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EU-weite Massendemonstration -

100.000 Gewerkschafter protestierten in Brüssel

NEIN ZUR MASSENVERELENDUNG IN DER EU ALS KRISENFOLGE

von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Kommunisten-online vom 2. Oktober 2010 – Für unsereins ging es um 9:30 Uhr los Richtung Bahnhof. Am neben dem Bahnhof liegenden Bushof fiel schon mal sehr auf, dass kaum ein Bus dort stand. Flanderns Busgesellschaft Delijn hatte angekündigt, dass durch den Generalstreik der Gewerkschaften in ganz Belgien mit dem Ausfallen etlicher Busse zu rechnen sein müsse. Unsereins war jedoch klar, dass die belgische Bahn fahren würde, denn die Gewerkschaften sind ja am Befördern vieler tausender Menschen aus allen Landesteilen nach Brüssel zur Massendemonstration interessiert. So setzte sich unsereins denn in den Bummelzug Richtung Brüssel, wo unterwegs noch etliche Gewerkschaftsfreunde zusteigen würden.

Um 11 Uhr ging es am Brüsseler Zentralbahnhof schon sehr grün zu. Viele ACV-Gewerkschafter kamen hier an und gingen zur Pletinckxstraat / Rue de Pletinckx, wo sich die Zentrale der ACV-CSC Brüssel-Innenstadt befindet. Dort mussten die Listen abgegeben werden, damit die Streik- und Demonstrationsteilnehmer auch die gewerkschaftlichen Leistungen (Streik-, Demonstrations-, Essen- und Fahrgeld) empfangen würden. Die Gewerkschaftszentrale empfing uns mit Trinkwasser und Musik. Transparente und Schilder wurden ausgegeben. Schließlich wuchs unsere Zahl dermaßen an, dass die Polizei Straßen ringsum sperren musste. Die Stimmung war schon mal super, auch ließen die Gewerkschafter etliche Feuerwerkskörper hochgehen.

Dann ging es los Richtung Südbahnhof, mit lautem Pfeifkonzert und Getrommel. Kinder staunten am Straßenrand, viele Menschen winkten uns zu. Unterwegs stießen wir grün gekleideten Gewerkschafter auf eine andere Kolonne von rot gekleideten Gewerkschaft der ABVV-CGTB. Richtung Südbahnhof staute sich die Menschenmasse immer mehr. Am Südbahnhof ließ sie sich nicht mehr überblicken. Mein bester Gewerkschaftskumpel strahlte mich an: "Mach mal meinen Rucksack auf!" Darin hatte er einige Dosen Bier gebunkert, an denen wir uns nun bedienten. Es schien kein Durchkommen mehr zu geben.

Schließlich schlängelten wir uns nach 13 Uhr aber doch durch die Massen, denn wir wollten ja der Demonstrationsroute folgen und nicht den Südbahnhof blockieren. Vorbei ging es an etlichen Blöcken ausländischer Gewerkschaftsdelegationen, von denen die griechischen, rumänischen und bulgarischen Kollegen besonders kämpferisch wirkten. Auch die Gewerkschaftsjugend ragte durch Lautstärke heraus und protestierte fleißig, indem sie Protestlosungen an die Gebäude von EU- und Regierungseinrichtungen sowie Banken klebte. Dem zentralen Sitz der ING Bank, wo wohl etliche Dutzend Menschen hinter den Fenstern standen, zeigten die Gewerkschafter gerne mal den Stinkefinger, während lautstark protestiert wurde.

Etliche Straßen und Tunnel am von unsereins als Demonstrationsroute gewählten Kleinen Ring in Brüssel waren wegen des Aktionstags des Europäischen Gewerkschaftsbundes ETUC gesperrt. Busse und Straßenbahnen fuhren nur zum sehr geringen Teil, weil viele Fahrer  ebenfalls an der Großdemo teilnahmen. Nur 18 von 50 Buslinien wurden überhaupt in Brüssel bedient, und dies sehr unregelmäßig. Etliche Metro-Schächte waren kurzerhand geschlossen.

Die zentrale Forderung der Massendemonstration richtete sich an die Banken und Spekulanten, die die Zeche der Krisenlasten zahlen sollen. Eine Finanztransaktionssteuer wurde massiv gefordert. Die Gewerkschaftsredner betonten, dass die Arbeiter und Angestellten die Weltwirtschafts- und Finanzkrise nicht verursacht haben.

Unsereins fiel auf, dass etliche hunderte Gewerkschafter von der IG BCE aus Deutschland an der Brüsseler Massendemonstration teilnahmen. Wie sie unsereins wissen ließen, geht es da derzeit um 12.000 Arbeiter, die ihre Arbeit wegen Zechenschließungen im Ruhrgebiet verlieren sollen.

Unsereins wollte gerne den gesamten Demonstrationszug fotografieren, aber dies war nicht möglich. Es waren zuviele Demonstrationsteilnehmer. Schließlich ging es direkt am Sitz der EU-Kommission und am EU-Parlament entlang. Dort wurden die Proteste dann auch wieder besonders lautstark vorgetragen. Mit spanischen Reitern und Großaufgebot an Sicherheitskräften waren die Sitze der politischen Machtorgane der EU gesichert.

Am Ende des etliche Kilometer langen Demonstrationsmarsches kamen wir in den §Jubelpark§, wo die laute Rockmusik unsereins fast die Ohren platzen ließ. Dort sprachen dann die Spitzenfunktionäre des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB). Revolutionäres ist von diesen Arbeiteraristokraten nicht zu erwarten, so dass sich unsereins da gegen 17 Uhr verabschiedete. Hinter jenem Park standen Bauern und verteilten Milch von §FAIREBELL§, einer Hochpreis-Schutzmarke für die belgische bäuerliche Landwirtschaft.

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Bilder von der Demonstration der Hunderttausend

Fotos/ von Jens-Torsten Bohlke

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