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Die
Fische fangen müssen sie, die noch in Arbeit befindlichen
Menschen;
die Arbeitslosen dürfen eine Ich-AG aufmachen,
bekommen eine Angel und sitzen gemeinsam am Rande eines Beckens,
in dem kein einziger Fisch schwimmt;
die
Fische werden währenddessen
von Anderen gefressen. |
Die
Arbeitslosen bekommen eine Angel - die Fische fressen andere
von
Günter Ackermann
Ein
Propagandawelle schwappt über uns weg. Schröder, seine Mannen, die
Industriebosse, die Presse und jede Menge selbst ernannte Experten erklären,
die „Hartz-Reformen“ seien notwendig, richtig und sozial ausgewogen.
Vom Standpunkt der Konzerne stimmt das sogar! Denn:
1.
Vom Standpunkt der Herrschenden sind sie wirklich notwendig, denn
es macht keinen Sinn für sie, dass Sozialleistungen vom Staat oder den
Unternehmen erbracht werden sollen, wenn sie auf keine Gegenwehr stoßen.
Die natürlichen Interessensvertreter der Betroffenen, die
Gewerkschaften, machen nur zögerlich Opposition gegen die unsoziale
Politik und andere Vertretungen sind entweder selbst pro kapitalistisch
(Attac), oder sehr schwach (Bündnisse gegen die Reformen). An
politischen Parteien ist auch nicht allzu viel vorhanden. Die beiden großen
Parteien mit dem S im Namen machen entweder diese Politik selbst (SPD)
oder unterstützen sie da mit, wo mit der SPD sie an der Regierung
(Berlin, Mecklenburg-Vorpommern). Die PDS unterscheide sich nur von der
SPD, dass erste wenigstens breit die Politik der Bundesregierung offen
befürwortet, während die PDS diese scheinbar bekämpft. tatsächlich
aber demagogisch dagegen ist. Aber – man sehe nach Berlin und
Schwerin.
2.
Sie sind für die Herrschenden richtig. Immer dann, wenn es genug
Arbeitskräfte gibt, sinken die Löhne effektiv. Das war in der BRD in
der Nachkriegszeit nicht offen erkennbar, denn zum einen, brauchte die
bundesdeutsche Wirtschaft Arbeitskräfte, aber zum anderen hätte eine
offene soziale Verelendung breiter Teile der Bevölkerung dem
konkurrierendem System im Osten genützt. Also vertuschte man es und
polsterte die Arbeitslosigkeit etwas ab, indem diverse Sicherungssysteme
eingeführt wurden.
Jetzt,
15 Jahre nach der Wende, fragt sich ja jeder Konzernchef, warum dieses
Geld unnützen Essern in den Hals geworfen werden soll. Das Geld fehlt
dann bei der Steuerreform, die ja bekanntlich die in Not befindlichen
Millionäre mit weniger Steuern beglückt, während die faulen und
fetten Normalverdiener direkt oder indirekt draufzahlen, Arbeitslosen
und Sozialhilfeempfänger gar sind Esser oder zu arbeiten.
Auch
will die deutsche Großindustrie wieder in fremden Ländern mitmischen.
Da wird Militär gebraucht, Militär braucht Waffen und beides kostet
Geld – viel Geld. Also, woher nehmen? Die Millionäre und Milliardäre
sollen nicht mehr Steuern bezahlen, die großen Konzerne sollen auch in
Zukunft keinen müden Euro an Steuern blechen müssen. Was bleibt übrig?:
Reinfassen in die Taschen der Geringverdiener und Trockenbrot für die
Ärmsten. Wie sagt man so schön: „Trockenbrot macht Wangen rot“.
Dass, wie man es aus der Vergangenheit weiß, manchmal die Wangen
totenbleich werden, ist ein Kolladeralschaden,
den es hinzunehmen gilt. Für die große vaterländische Aufgabe der
Profitsteigerung der Konzerne müssen eben alle Opfer bringen.
3.
Sozial ausgewogen ist ein schwieriger Begriff. Gemeint ist: Wenn
zwei in einem Raum sind, wobei der eine 100 Euro hat, der andere nichts,
haben beide im Schnitt 50 Euro. Also sozial ausgewogen! Jedenfalls muss
jemand, der 50 Euro hat, kein zusätzliches Geld von irgendeiner Stelle
erhalten. Er hat ja welches. Auch wenn das nur eine empirische Größe
ist.
Sozial
ausgewogen in diesem Zusammenhand ist, wenn einer mit Millioneneinkommen
keine Steuern oder nur wenige zahlen muss. Denn wenn er sich dick und
fett frisst, fallen noch genug Krumen vom Tisch. Darum sollen sich unten
dann die Arbeitslosen balgen. Wenn man dem Millionär aber steuern
zahlen lässt, frisst er weniger und es bleiben Arbeitslose ohne was zu
fressen auf der Strecke. Klingt doch logisch, oder?
Hartz
IV verteilt die Lasten gerecht – sozusagen. Die Konzernherren werden
von den Gewerkschaftsführungen mit aufgeweichten Tarifverträgen beglückt,
auch die Tariflöhne sinken auf breiter Front und die tarifvertragliche
Arbeitszeit steigt. Das natürlich nur, damit die ohne Arbeit Arbeit
bekommen.
Uns
Normalsterblichen leuchtet das so einfach nicht ein. Wieso, denke ich,
wird eine Verlängerung der Arbeitszeit zu Neueinstellungen führen?
Oder billigere Arbeitskräfte die Einstellung anderer erst möglich
machen? Wieso ist die deutsche Industrie im Weltmaßstab nicht
konkurrenzfähig, wo doch die Konzerne nicht wissen, wohin mit den
vielen Geld auf dem Konto. Heute z.B. geisterte die Meldung durch die
Nachrichten, dass die Telekom riesige Profile machte und ThyssenKrupp
nicht minder. Wieso fragt man sich, exportiert die deutsche Industrie
auf Teufel komm raus, während sie selbst unter den hohen Löhnen, den
Lohnnebenkosten, den Mitbestimmungsrechten, den Sozialleistungen, dem Kündigungsschutz
schier erdrosselt wird?
Naja,
klappern gehört zum Handwerk. Die Erklärung ist einfach: Es geht noch
billiger, die Profite könnten noch mehr steigen. Dass das einen
„Einschnitt ins soziale Netz“ zur Folge hat, versteht sich.
Wer
den Schaden hat...
braucht
für den Spott nicht zu sorgen. Den Schaden haben in diesem
kapitalistischen System immer die Proletarier. Der Schaden wird umso größer
– und damit auch der Spott – wenn diese wehrlos dem Ansturm des
Kapitals ausgeliefert sind.
Da
wundern sich manche schrägen Wissenschaftler darüber, warum die
Betroffenen nicht einsichtig sind. Diese Reformen seinen erforderlich
und unvermeidlich. Mit solchen Sprüchen haben wir uns fast schon
abgefunden. Aber jetzt steigen immer mehr schräge Vögel aus der
Versenkung auf.
Die
eine ist eine Frau Margaret
Heckel. Ihr kennt sie nicht? Das ist sicher keine Bildungslücke, sie
selbst ist eine, nämlich Ressortleiterin Ressortleiterin
Politik & Wirtschaft bei Finanzial Times Deutschland (FTD) und
Leiterin des Berliner Büros der Zeitung. Die FTD ist der
Deutschlandableger des gleichnamigen, auf rosa Papier gedruckten
englischen Zeitung. Die Börsenfuzzis, die mit Millionen jonglieren,
sind die Stammleser und die Chefs großer Banken und Konzerne ebenso.
Interessant an der FTD ist, dass hier ungeschminkt das gebracht wird,
was die Globalisierer, Spekulanten und die Jongleure mit viel Geld so
denken. Also jene, auf die es ankommt, die Gewinner von Hartz und Agenda
2010.
Gretchen Heckel schreibt da vollmundig:
„Ach, die armen
Arbeitslosen. Schlimm genug, dass über vier Millionen keinen Job haben.
Nun aber sollen sie - so im Osten Deutschlands ansässig - auch noch von
ihren Datschen vertrieben werden. Im Westen müssen sie ihre erwachsenen
Kinder aus der Wohnung jagen, damit diese ihr eigenes Arbeitslosengeld
II erhalten. Und im ganzen Land müssen sie hungern, weil das
Arbeitslosengeld Ende Dezember und dann erst wieder Anfang Februar
ausgezahlt wird.“
Na, schwillt die Zornesader? Es kommt noch
besser:
„Wie
gut, dass es in Deutschland eine super funktionierende Arbeitslosen-Empörungsindustrie
mit gut entlohnten Betroffenheitsprotagonisten gibt. Hochtourig wie ein
getunter Porsche-Motor und bestens konditioniert wie Pawlowsche Hunde
ist sie nun beschäftigt, himmelschreiendes Unrecht zu verhindern. Kein
Mittel ist zu klein, und besonders gern wird der große Krieg an die
Wand gemalt.“
oder
„Wenn all die Betroffenheitszyniker ihren vermeintlichen Schützlingen
wirklich helfen wollten, müssten sie ganz andere Dinge tun: Was hindert
PDS-Porsch daran, Fragebogen-Ausfüllhilfe anzubieten? Warum geht
SPD-Schreiner nicht auf Tingeltour bei den Firmen in seinem Sprengel, um
ein paar Jobs selbst einzuwerben? Wie wäre es, wenn FDP-Pieper die
Laubenpieper so weit trainiert, dass sie als Ich-AGs für
Gartendienstleistungen wieder ihr eigenes Geld verdienen können?“
Ist
das nicht infam? Es ist infam! Aber so oder ähnlich denken jene. die an
der Not anderer ihr Süppchen kochen und sich an ihnen bereichern. Die
Dame Heckel ist eine Lohnschreiberin der Spekulanten. Aber sie ist mehr,
sie ist auch Ideologin dieser Leute.
Weiter:
Am
11. August, der Westdeutsche Rundfunk, 5. Hörfunkprogramm, interview
einen honorigen Professor: Professor Alfred Gebert, seines Zeichens
Wirtschaftspsychologe, wird gefragt zu folgender Frage:
„In Deutschland scheint eine kollektive depressive Stimmung zu herrschen.
Hartz IV-Reformen, Gesundheitsreform und Rentendiskussion haben zu einer
allgemeinen Verunsicherung beigetragen. Wie wirkt sich diese Situation
auf potentielle Investoren aus dem Ausland aus? Und wie können wir aus
dieser Stimmung wieder herauskommen?“
Der famose Professor ist einer der
selbsternannten Experten. Er ist Professor an der Fachhochschule des
Bundes, Fachbereich Finanzen. Es ist klar, da muss er kompetent sein.
Ihr wusstet nicht, dass es diese famose Fachhochschule gibt? Ich auch
nicht und im Internet einige Redaktionen, die etwas von ihm bringen,
auch nicht. Die siedeln den umtriebigen Gebert kurzerhand an der Uni Münster an.
Der Mensch
ist recht vielseitig. Nur einige Bespiele von dessen Homepage (siehe
auch).
Prof.
Gebert ist Experte für:
- Zeitmanagement;
-
Kaufsucht (naja, die
Hartz-Opfer dürften kaum in Kaufräusche verfallen);
-
Körpersprache;
- Frühstückstypen („Hier finden Sie einige Hinweise zu
den verschiedenen Frühstücksgewohnheiten von Männern“ beschreibt er
selbst diesen seinen Forschungsbereich). Anmerkung hierzu: Ob er die
besonderen Frühstückstypen der Arbeitslosengeld 2-Empfänger da
einbezieht, entzieht sich meiner Kenntnis.
In der Regebogenpresse ist er auch vertreten, so in der Zeitschrift
„Freundin“, Heft 1/2003 ist er Experte. Ein Textbeispiel:
„Der
Nacktschläfer
Bibber, bibber – es ist eiskalt, aber er geht nur im Adamskostüm in
die Federn. Das gibt ihm nämlich das Gefühl von Freiheit und Männlichkeit.
„Er ist mit sich und seiner Welt zufrieden„, so Gebert. Ein Genießer
durch und durch, der nur will, dass es ihm – und auch Ihnen – gut
geht. Wetten, mit ihm im Bett bringt Sie niemals die Kälte, sondern nur
er allein zum Zittern?
Alles
klar? Ein wahres Universalgenie. Wer sich mit Nacktschläfern und den
verschiedenen Frühstückstypen auskennt, der kennt sich selbstredend
auch mit der Notwendigkeit von Hartz I bis unendlich und noch weiter
aus. Der Original-Hartz von VW ist dagegen ein Waisenknabe. Da bietet es
sich ja gerade an, dass ihn Deutschlands größte Rundfunkanstalt als
Experten befragt.
Aber
nicht nur Journalisten der knallharten Art, wie die Dame Gretchen Heckel
und der Universalgelehrte Gebert werden als Kronzeugen für das gute und
menschliche Gesetz des Sozialraubs aufgefahren. Die SPD-Linken – was
immer das auch sei – dürfen nicht fehlen.
Tatort:
wieder WDR 5, Sendung Morgenecho am 12.08.2004. Der Experte ist diesmal
Ex-Juso-Chef, auch Mitglied des SPD-Parteivorstandes, Nils
Annen (wie ja
auch Schröder und SPD-General Beneter
Jusu-Chefs waren). Bekanntlich machten beide mal auf links. Beneter wurde deshalb sogar von Willy Brandt wegen
Linksabweichlertum aus der SPD rausgeworfen. Sein Nachfolger wurde
Gerhard Schröder.
Die Juso-Chefs sollte man sich
also genau ansehen. Was gab der „Genosse“ Annen zum Besten?
„Ich
glaube, das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung,
insbesondere die Frage, ob wir elf oder zwölf Monate das neue
Arbeitslosengeld II auszahlen, hat ja meiner Meinung nach zu recht für
Unmut gesorgt. Das ist jetzt geklärt, das ist vom Tisch. Der
Wirtschaftsminister hat sich bewegt. Und ich finde auch, dass die Frage
des so genannten Schonvermögens, insbesondere die Erhöhung der
Freibeträge bei den Kindersparbüchern, ein wichtiges Zeichen ist. Und
wir sind insofern, glaube ich, dabei, dort jetzt die bei einem so großen
Gesetzesvorhaben sicherlich auch normalen Fehler und
Konkretisierungsfragen dann zu klären. Und das ist auch die Aufgabe der
Politik.“
Na
also, ein Schritt in die richtige Richtung. Das ist ja bekanntlich auch
die ganze Agenda 2010, mit Gesundheitsreform und den anderen Reformen.
Wohin die Richtung führt, sagte der SPD-Linke aber nicht.
Weiter
sagt Annen:
„Es
ist ja gesagt worden, wir müssen fördern und fordern. Im Mittelpunkt
stand zurzeit der Diskussion natürlich über die harten sozialen
Einschnitte, über die Zumutung, die wir mit diesem Gesetz verbinden,
aber wenn wir deutlich machen, dass wir die Spielräume nutzen, um die
Betreuung von Arbeitslosen zu verbessern, dass wir notfalls auch mit
staatlichen Mitteln wirkliche vernünftige Jobangebote auf den Weg
bringen, dass die Philosophie dieses Gesetzpaketes in den Mittelpunkt
gerückt wird, dann haben wir eine Chance. Ich glaube allerdings nicht,
dass das kurzfristig gelingen wird.“ Schöne Worte, aber leere
Worte, also warme Luft, Seifenblasen. Das sind die SPD-Linken.
Annen
will die „Spielräume nutzen, um die Betreuung von Arbeitslosen zu
verbessern...“ Der Kreis schließt sich.
Die
Fische fangen müssen sie die noch in Arbeit befindlichen Menschen, die
Arbeitslosen dürfen eine Ich-AG aufmachen, bekommen eine Angel und
sitzen gemeinsam am Rande eines Beckens, in dem kein einziger Fisch
schwimmt, die werden währenddessen von Anderen gefressen. |