Gründungskongreß der II.
Internationale über die Organisierung der proletarischen Frauenbewegung,
deren Begründerin und 6
Führerin
sie war. Sie erwarb sich bleibende Verdienste, indem sie die marxistische
Frauenpolltik ausarbeitete, die Rolle von Ideologie und Kultur im
Klassenkampf untersuchte und einen grundlegenden Beitrag für die
marxistische Schul-, Bildungs- und Jugendpolitik leistete. Unter ihrer
Redaktion (1892-1917) wurde die sozialistische Frauenzeitung 'Die
Gleichheit' zu einem bedeutenden marxistischen Organ. Eng verbunden mit
KARL LIEBKNECHT und ROSA LUXEMBURG führte CLARA ZETKIN einen energischen
Kampf gegen Imperialismus, Militarismus, Opportunismus und Krieg. Mit W.
I. LENIN und N. K. KRUPSKAJA verband sie eine tiefe Freundschaft. CLARA
ZETKIN begrüßte die Große Sozialistische Oktoberrevolution als Beginn
einer neuen Ära. Für sie war die Stellung zur Sowjetunion Maßstab
revolutionären Handelns. Sie wurde zu einer leidenschaftlichen
Propagandistin des sozialistischen Aufbaus In der UdSSR, der Solidarität
der deutschen mit den sowjetischen Werktätigen, der Ideen LENINs und des
proletatrischen Internationalismus. 1921 wurde CLARA ZETKIN Präsidentin
der Internationalen Arbeiterhilfe und 1925 Vorsitzende der Internationalen
Roten Hilfe. Als eine der führenden Persönlichkeiten der KPD und der
Kommunistischen Internationale war sie maßgeblich an der Gestaltung der
kommunistischen Einheitsfront- und Bündnispolitik im Kampf gegen
Imperialismus, Faschismus und Kriegsgefahr beteiligt. Seit 1920 Mitglied
des Reichstages, leistete sie einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung
der kommunistischen Parlamentspolitik. CLARA ZETKIN wurde 1927 mit dem
Rotbannerorden und 1933 mit dem Leninorden geehrt.
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Wider
die sozialdemokratische Theorie und
Taktik
von
Clara Zetkin, (April
1899)
Clara
Zetkin, Ausgewählte Reden und Schriften, Bd.1, Berlin 1957, S.149-156.
Quelle:
Marxists’ Internet Archive – Deutschsprachiger Teil siehe
Die
von Freund und Feind mit gleicher Spannung erwartete Schrift Bernsteins
[1] zur Kritik der sozialdemokratischen Theorie und Taktik ist kürzlich
erschienen. Was die Freunde befürchtet, was die Feinde erhofft, das bestätigt
sie mit wünschenswertester Klarheit: die vollzogene Schwenkung des
Verfassers nach rechts hin. Wo Bernstein auf Grund seiner jetzigen Überzeugung
steht, darüber können sich nach der Veröffentlichung seiner Schrift nur
die täuschen, die aus Liebhaberei oder Beruf die Blinden spielen wollen.
Was dagegen die Gründe anbelangt, welche die Preisgabe des alten
Standpunkts, die Richtigkeit der veränderten Auffassung stützen sollen,
so bleibt die Schrift erheblich hinter den Ansprüchen zurück, die man
billigerweise an einen Mann von der Fähigkeit, dem Wissen und der
Gewissenhaftigkeit Bernsteins stellen durfte. Sie ist in dieser Hinsicht
geradezu dürftig und enthält weder neue beweiskräftige Tatsachen noch
neue beweiskräftige Gedankengänge. Was Bernstein gegen die
Marx-Engelssche Geschichtsauffassung einwendet, was gegen die darauf
beruhende Auffassung von den geschichtlichen Kräften, die mit
Naturnotwendigkeit zum Sozialismus führen müssen, was in der Folge gegen
die prinzipielle Grundlage des sozialdemokratischen Programms und bezüglich
der Taktik der Sozialdemokratischen Partei: das alles ist von bürgerlichen
Sozialreformlern, Ethikern, Kathedersozialisten usw. wiederholt gesagt
worden, zum Teil präziser und besser gesagt worden, als es in der
vorliegenden Schrift geschieht.
Nun
ist das ganz gewiß an und für sich noch kein Beweis für die
Unrichtigkeit der Bernsteinschen Kritik und Auffassung. Aber die in
Betracht kommenden Gründe, die bisher von bürgerlicher Seite geltend
gemacht worden sind, um die marxistische Auffassung zu bekämpfen und die
deutsche Sozialdemokratie von dem Wege des Klassenkampfes zur Eroberung
der politischen Macht abzudrängen und in die sanften Bahnen ausschließlicher
Reformlerei zu weisen, sind recht ausgiebig widerlegt worden, und zwar
nicht bloß von den besten sozialistischen Theoretikern, darunter von
Bernstein selbst, sondern auch und vor allem von den Tatsachen. Die
Entwicklung unseres wirtschaftlichen und politischen Lebens bestätigt im
großen ganzen geradezu glänzend die Marx-Engelssche Theorie des
geschichtlichen Werdegangs zur sozialistischen Gesellschaft. Die zehnmal
widerlegten Ansichten gewinnen dadurch nichts an beweisender Kraft, daß
mit ihnen zur Abwechslung ein Mann aufwartet, der bisher einer der
angesehensten Vorkämpfer für die Theorie von Marx und Engels gewesen ist
und im Vordertreffen des Klassenkampfes gestanden hat. Wenn Bernstein
heute verbrennt, was er früher angebetet, und anbetet, was er früher
verbrannt hat, so ist dieser Umstand allein wahrlich nicht hinreichend,
das als anbetungs- oder verbrennungswürdig zu begründen, wie bürgerliche
Blätter frohlockend ausposaunen. Es spricht nur für eins: dafür, daß
Bernstein heute Tatsachen und Theorien mit einem anderen Maßstab mißt
als früher, und zwar mit einem Maßstab, der uns durchaus falsch dünkt.
Der
von Marx und Engels begründete moderne wissenschaftliche Sozialismus ist
sicher nicht ein schwächliches Treibhauspflänzchen, das den leisesten
Lufthauch freier Kritik fürchten muß. Aber was Bernsteins Schrift
bringt, ist in der Hauptsache nicht eine kritische Sichtung, Weiterführung
und Vertiefung der einschlägigen Theorien, es ist vielmehr die
unzweideutige Preisgabe der prinzipiellen Auffassung, in der das
sozialdemokratische Programm gründet. Bezüglich der Taktik der
sozialdemokratischen Bewegung aber enthalten des Verfassers Ausführungen
nicht bloß die Mahnung, jede Gelegenheit zu positiver Reformarbeit zu
ergreifen, den Hinweis aufrichtigere Bewertung und bessere Nutzung dieses
und jenes Wirkungsgebiets, sondern sie gipfeln in dem Anraten einer
entschiedenen Frontänderung, in dem Befürworten einer Mauserung der
Sozialdemokratie aus der revolutionären Partei des klassenbewußten
Proletariats zu einer demokratisch-sozialistischen Reformpartei. Über
anregenden und zutreffenden Einzelheiten diese Hauptzüge der
Bernsteinschen Schrift übersehen, hieße ihre Bedeutung nicht voll „würdigen“.
Berufenere
werden sich an anderer Stelle mit des Verfassers Einwänden gegen die
materialistische Geschichtsauffassung, die Dialektik und die Werttheorie
auseinandersetzen. Bereits hat Kautsky in der Neuen Zeit durch eine
treffliche Arbeit eine Artikelserie eingeleitet, in welcher er die
aufgeworfenen Streitpunkte behandelt.
Unseres
Erachtens hat Bernstein bezüglich dieser Materien einen donquichottischen
Kampf gegen Windmühlenflügel aufgenommen. Das Bedürfnis nach einer
wissenschaftlichen Rechtfertigung seines veränderten Standpunkts läßt
vor seinen Blicken Auffassungen und Tatsachen in ganz wundersam
phantastischen und verzerrten Formen auftauchen und treibt seine Beweisführung
zu den absonderlichsten Purzelbäumen. So kämpft er gegen eine
materialistische Geschichtsauffassung, welche die geschichtliche
Entwicklung als einen sich mechanisch vollziehenden Prozeß begreift und
die in ihrer äußersten Konsequenz zum „Quietismus“ führen müßte,
zu dem Glauben an die alleinseligmachende Kraft der wirtschaftlichen
Entwicklung und den Verzicht auf jede proletarische Aktion zur
Umgestaltung der Gesellschaftsverhältnisse. So läßt er den lächerlichen
Popanz des „Blanquismus“ von Marx und Engels [2] aufmarschieren, der
nach ihm bis heute noch in der „revolutionären Phraseologie“ der
deutschen Sozialdemokratie nachspuken soll. Mit dem Eifer des Neubekehrten
bemüht er sich, bei Marx und Engels eine Entwicklung zur 7
Verschwommenheit
und Zerfahrenheit und in der Folge Widersprüche zu sich selbst
nachzuweisen. Aber diese Widersprüche werden mittels Haarspaltereien und
Unterstellungen aus einzelnen Worten und aus dem Zusammenhang gerissenen Sätzen
zusammengeklaubt. Sie sind nur ein Widerschein der Widersprüche, in die
sich Bernstein bei der vergeblichen Liebesmüh’ verstrickt, seine
jetzige Überzeugung eines bürgerlichen Sozialreformlers mit seiner alten
sozialistischen Auffassung zusammenzuflicken. Wir verweisen unsere
Leserinnen und Leser auf die ausführlichen Auseinandersetzungen über die
aufgerollten Fragen in der Neuen Zeit, der Sächsischen Arbeiter-Zeitung,
der Leipziger Volkszeitung usw. Wir begnügen uns, in einem folgenden
Artikel [3] die Hauptpunkte zu erörtern, in denen sich Bernstein gegen
die theoretischen Grundlagen des Sozialismus und gegen die
sozialdemokratische Taktik wendet. Diese Punkte sind der entschiedene
Nachweis für das vollzogene Abschwenken in das bürgerliche Lager.
Bernstein
setzt an die Stelle der Wissenschaft die Utopie, er läßt die Gründe für
die Verwirklichung des Sozialismus als einer wirtschaftlichen
Notwendigkeit fallen und sucht das Proletariat mit dem frommen Glauben zu
trösten, daß der Sozialismus eine sittliche, eine kulturelle
Notwendigkeit sei. Er weist den Gedanken an den Zusammenbruch der
kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung als eine der unerläßlichen
Voraussetzungen für die sozialistische Gesellschaft zurück und hofft auf
eine allmähliche stückweise Einschmuggelung des Sozialismus in die
kapitalistische Gesellschaft durch soziale Reformen, Gewerkschaften,
Konsumvereine, Produktivgenossenschaften. Genau betrachtet, erweist sich
die von ihm ins Auge gefaßte allmähliche Sozialisierung nicht als ein
Mittel zur Zertrümmerung des Kapitalismus, sondern als Mittel zu seiner
Befestigung durch die Verbürgerlichung des Proletariats. Mit
ethisch-demokratischem Gruseln schiebt Bernstein den proletarischen
Klassenkampf beiseite und trägt dessen geschichtliche Mission auf das „Rechtsbewußtsein“
über, auf den steigenden Einfluß der „Ethik“ und des
„Allgemeininteresses“ innerhalb der ausbeutenden und herrschenden
Klassen. Statt des Kampfes wider die Bourgeoisie predigt er die Aussöhnung
mit ihr im Zeichen des „Liberalismus“, das heißt, er vertröstet das
Proletariat mit dem Schaugericht einer abstrakten Formel, statt ihm die
Notwendigkeit des festen Zugreifens nach dem sicheren Brot seiner
wirtschaftlichen Befreiung einzuschärfen. Nachdem er den Klassenkampf
verpönt hat, verflüchtigen sich unter seiner fingerfertigen Beweisführung
die Klassen selbst. Das Proletariat wird in Personen und Gruppen aufgelöst,
die von Interessengegensätzen beherrscht sind und kaum je unter den Hut
eines gemeinsamen Klasseninteresses gebracht werden können. Auch die
Bourgeoisie erscheint lediglich als buntes Zusammengewürfel von
verschiedenen Interessengruppen, die zusammengehalten werden durch den
Druck von oben oder die Furcht vor dem unten drohenden revolutionären
Gespenst, die Furcht vor der „Freßlegende“ [4] vom kämpfenden
Proletariat.
Bernstein
fordert eine dieser Auffassung entsprechende Umänderung der
sozialdemokratischen Taktik. Für ihn freilich beschränkt sich diese Umänderung
bloß auf eine andere, richtigere Etikettierung der Partei und auf die
Entwöhnung von der lasterhaften „revolutionären Phraseologie“, dem
leidigen Erbstück des „Blanquismus“ von Marx und Engels. Die
Mauserung, die er selbst durchgemacht hat, dichtet er nämlich auch der
Sozialdemokratie an. Nach seiner Ansicht hat sich dieselbe bereits tatsächlich
zu einer „demokratisch-sozialistischen Reformpartei“ entwickelt, und
es handelt sich für sie nur darum, das bißchen moralischen Wagemut
aufzubringen, um unbeirrt durch das Geschrei der Fanatiker des
„Gewaltkollers“ „zu scheinen, was sie ist“. Die Entdeckung, daß
die Sozialdemokratie eine nichts als reformlerische Partei ist, mußte
Bernstein leichtfallen. Er begreift nämlich das Wort Revolution in dem
allervulgärsten Polizeisinne und findet deshalb in dem Wirken der
Sozialdemokratie nicht die geringste revolutionäre Spur. Daß er trotzdem
den warnenden Schulmeisterfinger erhebt und ganz ernsthaft den Gebrauch
des für zartnervige Ohren schreckhaften Wortes revolutionär widerrät,
bekundet einen geradezu abergläubischen Respekt vor dessen bindender und
lösender Kraft. Die Partei verbanne das Wort revolutionär aus ihrer
Sprache, meint Bernstein, und es erstehen den proletarischen Interessen kräftige
Verteidiger und Förderer in Gestalt der brünstig nach Betätigung
schreienden „Ethik“ der besitzenden Klassen, in Gestalt des diese
durchglühenden „Allgemeininteresses“. An Stelle des proletarischen
Klassenkampfes gegen die Bourgeoisie zur Eroberung der politischen Macht
tritt nun die Reformarbeit auf dem Gebiet der Gesetzgebung, des
Gewerkschafts- und Genossenschaftswesens, der Gemeindeverwaltung usw. im
Bunde mit dem anständig und gerecht denkenden Teil der Bourgeoisie zum
Zwecke der Demokratisierung der Gesellschaft. Auf den friedlichen Wellen
dieser Demokratisierung gleitet die geschichtliche Entwicklung zum
Sozialismus hinüber. Selbstverständlich zu einem Sozialismus, der auch
den herrschenden Klassen mit harmloser Freundlichkeit entgegenlächelt.
Denn offenbar hat Bernstein mit der „Freßlegende“ auch die
charakteristischen Merkmale des Sozialismus zum alten Eisen geworfen: die
Überführung der Produktionsmittel aus dem Privateigentum in den
Gesellschaftsbesitz, die Beseitigung der Warenproduktion und der freien
Konkurrenz. Er erklärt den Sozialismus als „Bewegung zur oder der
Zustand der genossenschaftlichen Gesellschaftsordnung“. Wie andere
Begriffe, so verliert auch der des Sozialismus bei ihm seine scharf
umrissene geschichtliche Bedeutung und wird zu einem verschwommenen,
nebelhaften, vieldeutigen, alles- und nichtssagenden Etwas, zu dem sich
heutigentags jeder leidlich anständige und gutmütige Mensch bekennen
kann, ohne deshalb befürchten zu müssen, salonunfähig oder gar
„gerichtsnotorisch“ zu werden.
Die
von Bernstein angepriesene Theorie und Taktik ist die Theorie und Taktik
all der bürgerlichen Elemente, die ihr Zelt an der Grenze des
geschichtlichen Kampfplatzes zwischen Proletariat und Bourgeoisie
aufgeschlagen haben. Wollte die Sozialdemokratie sich diese Theorie und
Taktik zu eigen machen, sie müßte aufhören, sie selbst zu sein, sie müßte
mit Nationalsozialen, Reformlern jeder Schattierung, doktrinären
Liberalen und bürgerlichen Demokraten den Bruderschmatz tauschen und sich
mit ihnen zu einem großen Reformlerkuddelmuddel vermengen. Es mag dies
das Ideal der sozialen und politischen Parteichen und Gruppen sein, die so
gern den feurigen Renner der Sozialdemokratie mit etwas Reformhaber
kapitalfromm machen möchten, um ihn vor ihren eigenen, nicht vom Flecke
kommenden Karren zu spannen. Es mag dies als holder Traum die guten Leute
und schlechten Musikanten umgaukeln, die sich zum Nachweis ihres
verfeinerten Empfindens und Denkens wider die materialistische
Geschichtsauffassung und den Klassenkampf sträuben und an der Lösung der
sozialen Frage durch geistreichelnde
„ethisch-psychologisch-literarische“ Debatten „arbeiten“. Es wäre
der Selbstmord der Sozialdemokratie als einer politischen Partei als der
Partei des klassenbewußten, revolutionären Proletariats. Durch die ihr
angesonnene Frontänderung würde sie zwar ihre Gegner nicht versöhnen
und entwaffnen, wohl aber das Vertrauen und die Gefolgschaft der
proletarischen Massen verlieren. Wenn Bernsteins Schrift ein großes
Verdienst unbestritten beanspruchen darf, so ist es das: klar zu zeigen,
wohin die in der Partei vorhandenen possibilistischen Strömungen führen
müssen, und dadurch eine kräftige Aktion hervorzurufen nicht etwa für
die Verwischung des grundsätzlichen Charakters der Sozialdemokratie und für
die Taktik der Nurpraktischen-Reformarbeit, sondern gegen die Verbannung
ihrer Grundsätze in den Silberschrein und gegen die Taktik der
Kompromisselei mit der bürgerlichen Gesellschaft. |