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Zwei zentrale Demonstrationen in Berlin?

(aus: Roter Morgen)

Quelle: KPD-online

Zwei zentrale Demonstrationen in Berlin?

Nach Lage der Dinge werden am 2. und 3. Oktober in Berlin zwei Demonstrationen gegen Hartz IV und die Agenda 2010 stattfinden. Die Organisatoren der beiden Demonstrationen waren nicht in der Lage, sich auf einen gemeinsamen Aufruf für eine zentrale Demonstration gegen Hartz IV zu einigen. Damit ist offenkundig, dass die Bewegung gegen Hartz IV und die Agenda 2010 gespalten ist.

Die Hauptschuld an dieser Spaltung tragen die Organisatoren der Demonstration am 2. Oktober. Dazu gehören die Führungen der PDS und von Attac und die trotzkistischen Kräfte um Sascha Kimpel und Werner Halbauer. Sie wollten ohne den Willen zur Einheit eine Demonstration durchsetzen , in der die Forderung »Hartz IV muss weg!« nicht mehr im Mittelpunkt steht. Ihre zentrale Losung heißt »Soziale Gerechtigkeit statt Hartz IV – Wir haben Alternativen!« Einen Aufruf mit dieser Losung können wir nicht unterstützen. »Soziale Gerechtigkeit« kann es unter kapitalistischen Verhältnissen nicht geben. »Soziale Gerechtigkeit« ist eine Losung der Klassenversöhnung, nicht des Klassenkampfes. Sie orientiert den Kampf darauf, dass Kapital und arbeitende Menschen in gleicher Weise Opfer bringen sollen. Damit wird unterstellt, dass Kapital und Arbeiterklasse gemeinsame Interessen haben. Das ist falsch. Die Interessen des Kapitals, seiner Regierung und der arbeitenden Menschen sind unvereinbar. Deshalb ist es notwendig ist, den Kampf ganz einseitig an den Interessen der Arbeiterklasse und der arbeitenden Menschen zu orientieren. Deshalb muss im Mittelpunkt der Demonstration am 2. Oktober die Forderung »Hartz IV muss weg!« stehen. Man mag sagen, das Plakat für die Demonstration fordert unmissverständlich, dass Hartz weg muss. Das stimmt und es ist ein gutes Plakat. Auch der Aufruf enthält die Forderung nach Rücknahme der »Hartz-IV-Gesetzgebung«. Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit und die Forderung »Hartz IV muss weg![1]« schließen einander aber aus.

Der Opportunismus der Organisatoren der Demonstration am 2. Oktober kommt deswegen gerade darin zum Ausdruck, dass sie den Eindruck erwecken, dass beide Forderungen miteinander vereinbar sind. Praktisch bedeutet das, die Forderung nach der Rücknahme von Hartz IV wird in den Hintergrund gerückt und der Kampf darauf orientiert, sich mit »Nachbesserungen« und »Korrekturen« zufrieden zugeben.

Das ist der Versuch, der Bewegung gegen Hartz IV eine Richtung zu geben, die für das Kapital und die Regierung »annehmbar« ist. Es ist auch der Versuch, sich an die Gewerkschaftsführungen anzupassen, die den Kampf gegen Hartz IV längst offen verraten haben.

Wenn ein Gesetz verabschiedet wird, das die Lebenslage der Arbeiterklasse und aller arbeitenden Menschen drastisch verschlechtern wird, wenn der Kampf gegen dieses Gesetz beginnt, wenn klar ist, dass dieses Gesetz vom Tisch muss, wenn deshalb die Forderung »Hartz IV muss weg!« von Hundertausenden von Menschen gestellt wird – dann ist es notwendig, gerade diesen Kampf zu verstärken.

Die Losung nach sozialer Gerechtigkeit auszugeben, bedeutet dagegen, den Kampf gegen Hartz IV abzuschwächen. Das besonders schädlich, weil die große Mehrheit der Teilnehmer der Montagsdemonstrationen und der Teilnehmer der Demonstration am 2. Oktober die Rücknahme von Hartz IV will und dabei ist zu erkennen, dass dies nur zu erreichen ist, wenn sich der Kampf einseitig an ihren eigenen Interessen orientiert. Die Losung nach sozialer Gerechtigkeit erschwert diesen Klärungsprozess und behindert die Vertiefung und Ausweitung des Kampfes.

Gerade unter diesem Gesichtspunkt ist es ausgesprochen schädlich, dass die MLPD[2] zu einer eigenen Demonstration am 3. Oktober aufruft. Das ist ein schwerer sektiererischer Fehler. Jetzt zu einer eigenen »richtigen« Demonstration aufzurufen, bedeutet, dem Kampf gegen die Revisionisten und Opportunisten auszuweichen und ihnen das Feld zu überlassen.

Die KPD ruft zur Teilnahme an der Demonstration am 2. Oktober auf. Je größer die Zahl derjenigen ist, die am 2. Oktober die Forderung »Hartz IV muss weg!« in den Mittelpunkt stellen, desto besser.

Wir können und müssen am 2. Oktober erklären, dass deren Organisatoren die Bewegung gegen Hartz IV zu spalten versuchen und eine klare Forderung durch eine hohle Phrase verwässern wollen.

Die Teilnehmer der Demonstration am 2. Oktober können nicht mit den opportunistischen Führern von PDS, Attac und anderen Organisationen gleichgesetzt werden.

Roter Morgen 9/2004


[1]  Anmerkung K-online: Nicht nur Hartz IV muss weg, auch die ganze Agenda 2010 mit Gesundheitsreform und dem gesamten Sozialraub. Hartz IV ist nur ein Teil der gesamten Maßnahmen des Kapitals, wozu auch Lohnraub und Verlängerung der Arbeitszeit gehören.

[2]  Anmerkung K-online: Die MLPD-Parole: Weg mit Jartz vier – das Volk sind wir!“ ist ebenso falsch, wie die der Veranstalter der Demo am 2. Oktober. Gemeint ist der 2. Teil. „Das Volk sind wir“ geht auf 1989 in der DDR zurück. Die Parole ist Ausdruck der durch westliche Propaganda und durch revisionistische ideologische Entwaffnung durch die SED-Führung der DDR-Bürger-Bürger. Die DDR-Bürger wollten kapitalistische Zustände – die haben sie ja nun, wenn auch nicht so, wie gewollt.

 

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