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Massenarbeitslosigkeit
und Seife
Oder
Die
Geisteshaltung des SPD-Chefs Kurt Beck
Von
Günter Ackermann/23. Dezember 2006
Ein
erboster Langzeitarbeitsloser und Empfänger von Hartz IV sagte dem
obersten sozialen Demokraten, was er von dessen Politik halte. Beck war so
erbost, dass es einer wagte, ihm, den Regierungschef aus Mainz anzumachen,
dass ihm ein PR-Lapsus passiert. Er sagte zum
arbeitslosen Henrico Frank, er solle sich erst waschen und
rasieren, dann bekäme er auch Arbeit.
Die
entsetzten PR-Berater Becks, der den Weihnachtsmarkt besucht hatte, um den
SPD-OB-Kandidaten der hessischen Landeshauptsstadt zu unterstützen,
versuchten zu retten, was zu retten ist. Als das Wiesbadener Ereignis durch
die Presse rauschte, machten sie aus der Not eine Tugend. Beck machte
Henrico Frank ein paar Arbeitsangebote. So als Topfspüler für € 7,50
in einem Restaurant. Das alles wurde als Großtat ausgegeben.
Dass
Frank der, wie es im amtschinesisch der
Bundesagentur für Arbeit (BfA) so schön heißt, ein Arbeitsloser mit
„multiplen Vermittlungshemmnissen“ (ein Multipler) ist, verschweigen
die PR-Macher des Herrn Beck. Frank hat nämlich, als ehemaliger Maurer,
einen Bandscheibenvorfall und
nur eine Niere.
Dass
das ganze eine medienwirksame Show für Kurt Beck, seine Partei und und
die Merkel/Münterfering-Politik ist, ist klar. Beck labert ja neuerdings,
die Deutschen müssten wieder mehr verdienen. Man kann da schon die Wut
bekommen. Ist es doch seine Partei, die unbeirrt am Abbau auch der letzten
sozialen Sicherungssysteme arbeitet. Jetzt steht uns erneut die
Gesundheitsreform ins Haus. Die vorige, die „Jahrhundertreform“ der
SPD-Frau Ulla Schmidt, hat schon die Gesundheitsverssorgung für die
Arbeitslosen und gering Verdienenden unbezahlbar gemacht. Frau Schmidt brüstet
sich damit, dass seit der Einführung der Reform á la Schmidt Nummer eins
die Arztbesuche rückläufig seien und wertet das als Erfolg. Dass es die
Menschen mit kleinem Einkommen sind, die nicht die 10 Euro Praxisgebühr
und die Zuzahlungen zu den Medikamenten, die Tageszuzahlung für
Krankenhausaufenthalte usw. aufbringen können, verschweigt die
SPD-Ministerin schamhaft,
Und
jetzt steht uns die Reform á la Schmidt Nummer zwei ins Haus. Ehe diese
„Reform“ Gesetz ist, werden wir bereits ab Beginn des Jahres 2007 mit
den Folgen konfrontiert: Die Krankenkassen erhöhen die Beiträge.
Und:
ab 1. Januar 2007 können Langzeitarbeitslosen einfacher die Leistungen
gekürzt oder ganz gestrichen werden.
Und:
die Löhne der abhängig Beschäftigten sind im freien Fall. Immer mehr
Betriebe bauen Sonderzahlungen, wie 13. Monatseinkommen, Urlaubsgeld usw.
ab und ebenso werden die Löhne absolut gekürzt. Auch das unter tätiger
Mithilfe von führenden Sozialdemokraten in der Politik und der
Gewerkschaftsspitze.
Und
da wagt dieser Kerl einen Arbeitslosen solch einen zynischen Rat zu geben,
er solle sich waschen und rasieren. Der Lapsus ist aber nichts anderes,
als das reale Handeln des SPD-Vorsitzenden zu offenbaren: Wer arbeitslos
ist, ist selbst dran schuld, machen diese Herrschaften der Öffentlichkeit
weiß und wissen ganz genau, dass sie lügen. Man muss sich nur um Arbeit
bemühen, dann findet man auch welche – behaupten sie. Also, so das
Handeln dieser Leute, muss der Druck auf die Arbeitslosen verstärkt
werden. Folglich: Nicht die Arbeitslosigkeit wird bekämpft, sondern die
Arbeitslosen.
Beck
präsentierte dann Henrico Frank einige Billigjobs, bei der er nicht nur
Schwerstarbeit machen muss – was er gesundheitlich nicht kann –
sondern er bekommt auch noch einen Hungerlohn von ungefähr etwas mehr als
1000 €, wobei die Mietzuschüsse von Hartz IV wegfallen und er
Versicherungsbeiträge und Steuern zahlen muss. Der soziale Sozialdemokrat
Beck ist ein Blender.
Zu
„Bild“ sagte Beck dann: „Ich hoffe, dass Herr Frank jetzt Arbeit findet. Es ging mir darum, ihm
zu helfen – und nicht um eine politische Demonstration.“ Der
Heuchler, er hoffte eher, dass Beck es ablehnt und er, Beck, dann als der
großzügige Helfer verkauft werden kann.
Inzwischen
hängen sich auch Politiker anderer Parteien an die Verleumdung von
Arbeitslosen an. Sie gönnen den Menschfreund Beck dem Medienrummel nicht
und profilieren sich entsprechend – aber im gleichen Sinn:
„Laurenz
Meyer, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion: „Das
Verhalten von Henrico Frank ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die
wirklich Arbeit suchen. Wenn er angebotene Arbeit ablehnt,
muss die Unterstützung gekürzt werden.“
Ein
anderer „christlicher“ Politiker wird noch deutlicher. Michael Fuchs
(CDU), Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand:
„Der Fall zeigt klar, unsere Systeme sind nicht scharf genug. Was wirft
das für ein Licht auf all die anderen Arbeitslosen! Henrico Frank bringt
sie alle in Verruf.“
Der
Chef der Partei der großen Abzocker, der FDP, Guido
Westerwelle, gibt natürlich
auch seine Senf dazu ab:
„Ich
frage mich: Wer schützt eigentlich die Schwachen vor den Faulen? Bei
Behinderten und Pflegebedürftigen wird der Mangel verwaltet – und
solche Kerle zocken ab!“
Aber
auch solche, die sich gern als Linke verkaufen wollen, schwimmen mit auf
der Welle:
Andrea Nahles,
Ex-Juso-Chefin, SPD-Präsidiumsmitglied und auf links machende
SPD-Karrieristin, labert dazu:
„Ich
kenne zig Arbeitslose, die sich die Finger schlecken würden, wenn sie
acht Arbeitsangebote bekämen.“
Das
genau glaube ich der Nahles nicht. Wenn es stimmte, dann hätten diese
Arbeitslosen ihr erklärt, was das für Scheißjobs sind, dass man von dem
Lohn nicht leben und nicht sterben könne und auch gesagt, dass solch eine
Arbeit für „Multiple“ mit körperlichen Schäden nicht geleistet
werden kann. Ich bin sicher, die sehr gut verdienende Frau Nahles kennt überhaupt
keinen Arbeitslosen und dürfte sich im Kreis der Kosmetiker von Hartz IV
herumtreiben.
Aber
auch aus den Reihen, der von der PDS zur Linkspartei mutierten, kommt Senf
hierzu: „Gesine
Lötzsch, stv. Fraktionschefin der Linkspartei: „Das
Verhalten von Herrn Frank wirft ein falsches Licht auf die Arbeitslosen.
Die Mehrheit der Arbeitslosen sucht händeringend eine Arbeit.“
Kommentar
hierzu: Die gut verdienende Spitzenpolitikerin redet einfach dummes Zeug
und hat keinen Gedanken an die Hintergründe verschwendet. Sie schwimmt
einfach auf der Beckschen PR-Welle und will ein Krümelchen davon
abbekommen.
Es
wird nicht nur nicht hinterfragt, was Henrico Frank an „multiplen
Vermittlungshemmnissen“ hat, sondern es wird auch nicht thematisiert,
dass es Menschen unter den Arbeitslosen gibt, die nicht jeden PR-geilen
Schwätzer sonst wohin kriechen, nur weil sie Ministerpräsidenten und
Parteichefs sind. Was Beck Frank zu bieten hatte war, unter dem
Blitzlichtgewitter der bürgerlichen Presse zum PR-Zwecken, ihm eine
billige dünne Suppe vorzusetzen und das auch noch als noble Geste
auszugeben.
Ob
die Art, wie Frank seine Haltung begründete, nämlich schweigend, richtig
war und ob die Sprecherin der Wiesbadener Hartz-IV-Plattform, Brigitte
Vallenthin, die als Managerin und Pressesprecherin von Henrico Frank
auftrat, ihm einen Bärendienst erwiesen hat, steht auf einem anderen
Blatt.
G.A.
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