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Minister und Niete im Nadelstreifen Wolfgang Clement
droht:
Den Arbeitslosen garantiere die Regierung „intensivste
Vermittlungsbemühungen, die es noch nie in der Geschichte der
Bundesrepublik so gegeben hat wie heute“.
von Gerd Höhne
Hinter dem, was so nett klingt, verbirgt
sich, wenn es aus dem Munde eine Industrievertreters oder deren
politischer Interessensvertretung – wie unschwer anzunehmen ist – für
die Menschen in unserem Land, nichts Gutes.
So auch die jüngsten Äußerungen des
Wirtschaftministers und Niete im Nadelstreifen, Wolfgang Clement.
Jetzt gab er zu, dass bei Hartz IV Fehler
gemacht wurden. Natürlich ist, folgt man dem lieben Wölfchen, das
Gesetz insgesamt gut. Aber „Kommunikativ war das offensichtlich
keine Meisterleistung von uns«, sagte Clement am Dienstag dem Hörfunksender
NDR Info.
Da haben wir’s. Die Werbeagenturen, die
Hartz IV schmackhaft machen sollten, haben versagt oder der
Pressesprecher des Ministers, der Bundesregierung, die Presse... Nicht
aber die Regierung.
Wir stimmen dem – wen auch bedingt – zu.
Es gelang tatsächlich nicht, eine Maßnahmen, die die Arbeitslosen- und
Sozialhilfeempfänger noch tiefer ins Elend stürzt, als eine Großtat
der Politik für diese Menschen zu verkaufen. Die merkten sehr schnell,
dass man ihnen noch mehr in die Geldbörse greift und das Geld denen,
die an der Aktien- und Devisenbörse Millionen verdienen, als
Steuersenkung gibt. Die Menschen durchschauten den Schwindel und Schröder
holte sich dann auch eins in die Fresse – Wolfgang Clement leider nur
verbal.
Natürlich meinte das Clement so nicht.
Clement hatte gedacht, der deutsche Michel beuge sich der Notwendigkeit,
den Millionen Geld aus der Tasche zu nehmen um es den Millionären
zuzuschanzen. Aber diesmal kamen Massenproteste. „Wir haben damit
nicht gerechnet. Mit Widerstand wohl, mit Kritik und Protesten auch,
aber nicht in dieser Form und in dieser Heftigkeit.“
Also hatte Clement und seine Mitstreiter für
den Sozialkahlschlag in Regierung, Wirtschaft und bürgerlichen
Parteien, diesmal doch das Fürchten gelehrt bekommen. Aber die Proteste
flauten ab – Dank Attac, PDS und MLPD.
Natürlich wäre Clement nicht Clement, wenn
er nicht in einem Atemzuge mit seiner Selbstkritik drohen würde, sie
bekämen „intensivste Vermittlungsbemühungen, die es noch nie in
der Geschichte der Bundesrepublik so gegeben hat wie heute“.
Fordern
und Fördern, nennt die Regierung das, was auf die Arbeitslosen zukommt.
Und das sieht so aus:
1.
Berufliche Qualifizierungen sind nicht erlaubt
Wie die Aussehen die Bemühungen des Herrn
Ministers?
Drei Beispiele:
1.1 Arbeitlose in Stellen vermitteln, die es
nicht gibt
Da sollen eine bestimmte Anzahl
„Arbeitssuchender“ in eine Maßnahme gesteckt werden. Zunächst
einmal werden sie nur nach der altbekannten Art aufgemischt. Die Maßnahme
dauert bis zu zwei Jahre. Die Arbeitslosen werden etwas aufgemischt, der
Träger – oder Vermittler – kann sie nach Belieben vorladen.
Unter Vermittler ist aber nicht der
Arbeitsvermittler des Arbeitsamtes gemeint. Dahinter kann sich z.B. ein
Umschulungsträger oder eine private
Stellenvermittlung oder sonst wer verbergen. Dieser Vermittler muss
innerhalb einer bestimmten Frist einem bestimmten Prozentsatz der
Arbeitslosen einen Job besorgt haben. Diesen Job müssen sie
zwei Jahre behalten.
Aber nicht irgendeinen Job. Es muss ein
Arbeitsplatz sein, der noch nirgendwo gemeldet wurde, für den kein
Inserat geschaltet wurde, kurz: es muss ein Job sein, der eigentlich gar
nicht vorhanden ist.
Schafft es der Vermittler sein Soll zu erfüllen,
bekommt er für jeden erfolgreich vermittelten Arbeitslosen 1000 bis
1200 €, schafft er es nicht, muss er ca. 400 € Strafe zahlen.
Aber jeder Betrieb, der Arbeitskräfte sucht,
wird sich bemühen, die Stelle so schnell wie möglich zu besetzen, sich
also an das Arbeitsamt, private Arbeitsvermittler wenden und/oder im
Internet oder Zeitungen inserieren. Also dürfen die Vermittler solche
freien Stellen nicht besetzen. Sie müssen also Jobs finden, die es
nicht gibt, für die kein Bedarf besteht.
Seriöse Träger lehnen deshalb die Übernahme
solcher Aufträge von der Arbeitsbehörde ab. Die, die es machen, dürften
nun unseriöse Geschäftemacher sein, die Scheinjobs vermitteln oder
z.B. bei Sklavenhaltern, die durch Scheinfirmen Arbeitslose billig beschäftigen
und diese nach Ablauf der Frist feuern, also ein Rotationssystem
praktizieren.
1.2 Aufmischen von ALG II-Beziehern:
„Aktivieren der Eigenbemühungen“
Bereits jetzt müssen Sozialhilfeempfänger,
die arbeitsfähig sind, Maßnahmen durchlaufen, die keinen anderen Sinn
haben, als sie aufzumischen. Die dauern sechs Wochen, vermittelt wird im
Zweifelsfall nichts oder nur banales Zeug. Wer fehlt, fliegt raus und
bekommt das Geld gekürzt. Fahrgeld bekommen die Arbeitslosen ab einem
Kilometer Entfernung zwischen Wohnort und Schulungsort und zwar 36 ct
pro Kilometer. Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr kostet eine Viererkarte €
6,70 (die Preise anderer Nahverkehrsunternehmen dürften ähnlich sein).
Mit einer Viererkarte kann der Arbeitslose
also zweimal die Maßnahme besuchen. Um aber nicht draufzahlen zu müssen,
muss der Betreffende also ca. 10 km weit weg wohnen. Wer näher dran
wohnt, zahlt drauf. Und das, obwohl die Höhe des ALG II die
Armutsgrenze markiert.
1.3 Trainingsmaßnahmen
Das ist ähnlich wie unter 2., aber die
Arbeitslosen werden zusätzlich in bestimmte Berufsfelder gesteckt. Je
nach Einschätzung des Trägers der Maßnahme und/oder dessen Möglichkeiten.
werden die Teilnehmer an dieser Maßnahme in Alters- und Pflegeheime,
Krankenhäuser, zur Müllabfuhr oder zu anderen Unternehmen geschickt
und müssen dort arbeiten – ohne Bezahlung, versteht sich.
Man muss nicht viel Fantasie besitzen, um
sich denken zu können, dass solche Zwangsarbeiter diese Arbeit nicht
eben schätzen und sie folglich wohl auch eher unwillig machen werden.
Ob die pflegerische Betreuung in
Altenpflegeheimen darunter leidet, kann ich mir nur vorstellen.
Jedenfalls aber wird dadurch kein Arbeitsloser einen Job finden.
Das also sind die intensivsten
„Vermittlungsbemühungen, die es noch nie in der Geschichte der
Bundesrepublik so gegeben hat wie heute“.
2.
Umschulungen nahe Null zurück gefahren
Unter Kohl kaschierte die Bundesregierung die
Arbeitslosenstatistik gern vor Wahlen damit, dass sie die Umschulungen
stark erhöhte. Das ist vorbei. Seit Jahren werden immer weniger
Umschulungen genehmigt. im Jahr 2005 so gut wie keine mehr.
Duisburg ist die Stadt in Nordrhein-Westfalen
mit der höchsten Zahl von Arbeitslosen. Fast 15% gelten offizielle als
arbeitslos, die tatsächliche Zahl dürfte weitaus höher liegen.
Man sollte meinen, hier wird besonders
intensiv gefördert und umgeschult. Mitnichten!
Da werden im gewerblich-technischen
Bereich gesamten Jahr an Maßnahmen vorgesehen:
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- 5 Bildungsgutscheine (=Teilnehmer) für
Friseure von einer Dauer von 3 Monaten,
- 5 Bildungsgutscheine für Fortbildung
zum Kraftfahrer Personenverkehr Erwerb des Führerscheins CE
incl. ADR-Schein (Basis+Tank) und Flurförderschein,
Reparatur/Wartung, Perfektionstraining, Rechtskunde und
Praktikum für 7 Monate
- 5 Bildungsgutscheine für
Fortbildung zum
Kraftfahrer Dauer mit Praktikum dauer 7 Monate.
- 30 Bildungsgutscheine für Modulare
Fortbildung gewerbl. technisch, Dauer 4 Monate,
- 10 Bildungsgutscheine für modulare
Fortbildung Küche, Service, Reinigung, Dienstleistung, Dauer 6
Monate. |
Damit ist Schluss im Bereich
gewerblich/technisch. Ganze 55 arbeitslose Duisburger werden eine
Qualifizierung in o.a. Bereichen machen können. Keine einzige Maßnahme
zum Erwerb eines Berufsabschlusses.
Ganz ähnlich sieht es auch im Bereich kaufmännisch/verwaltend
und in anderen Bereichen aus. Nur noch Maßnahmen zur
Weiterqualifizierung, keine Maßnahmen zum Erwerb einer
Berufsausbildung.
Das sind die Maßnahmen, die Herr Clement so
sehr lobt. Die Zahlen oben stammen vom Duisburger Arbeitsamt und sind
jedermann zugänglich.
Das
sind die Segnungen dieser Regierung, die angeblich die guten Maßnahmen
nicht gut vermarktet hat.
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