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Das
Ende der Bescheidenheit!
Wir
wollen alles: Alles für Alle!
Rebellion
und Widerstand gegen Sozialraub und Kapitalismus
Samstag,
6. November 2004, 12 Uhr, Lorenzkirche Nürnberg
Großdemonstration
zur Bundesagentur für Arbeit
Bundesweiter
antikapitalistischer Block
Die
Wut auf die Straße tragen +++ Agenda 2010 demontieren +++ Hartz IV
verhindern +++ Sozialraub stoppen +++ den gesellschaftlich produzierten
Reichtum aneignen +++ Kapitalismus abschaffen +++ Für die soziale
Revolution
Am
6. November 2004 findet in Nürnberg im Rahmen bundesweiter
Herbstaktionen gegen den Sozialraub eine Großdemonstration zur
Bundesagentur für Arbeit statt. Denn am 1.1.2005 soll das sog.
Arbeitslosengeld II eingeführt werden, mit dem sich die Armutsspirale für
viele weiter nach unten schraubt. Zwangsarbeit und Billiglöhne werden
dadurch ausgeweitet und somit auch das allgemeine Lohnniveau weiter
abgesenkt. Es liegt an uns, dies zu verhindern! Zahlreiche soziale
Basisinitiativen rufen dazu auf, den Protest und Widerstand gegen die
Agenda 2010, die Hartz-Gesetze und gegen alle Kürzungen im Sozial-,
Lohnarbeits-, Gesundheits-, Renten- und Bildungsbereich entschlossener
denn je auf die Straße und in die Öffentlichkeit zu tragen. Denn während
sich der Reichtum weniger immer mehr anhäuft, bleibt für immer mehr
Menschen immer weniger bis nichts zum Leben. Wenn es uns tatsächlich
schlechter gehen soll, damit es der Wirtschaft besser geht, kann es für
uns nur eines geben: Die Verhältnisse und ein unvernünftiges
Wirtschaftssystem zum Kippen bringen! Schluss mit der Bescheidenheit.
Ja, wir wollen alles ... für Alle! Eine klassenlose Gesellschaft, die
sich an den Bedürfnissen aller Menschen orientiert und die allen
gesellschaftlich produzierten Reichtum gleichmäßig verteilt. Und dafür
gilt es zu kämpfen! Es liegt an uns und jeder/m Einzelnen, denn
geschenkt bekommen wir nichts! Also raus auf die Straße und rein in den
antikapitalistischen Block!
Deutschland
2004
WirtschaftsanalystInnen
und Fachmagazine melden Rekordgewinnaussichten für deutsche Großunternehmen.
Zum Jahresende 2004 wird für die 30 größten im Deutschen Aktienindex
(Dax) zusammengefassten Unternehmen ein Ertragsplus von gewaltigen 54 %
erwartet. Auch die Gewinne der 50 größten europäischen Konzerne
werden in diesem Jahr um rund 20 % steigen. Vorstandsmitglieder und
Top-Manager verabreichen sich Lohnerhöhungen von z.T. über 100 %,
mehrere Millionen Euro verbuchen sie in der Regel jährlich auf ihren
Gehaltszetteln. Die Geschäfte von Banken und Großkonzernen boomen. Das
Bruttoinlandsprodukt ist in den letzten 15 Jahren um durchschnittlich 50
Milliarden Euro pro Jahr gestiegen, der gesellschaftlich produzierte
Reichtum damit immens angewachsen. Die Produktivität hat sich
verdoppelt. 2003 hat die deutsche Exportindustrie einen Rekordüberschuss
von 130 Milliarden Euro erzielt und wurde zum Exportweltmeister gekürt,
Tendenz steigend...
Doch
gleichzeitig erklären uns die KapitalvertreterInnen aus den
Unternehmerverbänden sowie die bürgerliche Politik- und Medienwelt,
wir sollen weiter und weiter den Gürtel enger schnallen. In der
neoliberalen Marktideologie sind finanzielle Aufwendungen für unser
Leben nur noch lästige Unkosten, die dem Profitstreben der Wirtschaft
im Wege stehen. Nach den Steuergeschenken und einer Finanzpolitik für
Wirtschaftsunternehmen und Reiche fehlt dem Staat nun „überraschend“
das Geld, seine Leistungen aufrecht zu erhalten. Kürzungen im
Bildungs-, Gesundheits-, Renten- und Sozialbereich seien unumgänglich,
wie wir tagtäglich zu hören bekommen. Standortpolitik,
Eigenverantwortung und Zukunftssicherung heißen ihre gebetsmühlenartig
wiederholten Todschlagsargumente. Während die Großkonzerne Gewinne
einfahren, folgt zielstrebig ein Sozialraubsschachzug dem nächsten,
eingezwängt in die Kosten-Nutzen Rechnung der freien Marktwirtschaft.
Ein Schritt folgt dem anderen: Feste Arbeitsplätze werden vernichtet,
ein Millionenheer an Erwerbslosen geschaffen, soziale Leistungen gekürzt
und privatisiert, prekäre Billiglohn-, Leih- und Zwangsarbeit eingeführt,
die Löhne gesenkt, die Arbeitszeit erhöht. Der Konkurrenzdruck, jede/r
gegen jede/n, hier und weltweit wird immer und immer wieder aufs neue
ausgespielt. Und wir selbst sind dann wiederum die Schuldigen, sollte
das Profitziel der multinationalen Monopole im weltweiten
Konkurrenzkampf nicht erreicht werden und die Kürzungsspirale dreht
sich weiter und weiter nach unten. In einem breiten Allparteienbündnis
und unter Mitwirkung großer Teile des Gewerkschaftsapparates erleben
wir derzeit den größten Angriff auf die Rechte aller Lohnabhängigen,
seit Bestehen der BRD! Und in allen anderen Ländern der Europäischen
Union sieht es um Sozialabbau, Privatisierung und Kürzungsterror nicht
viel anders aus.
Der
Kapitalismus zeigt sein unverhülltes Gesicht
Die
grausame Wirklichkeit des kapitalistischen Wirtschaftsmodells bedeutete
seit jeher für den Großteil der Menschen weltweit Erwerbslosigkeit,
Elend und Armut. Der Kapitalismus war aufgrund seiner ureigensten Sachzwänge
noch nie in der Lage, die Menschheit überhaupt vernünftig zu ernähren.
Nun kehrt diese Realität wieder mehr und mehr in die Industriestaaten
zurück. Durch harte ArbeiterInnenkämpfe konnten hier dem Kapital
soziale Rechte abgerungen werden. Aufgrund der Systemkonkurrenz zum
ehemaligen Ostblock war das Kapital zu diesen Zugeständnissen bereit.
Es benutzte diese Errungenschaften zur politischen Legitimation bzw.
sozialen Befriedung. Heute feiert sich die kapitalistische Logik als
scheinbar alternativloses Modell das alle Lebensbereiche durchdrungen
hat. Der Kapitalismus zeigt wieder sein unverhülltes Gesicht in der
Ideologie des sog. Neoliberalismus: Unterwerfung aller menschlichen Bedürfnisse
unten die Doktrin des freien Marktes. Durch die weltweite Ausdehnung
dieses Systems auf ökonomischer, politischer und technischer Ebene,
auch Globalisierung genannt, ist die gesamte Welt zum mörderischen
Spielball um Profitmaximierung und verschärfte Konkurrenz um Märkte
und Einflusssphären geworden. Um diesen ureigensten Merkmalen des
Kapitalismus gerecht zu werden und im gegenseitigen Konkurrenzkampf der
Monopole bestehen zu können sucht sich das Kapital zwangsläufig die
dafür günstigsten Bedingungen, z.B. durch den Kapitalexport in
Regionen, wo zur Profitjagd „bessere“ Voraussetzungen vorherrschen,
Subventionen geleistet werden oder auch durch den Abbau „unnötiger“
Kosten. Und damit sind jeweils immer und überall die Lohnabhängigen
gemeint und betroffen. In dieser Logik sind auch die aktuellen Verschärfungen
zu sehen:
So
steht die Agenda 2010 im Zusammenhang mit der EU-Zielvorgabe, bis zum
Jahre 2010 die wettbewerbsfähigste Wirtschaftsmacht der Welt zu werden,
für uns allerdings bedeutet das Sozialabbau und Lohnkürzungen. Sie ist
Teil eines längst begonnenen Prozesses und doch stehen wir erst am
Anfang dieser Entwicklung, wenn es nach dem Willen der
KapitalvertreterInnen geht! Die Hartz-Gesetze – insbesondere die
Abschaffung der Arbeitslosenhilfe – dienen im Grunde dazu, einen
riesigen Niedriglohnsektor zu schaffen. Denn dem Lohndruck der Billig-
und Zwangsarbeit werden auch die höheren Lohngruppen nachgeben. Und
auch die Standtortdebatte als rein politisches Instrument gehört dazu,
in der die Lohnabhängigen weltweit immer weiter und weiter
gegeneinander ausgespielt werden sollen. Das Kapital sucht sich immer
den Ort, wo es die meisten Profite erzielen kann.
Und
der Staat?
Viele
suchen und rufen dabei nach dem Staat, der es schon richten wird. Der
Staat hat allerdings seine eigene zentrale Rolle im Kapitalismus:
Optimale Kapitalverwertungsbedingungen im Sinne der Profitmaximierung zu
schaffen und sicherzustellen, so wie wir es derzeit erleben. Während er
sich aus den sozialen Belangen herauszieht, wird militärisch aufgerüstet:
Nach außen, um auch mit den Mitteln des Krieges Rohstoff-Reserven,
internationale Handelswege und neue Absatzmärkte zu erschließen und
abzusichern. Nach innen, um als Zwangsapparat die Ausbeutungsbedingungen
zu verbessern, die bestehenden Machtverhältnisse abzusichern und
Widerstand im Keim zu ersticken. Privatisiert und ausgelagert wird, was
einerseits als „unrentable Kosten“ (wie unsere soziale,
gesundheitliche oder Alters- Absicherung) verbucht wird und anderseits
auf dem freien Markt profitorientiert expandieren kann (z.B.
Wasserversorgung, Strom, Telekommunikation, Verkehr, ...). Hinzu kommen
all die staatlichen und staatstragenden Institutionen, wie z.B. Schulen,
Parteien, Vereine und Medien, die uns allgegenwärtig und überall die
Denk- und Handlungsformen kapitalistischen Wirtschaftens einzutrichtern
versuchen und das System als alternativlos darstellen sollen. Der Staat
ist uns keine Hilfe und kein Rettungsanker, da er die
Klassengesellschaft absichert. Zu den ideologischen Grundvoraussetzungen
und zur Aufrechterhaltung dieser gesellschaftlichen Verhältnisse gehören:
Besitz- und Konkurrenzdenken, Leistungsbereitschaft und unbedingte
Arbeitshörigkeit, Entsolidarisierung und Ellenbogenmentalität, das
Recht des Stärkern und die Einfachheit des Tritts nach unten, wie die
Ausgrenzung und Illegalisierung von Flüchtlingen, die Notwendigkeit
patriarchaler und sozialer Ungleichheitsstrukturen, Unterordnung und
Disziplinhörigkeit, die Auslese im Bildungsalltag, die Widersprüchlichkeit
der Eigenverantwortung in einem fremdbestimmten Leben oder die
angebliche nationale Zusammengehörigkeit in einer Klassengesellschaft.
Während
die wenigen, die die Produktionsmittel und das Kapital besitzen immer
reicher werden, heißt es für die Mehrzahl der Menschen auf dieser
Welt, immer weniger zum Leben zu haben. Mit jeder Krise, die der
Kapitalismus in Abständen zwangsläufig mit sich bringt, wird sich die
Situation für die Lohnabhängigen, die nicht viel mehr haben als ihre
Arbeitskraft zu verkaufen, auch hier immer mehr und mehr verschärfen.
D.h.
der Kapitalismus ist in seinen Grundzügen nichts anderes als ein durch
und durch unvernünftiges Wirtschaftssystem, das permanent
Ungerechtigkeit und soziale Ungleichheit produziert. Deshalb gehört er
abgeschafft.
Schluss
mit der Bescheidenheit - Wir wollen alles: Alles für Alle!
Der
umfassende Angriff auf unsere Lebensbedingungen durch die Machteliten
aus Wirtschaft und Politik, der von oben geführte Klassenkampf, kann
nur eine Antwort haben: Klasse gegen Klasse!
Setzen
wir also unsere kollektiven Interessen, die Interessen aller der
kapitalistischen Ausbeutung Unterworfenen auf die Tagesordnung.
Begreifen und organisieren wir uns als Klasse, kämpfen wir gemeinsam
gegen Sozialraub, kapitalistische Ausbeutung und Armut. Bewusst als
Klasse handelnd, statt im Kampf aller gegen alle, entsolidarisiert und
individualisiert, werden wir uns durchsetzen.
Weder
durch Bettelei und Bittgänge, noch durch Bündnisse für Arbeit und
Standortsicherungsvereinbarungen oder durch sozialverträgliche
Mitgestaltung von Ausbeutung und Unterdrückung werden wir nur einen
einzigen Schritt weiterkommen. Weder in der parlamentarischen
Parteienlandschaft noch im staatstragenden Gewerkschaftsapparat, dessen
Führung stets den Klassenkompromiss propagiert und damit Teil des
Problems ist, werden wir etwas grundlegendes verändern. Nein, unsere
Interessen können wir nur selbst vertreten und dafür ist es höchste
Zeit. Nicht allein, sondern gemeinsam. In den Betrieben und gegen Ämter,
in Stadtteilen, Schulen und Universitäten gilt es aktiv zu werden,
unabhängige Basisinitiativen aufzubauen und sich zu verankern. Die
massenhafte Wut und Empörung muss endlich ihren praktischen Ausdruck
finden, die Ohnmacht zum organisierten Widerstand werden. Die
Basisarbeit, die Organisierung, Gegenöffentlichkeit,
Bewusstseinsvermittlung und der Widerstand vor Ort können schon heute
beginnen, in autonomen Gewerkschaftsgruppen oder Erwerbslosen- und
Stadtteilinitiativen, usw., überall dort, wo man selbst präsent und
Teil von ist. Der Aufbau von eigenen unabhängigen Strukturen und
Basisinitiativen muss einhergehen mit einer spektren- und inhaltsübergreifenden
Vernetzung in Sozialforen und offenen sozialen Bündnissen von unten, um
die Kräfte zu bündeln und handlungsfähig agieren zu können.
Um
diese sozialen Kämpfe zusammenzuführen, gemeinsame emanzipatorische
und antikapitalistische Inhalte und eine erfolgreiche politische Praxis
weiterzuentwickeln, bedarf es zudem einer autonomen revolutionären
Organisierung, die unabhängig von und jenseits aller system- und
staatstragenden Institutionen agiert. Um erfolgreich zu sein, wird es
jedoch nicht ausreichen, nur lokal und vor Ort aktiv zu sein, nein, auch
überregional, bundesweit und im internationalen Rahmen wird eine unabhängige
Organisierung von Nöten sein, um Gegenmacht zur herrschenden Ordnung zu
entwickeln. Denn um ehrlich zu sein, haben wir hier noch immer den
Status eines Entwicklungslandes, was Protest und Widerstand betrifft, während
sich weltweit in zahlreichen Ländern immer mehr Menschen gegen die
Hegemonie des Kapitals auflehnen und harte Kämpfe für ein besseres
Leben als im Kapitalismus führen.
Also,
Schluss mit dem Verzicht und Schluss mit der Sozialpartnerschaft.
Schluss mit dem zahmen Protest, denn eines ist klar: Unser Widerstand
wird nur dann erfolgreich sein, wenn Staat und Kapital ihn wirklich zu
spüren bekommen. Egal ob es darum geht, die über die Jahrzehnte erkämpften
Rechte zu verteidigen, unsere Lebensbedingungen zu verbessern oder in
die Offensive zu gehen bis hin zum Kampf um das, was uns wirklich
zusteht: der gesellschaftlich produzierte Reichtum für alle und die
Produktionsmittel in die Hände aller und das überall! Ganz einfach:
Alles für Alle!
Nur
mit der Abschaffung des Kapitalismus wird es ein Ende von Ausbeutung und
Unterdrückung geben und nicht in seiner wie auch immer ausgestalteten
Sozialverträglichkeit, die die grundsätzlichen Widersprüche der
kapitalistischen Gesellschaft unberührt lassen. Und das heisst die Auflösung
des Widerspruchs von Lohnarbeit und Kapital, die Abschaffung der
Lohnarbeit und die Überwindung der Klassengesellschaft.
Wir
fragen uns schon längst, was daran schlecht sein soll, wenn die Häuser,
Fabriken, Dienstleitungsbetriebe, Land und natürliche Ressourcen,
einfach alles, in den Händen aller, also vergesellschaftet ist. Was
soll schlecht sein an einer klassenlosen Gesellschaft, die allen
gesellschaftlichen Reichtum gleichmäßig verteilt, in der sich das wie
und was produziert wird an den Bedürfnissen aller orientiert, alles von
unten nach oben, von der Basis her aufgebaut, organisiert und
selbstverwaltet wird.
Schließen
wir uns zusammen, solidarisieren und vernetzen uns und kämpfen
gemeinsam für unsere Rechte und das was uns zusteht!
Für
die Überwindung kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung -
weltweit!
Für
die soziale Revolution - weltweit |