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Berlinwahlen:
Fast
alle Parteien verloren Stimmen – sie haben die Verluste redlich verdient
Von
Günter Ackermann/18. September 2006
CDU:
Wer meint, eine Figur im Hosenanzug, die zu allen Themen der Welt ihren
unqualifizierten Senf abgibt, die sich bei den Fußball-Weltmeisterschaftsspielen
der deutschen Mannschaft mit Beckenbauer in Szene setzte, die vom
Sanierungsfall Deutschland schwafelt oder die gar – zu Beginn ihrer
Kanzlerschaft – von der Propaganda als Staatsmännin und Superfrau, die
überall auf der Welt Kriege verhindert, Geiselnahmen unblutig löst usw.
verkauft wird, wer also glaubte, eine reine Werbung für Doofe garantiere
Wahlerfolge, der irrte. In Berlin (auch in Mecklenburg-Vorpommern) fiel
die CDU bei den Wahlen in ein tiefes Loch, sie verlor zu den letzten
Wahlen 2001 in Berlin 96.003 Stimmen – abgestraft wegen ihrer Politik
des Sozialkahlschlags.
SPD:
Einzig die Tatsache, dass sich Bürgermeister Wowereit blendend
verkauft, verdankt sie, dass nicht auch sie im Keller landete. Bei den
Wahlen zum Abgeordnetenhaus gewann sie schlappe 0,2% hinzu. Tatsächlich
waren es starke Verluste.
In
absoluten Zahlen: Die SPD verlor zu den letzten Wahlen 81.479 Stimmen. Die
geringe Wahlbeteiligung schwächte ihre Verluste in Prozent ab.
LinksparteiPDS:
Die Partei des frechesten Wahlbetrug bekam es knüppeldick, v.a. im
Osten Berlins. Sie verlor auf breiter Front. Zum Abgeordnetenhaus verlor
die Gysi-Partei 9,2%, bei einigen Bezirksvertreterversammlungen im Osten
erheblich mehr:
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Stadtbezirk
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2006
in
%
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2001
in
%
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Verluste
in %
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Pankow
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22,8
|
37,2
|
14,4
|
|
Treptow/Köpenick
|
28,0
|
36,2
|
8,2
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Marzahn-Hellersdorf
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38,1
|
51,1
|
13,0
|
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Friedrichshain-Kreuzberg
|
16,5
|
29,1
|
12,6
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Die
Partei tönte in ihrer Wahlwerbung lauthals, sie sein die Partei der
sozialen Gerechtigkeit. Die Berliner sahen die Realität der Politik
dieser Partei. Williger Vollstrecker des Sozialabbaus und sie setzte noch
eins drauf: Lohnabbau bei den Beschäftigten der städtischen Betriebe,
rigoroser Druck auf Arbeitslose, Privatisierung von Kindergärten,
kommunalen Wohnungen, der Wasser- und Energieversorgung usw. Oder, in
Vollstreckung des PDS-Wahlprogramms zur Bundestagswahl: Zwangsarbeit für
Arbeitslose, die Vollzeitarbeit leisten müssen, aber auch nicht mehr Geld
bekommen, wie Hartz IV. Nur, dass sie jetzt steuer- und
versicherungspflichtig beschäftigt sind, was das karge Einkommen noch
mehr schmälert.
Die
Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erklärte vor einiger Zeit,
dass ein großer Teil der Eltern keine Schulbücher mehr für ihre Kinder
kaufen könnten, weil ihnen das Geld fehle. Die Senatorin fürs Unsoziale,
Knaacke-Werner (PDS) und ihre Senatskollegen hatte die Staatsknete für
Schulbücher gestrichen.
Das
alles ficht die „Links“parteiler nicht an, sie zogen diese Politik
durch – ohne Rücksicht auf Verluste. Naja, die bekamen sie jetzt.
Die
PDS ist der Gewinner bei den Verlusten: Mit einem absoluten Stimmenverlust
von 132.117 Stimmen liegt sie weit vor der CDU (-96.003), der SPD
(-81.479), und der FDP (-38.541). Unsere herzliche Gratulation! Das habt
ihr redlich verdient.
Grüne:
Die Grünen sind die einzigen Gewinner der Berliner Wahlen. Mit 12,9%
(2001: 8,5%) gewannen sie 38.541 Stimmen hinzu. Als Grund kann ich nur
vermuten, dass die Grünen ihre Klientel gut bedienten. Sie sind die
Partei der Besserverdienenden, allerdings jener, mit etwas alternativem
Anspruch. Inzwischen genügt es, nur noch grüne Sprüche zu klopfen. Dass
ihren Klientel, den gut bezahlten Lehrern, Beamten und Wissenschaftern,
nicht in die Tasche gegriffen wurde, war das Verdienst der Schröder-Fischer-Regierung.
Also mobilisierte sie ihre Reserven, denn sie will die Politik zum Nutzen
dieser Leute fortsetzen können. Das erreicht sie, zumindest auf Berliner
Ebene, natürlich am besten als
Juniorpartner von Wowereit, Also posaunte sie als erstes, als das
Wahlergebnis bekannt wurde, ihren Anspruch in die Welt, anstelle der PDS,
Pöstchen im Senat zu bekommen.
WASG:
Sie waren angetreten mit durchaus richtigen Argumenten:
-
die PDS sei keine linke Partei;
-
die PDS exekutiere die Sozialkahlschlagspolitik der Bundesregierung:
-
die PDS setze dem noch dir Krone auf, indem sie in Berlin unter dem
Deckmantel der Finanznot große Teile der Bevölkerung ins Elend treibe.
Das
alles ist durchaus richtig. Viele aus der WASG sind ehemalige Mitglieder
der PDS und traten aus Protest gegen deren Politik aus. Und nun sehen sie
sich wieder in dieser PDS drin, müssen somit eine Politik unterstützen,
die sie bekämpfen wollen. Dagegen wehrten
sie sich.
Wir
schrieben schon vor einem Jahr, dass die WASG reformistisch sei und
eigentlich eine westliche Entsprechung der PDS sei. Ein Zusammengehen WASG
und PDS sahen wir als selbstverständlich an, denn beide Parteien sind Ergänzungen,
nicht aber Alternativen. Das sehen die Linken in der WASG anders.
Diesen
Umstand, dass die Linken die PDS-Politik ablehnen, machten sich
Trotzkisten zu Nutze und traten in die WASG ein. Die SAV (Sozialistische
Alternative Voran) bedienten sich der alten trotzkistischen Taktik des
Entrismus, traten also in die WASG ein und erlangten in Berlin eine
gewisse Stärke (nicht die Mehrheit). Mit den richtigen Argumenten gegen
die PDS-Politik zu sein, konnten sie die übrigen Linken hinter sich
bringen. In Berlin trat also die WASG, geführt von der trotzkistischen
SAV, gegen die PDS an – gegen den Willen der WASG-Führung auf
Bundesebene.
Vorzeigefigur
der WASG war Lucy Redler,
bekennende Trotzkistin und SAV-Mitglied. Im Vorfeld der Wahlen aber gaben
die SAV-Trotzkisten schon versöhnliche Töne in Richtung PDS von sich. Zu
vermuten ist, dass die Wahlen nur dazu dienen sollten, das Gewicht der
Trotzkisten zu stärken um sich dann teurer an die PDS verkaufen zu können.
Die
Rechnung ging nicht auf. Die unzufriedenen PDS-Wähler machten ihr
Kreuzchen nicht bei der WASG, sondern sie taten das einzig Vernünftige:
Sie blieben zu Hause.
Die
Verluste der PDS in Berlin gehen – Wahlforschern zufolge – übrigens
nicht aufs Konto der WASG. Die kassierten nur wenige Stimmen der PDS,
sondern die Wahlverweigerung war die Ursache.
Zusammenfassend
sei festgestellt: Die Wähler in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern waren
klüger, als die Parteistrategen. Sie boykottierten die Wahlen.
Dass
die NPD in MeckPom in den Landtag einzieht, verwundert mich nicht. Immer
dann, wenn die Linken versagen, gewinnen die Rechten.
Es
gibt nur ein Rezept gegen rechts:
Eine starke, eine richtige Linkspartei, also eine kommunistische Partei
wird gebraucht. Eine konsequente Vertreterin der Rechte der
Arbeiterklasse, die ihr den Weg weist, wird faschistische Strömungen
wirklich entgegen wirken.
G.A.
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