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Eben
bürgerliche Demokratie:
Jeder
darf sagen, was er will, niemand muss drauf antworten
Von
whs
Arbeiterkorrespondenz auf Kommunisten-online vom
30. August 2009
– In
der ARD lief wieder mal die beliebte Rätselsendung „Hart aber fair“
zum Motto “Wie sozial kann Deutschland sein?“ Anwesende Politiker,
Herr Wowereit (Regierender Bürgermeister von Berlin), Herr Gysi
(Vorsitzender der Partei „Die Linke“), Herr Kuhnt (Sprecher der Grünen),
Herr Brüderle (Stellv. Vors. Der FDP) und Herr Kauder (Generalsekretär
der CDU) zeigten dem Wahlvolk mal wieder Demokratie und gutes
politisches Benimm.
Vorweg
bemerkt, es wurden einige Wahrheiten ausgesprochen, auch von den
Anwesenden, auf die aber wohl (wie immer) keine Reaktion erfolgen dürfte.
Die Redaktion zeigt in einer Grafik, dass die Unternehmensgewinne von
2004 bis 2007 um 61% gestiegen sind. Gleichzeitig sind laut dieser
Grafik die Reallöhne um 4% gefallen. Auf diese Diskrepanz angesprochen
eiern sowohl Her Kauder als auch Herr Wowereit ganz schön herum. Was
sollen sie auch darauf erwidern? Es war doch Ziel ihrer Politik, sowohl
unter Bundesmacho Schröder als auch unter Bundesengelchen Merkel. Was
ihnen letztendlich einfällt, ist, den Gewerkschaften den Schwarzen
Peter zuzuschieben. Immerhin fällt Herrn Wowereit ein, dass ein
Mindestlohn in allen Branchen notwendig sei.
In
Anbetracht dessen, dass Die Linke nach der Wahl wohl nicht an
Regierungen beteiligt sein dürfte, fällt es Herrn Gysi leicht, einige
Wahrheiten auszusprechen. So wirft er in die Debatte, dass der
Mindestlohn (den FDP und CDU wie der Teufel das Weihwasser fürchten) in
21 EU-Ländern flächendeckend eingeführt ist und Erfolge zeitigt.
Weiter weist er darauf hin, dass der Reallohnverlust seit 2000 bis 2008
11,3% beträgt und dass es einen Reallohnverlust innerhalb der EU nur in
Deutschland gibt. Die anderen tun so, als sei gar nichts gesagt worden.
Eben Demokratie. Jeder darf sagen, was er will, niemand muss drauf
antworten.
Herr
Brüderle dröselt den Lohn auf, denn es gibt ja Wenigverdiener und
Gutverdiener. Wenn man nun die, die wenig kriegen weg lässt, so hat man
in Deutschland sogar eine Lohnsteigerung. Ist das nicht herrlich?.
Langsam zweifle ich am Vorhandensein von Hirnschmalz in den Reihen der
FDP. Aber es geht weiter, Herr Brüderle entlastet die Wenigverdiener
durch Steuersenkungen. Hat Herr Brüderle schon mitbekommen, dass die
Wenigverdiener gar keine Einkommenssteuer zahlen, eben weil sie so wenig
verdienen? Herr Brüderle senkt die Steuern, damit die Leute was kaufen
können und dadurch die Wirtschaft ankurbeln. Wenn alle anderen Konzepte
der FDP genauso aussehen, wie das Wirtschaftsankurbe-lungsprojekt, sehe
ich schwarz für diese Republik.
Herr
Brüderle hat aber wenigsten noch ein Konzept. Bei Herrn Kauder scheint
dieses ganz zu fehlen. Auf Programmpunkte anderer Parteien antwortet er
mit rhetorischen Tiefschlägen, eben politisches Benimm, das er für
sich aber von den anderen immer wieder einfordert, eben Demokratie.
Wichtig bei der CDU scheinen nicht die Inhalte (Thüringer Wahlplakate:
Gesicht des jeweiligen Politikers, Buchstaben CDU und am linken Rand des
Plakats vertikale Schrift „Hauptsache Thüringen“ – da weiß jeder
gleich was gemeint ist [oder auch nicht]) sondern wer Ministerpräsident
bzw. Kanzler wird. Kauder: „Wir sagen immer konkret, was wir
machen.“
Herr
Kauder hat dann doch ein kleines Konzeptchen: „Wer arbeitet muss mehr
haben, als wenn er nicht arbeitet.“ Da frage ich mich doch glatt, was
müsste Herr Kauder dann eigentlich verdienen, wenn er endlich was
arbeiten würde. Und noch etwas fiel ihm ein. Er stellte fest: „Jeder
3. verdiente Euro geht in soziale Leistungen.“ Hat sich Herr Kauder
mal gefragt, warum das so ist? Wahrscheinlich nicht. Her Brüderle hätte
es ihm vielleicht sagen können, mit Sicherheit aber Herr Gysi, bloß
dem hörte Herr Kauder gar nicht zu.
Herr
Wowereit erklärte, wen man den Wählern nicht sage, was man wolle,
erzeuge man Politikverdrossenheit. Herr Wowereit, die erzeugen Sie auch,
wenn Sie den Leuten sagen, was Sie machen wollen, aber etwas anderes
machen. Schon mal daran gedacht? Nein, gelle.
Der
Höhepunkt: Ein Mädchen, 15 Jahre, wünscht sich eine Bassgitarre.
Mutter hat Dreiviertelstelle. Lohn wird mittels Aufstockung
aufgebessert. Mädchen geht arbeiten, macht auch Überstunden,
Wochenendarbeit, alles, was vom flexiblen „Arbeitnehmer“
eingefordert wird. Kauft sich vom Lohn Gitarre. Arbeitsamt (Verz.
Agentur für Arbeit) zieht Mutter genau den Betrag vom
Aufstockungsbetrag ab. Mädchen schreibt an Hern Bundesarbeitsminister
Scholz. Der schreibt Brief zurück und gibt dem Arbeitsamt Recht. So
schafft man flexible, leistungswillige Bürger, die mal was für ihren
Staat tun, denn der will nur ihr Bestes, ihr Geld!
Zwei
Zuschauer bringen die ganze (unheimliche) Debatte auf den Punkt.
-„Steht
das Wort „sozial“ überhaupt noch im Duden?“
-„Wer
heute noch an Wahlversprechen glaubt, kauft auch bei Kaffeefahrten
Magnetdecken.“
Mehr
möchte ich dann auch nicht zu Herrn Gysi sagen.
Wahlplakat
„Reichtum für alle“.
Rot
Front
Werner
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