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Der
berühmt-berüchtigte Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert
Walter: „Wir
müssen, nachdem der Sozialismus der DDR überwunden wurde, den
westdeutschen Sozialismus überwinden, damit wir die Zukunft
gewinnen können.“ |
Der
Jubel der Ministerin Ulla Schmidt
von
Günter Ackermann
Pressemitteilung
vom 02.03.2005 des Bundesministerium für Gesundheit und Soziale
Sicherung zur Gesundheit: „Die
gesetzliche Krankenversicherung hat das Jahr 2004 mit einem Überschuss
von 4 Milliarden Euro abgeschlossen. Im Jahr 2003 hatten die
Krankenkassen noch ein Defizit von rd. 3 ½ Milliarden Euro.
In den alten Ländern betrug das Plus ca. 3 Milliarden Euro, in den
neuen Ländern ca. 1 Milliarde Euro. Damit wurden die Finanzziele der
Gesundheitsreform für das Jahr 2004 erreicht.“
Dazu Ministerin Ulla Schmidt: „Das
ist ein sehr gutes Ergebnis. Die Gesundheitsreform wirkt. Sie entfaltet
Schritt für Schritt ihre Wirkung. 4 Milliarden Euro Überschuss sind
die Grundlage, damit die Gesundheitsversorgung stärker und rascher auf
mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit umsteuern kann.“
Grund
zum Jubel bei Frau Schmidt, verhaltener Jubel in den Verbänden der
Industrie, denn denen geht’s noch nicht weit genug. Der berühmt-berüchtigte
Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter. Der sagte jüngst in
Magdeburg:
„Wir müssen, nachdem der Sozialismus der
DDR überwunden wurde, den westdeutschen Sozialismus überwinden, damit
wir die Zukunft gewinnen können.“
Aber es geht
in die richtige Richtung des Herrn Walter. Gute medizinische Behandlung
für alle ist für Walter des Teufels. Wer mehr als die Grundversorgung
will, muss eben zahlen.
Den
Grundstock legt Frau Ulla Schmidts Gesundheitsreform. Die 4 Milliarden
€ Überschuss sind
- der
Verzicht unzähliger kranker Menschen mit geringem Einkommen zum
notwendigen Arztbesuch. Die 10 € Praxisgebühr sind für eine Familie,
die von ALG II leben muss, eine unüberwindliche Hürde.
- der
Verzicht unzähliger kranker Menschen mit geringem Einkommen zur
notwenigen ärztlichen Behandlung, weil sie sich die
Arzneimittelzuzahlungen nicht leisten können.
- der
Verzicht unzähliger kranker Menschen mit geringem Einkommen zum
notwendigen Krankenhausaufenthalt, Reha-Maßnahmen oder Kur, weil sie
die 20 € pro Tag nicht aufbringen können.
Hinzu kommt,
dass Sehhilfen (Brillen) aus dem Leistungskatalog verschwunden sind. Da
ist es schon ein Hohn, wenn die für die Sehschärfe notwendige
Untersuchung nach wie vor von der Kasse bezahlt wird. Der Patient kann
also feststellen lassen, was er für eine Brille brauchte, wenn er sich
denn eine leisten könnte.
Und schließlich
sind eine Menge Medikamente nicht mehr verschreibungsfähig, obwohl sie
nachgewiesenermaßen therapeutisch wirksam sind.
Ich kenne
einen Krebskranken, der in der Chemotherapie sich oft so schlecht fühlt,
dass er nicht zur Behandlung mit dem eigenen Fahrzeug fahren kann. Nimmt
er das Taxis, muss er es selbst gezahlen oder er muss mit Bussen oder
Bahnen fahren.
Es gibt zwar
Einkommensgrenzen. Werden diese überschritten, muss der Patient nicht
mehr zuzahlen. Stimmt, aber die sind recht hoch und selbst ALG II-Empfänger
müssen erstmal zuzahlen.
Zwei Beispiele:
1.
Beispiel:
Jahreseinkommen 24.000 €, ein Kind,
Ehepartner, alte Bundesländer, nicht chronisch krank (3% des
Einkommens). Die
Belastung durch Zuzahlungen, Praxisgebühren usw. liegt bei 320,10 € pro Jahr.
2.
Beispiel:
Jahreseinkommen 24.000 €, ohne Kind,
Ehepartner, alte Bundesländer, chronisch krank (1% des Einkommens). Die
Belastung durch Zuzahlungen, Praxisgebühren usw. liegt bei 196,53 € pro Jahr.
„Das
ist ein sehr gutes Ergebnis,“ sagt Ministerin Schmidt. Gut für
wen? Für die Kranken nicht, für die gesunden Versicherten nicht, denn
die werden spätestens, wenn sie krank sind zuzahlen müssen. Gut nur für
die Unternehmer, v.a. für die großen Konzerne. Die mehren ihre
Gewinne. Aber die haben Blut geleckt und wollen mehr. |