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Lernt griechisch!

Nach Polizeimord an 15-jährigen Jungen gehen Hunderttausende Griechen auf die Barrikaden

Von Gerd Höhne

Die Großen fressen die Kleinen

Gemeinsam sind wir stärker!

Njam, njam, ich fress dich!

Hilfe, Polizei, Bundeswehr!
Die wollen mich fressen!

 

Kommunisten-online.de vom 10. Dezember 2008 – In Griechenland geht die Regierung seit Jahren gegen die Menschen mit Raub von sozialen Rechten, Lohnabbau und Bevorzugung der Reichen vor. Viel Unmut hat sich da angestaut. Die Griechen sind einfach sauer.

Das war der Mord an dem 15-jährigeen Alexis Grigoropoulos durch einen Polizisten die Fackel, die ins Pulverfass geworfen wurde. Angeblich hätten Jugendliche – so sagt die Polizei und so entschuldigen es die Täter in Polizeiuniform – das Polizeifahrzeug mit Steinen beworfen. Der Schütze hätte also aus Notwehr gehandelt.

Wir kennen dieses Argument auch aus Deutschland zur Genüge. So am 11. Mai 1952 schoss Polizei in Essen auf eine friedliche Demonstration gegen die Remilitarisierung. Der damals 21 Jahre alte FDJler Philipp Müller wurde tödlich getroffen. Das Gericht nannte das Notwehr.

Dagegen wurden Duzente Demonstranten festgenommen, elf zu Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahre verurteil.

Ähnlich auch der Mord an Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 in Berlin. Ein Polizeibeamter erschießt auf einem Hinterhof den Studenten Benno Ohnesorg hinterrücks. Der damalige Polizeiobermeister Kurras bekam „Putativnotwehr“ bescheinigt. Kurras ging als Oberkommissar in Pension und ist heute 81 Jahre alt, muss nicht an Alterarmut leiden, denn er bezieht eine gute Pension. Zu seiner Tat sagte er vor einem Jahr: „Fehler? Ich hätte hinhalten sollen, dass die Fetzen geflogen wären, nicht nur ein Mal; fünf, sechs Mal hätte ich hinhalten sollen. Wer mich angreift, wird vernichtet. Aus. Feierabend. So iss das zu sehen."

In Griechenland bildet sich eine breite Front gegen diesen Polizeimord. Morgen wird es einen landesweiten Generalstreik geben. Der ist seit längerem geplant und richtet sich gegen Renten- und Lohnkürzungen. Aber die griechischen Gewerkschaften beziehen in ihren Protest diesen Mord mit ein.

Das griechische Volk geht auf die Barrikaden und das ist gut und richtig. Nur der entschiedne Widerstand des Volkes wird von den Herrschenden verstanden, davor fürchten sie sich.

Die deutschen Gewerkschaftsführer dagegen paktieren mit dem Kapital und dessen Regierung, ja sie betätigen sich als Steigbügelhalter der Sozialräuber. Damit machen sie die Arbeiterklasse wehrlos gegenüber dem Kapital, denn die stärkste und einzige wirksame Waffe des Proletariats ist seine Organisiertheit. Die DGB-Gewerkschaften aber sind von Agenten des Kapitals unterwandert, sie verhindern so wirksamen Widerstand. Es ist ja kein Zufall, dass der Namengeber der „Reformen“ zum Sozialabbau, Peter Hartz, nicht nur ein Busenfreund des damaligen Kanzlers Schröder ist, sondern auch der IG-Metall entstammt.

Lernern wir als griechisch, wobei ich nicht die Sprache meine, sondern das Handeln der griechischen Arbeiterklasse, die den Angriffen des Kapitals und dessen Kettenhunden, der Polizei, entschiedne Gegenwehr leisten.

g.h.

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Griechen begehren auf

Von Rüdiger Göbel

Quelle: jungeWelt vom 10.12.2008

Die tödlichen Polizeischüsse auf den 15jährigen Alexis Grigoropoulos am 6. Dezember bewegen ganz Griechenland. Von Saloniki im Norden bis zur Insel Kreta im Süden gingen am Dienstag den vierten Tag infolge Hunderttausende Menschen auf die Straße. Vor allem Schüler und Studenten nahmen an den Protesten gegen Polizeigewalt und die Politik der konservativen Regierung von Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis teil. Schulen und Universitäten blieben geschlossen. Für den heutigen Mittwoch ist ein Generalstreik der Gewerkschaften gegen Renten- und Lohnkürzungen angekündigt, der nach Angaben der griechischen Kommunistischen Partei (KKE) ebenfalls Bezug nehmen wird auf den jüngsten Polizeimord. In den internationalen Medien dominierten auch am Dienstag Bilder brennender Müllcontainer, Autos und Geschäfte in der Hauptstadt Athen.

Staatspräsident Karolos Papoulias rief seine Landsleute gestern auf, das Gesetz zu achten. »Der heutige Tag der Beerdigung des Alexis Grigoropoulos ist ein Tag der Trauer. Seine Ermordung hat unsere Demokratie tief verletzt.« Und weiter: »Ich als ein Mitglied der Generation, die harte Zeiten unserer Geschichte erlebt hat, fordere dazu auf, friedlich die Trauerfeier zu begehen«, erklärte der 79jährige ehemalige Widerstandskämpfer.

Bei der Beisetzung von Alexis Grigoropoulos auf dem Friedhof der Athener Vorstadt Palaio Faliro kam es Presseberichten zufolge am Dienstag nachmittag zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Trauergästen und der Polizei. »Bullen, Schweine, Mörder«, riefen Jugendliche, als der Leichnam des 15jährigen in einem weißen Sarg zu Grabe getragen wurde. »Alexis, du lebst«, riefen andere. Zuvor hatten Hunderte junge Griechen auf dem zentralen Syntagma-Platz versucht, das Parlamentsgebäude zu stürmen, was von der Polizei allerdings verhindert wurde.

Kurz vor der Beerdigung hatte die von der Nea Dimokratia (ND) gestellte Regierung ein hartes Vorgehen der Polizei angekündigt. »Niemand hat das Recht, diesen tragischen Vorfall als Alibi für Aktionen der rohen Gewalt zu mißbrauchen, für Aktionen gegen unschuldige Menschen, gegen ihr Eigentum, gegen die ganze Gesellschaft und gegen die Demokratie«, erklärte Karamanlis. »Unruhestifter« könnten nicht mit Nachsicht rechnen. Der Regierungschef meinte damit wohlweislich nicht die beiden Polizisten, die mit ihren tödlichen Schüssen auf Alexis Grigoropoulos die Proteste und Randale erst entfacht haben.

Griechenlands sozialdemokratische Opposition warf der Regierung ob der anhaltenden Straßenrandale unterdessen Versagen vor. PASOK-Chef Georgios Papandreou forderte Neuwahlen. »Die Regierung kann die Krise nicht bewältigen, und sie hat das Vertrauen des griechischen Volkes verloren«, erklärte er. Wider die reißerische Berichterstattung über randalierende Jugendliche bekräftigte Papandreou: »Auf den Straßen trauert heute eine ganze Generation.«

Nach Angaben der Polizei wurden am Montag 89 Menschen verhaftet. Mehr als 100 weitere Personen wurden zur Vernehmung festgenommen. Mindestens zwölf Polizisten wurden verletzt, die Zahl der verletzten Jugendlichen war vorerst nicht bekannt. Zahlen vom Dienstag lagen bis Redaktionsschluß nicht vor. Auch das Ausmaß der Schäden konnte vorerst nicht beziffert werden. Athens Bürgermeister Nikitas Kaklamanis sagte, in der Nacht zum Dienstag seien rund 1000 Mülltonnen in Brand gesetzt worden, meist für die Errichtung von Barrikaden.

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