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Die unten stehende Glosse bezieht sich auf diese Kolumne aus dem Zentralorgan der Banker, Börsenspekulanten und Schieber 

"Finanzial Times Deutschland" (FTD): Kolumne vom 3. August 2004: 

So viele falsche Freunde, von Margaret Heckel

Die Arbeitslosenindustrie läuft zu populistischer Hochform auf - und schadet den Betroffenen. siehe

Im Internet gefunden:

Quelle: http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/hilfe/adheckel1.pdf

Frau

Margaret Heckel

FTD

Ihre Kolumne vom 03.08.2004

So viele falsche Freunde“

Werte Frau Heckel,

da haben Sie sich einmal richtig Luft gemacht und es den Betroffenheitshysterikern richtig gezeigt. Ehrlich gesagt, ich find’s ja auch gut, dass hier endlich einmal aufgeräumt wird mit all den alten Verkrustungen und die Reformen – wenn auch langsam – in Fahrt kommen.

Das dabei juristisch einwandfreie Ansprüche von Menschen einfach so gestrichen werden - wen stört’s denn ? Die kriegen ja wieder was (lässt sich leider noch nicht ganz verhindern, aber Ihresgleichen arbeitet ja an Konzepten, um dem Abhilfe zu schaffen).

Eigentlich find’ ich ihren Diskussionsbeitrag durchaus schlüssig. Wenn künftig nur noch das Klientel Ihrer Zeitung – und Sie selbst sicher auch - in der Lage sind, sich eine angemessene Gesundheitsversorgung und eine menschenwürdige Altersvorsorge zu leisten ist auch logisch, nur denjenigen ihre Rechtsansprüche zu gewähren, die sich einen Anwalt leisten können. Völlig logisch.

Allerdings gehen Sie mit unseren Grundschulen ein bisschen hart ins Gericht. Denn selbst ich, als Mensch mit eher begrenztem Horizont – was bei Ihnen wohl als Grundschulniveau gelten würde – und Einkommen kann erkennen, dass die kapitalistischen Freidenker hierzulande dabei sind, ihr eigenes Grab zu schaufeln.

Klar, eigentlich läuft ja alles toll für unsere Wirtschaft. Der Export boomt wie nie, die Börsen sind einigermaßen stabil, wer braucht da schon einen Binnenmarkt ? Die paar Einzelhändler oder Handwerker, die aufgrund der Nachfrageschwäche über die Klinge springen – was soll’s. Dann breiten sich eben die globalen Konzerne in diesen Marktsegmenten aus – und um die geht’s doch auch schließlich nur.

Dazu die Triumphe um die Verlängerung der Arbeitszeit in einigen Branchen. Kostensenkung und Steigerung der Produktion (huch, da fällt mir ein, wer soll eigentlich diese Produkte noch kaufen?? Na, ist ja auch egal. Mit Verkauf verdient doch heute eh’ keiner mehr einen Euro. Wofür gibt’s denn Börsen, da wird verdient – oder auch mal abgeschrieben.).

Ich will Ihnen gar nicht den polemischen Vorschlag machen, doch einmal – quasi im Selbstversuch – einen Monat auf Sozialhilfeniveau zu leben. D.h. geben Sie doch einfach einmal einen Monat nur den ALG II- Bedarfssatz von € 345,-- für Grundbedürfnisse für Lebensmittel, Hygieneartikel, soziale Kontakte aus. (Aber nicht schummeln: Nicht auf die gebunkerten tief gefrorenen Hummer, das gelagerte Chanel und das Theater-Abo zurückgreifen, sondern wirklich bei allem mit „Null“ anfangen).

Ich würde mich einfach nur freuen, wenn der Kapitalismus sein Handeln unter den Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Lehre (Jean Baptiste Say u.v.a.m.) überprüfen würde. Dann wird klar, dass sich ein System, dass Menschen nur noch als Ware betrachtet zum scheitern verurteilt sein muss, wenn diese Ware nicht mit einem entsprechenden Wert versehen wird. Toll wäre es, wenn Sie das Scheitern dieses Projektes und den Zusammenbruch dieses Systems noch selbst erleben würden. Das daraus entstehende Chaos würde auch Sie treffen.

In diesem Sinne, schönen Tag im Elfenbeinturm.

Joachim Hacker

Margaret Heckel (37) ist Ressortleiterin Politik & Wirtschaft bei FTD und Leiterin des Berliner Büros der Zeitung

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