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Erklärung
von Caracas
ES
GIBT KEINE KAPITALISTISCHE LÖSUNG DER GEGENWÄRTIGEN KAPITALISTISCHEN
KRISE
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Caracas
,
18. Oktober
2008, Tribuna Popular TP.- 139
Intellektuelle, Künstler und politische Persönlichkeiten aus 65 Ländern
aller Teile des Planeten versammelten sich in Caracas vom 13. bis 17.
Oktober 2008 zum 8. Internationalen Treffen der Intellektuellen und Künstler
zur Verteidigung der Menschheit und Generalversammlung des Weltforum für
Alternativen. Ihre Schlussfolgerung heißt, dass „die gegenwärtige
kapitalistische Krise keine kapitalistische Lösung haben kann. Denn
dies würde bedeuten, die Kosten zu verlagern und neue Lasten den Ländern
und Völkern des Südens und den verwundbarsten gesellschaftlichen
Menschengruppen im Norden aufzuerlegen.“
Tribuna
Popular TP veröffentlicht den gesamten Wortlaut des Dokuments „Erklärung
von Caracas“, in welchem sich die Diskussionen widerspiegeln, die in 4
Diskussionsrunden erarbeitet worden sind. Dabei ging es um die gegenwärtigen
Hauptprobleme der Menschheit zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
ERKLÄRUNG
VON CARACAS
Es
gibt keine kapitalistische Lösung der gegenwärtigen kapitalistischen
Krise.
1.
Das Netzwerk der Intellektuellen und Künstler zur Verteidigung der
Menschheit und des Weltforums für Alternativen in der Beratung in
Caracas vom 13. bis 17. Oktober 2008 dankt dem Volk und der Regierung
des Bolivarischen Venezuelas, dass sie uns ermöglichten, dieses erste
gemeinsame Treffen durchzuführen.
2.
Die gegenwärtige kapitalistische Krise kann keine kapitalistische Lösung
haben. Denn dies würde bedeuten, die Kosten zu verlagern und neue
Lasten den Ländern und Völkern des Südens und den verwundbarsten
gesellschaftlichen Gruppen des Nordens aufzubürden. Daher weisen wir
zurück, dass die Entscheidungen von denselben Leuten getroffen werden,
die die Schuldigen der Krise sind, wie der G8, der G20 und ihrem Forum für
Finanzstabilisierung, oder den multilateralen Organen, dem IWF, der
Welthandelsorganisation WHO oder der Weltbank. Dringend erforderlich ist
die Stärkung vorhandener Freiräume und Schaffung neuer Freiräume der
Entscheidung mit Teilnahme und Mobilisierung der Regierungen, der
zwischenstaatlichen Einrichtungen, der gesellschaftlichen Bewegungen und
der Intellektuellen, um alternative Auswege einzuleiten, die darauf
orientiert sind, eine neue Weltwirtschafts- und Weltfinanzordnung
herzustellen.
3.
Der Kapitalismus ist auch für die Umweltkrise verantwortlich, die das
Überleben der Menschheit selbst gefährdet: Klimawechsel, Ernährungskrise,
Energiekrise und Verknappung an Süßwasser.
4. Die Krise eröffnet Möglichkeiten für den Aufbau von Alternativen.
Wir müssen das Scheitern der Verhandlungen von Doha nutzen, um neue
Formen und Normen des Austausches zu erarbeiten. Diese neuen Formen müssen
sich auf die Achtung der grundlegenden Menschenrechte, die
Sicherstellung und Souveränität der Ernährung und die Solidarität
zwischen den Völkern gründen. Wir weisen die Zahlung der
Auslandsschulden der Länder des Südens zurück. Die Souveränität über
die Naturreichtümer ist wiederherzustellen und die Zahlung der
Umweltschulden zu fordern.
5.
Wir bringen unsere Solidarität und unser größtes Engagement für die
neuen gesellschaftlichen und emanzipatorischen politischen Prozesse in
Lateinamerika und in einigen anderen Ländern Afrikas und Asiens, z.B.
Nepals, zum Ausdruck. Sie eröffnen neue und verheißungsvolle
Perspektiven für den Aufbau einer besseren Welt.
6.
Die vom bolivarischen Ideal inspirierte Venezolanische Revolution stellt
einen Bezug auf Befreiung für die demokratischen und revolutionären Kräfte
in der Welt dar. Wir drücken unsere Solidarität aus und weisen die
Angriffe des Imperialismus und der Rechtskräfte gegen die Regierung und
das Volk Venezuelas zurück. Wir äußern unsere Befriedigung über den
von Präsident Evo Morales in der Volksabstimmung errungenen Sieg,
ebenso für das ekuadorianische Volk bei der Annahme seiner neuen
Verfassung. Wir sind überzeugt, dass diese Volksentscheidungen für die
Linksregierungen sich demnächst bei den Wahlen fortsetzen werden, die
in Venezuela stattfinden und im in Bolivien einberufenen
Verfassungsreferendum.
7.
Wir bekräftigen die wirksame Aktion des UNASUR (Union der Südamerikanischen
Nationen) gegenüber den Putschbestrebungen in Bolivien. Dies zeigte die
souveräne Fähigkeit der Länder der Region, selbstständig ihre
Entscheidungen zu treffen.
8.
Die Einmischungen des Imperialismus erfolgen weiterhin inmitten
wachsender Kosten zu Lasten der Menschen in allen Kontinenten. Wir drücken
unsere tiefe Unruhe über die zugespitzte gesellschaftliche und
politische Krise aus, die Kolumbien durchmacht, besonders wegen der
Unterdrückung der gesellschaftlichen, Arbeiter-, Bauern- und
Indiobewegungen. Die Regierungshindernisse, die die Fortschritte im
Friedensprozess sabotierten. Und die Aggressionen der paramilitärischen
Strategie des kolumbianischen Staates im engen Bündnis mit der
Bush-Regierung gegen die Länder der Region.
9. Die Reaktivierung der 4. Flotte der Seestreitkräfte der Vereinigten
Staaten zeigt die Aggressivität, mit welcher dieses Land die
emanzipatorischen Prozesse in diesem Teil der Welt stoppen will. Das
Beharren auf der nordamerikanischen Blockade gegen Kuba ist ein weiteres
Zeichen der imperialen Perversität. Und gleichzeitig zeigt dies das
Scheitern ihrer Politik gegen ein Volk, welches an diesem 1. Januar 2009
den 50. Jahrestag einer Revolution begehen wird, die ein Beispiel der
Menschenwürde ist. Wir drücken unsere Solidarität angesichts der von
den Hurrikanen hervorgerufenen Verwüstungen der Insel aus.
10.
Wir verurteilen die vom Staat Israel ausgeübte Gewalt gegenüber dem
palästinensischen Volk, die sich in einem Prozess außerordentlich
gesteigert hat, der keine Grenze zu haben scheint. Und wir unterstützen
die internationale Kampagne des Boykotts der verbrecherischen Politik
des Staates Israel.
11.
In Afghanistan und Irak, zwei vom Imperialismus zerstörten Völkern,
geht der Angriffskrieg der Vereinigten Staaten und der NATO weiter,
bringt Tod und Zerstörung in seinem Verlauf. Wir fordern den unverzüglichen
Abzug aller ausländischen Truppen. Wir verurteilen die Drohungen mit
Aggression seitens des Imperialismus gegen Iran.
12.
In Afrika sind viele Völker Opfer der Konflikte fremder Interessen, die
ihr Überleben gefährden. Sie erleiden das Agieren der transnationalen
Konzerne, die am Ausplündern ihrer Naturreichtümer interessiert sind,
wie im Fall der Demokratischen Republik Kongo und Nigerias, oder ausländischer
Mächte wie im Falle Somalias. Wir unterstützen die afrikanischen
Regierungen beim Zurückweisen der Präsenz des Afrika-Kommandos (Africom)
der nordamerikanischen Seestreitkräfte und der Schaffung des
Vertragswerkes mit der Europäischen Union.
13.
Gegenüber der Barbarei der aufgezeigten Situationen bekräftigen wir
unsere Überzeugung, dass der Sozialismus die einzige Alternative ist,
um die wirtschaftlichen, sozialen, politischen, kulturellen. Umwelt- und
zivilisatorischen Probleme der Menschheit zu lösen. Sein Aufbau wird
das Ergebnis des Zusammenhaltens und der Mobilisierung der Arbeiter,
Bauern, Indios, Frauen, gesellschaftlichen und Umweltbewegungen und der
anderen Gruppen sein, die die Ungerechtigkeit herausfordern, um die
Hoffnung der Völker Realität werden zu lassen, dass eine andere Welt möglich
ist.
Caracas,
17. Oktober 2008
Quelle:
Tribuna Popular in http://www.pcv-venezuela.org/i
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