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1. Mai 2005:

Duisburger Arbeiter begrüßen SPD-Chef Müntefering- mit fliegenden Eiern

Von Günter Ackermann

Franz Müntefering glaubte hier ein  Heimspiel zu haben. Aber er irrte sich gründlich. Mit lauten Pfiffen und Protestrufen, Transparenten und roten Karten vermiesen sie das Heimspiel des SPD-Fürsten. Müntefering bekam auch nahrhafte Grüße der Duisburger: Eier kamen geflogen und zwar rohe und in der Schale. 

Die zahlreich anwesende Polizei verhinderte durch Schutzschilde, dass der hohe Herr sich ein rohes Ei vom Hemd ablecken konnte – den Sakko hatte er sich vorsichtshalber ausgezogen.

Vorher hatte der örtliche DGB-Chef und SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Bischof versucht die Protestierer zu besänftigen, indem er sagte:

„Wir kämpfen für die Tarifautonomie, das verspreche ich euch. Arbeitnehmer sind keine Bittsteller der Arbeitgeber.“

Die Realitäten sehen anders aus. Die DGB-Oberen kungeln und schieben mit der Bundesregierung und den Unternehmensverbänden. Die Interessen der Gewerkschaftsmitglieder sind ihnen schnuppe.

Dann sprach der Hauptredner und SPD-Chef Franz Müntefering. Genau gesagt, er wollte sprechen, konnte es aber nicht, denn lange und so laut waren die Protestrufe, dass er selbst mit der geballten Kraft der Lautsprechertechnik nicht dagegen ankam. Die Protestierer verhinderten das Reden des SPD-Chefs.

Nach 20 Minuten gelang es ihm einen Satz zu sagen:

„Mit Hartz IV haben wir 180 000 junge Menschen aus der Sozialhilfe geholt. Ihnen ist früher gesagt worden, setzt euch an die Ecke und seid ruhig - heute sollen sie in den Arbeitsmarkt.“

Das Häuflein zum Jubeln bestellter braver Sozis klatschte, aber das nahm keiner mehr wahr. Ein  wahres Katzengeheul setzte ein, Pfui-Rufe und Trillerpfeifenkonzert war die Antwort.

Die Kollegen hatten es als das empfunden, was es war: eine Frechheit, eine Verarsche und Lüge und eine Provokation des  Sozialkahlschlägers.

Sie sollen in den Arbeitsmarkt, na wie schön. Nur leider finden sie da noch immer keinen Job, ja sie müssen durch erzwungene 1-Euro-Jobs sogar noch reguläre Arbeitsverhältnisse vernichten helfen.

Deshalb rufen auch die Zuschauer dem SPD-Chef zu: „Lügner, Lügner““

G.A.

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'Revierpark-Nord' von Wilfried NessLandschaftspark Nord in Duisburg

Der stillgelegte Hochofen

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Duisburg – eine Stadt in den Klauen der Konzerne

von Gerd Höhne

Landschaftspark Nord Duisburg-Nord im Stadtteil Meiderich ist so etwas wie ein Symbol einer kranken Stadt. Hier wird Freizeit groß geschrieben. Rock-Konzerte finden ebenso statt, wie „hohe“ Kultur oder man kann tauchen und bergsteigen. Und viele politische Veranstaltungen finden auch hier statt. So auch seit einigen Jahren die 1. Mai Veranstaltung des DGB.

Der Landschaftspark-Nord ist keine grüne Wiese mit Bäumen bepflanzt, sondern die Überreste eines stillgelegten Hüttenwerkes.

Da, wo einst Eisen und Stahl hergestellt wurde, kann man sich Freizeitaktivitäten widmen. Die jetzt kalten Hochofenreste werden im Sommer in der Nacht bunt angestrahlt. Der Landschaftspark-Nord wird als touristische Attraktion gehandelt.

Dieses Jahr am 1. Mai sollte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering als Hauptredner seinen Senf zum Besten geben dürfen.

Die Gewerkschaften in Duisburg sind noch sozialdemokratischer als anderswo. Der ehemalige IG-Metall-Chef von Duisburg und jetzige Bezirksleiter Peter Gasse war Mitglied der Hartz-Kommission.

Frühere DGB-Kreisvorsitzende brachten es in den Bundestag, Peter Gasse erst nur in den Landtag.

Früher hatte die SPD im Stadtrat satte Mehrheiten, wie sie sonst nur die CSU in Oberbayern kennt. Aber damit ist es seit der vorletzten Kommunalwahl vorbei. Bei der letzten trat das Undenkbare ein: der Oberbürgermeister ist kein Sozialdemokrat. Ein Novum seit 1945.

Früher war diese Stadt Eigentum der SPD – und der Stahlindustrie. Die SPD verhinderte die Ansiedlung von Industrien, die der Stahlindustrie Arbeitskräfte abgeworben hätten. Das hielt die Löhne niedrig und verhinderte, dass sich die Arbeitsbedingungen im Stahlbereich verbesserten.

Die Arbeiter der großen Hütten können nämlich nur von der 5-Tage-Woche träumen, sie arbeiten an 7 Tagen, mit zwei oder drei freien Tagen dazwischen. Die Stundenlöhne sind – trotz der schweren Arbeit – niedriger als in der metallverarbeitenden Industrie. Dass beide in etwa auf den gleichen Lohn kommen, ist das Ergebnis der Sonntags-, Feiertags- und Schichtzulagen - die allerdings z.T. nicht sozialversicherungspflichtig sind, was sich bei niedrigerem Krankengeld, Arbeitslosengeld und vor allem bei den Renten niederschlägt.

In den 80er Jahren sollte die zweitgrößte Hütte in Duisburg-Rheinhausen, die von Krupp, geschlossen werden. Es gab einen landesweit bekannt gewordenen Streik. Die Schließung konnte zunächst verhindert werden. Aber zu Beginn der 90er wurde die Hütte dann doch platt gemacht.

Auch die Hütte in Meiderich wurde damals geschlossen. Da, wo einst schwere Arbeit verrichtet wurde, herrschen jetzt – für jene, die es sich leisten können – Freizeitaktivitäten des gehobenen Standards. Aber immer weniger Duisburger können sich etwas leisten. Ganze Stadtteile veröden, die Parks verfallen, Wohnungsleerstände sind keine Seltenheit.

Das ist die Situation in einer Stadt, von deren Bürgern der einstige DGB-Kreischef und SPD-Hinterbänkler im Bundestag, Günter Schluckebier – nomen est omen – gesagt haben soll, man könne eine schmutzige Unterhose aus dem Gewerkschaftshaus hängen, die Duisburger würden sie auch wählen.

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