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WIEDER
EINE GROSSE DEMONSTRATION!
2.Oktober
2004
Quelle:
neue-einheit
Wieder
hat eine große Demonstration gegen die Hartz-Gesetzgebung und die
Agenda 2010 stattgefunden. Auf real 50 - 70.000 Menschen muß diese
Demonstration geschätzt werden. Ein riesiger Demonstrationszug, in
einem gewissen Sinne vergleichbar mit dem vom 1.11.2003, zog sich durch
den Berliner Stadtteil Mitte. Entgegen vieler Erwartungen, die auf ein
Abflauen der Demonstrationen gesetzt haben, hat sich erneut ein riesiges
Protestpotential offenbart. Und das ist kein Wunder. Jeden Tag lernen
Menschen im Konkreten die neue "soziale" Gesetzgebung kennen
und spüren, was dies bedeutet. Nicht nur die Aufrufe und die
schriftliche Propaganda wirken, sondern die Realität selbst.
Im
Vorfeld der Demonstrationen war zu erfahren, daß bei einer ganzen Reihe
von Initiativen und Montagsdemonstrationsgruppen nur ein kleiner Teil
ihrer bisherigen Teilnehmer sich für eine Fahrt zu dieser Demonstration
entschieden hatten. Daran kann man sehen, was für ein noch viel größeres
Potential an aktiven Gegnern dieser Gesetzgebungen existiert. Und der
Widerstand wird weiter wachsen. Ein großer Teil der Menschen reagiert
erst dann, wenn sie selbst von diesen Gesetzgebungen konkret erfahren
oder sie in ihrem unmittelbaren Umfeld Bekanntschaft mit diesen neuen Maßnahmen
machen. Tausendfältig waren die Sprüche auf den Plakaten zu lesen, die
auf Initiative einzelner nach ihren eigenen Ideen zustande gekommen
sind. Über die Politiker und ihre Raffgier, über die Rolle der
Konzerne und der Manager usw. Vielmals mit einfachen moralischen Vorwürfen,
aber unbedingt ernstgemeint. Auf einem Plakat hieß es z.B.
"Freiheit bedeutet nicht die Befriedigung der eigenen
Selbstsucht".
Obwohl
die Demonstration von Organisationen geführt wurde, die selbst nicht
unbedingt konsequent am Kampf gegen Hartz IV festhalten, sondern sich
noch nicht einmal sicher sind, ob sie sich mit der Regierung oder den
anderen die Konzepte tragenden Parteien konfrontieren wollen, so hat
doch der Einsatz der vielen Initiativen im Land gezeigt, welches
Potential bei solch gemeinsamer Aktion aufbricht. Sie haben sich davon
nicht abhalten lassen. Der große zahlenmäßige Erfolg gibt erneut den
Organisatoren dieser Demonstration recht. In gewisser Weise entspricht
das immer noch der gegenwärtigen Situation.
Diese
Bewegung wird weitergehen, unabhängig davon, in welchen Formen von
Demonstrationen und Aktionen sich diese durchsetzt. Natürlich kann es
nicht bei Protesten bleiben, das wird auch immer mehr Menschen klar. Es
muß ein ganz anderer Kampf her. Und das ist der Kampf derjenigen, die
noch Arbeit haben in Gemeinschaft mit denjenigen, deren Arbeit bedroht
ist oder die keine Arbeit mehr haben. Zu Recht wurde vom Podium
festgestellt, daß allein mit Demonstrationen diese sog. Politik der
Reformen nicht zu besiegen ist.
Was
ist denn Harz IV und die Agenda 2010? Das ist die Politik des Kapitals
nach Jahren sogenannter sozialer Politik, nachdem sie sich großgefressen
und internationale Erwerbungen in großem Umfang getätigt haben, zu
erklären: Wir haben uns jetzt ausgedehnt und viele neue Arbeitskräfte
gewonnen. Ihr sollt jetzt auch arbeiten auf dem Lohnniveau von Osteuropa
oder demnächst auch vielleicht von Asien. Nach unten hin wollen sie
egalisieren. Bei dem Kapital aber kann das auch gar nicht anders sein.
Heute herrschen darüber noch Illusionen. Bei der Demonstration überwogen
noch die Appelle, daß man zurückkehren solle zur alten
sozialstaatlichen Ordnung, obgleich diese natürlich niemals wirklich
sozialstaatlich war. Sie stützte sich doch schon immer auf
internationale Ausbeutung.
Bei
der heutigen Stufe der Proteste kann das noch nicht anders sein. Es
werden weitere Demonstrationen stattfinden, und vor allen Dingen werden
Demonstrationen stattfinden, die auch in Verbindung mit betrieblichen
Aktionen kommen. Von daher lohnt sich der Aufwand, den die Organisatoren
dieser Demonstration und die vielen einzelnen Helfer für ihr
Zustandekommen geleistet haben, unbedingt. Und wir brauchen den
internationalen Zusammenhang, ohne ihn kann der Kampf nicht dauerhaft
bestehen.
Für
uns und für alle marxistische Gruppen steht noch etwas anderes im
Vordergrund: Wenn die Gegensätze wachsen werden, und wir infolgedessen
größere Konflikte haben werden, dann wird es auch darauf ankommen,
wirklich tragfähige Organisationen zu haben. Und davon sind wir noch
weit entfernt. Alle Kraft muß darauf gesetzt werden, zu einheitlichen
Organisationen, zu einer Partei, zu kommen. Die Demonstrationen selbst können
weder die inhaltliche Auseinandersetzung um die dahinterliegenden
sozialen Probleme, noch die Schaffung einer tragfähigen Organisierung
ersetzen.
Der
Erfolg dieser Demonstration spiegelt sich auch darin wieder, daß die
Medien zunächst einmal versucht haben, die Größe der Demonstration
vollkommen klein zu halten und zu verniedlichen, weil sie ihnen nicht paßt.
Das aber ist kein schlechtes Zeichen. Der Widerstand bricht nicht ab, er
wird sich vertiefen und aus den Faktoren, die im Lande selbst wirken,
weiterentwickeln. Alles andere wäre auch verheerend.
Redaktion
NE
-hd
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