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Die
glückliche Vereinigung der Bundeskanzlerin
Merkel
Von
Günter Ackermann/26. März 2007
„Wir
Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union sind zu unserem Glück
vereint.“ So jedenfalls ließ sie in die „Berliner Erklärung“ zum 50. Jubeltag der EU schreiben.
(siehe)
Das
ist bezeichnend für den Trubel, den die deutschen Propagandatrommeln uns
in den letzten paar Tagen vordröhnten. Gesternfrüh, im 5. WDR-Hörfunkprogramm
in der Sendung „Zeitzeichen“ um 9:10 Uhr, gedachte man auch dieses
Tages. Man verwies auf Schillers „Ode an die Freude“ und die beethovensche
Vertonung, die jetzt Europahymne sei.
Bekanntlich
schrieb Schiller
„Freude,
schöner Götterfunken,
Tochter
aus Elisium,
Wir
betreten feuertrunken,
Himmlische,
dein Heiligtum.
Deine
Zauber binden wieder,
Was
die Mode streng geteilt,
Alle
Menschen werden Brüder,
Wo
dein sanfter Flügel weilt.“
Jetzt
seien in Europa über 450 Millionen Menschen in Europa Brüder. Das war
mir nun doch etwas zuviel starker Tobak, ich schaltete aus. Denn der
sanfte Flügel der Frau Merkel weilt nun wirklich nicht sehr brüderlich
und edel.
Wer
zunächst diese „Berliner Erklärung“ durchliest – was die wenigsten
tun werden – dem fällt zunächst die erbärmliche Phrasendrescherei
auf. Da steht z.B.: „Die Europäische
Union lebt auch in Zukunft von ihrer Offenheit und dem Willen ihrer
Mitglieder, zugleich gemeinsam die innere Entwicklung der Europäischen
Union zu festigen.“
Oder:
„Wir stehen vor großen
Herausforderungen, die nicht an nationalen Grenzen halt machen. Die Europäische
Union ist unsere Antwort darauf.“
So
geht es den ganzen Text durch: Phrase an Phrase, kaum Konkretes. Der
übliche Stil der Frau Merkel, also Phrasendrescherei, wird in jedem
Absatz erkennbar. Und tatsächlich soll der sprechende (hier schreibende -
ja, das kann sie) Hosenanzug Merkel
den Wisch verfasst haben.
Man
muss den Text aber genauer und kritisch lesen, dann bemerkt man die
Pferdefüße schon.
Zunächst
einmal, was die lieber Frau in Berlin vom den Menschen der EU-Länder hält:
„Wir
Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union sind zu unserem Glück
vereint.“ Das ganze Papier wurde im Bundeskanzleramt formuliert und
nur von wenigen besprochen. Berlin drückte es den anderen Ländern auf
und keine Regierung, kein Parlament, geschweige denn ein Volk, wurde
gefragt. Damit ist Frau Merkel mit sich selbst glücklich vereint und wir
alle sind nur Beiwerk, Manipulationsmasse, Stimmvieh. Privat gönne ich
Frau Merkel – mit Gatten – alles Glück der Welt Aber unserer aller Glückseligkeit
wären wir ein Schrittchen näher, wenn sie uns mit dem Zeug beschonte.
Es
ist typisch für den Rummel um die deutsche Ratspräsidentschaft: Am
deutschen Wesen soll die Welt genesen, was schon der letzte Wilhelm so schön
blumig ausdrückte und führte sein Land in den 1. Weltkrieg. Nun will
Frau Merkel und die sie tragenden Kräfte des deutschen
Monopolkapitals, zunächst Europa und mittels der EU ihre Interessen
aufdrücken.
Da
lügt man schlichtweg auch schon mal:
„Wir verwirklichen in der Europäischen Union unsere gemeinsamen
Ideale: Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt.“
Der
Mensch steht für die in der EU Herrschenden im Mittelpunkt, behauptet die
liebe Angela. Herablassend könnte man sagen. „Du spinnst, Mädchen.“
Als das Gebilde, das heute EU genannt wird, gegründet wurde, hieß es
noch Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und auch heute noch geht es um
die Verteilung von Pfründe an bestimmte Wirtschaftskreise. Es geht darum,
den Konzernen größtmögliche Profitmöglichkeiten zu schaffen usw.
Dazu
gehört auch, dass es unproblematisch für z.B. VW sein muss, wenn der
Konzern die Löhne drücken will, wenn er die Möglichkeiten der
Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer Europas hat. Also z.B.
nach Portugal, Tschechien usw. Oder, wenn deutsche Unternehmen billige
Arbeiter hierher bekommen wollen, ohne, dass diese umständlich eine
Arbeitserlaubnis haben müssen. Die kommen dann fast immer ohne Arbeitsvertrag
und ohne Tarifvertrag. Sie sind damit rechtloser als jene, die per
Arbeitsvertrag und Arbeitserlaubnis hierher kamen. Man kann sie jederzeit
wieder feuern.
Wenn
in der EWG/EU frei Billigarbeiter hin und her schieben will, dann müssen
sie auch das Reisen in die verschiedenen Länder ermöglichen. Die lästigen
Grenzkontrollen für Reisende abzuschaffen, war also nicht dem Interesse
der Reisenden gewidmet, sondern dem Interesse der Herrschenden Klasse, dem
Kapital. Das unkomplizierte Reisen in EU-Länder ist nur ein
Abfallprodukt. Es wird aber verkauft als sei es das, worum es den
Regierenden gegangen sei.
Die
„gemeinsamen Ideale“ der Frau Merkel sind also die der Großindustrie
– vor allem der deutschen. Geht es mal gegen die deutsche Großindustrie,
so wird in der Presse ein riesiges Lamento veranstaltet. So
zum Beispiel die Absicht des Lohndrückers
und Strom- und Gasmultis e-on, der sich den größten spanischen
Energieversorger Endesa unter den Nagel reißen will. Die Regierung in
Madrid ist dagegen also stimmt die deutsche bürgerliche Presse ein
Wehmutsgeschrei an. Der Berliner Tagesspiegel titelt am 7. März 2007: „Eon-Blockade,
EU will Spanien verklagen“ oder die Süddeutsche Zeitung am 27.
Februar 2007: „Widerstand gegen
Eon, Spanien schottet Energiemarkt ab, Europas
Energiebranche ist nach dem Gebot von Eon für den spanischen Marktführer
Endesa in Aufruhr.“
Unerhört, dass die Spanier den Preistreiber und
Lohndrücker e.on nicht im Land haben wollen um sich von dem die Energiepreise diktieren zu lassen. Aber am deutschen Wesen, wird die Welt
genesen – das ist nach Meinung der Herrschenden hier im Land: Nach den
Profiten der deutschen Konzerne hat sich alles zu richten. Wenn da die
Regierungen anderer Länder Bedenken haben, dann begehen sie die
ungeheuere Sünde wider dir freie Marktwirtschaft und ungezügelten
Profitsucht: Sie schotten ab oder blockieren gar. Der Kaiser hätte noch
sein Heer marschieren lassen, aber heute hat man subtilere Methoden.
Das
Gerede um eine europäische Verfassung, um das geeinte Europa, um die 450
Mio. „Brüder“ in Europa, ist aus Berliner Sicht nur dann gewährleistet,
wenn Deutschlands Finanzoligarchie den Ton vorgibt. Deutschland ist das industriell mächtigste
Land der EU, es geht also auch in erster Linie um die Interessen der
deutschen Konzerne den anderen EU-Ländern gegenüber. Wenn Merkel
schreibt:
„Viele
Ziele können wir nicht einzeln, sondern nur gemeinsam erreichen. Die
Europäische Union, die Mitgliedstaaten und ihre Regionen und Kommunen
teilen sich die Aufgaben.“
so
vergaß sie hinzu zu fügen: Unter deutscher Führung und vor allem zum
Wohle der deutschen Wirtschaft.
„Wir
streben nach Frieden und Freiheit, nach Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit, nach gegenseitigem Respekt und Verantwortung, nach
Wohlstand und Sicherheit, nach Toleranz und Teilhabe, Gerechtigkeit und
Solidarität.“
Das
Streben nach Frieden der EU drückt sich darin aus, dass der
Ex-Kriegsminister Deutschlands, der jetzige SPD-Fraktionsvorsitzende
Struck, Deutschland am Hindukusch verteidigen wollte, zeigt sich an der deutschen Militärpräsenz
in Asien und Afrika, zeigt sich an der materiellen und propagandistischen
Hilfe der BRD gegenüber dem rassistischen zionistischen System in Israel
und der deutschen Hilfe im letzten Libanonkrieg Israels, zeigt sich aber
auch in der direkten Beteiligung einiger EU-Länder am USA-Krieg im Irak
und jetzt an der Vorbereitung eines Krieges gegen den Iran.
Es
sind die Interessen vor allem des deutschen Großkapitals, das die EU zu
sichern hat. Das ganze Geschwätz von Brüderlichkeit unter den Menschen,
vom Streben nach Frieden und Demokratie ist nur Beiwerk, das den wahren
Charakter der Herrschenden kaschieren soll.
G.A.
Siehe: Kapitalistenlogik, E.on
will die erzwungene Senkung der überhöhten Durchleitungsgebühren über
Lohnraub wieder reinholen. Von Günter Ackermann/23, März 2007
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