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Konzernherren
werden immer dreister:
Deutsche
Bank Chefvolkswirt Norbert Walter meint:
Löhne
wie in Osteuropa sind genug
von
Günter Ackermann
1.
Die heilige Kuh: rücksichtslose Profitmaximierung
Wir
sind ja schon einiges gewöhnt was die Bosse aus den Vorstandsetagen der
Konzerne so alles von sich geben. Immer die gleiche Leier vom
Hochsteuer- und Hochlohnland Deutschland. Dass das alles nicht stimmt,
wird durch ständiges Wiederholen auch nicht wahrer. Deutsche Großkonzerne
zahlen Null Steuern und bekommen mehr Geld vom Staat, als sie an Steuern
zahlen. Das gilt ohne Ausnahmen – auch für die Deutsche Bank.
Der
Chefvolkswirt dieses Bankhauses, das vom Kaiser, über die Nazis bis in
die Gegenwart in sämtlichen Kriegen ihr Geld verdiente, gibt kund und
zu wissen, wo es lang geht: die Deutsche Bank will dicke Knete machen
– heute und in Zukunft. Da interessiert es einen Dreck, was aus den
Menschen wird, die bei dieser Bank arbeiten. Wen wir nicht brauchen, den
feuern wir! Er sagte: „dass sie den Personalbestand in einer nicht
ganz präzise definierten Frist um diese gut 6.000 vermindert.“
Bei jetzt 60.000 Beschäftigten sind das immerhin 10%. Wie sie die
loswerden, bleibt offen.
Da
Wolter einmal bei der Ehrlichkeit ist, sagt er auch seine Vorstellungen
von den Löhnen. Er will jungen Leuten sagen: „Wenn ihr zu Hause in
Magdeburg oder in Dessau im Moment nichts für euch findet, macht euch
auf und schaut euch um. (...) Aber ein Ingenieur oder jemand, der Messen
organisiert, kann auch in Dubai oder Hongkong arbeiten.“
Rosige
Aussichten also. Und alles zum Wohle des Profits der Konzerne, der
Deutschen Bank und damit der Nation.
2.
Wiedereinführung von Kinderarbeit?
Gegen
die Arbeitslosigkeit im Lande etwas machen, ist offensichtlich für
Walter Killefit, wir schicken unsere Menschen nach China oder Arabien.
Da gibt es auch Filialen deutscher Unternehmen, da sind Arbeitskräfte
billiger.
Und
dann lässt er die Katze aus dem Sack: Lohn soll nicht mehr die Existenz
einer Familie sichern. Wenn es nicht ausreicht, was ein Familienmitglied
an Lohn bekommt, dann müssen eben die anderen Familienmitglieder auch
arbeiten.
„...
dass manche von uns - wegen des intensiven Wettbewerbs mit Mittel- und
Osteuropa - nicht so viel verdienen werden, wie sie in Deutschland zum
Überleben brauchen. Dann kann es sein, dass zwei oder drei Mitglieder
einer Familie arbeiten müssen, damit es zum Leben reicht.“
Zu
kapitalistischen Urzeiten wurde das mittels billiger Kinderarbeit
geregelt. Wie auch heute noch in vielen Ländern der 3. Welt. Eben das
scheint Herrn Wolter vorzuschweben. Drei Hungerlöhne ergeben einen
richtigen, aber eben dreimal Arbeit und dreimal Profit – den Profit
machen die Konzerne. Wenn Siemens, DaimlerChrysler, ThyssenKrupp usw dicke Profite machen, mehrt das auch
die Erträge des Bankhauses der Herrn Walter. Sein Institut ist die
Hausbank von Deutschlands größten Konzernen.
So
offen ist der vornehme Banker Walter zwar nicht, dass er die Wiedereinführung
von Kinderarbeit zur Existenzsicherung von Familien fordert. Aber unüberhörbar
wird klar, wo es hingeht, wenn es da lang geht, wo es Walter genehm ist.
Was
aus den Familien wird, bei denen die zwei oder drei Mitglieder nicht
arbeiten können – sei es auf Krankheitsgründen oder einfach, weil es
keine Jobs gibt, lässt er offen. So einfach verhungern lassen?
Aber
es kommt noch toller: „Wir haben in Deutschland die Vorstellung
entwickelt, es sei Pflicht eines Unternehmers, einem Beschäftigten
einen Familienlohn zu zahlen. Das geht wirtschaftlich aber nicht. Wir
haben zu hohe Kosten und fliegen im Wettbewerb raus.“
Der
Herr Professor der Volkswirtschaft hätte als Student besser aufpassen müssen,
dann hätte er erfahren, dass die Löhne keineswegs der
Existenzsicherung einer Familie dienen, sondern der Reproduktion der
Arbeitskraft. Seit es Kapitalismus gibt, war das nicht anders und wird
wohl auch so bleiben, solange das Kapital herrscht.
Kein
Unternehmer beschäftigt einen Arbeiter, dessen Arbeitskraft er nicht
braucht. Er will Gewinn aus der Ausbeutung der Arbeitskraft heraus
holen. Stimmt der Gewinn nicht, verzichtet er auf die Arbeitskraft. Eine
Senkung des allgemeinen Lohnniveaus würde dabei nur die Profite
steigern, aber die Zahl der Lohnabhängigen nicht, also auch nicht der
Arbeitsplätze.
Andererseits
beschäftigt ein Unternehmen nicht die erforderliche Anzahl von Lohnabhängigen,
produziert es nicht genug und macht weniger/keinen Profit. Auch hier:
Die Entscheidung zum Einstellen oder Entlassen von Arbeitskräften
diktiert in erster Linie der Bedarf, nicht die Lohnhöhe. Freiwilliger
oder erzwungener Lohnverzicht schafft keine Arbeitsplätze, sondern
steigert nur den Profit.
Dass
die deutsche Industrie konkurrenzfähig ist, beweist, dass besonders
lohnintensive Bereiche des Maschinenbaus, wo gut bezahlte Facharbeiter
beschäftigt werden müssen, auf allen Märkten der Welt prächtig
Absatz finden.
Eine
allgemeine Senkung des Lohnniveaus würde allerdings die Pauperisierung
(Verelendung) eskalieren lassen. Herr Walter geht an diese Dinge
offenbar heran, wie sie einst Marx so trefflich skizzierte:
„Mr.
Henley, der Handelsminister, erklärte (...) seinen versammelten
Freunden aus der Landwirtschaft, daß der Pauperismus nur aus Gründen
abgenommen habe, die mit dem Freihandel nichts zu schaffen hätten, und
zwar vor allem durch die Hungersnot in Irland, (...). Wir müssen
zugestehen, daß „die Hungersnot“ ein ebenso radikales Mittel gegen
den Pauperismus ist wie Arsenik gegen Ratten.“
Und
genau dieses Rezept des Herrn Henley aus dem England des 19.
Jahrhunderts ist das klassische Rezept des Liberalismus für die
Problemlösung: alles dem Markt überlassen!
Die
Kräfte des Marktes empfiehlt Herr Walter, empfehlen andere
Konzernherren und empfehlen die bürgerlichen Politiker: Hunger!
Hunger
macht gefügig, Hunger schmälert das Selbstbewusstsein und Hunger macht
stumpfsinnig. Hungertode erscheinen uns heute noch als undenkbar, ich
bin sicher, denen nicht. Da, wo die Deutsche Bank überall Geschäfte
macht, verdient sie am Hunger kräftig mit, ja, Hunger ist die
Voraussetzung für manches dieser Geschäfte.
Und
es ist das klassische Rezept des Liberalismus. Es geriet nur für einige
Jahrzehnte aus dem öffentlichen Bewusstsein. Die Ursache hierfür war
der Kalte Krieg, also die Systemkonkurrenz und der Mangel an Arbeitskräften
im Westen. Das Kapital war zu Zugeständnisse gezwungen.
Der
Kalte Krieg ist vorbei und Arbeitskräfte gibt es vor der Haustür mehr
als genug. Diesmal nicht, wie bei den sog. „Gastarbeitern“ der
Vergangenheit, landlose Bauern oder Landarbeiter ohne
Industrieerfahrung. Diese waren nur für unqualifizierte Tätigkeiten
einsetzbar. Jetzt sind es für die Erfordernisse der modernen Industrie
ausgebildete Fachkräfte aus den osteuropäischen Ländern. Walter
spricht es offen aus:
„...
dass manche von uns - wegen des intensiven Wettbewerbs mit Mittel- und
Osteuropa - nicht so viel verdienen werden, wie sie in Deutschland zum
Überleben brauchen.“ (Anmerkung: „von uns“ bezieht Walter
nicht auf sich, er wird genug verdienen, um zu überleben – mehr als
genug.)
Eine
Schamgrenze gibt es nicht mehr, es zählt der Profit.
Dass
Hunger auch manchmal zur Rebellion führt, hält Herr Walter offenbar für
vernachlässigenswert. Denn: Wer sollte die Hungernden zur Rebellion führen?
Die Gewerkschaften sicherlich nicht!
3.
Sozialleistungen radikal runter
Deutsche
Bank-Walter fordert:
-
Wohngeld runter
-
Renten runter
-
Renteneintrittsalter rauf.
„Es
muss ehrlich gesagt werden, dass man künftig nicht mit 62, sondern mit
68 Jahren in Rente geht.“
Aber
auch:
-
60-Stunden-Woche
-
Verzicht auf Urlaub
„Oder
damit er 60 Stunden pro Woche arbeitet oder zwei Jahre lang auf den
Jahresurlaub verzichtet, weil ein bestimmtes Produkt fertig werden
muss?“
4.
Nur entschiedener Klassenkampf weist diese Leute in die Schranken
Niemand
sage, die Blütenträume des Herr Walter könnten nicht real werden. Wir
sind mittendrin sie real werden zu lassen.
Wer
vor 15 Jahren den Sozialkahlschlag der Schröder-Regierung prophezeit hätte,
wäre von einigen als Spinner und Schwarzseher beschimpft wurden. Und
trotzdem haben wir die Gesundheitsreform und Hartz IV, die Agenda 2010.
Die
Begehrlichkeiten der Konzerne sind nicht kleiner geworden. Eher im
Gegenteil. Der allgemeine Lohnverfall schreitet voran. Siemens, DaimlerChrysler,
Volkswagen, Opel ...
Die Chancen, dass sich die
Einkommen der Menschen noch mehr verschlechtern und damit die Profite
noch mehr steigen, stehen gut:
- es gibt in Deutschland
keine Gewerkschaft, die den Widerstand der Arbeiterklasse gegen die Maßnahmen
organisieren könnte. Anfang April 2004, als die großen Demonstrationen
und Kundgebungen stattfanden, fanden alle Gewerkschaftsführer radikale
Worte. Aber die dienten nur der Beruhigung der Mitglieder. Taten folgten
nicht. Die Gewerkschaften machten ihren Frieden mit Hartz IV und Agenda
2010 – über Rürupp und die Gesundheitsreform redet man kaum noch. Es
wird billigend hingenommen. Eine erneute Verschlechterung ist bereits im
Gespräch.
Die großen
Lohnraubaktionen bei den Großkonzernen Siemens, DaimlerChrysler usw.
haben sich die Gewerkschaften zwar wie ein Löwe aufgespielt, dann aber
landeten sie als Bettvorleger und als zahme Miezekätzchen. Schnurrend
umkreisen sie bereits wieder die Füße von Schröder.
Dabei ist abzusehen, dass
keine der Reformen eine Verfallszeit von mehr als 5 Jahren haben wird.
Der Abbau der Sozialleistungen wird weiter gehen. Der Herr Professor
Walter hat ja bereits gesagt, wohin der Hase laufen soll.
Wo das Ende der
Fahnenstange sein wird? Ganz einfach: Dort, wo es sich die Massen nicht
mehr gefallen lassen. Wir haben 2004 bereits erlebt, wie man die
Handlanger des Großkapitals managen, die Montagsdemos zeigten es:
Heiße Luft entfachen,
Unmut verpuffen lassen und schon geht’s. Man muss sich nur bestimmter
Organisationen bedienen, also Attac, Kirchen, Parteien wie PDS und MLPD,
am rechten Rand auch der Nazis.
Die zarten Pflänzchen des
revolutionär ausgerichteten politischen Widerstands sind noch nicht in
der Lage, hier den Kurs vorzugeben. Aber genau hier läge der Ausweg.
Der Banker Walter kann sich beruhig zurücklehnen und
sich der steigenden Profite seines Bankhauses erfreuen. Er wird nicht
zum Sozialamt müssen. Seine Bank macht ihre Geschäfte weiter, sei es
mit Erdöl, Waffen oder Menschen. Hunger und Not sind dabei billigend in
Kauf zu nehmen.
Dass Blut fließt, Menschen sterben oder gar verhungern sind reine
Kostenfaktoren. Die Geschäfte einer Großbank eben.
„Was
ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank
gegen eine Gründung einer Bank?“ (B.Brecht)
Alle Zitate des Herrn Walter sind der Volksstimme
Magdeburg, 11.02.2005, entnommen (siehe)
Karl Marx: Pauperismus und Freihandel-Die drohende
Handelskrise siehe
DaimlerChrysler
erreicht Operating Profit von EUR 5,8 Mrd., Umsatz um 4% auf EUR 142,1 Mrd. gestiegen, Für
2005 Operating Profit leicht über Vorjahr erwartet
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