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Kaffeesatzleser
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement mit »Hartz IV« zufrieden
jungewelt
vom 13.01.2005
Seit knapp zwei Wochen ist »Hartz IV« in
Kraft. Erfolgreich. Zwar lief das Verarmungsprogramm für zirka vier
Millionen Menschen chaotisch an. Aber das macht nichts. Denn jede
sogenannte Panne bedeutete immer nur: Jemand hat noch weniger erhalten,
als ihm zusteht. Für den Staat ist das Chaos damit kostenneutral. Die
Betroffenen zieht es in die Armut. Mit oder ohne Pannen. Wie geplant
also. Wirtschaftsminister Clement ist dementsprechend zufrieden.
Am Mittwoch hat er im ARD-Morgenmagazin schon
mal einen »Mentalitätswandel« bei den Arbeitssuchenden ausgemacht.
Immer mehr Menschen würden sich von sich aus bewerben.
Früher hatte das ja keiner nötig. »Bewerbung,
was’n das?«, hatte man auf dem Arbeitsamt seinen Vermittler
angeknurrt, worauf der die Stütze aufstockte und rüberschob. Es gab ja
kein »Hartz IV«. Auch keine Ein-Euro-Jobs. Jetzt will ja jeder in
Ein-Euro-Jobs, egal, was es ist. Laub harken, Windeln waschen, Straße
fegen. Die Leute schreiben sich die Finger wund, um solche Arbeit zu
bekommen. Es gibt aber zu wenig.
Gleichzeitig, sagte Clement, wird bei der
Schwarzarbeit erstmals seit Jahrzehnten ein Trend nach unten
registriert. Die Leute werden langsam ehrlich. Clement wundert das
nicht. Er weiß den Grund. Wegen der Minijobs, sagte er. Als nächstes
rechnet der Wirtschaftsminister mit Bewegung im Bereich der
Jugendarbeitslosigkeit. Das hat er nicht begründet, aber es liegt in
seiner Logik: Nimm jemandem etwas weg, dann löst du einen Teil seiner
Probleme. Nimm ihm alles weg, dann hat er kein Problem mehr. Je weniger
Lehrstellen also, desto weniger jugendliche Arbeitslose. Gar keine
Ausbildung könnte so am schnellsten zur Abschaffung der
Jugendarbeitslosigkeit führen. Clement arbeitet daran mit dem
sogenannten Lehrstellenpakt.
Insgesamt rechnet der Wirtschaftsminister auf
längere Sicht mit 15 bis 20 Prozent weniger Arbeitslosen in der
Bundesrepublik. Durch »Hartz IV«. Nach der Einrichtung der
Kundencenter bei den Arbeitsagenturen könne die Vermittlung »mit
voller Professionalität« laufen. So wie Clement schon jetzt: Je
dreister die Lüge, desto eher wird sie geglaubt.
(ulis)
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