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Durch
das am 27.10.2011 unterzeichnete Abkommen wird das Absterben des Euro
nur verlängert
Übersetzt
von Michèle
Mialane
Herausgegeben
von Susanne
Schuster
deutschsprachige
Quelle; Tlaxcala
am 10/11/2011
Auf
Kommunisten-online am 11. November 2011 - Am
Donnerstag, den 27. Oktober 2011 um 4 Uhr früh haben die Machthaber der
Eurozone ein Abkommen zur Rettung des Euro abgeschlossen. Laut Jacques
Sapir sei jener Antikrisenplan jedoch der „denkbar schlechteste“,
denn er werde die Rezession nur noch verschärfen und Europa um seine
Unabhängigkeit bringen. Außerdem werde er für Griechenlands Rettung
nicht ausreichen.
Louison
Durch
das am 27.10.2011 unterzeichnete Abkommen wird das Absterben des Euro
nur verlängert, denn es reguliert kein einziges der strukturellen
Probleme, die die Schuldenkrise ausgelöst haben. Zudem bringt er
Europas wirtschaftliche Unabhängigkeit und mittelfristige Zukunft in
große Gefahr. Tatsächlich ist dieses Abkommen das denkbar
schlechteste, ein Scheitern wäre besser.
Unsere
Regierungen haben das europäische Wachstum und seine Unabhängigkeit
dem Fetisch Euro geopfert.
Acht
Maßnahmen
Sehen
wir uns die verabschiedeten Maßnahmen an:
1.
Die Schulden wurden zum Teil gestrichen, dies gilt aber nur die von den
Banken erworbenen Wertpapiere. Mit anderen Worten: Nur 100 Milliarden
Euro wurden gestrichen (und nicht 180 Milliarden, die Hälfte der 360
Milliarden). Also nur 27,8 Prozent. In Wirklichkeit sieht es ganz anders
aus als in den Medienberichten. So werden Griechenlands Staatsschulden
auf 120 Prozent des BIP reduziert. Das ist zwar ein großer Fortschritt,
jedoch völlig unzureichend, wenn man das Land vom Drama befreien will,
in welches es gestürzt worden ist.
2.
Der Stabilisierungsfonds wird in einem „Versicherungsfonds“
umgewandelt, von den 440 Milliarden des Rettungsschirms stehen aber
derzeit nur 270 Milliarden „frei“. Da es außerdem nötig ist, eine
Reserve vorrätig zu halten, wird nur mit 200 Milliarden Euro, also 20
Prozent, der neu aufgenommenen Anleihen der Länder gebürgt, die in
Schwierigkeiten stecken, d. h. die gesamten Anleihen belaufen sich auf
1.000 Milliarden Euro (200:0,2). Das ist völlig unzureichend. Laut
Barroso wären 2.200 Milliarden notwendig und ich meinerseits hatte
errechnet, dass allein Griechenland 1.750 Milliarden benötigt – vor
Spaniens und Portugals Restrukturierung. Insofernist das Abkommen also
vollkommen unglaubwürdig.
3.
Die Rekapitalisierung der Banken wird auf 110 Milliarden Euro geschätzt.
Die Europäische Bankaufsichtsbehörde (EBA) hat sie aber am 27.10.2011
auf 147 Milliarden Euro geschätzt (also 47 Mrd. mehr). Außerdem müssen
die Reserven auf die Kreditgewährung von 7 Prozent auf 9 Prozent (core
Tier 1 :Zahlungsfähigkeitsgrad einer Bank) angehoben werden, und zwar
bis Juni 2012. In Wirklichkeit werden mindestens 200 Milliarden Euro nötig
sein, wahrscheinlich mehr (260 Mrd. scheint eine glaubwürdige Einschätzung
zu sein). Die Folge davon wird eine erhebliche Kreditbeschränkung (credit
crunch) in Europa sein, die die Rezession noch verschärfen wird. Zudem
müssen die EU-Staaten schon wieder in die Tasche greifen, weswegen
Frankreich sein AAA einbüßen wird!
4.
Die Aufforderung an die
Schwellenländer (China, Brasilien, Russland), über Spezialfonds zum
Plan beizutragen, ist eine waghalsige Idee, denn sie bringt Europa um
jeden Handlungsspielraum gegenüber China und in geringerem Grad
Brasilien. Es ist begreiflich, dass für jene Länder ein starker Euro
(1,40 USD oder mehr) von Vorteil ist, für Europa aber nicht. Russland
wird keinen Finger rühren (oder nur zum Schein), wie ich es selber im
vergangenen September anlässlich eines Auftrags einer Mission bei
der russischen Regierung feststellen durfte.
5.
Als Berlusconi sich dazu
verpflichtet hatte, Italien wieder in Ordnung zu bringen, tat er es nur pro
forma in Anbetracht der Unstimmigkeiten innerhalb der eigenen
Regierung. Ohne Wachstum (und der Sparplan, der von Berlusconi selber
verabschiedet wurde, verbietet es) wird Italiens Außenschuld weiter
wachsen.
6.
Von Spanien zu verlangen, dass es
sein Arbeitslosigkeitsproblem „löse“, ist im Kontext der Sparpläne,
die diesem Land auferlegt wurden, reiner Hohn.
7.
Der IWF wird noch stärker
involviert, dass heißt, dass der Washingtoner Big Brother uns noch mehr
überwachen wird. Hiermit gibt Europa seine „Unabhängigkeit“ auf.
8.
Die BZE wird dessen ungeachtet
weitere Schuldpapiere auf dem Sekundärmarkt kaufen, was die Spekulation
zwar limitieren, aber nicht verhindern wird.
Daraus
sind folgende – miserable – Schlüsse zu ziehen:
Sarkozy:
Europas kleiner „Père Courage“ startet seine Wahlkampagne
Sarkozy
im Fernsehen: Staatsschuld! Staatsschuld! Staatsschuld!
Willkommen
im „deutschen“ Europa!
In
Anbetracht all dieser Tatsachen können schon einige Schlüsse gezogen
werden:
-
die Finanzmärkte werden nach vorläufiger Euphorie (denn beinahe wäre
alles gescheitert) sehr bald begreifen, dass dieser Plan keine Lösung
bringt. Nächste Woche wird also schon wieder spekuliert, sobald die
Finanzmärkte erkannt haben, wie groß die Kluft zwischen den
vorgeschlagenen und den eigentlich notwendigen Maßnahmen ist.
-
Die europäischen Länder haben sich unter die Führung Deutschlands und
wahrscheinlich unter Chinas Vormundschaft gestellt. Eine zweifache
Katastrophe, die den Euro vermutlich zum Tode verurteilt. Indem Europa
die einzige noch vorhandene Lösung (eine globale Monetisierung der
Staatschulden, entweder direkt über die BZE oder durch die BZE und den
Stabilisierungsfonds gemeinsam) endgültig ausschließt, verurteilt sich
die Eurozone mittelfristig selber zum Tod. Da China um „Unterstützung“
gebeten wird, verbietet sich von vornherein jede protektionistische Maßnahme
(sogar Cohn-Bendit ist das aufgefallen...) und die Eurozone wird zum
reinen „Markt“ und immer weniger zur Produktionszone. Damit wird
jede Maßnahme zur Eindämmung der Deindustrialisierung von vornherein
ausgeschlossen.
-
Mit diesem Abkommen wird die Illusion, dass der Euro Europas Unabhängigkeit
darstellte oder sie irgendwie schützte, endgültig zerstört.
Aus
diesen drei Gründen kann man annehmen, dass jenes Abkommen schlimmer
ist als ein klares Scheitern, denn dann hätte man Verhandlungen über
die Auflösung der Eurozone beginnen können. Zudem hätte dieses
Scheitern die Inkonsequenz der deutschen Stellung klar aufgezeigt und
den EU-Ländern und Europa Möglichkeiten für die Sicherung der Unabhängigkeit
aufgezeigt.
Dieses
unvollständige Abkommen wird sich sehr negativ auswirken. Um eine
Verschnaufpause für nur wenige – vermutlich höchstens sechs –
Monate zu bekommen, werden die EU-Länder zu weiteren Sparmassnahmen
verurteilt. Diese werden die Eurozone zusammen mit dem „credit crunch“,
der Anfang 2012 erfolgen wird, in eine starke Rezession, ja vielleicht
ein Konjunkturtief stürzen. Das wird schon ab den ersten drei Monaten
des Jahres 2012 spürbar sein, und die französische Regierung muss dann
neue Sparmassnahmen treffen, was einen erheblichen Anstieg der
Arbeitslosigkeit verursachen wird. Es wird den FranzösInnen immer
teurer zu stehen kommen.
So
wie es aussieht, wird dieses Abkommen Nicolas Sarkozy politisch nicht
glaubwürdiger machen – er beugte sich zuerst unter Deutschlands Joch
und wird sich später unter Chinas Joch beugen. Ein Thema, aus dem
Marine Le Pen ganz sicher großen Vorteil zu ziehen wissen wird. Wichtig
ist, dass sie nicht als Einzige davon profitiert.
Die
einzig mögliche Lösung ist nun ein Ausstieg aus dem Euro, ganz gleich,
ob vereinbart oder nicht.
Quelle:
http://www.marianne2.fr/
Erscheinungsdatum
des Originalartikels: 27/10/2011
Artikel
in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=6194 |