|
Hartz
IV in Bremen (I)
Von
wegen unbürokratisch...
von
Bruno Humbug
23.12.04
Für
Sozialhilfeempfänger sollte alles ganz einfach sein, schließlich sind
ihre Daten ja schon in den Computern des Amtes für Soziale Dienste
(AfSD) gespeichert. Wer außer der Hilfe zum Lebensunterhalt
(HLU) keine weiteren Einkünfte oder Ansprüche darauf hatte, brauchte
auch nur drei einfache Fragen zu beantworten.
Dann
aber schlug die Bürokratie doch zu. Dazu muss man wissen, dass es keine
Sprechstunden in den Ämtern für Soziale Dienste mehr gibt. Die sind
wegen Personalmangels abgeschafft worden, Anträge werden schriftlich
gestellt und in den Hausbriefkasten geworfen. Verirrt sich ein
Sozialhilfeempfänger dann doch mal zu seinem Sachbearbeiter, um seinen
Antrag persönlich abzugeben, wird der Antrag nicht angenommen. Der
Antrag gehört in den Hausbriefkasten, basta. Es muss schließlich alles
seine Ordnung haben!
Ich
weise vorsichtshalber darauf hin, dass es sich hier nicht (!) um
eine Satire handelt!
Kurz
nachdem ich meinen Antrag abgegeben hatte, flatterte mir ein Brief des
AfSD ins Haus. Darin waren zehn Positionen aufgelistet, die noch
ordnungsgemäß zu beantworten wären. Dazu war verlangt, dass man
schriftliche Nachweise in Fotokopien einreicht. Gleichzeitig wurde
darauf hingewiesen, dass das ALG II gekürzt wird, wenn man seiner
Mitwirkungspflicht nicht oder nicht ausreichend nachkommt.
Hier
die krassesten Beispiele:
Telefonnummer
Das
ist schon dick. Ich beziehe schon seit mehreren Jahren Sozialhilfe. In
der Zeit hat sich weder meine Adresse noch meine Telefonnummer geändert.
Was aber noch bekloppter ist: Auf Blatt 1 meines Antrages steht der
Absender, d. h. meine Adresse mit meiner Telefonnummer!
Einkommensverhältnisse
Vor
ein paar Wochen musste ich den alljährlichen „Grünen Fragebogen“
ausfüllen. Dieser enthält auf zwei DinA4-Seiten umfassende Fragen zu
Einkommensverhältnissen, zu eventuellen zukünftigen Ansprüchen wie
Rente usw.. Wahrheitsgemäß habe ich angegeben, dass mein einziges
Einkommen die HLU ist. Dasselbe habe ich auch im Hartz IV-Antrag
angegeben. Hier aber musste ich, bei Androhung von Strafe, einen
Nachweis erbringen. Mir blieb also nichts anderes übrig, als den Sozialhilfebescheid
des AfSD zu fotokopieren und als Einkommensnachweis an des
AfSD zu schicken.
Gültiger
Personalausweis
Der
war abgelaufen, musste ich also neu beantragen, fotokopieren und ans
AfSD schicken. Aber da ich ohnehin schon beim Ortsamt (Meldestelle) war,
konnte ich mir auch gleich die angeforderte Meldebestätigung geben
lassen.
Des
weiteren musste ich in Kopien noch einreichen: Mietvertrag, Nachweis über
die aktuellen Nebenkosten, Rentenversicherungsnummer, Lohnsteuerkarte,
Scheidungsurteil und auch noch eine Kopie der Versichertenkarte meiner
Krankenversicherung. Soviel zum unbürokratischen Umgang mit Hartz IV in
Bremen. Ich weiß nur noch nicht, ob ich das Verarschung oder Schikane
nennen soll. Es ist wohl beides, denn alle diese angeforderten
Informationen, sind leicht meiner Akte zu entnehmen.
Der
Bremer Senat hat nun erst vor einigen Tagen beschlossen, dass alle
Sozialhilfeempfänger ab dem 1. Januar 2005 fünfzig (!) Euro mehr und
damit ebenso wie die Empfänger von Arbeitslosenhilfe nun 345 Euro
bekommen. Der Regelsatz der Sozialhilfe (HLU) beträgt bislang 296 Euro.
Soweit
ich weiß, hat auch der Bildungssenator Willi Lemke an der Senatssitzung
teilgenommen. Und Bremen hat auch im Vergleich der Bundesländer bei der
Pisa-Studie (diesmal Mathematik) ziemlich schlecht abgeschnitten. Man
merkt es, ich komme nur auf 49 Euro.
Jetzt
ist gerade noch kurz vor Weihnachten der Bescheid eingetroffen.
Aufgelistet ist da nichts. Rechnet man nach, kommt auf die angegebene
Summe, wenn man zu den 345 Euro für den Lebensunterhalt die Miete und
die Heizkostenpauschale dazu rechnet. Praktisch ergibt das eine
„Besserstellung“ von 16,70 Euro. Ich rechne es vor:
Waschgeld:
mtl.
4,09
Bekleidungspauschale
mtl.
23,01
Weihnachtsbeihilfe
auf den Monat umgerechnet
5,20.
Das
sind zusammengerechnet 32,30 Euro. Von diesen verbleibenden 16,70 Euro
soll also alles angespart werden, was man bislang als einmalige Beihilfe
beantragen konnte. Ziehen Sie sich schon mal warm an, Herr Schröder.
Bruno
Humbug
23.12.04 |