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Hoch
der 1. Mai
Der
Reichtum denen, die ihn erarbeiten!
Warum
das Kapital viele Parteien hat und die arbeitenden Menschen sich erst
eine schaffen müssen.
Eine
Analyse von Otto Bruckner, Vorsitzender der Kommunistischen Initiative (KI).(Wien)
Quelle:
Kommunistische Iitiative Wien – Mai-Zeitung 2008
Besteht nun
das Problem der SPÖ in den „Umfallern“ von Bundeskanzler Gusenbauer
und wäre eine „Minderheitsregierung“, wie sie von
JungsozialistInnen gefordert wird die Lösung?
Bereits
vor Antritt dieser großen Koalition wurde uns von JungsozialistInnen
und anderen „Linken“ in der SPÖ erzählt, die „Gusenbauer- SPÖ“
müsse nur eine Minderheitsregierung bilden und alles wäre paletti.
Aber was wären die Bedingungen dafür? Was historisch gesehen einmal
funktionierte, und das unter äußerst unappetitlichen Bedingungen
(Kreisky regierte 1970 etwa ein Jahr lang mit Duldung der FPÖ, die
damals vom ehemaligen SS-Offizier F. Peter geführt wurde), wird
ungeschaut als Modell in das Heute übertragen. Für eine
Minderheitsregierung bräuchte die SPÖ aber die Duldung von Strache.
Das könnte zwar – bedingt durch den Sozialpopulismus der FPÖ – die
eine oder andere sozialpolitische Maßnahme leichter durchführbar
machen, ansonsten würde es aber die Auslieferung der SPÖ an die
rechten und rassistischen Rattenfänger bedeuten. Ein Strudel, der noch
viel tiefer wäre, als jener, in dem sie heute schon steckt.
Überspielt
wird die Tatsache, dass für den herbeifantasierten Zustand einer völlig
anderen SPÖ eine totale Kehrtwende nötig wäre. Die SPÖ ist heute
eine große „Volkspartei“, die zwar ihre Wurzeln in der
ArbeiterInnenbewegung hat und immer noch die stärkste Kraft in
Gewerkschaften und Arbeiterkammern ist, aber eben zu den Hauptstützen
des Kapitals gehört. Es wäre undenkbar, den Deckel der
„Sozialpartnerschaft“ über die Klassengegensätze zu halten, wäre
die SPÖ nicht eine der tragenden Säulen. Auch die völlige
Unterordnung unter das EU-Europa der Konzerne und Generäle wäre ohne
SPÖ nicht machbar. In Österreich ist heute – ebenso wie in vielen Ländern
Europas – ein Zustand hergestellt, in dem ein Parteiensystem herrscht,
wo jeder mit jedem kann. Aus Erfahrung wissen wir, dass sich die
jeweiligen Regierungskonstellationen im Spektrum rosa-schwarz-grün-blau
nur in Nuancen unterscheiden.
Die
einzigen Parteien, die als Staatsverwalter des Kapitals nicht
einzuspannen sind, sind die starken kommunistischen Parteien, wie die KP
Griechenlands, Portugals oder Tschechiens. Sie verstehen sich als
ausschließliche Parteien der arbeitenden Menschen und der Mehrzahl der
kleinen Bauern und Selbständigen, und werden daher vom Kapital aufs Schärfste
bekämpft. In der tschechischen Republik geht das so weit, dass der
Kommunistische Jugendverband verboten wurde.
In
Österreich existiert seit ein paar Jahren mit der Kommunistischen
Initiative (KI) eine neue kommunistische Kraft, die konsequent für den
Aufbau einer solchen Partei der arbeitenden Menschen wirkt. Wir wollen
keine halben Sachen! Denn auch eine Linkspartei in Deutschland, die im
Parlament für soziale Ziele eintritt, während sie in Landtagen wie
Berlin am Sozialabbau mitwirkt, ist den arbeitenden Menschen keine
Hilfe.
Weit
und breit sind heute keine Vorraussetzungen dafür zu sehen, dass in der
SPÖ ein „Linksruck“ bevorstehen würde. Als „Linke“ angebetete
Regierungsvertreter wie Minister Buchinger unterscheiden sich in ihrer
Praxis nur wenig von ihren konservativen Gegenübern.
Die
Spitzen von AK und ÖGB machen zwar immer wieder brauchbare Vorschläge,
dabei bleibt es aber. Geht es hart auf hart, sind sie auf Linie. Auch
das Programm dieser Regierung wurde maßgeblich von ihnen mitgestaltet.
Wir treten dafür ein, dass der Reichtum denen gehört, die ihn
erarbeiten, und das sind nun einmal die arbeitenden Menschen. Wer sich
mit Krümeln zufrieden gibt, darf sich nicht wundern, dass ihm auch
diese vorenthalten werden! Auch die SPÖ wird sich erst dann
bewegen, wenn es ordentlich Druck von unten und von links gibt. Und der
entsteht erst, wenn sich die arbeitenden Menschen selbst eine Bewegung
schaffen, die nur für sie da ist! |